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Glücksspielsucht => Glücksspielsucht Allgemein => Thema gestartet von: trading500 am 09 Mai 2026, 13:30:20

Titel: Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: trading500 am 09 Mai 2026, 13:30:20
Hallo zusammen,

ich möchte heute ein paar Gedanken mit euch teilen, die mich aktuell sehr beschäftigen.
Mental befinde ich mich momentan an einem der tiefsten Punkte meines Lebens (ca. 100.000 € Verlust im Day-Trading)

Kurz ein paar Worte zu mir, bevor ich meine Geschichte erzähle:
Ich bin mittlerweile 31 Jahre alt, hatte eine wunderschöne Kindheit und es hat mir an nichts gefehlt.
Mit 16 habe ich eine Ausbildung begonnen, danach noch eine Weiterbildung in Vollzeit absolviert und arbeite seit meiner Ausbildung in derselben Firma.

Nun zu meiner Geschichte und meiner Sucht:
Die ersten Berührungspunkte mit Glücksspiel hatte ich 2015. Damals machte man mit Freunden kleine Sportwetten – einfach just4fun beim Fußballschauen, mal 5 oder 10 Euro. Dieser Dopamin-Kick war allerdings rückblickend der Anfang vom Ende.
Relativ schnell wurden die Einsätze höher. Irgendwann habe ich auf sämtliche Sportarten gewettet, von denen ich teilweise überhaupt keine Ahnung hatte. Es ging nur noch um die Quote. Solange ich mein geregeltes Einkommen hatte, ließ sich das alles irgendwie finanzieren.

Von 2017 bis 2019 war ich dann Vollzeit auf der Schule und hatte in dieser Zeit kein geregeltes Einkommen mehr. Genau dort bin ich 2017 das erste Mal richtig auf die Schnauze gefallen. Ich hatte mein komplettes Erspartes von rund 17.000 € verzockt – Geld, das eigentlich als Rücklage für die zwei Jahre Vollzeitschule gedacht war. Zum ersten Mal musste ich meinen Eltern davon erzählen.
Diese Beichte war alles andere als leicht. Trotzdem haben mir meine Eltern damals mit einem Vorschuss von 10.000 € geholfen, damit ich meinen Alltag wieder bewältigen konnte. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich mit Sportwetten komplett aufgehört habe. Seitdem habe ich mich nie wieder in ein Sportwetten-Portal eingeloggt.

2019 begann ich wieder zu arbeiten und habe die 10.000 €, die ich von meinen Eltern bekommen hatte, nach und nach vollständig zurückbezahlt.Bis Anfang 2020 führte ich wieder ein völlig normales und geregeltes Leben und konnte auch wieder viel sparen.

Anfang Januar 2020 kam ich dann über eine Network-Marketing-Firma mit Day-Trading in Berührung. Seit diesem Zeitpunkt habe ich mich bis zum 07.05.2026 nahezu täglich mit Day-Trading beschäftigt.
Ich sah darin die Möglichkeit zur finanziellen Freiheit – etwas, das tief in meinem Inneren schon immer ein Traum war. Charts wurden zu einer echten Leidenschaft für mich. Ich analysierte stundenlang Märkte und eignete mir sehr schnell viel Wissen an.

2022 kam dann der Punkt, an dem ich ein Gewerbe gründete und Day-Trading über eine Fremdkapitalfirma (auf Provisions-Basis) betrieb, da privates CFD-Trading in Deutschland aufgrund der damaligen 20k-Verlustregel steuerlich sehr unattraktiv war. Trader wissen vermutlich, was ich meine.
Mit dem Prop-Trading habe ich dann zum ersten Mal richtig viel Geld verdient. Insgesamt waren es etwa 130.000 € vor Steuern. Im ersten Jahr hatte ich dadurch auch direkt fünfstellige Steuerzahlungen, was aber kein Problem war, da ich Einnahmen, Steuerrücklagen usw. sauber getrennt hatte.

Der eigentliche Albtraum begann 2025, als die 20k-Verlustregel aufgehoben wurde und privates Trading wieder attraktiv wurde. Der Unterschied war enorm: privates Trading mit ca. 25 % Kapitalertragssteuer statt gewerblichem Trading mit rund 42 % Einkommensteuer. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mein Gewerbe beendet habe und mich wieder voll auf den Eigenkapitalhandel konzentrierte. Ein großer Teil der Gewerbegewinne flossen entweder direkt in die gewerbliche Tätigkeit, oder nach Gewerbe-Beendigung in das private Trading.

