Glücksspielsucht => Glücksspielsucht Allgemein => Thema gestartet von: Olli am 25 Juni 2019, 14:09:14

Titel: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:09:14
Hi Leute!

Vielen Dank an Fred für die Verlinkung auf den Google-Cache ...

Ich kopiere die Beiträge daraus nun hierher und setze in die erste Zeile immer den Autor.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:09:45
von Taro:

Moin zusammen,

Ich habe ja schon oft geschrieben,  das ich durch den Gang ein komplett neues Leben geschenkt bekommen habe.

Ich lese alle möglichen Gründe, warum der Weg dorthin nicht gewählt wurde.
Nun das Eugen, der Spieler in mir, mir solch einen Unsinn einredet ist klar. Tatsächlich verstehe ich es oft aber nicht. Helft mir doch bitte und erklärt mir, was euch diesen Schritt so schwer macht? Gibt es er es wie der Schritt erleichtert werden kann?

Die Zahl der Spieler hat auch durchs Internet stark zugenommen. Die neuen in der SHG werden immer weniger. Ist das ein Generationsproblem, heute spricht man nicht mehr von Angesicht zu Angesicht?

Für Antworten wäre ich dankbar.

LG
Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:10:24
von TAL:

Hallo Taro,

eine gute Frage. Ich gehöre wohl auch zu den Anonymen Aufschiebern, obwohl ich nicht der von dir beschriebenen Generation angehöre. Der Tenor bei mir hat sich auch etwas geändert mit der Zeit. Von "Ich hab kein Problem, das haben andere." zu "Mir geht's doch gut, was soll ich denn noch da?".
In beiden Fällen hat der, den du Eugen nennst, sicher seine Hände im Spiel. Die 'Argumente' sind andere, das Ziel bleibt gleich.
Wenn ich mich jetzt hinsetze, und mich frage, was genau mich eigentlich sonst noch von diesem Schritt abhält, dann bleibt nicht viel übrig. Trotzdem tu ich es nicht. Warum?

Anfangs war es Unwissenheit und Ignoranz, ich habe mich nie informiert, nie nach Hilfe gesucht... aber jetzt? Heute weiß ich, daß ich es nicht mit mir selbst ausmachen muß, und im schlimmsten Fall auch gar nicht kann.

Was genau ist es also, was mich zögern läßt? Ja, ich fühle ich mich klein, dumm und unglaublich naiv. Was weiß ich schon?
Außerdem ist es nunmal ein Unterschied, anonym etwas zu schreiben, was an sich schon Überwindung gekostet hat... als Auge in Auge... und dann sind da auch noch all die Dinge, die ich gar nicht hören will... ich krieg das schon hin.

Meine Abwesenheit zu Hause zu erklären wäre sicher auch ein 'Problem', damit würde ich dann aber wenigsten auch ein weiteres Hindernis aus dem Weg räumen. Autsch... aber wäre mehr als überfällig. Klingt vernünftig, aber will ich das wirklich? Alternativ fiele mir sicher etwas Plausibles ein, aber das will ich noch viel weniger...

Ajo... mein tiefster Wunsch ist es wohl immernoch, das nicht tun zu 'müssen', weil ich nichts lieber will, als es endgültig hinter mir zu lassen. Paßt schon... bis jetzt hat es doch auch gut funktioniert...

War das jetzt sinnig? Ich fürchte nicht...

Das bedarf auch keiner Antwort, das wäre Zeitverschwendung, bin da wohl unbelehrbar. Nichts und niemand kann mir das erleichtern. Ich müßte nur einfach die Scheuklappen ablegen.
Aber ich und Selbstbewußtsein - guter Witz.
Geht schon.

Egal. Ich geh mal schlafen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:10:50
von Taro:


Moin Tal,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort,  ich kann sie soooo gut nachvollziehen.
Das verückte ist ja, schlimmsten falls sagst Du, die SHG hat Dir nichts gebracht.
Wenn Du wie ich dort die Möglichkeit hast Dein neues Leben zu bekommen, dann freust Du Dich wie Bolle, und ärgerst Dich gleichzeitig das Du so lange für den Schritt gebraucht hast.

Ich habe schon öfters geschrieben, für mich heißt Leben Risiken einzugehen. Das ist der beste Schutz vor Spielen, weil ein Geldeinsatz gegen das Risiko des Lebens einfach nur lachhaft ist. Am Anfang eines jeden neuen Weges den ich immer wieder suche gehört immer wieder dieser erste Schritt, hinein in eine andere Gemeinschaft, andere Umgebung andere Umstände.
Immer wieder das Risiko, das altsichere los zu lassen, damit Platz für neues ist. Natürlich nicht in allen Lebensbereichen, aber in denen wo ich merke es zwickt. Am Anfang stand bei mir der Schritt in die SHG. Ein Schritt ins Leben statt in den Tod. Über jeden neuen Schritt spreche ich zuerst in der SHG. Ein toller Ort um Klarheit zu bekommen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:11:13
von Olli:


Hi TAL!

Sehr schöner Beitrag!

Packe das Selbstbewusstsein von 10 gesunden Leuten in einen Eimer - und er ist voll.
Packe das Selbstbewusstsein von 10 Spielern in einen Eimer - und der Boden ist gerade einmal bedeckt.

In einer SHG wärest Du also mit dieser Problematik nicht alleine.

Doch im Gegensatz zu Dir, sind diese Personen es sich wert Hilfe zu suchen und anzunehmen.

Du nennst Dich unbelehrbar? Nein - was Taro hier mit Risiken eingehen beschreibt, sehe ich genau so.
Du hast anscheinend nie gelernt Deine Komfortzone auch mal zu verlassen.
Dabei gehst Du ja gar kein "Risiko" ein, beim Besuch einer SHG ... Du machst nur mal etwas anders als gewohnt.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:11:50
von TAL:

Ich weiß genau, daß ihr recht habt. Ich habe nichts zu verlieren - ganz im Gegenteil.
Und im Vergleich zu anderen Dingen wäre dieses Risiko geradezu lachhaft.
Gewohnte Umgebung, gewohnte Abläufe, vertraute Muster... warum hält man daran fest, auch wenn es einen offensichtlich nicht wirklich weiterbringt?

Es stimmt, das Verlassen meiner Komfortzone habe ich wohl nie gelernt, und wenn ich es mal muß, ist es sehr unangenehm. Ich tu alles, um sowas nicht machen zu müssen. Da fallen mir immer die besten Ausreden ein...
Um Hilfe zu bitten liegt genauso außerhalb dieser Zone, wie Kommunikation, die über Smalltalk hinausgeht. Das ist aber bei Weitem nicht alles, da gibt es noch sehr viel mehr.
Ich mußte in der Vergangenheit an einigen Stellen diese Zone verlassen, mir blieb da keine Wahl, denn ich wollte ja nicht weitermachen wie bisher. Klar, hinterher ging es mir besser, aber es war trotzdem hart.
Selbstbewußtsein ist nach außen hin machmal schon eher wenig, je nach Situation, ich gebe meistens nach - innen drin sieht's dann nochmal ne Spur düsterer aus.
Hat das alles tatsächlich etwas damit zu tun, wieviel ich mir wert bin?
Es wäre auch eine Art Kapitulation. Bis heute weiß es keiner. Trete ich durch die Tür, ändert sich das, auch wenn ich nichts sage.
Ich würde damit eingestehen, daß ich eben nicht der bin, der ich zu sein scheine.

