Hallo,
Lese schon länger ab und zu mit in diesem Forum und nun ist es soweit, dass ich mich selber zu Wort melde.
Bei mir fing es vor ca 8 Monaten an, dass mir ein Freund ein illegales Online Casino gezeigt hat bei dem man, wie ihr alle wisst, massiv viel Geld in kürzester Zeit verspielen kann. Hatte davor nie ein Problem mit Glücksspiel. Mal nen 5er auf ne Sportwette, mal nen 10er in nen Automat oder so aber das waren Sachen die nie regelmäßig vorkamen oder nach denen ich ein Verlangen hatte.
Das hat sich mit dem Online Casino drastisch geändert. Habe mit meinem Freund damals ca 1000€ verspielt was damals eine absolute Katastrophe für mich war. Habe daraufhin ein paar Wochen später mal mit einer Einzahlung von 50€ um die 3000€ gewonnen und das auch auszahlen lassen. Aber das war wohl der Anfang vom Ende. Habe nie regelmäßig also tagtäglich gespielt sondern auf die 8 Monate insgesamt vielleicht 10x. Aber es wurde jedes Mal krasser und krasser sodass ich jetzt mit ca 110.000€ Schulden da sitze. Insgesamt verspielt habe ich geschätzt um die 130.000€. Die Schulden sind großteils bei der Bank (75.000€ Kredit). Den Rest habe ich mir immer irgendwo geliehen. Teils Beuder, teils Vater, teils Freund. Zudem kommen aktuell noch ca 10.000€ Kreditkartenschulden. Dachte immer ich hab das unter Kontrolle, schaffe das alleine usw. Das letzte Mal gespielt habe ich vor 4 Tagen und mir ist nun endgültig klar, dass es so nicht mehr geht. Habe immer wieder versucht das Spielen zu verhindern mit Apps, Sperrung des Online Bankings etc. Es hat nie geholfen und ich habe Wege gefunden. Habe vor 2 Tagen endlich geschafft eine Freundin komplett einzuweihen. Dem folgten gestern und heute 3 weitere sehr enge Freunde. Diese haben nun jeden Weg (denke ich zumindest) gekappt um nochmal zu spielen. Desweiteren hat die Freundin mir für morgen auch einen Termin bei der Suchtberatung organisiert und wird mich auch hinbringen. Muss aber noch meine Eltern und meinen Bruder einweihen. Mein Bruder kommt morgen aus dem Urlaub und dann will ich das nach der Beratung machen. Und dann will ich zu meinen Eltern. Habe damit gewartet weil meine Eltern relativ alt sind und das ganze absolut nicht verstehen werden und es ihnen mit Sicherheit die Beine komplett wegziehen wird. Dachte daher wäre es besser wenn zumindest mein Bruder da ist und sie dann mit ihm reden können.Habe auch schon 1-2 Schuldenberatungen kontaktiert. Morgen werden auch zum ersten Mal Abbuchungen von meinem Konto platzen was mir sehr groẞe Sorgen macht. Die Dame von der Bank weiß seit dem ersten Kredit über das Spielen Bescheid. Habe sie damals gebeten Auslandsüberweisungen und mein Dispo zu sperren was aber laut ihr nicht möglich war. Mittlerweile ist es so, weil das Online Banking ja gesperrt ist. Die letzten Einzahlungen liefen über Apple Pay was leider noch funktionierte.
Zu mir. Ich bin 26, habe einen festen Job und verdiene recht gut. 3k Netto. Habe eine Wohnung auf dem Grundstück meiner Eltern
Habe wirklich Angst vor der Zukunft, vor den Konsequenzen der platzenden Abbuchungen morgen, von der Reaktion meiner Familie usw. Aber es fühlt sich zumindest gut an endlich jemanden ins Boot geholt zu haben und mir eingestehen zu können, dass ich ein Problem habe welches ich alleine nicht lösen kann bzw. alleine nicht davon wegkomme.
Hallo Josef , willkommen hier im Forum !
Super , dass du schon Freunde eingeweiht hast und auch deiner Familie davon erzählen möchtest .
Was ich so lese , hast du schon einige wichtige Schritte unternommen .
Suchtberatung
Schuldenberatung
Online-Banking gesperrt
Spiel-Problem ( Sucht) eingestanden
Das klingt für mich ziemlich motiviert und organisiert.
