Hallo zusammen,
ich bin auf dieses Forum gestoßen, weil ich nach einer plötzlichen Trennung versuche, besser zu verstehen, welchen Einfluss die Glücksspielsucht meines Ex-Partners auf unsere Beziehung und sein Verhalten gehabt haben könnte.
Wir waren 2,5 Jahre zusammen. Die Beziehung war für mich sehr schön. Ich habe mich bei ihm angekommen und sicher gefühlt. Wir haben viele tolle Sachen unternommen und viel Zeit miteinander verbracht. Nach einem Jahr hat er mir von seiner Glückspielsucht erzählt. Ich war damals sehr geschockt, habe ihm aber gesagt, dass ich ihn bei allem unterstützte, wir haben eine Liste mit seinen Schulden und monatlichen Kosten aufgestellt, ich habe ihm (leider) auch Geld geliehen und er wollte sich seinen Problemen stellen und ist zu einer Suchtberatung gegangen - erstmal. Ich habe mir natürlich immer viele Sorgen um ihn gemacht und gehofft ihm mit meiner Liebe und Unterstützung zu helfen. Die Beratung hat er dann nach ein paar Monaten abgebrochen, weil sie ihm angeblich keine neue Erkenntnisse zu seinen Problemen gab. Ich fand das nicht gut, aber er sagte er hätte es im Griff. Er war zunächst etwa sieben Monate spielfrei. Dann kam es zu einem Rückfall. Ich habe ihn auch dann wieder unterstützt und ihm beigestanden. Er wollte seine Probleme trotzdem immer selbst in den Griff bekommen und lehnte Hilfe eher ab. Ich hatte teilweise den Eindruck, dass Scham und das Gefühl, alles alleine schaffen zu müssen, bei ihm eine große Rolle spielen.
Etwa vier Monate vor der Trennung kam es erneut zu einem Rückfall. Ich war damals sehr enttäuscht, dachte aber trotzdem irgendwie, dass wir es gemeinsam schaffen, was wahrscheinlich irgendwie naiv war. Ich hätte mich wahrscheinlich viel mehr mit dem Thema beschäftigen müssen. Da er nicht ständig gespiwlt hat, war mir leider nicht so sehr klar, dass er innerlich wohl immer damit beschäftigt war. Wir konnten teilweise auch sehr offen darüber reden, aber nur wenn er wollte. Wenn ich das Thema angesprochen habe, hat er manchmal ziemlich zurückweisend reagiert.
Kurz vor der Trennung war er oftmals zurückhaltend und zurückgezogen, was er mit beruflichem Stress erklärt hat, den er zu dem Zeitpunkt auch hatte.
Im Juli hat er die Beziehung dann für mich völlig unerwartet beendet. Er sagte, ich habe ihm eigentlich alles gegeben, was man sich wünschen kann, ich sei eine tolle Frau und zwischen uns würde sehr viel passen. Er sagte aber auch, dass er Zeit für sich brauche, an seinen Problemen arbeiten müsse und sich keine weiteren Schritte mit mir vorstellen könne. Er sprach von einer inneren ,,Mauer".
Für mich ist das alles sehr schwer zu begreifen und zu verstehen.
Was mich bis heute beschäftigt: Warum beendet jemand eine eigentlich schöne Beziehung, obwohl der Partner bereit gewesen wäre, gemeinsam an Problemen zu arbeiten? Und warum scheint es ihm leichter zu fallen, sich danach schnell auf eine neue Frau einzulassen, anstatt sich mit seinen eigenen Problemen auseinanderzusetzen? Er konnte sich immer gut sein Leben "schönreden".
Inzwischen habe ich nämlich erfahren, dass er wenige Wochen nach unserer Trennung eine neue Frau kennengelernt hat. Das hat mich sehr getroffen und ich mich frage, ob die neue Beziehung vielleicht eine Art Ablenkung oder Flucht vor sich selbst ist.