Mein Leben hat sich signifikant verbessert. Meine finanzielle Situation, mein Privat- und Sozialleben, meine Laune, meine Reaktionen und Interaktionen und mit Sicherheit auch die Außenwahrnehmung anderer. All das hat zur Folge, daß kritische Situationen so gut wie gar nicht mehr vorkommen. Kurz gesagt: Mir geht es richtig gut.
Die beste Entscheidung meines Lebens, und an ihr festzuhalten, brachte das für mich persönlich vorher nicht vorstellbare Resultat. Es war kein leichter Weg, aber ich hatte wahnsinniges Glück. Ja, das hatte ich wirklich. Aber auch die 'Guten Zeiten' haben ihre Tücken.
Eben weil man halt nicht damit rechnet.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:12:20
von born4nothing:


Ich sehe das so,

man sollte für seine Taten auch die Verantwortung übernehmen und versuchen einen Weg aus der Miesere zu finden. Hilfe tut gut aber den Schwanz einziehen, aufgeben und sich verkriechen ist nicht angebracht weil so noch alles schlimmer wird als es eh schon ist. Je früher man damit anfängt desto leichter fällt es dann.

Was kümmert einen die Scham, Angst oder was auch immer einen davon abhält in eine SHG zu gehen.

Da ich auch betroffen bin habe ich nicht lange überlegen müssen. SHG gesucht, gefunden und werde wenn die geöffnet haben dort sein. Termin bei Suchtberatung ist auch erledigt denn nur so kommt man davon los.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:12:46
von Olli:

Schön geschrieben B4N :)

@Tal

Zitat

    Ich würde damit eingestehen, daß ich eben nicht der bin, der ich zu sein scheine.


Keinesfalls ...

Du würdest eingestehen, dass Du Dich selber nicht kennst. - Mal ehrlich ... wer macht sich denn schon solche Gedanken?
Du würdest Dir eingestehen, dass Du Dich kennenlernen möchtest. - Ist das nicht genau so selten zu finden in unserer Gesellschaft?

Ich finde in beiden Punkten nichts Negatives oder Beängstigendes.

Die nächste Frage ist doch: Willst Du überhaupt ernsthaft Veränderung?
Deine Ängste sind absolut normal - der eine verspürt sie mehr, der andere eben weniger.
Verändert das aber Deine Situation aus fehlendem Selbstwert und dergleichen?

Ich verspreche Dir: Nach dem ersten Meeting wirst Du jede Menge Positives fühlen:
Verwunderung - weil Du entgegen Deiner jetzigen Meinung was die Sucht und das Drumherum betrifft, doch kein Erimit bist.
Erleichterung - dass Du das Meeting "überlebt" hast.
Stolz - weil Du Deine Ängste überwunden hast.
Hoffnung - weil Du jetzt anfangen kannst über das Gesprochene nachzudenken.
Verbundenheit - mit den Personen, die die gleichen Ängste erlebt haben beim "ersten Mal".
Zuversicht - dass Du selbst es doch in der Hand hast abstinent zu bleiben und Dein Leben wieder bestimmen kannst.

Was fällt Dir selbst noch ein an Positivem?
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:13:14
von born4nothing:


Zitat von: Olli am 21 Januar 2019, 19:19:41

    Schön geschrieben B4N :)


Danke denn beim zocken hat man auch keine Scham, dass geht von alleine und da wird man doch seine Knochen in die Hand nehmen können und etwas unternehmen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:13:39
von AndreasG:

Hallo ihr Lieben,

ich hänge hier am Rechner rum. habe gerade eine Suchmeldung einer 71 jährigen Dame in der Lokalzeitung gelesen und dann anschließend den Link auf die Telefonseelsorge. Auch diese Einrichtung bietet einen E - Mail Austausch an einen Chatroom, und mehrere Telefonnummern. Geradezu wie unsere Hotline oben rechts.
 
Letztes Jahr im Frühjahr habe ich oft die Telefonseelsorge angerufen, der Kontakt mit einem wahrscheinlich psychopatischen Zeitgenossen hat mich schwer traumatisiert. Mein Wunsch nach einer Psychosomatischen REHA hat sich noch - nicht erfüllt, die Ängste, die Depries leben weiter in mir.

In dieser Zeit bin ich in eine offene Selbsthilfegruppe für Alkoholiker und Angehörige gegangen, auch mit dem Hintergedanken, daß der Zeitgenosse vielleicht auch dort sich blicken lässt. Das blieb ferne, aber ich habe es genossen, andere Meetingsteilnehmer zu sehen, zu erleben, als in meinen beiden Stamm - Gruppen. Neulich bin ich wieder dort in die Selbsthilfegruppe gegangen, einfach so, ohne Not, vielleicht eher, weil der Kontakt zu meinen Schwestern blockiert ist, was wahrscheinlich deren Persönlichkeiten geschuldet ist. Also sah ich mich wieder in der Rolle des fünften Rades am Wagen, der Weg ins Selbstmitleid, zum Jammern hin... Also war der Ort, den ich aufsuchte, der Ort an dem ich sein durfte, der ich bin, wirklich bin, ohne mich verstellen zu müssen.

Wenn ein Gruppenmitglied erzählt, es sei in einer Alkoholikerfamilie aufgewachsen, und das Leid,teilt, daß es erfahren hat, erkenne ich meine eigene missbrachte Kindheit, Wenn ein Gruppenmitglied teilt, daß es gesoffen hat bis zum Erbrechen, dann erkenne ich, daß ich das auch getan habe, aber noch ferner in die Spielhalle gegangen bin, um meinen Schmerz, den ich mir nicht auskxtzen kann, zu verspielen. Ich bin Selbstverletzer, weil ich den Schmerz in meiner Seele manifestiert habe, und eine dahinsiechende Gier danach habe, mir weiter Verletzungen zuzufügen. "Wenn ich mich nur aus allem raushalte, werde ich keinen Schmerz mehr ertragen müssen". Zum Abschluß des Treffens stand ich oben auf einer Freitreppe, gut von der belebten Hauptstraße aus zu erkennen und führte noch ein kleines Gespräch mit zwei langjahrig trockenen Alkoholikern. Es ging einfach nur darum, auch in der Abstinenz älter werden zu dürfen. Mein Verlangen, mich nicht-angenommen und nicht gemocht zu werden, hat definitiv keine Nahrung erhalten. Oben auf dieser Treppe an einem kühlen Regentag habe ich ein Stück Heilung für meine Seele erhalten.

Samstag war ich zu einem Regionalen Treffen meiner Spieler Selbsthilfegemeinschaft.  - Eigentlich möchte ich lieber darüber schreiben, kann es aber gerade nicht. Ich bin dem Spielen und auch meinen Emotionen gegenüber machtlos. Vielleicht hilft mir meine Therapiestunde wieder einmal dabei, aber ich glaube, ich habe so ein Treffen schon einmal erlebt, jedenfalls in der Intensität: Das war Anfang August 1990 in HH - Ochsenzoll, ich hatte vier Wochen vorher mein Abschiedsspiel, und dort im Klinikum konnte ich auf einal frei heraus von mir selber reden, ohne mir mühsam etwas zurecht zu legen, und daran zu basteln.. Und ich glaube, daß ich diese Freiheit am Sonnabend wieder erleben durfte.
Dafür danke ich Gott und den Anwesenden.

Liebe Grüße und schöne 24 Stunden
Andreas. 
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:14:02
von TAL:

Absolut richtig, B4N. Dem ist nichts hinzuzufügen. Den Schwanz eingezogen habe ich fast mein ganzes Leben lang. Das Problem ist nur, daß ich mich in all der Zeit in dieser Haltung ziemlich verkrampft habe. Ist wohl eine Art Schutzmechanismus. Jammern hilft da aber nicht, das hab ich schon versucht.