Natürlich fühlt es sich nicht gut an zu wissen , dass die nächsten Abbuchungen nicht durchgehen werden , aber wahrscheinlich musste es erst so weit kommen , damit du einsiehst, dass es so nicht mehr weitergehen kann und du dir Hilfe suchen musst .
Das hast du jetzt getan und das war mit Sicherheit nicht leicht !!
Wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit und ein möglichst erleichterndes Gespräch mit deinen Eltern.
Hallo Josef ,
wie geht es dir inzwischen ? Hast du mit deinen Eltern gesprochen?
Konntest du weiter spielfrei bleiben ?
Wünsch dir einen schönen Tag
Habe mittlerweile alle in meiner Familie eingeweiht, ja. Wie es finanziell weitergehen soll ist noch nicht geklärt. Spielfrei bin ich seit dem, ja. Muss auch ehrlich gesagt sagen, dass mich nichts mehr anwidert als der Gedanke ans Spielen mittlerweile. Es war so hart und schwer die Wahrheit mit meinen Liebsten zu teilen und deren Reaktionen zu sehen, dass ich mir zu 100% sicher bin, dass ich das nie wieder machen will.
Zitat von: _josef_ am 30 Juni 2026, 15:57:21Es war so hart und schwer die Wahrheit mit meinen Liebsten zu teilen und deren Reaktionen zu sehen, dass ich mir zu 100% sicher bin, dass ich das nie wieder machen will.
Das ähnelt meinem ersten Eintrag hier im Forum :
Zitat von: Isabell80 am 14 April 2026, 10:23:35ABER , das zeigt mir auch ganz klar , was ich nicht mehr ,nie mehr will .
Ich will ihn und mich nie mehr so sehen , ich will ihn und mich nie mehr so enttäuschen und ich will nie mehr spielen . Ich will da raus !!!
Ich versteh deinen Gedanken daher !
ABER , ich wurde hier schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt .
Nie wieder - das macht sehr viel Druck.
Heute glaubst du ganz sicher daran , aber wer weiss, wie du das in 1,2 oder 10 Jahren siehst .
Hier im Forum wird daher oft gesagt , ich nehme mir nur für heute vor spielfrei zu bleiben .
Morgen früh kannst du dir das dann wieder vornehmen .
Das ist überschaubar und machbar .
Ich wünsche dir , dass du dein Vorhaben umsetzen kannst .
Toll , dass du deine Familie eingeweiht hast .
Gemeinsam werdet ihr sicher eine Lösung finden und auch einige Scheunentore schliessen können .
Alles Gute für dich !
Darin liegt eine gewissen Gefahr, in dem Gefühl so angewidert zu sein, dass man das nie mehr machen will.
Denn dieses Gefühl und die Erinnerung kann dann schnell nachlassen, wenn alles gerade wieder besser läuft.
Ich habe in einem Jahr mit Abstinenzversuchen nochmal viel Geld verloren, weil die Sucht wie ein Überfall zurück kam (oder eben nicht wirklich weg war, sondern nur durch die schlimmen Erfahrungen ausgebremst).
Mit Hilfe (Gruppe und Therapie) hat es nun viel besser geklappt, ich empfehle dir das also auch, noch eine Beratungsstelle aufzusuchen.
Hallo _josef_ ,
ich habe mich eben erst im Forum registriert, weil dein Fall sehr viele Parallelen zu meinem hat und ich daraus Zusammenhänge ableite, die beim Thema Glücksspielsucht m. E. viel zu kurz kommen.
Mich prägte beispielsweise ein unbeugsamer Optimismus, der mich schon seit meiner Kindheit mehr vor sich her trieb, als dass er mir Kraft gab. Das hat mich häufig zu diversen Spontaneitäten verleitet, zu unverzüglicher Hilfsbereitschaft, aber leider auch zu überstürzter Zockerei an der Börse mit schmerzhaften Verlusten. Allerdings wurde auch ich ursprünglich von einem "Freund" dazu verleitet. Deshalb als Einwurf: Was sagt denn der Freund, der dir das Online-Casino empfohlen hat, zu deiner Situation?
