Forum Glücksspielsucht

Glücksspielsucht => Plauderecke => Thema gestartet von: Theodor am 28 Oktober 2026, 21:25:09

Titel: Sich akzeptieren
Beitrag von: Theodor am 28 Oktober 2026, 21:25:09
Hallo Leute,

wie habt ihr es geschafft euch zu akzeptieren?

Was ihr alles verloren habt an geld und von Verwandten geborgt und wieder gesetzt.

Und akzeptiert das geld jetzt weg ist und nicht mehr zurückgespielt werden kann, die tausende die da schon gesetzt wurden.

Kann mit diesem Kapitel nicht abschließen das es für immer weg ist.

Bin für die nächsten jahre verschuldet und es schmerzt mich jeden tag...

Ps glaubt ihr auch das sobald mal mehr gewonnen und ausgezahlt wurde, Ein mechanismus bei den Automaten eingeschaltet wird der sie auf autom. Verlust einstellt? Das einfach keine freispiele mehr kommen und alles nur einkassiert wird egal wie oft man dreht
(Zufallsgenerator ja genau... :( Wers glaubt)

Wie vergebt ihr euch für diese  blödheit in der vergangenheit, und gab es einen trigger der bei euch veranlasst hatte nie mehr zu spielen?
Titel: Antw:Sich akzeptieren
Beitrag von: Isa am 28 Oktober 2026, 22:11:53
Hallo,

oh ja, das mit dem verlorenen Geld. Das ist schon ein Brett, an dem man eine Weile zu knabbern hat.

Ich habe auch lange versucht, irgendwie wieder rauszuholen, was ich verzockt hatte. Als könnte ich das alles wieder geradebiegen, wenn ich nur endlich mal Glück habe. Tja ... hat irgendwie nicht so richtig funktioniert. 🙈😂

Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich das Geld nicht zurückgewinnen werde. Jedenfalls nicht auf diesem Weg. Und dass ich mit jedem weiteren Spiel nur noch mehr aufs Spiel setze.

Akzeptieren heißt für mich übrigens nicht, dass ich das alles toll finde oder dass es mir inzwischen völlig egal ist. Ich könnte mich heute noch in den Hintern beißen, wenn ich daran denke, was ich mit dem Geld hätte anfangen können. Aber ich kann die Vergangenheit nun mal nicht ändern. Und ich möchte nicht, dass sie mir auch noch meine Zukunft kaputtmacht.

Mit dem Verzeihen ist das so eine Sache. Ich habe mir selbst ganz schön was eingebrockt, keine Frage. Das muss ich auch nicht schönreden. Aber mich jeden Tag dafür fertigzumachen, bringt mir mein Geld auch nicht zurück. Ich kann nur versuchen, es heute anders zu machen.

Was mir tatsächlich geholfen hat, ist, dass ich langsam wieder Vertrauen in mich selbst bekomme. Weil ich mir etwas vornehme und es auch einhalte. Weil ich nicht mehr ständig irgendwelche Geheimnisse mit mir herumschleppe. Das klingt vielleicht unspektakulär, ist für mich aber eine ganze Menge wert.

Einen bestimmten Auslöser nach dem Motto ,,Das war's jetzt für immer" hatte ich übrigens nicht. Es war eher irgendwann der Punkt erreicht, an dem ich so nicht mehr weitermachen wollte.

Und was die Automaten angeht: Weißt du, ich habe irgendwann aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen, warum wann Freispiele kommen oder eben nicht. Am Ende gewinnt der Betreiber. Und ich habe für mich beschlossen, da keine Energie mehr reinzustecken. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wohin mich solche Gedankenspiele bringen können. Da mache ich für mich inzwischen einfach die Tür zu.

Ich glaube, wir müssen irgendwann aufhören, mit dem Geld von gestern unser Glück von morgen retten zu wollen.

Und nein, das geht nicht von heute auf morgen. Aber du musst auch nicht erst mit deiner Vergangenheit im Reinen sein, um heute spielfrei bleiben zu können. Manchmal muss man die Dinge erst mal so stehen lassen, wie sie sind. Auch wenn's wehtut.
Titel: Antw:Sich akzeptieren
Beitrag von: Olli am 29 Oktober 2026, 06:20:55
Guten Morgen!

Zitatwie habt ihr es geschafft euch zu akzeptieren?

