Guten Morgen!
Zitatwie habt ihr es geschafft euch zu akzeptieren?
Ich weiß, dass die Frage im Kontext Deines Beitrages unvollständig ist. Dennoch möchte ich genau darauf hinweisen. WAS genau soll ich an mir akzeptieren? Wie viel macht dieses von dem Gesamtpaket "ich" aus? Was ist mit dem Rest? Diesem überwiegenden Teil? Wie hast Du es geschafft das alles zu akzeptieren?
Du hast eine zu hohe Stirn? Was machst Du dagegen? Machst Du Dir Vorwürfe? Bemitleidest Du Dich, weil Dir die Natur ein wenig weniger Haare gegeben hat?
Du bist tierlieb? Nun, kleine Anekdote ... Meine Schwester hatte sich einen Welpen geholt. Alle kamen, um ihn sich anzusehen. Die einen saßen am Esszimmertisch, die anderen, wie ich auch, auf der Couch. Für den Welpen war das alles zu viel an Eindrücken. Also kam er zu mir, legte sich zu meinen Füßen und schlief ein. Wir kannten uns auch noch nicht. Doch er kam zu mir - zu keinem anderen.
Bin ich deshalb nun eine Schlaftablette? Oder fand er bei mir die Ruhe, die er suchte? Was strahlte ich für ihn aus? Da er sich anschickte zu schlafen, vielleicht Sicherheit? Geborgenheit? Bei MIR?
Ja! Genau das. Dabei bin ich doch Spieler! Ich habe gelogen! Ich habe betrogen! Muss ich mir nicht mein Leben lang Vorwürfe deswegen machen?
ZitatIch habe auch lange versucht, irgendwie wieder rauszuholen, was ich verzockt hatte. Als könnte ich das alles wieder geradebiegen, wenn ich nur endlich mal Glück habe. Tja ... hat irgendwie nicht so richtig funktioniert
Nun, dies ist einer der Kriterien nach der DSM 5, womit man eine Glücksspielsucht diagnostizieren kann.
Es scheint also ein natürliches Programm zu geben, nach dem wir Menschen bei dieser Sucht agieren.
Bin ich aber meine Sucht? Macht die Sucht mich aus? Sie beeinflusst mich - ganz klar! Ich bin aber doch weitaus mehr als das.
Die GA sprechen gerne von einer höheren Macht - einem spirituellen Etwas, was jeder für sich selbst definieren kann. Je nach Kontext bin ich es einmal selbst, dann ist es die Natur, für einen Gläubigen auch Gott. An diese höhere Macht wird im Programm der GA gerne einmal etwas abgegeben, damit wir uns nicht damit beschäftigen müssen - nicht jetzt! Je nachdem, was ich da einsetze, aber später. Dies gibt mir Raum, den Berg an Schritten, die ich für die Genesung angehen muss und kann, ein wenig kleiner zu machen. Hier hieße es zu akzeptieren, dass gewisse Verhaltens- und Denkweisen durch Deine Sucht gesteuert sind.
Du hast Dir Geld geliehen und hast es geplant gehabt für die Tilgung von Schulden? Nun, das nennt sich Bailing out - das Herauskaufen aus der Verantwortung. Auch dies ist einer der Kriterien nach der DSM 5.
Nun hast Du das Geld verspielt? Also hast Du Deine Vorsätze aufgegeben, um Deiner Sucht zu frönen?
Nu rate mal, wo dieses Kriterium auftaucht?
ZitatKann mit diesem Kapitel nicht abschließen das es für immer weg ist.
Nein, es ist nicht weg! Es hat nur ein Anderer! Geld ist in einem Kreislauf und es wird daher auch immer wieder zu mir zurück kommen. Das funktioniert aber nicht mit Glücksspiel! So lange ich Glücksspiel betreibe, so lange stecke ich es den anderen in den Hals. Also habe ich hier doch einen Punkt, den ich beeinflussen kann. Ob die OCs da manipulieren und "unfair" agieren ist doch zweitrangig. So lange ich da bei denen einzahle, unterwerfe ich mich "deren" Regeln!
Als ich da damals vor der Spielhalle stand, am 01.07.2006 um Punkt 0 Uhr, da war ich so dermaßen enttäuscht von mir. Intuitiv merkte ich, dass ich Selbstzerstörung betrieb. Ich machte das - niemand sonst! Ich traf die Entscheidungen! Herrje, was hatte ich mir all die Jahre vorgenommen "nie wieder" zu spielen und hatte aber schon die Voraussicht, in naher Zukunft wieder Geld nebenher zu verdienen. Was ich wohl damit vorhatte? Was machte das mit meinen Versprechungen?
Doch an diesem jungen Morgen war mir alles egal. Die Ängste, was wohl nach dem Spiel kommt, waren nebensächlich. Würde es ein Loch hinterlassen? Würde ich leiden? Mich in Sehnsucht zerfressen?
Ich verrate Dir etwas: Das Loch, von dem ich sprach, füllt sich automatisch mit "Leben".
Na klar werden Deine Gedanken immer wieder zum Glücksspiel zurück gehen wollen. Du hast Dein Gehirn ja sicher auch lange genug darauf trainiert. Doch wieso macht das Gehirn das? Da gibt es tatsächlich eine natürliche evolutionäre Energiesparverordnung. Eine neue Erfahrung wird durch etliche Bereiche des Gehirns gejagt. Das kostet Energie. Wird die Erfahrung wiederholt, dann werden die Reaktionen darauf automatisiert. Es werden eben nicht mehr alle Areale des Gehirns durchlaufen. Das spart Energie!