Das Krankhafte an meinem Optimismus habe ich dummerweise völlig allein erkennen müssen, weil Viele um mich herum prima meinen damit einhergehenden Tatendrang für sich zu nutzen wussten. Als ich jedoch vor ca. 13 Jahren dadurch in eine Situation geriet, die mir echt die Füße weggezogen hat, war keiner gewillt, mit mir die Ursachen aufzuklären. Man braucht nämlich Keinen zu erden, der schon auf der Schnauze liegt.
Unterm Strich musste ich mir mit Anfang 50 eingestehen, manisch-depressiv zu sein, ohne je einen Hinweis darauf bekommen zu haben, bipolar wie Conny Kramer bei Juliane Werding, von Tabus umzingelt und nicht selten gelobt, wo ein Tadel wesentlich nützlicher gewesen wäre.
Gerade weil du dir zu 100% sicher bist, das nie wieder machen zu wollen, vermute ich auch bei dir eine bipolare Störung, die deine Persönlichkeit derartig prägte, dass Alle um dich herum lieber damit zu leben gelernt haben, als dass sie zu deinen Gunsten auch nur einmal dazwischen gegangen sind.
Ich konnte meine Glücksspielmanie bisher nicht ablegen, weiß aber, dass sie nur Folge meines verpeilten Optimismus' und übersteigerten Selbstvertrauens ist. Daher versuche ich auch nicht, in erster Linie die Sucht zu bekämpfen, sondern realistischer zu sein. Nur leider hat mir das eröffnet, dass ich die falschen Freunde habe. Deshalb wünsche ich dir, dass deine Liebsten das Versagen nicht allein bei dir sehen. Es ist nicht deine Schuld, wenn Andere dich machen lassen, nur um nicht anzuecken, auch wenn man das gern als Freiheit verherrlicht.
Außerdem solltest du anerkennen, dass Süchte und Triebe schon seit Jahrhunderten nach allen Regeln der Kunst mit höchstingenieurwissenschaftlichen Methoden massenpsychologisch übergestülpt und untergeschoben werden. Casinos und Börsen werden von den cleversten Typen der Geschäftswelt mit Algorythmen und Datentechnik dort betrieben, wo nicht mal ein Briefkasten hängt. Du bist also kein Außenseiter, nur das Opfer mit dem man die hundert Anderen erzieht. Greife daher nicht nach dem Strohhalm, lerne schwimmen! ;)
Hallo Loser65
danke, dass du deine Geschichte so offen teilst. Ich finde, in vielem kann man sich wiederfinden – gerade wenn es um Optimismus, Selbstüberschätzung oder den Einfluss anderer Menschen geht.
Einen Punkt sehe ich allerdings etwas anders. Natürlich gibt es Menschen oder Umstände, die einen in Richtung Glücksspiel bringen können. Auch die Glücksspielindustrie nutzt gezielt psychologische Mechanismen aus. Trotzdem glaube ich, dass der entscheidende Schritt in der Aufarbeitung darin besteht, die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Wenn ich mein Leben oder meine Sucht hauptsächlich damit erkläre, was andere getan oder nicht getan haben, gebe ich ihnen gleichzeitig auch einen Teil der Kontrolle über meine Zukunft. Für mich war es wichtig zu erkennen: Niemand hat mich zum Spielen gezwungen. Es gab Auslöser und Einflüsse – aber die Entscheidungen habe letztlich ich getroffen. Und genau deshalb kann ich heute auch selbst Entscheidungen treffen, die mich aus der Sucht herausführen.
Etwas kritisch sehe ich auch die Vermutung einer bipolaren Störung bei Josef. Solche Diagnosen können nur Fachleute stellen. Dass jemand überzeugt ist, nie wieder spielen zu wollen, ist nach einem schweren Absturz erst einmal nichts Ungewöhnliches( liest man hier im Forum immer wieder ) und für sich genommen kein ausreichender Hinweis auf eine bipolare Erkrankung.
Ich wünsche dir,dass du deinen Weg findest und die Ursachen, die für dich persönlich hinter dem Spielen stehen, weiter aufarbeitest.
