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Glücksspielsucht => Tagebuch => Thema gestartet von: Durchbrenner am 19 April 2026, 10:31:22

Titel: Tagebuch meiner Therapie in der Suchtklinik
Beitrag von: Durchbrenner am 19 April 2026, 10:31:22
Tag 1 von 155
Ankunft um 13:00 Uhr.
Arztgespräch zur Aufnahme.
Urin-Screening.



Tag 2 von 155
Heute um 6:00 Uhr war die Blutentnahme, eine Urinprobe musste ich nicht abgeben. Ich habe meine Bezugstherapeutin kennengelernt. Ich bin gedrückt und angespannt, gleichzeitig aber auch erleichtert, hier zu sein. Depressive Gedanken, Antriebslosigkeit sowie Schuldgefühle wegen begangener Taten sind präsent.
Meine Sucht steht klar im Zusammenhang mit meinem Verhalten und den Straftaten. Ich hatte mein Erstgespräch. Ziel der Rehabilitation ist die Behandlung meiner Sucht und die Stabilisierung meiner psychischen Gesundheit. Mir wird bewusst, dass unbehandelte Sucht und psychische Überlastung zu den Straftaten geführt haben.
Ich vermisse meine Kinder sehr.



Tag 3 von 155
Ich bin innerlich unruhig, vieles fühlt sich neu und ungewohnt an. Gleichzeitig weiß ich, dass ich hier bin, weil ich mein Leben nachhaltig verändern möchte. Körperlich fühle ich mich erschöpft und angespannt. Psychisch schwanke ich zwischen Hoffnung und Scham.
Es fällt mir schwer, mich mit meinen Straftaten auseinanderzusetzen, besonders mit dem Wissen, dass ich diese unter Drogeneinfluss und zur Finanzierung meiner Spielsucht begangen habe.
Mir wird zunehmend bewusst, dass ich Verantwortung übernehmen muss – nicht nur vor Gericht, sondern auch vor mir selbst, meinen Kindern und meinem Umfeld. Ich habe Angst vor den rechtlichen Konsequenzen, möchte aber zeigen, dass ich aktiv an mir arbeite.
Ich bin bereit, meine Suchtprobleme ehrlich und aktiv zu bearbeiten. Trotz der Unruhe will ich diesen Weg durchziehen. Ich vermisse meine Kinder sehr. Ich habe mit meiner Ex-Partnerin telefoniert.



Tag 4 von 155
Ich merke, dass ich langsam ankomme, auch wenn sich vieles noch fremd anfühlt. Meine Gedanken kreisen weiterhin um meine Fehler und die Vergangenheit, aber ich versuche, nicht davor wegzulaufen.
In der Therapie habe ich gemerkt, wie schwer es mir fällt, über meine Gefühle zu sprechen. Besonders Scham und Schuld sind stark präsent. Körperlich bin ich müde, aber im Kopf klarer als noch vor ein paar Wochen.
Ich weiß, dass der Weg lang wird, aber ich möchte ihn gehen. Ich vermisse meine Kinder. Morgen gehe ich endlich einkaufen und Wäsche waschen. Weitere Klagen wegen Rückforderungen habe ich eingereicht.



Tag 5 von 155
Heute war ein besserer Tag. Ich habe Kraftsport gemacht und gemerkt, wie gut mir Bewegung tut. Mein Kopf war ruhiger, und ich konnte für einen Moment abschalten.
Körperlich bin ich zwar etwas erschöpft, aber innerlich stabiler. Trotzdem vermisse ich meine Kinder heute sehr stark. Besonders nach dem Training, als es wieder ruhig wurde, kamen die Gedanken hoch.
Das Gefühl, nicht bei ihnen zu sein, belastet mich sehr. Gleichzeitig motiviert es mich, hier wirklich etwas zu verändern.
Meine Therapeutin hat mich heute gelobt. Sie meinte, ich sei positiv aufgefallen. Das hat mir gutgetan, da ich oft denke, ich mache vieles falsch oder komme zu langsam voran.



Tag 6 und 7 von 155
Wochenende.



Tag 8 von 155
Heute war ein wichtiger Tag für mich. Ich habe mich meiner Therapeutin gegenüber geöffnet und ehrlich über meine Vergangenheit gesprochen. Das fiel mir nicht leicht, aber ich merke, dass genau das der richtige Weg ist, wenn sich wirklich etwas ändern soll.
Am Wochenende habe ich außerdem mit meiner Ex-Partnerin telefoniert. Sie hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Ich habe ihr von meiner Spielsucht erzählt und erkannt, dass ich selbst viele Fehler gemacht habe und nicht immer nur andere verantwortlich sind.
Wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum unsere Beziehung so verlaufen ist. Das anzunehmen tut weh, fühlt sich aber ehrlich an.
Schwer fällt mir aktuell die Situation mit meinem Sohn. Eigentlich wollte ich oder die Schwester meiner Freundin auf ihn aufpassen, da es keine andere Möglichkeit gibt, während meine Freundin einen Implantologiekurs macht. Aus der Therapie heraus ist das jedoch nicht möglich. Das macht mich traurig und gibt mir ein schlechtes Gefühl.
Ich hatte außerdem ein Gespräch mit dem Chefarzt über den bisherigen Verlauf und die weitere Planung. Ich merke, dass hier alles sehr ernst genommen wird – und dass ich mich ebenfalls ernsthaft darauf einlassen muss.
Am Mittwoch geht es schwimmen.