Das Geradestehen beinhaltet bei mir leider nur den materiellen Teil.

Ich find's übrigens ziemlich ätzend, daß dein Enthusiasmus jetzt durch die kürzlichen Ereignisse einen solchen Dämpfer bekommen hat. Du solltest ihn dir bewahren, solange es geht, er ist sehr nützlich.
Laß dich bitte davon nicht entmutigen.

... und von mir nicht irritieren, ich denke nur 'laut'.


Andreas, danke für deine Worte. Ein sehr schöner Beitrag.
Manchmal wünsche ich mir auch, ich könnte einfach nur ich sein. Bin mir aber nichtmal sicher, was das eigentlich ist.


Olli, ich meine das nach außen hin. Vieles von dem, wofür man mich hält, bin ich ja gar nicht. Für mein Kopfkino könnte ich wahrscheinlich sogar gut Eintritt verlangen, da ist eigentlich immer was los.
Das stimmt, ich kenne mich überhaupt nicht... und gleichzeitig kenne ich mich zu gut... So oder so, das ist wohl wirklich etwas, worüber die wenigsten Leute überhaupt je nachdenken. Ich wünschte auch manchmal, ich müßte es nicht. Kennenlernen würde ich mich selbst also schon gerne, das würde vieles klären und erleichtern.

Akzeptanz und Veränderung kommen von innen heraus. Ersteres ist leichter als Letzteres. Es ist festgefahren. Stillstand. Schwer zu beschreiben.

Mhhh... Ist es komisch, daß meine eigentliche Baustelle eher in alltäglichen Dingen liegt? Natürlich kann ich mir keine Dummheiten erlauben, mein Problem sind aber dennoch eher die Auswirkungen, die das alles auch heute noch auf mich hat... und vielleicht meine Erwartungen an mich selbst. Normalsein wird wohl nichts mehr... aber was sonst?

Sich nicht mehr verstellen zu müssen wäre sehr positiv. :)
Nicht mehr alles wegzuschließen.

Danke für eure Beiträge, auch wenn das jetzt irgendwie wieder in die falsche Richtung ging.
Ich sag's ja... ich bin selbst das größte Hindernis. Ich weiß das. Einfach machen und nicht groß drüber nachdenken, nicht wahr?
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:14:26
von Taro:

Moin TAL,

ich habe diesen Thread eröffnet, um genau das von Dir oder von B4N zu erfahren. Tatsächlich bin ich schon so lange in Gruppen, das ich kaum noch Zugang zu dem Kopfkino vor dem ersten Schritt in die Gruppe habe. Ich habe eine Stammgruppe die kenne ich und die kennen mich besser als jeder einzelne sich selber. Für mich ein Ort absoluter Sicherheit. Am Wochenende war ich auf unserem Regionstreffen, bei dem anschließenden Meeting saß ich mit Leuten zusammen mit denen ich sonst selten zusammen in einem Meeting sitze. Es ist überhaupt nicht wichtig ob ich gerade Zugang zu mir selber habe, wenn Menschen dort sitzen die sich öffnen, dann gehen in mir plötzlich Türen auf, von denen wußte ich überhaupt nicht das Sie da sind. Ich brauche für das öffnen nichts weiter zu tun als zuzuhören.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:14:52
von AndreasG:

Guten Morgen ihr Lieben,

ich war auch auf dem Regionaltreffen... und ich bin immer noch schwer beeindruckt, von dem was ich von dort mitnehmen durfte - konnte.  :)
Ich habe auch meine Stammgruppe - in Hannover.

Manchmal mache ich mir viel zu viel Gedanken:

Werde ich irgendwann die Gruppe verlassen,
werde ich überhaupt noch je wieder zwanghaft Spielen,
werde ich mich in meinen Sozialen Ängsten und in meiner Angst vor Menschen weiter isolieren?


Wenn ich durch die Meetingstür gehe und die Gruppenmitglieder begrüße, sind alle diese Fragen schon beantwortet, alleine schon deshalb, weil mir die Selbsthilfegruppe hilft, mich im Hier und Jetzt zu Vergegenwärtigen.

Es hilft mir meine simplen alltäglich Arbeiten unbesorgt zu verrichten. z.B, daß der Wohnungsbetreuer der Wohnungsgenossensachaft bei mir eine aufgeräumte Stube vorfindet, oder daß ich frisch geduscht zu meiner geliebten Lymphdrainage gehe, das Meeting schafft so u.a. Raum für Aufmerksamkeiten.

Liebe Grüße
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:15:22
von born4nothing:

Zitat von: Olli am 19 Januar 2019, 10:20:49


    Packe das Selbstbewusstsein von 10 gesunden Leuten in einen Eimer - und er ist voll.
    Packe das Selbstbewusstsein von 10 Spielern in einen Eimer - und der Boden ist gerade einmal bedeckt.


Dem kann ich nur bedingt zustimmen denn an Selbstbewusstsein mangelt es mir nicht und kann man deutlich an dem erkennen wie ich hier auftrete; hat es auch noch nie; schäme mich auch nicht weil ich nun einen Bock geschossen habe oder werde mich verkriechen. Hab das Problem selber erkannt auch wenn es schon fast zu spät war. Meine Arbeit hat mir hier geholfen; als Unternehmer muss man knallhart sein und dennoch das notwendige Maße an Charakter vorzeigen um die Balance halten zu können.

Mental bin ich sehr stark aber auch ich habe meine Grenzen und nach fast 20 Jahren bin ich das erste mal in meinem Leben schwach geworden weil es einfach Zuviel wurde; 20 Jahre durchhalten ist schon extrem lange mit all dem Stress - der Großteil wäre früher eingebrochen. Habe mich nun wieder gefangen und fokussiere mich auf das was wirklich wichtig ist und hole mir jede nur erdenkliche Hilfe da es keine Scwäche darstellt wenn man selbige in Anspruch nimmt sondern vielmehr Stärke!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:15:42
von Nutella:


@born..

Wir haben alle erst einmal den Anfang finden müssen.. ;) Du bekommst das auch hin..
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:16:05
von born4nothing:


Klar, bei mir musste das nur schnell gehen und ich habe momentan alle mir zur Verfügung stehen Möglichkeiten ausgeschöpft und angenommen. Meine Prioritäten sind gesetzt, die müssen nur halten^^
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:16:26
von TAL:

Gut, daß ich wenigstens beim Verständnis helfen konnte, genau das wollte ich damit versuchen, auch wenn's sich bei näherer Betrachtung für mich irgendwie liest wie ein unkoordinierter Haufen Ausreden.

Einen angenehmen Arbeitstag allerseits. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:16:47
von born4nothing:


Kann dir leider gerade nicht wirklich folgen. Ein Haufen Ausreden?
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:17:06
von TAL:

Sorry, wenn das falsch rüberkam. Das bezog sich nicht auf dich, sondern auf mich selbst.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:17:27
von Olli:

Hi TAL!

Ich möchte gerne auf Deinen Betrag #9 eingehen.

Zitat

    Vieles von dem, wofür man mich hält, bin ich ja gar nicht.


Weisst Du ... ich gehe absolut davon aus, dass Du hier authentisch schreibst.
Was stört Dich denn an dieser Person hier im Forum?
Also ... mir gefällt er ... :)

Diese Person hat wenig Selbstvertrauen - und?
Sie möchte es gerne allen Recht machen - wer möchte das nicht?