Hallo Isabell,
Spielen ist so ziemlich das erste, was man Kindern beibringt, und das nur selten auf freiwilliger Basis. Es ist daher so tief im Unterbewusstsein verankert, dass man handelt, bevor man sich für Entscheidungen überhaupt die Zeit genommen hat. Damit will ich Keinen von der Verantwortung für seine Handlungen freisprechen, selber schuld, wer sich für unschuldig hält. Trotzdem sind wir alle auch Resultat von Erziehung, Meinungsmache und Vorurteilen. Insofern wurde jeder auf sein Leben und seine Sucht hin konditioniert. Die Kontrolle, die er bestenfalls über sich ausübt, soll daher vor allem den vermittelten Normen entsprechen, unabhängig davon, ob er dabei mit sich im Reinen ist oder nicht.
Ich vermute auch nur eine Bipolarität bei Josef. Mir läuten allerdings die Alarmglocken, wenn Einer von "nie wieder" spricht. Das ist nicht selten die besänftigende Floskel, bei der der innere Schweinehunde schon auf den nächsten Ausweg schielt. Wesentlich hilfreicher wäre wohl, wenn er sich fortwährend dazu ermahnt oder von Anderen ermahnt wird, jetzt nicht zu spielen. Das hallt dann sukzessiv immer länger nach, bis die Entzugserscheinungen abklingen.
Im Übrigen halte ich es für naiv, den Begriff Spielen mit Sucht in Zusammenhang zu bringen. Für den Spieler ist es nämlich kein Spiel, sondern Zwang. Er könnte sich genauso häufig die Hände waschen, dann verdienen eben die Kosmetiker anstatt den Bankern. Allerdings ist es sehr nützlich, den Spiel-Begriff anzuwenden, wenn man den Spieler mit seiner Sucht im Stich lassen will. Dann nimmt ihn nämlich auch noch den Respekt und die Würde.
,,Jeder wurde auf seine Sucht konditioniert" klingt mir zu absolut. Prägung und Risikofaktoren gibt es sicher, aber keine Vorbestimmung. Sonst wäre Sucht unvermeidlich. Gerade die Tatsache, dass Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen unterschiedlich reagieren, zeigt für mich, dass auch eigene Entscheidungen und Schutzfaktoren eine große Rolle spielen.
Zitat von: Loser65 am 02 Juli 2026, 13:39:14Die Kontrolle, die er bestenfalls über sich ausübt, soll daher vor allem den vermittelten Normen entsprechen, unabhängig davon, ob er dabei mit sich im Reinen ist oder nicht.
Ich verstehe, was du mit dem Einfluss von Normen und Prägung meinst. Natürlich spielen gesellschaftliche Erwartungen und erlernte Muster eine Rolle dabei, wie wir handeln.
Trotzdem sehe ich Kontrolle nicht nur als Anpassung an äußere Normen. Menschen können ihr Verhalten auch bewusst reflektieren, hinterfragen und verändern – selbst dann, wenn es gegen eingeübte Muster geht. Genau dieser Punkt ist für mich im Umgang mit Sucht entscheidend.
Denn wenn Kontrolle nur als ,,Erfüllung von Normen" verstanden wird, bleibt wenig Raum für echte Veränderung aus eigener Entscheidung heraus.
Zitat von: Loser65 am 02 Juli 2026, 13:39:14...wenn Einer von "nie wieder" spricht. Das ist nicht selten die besänftigende Floskel, bei der der innere Schweinehunde schon auf den nächsten Ausweg schielt. Wesentlich hilfreicher wäre wohl, wenn er sich fortwährend dazu ermahnt oder von Anderen ermahnt wird, jetzt nicht zu spielen. Das hallt dann sukzessiv immer länger nach, bis die Entzugserscheinungen abklingen.
Da bin ich bei dir .
Ich bin hier im Forum , wie viele andere , mit einem "Nie wieder" im Kopf gestartet ( ohne Bipolariät) und habe hier sehr schnell gelernt , dass das nicht der richtige Weg ist.
Tag für Tag !
Schritt für Schritt !
Zitat von: Loser65 am 02 Juli 2026, 13:39:14Im Übrigen halte ich es für naiv, den Begriff Spielen mit Sucht in Zusammenhang zu bringen. Für den Spieler ist es nämlich kein Spiel, sondern Zwang.
Pathologisches Glücksspiel ist laut WHO
Sucht und Zwang.
Beides trägt seinen Teil zu dieser Erkrankung bei.