In den letzten 1,5 Jahren habe ich völlig den Bezug zu meinem ersparten Geld verloren. Ich habe immer wieder Tausende Euro eingezahlt, verzockt und erneut Geld nachgeschossen, um Verluste zurückzuholen. Anfang Dezember 2025 habe ich dann gesagt: ,,Jetzt ist Schluss für dieses Jahr", weil ich wirklich kein Geld mehr hatte. Anfang 2026, als wieder neuer Lohn kam, habe ich direkt wieder 1.000 € eingezahlt – und natürlich ebenfalls verloren.
Dann begann 2026 mein absoluter Tiefpunkt:
Ich hatte einen Bausparvertrag mit 17.000 € aufgelöst, eigentlich mit dem Gedanken, etwas finanziellen Puffer für den Alltag und die anstehende Steuerzahlung zu haben. Auch dieses Geld habe ich komplett verzockt – inklusive meiner monatlichen Gehälter. Letzten Monat hatte ich nur noch 100 € auf dem Konto.

Diese Woche kam dann der absolute Tiefpunkt:
Ich habe im Goldhandel einen Großteil meines letzten Lohns verloren. Anfangs sah der Trade gut aus – ich war short auf Gold. Doch durch die aktuelle Weltpolitik mit Trump, den Spannungen im Nahen Osten usw. lief der Kurs komplett gegen mich und ich wurde ausgestoppt.
Daraufhin habe ich kurzfristig einen Privatkredit über 10.000 € aufgenommen – das erste Mal in meinem Leben überhaupt einen Kredit.
Der Plan war:5.000 € für einen Gold-Short und die restlichen 5.000 € als Puffer für den Alltag.
Die ersten 5.000 € waren sehr schnell weg. Danach habe ich sogar die restlichen 5.000 € ebenfalls verzockt – wieder mit einem Gold-Short, weil ich felsenfest davon überzeugt war, dass der Kurs irgendwann fallen MUSS.
Als dieses Geld dann innerhalb von nicht einmal 24 Stunden ebenfalls weg war, war mein Dopamin-Level so extrem hoch, dass ich im völligen Eifer des Gefechts noch weitere 15.000 € Kredit aufnehmen wollte.
Mein Gedanke war: 5.000 € für Trading – und wenn das schiefgeht, endgültig Schluss. Die restlichen 10.000 € als privater Puffer.
Als die Bank mir diesen Kredit trotz guter Bonität abgelehnt hat (neue Kreditanfrage innerhalb 24h), war das im Nachhinein mein ,,Day of no return" – der Moment, in dem ich endgültig erkannt habe: "ES MUSS JETZT FÜR IMMER AUFHÖREN: SO KANN ES NICHT WEITERGEHEN".
Ein paar Stunden bzw. Tage später bin ich mittlerweile froh darüber, dass die Bank den Kredit abgelehnt hat. Während dieses Dopamin-Kicks hätte ich mich sonst vermutlich noch viel tiefer in diese Spirale hineingeritten. Kurzfristig hätte mir das vielleicht etwas Luft verschafft, langfristig wäre alles nur noch schlimmer geworden.

Ich frage mich seit dem Zeitpunkt ständig:
• "Wie konntest du nur so dumm sein?"
• "Wie konntest du knapp 100.000 € an der Börse verlieren und nicht vorher schon aufhören? (100.000 € reines Eigenkapital, gewerbliche Gewinne bereits rausgerechnet)

Durch diese ,,Dummheit" fühle ich mich aktuell sehr depremiert, auch wenn ich weiß, dass es letztendlich eine Sucht ist bzw. war. Man wird in solchen Momenten komplett von Dopamin und dem Drang gesteuert.

Außenstehende Personen würden mir das vermutlich niemals ansehen. Im Privatleben und im Berufsalltag bin ich ein sehr sehr disziplinierter Mensch. Genau diese Disziplin hat auch dazu geführt, dass mein beruflicher Weg inkl. Weiterbildung so ,,gut" gelaufen ist.

