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Glücksspielsucht => Tagebuch => Thema gestartet von: Max2026 am 24 Juli 2026, 00:49:26

Titel: Ein Anfang oder so
Beitrag von: Max2026 am 24 Juli 2026, 00:49:26
Hallo,
ich bin Max und bin 23 Jahre alt. Vorab möchte ich mich für den ewig langen Text entschuldigen, wer mag kann ihn sich durchlesen, mir hat es aber vor allem geholfen das ganze hier mal zu verschriftlichen. Ich habe kurz nach meinem Geburtstag oder besser gesagt fast noch an meinem 18. Geburtstag mich bei einem Sportwetten-Anbieter registriert. Nur schon mal kurz vorab, ich habe einige Male auch Casino/Slots gespielt, aber nie viel Geld und auch nicht regelmäßig, da ich den Sinn darin nicht gesehen habe und oftmals nur verlor. Dafür bin ich im Bereich Sportwetten komplett hängengeblieben im warsten Sinne dieser Formulierung. Im Gegensatz zu Slots habe ich lange Zeit geglaubt mit Sportwetten langfristig Gewinn zu machen. Ich habe ab meinem 18. Lebensjahr täglich gespielt und quasi nie auch nur 1-2 Tage mal Pause gemacht, außer zwangsläufig, wenn keine Kohle mehr da war.

Ich befinde mich zur Zeit in einem dualen Studium und verdiene somit schon mal ein wenig Geld, vorher bin ich ein paar Minijobs nachgegangen, da ich noch nicht wusste, was ich nach der Schule machen sollte. Um es kurz zu machen, es ist ein Bürojob, zwar nicht gänzlich uninteressant, aber es macht mir kein bisschen Spaß. Ich werde aber wohl erstmal noch in diesem Verhältnis bleiben, da ich das dualen Studium zumindest abschließen möchte und auf das Geld angewiesen bin.

Auf das Geld angewiesen bin ich, da ich durch die Sportwetten eine mittlere vierstellige Summe an Schulden angehäuft habe. Zu Beginn als ich noch Mini jobte halfen mir einige Male Familienmitglieder aus diese Schulden zu begleichen, heute bediene ich diese Schulden mehr oder weniger Selber, sie sind zumindest in letzter Zeit geringer geworden.(Meine Familie würde mir aber auch nicht mehr helfen, sämtliches Vertrauen ist verloren, durch meine endlosen Lügen.

Die Schulden sind bei 4 verschiedenen Banken/Kreditkarten verteilt, ich könnte sie mit einem sparsamen Kurs meiner sonstigen Ausgaben in 9-12 Monaten bezahlen.

Das finanziellen ist somit gerade noch im Rahmen, ich könnte die nächsten Monaten überleben. Ein viel größeres Problem ist, das ich psychisch unfassbar daran hänge. (Bitte nicht verurteilen für den kommenden Teil)Mir ging es nie sonderlich schlecht in meinem Leben und ich musste auch keine Traumata bewältigen oder so. Jedoch kam ab meinem 16-17 Lebensjahr ein sehr dunkles Gefühl in mir auf, ich konnte keine Freude mehr empfinden.

Das ist ganz komisch zu erklären, ich habe bis zum heutigen Tag in meinem Leben kein bisschen Selbstvertrauen in irgendeinem Bereich aufgebaut, ich kann mich selbst kein bisschen leiden, egal auf welcher Ebene. Mir hat es zwar nie an Freunden oder Hobbys gemangelt( vor den Sportwetten, jetzt schon) aber ich hatte noch nie irgendeine Art von romantischer Beziehung oder ähnlichem, fördert also auch nicht das Selbstbewusstsein.
Ich führe das nur aus um zu erklären, dass dieses Gefühl mit den täglichen Sportwetten verschwunden war, als wäre es nie da gewesen. Seither habe ich hin und wieder auch mal Glückssträhnen gehabt und recht viel gewonnen, im Zuge danach aber auch wieder x-mal so viel verloren.