Zitat von: Loser65 am 02 Juli 2026, 13:39:14Allerdings ist es sehr nützlich, den Spiel-Begriff anzuwenden, wenn man den Spieler mit seiner Sucht im Stich lassen will. Dann nimmt ihn nämlich auch noch den Respekt und die Würde.
Ich glaube nicht, dass der Begriff "Spiel" oder "Spielsucht" benutzt wird, um jemanden abzuwerten oder im Stich zu lassen.
Das ist eher die gängige Sprache, auch wenn sie die Realität dieser Erkrankung oft nicht gut trifft.
Entscheidend ist für mich nicht das Wort, sondern dass das Problem ernst genommen wird und Hilfe möglich bleibt.
Sorry Josef , dass wir hier so viel Raum in deinem Thread einnehmen .
Isabell,
einerseits gibt es genug andere Süchte und Suchtkrankheiten. Manche haben die Psychotherapeuten nicht mal auf dem Zettel, bspw. Neid, Eifersucht, Gier, Fern- oder Heimweh etc, weshalb man sie gern übersieht. Ich bezweifle daher, dass es Menschen ohne Sucht überhaupt gibt. Zum Anderen ereilt auch Manchen rechtzeitig der Schutzengel und ermahnt bzw. befähigt ihn zur Selbstbeherrschung. Vielleicht hat er auch rechtzeitig genug schlechte Erfahrungen gemacht, als das Schadenspotenzial noch gering war. Aber selbst dem Suchtkranken bleibt meist ein geringfügiger Handlungsspielraum, der seine Mündigkeit belegt.
Zwischen Wollen und Müssen unterscheiden zu können, klappt meistens nur solange kein Druck herrscht. Süchtige stehen jedoch permanent unter Druck, sicherlich oft selbst auferlegt aber zumindest gegenwärtig, womit Wollen und Müssen miteinander verschmelzen. Bei näherer Betrachtung handeln auch anscheinend Kontrollbefähigte oft zwanghaft. Weil deren Sucht aber konstruktiv ist, gilt das nicht als krankhaft. Wen beispielsweise brav tagtäglich die Pflicht ruft, ob er nun Geld braucht oder nicht, dem belächelt man mitunter noch als Workaholic, würde ihm aber nie und nimmer deshalb eine Suchterkrankung nachsagen.
Der Begriff Spiel setzt Spielsüchtige auf Kindesniveau und spricht Ihnen damit die Zurechnungsfähigkeit ab. Auf Grund des Suchtverhaltens ist das durchaus gerechtfertigt, es verdrängt jedoch das Pathologische, womit der Spieler bestenfalls ein Luxusproblem und daher wohl kaum Hilfe nötig hat. Er findet eventuell noch Gehör beim Therapeut oder in Foren wie diesen. Im Freundes- und Familienkreis steht er jedoch schnell im Abseits, was seine Sucht noch fördert, wenn es nicht die eigentliche Ursache ist. Insofern sollte er sich nicht nur der Umgangssprache entziehen, sondern auch seinem gewohnten Umfeld, wenn ihm sein Problem ernst ist.
Okay , wir werden uns da nicht einig . Bei einigen deiner Aussagen bin ich unsicher , ob du mich oder dich selbst verschaukeln möchtest .
Dennoch wünsche ich dir alles Gute auf deinem Weg !
Ja, dankeschön!
Eine Sucht ist eben eine Sucht und ein Problem ein Problem.
@Loser65
Das klingt wie ein Haufen hochtrabende heisse Luft. Du widersprichst dir ausserdem noch selbst.
Ansonsten stimme ich Isabell zu. Ich habe öfter "Nie wieder" gesagt als ich zählen kann... und es dann doch wieder getan. Du musst kein Borderliner sein wenn du dir das einredest. Ich bin nämlich auch keiner. Das ist einfach nur ein Symptom der Sucht (egal welcher).
Hallo zusammen,
wenn man zwischen Spiel und Glücksspiel unterscheidet, gibt es diese Probleme nicht. Glücksspiele sind nicht vergleichbar mit Kinderspielen. Diese Art Spiele bleiben ohne Konsequenz. Wenn ein Kind spielerisch jemanden mit einem Stock o.ä. ,,erschießt" ist das andere Kind nicht tot. Das Spiel bleibt ohne Konsequenzen in der Realität, wenn es beendet wird.
