Hallo zusammen,
ich schreibe hier, weil ich gerade versuche zu verstehen, in welcher Situation ich eigentlich stecke und wie andere damit umgegangen sind.
Mein Mann hat ein Glücksspielproblem, das ich erst jetzt nach und nach wirklich erkenne. Nach außen wirkt es so, als würde er sehr viel arbeiten und kaum zu Hause sein. Ich habe ihm über lange Zeit vertraut, obwohl ich immer wieder das Gefühl hatte, dass etwas nicht stimmt. Wenn ich das Gespräch gesucht habe, wurde mir gesagt, er müsse einfach viel arbeiten und ich wäre undankbar bzw. würde ihm misstrauen.
Inzwischen habe ich durch eigene Nachforschungen und Zufälle herausgefunden, dass er mindestens mehrmals pro Woche spielt (Spielbank/Glücksspiel). Ich habe ihn auch geortet, weil ich über Jahre hinweg hingehalten wurde und keine klaren Antworten bekommen habe.
Was ich bisher sicher weiß:
* Er hat sich Geld von Familie, Freunden und Bekannten geliehen, ohne dass ich davon wusste. Ihnen gegenüber hat er gesagt, es sei für berufliche Zwecke gewesen.
* Ich habe auf unserem gemeinsamen Konto bzw. über PayPal mehrere größere Geldbewegungen an verschiedene Personen gesehen (u.a. 300 €, 500 €, 550 €, 200 €, 350 €, 600 €, 570 € in relativ kurzen Abständen).
* In einem Fall hat er mir gesagt, eine größere Zahlung (1.600 € über PayPal) sei der Lohn eines Mitarbeiters gewesen – tatsächlich war das nicht korrekt.
* Er organisiert Geld über Umwege (z.B. PayPal an Freunde schicken, auszahlen lassen, später wieder ausgleichen).
* Ich habe zwei Bankkarten gefunden, von denen ich vorher nichts wusste.
Dazu kommt: Wenn ich nachfrage, bekomme ich widersprüchliche oder nachweislich falsche Erklärungen und er wird aggressiv und fühlt sich kontrolliert.
Das Problem für mich ist nicht nur das Geld, sondern dass ich merke, dass ich bisher nur zufällig Dinge herausfinde. Ich habe das Gefühl, dass es noch deutlich mehr gibt, was ich nicht weiß – mögliche weitere Schulden, geliehene Beträge oder Personen, von denen ich nichts ahne.
Ich habe ihn bisher noch nicht direkt konfrontiert, weil ich nicht weiß, wie ehrlich er sein wird und weil ich Angst habe, dass ich das ganze Ausmaß vielleicht nie wirklich erfahre.
Gleichzeitig bin ich innerlich hin- und hergerissen, weil er mein Mann ist und ich ihn nicht einfach ,,abschreiben" will. Ich will verstehen, wie andere mit so einer Situation umgegangen sind, bevor alles aufgeflogen ist bzw. während die Wahrheit Stück für Stück ans Licht kam.
Meine Fragen an euch:
* Wie habt ihr das wahre Ausmaß herausgefunden (oder habt ihr es nie vollständig erfahren)?
* Wie seid ihr mit den Lügen und Ausreden umgegangen?
* Habt ihr irgendwann Grenzen gesetzt – und wenn ja, welche?
* Und wie habt ihr euch emotional davon distanziert, ohne die Person direkt aufzugeben?
Ich bin dankbar für jede ehrliche Erfahrung oder Perspektive.
Eine Trennung wäre dein Jackpot
@freakyhf Oh wow , das ist ja sehr emphatisch von dir ...
Liebe Veri ,ich bin noch nicht lange hier dabei , aber das ist nicht der Umgangston , den ich hier bisher kennengelernt habe .
Leider kann ich dir deine Fragen nicht beantworten.
Ich hoffe , dass da noch einige hilfreiche Antworten für dich von anderen Betroffenen kommen.
Ich wünsche dir viel Kraft für diesen Weg und drücke dir fest die Daumen, dass dein Mann sein Problem erkennt und ehrlich mit dir sein wird .
Das ist wohl leider die einzige Chance , die ihr habt .
Du kannst niemandem helfen , der keine Hilfe will , oder der noch gar nicht verstanden hat , dass er Hilfe braucht .
Vergiss dich selbst auf diesem Weg nicht .
Vielleicht kannst du dir auch Hilfe holen , bei einer Suchtberatungsstelle bei euch vor Ort .
