Hallo zusammen.
Ich bin neu hier und habe die letzten Tage einige Kommentare bzw. Geschichten hier durchgelesen und mich entschlossen meinen Fall ebenfalls mit Euch zu teilen.
Zu meiner Person:
Ich bin männlich und 41 Jahre jung :)
Bin ca. seit meinem 16ten Lebensjahr in die Fänge des Zockens gekommen.
Angefangen in einer Kneipe mit den guten alten Spielautomaten, es waren damals glaub ich noch D-Mark kurz vor dem EURO wechsel. 10 Mark investiert und wie sollte es anders laufen, 5 Kronen bzw. 100 Freispiel erhalten und ca. 300 Mark gewonnen. Ab da war die Faszination der leuchtenden Geräte in meinem Hirn.
Anfangs noch gelegentlich in der Kneipe gespielt, da ich noch unter 18 Jahre war.
Ab dem 18ten Geburtstag dann regelmäßig in den Spielhallen meine Zeit verbracht.
Die Sucht war mal stärker mal schwächer, aber Sie war immer vorhanden. Geld geliehen von Freunden, die man dann öfter sitzen lassen hat, weil man ja angeblich viele Termine hatte, Kredite aufgenommen etc.
Könnte jetzt noch einige Stunden schreiben und meine Geschichte weiter erzählen, aber die meisten kennen es ja zu gut.
Schlimm wurde es dann mit Anfang 30 als ich das Online Casino entdeckte. 100 € innerhalb weniger Minuten einzahlen, kein Problem. Das spielen wurde immer exzessiver und ich hockte oft mit Bier und Zigaretten stundenlang in der Wohnung, von der Außenwelt abgeschirmt. Nochmal 100 € einzahlen, jetzt muss doch was gehen, immer weiter.
Bis das Konto leer war und ich noch total übermüdet ins Bett ging und keine Auge zubekommen habe.
Sobald ich meine Augen schloss kamen mir die Bilder von den Slots und ich wurde verrückt.
Depressionen wegen den Verlusten, wie bekomme ich die Zeit bis zum nächsten Lohn überbrückt, wo könnte ich noch Geld herbekommen, wie Zahle ich meine Schulden ???
Soll ich jemanden davon erzählen, ach quatsch, das nächste Mal gewinne ich und dann schaut die Welt schon wieder ganz anders aus. TEUFELSKREIS
Aktuell bin ich seit 3 Monaten zockfrei, habe Schulden von über 100.000 €, bin regelmäßig bei der Suchtberatung und hatte vor 2 Wochen einen Termin bei der Schuldnerberatung.
Kennt sich jemand mit Insolvenz bzw. Schuldenbereinigungsplan aus ?
Aktuell zahle ich monatlich 1.065 € Verbindlichkeiten an 3 Kreditinstitute mit zum Teil bis 15% Zinssatz.
Mein Schuldnerberater hat mir nun geraten, ich solle die Zahlungen sofort einstellen und ab dem nächsten Monat ein neues Girokonto erstellen. Nachdem die Zahlungen eingestellt sind, werden die Gläubiger auf uns zukommen und bevor es in die Privatinsolvenz geht wird zuerst ein Schuldenbereinigungsplan besprochen...
Vielen Dank schon mal für Euer Feedback.
Liebe Grüße
Arjen
Hallo Arjen!
Herzlich willkommen!
Zur Insolvenz erkundige Dich gerne hier: https://schuldner-community.de/forum/
Wie geht es Dir denn nun, wo Du spielfrei bist?
Ich lese auch bei Dir, dass Du von jemandem anderen sprichst, wenn die Gedanken unangenehm werden. Du nennst ihn "man". :)
Übe bitte von Dir zu sprechen! Ja, es ist viel passiert, worauf Du sicherlich nicht stolz bist. Aber jetzt, jetzt machst Du es anders! Besser? Das wird sich zeigen. Du gehst zur Suchtberatung und ebenso zum Schuldnerberater. Dort zeigst Du Gesicht, wie es so schön heißt. Mache dies auch Dir selbst gegenüber!
Sei stolz darauf, dass Du aktiv geworden bist und alles tust, um die Sucht zum Stillstand zu bringen!
Dieser kleine "Trick" hilft Dir, Deine Sucht anzuerkennen!
25 Jahre sind eine lange Zeit! Sei geduldig mit Dir. Das war viel Zeit, in der Du Dein Gehirn auf Sucht trainiert hast. Nun ist die Zeit des Abtrainierens eingetreten.
Zur Überschrift: Negationen merkt sich unser Gegirn recht schlecht. Du bist jetzt "abstinent"! Vielleicht kannst Du in einem halben bis dreiviertel Jahr sogar schon davon sprechen, dass Du "trocken" bist! Dann, wenn sich die Automatismen so weit zurückgebildet haben, dass sie Dich nicht mehr stören.
Schaue am Samstag gerne in unser Online-Meeting. Informationen darüber findest Du oben auf der Seite über die Schaltfläche "Info".
Hallo Olli,
vielen Dank für Deine prompte Antwort.
Mir geht es relativ gut, habe aber ab und zu immer mal wieder diese Gedanken, ob ich es nur noch einmal versuchen soll, aber ich kann mich momentan sehr gut davon ablenken.
Meine Freundin steht mir da sehr zur Seite und redet viel mit mir, was sehr gut tut.