Wird ein Glücksspiel beendet, haben sich in der Regel die Verluste vergrößert. Sie verschwinden nicht nach Beendigung des Glücksspielens. Das ist ein wesentlicher und vor allem spürbarer Unterschied.
LG Ilons
https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php/topic,3957.msg43978.html#msg43978
Panda,
nach meinen Erfahrungen ist Sucht ein Symptom manisch-depressiver Veranlagung. "Nie wieder" macht es deutlich.
Ilona,
es bleibt die Konsequenz, dass das Kind seine Scheu überwunden und "abgedrückt" hat. Beim nächsten Schuss wird es ihm schon weniger schwer fallen und irgendwann ganz leicht, war ja nur Spiel.
Olli,
Glücksspiel verursacht genau genommen weder Gewinne noch Verluste. Das Geld hat ja ledig ein Anderer.
Allerdings verursacht Glücksspiel Steuern auf bereits versteuerte Einkommen. IdR wird privates Geld verzockt, aber die Gewinne der Glücksspielbetreiber sind steuerpflichtig. Glücksspiel liegt daher im Interesse des Staates.
Außerdem fördert Glücksspiel die Gewinnerzielungsabsicht und dient somit der Befleißigung. ;)
Guten Morgen!
ZitatGlücksspiel liegt daher im Interesse des Staates.
Liegt es das wirklich? Dezeit sieht es nämlich so aus, dass das Geld ins Ausland wandert. Damit steht es dem inländischen Kreislauf nicht mehr zur Verfügung. Es schadet also der Wirtschaft!
Nicht umsonst heißt es, dass Glücksspiel ein demeritorisches Gut ist. Es schadet der Gesellschaft und auch dem Einzelnen. Es werden lediglich die Interessen der Lobbyisten verfolgt, nicht die des Staates selbst.
Zitatnach meinen Erfahrungen ist Sucht ein Symptom manisch-depressiver Veranlagung. "Nie wieder" macht es deutlich.
Kürzlich kaufte jemand ein Buch und erzählte daraufhin, was alles so auf ihn passen würde. Müsste dann nicht auch der Schluss, der in dem Buch gezogen worden ist, auf ihn zutreffen?
Du machst hier etwas anderes, im Grunde aber ist es doch das Gleiche. Du ziehst aus Deiner Diagnose eine allgemeingültige Regel. Doch so einfach ist das nicht. Wir Menschen sind komplexe Wesen. Und natürlich finden wir, wenn wir genauer hinschauen, überall Ähnlichkeiten. Ein Affe hat zwei Arme, Beine, hat eine Nase, einen Mund. Ist ein Affe daher auch ein Mensch?
Nicht jeder hat eine bipolare Störung, nur weil Du diese hast.
"Nie wieder" ist zumeist ein Versuch der Selbstmanipulation und Selbstüberzeugung. Ich weiss doch, dass ich mir schade, wenn ich spiele. Ich weiss, dass ich gegen Normen und Werte verstoße. Und doch tue ich es immer wieder und wieder. Also setze ich mir eine Grenze - was absolut richtig ist vom Grundsatz her. Wenn ich abstinent sein will, dann muss ich mir Regeln setzen und diese auch einhalten. Doch die Grenzen und Regeln müssen auch einhaltbar sein.
Als Spielhallenbesucher gab es da also nur eines: Betrete keine Spielhalle! In der Kneipe: Ich wechsele kein Geld fürs Darten am Spielautomaten. Ich berühre solch ein Teul erst gar nicht - halte Abstand. Ich drehe ihm den Rücken zu oder gehe sogar in einen anderen Raum, wenn möglich.
Nie wieder ist nur ein Ausdruck meiner eigenen Hilflosigkeit!
Und natürlich bin nicht nur unbedingt ich selbst Ziel dieser Manipulationsversuche. Wenn ich meinen Partner davon überzeugen kann - schaffe ich es dann nicht auch bei mir selbst?
"Nie wieder" wird damit zu einer Lüge! Sie ist eine unwahre Tatsachenbehauptung, da ich den Wahrheitsgehalt gar nicht zu diesem Zeitpunkt überprüfen kann. Ich versuche damit hemanden zu manipulieren und ich habe einen persönlichen Vorteil. Letzterer kann vielfältig sein: Der Spruch beruhigt mich ... oder meinen Angehörigen. Vielleicht brauche ich mich mit der Thematik gar nicht mehr beschäftigen, denn nie wieder ist endgültig - Problem gelöst?!