Tag 9 von 155
Heute war ein intensiver, aber auch befreiender Tag. In der Gruppe habe ich offen über den Betrug meiner Exfrau gesprochen. Das hat mich mehr Überwindung gekostet, als ich gedacht hätte.
Während ich erzählt habe, habe ich gemerkt, wie viel Wut, Enttäuschung und Verletzung noch in mir steckt. Gleichzeitig tat es gut, alles auszusprechen und von den anderen gespiegelt zu bekommen.
Ich merke, wie wichtig solche Themen sind, um zu verstehen, was Gefühle in mir auslösen und warum ich früher oft geflüchtet bin.
Sportlich habe ich mich heute richtig ausgepowert: zehn Runden à 400 m, insgesamt 4 km in 25 Minuten. Danach war ich völlig erschöpft, aber auch stolz auf mich.
Ein Tag, der wehgetan hat – aber genau deshalb ein Schritt nach vorne war.



Tag 10 von 155
Heute waren wir im Schwimmbad. Es tat gut, sich zu bewegen und den Kopf freizubekommen. Ein anderer Rahmen als die üblichen Räume hier.
Außerdem gab es eine kurze Willkommensgruppe für neue Patienten.
Gestern habe ich mit meinen beiden Söhnen telefoniert.



Tag 11 von 155
Heute habe ich Zirkeltraining gemacht, Tischtennis gespielt und Kraftsport betrieben. Es war anstrengend, aber gut.
Außerdem habe ich einen Osterjoke für meinen Sohn fertig gebastelt. Ich merke meinen Körper – die Muskeln arbeiten.



Tag 12 von 155
Heute hat die Polizei bei meiner Freundin nach mir gefragt, um mir etwas persönlich zuzustellen. Das hat mich innerlich unruhig gemacht. Alte Gefühle und Gedanken kamen kurz hoch.
Trotzdem bin ich bei mir geblieben. Vorher war ich beim Kraftsport und habe wieder gemerkt, wie gut mir Bewegung tut.
Körperlich fühle ich mich stabil und im Kopf klarer. Was mir heute besonders gefehlt hat, sind meine Kinder. Die Gedanken an sie begleiten mich sehr.



Tag 13 und 14 von 155
Wochenende.



Tag 15 von 155
Heute habe ich erfahren, dass ein Patient aus meiner vorherigen Klinik ebenfalls am Donnerstag hierherkommt. Das hat mich nachdenklich gemacht.
Bei der Visite wurde bei mir eine Nasennebenhöhlenentzündung festgestellt. Ich wurde isoliert und habe Antibiotika bekommen. Sport fällt diese Woche krankheitsbedingt aus.
Das ärgert mich, da mir das Training gutgetan hat – aber Gesundheit geht vor. Jetzt heißt es: auskurieren, Kräfte sammeln und geduldig bleiben.
Trotz allem bleibe ich dran.



Tag 16 von 155
Heute war Gruppentherapie. Es tat gut, im Austausch zu sein und zuzuhören. Danach war ich kurz draußen spazieren. In der Ergotherapie haben wir Fußball gespielt – das hat mir körperlich gutgetan.
Ansonsten war es ruhig. Wegen der Isolation war ich viel auf meinem Zimmer. Ich habe viel mit meiner Partnerin und meinen Kindern telefoniert.



Tag 17 von 155
Ein ruhiger Tag. Draußen war schönes Wetter – Sonne, klare Luft. Das tat gut, auch wenn ich nicht viel gemacht habe.
Ich habe mein Zimmer aufgeräumt, gepackt, Staub gewischt und Dinge sortiert. Kleine Schritte, die sich trotzdem gut anfühlen.
Morgen kommt ein Freund aus der alten Entzugsklinik ebenfalls hierher. Ein komisches, aber auch gutes Gefühl.
Außerdem habe ich Wäsche abgeholt und mit meinen Kindern sowie Freunden telefoniert.



Tag 18 von 155
Heute ist Mike angekommen, mit dem ich damals im Entzug war. Es war schön, ihn wiederzusehen. Er hat mir Chips mitgebracht – eine kleine Geste, über die ich mich sehr gefreut habe.
Meine Ex-Partnerin hat sich gemeldet und ihre Unterstützung in Sachen Finanzen, gerichtliche Betreuung und Unterlagen angeboten. Das gibt mir Sicherheit.
Mit meiner Therapeutin hatte ich ebenfalls ein sehr gutes Gespräch. Ich merke, dass sich langsam Strukturen bilden.
Kein spektakulärer Tag, aber ein stabiler – und das zählt.



Tag 19 von 155
Ein besonderer Tag. Wir waren bouldern – das hat mir gutgetan, auch wenn ich noch nicht viel geklettert bin. Danach waren wir essen, es hat sehr gut geschmeckt und ich habe es genossen.
Anschließend sind wir noch in die Stadt gegangen und einkaufen gewesen. Das Wetter war schön – insgesamt ein gelungener Tag.



Tag 20 und 21 von 155
Wochenende.