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Glücksspielsucht => Glücksspielsucht Allgemein => Thema gestartet von: MonsterWhite4Ever am 29 April 2026, 23:41:47

Titel: Meine Geschichte
Beitrag von: MonsterWhite4Ever am 29 April 2026, 23:41:47
Hallo Leute,
ich möchte meine Geschichte mit euch teilen um präventiv gegen mein Problem vorzugehen und vielleicht auch andere Leidensgenossen finden, die mit mir zusammen den Ausstieg schaffen.

Fangen wir mal von vorne an. Ich bin aktuell 20 Jahre alt und stehe kurz vor dem Studienstart. Ich habe Angst, dass das Spielen mir meine ganze Zukunft kaputt macht, gerade im Bezug auf eine Ehe und Familie.
Bei mir fing es wie bei vielen sicher auch schon lange vor der Volljährigkeit an, bei mir um genau zu sein schon im Alter von 12 Jahren. Damals war ich leider findig genug um die Altersverfizierung beim T... Online Casino, dass es jetzt nicht mehr in der Form gibt zu umgehen und schon in so jungem Alter anzufangen zu spielen. Zu Beginn hatte ich mir selbstverständlich keine Gedanken gemacht welche Konsequenzen es haben kann und es ging um den Nervenkitzel, etwas verbotenes zu tun. Es blieb zunächst auch bei kleinen Beträgen und sporadisch in der Häufigkeit, was sich mit Beginn des Corona-Lockdowns und der damit wegfallenden Alltagsstruktur änderte. Ich habe damals häufig mit Kollegen gespielt, wobei es weiter um das gewinnen von Geld ging sondern hauptsächlich um den Spaß in der Gruppe. Mit 15 Jahren kam ich zu verhältnismäßig viel Geld (ein paar tausend Euro), die ich dann im Laufe der Jahre verspielt habe.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nicht das Gefühl ein Problem zu haben und rückblickend betrachtet würde ich es auch nicht als solches bezeichnen, da es nie zu Situationen kam in denen ich mehr gespielt habe als ich wollte geschweige denn Straftaten begannen habe um an Geld zum spielen zu kommen. Außerdem blieb es beim spielen mit anderen, also nie alleine.
Das änderte sich mit dem Erreichen der Volljährigkeit...

An meinem 18. Geburtstag war das erste was ich gemacht habe, mich legal bei einem Online-Casino anzumelden. In den darauffolgenden Monaten gab es mehrere Situationen in denen ich mehr Geld verspielt habe als gewollt, in dem Versuch verlorenes Geld zurückzugewinnen. Dort fing es dann an problematisch zu werden, insbesondere auch mit dem Beginn von größeren Einsätzen und somit auch Verlusten. Ich habe große Teile von verdientem Geld bei Minijobs und Geschenken zu Weihnachten oder Geburtstag zum spielen benutzt und langsam die Kontrolle verloren. Das Spielen kam in dieser Zeit periodisch und ist bis heute so geblieben. Ich bin ein paar Monate spielfrei gewesen, bis ich in ein richtiges Casino im Ausland gehen konnte und am ersten Abend (Achtung Klischee) ein paar Tausend Euro gewonnen habe. Aktuell ist es so dass ich so gut wie immer aus Langeweile anfange zu spielen, meistens Abends nachdem alle Aufgaben erledigt sind, teilweise aber mit exzessiven Beträgen( bis 1000Euro), an einem Abend. Die Verluste tuen weh aber das schlechte Gefühl, was das weitere spielen unterdrückt, hält meistens nicht länger als ein paar Wochen an und so stehe ich wie in einem Hamsterrad immer wieder am selben Punkt, nur jedes Mal um ein paar hundert Euro ärmer.

Bis zum heutigen Tage habe ich mit Sicherheit 20000-25000 Euro verloren und zum Glück noch nie eine Straftat begann um an Geld zu kommen, noch Schulden in irgendeiner Form.

Ich kam heute das erste Mal auf die Idee mich mit meinem Problem intensiv auseinander zu setzen, nun sitze ich hier.

Heute ist der Start in ein spielfreies Leben und ich hoffe diese Geschichte kann vielleicht andere bewahren in das gleiche Loch zu fallen, vor allem Minderjährige, die dieser Gefahr immer noch ausgesetzt sind.
Ich freue mich über jegliche Antworten und bin auch gerne bereit Nachfragen zu beantworten.

IHR ALLE SCHAFFT DAS!!!!!

Titel: Antw:Meine Geschichte
Beitrag von: Olli am 30 April 2026, 06:42:57
Guten Morgen und herzlich willkommen!