Du begehst den "Fehler", und mal ehrlich, wer hat das noch nicht selbst erlebt, dass Du nur aus Deiner eigenen Bubble heraus Deine Schlüsse ziehst. Daher ist es immer wichtig, Erhahrungen aus den Universen anderer zu erhalten.
Guten Morgen Olli,
der Staat hat es in der Hand, Geld- und Gewinnabflüsse ins Ausland zu vermeiden. Es kann durchaus in seinem Interesse sein, wenn er das nicht tut, bspw. um nicht als Profiteur der Glücksspielsucht in Erscheinung zu treten oder um mit Liquiditätsengpässen die Kreditvergabe zu fördern, die Süchtigen also auch noch zu verschulden.
Das Machtgefälle zwischen Staat und Bürger resultiert regelmäßig aus Schaden an der Gesellschaft.
Manisch-depressiv ist der Mensch aufgrund seiner biologischen Verwandtschaft mit den Raubtieren. Der Affe mag kein Mensch sein, aber der Mensch ist ein Affe. Im Zuge seiner Kultivierung und Sozialisierung soll er davon möglichst viel ablegen und durch Bewusstsein ersetzen. Er kann dennoch in Situationen geraten, wo die Urinstinkte hervortreten, was dann zu den bekannten Kurzschlusshandlungen führt. Darauf beruht u. a. der Totalitarismus, der bekanntermaßen gezielt am Verstand vorbei argumentiert, um einerseits Ergebenheit und andererseits Massenhysterie zu erlangen. "Nie wieder" ist ein gebräuchliches Totschlagargument, um sich den Weg frei zu machen.
Suchtkrankheiten und Neurosen sind wesentliche Grundlagen totalitärer Regime, selbst angebliche Demokraten bedienen sich unterschwelligen Terrors, um mit Ängsten und Euphorien bei ihren Wählern landen zu können.
Das manisch-depressive am Menschen ist ein gebräuchliches Einfallstor für Manipulationen, jedoch nur solange er sich dieser Schwäche nicht bewusst ist.
Guten Morgen Loser ,
du machst aus nahezu jedem Einwand ein neues, noch größeres Erklärungsmodell. Erst geht es um Glücksspielsucht, dann um Bipolarität, dann um Konditionierung, dann um alle möglichen Süchte, anschließend um Evolutionsbiologie, Totalitarismus und den Staat. Dadurch wird die Diskussion immer abstrakter und der ursprüngliche Punkt verschwindet.
Was uns hier verbindet ist die Glücksspielsucht ( wie auch immer du diese Erkrankung für dich bezeichnen möchtest ).
Die meisten sind hier , weil sie spielfrei sein , spielfrei werden oder spielfrei bleiben wollen .
Was mich an deiner Argumentation irritiert, ist, dass am Ende kaum noch Hoffnung auf Veränderung bleibt. Wenn Biologie, Erziehung, Gesellschaft, Politik und Manipulation das Verhalten weitgehend bestimmen, bleibt vom eigenen Handlungsspielraum nur noch wenig übrig.
In der Suchthilfe ist die Erfahrung eine andere: Ja, es gibt viele Einflussfaktoren. Trotzdem können Menschen Verantwortung übernehmen, neue Verhaltensweisen lernen und dauerhaft spielfrei leben. Ohne diesen Glauben an Veränderung wäre jede Therapie und jede Selbsthilfe im Grunde sinnlos.
Gerade in einem Selbsthilfeforum halte ich deine Botschaft daher für problematisch. Viele Menschen kommen hierher, weil sie Hoffnung suchen.
Für Menschen, die gerade mit dem Spielen aufhören wollen, kann so etwas echt entmutigend sein.
Hi Isabell,
ich bin zwar zugegebenermaßen mit Olli etwas abgeschweift, erwähnte jedoch schon in meinem ersten Kommentar, dass ich Sucht als Folge von Bipolarität sehe. Daran habe ich angeknüpft und halte es zur Bekämpfung von Sucht für zielführend, zunächst die Ursachen manisch-depressiven Verhaltens aufzuspüren.