Nun gibt es da aber eine Diskrepanz in dem 2. Punkt.
Du bist nicht der, den Du nach aussen vorgibst zu sein.

Erfüllst Du hier irgend eine Erwartungshaltung? Existiert diese vielleicht nur in Deinem Kopf?

Die Fragen nun sind: Wem bringt es was? Wer stört sich daran? Wer "leidet" darunter?

Zitat

    Den Schwanz eingezogen habe ich fast mein ganzes Leben lang. Das Problem ist nur, daß ich mich in all der Zeit in dieser Haltung ziemlich verkrampft habe. Ist wohl eine Art Schutzmechanismus.


Oh ... Mann ... wie ich das kenne ...
So ganz werde ich es wohl auch nie ablegen können.
Ich habe es aber meinen Eltern gegenüber getan - ich habe "nein" gesagt - so mit mir nicht!
Daraufhin wurde ich als Persona non grata abgestempelt - enterbt - bestohlen ...
Das tat verdammt weh in der Anfangszeit.
Doch ich merkte auch ganz schnell, dass ich neben dem Verlust auch einen Gewinn gemacht hatte: Ich konnte endlich der sein, der ich sein möchte und der, der ich bin!
Kein "Kopfkino" mehr - kein Tanz auf dem Drahtseil mehr irgend etwas zu tun oder zu lassen, um nu ja nicht in Ungnade zu fallen.
Ist meine Vergangenheit rühmlich? Beileibe nicht! Aber ich kann sie auch nicht mehr ändern und es ergibt auch gar keinen Sinn dafür mein Leben lang mehr oder weniger freiwillig zu büßen.
Ich bin heute so gut wie frei davon - und es geht mir sowas von prima damit.

Dass es hier zur Trennung mit meinen Eltern kam ist schon extrem - dass heisst aber nicht, dass dies auch bei Dir zwangsläufig so sein muss.

Um zum Thema SHG zurück zu kommen ... Dich kennt dort keiner. Es macht keinen Sinn den Freunden dort etwas vor zu machen.
Über kurz oder lang würdest Du sowieso durchschaut ... :) Wir Pappenheimer kennen uns dafür viel zu gut ... :)
Also kannst Du dort auch direkt von Anfang an der sein, der Du tatsächlich bist.
Du bist es nicht gewohnt? Das macht doch nichts ... genau dafür ist die SHG da ... um zu üben - um auszuprobieren.
Vielleicht gefällt es Dir ja gerade dann deswegen - oder weil Du anfängst Dir selbst zu gefallen (in einem gesunden Kontext, versteht sich) ...

Denn Eines geht hier leider gerade etwas unter - wo liegen Deine Stärken? (außer im Ausreden erfinden :) )
Sind sie Dir bewusst? Kannst Du sie selbst auch annehmen?
Erstelle für Dich doch bitte mal eine Liste Deiner Stärken.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:17:48
von Taro:

Moin Tal,

wenn sich Deine Antwort auf Dich bezog gibt es ja nur eine Antwort.

Es funktioniert.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:18:13
von TAL:

Mich überrascht diese Person hier manchmal etwas. Ein einzelner meiner Beiträge beinhaltet mehr Worte, als ich an einem ganzen Arbeitstag spreche - inklusive externer Telefonanrufe (und, rein technisch gesehen, sitze ich im Vertrieb, wenn auch nicht an vorderster Front). Hier bin ich nur machmal ein wenig unbeholfen, rüberzubringen, was ich eigentlich sagen will. Das führt wohl eben auch zu Unverständnis, wie bei B4N. 'Da draußen' würde ich allerdings nichtmal im Traum darauf kommen, das überhaupt zu versuchen. Durch die Exfreunde und früheren Jobs meiner doch sehr mitteilsamen Kollegin kommen ab und an für mich eher unangenehme Themen auf, die Leute lieben ihre 'Geschichten aus dem Nähkästchen'. Ich belasse die Dinge lieber unkommentiert. Wenn ich hier probiere, meine Gedanken in Worte zu fassen, kann wenigstens niemand die Verbindung zu meiner Person ziehen.

Ja, in gewisser Weise will ich es allen rechtmachen, oder besser gesagt, nicht auffallen. Mit dem Strom schwimmen... unter dem Radar, wie man so sagt. Ich falle wohl trotzdem manchmal irgendwie auf, gerade wegen dieser stoischen Art. Bin halt sonderbar, aber das ist okay, hab mich dran gewöhnt. Die meisten Dinge sind mir wirklich relativ egal. Dann wiederum erwarte ich manchmal Sachen von mir, von denen ich denke, daß sie doch eigentlich ganz normal sein müßten. Ich selbst bin da dann sehr kritisch - und schnell entmutigt. Und richtig, das frustriert. In gewisser Weise 'leide' ich also darunter, mein eigenes Empfinden nicht im Griff zu haben, keine Kontrolle über meine inneren Reaktionen zu haben. Äußere Umstände können mich 'da oben' aus der Bahn werfen... und das hasse ich. Ein Krampf, den keiner braucht, am wenigsten ich selbst.
Ich frage mich aber auch oft "Welcher normale Mensch denkt überhaupt je soweit?" Keiner. Warum tue ich es dann? Richtig, weil 'Anderssein' Fragen mit sich bringen könnte.

Es gibt da bei mir die ein oder andere Situation, wo mir der Mut fehlt, mal meine Meinung zu sagen, die in dem Zusammenhang doch sehr stark ausgeprägt ist. Ich bin ein Ja-Sager, bei dem das nichtmal immer offensichtlich ist. Wenn ich dort meine Meinung äußern würde, würde meine bessere Hälfte, inklusive der ganzen Familie, erstmal nicht mehr mit mir sprechen, das ist Fakt. Meine persönliche Abneigung diesem Verhalten gegenüber ist in dem Fall aber so heftig, daß ich das eventuell sogar in Kauf nähme, wenn ich damit irgendwas erreichen würde. Würde ich aber nicht, im Gegenteil. Womit wir wieder beim Unverständnis wären... und dem Weg des geringsten Widerstands. 'Was soll's? Bringt eh nichts...'
Davon abgesehen sollte ich mal besser ganz still sein...

Ich habe getan, was ich konnte, um die unrühmliche Vergangenheit abzuhaken. Der für mich naheliegendste Weg war, so zu tun, als wär's nie passiert...
Es ist wie ein Schlag in den Magen, wenn man mal daran erinnert wird. Da gibt es noch immer sehr starke Emotionen aufgrund meines damaligen Verhaltens, das wurde mir letztens erst wieder bewußt. Hat mich daran erinnert, wie ein hilfloser Wutausbruch auf einem Bahnsteig mit einem gebrochenen Zeh aufgrund eines Tritts gegen den Mülleimer endete. "Wo warst du?"
Damals war ich zu verbohrt, gleichgültig, und auf meinen eigenen Vorteil bedacht, um etwas zu sagen, heute kann ich es ganz einfach nicht, ich hab den sprichwörtlichen Kloß im Hals.
Naja, lange Rede, kurzer Sinn. Das nur zum Thema 'zu mir selbst stehen'.
Schwierig, denn dazu müßte man aufrichtig sein.