Ich weiß, dass die Frage im Kontext Deines Beitrages unvollständig ist. Dennoch möchte ich genau darauf hinweisen. WAS genau soll ich an mir akzeptieren? Wie viel macht dieses von dem Gesamtpaket "ich" aus? Was ist mit dem Rest? Diesem überwiegenden Teil? Wie hast Du es geschafft das alles zu akzeptieren?

Du hast eine zu hohe Stirn? Was machst Du dagegen? Machst Du Dir Vorwürfe? Bemitleidest Du Dich, weil Dir die Natur ein wenig weniger Haare gegeben hat?

Du bist tierlieb? Nun, kleine Anekdote ... Meine Schwester hatte sich einen Welpen geholt. Alle kamen, um ihn sich anzusehen. Die einen saßen am Esszimmertisch, die anderen, wie ich auch, auf der Couch. Für den Welpen war das alles zu viel an Eindrücken. Also kam er zu mir, legte sich zu meinen Füßen und schlief ein. Wir kannten uns auch noch nicht. Doch er kam zu mir - zu keinem anderen.
Bin ich deshalb nun eine Schlaftablette? Oder fand er bei mir die Ruhe, die er suchte? Was strahlte ich für ihn aus? Da er sich anschickte zu schlafen, vielleicht Sicherheit? Geborgenheit? Bei MIR?
Ja! Genau das. Dabei bin ich doch Spieler! Ich habe gelogen! Ich habe betrogen! Muss ich mir nicht mein Leben lang Vorwürfe deswegen machen?

ZitatIch habe auch lange versucht, irgendwie wieder rauszuholen, was ich verzockt hatte. Als könnte ich das alles wieder geradebiegen, wenn ich nur endlich mal Glück habe. Tja ... hat irgendwie nicht so richtig funktioniert

Nun, dies ist einer der Kriterien nach der DSM 5, womit man eine Glücksspielsucht diagnostizieren kann.
Es scheint also ein natürliches Programm zu geben, nach dem wir Menschen bei dieser Sucht agieren.
Bin ich aber meine Sucht? Macht die Sucht mich aus? Sie beeinflusst mich - ganz klar! Ich bin aber doch weitaus mehr als das.

Die GA sprechen gerne von einer höheren Macht - einem spirituellen Etwas, was jeder für sich selbst definieren kann. Je nach Kontext bin ich es einmal selbst, dann ist es die Natur, für einen Gläubigen auch Gott. An diese höhere Macht wird im Programm der GA gerne einmal etwas abgegeben, damit wir uns nicht damit beschäftigen müssen - nicht jetzt! Je nachdem, was ich da einsetze, aber später. Dies gibt mir Raum, den Berg an Schritten, die ich für die Genesung angehen muss und kann, ein wenig kleiner zu machen. Hier hieße es zu akzeptieren, dass gewisse Verhaltens- und Denkweisen durch Deine Sucht gesteuert sind.
Du hast Dir Geld geliehen und hast es geplant gehabt für die Tilgung von Schulden? Nun, das nennt sich Bailing out - das Herauskaufen aus der Verantwortung. Auch dies ist einer der Kriterien nach der DSM 5.
Nun hast Du das Geld verspielt? Also hast Du Deine Vorsätze aufgegeben, um Deiner Sucht zu frönen?
Nu rate mal, wo dieses Kriterium auftaucht?

ZitatKann mit diesem Kapitel nicht abschließen das es für immer weg ist.

Nein, es ist nicht weg! Es hat nur ein Anderer! Geld ist in einem Kreislauf und es wird daher auch immer wieder zu mir zurück kommen. Das funktioniert aber nicht mit Glücksspiel! So lange ich Glücksspiel betreibe, so lange stecke ich es den anderen in den Hals. Also habe ich hier doch einen Punkt, den ich beeinflussen kann. Ob die OCs da manipulieren und "unfair" agieren ist doch zweitrangig. So lange ich da bei denen einzahle, unterwerfe ich mich "deren" Regeln!