Noch ein paar wichtige Punkte zur Gesamtsituation:
• Ich habe noch drei weitere Bausparverträge mit insgesamt knapp 120.000 € Guthaben. Da dieses Geld aktuell noch vertraglich gebunden ist, ist dieser sechsstellige Betrag – zum Glück – momentan geschützt.
• Den 10.000-€-Kredit habe ich nur aufgenommen, weil ich nicht an das Geld aus den Bausparverträgen gekommen bin (zum Glück !!!)
• Aktuell habe ich für diesen Monat noch etwa 1.000 € zur Verfügung, die bis Monatsende reichen müssen.
• Ich bin Single und habe keine Verpflichtungen wie Hauskredit oder Kinder. Das war auch einer der Gründe, warum immer so viel Geld fürs Trading verfügbar war.
• Aktuell wohne ich in einem eigenen Bereich im Elternhaus ohne Mietkosten, möchte mir aber trotzdem bald etwas Eigenes aufbauen (Wohnung kaufen, Wohnung mieten, evtl. etwas umbauen, ..)
• Bis zum 31.07. muss ich die Steuererklärung für 2025 abgeben. Dort kommen noch ca. 4.000–5.000 € Nachzahlung auf mich zu aufgrund des Gewerbegewinns aus dem letzten Jahr.

Das Einzige, was mir aktuell Hoffnung macht:
• Ich habe einen Job, der mir wirklich Spaß macht und mit 3.800–3.900 € netto gut bezahlt ist (im Vergleich zum Durchschnitt in DE). Mit 31 Jahren habe ich dadurch hoffentlich noch viele Möglichkeiten.
• Mein erstes Ziel: Mit den nächsten 2-3 Monatslöhne etwas Grundstabilität in der finanziellen Lage wieder schaffen & dann schnellstmöglich den Privatkredit mit Sondertilgungen abbezahlen.
• Die Erkenntnis, dass ich jetzt wirklich aufhören möchte und dieser Tiefpunkt im Nachhinein der wichtigste Wendepunkt meines Lebens sein könnte
• Wieder mehr Freude an den einfachen Dingen im Leben zu finden: einfacher Spaziergang an der frischen Luft mit Vogelgezwitscher, Zeit mit Freunden, ein normales und ruhiges Leben, Musikinstrument spielen, schwimmen gehen, ..

Allein diese Zeilen aufzuschreiben hat mir gerade unglaublich gut getan. Einfach mal die Gedanken rauslassen – in einem Forum mit Menschen, die mental vielleicht Ähnliches oder sogar Schlimmeres erlebt haben.

Ich würde mich über ein paar Gedanken von euch freuen.

_____

PS: Diese Geschichte möchte und werde ich meinen Eltern nicht erzählen. Sie wären maßlos enttäuscht, nachdem sie mir bereits 2017 wegen meiner Spielsucht geholfen haben. Sie wissen zwar, dass ich an der Börse aktiv (bin) war, aber sie kennen nur die guten Zeiten, in denen ich viel Geld verdient habe. Dass es mittlerweile so schlecht lief, wissen sie nicht – und ich möchte sie damit auch nicht belasten, da diese andere Sorgen haben.

Titel: Antw:Trading-Sucht / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: Olli am 09 Mai 2026, 14:38:46
Hi und herzlich willkommen!

Kontrolle ... darum dreht sich bei uns Menschen so viel. Es ist ein menschliches Bedürfnis, sich und sein Umfeld zu kontrollieren, Letzteres zumindest in einem gewissen Rahmen.

Scham ... ein Gefühl, welches 2 Dinge regelt: Jemand hat gegen Werte und Normen einer sozialen Gruppe verstoßen und ist sich dessen bewusst. Die anderen der sozialen Gruppe erkennen z.B. an einem geröteten Gesicht, dass der andere sich seines Vergehens bewusst ist und mildert seine eigene Reaktion, um die soziale Gruppe nicht weiter zu belasten.

Nun, bei einem Verlust der Kontrolle ist das Festhalten an der Kontrolle immer mit Scheitern verbunden. Scham ist bei einer Sucht sehr häufig ein Blocker, um sich aufrichtig Hilfe zu organiseren. Die Scham schützt so die Sucht. Dabei ist es doch eine Kompetenz, sich Hilfe zu organisieren. Wer weiß, welche Widrigkeiten bei einer Offenbarung von einem Süchtigen überwunden werden muss, der weiß auch, dass diese Person dann mit Recht stolz auf sich sein kann.

Und nun vergesse mal ganz schnell all Deine Kontrollversuche, die Du da in Planung hast und auch den Kontrollversuch die Gruppe sofort zu lenken in eine Richtung, die Dir zumindest in Deiner Vorstellung nicht gut tut.