Komischerweise hab ich aber tatsächlich mal über meine Stärken nachgedacht. Gibt da wohl ein paar. Manchmal sagt mir das sogar mal jemand.
Die Liste wäre kurz, aber wohl doch nicht ganz leer. :)


Ja, Taro. Das wäre die einzig logische Konsequenz. Ich brauche dafür, wie so oft, wohl nur etwas länger.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:18:35
Von Taro:

Moin Tal,

schnell...., langsam...., das sind doch bürgerliche Kategorien in Analogie zu den Käguruh Chroniken.
Ich hab irgendwann mal nach durchzockter Nacht ein Interview mit einem Spieler im Radio gehört. Es wurde eine Telefonnummer genannt von Spieler helfen Spieler hieß die Gruppe.Ich rief an, wurde gefragt ob ich Therapieerfahrung habe, da ich das verneinte wurde ich an die GA (  Anonyme Spieler) verwiesen. Ich rief auch dort an und wurde herzlich zu den Gruppen eingeladen. Ach was war das toll zweimal telefoniert, was für mich getan! Mir war ja jetzt klar wie dumm ich war, ich beschloss daraufhin das Spielen bleiben zu lassen, ich spürte richtig, ich war geheilt. Nun, wie Ihr euch denken könnt war das natürlich auch bei mir nicht der Fall, ich spielte noch lange Zeit weiter, die Einsätze wurden immer höher, die Geldbeschaffung wurde immer "gefährlicher". Die Angst vor Gefängnis war groß.  Shg hatte ich noch im Hinterkopf, aber was soll das schon bringen, ich wußte ja jetzt Bescheid,  so dachte ich.
Nun, dann geschah mein erstes Wunder, ich schwor nach einer aus Polizei Sicht, missglückten Festnahme, keine kriminelle Geldbeschaffung mehr auszuführen.
Es kam der Abend wo ich aufgrund von Geldmangel im warsten Sinne durchdrehte, es hört sich total bekloppt an, ich sah ganz klar wie ich langsam  wahnsinnig werde.
Was sollte ich tun, ich mobilisierte das Maximum an Geld was ich besorgen konnte, ich wußte als es verspielt war, jetzt gibt es richtig Ärger mit der Bank. Ich beschloss mein Leben zu beenden, das ist jetzt fast auf den Tag genau 30 Jahre her. Ich hatte solche Angst, keine Hoffnung, bevor ich mich umbringen,  so dachte ich guckst Du Dir mal so eine Gruppe bei den Anonymen Spielern an.

Der Anfang von meinem unfassbar prallen Leben.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:18:56
von TAL:

Ja. Geheilt war ich auch schon dutzende Male. Hab nichtmal irgendwo angerufen, ich glaubte da fest an spontane Selbstheilung. Das klang ja auch total überzeugend, ich war immer echt zufrieden mit mir. War ja eh wieder pleite, dann war's das eben. Ab morgen mach ich alles anders.
Und täglich grüßt das Murmeltier.

Ich denke, wir haben alle Dinge getan, auf die wir nicht stolz sind, und Erfahrungen gemacht, auf die wir lieber verzichtet hätten. All das erscheint einem im Nachhinein so unglaublich fremd. Trotzdem erinnere ich mich leider genau daran. Selbstmordgedanken hatte ich aber noch nie. Ich habe oft nur dagelegen und mir gewünscht, nach dem Einschlafen einfach nicht mehr aufzuwachen, aber aktiv... nein.

Ich mußte googeln, wofür GA steht, als ich es vor etwa einem Jahr das erste Mal las. Ausgeschrieben war es aber dann selbsterklärend. War dann echt überrascht, daß es das auch hier in Deutschland gibt. Gott, wie kann man so dämlich sein, mh? Warum hab ich nie vorher mal nach ner SHG gesucht... oder nach überhaupt irgendwas?

Warum auch? Mir geht's doch gut.
Außerdem hätte das eine gewisse Einsicht vorausgesetzt, die ich bis dato einfach nicht hatte. Ich wollt's vorher nicht wahrhaben.

Die Erreichbarkeit wäre unproblematisch, selbst ohne Auto. Ich könnte mir sogar nen Wochentag aussuchen, wäre alles in etwa gleich weit weg.
Ihr seht also... ich weiß auch schon länger von den Möglichkeiten... und ungefähr genausolange hadere ich auch schon mit mir selbst. Immer mal wieder.

Bei mir wäre es wohl anders als bei den meisten, die dort zum ersten Mal hingehen, denn ich bin eigentlich schon etwas länger abstinent, auch wenn das in meinem Fall jetzt nicht so den Unterschied macht. Trotzdem spreng ich hier mit meinen Romanen grad mal wieder einen Thread, in den ich gar nicht reingehöre...

Hatte ich nicht irgendwo mal gesagt, ich würde versuchen, zu vermeiden, Threads irrezuleiten?
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:19:14
von Taro:

Moin, TAL,

ich schreib es gerne nochmal, genau für Geschichten wie Deine habe ich den Thread eröffnet, genau das gehört hier rein.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:19:34
von Olli:


Hi TAL!

Genau hier gehören Deine Beiträge rein!

Und ich glaube, Du sprichst jede Menge Leser hier an - mich auch.

Daher danke ich Dir für Deine Worte, die Dein tiefstes Inneres beschreiben!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:19:51
von TAL:

Okay... dann ist ja gut. :)

Zumindest hat die Frage dazu geführt, daß ich selbst einmal gründlich über vieles nachgedacht habe... und es zeigt mir noch einmal mehr, wie ich mich unnötig verrennen kann.

Danke für eure Geduld und einen schönen Sonntag euch allen. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:20:10
von Taro:

Unnötig verrennen, da war ich Weltmeister drin. Ich habe meine ganzen wenn, dann, ja, aber verstrickungen im Kopf ein Wollknäuel genannt. Im Meeting ist ein Platz wo ich das Wollknäuel entknoten kann.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:20:31
von AndreasG:

Hallo Tal,
ich schreibe vom Tablet aus, da kommen manchmal srltsame Sachen raus, aber für meinen Roman braucht es noch eine unerfüllte Liebe,  und rine heimliche Geliebte. Mein härtester Rivale bin ich selber, und - o sähst du voller Mondenschein, zum letzen Mal auf meine Pein - dann kommt es mir vor, wie die Faust sufs Auge. Ich hab einen Spielerfreund in fer SHG gehabt, der spät Medizin studierte, und wir sassen da, und haben uns mit Faust -Zitaten bombadiert. Das hat mir damald geholfen.

Manchmal geschehen Dinge, die ich nicht im Dinn habe, aber durch dss Geschehen lassen, werden sie plötzlich wahr. Dasxist was anderes, als die Handfläche auf die Scheibe vom Spielautomaten zu lege, um seinem Unglück nicht ins Suge zu schauen. In der Gruppe,  wrlcher auch immer, genieße ich  die Augenblicke in den Begegnungen untereinander.
Liebe Grüße s24h Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:20:48
von TAL:

Ich mußte grad irgendwie schmunzeln. :)

Du kannst! So wolle nur!


Man müßte da nur den Anfang finden und mal ordentlich dran ziehen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:21:05
von Taro:

Wenn Du ziehst dann bekomme ich die Knoten ja nie raus.

Die Sache mit der Geduld,  ich will sie ja lernen aber Zack Zack.

Spielfreiheit ist das eine,  ein zufriedenes Leben das andere.
Ohne Bewegung bewegt sich da nichts.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:21:35
von TAL:


Das ist mir inzwischen auch klargeworden. Bisher habe ich allerdings weniger gezogen, sondern eher pikiert weggesehen...
Langsames Entwirren kam mir nichtmal in den Sinn. Ist doch alles prima. Geduld? Wozu denn noch? Ich hab doch lange genug gewartet...