Der Schritt zur Sucht- und Schuldnerberatung war sehr schwer für mich, aber danach ging es mir viel viel besser, das sollte jeder hier wissen.
Ich denke auch viel über die Zeit nach in der ich ständig gezockt habe.
Wen ich alles belogen habe, die Zeit die ich verlor, schlaflose Nächte usw.
Aber es tut mir gut alles aufzuarbeiten und mich damit auseinander zu setzen.
Ich würde auch gerne mal eine Selbsthilfegruppe besuchen.
Es ist auch nur ein kleiner Anfang, da ich schon öfter einige Monate spielfrei war, aber dann wieder Rückfällig wurde und nach jedem Mal wurde es noch extremer, davor habe ich etwas Angst.
Vielen Dank für den Link, ich werde mir es anschauen.
Hi Arjen!
ZitatMir geht es relativ gut, habe aber ab und zu immer mal wieder diese Gedanken, ob ich es nur noch einmal versuchen soll, aber ich kann mich momentan sehr gut davon ablenken.
Diese Gedanken sind ganz normal in der Phase, in der Du nun steckst. Unser Gehirn ist in vielen Bereichen mit dem Glücksspiel verknüpft: Mir geht es gut, mir geht es schlecht, Stress auf der Arbeit, Stress mit der Partnerin, unbekannte Situationen ... was weiss ich noch alles.
Unser Gehirn ist darauf trainiert, scheinbar bekannte Lösungen nicht immer wieder neu durchzukauen. Es soll schlicht Energie gespart werden. Also geht so manches Bekannte eine Abkürzung. Deine Aufgabe ist es nun, ganz bewusst dieses Schema zu durchbrechen und eben doch viiiiieeeeel geistige Arbeit zu vollbringen. Dadurch überschreibst Du zum größten Teil die alten, schädlichen Automatismen.
Wir haben aber auch am Stammhirn unser Suchtgedächtnis sitzen. Dieses erinnert Dich liebend gerne an die "gute alte Zeit". Doch das heißt nicht, dass da ein Teil von Dir spielen will.
Mein Vater war Fliesenleger ... was meinst Du, wie oft ich mir Fugenbilder anschaue?! Hier möchte ich ja auch nicht sofort auf die Knie und Fliesen legen.
Nun, die Gedanken werden weniger werden und sie werden Dich auch immer weniger belasten.
Hilfreich - zu jeder Zeit - egal ob Du einen Tag oder 20 Jahre abstinent bist, ist immer in 24 h zu denken. Solltest Du einen Trigger verspüren, dann ist es vollkommen legitim, Dich selbst zu besch...en, indem Du Dir selbst sagst: Diese 24 h bleibe ich spielfrei ... wenn der Druck morgen immer noch da sein sollte (was er eigentlich nie macht!), dann gehe ich eben morgen spielen. Und wenn für Dich der neue Tag anbricht, dann sagst Du Dir das alles erneut.
Sollte Verlangen auftreten, dann spreche ruhig weiter darüber mit Deiner Frau. Auch das hilft. Skills, wie eiskalt duschen, Extremtreppensteigen, ein Gummiring, der am Handgelenkt flitschen gelassen wird, Chilliegummibärchen und noch viele andere können ausprobiert werden.
Suchtdruck hat keine Ausdauer. Er geht genauso schnell, wie er kommt.
Der Vorteil der 24h ist die Zielerreichung. Hänge Dir einen Kalender an den Kühlschrank und mache am Ende eines jeden spielfreien Tages einen grünen Punkt in das entsprechende Feld. Für Tage, an denen Du gespielt hast, nehme eine andere Farbe. So führst Du Dir selbst vor Augen, wie viel Du schon erreicht hast.
ZitatEs ist auch nur ein kleiner Anfang, da ich schon öfter einige Monate spielfrei war, aber dann wieder Rückfällig wurde und nach jedem Mal wurde es noch extremer, davor habe ich etwas Angst.
Ja, zu Recht! Aber hast Du damals etwas gegen die Sucht unternommen? Oder hast Du "einfach nur nicht gespielt"? Überlege Dir mal, was heute anders sein könnte.
Guten Morgen Olli,
vielen Dank für Deine Tipps. Das mit dem Kalender und den Punkten hört sich sehr interessant an, dass werde ich ausprobieren.
Früher habe ich einfach versucht aufzuhören zu spielen, was hin und wieder geklappt hat ( für kurze Zeit ).
Nach jedem Mal Pause wurde es meistens noch krasser. Teilweise habe ich die Realität zum Geld verloren.
Aber die letzten Monate habe ich mich viel damit auseinandergesetzt, mir Hilfe geholt und meiner Freundin alles erzählt und viel darüber geredet. Es war nicht einfach, aber tut sehr gut, wenn ich zusätzlich unterstützt wird.
Habe diese oder nächste Woche nochmal ein Telefonat mit meinem Schuldnerberater, dann werden wir noch offene Fragen klären. Das mit der Privatinsolvenz ist schon ein sehr großer Schritt, aber andernfalls müsste ich noch mindestens 10 Jahre die Schulden abzahlen mit utopischen Zinsen.
Vor allem das offenlegen meiner Schulden und mit einer "fremden Person" darüber sprechen war hart, aber hat mir ebenfalls sehr gut getan und mir hoffentlich die Augen geöffnet.
Viele Grüße
Arjen