Dabei zeigt doch der Absatz mit eingeleitetem PS so viel ... Du weisst, was richtig ist! Du hast Angst davor, was Deine Eltern sagen und vor allen Dingen über Dich denken werden. Dabei vergisst Du aber, dass das, was passieren könnte, alles nur in Deiner Vorstellung geschieht. Lasse Dich überraschen von Deinen Eltern. Du vertraust ihnen - nur Dir selbst nicht! Du wirst das Outing schon meistern. Und nun, da Du Dich der Selbsthilfe angeschlossen hast, musst Du nicht erst alles selbst ausprobieren, was Dir helfen und dabei auch noch gefallen könnte. Du darfst Dich aus einem Pool aus Erfahrungen bedienen. Deine Eltern lieben Dich und sie wollen wissen, wie es Dir geht. Natürlich vertrauen sie Dir und fragen deshalb auch nicht nach. Sie möchten Dir nicht zu nahe treten. Oder denkst Du wirklich, dass Deine Schilderungen nicht auch erkennbare Veränderungen bei Dir hinterlassen hätten? Sie haben natürlich auch Wünsche und Ziele für Dich und wollen selbst unbewusst manchmal die Augen verschließen, um aus dieser imaginären Welt nicht heraustreten zu müssen. Doch sie kennen Dich und sie sehen auch, wenn es Dir nicht gut geht.

Komme heute abend ins Meeting ... oben einfach auf "online" klicken um kurz vor 19 Uhr. Installiere Dir den kostenlosen Zoom-Client, damit Micro und ggf. Kamera funktionieren. Du kannst ja mal im Vorfeld testen, ob es klappt. Auch wenn es eigentlich unwichtig ist, wir haben auch Trader in der Gruppe.

Oh ja, den Kontrollverlust, wie bei dem 2. Kredit innerhalb 24 h, den kenne ich auch. Etliche male bin ich da durch gegangen ... einmal kam am Ende ein Betrug dabei heraus. Viele Male reichte es aber auch schon aus noch vor dem 1. alles Geld verzockt zu haben.

Es ist absolut richtig, dass Du einen Schlussstrich ziehen möchtest. Aber denke dabei bitte immer klein, indem Du nur für heute spielfrei sein möchtest. Das reicht vollkommen. Wieso ein solch riesiges Ungetüm erschaffen, "nie wieder" zu spielen? Es wird Dich auffressen ...
Heute ist genug! Heute hat ein kleines Ziel und am Ende des Tages, so Gott will, auch einen Erfolg!

Komme vorbei heute abend ... wir beißen nicht ... :)
Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: trading500 am 29 Mai 2026, 23:25:24
Knapp 3 Wochen sind seit meinem "day of no return" vergangen und ich fühle mich im Alltag wesentlich besser ..

- ich schlafe besser
- habe im Alltag nicht mehr diesen ständigen "innerlichen Druck" (Daytrader verstehen, was ich meine)
- ich sehe viele Dinge im Alltag wieder viel bewusster, die wichtig sind (Gesundheit, freie Zeit in der Natur verbringen, ... )



Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: Isabell80 am 20 Juni 2026, 06:43:50
Guten Morgen Trading500, inzwischen sind 3 weitere Wochen vergangen.
Wie geht es dir ?
Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: trading500 am 20 Juni 2026, 11:45:53
Hallo Isabell,

danke der Nachfrage.

Mein Alltag hat sich massiv verbessert, da ich psychisch überhaupt keinen ,,Druck" mehr verspüre. Den Druck des Handelns bzw. Spielens. Während der Handelswoche war ich 24/5 immer zumindest leicht unter Strom – das ist komplett verflogen. Seitdem hat sich auch mein Schlaf wieder deutlich verbessert.

Besonders positiv überrascht mich, dass ich in den letzten Wochen überhaupt keinen Drang mehr danach hatte. Der Schmerz an diesem 07.05. saß so tief, dass ich das kein zweites Mal erleben möchte.

Im Alltag habe ich in den letzten Wochen wieder ein gesundes Verständnis für Geld entwickelt. Es tut zwar nach wie vor sehr weh, wenn ich an die Summe denke, die ich verloren habe. Und auch die nächsten Monate werden finanziell belastend bleiben, unter anderem wegen der anstehenden Steuernachzahlung nach der Gewerbeaufgabe.