Als ich da damals vor der Spielhalle stand, am 01.07.2006 um Punkt 0 Uhr, da war ich so dermaßen enttäuscht von mir. Intuitiv merkte ich, dass ich Selbstzerstörung betrieb. Ich machte das - niemand sonst! Ich traf die Entscheidungen! Herrje, was hatte ich mir all die Jahre vorgenommen "nie wieder" zu spielen und hatte aber schon die Voraussicht, in naher Zukunft wieder Geld nebenher zu verdienen. Was ich wohl damit vorhatte? Was machte das mit meinen Versprechungen?
Doch an diesem jungen Morgen war mir alles egal. Die Ängste, was wohl nach dem Spiel kommt, waren nebensächlich. Würde es ein Loch hinterlassen? Würde ich leiden? Mich in Sehnsucht zerfressen?
Ich verrate Dir etwas: Das Loch, von dem ich sprach, füllt sich automatisch mit "Leben".
Na klar werden Deine Gedanken immer wieder zum Glücksspiel zurück gehen wollen. Du hast Dein Gehirn ja sicher auch lange genug darauf trainiert. Doch wieso macht das Gehirn das? Da gibt es tatsächlich eine natürliche evolutionäre Energiesparverordnung. Eine neue Erfahrung wird durch etliche Bereiche des Gehirns gejagt. Das kostet Energie. Wird die Erfahrung wiederholt, dann werden die Reaktionen darauf automatisiert. Es werden eben nicht mehr alle Areale des Gehirns durchlaufen. Das spart Energie!
Ohne dass es uns bewusst war und ist, sind viele Sinneswahrnehmungen mit dem Glücksspiel berknüpft - aber auch Logik und Emotionen. Es reicht also aus, etwas zu riechen, zu hören, zu sehen, Dich gut oder auch schlecht zu fühlen und schon sind die Assoziationen da, die Du doch eigentlich gar nicht mehr haben möchtest. Was, wenn ich Dir sage, dass dies auch ein natürliches Verhalten ist und das Erwecken des Suchtgedächtnisses ohne die Absicht zu Spielen geschieht? Heute belächele ich so etwas innerlich, denn diese Erfahrungen, die dahinter stehen, habe ich gemacht und die Erinnerungen daran verblassen mehr und mehr, ich werde sie aber nie ganz los werden.

ZitatBin für die nächsten jahre verschuldet und es schmerzt mich jeden tag...

Ja, das ist traurig und Du darfst darüber auch gerne in Selbstmitleid versinken - für kurze Zeit. Wenn Du es länger machst, dann "zockst" Du mit Deinen Gefühlen! Glücksspiel wird gerne als Störung der Gefühlsregulation angesehen. Somit versetzt Du Dich selbst in eine emotionale Lage, die glücksspielfördernd ist. Verändere die Perspektive. Die Schulden sind nun mal da und lassen sich nicht wegzaubern. Aber Du kannst jeden Monat auf Deinen Kontoauszug sehen und das Schrumpfen des Kredites betrachten und bewundern. Du bist nämlich derjenige, der die Schulden tilgt.
Ist es für Dich "normal" und wenig wertschätzend geworden, arbeiten zu gehen? Konstanz zu zeigen? Zuverlässigkeit? Was ist mit der Tatsache, dass Du selbst für Dich sorgen kannst? Versorgst Du vielleicht noch andere Personen?

Und nun vergleichen wir einmal den Kredit mit dem Glücksspielen: Der Kredit hat ein Ende! Wenn Du weiter Glücksspiel betreibst, rückt alles in weite Ferne. Der Kredit ist dann vielleicht noch ausbaufähig und ein Tilgungsende rückt immer weiter in die Zukunft.

Ich habe mich lange genug mit "ach, morgen ist auch noch Zeit" beruhigt und habe so Prokrastination betrieben. Heute weiß ich aber, dass ich heute etwas verändern muss, damit es mir morgen schon besser geht. Schreibe ein Tagebuch. Die täglichen Unterschiede sind nämlich so gering, dass wir sie zumeist gar nicht richtig wahrnehmen. Liest Du aber selbst nach - in zwei Monaten, einem halben Jahr oder noch länger, dann fallen Dir die Unterschiede auf. Manchmal kommt es auch vor, dass Du ungläubig die Stirn runzeln wirst und Dich die Frage beschäftigt: Habe ich das wirklich so gemeint?

ZitatWie vergebt ihr euch für diese  blödheit in der vergangenheit, und gab es einen trigger der bei euch veranlasst hatte nie mehr zu spielen?