Er selbst hat mir von der Neuen nichts erzählt, als ich ihn darauf angesprochen habe, hat er sehr kalt und respektlos reagiert. Ich verstehe das alles nicht. Die Trennung ist schon schlimm genug für mich, aber warum er sich jetzt so verhält, ist einfach noch schlimmer für mich. Meiner Freundin gegenüber stellt er sich jetzt auch eher so dar, als wäre er völlig im Rwcht und kann nicht verstehen, warum jetzt alle "gegen" ihn sind. Ich habe das Gefühl, er ist ein komplett anderer Mensch.
Ich möchte ihn nicht einfach als ,,schlechten Menschen" darstellen. Ich versuche wirklich zu verstehen, welche Verhaltensweisen möglicherweise mit seiner Glücksspielsucht, Scham, Vermeidung oder dem Umgang mit Problemen zusammenhängen – und was davon einfach seine Persönlichkeit bzw. seine Verantwortung ist.
Deshalb würde mich besonders interessieren:
Erkennen Angehörige von Glücksspielsüchtigen solche Muster wieder? Kann eine Sucht dazu führen, dass jemand sich aus einer eigentlich funktionierenden Beziehung zurückzieht, Probleme verdrängt, sich stark auf einen Neuanfang konzentriert oder sich bei Konflikten selbst als Opfer erlebt?
Ich würde mich sehr über Erfahrungen und einen offenen Austausch freuen.
Hi Snowflake,
willkommen im Forum.
Es gibt hier schon einmal viel zu lesen bei Angehörigen oder in den Tagebüchern der Süchtigen. Ich bin aus der Fraktion der dunklen Macht.
Ich muss leider gleich weg, aber ich kann dir sagen dass du ihm eigentlich dankbar sein kannst. Damit spiele ich auf die Trennung an denn so wirst du nicht endgültig in eine Co-Abhängigkeit gezogen.
Er hatte mit Sicherheit Gefühle für dich, jedoch die Nummer 1 ist bei Spielsüchtigen grundsätzlich der Dopaminausstoß beim zocken. Wenn ich es richtig gelesen habe hängen bei euch weder Eigentum noch Kinder hinten dran. Das ist das wichtigste.
Habt ihr eine Vereinbarung bzgl deiner finanziellen Hilfen?
Seine neue Freundin wird deinen Weg jetzt mit ihm weitergehen. Anscheinend ist er auch nicht wirklich gewillt einen Schlussstrich zu ziehen was das Spielen angeht. Das sollte jetzt aber nicht mehr dein Problem sein. Helfen kann grundsätzlich nur er sich selbst.
Keiner hat hier Einfluss und keiner außer er ist an dieser Situation schuld.
LG Roy
Hallo Schneeflöckchen!
Herzlich willkommen!
Puh, beim Lesen hätte ich am Liebsten mal wieder laut aufgeschrien, Dich bei den Schultern gepackt, Dich kurz geschüttelt, um Dich dann in den Arm zu nehmen.
WIESO SUCHST DU EINE SCHULD BEI DIR?
Vergiss diese Frage. Seine Sucht hat nichts mit Dir zu tun! Du bist auch nicht dafür verantwortlich. Es ist seine Aufgabe für seine Genesung zu sorgen. Klar kannst Du ihn dabei unterstützen, wenn er es zulässt. Du könntest sogar eine wichtige Rolle für ihn einnehmen. Doch so, wie sich Deine Worte lesen, wolltest Du weitaus mehr sein.
Nein - klare Ansage - seine Genesung ist sein Job.
Jetzt hat er sich also getrennt. Da dachte ich zuerst, dass er Dich schützen wollte, vor dem, was ggf. schon an Desastern passiert ist oder noch passieren könnte. Aber nein, da kommt eine neue Freundin in sein Leben, kaum dass Du die Türklinke losgelassen hast.
Vielleicht war hier tatsächlich zuerst der Gedanke da, Dich vor dieser Tatsache zu schützen. Doch auch das scheint nun überholt zu sein und Rücksicht auf Dich ist kein Thema mehr.
Doch genug über ihn.