Trotzdem ist diese Last mir tausendmal lieber, als noch aktiv in der Teufelsspirale zu stecken, die mich letztlich immer tiefer in die Scheiße geritten hätte.
Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: Isabell80 am 20 Juni 2026, 12:01:25
Danke , für deine schnelle Rückmeldung !
Ich freu mich für dich , das klingt nach einer tollen Veränderung !
Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: Loser65 am 08 Juli 2026, 22:49:55
Hallo Trading500,
bitte melde dich mal, wenn du mit dem Gedanken spielst, rückfällig zu werden. Also vor dem nächsten Trade! Und fasse nix an, bevor du mein Statement dazu bekommst!
Ich habe solche Ausstiegsphasen auch schon mehrmals abgebrochen, weil meine Logik keine Risiken mehr gesehen hat. Das ging dann auch ein paarmal gut, bis ich wieder im Zockermodus war.
Wie wäre es, wenn wir uns von nun an gegenseitig vor der Dummheit bewahren, um auf den entscheidenden Moment zu warten?!
Dass bei dir schon fast 3 Wochen Funkstille herrscht, lässt nichts gutes erahnen.
Silber vorerst nicht über 40!!!
Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: trading500 am 09 Juli 2026, 20:30:29
Hallo Loser65,
ich bin immer noch nicht rückfällig geworden und habe aktuell auch überhaupt kein Bedürfnis/Drang (aktuell) danach.
Wie in der letzten Antwort geschrieben, war dieser Schmerz am 07.05. so einschneidend, dass ich diesen kein zweites Mal mehr erleben möchte.

Ich weiß genau, wenn ich jetzt rückfällig werde, dann bin ich so tief in der Sch**, dass ich einen neuen Kredit oder Umschuldungskredit in Anspruch nehmen müsste, da nun am 31.07. die abschließende Steuererklärung von meinem Gewerbe abgegeben werden muss. Mein Steuerprogramm sagt mir voraus: Nachzahlung von knapp 4.300€. Damit lag ich mit meiner Einschätzung genau richtig. 

Zitat von: trading500 am 09 Mai 2026, 13:30:20• Bis zum 31.07. muss ich die Steuererklärung für 2025 abgeben. Dort kommen noch ca. 4.000–5.000 € Nachzahlung auf mich zu aufgrund des Gewerbegewinns aus dem letzten Jahr.


Ich tu gerade alles dafür "Tag für Tag, Step by Step, .."diese Sucht hinter mir zu lassen und die letzten zwei Monate gaben mir bereits schon wieder so viel Kraft und neue Hoffnung. Es ist ein völlig neues Lebensgefühl wenn ich Abends zu Bett gehe oder morgens aufwache. Früher drehte sich alles nur ums Trading. Beim Einschlafen dachte ich schon an den möglichen Stop-Loss während der Rollover-Phase (erhöhte Spread) (Trader wissen was ich meine). Nachts bin ich zum Teil aufgewacht. Wenn nicht, dann war morgens der erste Blick auf das Handy, ob eine Benachrichtigung vom Trading-Terminal vorliegt. Wenn es ein Stop-Loss über die Nacht war, dann begann der Tag bereits direkt beim Aufstehen schon mit einer negativen Grundstimmung.

All diese Gedanken haben sich seit dem 07.05. schlagartig verflüchtigt. Die erste 1-2 Wochen nach diesem Datum waren extrem schmerzhaft, weil ich nur an das verlorene Geld gedacht habe. Diese Gedanken sind zwischenzeitlich viel viel schwächer geworden. Ich denke zwar immer noch vereinzelt an das verlorene Geld. Aber dabei mach ich mir immer wieder bewusst, dass es in Anführungszeichen "nur" Geld ist. Wenn ich weiter gemacht hätte, hätte meine Gesundheit massiv darunter gelitten (darunter gehört auch Schlaf etc.) Und Gesundheit ist wichtiger als alles Geld auf dieser Welt.
Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: Loser65 am 10 Juli 2026, 08:09:07
Guten Morgen trading500,
dann meine Hochachtung zur Konsequenz. So lange habe ich bisher nicht ausgesetzt.
Mein Angebot steht aber, falls...

Und guten Morgen Olli,
auch dir meinen Glückwunsch zum Jubiläum und Toi, Toi, Toi fürs Dranbleiben.
Hast du für einen Zappelphilipp Tipps, wie man das Vakuum nach der Sucht füllen kann, ohne die eigenen, evtl. auch etwas absonderlichen Werte im Stich zu lassen? Ich habe nämlich nicht die Absicht, mich den Rest meines Lebens im Grabe zu drehen, nur um nicht anzuecken.
An Suchtberatung stört mich oft, dass sie zur Gleichschaltung tendiert und den individuellen Part des Süchtigen damit aufgibt. So tot zu sein, wie all die ignoranten Konsumzombies, wäre nicht mein Ding. Dann hätten die Drogendealer, Glückspielbetreiber und sonstigen Menschenhändler freie Bahn.
Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: Olli am 10 Juli 2026, 09:05:21
Hi Trading500!