Seit ich das nicht mehr mache, knäuelt es gelegentlich mal. Aber dann so richtig. Innehalten und horchen ist schon ziemlich unangenehm. Das gibt zwangsweise Bandsalat, wenn's trotzdem weiter abspult. Da steht man dann wie ein begossener Pudel im Spiegelkabinett, und weiß nichtmal mehr, wo oben und unten ist. Ich hasse das ehrlich gesagt...
Ein sinnvolles Gespräch mit mir ist für Außenstehende schon schwierig. Ich mit mir allein - da kommt noch viel weniger bei rum...

War vorher in mancher Hinsicht einfacher. Selige Ignoranz ist was Tolles. Nur hatte das leider gravierende Nachteile, denn es ist ungeheuer frustrierend, wenn's nicht klappt, wie man sich das vorgestellt hat. Was mache ich falsch? Warum krieg ich das nicht auf die Kante? Ist doch eigentlich ganz normal, andere schaffen das doch auch.

Tja... es ist so einfach eigentlich. In der Theorie zumindest.
Man kann entweder sein Leben lang weglaufen, oder sich irgendwie arrangieren. Das klappt besser. Meistens zumindest.

Meine bessere Hälfte ist vor drei Stunden abgedampft zu meiner Schwägerin. Vier Stunden Autofahrt wegen einer Verständigungsschwierigkeit über eine Instant-Nudelsuppe... Wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, kann ich unerträglich sein... auf meine Art... unkommunikativ und rastlos.
Man sollte eben nicht versuchen, irgendwas in mich reinzuinterpretieren. Wenn ich was will, dann sage ich das auch - und umgekehrt. Was ist daran so schwer zu verstehen?
Sowas sind dann halt die hilflosen Momente. Da will ich auch nicht groß diskutieren, krieg eh nichts verständlich rübergebracht... wie man mal wieder merkt.
Da läuft das Ganze dann eben wieder in eine unschöne Richtung, weil ich mir selbst im Weg stehe. Ist wohl eine generelle Charakterschwäche.

Ich mache wohl irgendwie einen konfusen Eindruck, befürchte ich. So ganz verwirrt, wie es manchmal scheint, bin ich jetzt auch wieder nicht. Eigentlich verläuft mein Leben absolut normal. Kann nicht klagen. Für wen ist es schon immer einfach?

Naja... soviel dazu. Mentaler Sondermüll - Teil 17.

Wünsche euch trotzdem ein schönes Wochenende. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:22:02
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #31 am: 02 Februar 2019, 14:36:32 »
@Tal,

ich lese Deine Beiträge so gerne, Sue bringen das Chaos im Kopf so schön auf den Punkt.
In Teil 18 könntest Du ja was von Deinem ersten SHG Besuch schreiben, für Dich da bin ich sicher ein Ahaa Erlebnis

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:22:20
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #32 am: 02 Februar 2019, 22:16:04 »
Mut zur geistigen Umnachtung... das klingt irgendwie nicht sehr vorteilhaft... :P

Also... dann bis Teil 18. Bis dahin muß ich mich nur selbst überzeugen. Hab ja gerade genug Zeit dafür, ist ja niemand hier. Ich bin mir allerdings nach wie vor sicher... der Fahrtweg dorthin wird hart. Hab lange nicht mehr etwas so gefühlt Unangenehmes getan, da schrillen alle Alarmglocken "Du mußt das doch gar nicht tun." Völlig irrational und unsinnig, aber ich kann's echt nicht ändern...

Was soll's. Muß ich durch. All das, was heute ist, wäre ohne den ein oder anderen Schritt aus meiner Komfortzone auch nicht möglich gewesen.

Bis dahin sollte ich nur einfach mal ein bißchen weniger reden...
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:22:40
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #33 am: 02 Februar 2019, 22:44:49 »
Ich ging schon einige Zeit in Gruppen, hörte zu, für meine Beiträge schrieb ich mir vorher Stichpunkte auf den Zettel. Das war schon ganz gut, was ich hörte ließ bei mir ein Licht nah dem anderen aufgehen. Ich saß da aber noch immer mit meinem Wollknäuel, zeigte immer nur mal ein kurzes Stück welches ich schon entknotet hatte.

Dann saß ich in der Gruppe es sprach ein Freund dem ich mich sehr verbunden fühlte, er sprach lange und es war nur Chaos, vieles hörte sich total irre an, kurz gesagt, er sprach vieles so aus, wie es auch bei mir im Kopf aussah. Darauf meldete ich mich zu Wort und rollte meinen kompletten Wollknäuel auf den Tisch. Ich hatte den Mut zur geistigen Umnachtung, wie Du es bezeichnest. Ich erinnere mich noch gut an den abend, es fühlte sich richtig gut an. So ziemlich das beste was ich jemals getan habe. Ein Freund rief mich noch spät abends an, er schrie mich an weil Ihn das was ich erzählt habe wütend gemacht hat, ich war ganz ruhig und wußte,  daß hat überhaupt nichts mit mir zu tun.

Letztlich kann ich sagen, immer wenn ich mich trau mich mit meiner geistigen Umnachtung zu zeigen, dann ist es ein gutes Meeting.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:22:57
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #34 am: 05 Februar 2019, 16:05:45 »
Ich wäre schon froh, erstmal den Anfang des Fadens zu finden. Aber das ist normal, denke ich. So vieles, was ich denke und empfinde, scheint irgendwie ganz normal zu sein. Was mich halt echt 'wurmt', ist die Tatsache, daß es eigentlich schon gefühlt ewig her ist, und trotzdem trag ich den Ballast noch mit mir rum, und wie ich heute weiß, wird sich das auch nicht ändern, da hilft alles Aussitzen nichts. Ich habe immer versucht, mich anzupassen. 100%ig geklappt hat es nie. Nach außen hin geht's blendend, aber da ist immer ein innerer Widerspruch.

Die Bilder sind vor meinem inneren Auge verblaßt, die Zeiten haben sich geändert. Was bleibt sind wirre Gedanken und konfuse Emotionen. Etwas, was eigentlich extrem untypisch ist. Ja. Es ärgert mich, das nicht kontrollieren zu können, nicht Herr über das Chaos zu sein. Ich denke nicht mehr wirklich ans Spielen, hab schon lange nicht mehr das erlebt, was man wohl Suchtdruck nennt, und dafür bin ich so unendlich dankbar. Trotzdem ist da immernoch etwas, was tief verankert ist in der Zeit, als die Welt sich noch darum drehte, ihr bloß nicht ins Auge sehen zu müssen. Allein diese Erkenntnis zu erlangen, mir diese Verbindung einzugestehen, hat so wahnsinnig lange gedauert.
Aufatmen und Loslassen - ein Wunschtraum.

Heutzutage spielt man online. Das ist noch soviel schlimmer. Ich habe es geschafft, es bis heute zu verheimlichen - wieviel einfacher ist das im stillen Kämmerlein... das ist so bitter...
Ich finde Geschichten anderer immer sehr schwer zu lesen, da muß ich oft echt ziemlich schlucken. Ich bin wirklich kein gefühlsduseliger Mensch und bekannt für meinen Mangel an Empathie und Einfühlungsvermögen, aber das ist manchmal schon hart. In 3D wäre das sicher nicht einfacher.