Alles Gute für euch !
In erster Linie für dich !!
Es ist wahr, dass Empathie in solchen Momenten entscheidend ist, besonders wenn man mit der Sucht eines geliebten Menschen konfrontiert ist. Man erkennt oft zu spät, dass man sich selbst schützen muss, denn man kann niemanden zum Umdenken zwingen, solange der Funke nicht von ihm selbst überspringt. Die Suche nach einer Beratungsstelle ist ein wichtiger Schritt, um nicht psychisch auszubrennen. Viele wissen nicht, dass es spezielle Selbsthilfegruppen für Angehörige gibt, die wirklich entlasten können.
Hi Veri!
Herzlich willkommen!
Ich bin Olaf, ehemaliger Automatenspieler - und damit nicht der Personenkreis, den Du angesprochen hast. Nun, ich möchte Dir aber trotzdem gerne antworten.
Fangen wir an mit dem Begriff Glücksspielproblem. Dieses Wort macht keinen Sinn, denn ein Problem kann man lösen. Eine Glücksspielsucht ist aber eine Tatsache und wird Deinen Mann für den Rest seines Lebens begleiten. Er kann lernen mit seiner Sucht, ohne dessen Auslebung, zu leben, doch die Sucht kann jederzeit wieder reaktiviert werden.
Niemand kann Dir sagen, was Du zu tun und zu lassen hast. Ob es zu einer Trennung kommt oder nicht, das steht noch in den Sternen.
Bis heute hast Du immer wieder nachgefragt und wurdest sofort mit Vorwürfen konfrontiert. "Angriff ist die beste Verteidigung" hat also bei Dir funktioniert. Dabei beruht das sicherlich zum einen auf Deinen eigenen Zweifeln und zum Anderen möchtest Du Deinem Mann nicht zu nahe treten. Lagst Du vielleicht falsch, wenn er sofort erbost reagierte?
Nun, Du weisst aber mittlerweile so einiges. Vieles liegt noch im Dunkeln und vielleicht wirst Du das nie erfahren.
Doch Du hast ein Anrecht auf die Wahrheit! Du hast ein Recht darauf, die Lügen aufzudecken und sie ihm zu untersagen! Dazu musst Du Dir Gedanken darüber machen, was Deine Ziele und Wünsche sind. Was sind Deine eigenen Ängste?
Ich habe gerade mal wieder "steht mit einer Faust" aus "Wer mit dem Wolf tanzt" vor Augen. Suche das Gespräch und bleibe ruhig dabei. Lasse Dich nicht wie bisher abwimmeln. Und ja, Du darfst ruhig Konsequenzen androhen, wenn er sich Dir zu entziehen versucht. Welche das sind, das ist erst einmal nebensächlich, doch wenn Du sie androhst, dann muss Du es auch durchziehen.
Wie wäre es einleitend mit "Du schläfst auf der Couch"?
Weshalb bin ich nicht für eine sofortige Trennung ... Nun, wir sind weitaus mehr als unsere Sucht! Leider vergessen wir das in der aktiven Phase der Sucht und glauben selbst an das Gegenteil. Zudem verteidigen wir unsere Sucht.
Eine Sucht entsteht nicht per Fingerschnippen, sie fängt langsam an und wird dann immer stärker. Es findet eine Gewöhnung statt. Dabei überschreiten wir die Grenzen unserer Werte. Erst nur ein wenig ... wir finden "logische" Gründe für unser Handeln. Dann findet eine weitere Überschreitung der Grenzen statt und die "logischen" Gründe werden ausgeweitet. Dass sie irgendwann mit Logik nichts mehr zu tun haben, sollte klar sein. Die Gründe werden nun mit Lügen vertuscht, die Sucht ebenso. Doch wenn wir etwas glaubhaft rüberbringen wollen, dann müssen wir auch selbst daran glauben. Fazit: Wir belügen uns selbst! Und das noch am Meisten!
So konnte ich nicht den Schmerz sehen - oder wollte ihn nicht sehen, den ich bei meinen Eltern ausgelöst hatte. Es war doch mein gutes Recht mit meinem Geld zu machen, was ich wollte - oder nicht? Mein Vater spielte doch selbst! OK, in geregelten Bahnen ... aber er spielte selbst! Wie konnte er sich dann erdreisten, mir das Spielen zu untersagen?
Wie Du aus meinen Ausführungen erkennst, habe ich nicht gelogen, um meine Eltern zu umgehen! Ich habe es nicht getan, um sie zu verletzen. Ich habe es getan, weil ich einen Vorteil im Spiel sah!