ZitatIHR ALLE SCHAFFT DAS!!!!!

Belasse Deinen hier angedeuteten Altruismus ruhig bei Dir ... :) Was die anderen machen, das soll Dich erst einmal nicht stören, denn Du hast da doch erst einmal genug mit Dir selbst zu tun, nicht wahr? Du wirst das also schaffen! Das ist genug! Indem Du Deine Erfahrungen dabei teilst, wurst Du als Abfallprodukt zum Motivator!

Nun, wielleicht ist Altruismus auch gar nicht das richtige Wort in diesem Zusammenhang, Wie wöre es mit Ablenkung von Deiner Person?

ZitatAktuell ist es so dass ich so gut wie immer aus Langeweile anfange zu spielen, meistens Abends nachdem alle Aufgaben erledigt sind

Was bedeutet denn Langeweile für Dich? Was genau bewirkt es? Langeweile ist die Zeit, in der Du mit Dir alleine bist und Du Zeit hast über Dich selbst nachzudenken! Wer der Langeweile entfliehen möchte, der, so sehe ich das zumindest, hat es nie gelernt diese Situation auszuhalten und ggf. sogar zu genießen! Kannst Du Dir das vorstellen? In Langeweile etwas Gutes zu sehen?

Nun, ich finde es sehr beachtlich, dass Du in so jungen Jahren schon mit dem Glücksspiel brechen möchtest. Dies insbesondere, da Du bereits so einen langen Vorlauf aufweisen kannst. Gerade in Deiner Jugend hast Du schnell gelernt, Situationen auszuweichen und eine schnelle und bequeme Art gefunden, die scheinbar alle möglichen Lösungen hat.

Doch eine Glücksspielsucht ist kein Problem, welches man löst, sie ist eine Tatsache, die Dich zumindest in Teilen Dein Leben lang begleiten wird. Dein Suchtgedächtnis, welches Du nicht beeinflussen kannst und welches nichts über Deine Absichten aussagt, wird Dich Dein Leben lang erinnern. Da ist es ein Geräusch, welches wie eines aus einem Glücksspiel klingt, dann ist es ein Symbol, ein Lichtreflex. Oder es ist ein Geruch, den Du in der Nase hattest, als Du auf der Couch gesessen und gezockt hattest.

Du warst also auch schon ein halbes Jahr spielfrei? Das ist doch schon mal ein wunderbarer Beweise, dass Du spielfrei sein kannst. Nun redest Du aber von perodischem Auftauchen der Spielexzesse?
Tja dem Anschein nach sieht es wohl so aus, oder nicht? Was aber, wenn ich mal in den Raum werfe, dass Du bisher nicht wirklich eine Entscheidung zur Abstinenz getroffen hattest? Waren es vielleicht tatsächlich nur Entscheidungen zu Spielpausen? Das mach das Ganze irgendwie leichter, denn dabei gehe ich ja von vorne herein davon aus, dass ich wieder spielen werde? Ich rede hier nicht unbedigt von bewussten, sondern eher intuitiven Entscheidungen.
Eine Abstinenzentscheidung muss aber auch gepflegt werden - jeden Tag ein wenig. Was bringt es mir, wenn ich immer wieder etwas nur, sagen wir einmal, nur von vorne betrachte? Wie komme ich dann an die Information, wie etwas von hinten aussieht? Oder von einer der Seiten? Von oben, von unten?
Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt aus eigenen Erfahrungen. Ich muss also jemanden fragen, der das Objekt aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Willkommen bei Deinem ersten Beitrag in diesem Forum ... :)
Je mehr Blickwinkel, desdo besser. Es wird nämlich auch welche geben, die Du nicht teilen wirst.
Es gibt da einen Spruch in der Selbsthilfe, der ungefähr so lautet: Nimm´ mit, was Du gebrauchen kannst, den Rest lasse liegen!
Wenn ich den Rest aber da liegen lasse, dann habe ich selbst die Möglichkeit, das Gesagte zu einem späteren Zeitpunkt selbst wieder aufzunehmen! Manchmal sind wir nämlich noch nicht so weit dafür.
Wir entwickeln uns jeden einzelnen Tag weiter, ohne dass wir es selbst bemerken.