Gibt schon wirre Sachen - dagegen bin ich gar nichts. Letztens philosophierte einer in einem anderen Forum darüber, daß Spielen ja sein Normalzustand sei, somit sei er nicht krank, sondern im Gegenteil - nicht zu spielen wäre in seinem Fall krankhaft. Rein logisch gesehen sei das also vom psychologischen Aspekt her nicht erstrebenswert.
Ist schon erstaunlich, auf was für Ideen man kommen kann, sich das Ganze schönzureden, und vor sich selbst zu rechtfertigen. Das überstieg selbst meine Kreativität in puncto bequeme Ausreden.
Hatte schon überlegt, ihm virtuell das goldene Luftschloß zu verleihen, hatte nur in der zwischenzeit dummerweise den Schlüssel verlegt.

Ja. Es tut gut, einfach mal runterzuschreiben, auch wenn wahrscheinlich keiner wirklich folgen kann. Ich hab schon oft was geschrieben, es dann aber wieder gelöscht. Klingt immer irgendwie wirr und unbeholfen... und außerdem... was weiß ich schon? Müßte erstmal bei mir selbst aufräumen. Kann höchstens ein Lied davon singen, wie man es am besten nicht macht.

Nun... das war wohl Nummer 18...
Ich überleg grad, wann ich zuletzt jemanden angeschrien habe... kann mich echt nicht erinnern. Andersrum genauso. Alles easy-going hier.

Schönen Feierabend allen. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:23:18
von Olli:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #35 am: 05 Februar 2019, 16:21:24 »
Hi!

Zitat

    Ich überleg grad, wann ich zuletzt jemanden angeschrien habe... kann mich echt nicht erinnern.


Wer schreien muss, um sich Gehör zu verschaffen, der hat ein Problem ... Du hast es wohl abgelegt ... :)

Ich lese Dich gerne ... :) ... also freue ich mich auf Teil 19 ... wenn Du denn magst ...
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:23:36
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #36 am: 05 Februar 2019, 22:25:22 »
Moin Tal,

was ist der Unterschied zwischen einem Neurotiker, einem Geisteskranken und eines Therapeuten?
Der Neurotiker baut Luftschlösser, der Geisteskranke wohnt drin und der Therapeut kassiert die Miete.

Viel mir beim Lesen gerade ein, ich habe auch schon drin gewohnt, und den Anfang vom Faden habe ich wo gefunden....?


Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:23:58
von Margin_Call:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #37 am: 05 Februar 2019, 23:31:38 »
Hi TAL,

schön geschrieben, finde ich auch.

Beste Grüße,
MC
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:24:18
von AndreasG:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #38 am: 05 Februar 2019, 23:53:35 »
Hallo  ihr Lieben,

ich hatte Sonntag im Kirchencafe meinen Lauten! Eine Psychologin stellte ein Projekt für die Flüchtlingshilfe vor, an dem ich interessiert bin, eben weil  ich Bezugspunkte habe, weil ja auch Flüchtlinge Menschen sind und mitunter auch Spielsüchtig. Eine Frau am Tisch störte die Projektankündigung,  indem sie in einem Dauerredefluss bemängelte,  daß  Flüchtlingshilfe nicht angemessen ist,und diese sollten doch Zuhause bleiben, Ich bin aufgestanden und wollte gehen, habe aber meine Wut über diese Störung ausgedrückt. ich stand stabil, und wsr mir sicher, nicht auszurasten..Die Psychologin schaffte es so mich vor dem vorzzeitigen Verlassrn des Kirchencafe s zu hindern, und es entwickelte dich eine völlig neue Atmosphäre  in der Runde.Ich bekam viel positive Zuwendung, gerade vom Kirchenvordtand. Heute in drr Therapiestunde habe ich eingebracht, wie dumpf polemisch ich in meiner Zrit als vrrsoffener Fussballfan war, und nun in meiner  gewonnenen Spielfreiheit human zu Leben, und eben Menschen in Notlage Willkommen  zu heißen, etwas, was ja auch im Kirchenraum wie im Gruppenraum für mich geschieht.Ich habe auch Zweifel an meiber Stärke, das kann zum Brüller werden, wenn ich aus neiber innerrn Mitte gehe.  Aber das konnte ich nicht erkennen. Wenn aber aus Wut Mut wird, Mut zum eigenen Ich, dann bin ich auf mrinem Genesungsweg  ein Stück writer gekommen.
Ich freue mich Morgen auf diese Veranstaltung., die Mahnwache für Geflüchtete, weil ich dann wieder Stille in mir entdecken kann.

Liebe Grüße Andreas

auf Tablet geschrieben und später rein geschrieben  :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:24:37
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #39 am: 07 Februar 2019, 17:18:13 »
Danke MC, eigentlich isses nur ein ungeordneter Haufen Brei, Struktur hat das nicht, von Sinn mal ganz zu schweigen. Aber brauch ich das beides überhaupt? Ich hab mir nie erlaubt, zu lange über unangenehme oder verwirrende Sachen nachzudenken. Das wollte ich nicht, es paßte nicht zu meinem Plan des Normalseins. Funktionierte natürlich zugegebenermaßen nur so bedingt, das auszublenden. Etwas kosmisches Rauschen im Hintergrund war immer schon da. Besonders, wenn sonst Stille herrschte.
Mhhh... klingt jetzt irgendwie verrückter, als es ist... das ist jetzt kein Dauerzustand... aber naja..

Meine sozialen Interaktionen laufen auch nicht immer blendend, und manche Dinge enden unvorhersehbar. Ich habe seit ich bei meinen Eltern ausgezogen bin keinen Fernseher besessen, bis vor etwa zwei Monaten, da schleppte meine bessere Hälfte so einen Kasten an. Die sehen heute irgendwie anders aus... Trotzdem gucken wir nie fern, ich hasse das Ding. Gestern dachte ich mir, ich guck mal Snooker... wenn man schonmal so'n Teil hat.
Da kam dann jemand nach Hause und wunderte sich über meinen ungewöhnlichen Zeitvertreib... und über die Bandenwerbung.
Nein, das ist kein Waschmittel.
Dann kam die Werbepause. Die Tatsache, daß es wohl tatsächlich einen Markt für mobile Casinos gibt, sorgte ebenfalls für leichtes Unverständnis.

Am Ende langweilte die Partie uns beide.
Hab dann den Fernseher ausgeschaltet, wir werden wohl auch in Zukunft keine Freunde mehr werden. Einen Versuch war's wert.

Ich war noch nie der laute Typ und gehe Auseinandersetzungen grundsätzlich aus dem Weg. Zur Not gebe ich halt auch mal klein bei, ein klassischer Ja-Sager. Meine Meinung äußere ich normal auch eher selten. Ändert eh nichts. Oftmals hab ich auch einfach gar keine.
Ätzend, unfair und provozierend konnte ich allerdings schonmal werden, wenn es 'sein mußte'. Das hab ich tatsächlich abgelegt... hoffe ich zumindest, kann das natürlich nicht wirklich beurteilen.
Stille ist sehr angenehm, es ist schön, sie herbeiführen und bewußt genießen zu können, aber manchmal möchte ich schon gern mal schreien, aber nicht aus Wut oder um mir Gehör zu verschaffen. Der Einzige, der es hören würde, wäre dann eh ich selbst. Das wär mal ein bißchen seltsam. Weder stark noch mutig, sondern irgendwie schräg. Da sollte ich besser von absehen.

Ajo... ich sollte nen eigenen Thread für meine Monologe aufmachen, statt diesen hier zuzumüllen. Als Einschlafhilfe genauso zu empfehlen wie bunte Kugeln auf grünem Hintergrund dabei zu beobachten, wie sie behäbig in irgendwelche Löcher kullern.
Bei mir fehlt da leider noch der nötige Schwung, ich bleib immer auf halber Strecke liegen.