Wie jeder Süchtige lebte ich den Moment und Folgen meiner Handlungen waren mir vollkommen egal!
Suche das Gespräch. Habe da keine Angst vor. Du machst das nicht für ihn, sondern für Dich! Mache nicht den Fehler ihn in Watte zu packen. Du darfst ihm ruhig mit Entschlossenheit entgegen treten. Was denkst Du, was er dann für Augen machen wird? Für ihn ist es dann eine neue Situation, die vielleicht ... aber auch wirklich nur vielleicht ... eine positive Reaktion bei ihm auslöst. Du bist ihm gerade sehr sicher! Merkt er eventuell, dass er im Begriff ist am eigenen Leibe zu spüren, was Verlust ist? Ich gehe nämlich erst einmal davon aus, dass ihr aus Liebe geheiratet habt und er Dich hinter seiner Sucht immer noch liebt. Ja, Du hast richtig gelesen ... Du stehst momentan nicht an Nummer 1 seiner Prioritätenliste.
Ich drücke Dir die Daumen, dass dies durch ein offenes Gesräch wieder geradegerückt werden kann.
Ich habe ihn immernoch nicht ansprechen können, da ich einerseits immer weiter versuche noch mehr Beweise zu sammeln damit er sich nicht schon qieder rausreden kann und andererseits bin ich völlig überfordert mit der ganzen Situation. Zudem kommt er ja eigentlich erst nach Hause wenn ich schlafe und morgens geht er während ich schlafe.
Ich bin selber ein sehr impulsiver Mensch und habe Angst, dass ich nicht die richtigen Worte finden werde und es schlimmer mache.
Ja die Prioritätenliste ist lang und ich stehe sicher erst gegen Ende drauf, seine Kinder genauso.
Das lässt er uns ja täglich spüren, indem er "arbeiten" ist.
Zitat von: freakyhf am 02 Juni 2026, 22:22:33Eine Trennung wäre dein Jackpot
Ja das denke ich schon länger aber so einfach ist das nicht.
Ich habe erst vor kurzem herausgefunden das es Spielsucht ist, all die Jahre davor habe ich nur spekuliert und versucht Puzzleteile zusammen zu setzen um zu verstehen wieso er sich denn so mies uns gegenüber verhält.
Zitat von: Isabell80 am 02 Juni 2026, 23:09:21@freakyhf Oh wow , das ist ja sehr emphatisch von dir ...
Liebe Veri ,ich bin noch nicht lange hier dabei , aber das ist nicht der Umgangston , den ich hier bisher kennengelernt habe .
Leider kann ich dir deine Fragen nicht beantworten.
Ich hoffe , dass da noch einige hilfreiche Antworten für dich von anderen Betroffenen kommen.
Ich wünsche dir viel Kraft für diesen Weg und drücke dir fest die Daumen, dass dein Mann sein Problem erkennt und ehrlich mit dir sein wird .
Das ist wohl leider die einzige Chance , die ihr habt .
Du kannst niemandem helfen , der keine Hilfe will , oder der noch gar nicht verstanden hat , dass er Hilfe braucht .
Vergiss dich selbst auf diesem Weg nicht .
Vielleicht kannst du dir auch Hilfe holen , bei einer Suchtberatungsstelle bei euch vor Ort .
Alles Gute für euch !
In erster Linie für dich !!
Danke für deine Worte.
Aber ich habe garkeine Hoffnung, dass sich etwas ändert.
So wie ich es jetzt im Nachhinein verstehe, spielt er schon länger und nie hat er den Anschein gemacht mir etwas beichten zu wollen.
Stattdessen wurde ich kleingeredet, manipuliert und verunsichert.
Er hätte so oft die Möglichkeit gehabt mir sein Problem zu offenbaren, ich habe so oft nachgefragt und auch oft ihn mit Spielsucht beschuldigt und das ich irgendwann Schritte gehen werde die ihm nicht gefallen werden. Er stritt es wehement ab und brachte es so rüber als sei ich verrückt, wie ich auf "so ein Scheiß" komme, und wenn ich es wagen würde ihm hinterherzuspionieren würde er mir die Hölle heiß machen, er wäre schließlich kein kleines Kind.
Ich dachte die letzten Monate ich werde verrückt, ich hatte so viel Bauchgefühl was mir immer abgesprochen wurde. Ich habe mich garnicht mehr getraut zu fragen wo er ist oder was er macht, weil er mir so dermaßen falsch und patzig geantwortet hat, das ich dachte meine Fragen wären... ja zu viel...