Trotzdem spiele ich seit Jahren jeden Tag und kann mir ein Leben ohne nicht vorstellen. Ich habe mehrfach versucht mit den Sportwetten aufzuhören, jedes Mal unerfolgreich. Ich habe in den Versuchen bis her fürchte ich nur Bruchteile von dem erlebt was da auf mich psychisch zukommt wenn ich aufhöre, hat jemand Tipps, wie ein vollständiges Aufhören gelingen kann?
Titel: Antw:Ein Anfang oder so
Beitrag von: DestructionDaddy am 24 Juli 2026, 06:20:44
Hi Max, du bist noch jung, also schau, dass du dein Leben nicht wegen dem Misst verbaust.

Hört sich nach Depressionen an. Mach n Gym Abo und Versuche 3 Mal die Woche zu trainieren, dass hilft (auch für das Selbstvertrauen und die Mädels stehen auch drauf).

Da deine Schulden in absehbarer Zeit abzuzahlen sind, vertrau dich einem Familienmitglied an, welches deine Finanzen für dich übernimmt, damit du keinen größeren Mist bauen kannst.
Titel: Antw:Ein Anfang oder so
Beitrag von: Isabell80 am 24 Juli 2026, 08:45:23
Hallo Max ,
hast du dir für deine Psyche schonmal professionelle Hilfe geholt ?
Eine Therapie gemacht, oder Ähnliches ?
Das würde ich dir auf jeden Fall raten .
Damit du nicht auf dem Weg raus aus der Spielsucht ins nächste Loch fällst .

Als erstes würde ich mich an deiner Stelle sperren lassen , so dass du dir den Weg zum Spielen selbst verbaust.

Die Finanzen abzugeben ( wie DestructionDaddy schrieb) , ist da ebenfalls ein wichtiger Schritt.

Schau mal , wo es bei dir in der Nähe eine Suchtberatungsstelle gibt und hol dir dort einen Termin .

Nimm jede Hilfe an , die du bekommen kannst .
Noch sind die Schulden überschaubar , du bist jung , wenn du jetzt den Absprung schaffst , kann alles gut werden !!




Titel: Antw:Ein Anfang oder so
Beitrag von: Olli am 24 Juli 2026, 10:46:12
Hi Max!

Herzlich willkommen und vielen Dank für den Einblick in Deine Gedanken!

ZitatTrotzdem spiele ich seit Jahren jeden Tag und kann mir ein Leben ohne nicht vorstellen. Ich habe mehrfach versucht mit den Sportwetten aufzuhören

Die schlichte und doch so komplexe Frage ist doch: Was wünschst Du Dir für Dich und Dein Leben?

Möchtest Du wieder mehr Kontakt zur Familie haben? - Schaffst Du das mit dem Glücksspiel?
Möchtest Du wieder, als Steigerung, dazugehören? - Schaffst Du das mit dem Glücksspiel?
Möchtest Du wieder, dass die Familie Dir vertraut?  - Schaffst Du das mit dem Glücksspiel?
Du wünschst Dir eine romantische Beziehung!  - Schaffst Du das mit dem Glücksspiel?
...

Du kannst Dir diese Liste noch ellenlang erweitern und jedes Mal die Frage dahinter setzen:  - Schaffst Du das mit dem Glücksspiel?

Meistens wirst Du Dir selbst die ehrliche Antwort geben müssen: Nein, ich schaffe das nicht mit, nur ohne Glücksspiel!

Was willst Du also und was bist Du bereit dafür zu tun, sodass Deine Ziele Realität werden?