Schön, dass Du hierher gefunden hast! Wichtig ist nun, am Ball zu bleiben und Dir bewusst zu machen, was Du selbst eigentlich möchtest. Es ist aber auch wichtig, die ganzen falschen Glaubenssätze rund um das Glücksspiel aufzulösen. Erinnere Dich an den Versuch die Verluste wieder auszugleichen. Ist das realistisch? Ist das wahrscheinlich? Wieso solltest ausgerechnet Du derjenige sein, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um den richtigen Programmcode abzupassen, der Dich mit "Gewinnen" ködern möchte. Gibt es überhaupt für einen Süchtigen Gewinne? Oder sind es nicht nur Einsätze fürs nächste Spiel?
Es gibt tausende solcher falschen Glaubenssätze und es tut gar nicht weh sie los zu lassen und richtige zu etablieren. Du brauchst Dich ihnen bloß so zu stellen, wie Du es auch bei anderen tagtäglich machst, die nichts mit der Thematik Glücksspiel zu tun haben.

Um Dich in Deinem Handeln unterstützen zu lassen, solltest Du Dir eine Selbsthilfegruppe suchen. Dies sollte wenn möglich bei Dir vor Ort sein. Du brauchst Resonanzen zu Deinen Überlegungen und überhaupt erst einmal Futter f+r Überlegungen. Da ist es hilfreich auch die komplette Körpersprache lesen zu können ... bei den anderen, aber auch bei Dir. Alles was in solch einer Gruppe gesagt wird, das bleibt in der Gruppe.
Wenn Du magst, dann komme am Samstag um 19 Uhr pünktlich mit vorinstalliertem kostenlosen Zoom-Client ins Online-Meeting. Den Link findest Du oben auf der Seite hinter der Schaltfläche "online".
Titel: Antw:Meine Geschichte
Beitrag von: MonsterWhite4Ever am 30 April 2026, 09:27:17
Hallo Olli,

vielen Dank für deine ausführliche Nachricht. Bei vielem habe ich mich selbst ertappt gefühlt und du hast natürlich Recht damit, dass man sein Leben lang in gewisser Weise süchtig bleibt.

Die Langeweile kam immer nach dem erfolgreichen beenden von Errungenschaften, im Sport oder in der Ausbildung und den freien Tagen danach. Außerdem ist es, so denke ich ein einfacher Weg schwierigen Zukunftsentscheidungen ein paar Stunden aus dem Weg zu gehen. Zumindest denke ich ist das aktuell der Grund, es gibt aber immer einen da brauche ich mir nichts vorzumachen.

Selbstverständlich weiß ich wie Buchmacher arbeiten und dass es zumindest ohne drastische Anhebung der Einsätze und einem praktischen All-In so gut wie unmöglich ist, das verlorene Geld wiederzugewinnen. Das Thema Geld gewinnen steht aber nicht wirklich im Zentrum meines Spiels, erst wenn man bereits verloren hat. Reich wird da niemand mit, das ist klar.

Wenn es eine Möglichkeit gibt, anonym teilnehmen zu können würde ich das gerne wahrnehmen, mit Blick auf etwaige berufliche Konsequenzen jedweder Art ist mir die Anonymität diesbezüglich sehr wichtig.

Schönen Tag!!!
Titel: Antw:Meine Geschichte
Beitrag von: Olli am 30 April 2026, 12:52:09
Mahlzeit!

Deine Anonymität bleibt gewahrt! Keine Bange ...
Selbst wenn Dein oberster Chef auch teilnehmen würde: Alles, was in der Gruppe geschieht, das bleibt auch in der Gruppe!

Es ist schon komisch ... Es ist viele Jahre her und ich war vielleicht etwas älter als Du jetzt, da ging ich in der Mittagspause spazieren und kam bei einer Psychologin vorbei. Ich hatte gerade wieder Stress mit den Eltern und ich war knapp davor hineinzugehen und um einen Termin zu bitten. Doch mein Suchtteufelchen schrie mir ins Ohr, was wohl geschehen würde, wenn mich einer der Arbeitskollegen beim Betreten des Hauses sehen würde?

Ich ließ es und lief stattdessen jeden Tag in der Fußgängerzone in die Spielhalle. Wer mich da wohl alles gesehen haben mag? :)
Titel: Antw:Meine Geschichte
Beitrag von: MonsterWhite4Ever am 30 April 2026, 16:17:29
Ich glaube du hast mich missverstanden. Ich schaue dass ich mir eine Maske besorge o.Ä. , zumindest zum Anfang um einmal die Barriere zu überwinden.

Schöne (inhaltlich natürlich nicht) Anekdote, ich bin bereits im Austausch mit angehörigen.

Vielleicht aber gar keine so schlechte Idee...

lg
Titel: Antw:Meine Geschichte
Beitrag von: Olli am 30 April 2026, 20:13:04
Du brauchst keine Maske, Du kannst einfach das Video abgeschaltet lassen. :)

Das mit der Psychologin war tatsächlich eine Anekdote, die mir beim Schreiben just einfiel,  und hatte nichts mit Dir zu tun ... :)