ZitatErkennen Angehörige von Glücksspielsüchtigen solche Muster wieder? Kann eine Sucht dazu führen, dass jemand sich aus einer eigentlich funktionierenden Beziehung zurückzieht, Probleme verdrängt, sich stark auf einen Neuanfang konzentriert oder sich bei Konflikten selbst als Opfer erlebt?
Ja, Spieler verdrängen ihre Probleme. Sie ziehen sich auch aus vermeintlich funktionieren Beziehungen zurück. Sie sehen sich auch liebend gerne als Opfer - brauchen Sie nach dieser gefundenen Lösung ja nicht mehr auf sich selbst zu schauen.
Dein Hauptproblem, welches so stark an Dir nagt, ist aber genau der "Neuanfang" - die neue Freundin. Du suggerierst Dir selbst, dass Du nicht genug bist und warst. Nun wird die "Neue" glücklich mit ihm werden.
STOP! Du machst Dich hier selbst zum Opfer! Mal ganz ehrlich ... betrachte es doch mal von einer anderen Seite. Ich sage Dir: Er hat Dich einfach nicht verdient und gibt sich nun mit 2. Klasse ab. :)
Somit kannst Du froh sein, dass diese Beziehung ein Ende gefunden hat. Es gibt da so schöne Sprüche wie "Andere Mütter haben auch schöne Söhne!" oder "Das Leben geht weiter!". Was sollen sie Dir sagen? Lebe nicht in der Vergangenheit!
Das ist nicht einfach und es wird auch noch einige Zeit dauern, bis Du die Phasen der Trennung durchlaufen haben wirst. Du hattest Sehnsüchte und Hoffnungen. Sind sie denn jetzt wirklich ad acta gelegt? Oder braucht es nur den richtigen Deckel für Deinen Topf?
Glücksspielsüchtige Menschen sind auch Menschen. Ihre Sucht hat Auswirkungen, sie bleiben aber hauptsächlich Mensch wie jeder andere auch. Wie wer aber mit Beziehungen umgeht, hängt auch viel mit dem Charakter zusammen. Sein Verhalten jetzt also auf seine Sucht zu schieben, finde ich überdenkenswert. Wenn aber der Charakter für sein Verhalten verantwortlich ist, kannst Du dem lieben Herrn auf Knien danken ... :)
Hallo Snowflake ,
herzlich Willkommen hier im Forum auch von mir !
Roy und Olli haben (mal wieder 😉)Recht .
Das erste was mir eingefallen ist , als ich deinen Beitrag gelesen habe, war ein Spruch , den ich mal irgendwo gelesen habe :
Stell dir vor, ein Hai beißt dich. Und statt rauszugehen und deine Wunden zu versorgen, schwimmst du ihm hinterher
und fragst, warum. Genau so sieht es aus, wenn man Menschen hinterherläuft,
die einem wehgetan haben.
Ich kann mir vorstellen , dass es dich unendlich verletzt hat .
Zuerst die unerwartete Trennung und dann auch noch die neue Partnerin.
Aber du musst das Thema leider abschliessen - er hat entschieden, dass du kein Teil mehr von seinem Leben bist und du musst das leider akzeptieren.
Das ist schwer , gerade wenn man dachte , dass man eine glückliche Beziehung führt .
Ich kann verstehen , dass du für dich einen Abschluss brauchst und eine Erklärung suchst.
Dass du irgendwie verstehen willst , warum es so gekommen ist .
Aber alles , was wir dazu schreiben können , ist Spekulation .
Vielleicht hat er die neue Freundin , weil es mit ihr einfacher ist seiner Sucht weiter nachzugehen .
Vielleicht hat er sich aber auch neu verliebt .
Das tut weh , aber am Ende ist es egal , warum es so gekommen ist .
Du hast alles gegeben .
Er wollte deine Hilfe nicht .
Jetzt darfst , nein ,jetzt musst du an dich denken .
Wenn du es alleine nicht schaffst , dich emotional von ihm zu lösen , hol dir Hilfe dazu .
Ich kann verstehen , dass das kein einfacher Weg für dich ist und wünsche dir viel Kraft in dieser Zeit!