Zunächst einmal ist eine Sucht keine Blödheit! Eine Sucht ist lediglich ein Indiz für ein tiefer liegendes Defizit. Herauszufinden, was das ist, ist Deine Aufgabe! Dabei gilt mal wieder: Der Weg ist das Ziel! Dieses Defizit kann auch aus mehreren Dingen bestehen.
Ein klassisches Beispiel wäre z.B. Langeweile nicht aushalten zu können. Was geschieht da bei Dir, wenn Dir langweilig ist? Wirst Du nicht gezwungen, Dich mit Dir selbst auseinander zu setzen? Was ist daran so schlimm? Wir sind darauf getrimmt, "die Fingerchen" zu bewegen, damit wir etwas bewegen oder vorankommen. Dabei bleibt gerne auf der Strecke zu lernen, wie wir mit Langeweile umgehen.
Bedenke einmal die Naturvölker. die gerade einmal jagen und sammeln gehen und den lieben langen restlichen Tag ohne Fernseher oder Internet verbringen "müssen". Sie sehen das nicht als Belastung an.

Nun, die "Blödheit der Vergangenheit" liegt an einem Ort, den ich nicht mehr ändern kann. Wie sieht es aus ... erinnerst Du Dich an die Zeit zurück. in der Du in die Windel gemacht hast? Wo Du so lange nicht zur Toilette konntest, dass mehr als Bremsstreifen in der Hose gelandet sind?
Oder bist Du vom Rad gefallen, als Du das Fahren gelernt hattest? Gab es andere peinliche Momente in Deinem Leben, die Du gerne ausmerzen möchtest?
Wie gehst Du damit um? Was unterscheiden diese Beispiele vom Glücksspiel?
Darfst Du als Kind Fehler machen, aber als Erwachsener nicht mehr?

Wir haben alle Fehler! Das sind die "Macken", die uns ausmachen.

Wir können unsere Zukunft selbst schreiben! Im Heute! Wieso bloß traust Du Dir das nicht zu? Welches Defizit steckt dort wohl dahinter? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle unser Leben selbst gestalten können - auch Du ... :)
Titel: Antw:Sich akzeptieren
Beitrag von: Theodor am 01 November 2026, 20:44:43
Zitat von: Isa am 28 Oktober 2026, 22:11:53Ich glaube, wir müssen irgendwann aufhören, mit dem Geld von gestern unser Glück von morgen retten zu wollen.

Und nein, das geht nicht von heute auf morgen. Aber du musst auch nicht erst mit deiner Vergangenheit im Reinen sein, um heute spielfrei bleiben zu können. Manchmal muss man die Dinge erst mal so stehen lassen, wie sie sind. Auch wenn's wehtut.

Ich finde das hast du sehr schön gesagt. Ist echt immer hilfreich hier die Ansichten von anderen Menschen mal zu lesen.

Es ist halt echt hart im Moment finanziell. und da keine Rückfallgedanken zu entwickeln. nochmal schwerer..


Zitat von: Olli am 29 Oktober 2026, 06:20:55Du bist tierlieb? Nun, kleine Anekdote ... Meine Schwester hatte sich einen Welpen geholt. Alle kamen, um ihn sich anzusehen. Die einen saßen am Esszimmertisch, die anderen, wie ich auch, auf der Couch. Für den Welpen war das alles zu viel an Eindrücken. Also kam er zu mir, legte sich zu meinen Füßen und schlief ein. Wir kannten uns auch noch nicht. Doch er kam zu mir - zu keinem anderen.
Bin ich deshalb nun eine Schlaftablette? Oder fand er bei mir die Ruhe, die er suchte? Was strahlte ich für ihn aus? Da er sich anschickte zu schlafen, vielleicht Sicherheit? Geborgenheit? Bei MIR?



Ich denke der Welpe hat gefühlt das du es im Moment gebraucht hast, eine kleine Wertschätzung eines Hundes :)
ist meine Meinung
Zitat von: Olli am 29 Oktober 2026, 06:20:55Nun, die "Blödheit der Vergangenheit" liegt an einem Ort, den ich nicht mehr ändern kann. Wie sieht es aus ... erinnerst Du Dich an die Zeit zurück. in der Du in die Windel gemacht hast? Wo Du so lange nicht zur Toilette konntest, dass mehr als Bremsstreifen in der Hose gelandet sind?
Oder bist Du vom Rad gefallen, als Du das Fahren gelernt hattest? Gab es andere peinliche Momente in Deinem Leben, die Du gerne ausmerzen möchtest?
Wie gehst Du damit um? Was unterscheiden diese Beispiele vom Glücksspiel?
Darfst Du als Kind Fehler machen, aber als Erwachsener nicht mehr?

Sowas kann man echt nicht schöner formulieren. Erstaunt mich immer wieder. Welche Philosophischen Ansichten es gibt und wie man das auch noch schön und verständlich ausdrücken kann.

Danke euch beiden :)