Hi Veri!
Als hätte ich es geahnt, nicht wahr?
Hast Du jemanden in der Familie, den Du mit ins Boot holen kannst? Wie wäre dann ein Gespräch mit Deinem Mann, der Person und Dir? Die Vertrauensperson könnte dann dort beschwichtigend eingreifen, wo Du selbst zu bange bist zu agieren.
Mache Dir selbst einmal eine Liste mit den Wünschen und Zielen, die Du selbst hast.
Dann machst Du eine Tabelle daraus und schreibst dazu, ob Du das alles mit Deinem Mann erreichen kannst.
Wenn ich Deine Zeilen so lese, dann bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob Ihr noch Eheleute seid. Wann pflegt Ihr Eure Beziehung? Ist sie vielleicht nur noch eine Zweckgemeinschaft?
Sollte auf Deiner Seite noch Liebe vorhanden sein, ist das die Liebe zu dem Mann, der er einmal war? Oder zu dem, der er gerade ist? Oder ist es die Liebe zu dem Mann, den Du Dir in Deinen eigenen Gedanken gebacken hast?
Es tut Dir nicht gut, wenn Du immer zurücksteckst.
Gehe doch mal selbst in eine Beratungsstelle und lasse Du Dich da beraten. Was hälst Du davon?
Zitat von: Olli am Gestern um 20:26:51Hi Veri!
Als hätte ich es geahnt, nicht wahr?
Hast Du jemanden in der Familie, den Du mit ins Boot holen kannst? Wie wäre dann ein Gespräch mit Deinem Mann, der Person und Dir? Die Vertrauensperson könnte dann dort beschwichtigend eingreifen, wo Du selbst zu bange bist zu agieren.
Mache Dir selbst einmal eine Liste mit den Wünschen und Zielen, die Du selbst hast.
Dann machst Du eine Tabelle daraus und schreibst dazu, ob Du das alles mit Deinem Mann erreichen kannst.
Wenn ich Deine Zeilen so lese, dann bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob Ihr noch Eheleute seid. Wann pflegt Ihr Eure Beziehung? Ist sie vielleicht nur noch eine Zweckgemeinschaft?
Sollte auf Deiner Seite noch Liebe vorhanden sein, ist das die Liebe zu dem Mann, der er einmal war? Oder zu dem, der er gerade ist? Oder ist es die Liebe zu dem Mann, den Du Dir in Deinen eigenen Gedanken gebacken hast?
Es tut Dir nicht gut, wenn Du immer zurücksteckst.
Gehe doch mal selbst in eine Beratungsstelle und lasse Du Dich da beraten. Was hälst Du davon?
Ich möchte erst mit ihm sprechen und ihn danach auffordern, es seinen Eltern zu beichten. Die haben mich nämlich ebenfalls als undankbar bezeichnet.
Wenn ich so überlege, habe ich keine Ziele... meine Wünsche waren immer eine intakte und harmonische Familie für meine Kinder zu haben, da ich dies selbst als Kind nie hatte. Ich wollte diese Familie wie im Märchenbuch.
Wir pflegen unsere Ehe schon lange nicht mehr, haben keine Zeit miteinander, weil er ja wirklich ständig weg ist und nie Zeit dafür hat, selbst meinen Geburtstag habe ich alleine verbracht. Selbst an Feiertagen und Wochenenden hatte er immer sehr viel zu tun. Da er selbstständig ist, und er meinte es wären viele Aufträge abzuarbeiten, habe ich ihm irgendwie glauben wollen.
Jetzt im Nachhinein, denke ich, wie ich das nie zusammensetzen konnte? Wie konnte ich so sehr die Augen davor verschließen obwohl ich mehrfach das Gespräch gesucht habe, habe ich mich immer abwimmeln lassen.
Das ist die Liebe die ich zu dem Mann habe, der er mal war... das was er mir aktuell zeigt, ist nicht liebenswert.
Ich werde mich die nächsten Tage schlau machen, wo es hier in Nähe eine Beratungsstelle gibt und werde einen Termin vereinbaren.
Das tut mir wirklich gut hier zu schreiben, obwohl ich zwei Freundinnen davon erzählt habe, fühle ich mich irgendwie nicht gut dabei, weshalb auch immer. Ich fühle mich wie eine Last.
Ich habe keine Lebensfreude mehr.