Ohne dass es uns bewusst war und ist, sind viele Sinneswahrnehmungen mit dem Glücksspiel berknüpft - aber auch Logik und Emotionen. Es reicht also aus, etwas zu riechen, zu hören, zu sehen, Dich gut oder auch schlecht zu fühlen und schon sind die Assoziationen da, die Du doch eigentlich gar nicht mehr haben möchtest. Was, wenn ich Dir sage, dass dies auch ein natürliches Verhalten ist und das Erwecken des Suchtgedächtnisses ohne die Absicht zu Spielen geschieht? Heute belächele ich so etwas innerlich, denn diese Erfahrungen, die dahinter stehen, habe ich gemacht und die Erinnerungen daran verblassen mehr und mehr, ich werde sie aber nie ganz los werden.
ZitatBin für die nächsten jahre verschuldet und es schmerzt mich jeden tag...
Ja, das ist traurig und Du darfst darüber auch gerne in Selbstmitleid versinken - für kurze Zeit. Wenn Du es länger machst, dann "zockst" Du mit Deinen Gefühlen! Glücksspiel wird gerne als Störung der Gefühlsregulation angesehen. Somit versetzt Du Dich selbst in eine emotionale Lage, die glücksspielfördernd ist. Verändere die Perspektive. Die Schulden sind nun mal da und lassen sich nicht wegzaubern. Aber Du kannst jeden Monat auf Deinen Kontoauszug sehen und das Schrumpfen des Kredites betrachten und bewundern. Du bist nämlich derjenige, der die Schulden tilgt.
Ist es für Dich "normal" und wenig wertschätzend geworden, arbeiten zu gehen? Konstanz zu zeigen? Zuverlässigkeit? Was ist mit der Tatsache, dass Du selbst für Dich sorgen kannst? Versorgst Du vielleicht noch andere Personen?
Und nun vergleichen wir einmal den Kredit mit dem Glücksspielen: Der Kredit hat ein Ende! Wenn Du weiter Glücksspiel betreibst, rückt alles in weite Ferne. Der Kredit ist dann vielleicht noch ausbaufähig und ein Tilgungsende rückt immer weiter in die Zukunft.
Ich habe mich lange genug mit "ach, morgen ist auch noch Zeit" beruhigt und habe so Prokrastination betrieben. Heute weiß ich aber, dass ich heute etwas verändern muss, damit es mir morgen schon besser geht. Schreibe ein Tagebuch. Die täglichen Unterschiede sind nämlich so gering, dass wir sie zumeist gar nicht richtig wahrnehmen. Liest Du aber selbst nach - in zwei Monaten, einem halben Jahr oder noch länger, dann fallen Dir die Unterschiede auf. Manchmal kommt es auch vor, dass Du ungläubig die Stirn runzeln wirst und Dich die Frage beschäftigt: Habe ich das wirklich so gemeint?
ZitatWie vergebt ihr euch für diese blödheit in der vergangenheit, und gab es einen trigger der bei euch veranlasst hatte nie mehr zu spielen?
Zunächst einmal ist eine Sucht keine Blödheit! Eine Sucht ist lediglich ein Indiz für ein tiefer liegendes Defizit. Herauszufinden, was das ist, ist Deine Aufgabe! Dabei gilt mal wieder: Der Weg ist das Ziel! Dieses Defizit kann auch aus mehreren Dingen bestehen.
Ein klassisches Beispiel wäre z.B. Langeweile nicht aushalten zu können. Was geschieht da bei Dir, wenn Dir langweilig ist? Wirst Du nicht gezwungen, Dich mit Dir selbst auseinander zu setzen? Was ist daran so schlimm? Wir sind darauf getrimmt, "die Fingerchen" zu bewegen, damit wir etwas bewegen oder vorankommen. Dabei bleibt gerne auf der Strecke zu lernen, wie wir mit Langeweile umgehen.
Bedenke einmal die Naturvölker. die gerade einmal jagen und sammeln gehen und den lieben langen restlichen Tag ohne Fernseher oder Internet verbringen "müssen". Sie sehen das nicht als Belastung an.
Nun, die "Blödheit der Vergangenheit" liegt an einem Ort, den ich nicht mehr ändern kann. Wie sieht es aus ... erinnerst Du Dich an die Zeit zurück. in der Du in die Windel gemacht hast? Wo Du so lange nicht zur Toilette konntest, dass mehr als Bremsstreifen in der Hose gelandet sind?
Oder bist Du vom Rad gefallen, als Du das Fahren gelernt hattest? Gab es andere peinliche Momente in Deinem Leben, die Du gerne ausmerzen möchtest?
Wie gehst Du damit um? Was unterscheiden diese Beispiele vom Glücksspiel?
Darfst Du als Kind Fehler machen, aber als Erwachsener nicht mehr?
Wir haben alle Fehler! Das sind die "Macken", die uns ausmachen.
Wir können unsere Zukunft selbst schreiben! Im Heute! Wieso bloß traust Du Dir das nicht zu? Welches Defizit steckt dort wohl dahinter? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle unser Leben selbst gestalten können - auch Du ... :)