Hi!
Wo seht Ihr den Unterschied bei "nicht spielen"/"spielfrei" oder "abstinent"?
Ich merke, dass immer wieder dieses "nicht spielen" benutzt wird. Dabei gibt es aber doch auch positive Umschreibungen desselben Zustands/Verhaltens.
Hat das vielleicht einen Grund? Was denkt Ihr?
Hi !
Ich neige auch zu diesen negativen Formulierungen a la :
Heute hab ich schon x Tage nicht gespielt.
Ich will nicht mehr spielen .
usw
Vor allem bei meinen ersten Einträgen hier im Forum fällt mir das auf , aber auch im Alltag , bei Themen ausserhalb der Spielsucht .
Wenn ich darüber nachdenke, klingt "nicht spielen" für mich eher nach Verzicht. Der Fokus liegt auf dem, was ich nicht mehr darf.
"Abstinent" oder "spielfrei" fühlen sich dagegen ganz anders an. Da denke ich weniger an Verzicht, sondern eher an Freiheit.
Vielleicht spiegelt unsere Wortwahl auch ein Stück weit wider, wo wir innerlich gerade stehen.
Für mich haben sich die ersten spielfreien Tage nicht gut angefühlt . Sie fühlten sich nicht spielfrei , sondern ganz klar nach "nicht spielen" an .
Am Anfang meiner Abstinenz war mein Denken oft: "Ich darf nie wieder spielen." Das hat sich schwer angefühlt.
Wenn ich sage: "Ich bin spielfrei", dann steckt darin für mich viel mehr als nur kein Glücksspiel. Da gehören Ehrlichkeit, Selbstbestimmung, Ruhe, Freiheit und neue Lebensqualität dazu.
Vielleicht macht genau das den Unterschied aus:
"Nicht spielen" beschreibt ein Verhalten.
"Spielfrei" beschreibt ein Leben.
"Nicht spielen" richtet den Blick zurück auf das Glücksspiel.
"Spielfrei" richtet den Blick nach vorne auf das Leben.
Ich denke, dass Worte viel mehr Macht haben, als wir im Alltag merken. Gerade in der Sucht begleiten uns innere Sätze ja oft jahrelang. Manche ziehen uns herunter – andere können uns aufrichten.
Da können positive Formulierungen bestimmt sinnvoll sein .
Ausserdem ist es so , dass unser Gehirn keine Verneinungen verarbeitet .
Wie war das noch gleich ?
Denk nicht an den rosa Elefanten .
Zack , denken wir daran.
Abstinent ist wer willentlich enthaltsam war. Spielfrei kann man hingegen auch aus anderen Gründen sein, weil man abgelenkt oder zu müde war, keine Gelegenheit hatte, einer anderen Sucht frönte etc.
Vielleicht sollte man den Begriff der Positiven Abstinenz einführen. Man hat dann eben nicht gespielt, weil man etwas Besseres zu tun hatte, quasi einen neuen Sinn gefunden, sich also umorientiert hat.
Ich verbinde mit Abstinenz Anstrengung, Verzicht. Fühlt sich für mich nicht gut an.
Und Nicht-Spielen ist bei mir eine aktive, bewusste Entscheidung. Es erfolgt aus Freiheit und gibt Freiheit.