Allerdings sehe ich bei dir einen Widerspruch: Gestern ging es dir noch darum, dass der Suchtkranke wieder Selbstkontrolle bekommt. Heute begnügst du dich mit Hoffnung auf Veränderung. Wo bleibt da der Kampfgeist?
Vielleicht sollte der Suchtkranke überhaupt erstmal Spielen lernen, also absichtlich Handlungen tätigen, die auf kein Ergebnis abzielen, damit er überhaupt den Ernst der Lage begreift, in die ihn die Sucht getrieben hat. Mangelndes Unterscheidungsvermögen resultiert mitunter aus Bedeutungslosigkeit, weil die Werte versagen und es daher nichts mehr zu verlieren gibt. Therapien und Selbsthilfebestreben können schlicht daran scheitern, dass der Süchtige deren Sinn nicht versteht. Warum sollte er sich der Sucht entledigen, wenn die Alternativen für ihn keinen Reiz haben? Suchtbefreiung zum Selbstzweck kann gähnende Leere hinterlassen. Hingegen kann es sehr erfüllend sein, das eigentliche Ziel zu definieren, dass der Süchtige mit seiner Destruktivität verfolgt, und ihn zu motivieren, es auf anderen Wegen zu versuchen.
Hallo,
ich sehe da keinen Widerspruch. Hoffnung auf Veränderung und Selbstkontrolle gehören für mich zusammen. Wer keine Hoffnung hat, wird kaum die Kraft aufbringen, an sich zu arbeiten. Und Selbstkontrolle entsteht nicht durch einen einmaligen Entschluss, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt.
Was mich an deiner Argumentation stört, ist, dass du sehr schnell allgemeine Erklärungsmodelle entwickelst und sie auf andere überträgst. Du siehst Sucht als Folge einer Bipolarität. Das mag für einzelne Menschen zutreffen, ist aber keine allgemeingültige Erklärung für Glücksspielsucht.
Dass ein suchtfreies Leben mehr braucht als nur ,,nicht mehr spielen", sehe ich übrigens genauso. Ein neues Ziel, neue Inhalte und neue Perspektiven sind wichtig. Der Unterschied ist: Für mich ersetzt das nicht die Verantwortung für das eigene Handeln, sondern ergänzt sie.
Ich glaube, wir haben grundsätzlich unterschiedliche Sichtweisen. Deshalb belasse ich es dabei und wünsche dir alles Gute auf deinem Weg.
Hallo,
es st doch spannend, sich auf "the missing link", das fehlende Glied zu besinnen, so wie es Charles Dickens geleht hat. Ich habe mal dazu einen interessanten Film gesehen, der genau diese Spezies vor 4 Mio Jahren zeigte. Da kam eine Liebesszene darin vor, die so intensiv und emotional war, eben das Zusammentreffen von agapischer und erotischer Liebe im Zusammenspiel. Aber was sind 4 000 000 Jahre in der Berechnung des Universums?
Die Genesung von der Spielsucht geschieht an einem einzigen Tag, eben auch in einer Form der Liebe. Eine Liebe die stärker ist als die Sucht, und der süchtige Mensch braucht sich darum keine Gedanken zu machen, er braucht nur die Freiheit, das Leben in sich einzuatmen, gerade dann, wenn ein Licht am Ende des Tunnels erstrahlt, Dann kann er sich selber, sein eigenes Ich, begreifen, und sieht sich vielleicht als Homo Sapiens, und wenn er das erkennt, dann wird auch er anerkannt, an diesem Tag,
Nur für HEUTE
Andreas
Isabell,
sicherlich will auch Selbstkontrolle geübt sein, aber sie gedeiht nicht. Entweder übernimmt der Süchtige die Kontrolle und macht dabei am Anfang noch vieles falsch, oder er lässt es. Erstmal nur ein bisschen und dann mehr und mehr, geht nicht. Es kann nur einer das letzte Wort haben, der Süchtige selbst oder ein Anderer.
Bipolarität lässt sich durchaus verallgemeinern, denn in den Urinstinkten sind die Menschen sehr eng miteinander verwandt. Allerdings gibt es endlos viele individuelle Möglichkeiten, die Instinkte und damit die Suchtgefahr beherrschen zu lernen.
Ansonsten wünsche ich dir ebenfalls viel Erfolg!