Es ist einfach zu sagen, ich schaffe das Aufhören nicht! Ich darf das so sagen, denn ich war genauso eingestellt. Ich habe die Augen zu gemacht und habe weiter gespielt. Insgesamt waren es 20 Jahre.
Auch ich hatte einen Selbstwert, den selbst Antman in seiner kleinsten Form nicht gefunden hätte.
Aber ich habe mich geirrt. Ich muss nicht perfekt sein und meine Fehler machen mich eben auch aus.
Damals war ich schlank und rank, fühlte mich als Knochengestell. Heute wäre ich froh, noch mal so schlank zu sein. Damals machte ich mich klein, weil ich schlechte Augen habe. Gestern war ich beim Optiker für je eine neue Bildschirmarbeitsplatz- und auch Fernbrille. In vier Jahren habe ich bei beiden je eine ganze Dioptrin verloren. Waren die Augen damals vielleicht doch nicht so schlecht?

Auch bin behütet aufgewachsen, allerdings war mein Vater jemand mit narzistischen Zügen. Seine Geschwister waren aber auch nicht anders. Und so erhielt ich zwar Lob, es wurde aber irgendwann wieder entzogen, wenn ich nicht das machte, was verlangt wurde. Im Grunde sollte ich zwar mein Leben leben, aber unter den Prämissen meines Vaters. Im Spiel habe ich das alles verdrängt. Nur, ich wusste es damals nicht. Und so spielte ich weiter und ließ mir auch nichts sagen. Es war doch mein Geld udn mein Leben. Wieso wollte man mir etwas wegnehmen, was mir so wichtig war?

Viele Jahre später hatte ich aber die Nase voll. Ich wollte nicht mehr spielen. Einmal noch hatte ich fast mein ganzes Gehalt verspielt, als ich mir selbst sagte: Egal, was jetzt kommt, ich breche mit dem Glücksspiel. Das war eine Entscheidung, die ich so vorher nie getroffen hatte.
Na klar wusste ich, dass ich gegen die Werte meiner Familie verstoßen hatte. Ich wusste, dass ich "eigentlich" was ändern sollte. So waren meine spielfreien Zeiten immer nur Spielpausen. Sie haben ja einen Anfang und sie haben ein Ende. Ich versprach damals alles, was von mir verlangt wurde und raus aus der Situation schwirrte mir schon wieder im Kopf herum, dass ich doch dann und dann wieder Geld aus einem Nebenjob erwartete ... Sofort hatte mich die Erwartung wieder im Griff.

Doch mit der Entscheidung, die aus der Tiefe meiner Seele kam, da war das vorbei. Na klar gab es Triggermomente, auch mal extrem heftige. Doch ich habe sie überstanden. Der Suchtdruck geht oft so schnell, wie er gekommen ist und im Laufe der Zeit wird er auch immer schwächer.

Wie immer biete ich auch Dir an, am Samstag um 19 Uhr am Webmeeting teil zu nehmen. Oben gibt es eine Leiste dazu. Der Zoom-Link verbirgt sich hinter der Schaltfläche "Online" und Informationen zum Meeting hinter, kaum zu glauben, "Info" ... :)

Traue Dich einfach, es reißt Dir keiner den Kopf ab ... wir unterstützen uns gegenseitig und achten auch aufeinander. Schaue es Dir mal an ... was hast Du zu "verlieren"?
Titel: Antw:Ein Anfang oder so
Beitrag von: Blau am 24 Juli 2026, 11:11:11
Hi Max,

ich bin auch noch recht neu hier (bisschen mehr als ein Monat jetzt) und bin 26. Ich kann dir als Tipp auch nur die Selbsthilfegruppe sehr empfehlen. Über die Thematik zu sprechen, hat mir enorm geholfen das eigene Verhalten zu akzeptieren, reflektiereb und daran zu arbeiten. Ich finde auch beim Zuhören anderer, die länger spielfrei sind, schöpft man Hoffnung und Kraft, dass man es auch schaffen kann. Und man sieht wie schlimm es noch werden könnte, wenn wir nicht jetzt aufhören! Du schaffst das! Wir können das alle schaffen!