Es gefällt mir zu lesen, wie Du das Leben wieder zu schätzen lernst. Es ist so ungemein wichtig, dass Du Dir dieses bewusst machst. Du musst Dich nämlich wappnen vor der Zukunft, wo es garantiert einmal Momente geben wird, wo Du hochmütig wirst, die Sucht Dir einen Belohnungsgedanken einpflanzt für die Mühen Deiner Abstinenz oder wo Du einfach einmal unachtsam bist.
Das zu schätzen, wie Du nun lebst, nimmt der Sucht massig an Kraft. Weiter so ... :)

@Loser65
Du weisst doch, dass wir alle nur Schafe in dieser Gesellschaft sind. Schafe springen nun mal alle vor dem Einschlafen über Zäune. Wenn Du eine Katze sein möchtest, dann springe nicht drüber, sondern winde Dich durch oder unter den Zaun durch. Nun hast Du aber trotzdem den Zaun hinter Dir gelassen. Ist das noch OK für Dich? Oder bevorzugst Du stabile Mauern? Dann empfiehlt es sich aber auch wieder drüber zu springen, mit dem Kopf durch die Wand geht meistens schief ... :)
Gott, was schreibe ich für einen Sch... :)

Eigentlich soll die Aussage sein, dass Du immer der sein wirst, der Du sein möchtest. Werte sind, einmal erworben, unveränderlich. Wenn eine Suchtberatung gegen Deine Werte angehen würde, dann würden sie Deine Identität angreifen. Du wärest gefrustet und würdest abblocken. Damit wäre also weit am Ziel vorbei geschossen.

Das Vakuum nach der Sucht, wie Du es benennst, ist eigentlich keines. Der Freiraum füllt sich automatisch mit "Leben". Dabei hilft Dir, wenn Du alte, längst aufgegebene Hobbies z.B. reaktivierst. Etabliere neue, wenn Du magst. Du bist der Architekt, also plane wie ein solcher. Ich weiss nicht, ob Du es weisst, Architekten lieben den dicken Stift. Damit wird auf Papier skizziert, bis das Grundkonzept passt. Erst dann geht es an die Details.
Skizzen mit dem dicken Stift landen gerne zusammengeknüddelt in der Ecke. Das ist nicht schlimm, denn genau dazu sind sie da. Meist "überlebt" da nur eine Skizze.
Komme also ins Handeln Tun ... :)

Vielen Dank an Dich!

Titel: Antw:Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return
Beitrag von: Loser65 am 10 Juli 2026, 22:59:49
Hi Olli,
Dank für dein Wohlwollen. Du liegst in allen Punkten richtig. Da gibt's nix zu relativieren.
Das Verrückte ist, ich hab mehr als genug zu tun mit Aufgaben die mir sogar meist Freude machen. Das sind aber überwiegend Dienstleistungen, weil ich selber mit eher wenig zufrieden bin und eigentlich alles habe, auch wenn das mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Deshalb ist wohl auch ein großer Teil meines Einkommens an der Börse flöten gegangen. Ich wusste damit schlicht nichts besseres anzufangen. Dekadenz habe ich auch ein bisschen versucht und ne Zeit lang ein Motorboot unterhalten. Aber die Leute, mit denen man es dabei zu tun bekommt, kannste fast alle durchwinken, blanke Zeitverschwendung.
Mir steht auch nicht der Sinn danach, für teuer Geld von Sherpas auf den Everest getragen zu werden oder die Weltmeere einzuölen. Aber vererben will ich auch nix. Also werde ich wohl weiter wurschteln für Geld, das ich nicht brauche, zuschauen, wie Andere sich mit Anschaffungen verbarrikadieren, und gelegentlich mal wieder zocken, wenn der falsche Zeitpunkt gekommen ist.
Allerdings dürfen mir dabei nicht wieder die Pferde durchgehen. Soweit will ich mich schon unter Kontrolle bringen. Aber ganz ohne würde mir aus heutiger Sicht echt 'was fehlen, weshalb ich wohl mehrmals rückfällig geworden bin.
Irgendwas Sinn stiftendes Neues könnte ich durchaus nochmal wieder anfangen. Wenn ich dazu Stift und Zettel nehme, würden wahrscheinlich einige ehrenwerte Kinderficker am Galgen baumeln. Mal sehen, was mir noch so einfällt, um mit dem Glück zu spielen.