Ich las letztens einen passenden Spruch. "Man kann ein Pferd zum Wasser führen - Trinken muß es dann allerdings schon selbst."

Darum sollte ich mich erst melden, wenn mal wirklich was passiert. Langer Roman, null Inhalt. Ist ja irgendwie nicht so ideal, sich so offenkundig im Kreis zu drehen. Im Schneckenhaus gibt's halt sonst nur einen Ausgang, und ich mag Sonnenlicht nicht so gerne. Da fühlt man sich immer so exponiert.
War im Luftschloß übrigens auch nicht anders.

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:24:55
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #40 am: 08 Februar 2019, 23:15:46 »
Leben auszuprobieren und diese Schrägen Gedanken. Gerade dafür war die SHG der perfekte Platz.
Das Thema schreien und es ausprobieren war auch mein Thema, ich hatte im Meeting darüber gesprochen, war dann tanzen, brachte meine Freundin nach Hause und stand ca. um 3 Uhr morgens zwischen den Grindelhochhäusern. Das sind Hamburgs erste Hochhäuser und habe geschrien. Immer weiter. Es dauerte einen Moment dann sah ich Blaulicht. Die Beamten kamen und fragten mich ob ich geschrien hätte, ich bejahte. Sie fragten mich nach den Grund. Ich sagte, ich hatte solche Angst aber jetzt seien Sie ja da. Ich hatte noch einige mal mit Freunden das Schreien ausprobiert, die ganzen Erinnerungen bringen mich noch immer zum Schmunzeln.

Ist alles total verrückt, macht aber total Spaß und mich langsam wieder ins Leben geführt. Das war sehr viel aufregender als zu spielen. Das zu den Polizisten zu sagen, ich erinnere mich noch genau, ich hatte natürlich Angst das die mich mitnehmen, musste einfach mal ausprobiert werden.

Heute habe ich viel um die Ohren, Familie, fordernde drei Kinder, Arbeit. Morgen fahre ich zum Treffen von GA nach Lübeck.
Ich fahre mit zwei Freunden hin, ein Tag an dem ich Leben probieren kann.

Ich freu mich.
Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:25:22
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #41 am: 09 Februar 2019, 19:44:07 »
Heute beim Treffen der Region Nord in Lübeck gewesen. Viele alte Freunde getroffen. Eine Gemeinschaft der ich mein Leben zu verdanken habe.
Zum Glück ist die Region so stark,  es fanden sich über 30 Freunde ein.
Praktisch alle Freunde die mich seit über 20 Jahren begleiten haben heute ein pralles Leben.

Ich habe auch Gespräche darüber geführt,  dass die Therapeuten die stark mit der Selbsthilfe verbunden sind fast ausgestorben sind.
Die Verbindung und das gegenseitige Wertschätzen ist für den Profit wohl auf der Strecke geblieben.

Trotzdem ein rundum gelungener Tag.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:25:45
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #42 am: 09 Februar 2019, 22:39:21 »
Dein Tag klingt interessanter als meiner. Ich hab mich (mal wieder) gedrückt. Es stand ein Abend bei einem Bier mit Freunden an. Mir ist heute nicht nach trinken und plaudern. Kommt vor, häuft sich in letzter Zeit aber gerade wieder...

Ich habe keine Kinder. Den Schritt habe ich nie gewagt, und werde es wohl auch in Zukunft nicht tun, aber ich bin verheiratet und habe einen für meine Verhältnisse mehr als ordentlichen Job. Ich mußte dort nie eine Bewerbung schreiben. Pures Glück, kein Geld der Welt kann das kaufen. Es aufs Spiel zu setzen wäre das dümmste, was ich tun könnte, denn all das hätte ich heute sicher nicht, hätte ich weitergemacht wie vorher. Es war kurz vor 12 für mich. Einen Schritt weiter, und das hätte ein böses Erwachen gegeben. Ich habe nie etwas gelernt, und mir auch nie zugetraut, dort nochmal anzusetzen, obwohl ich die Unterstützung zu Hause hätte. Auch mit einem Einkommen wäre das machbar. Das stand bei uns schon öfter im Raum. Ich will das aber nicht.
Denn ich weiß, warum ich mich in dieser Situation befinde. Dafür sollte kein anderer auch nur einen Cent zahlen müssen, ob nun direkt oder indirekt.


Meine Erinnerung in Bezug auf die Grindelhochhäuser ist eine komplett andere. Innere Unruhe und der überwältigende Drang, wegzulaufen und mich zu verkriechen. Eins der vielen Ereignisse und Bilder, die das Gefühl des völligen Fehl-am-Platz-Seins zurück ins Gedächtnis rufen.
Man konnte nicht den Staubsauger und die Waschmaschine gleichzeitig anmachen, weil sonst auf der ganzen Etage die Sicherungen rausflogen. Außerdem gab es tatsächlich noch Müllschächte im Treppenhaus, die dauernd verstopft waren. Es stank erbärmlich. Muß so Anfang der 2000er gewesen sein, meine Cousine wohnte dort und fragte öfters mal, ob ich ihr in Mathe helfen kann. Sie trank ständig Wein mit Cola und zog sich stundenlang 'Desperate Housewives' rein. "Was ist bloß los? Nun entspann dich mal, wir können später noch Mathe machen. Sei doch nicht so...!"
Dann klingelte meine Tante, um Lebensmittel vorbeizubringen, sie war eine ziemliche Glucke. Das genaue Gegenteil ihrer Schwester.
"Scheiße! Hilf mir mal, die Cannabispflanzen außen auf die Fensterbänke zu stellen."
Mathe war vergessen, es gab noch mehr Wein mit Cola, es wurde gelacht und in Erinnerungen geschwelgt, und ich habe die ganze Zeit nur einen einzigen Gedanken gehabt. "Wie komme ich hier schnellstmöglich weg??"
Für's Schreien hätte ich zu der Zeit kaum Energie gehabt, auch wenn es bei dem Weinkonsum der beiden wahrscheinlich keinen sonderlich gestört hätte. Die Polizei hätten sie wohl nicht gerufen, es hätte nur eine noch viel unangenehmere Konversation zur Folge gehabt. Im Mittelpunkt zu stehen und Fragen aufzuwerfen galt es tunlichst zu vermeiden.
Irgendwann ging es aber einfach nicht mehr und ich bin weg, es war zu beklemmend, warum konnte ich nicht einfach mal abschalten wie alle anderen auch? Aber he... offiziell war ich ja bei meiner Cousine...
Der Tag endete im Desaster, wie so viele unzählige andere auch. Ein Kater von Billigwein mit Cola ist gar nichts dagegen. Was läßt einen eine solche Entscheidung treffen?

Ehrlich gesagt empfinde ich das auch heute noch manchmal so. Allein in einem Raum voller Leute. Aber es ist einfacher geworden, das als Teil von mir hinzunehmen. Wenn ich es wirklich nicht mehr aushalte, fahre ich einfach nach Hause. Das wundert auch keinen mehr. Ich muß mir nichts beweisen und ich muß auch keinen ganzen Abend damit verbringen, mit aller Macht ein Gefühl des Versagens und der Unzulänglichkeit zu verdrängen. Ich mute mir nichts zu, mit dem ich nicht umgehen kann. Zumindest, soweit ich das selbst beeinflussen kann ohne Fragen aufzuwerfen.
Man lernt dazu, auch wenn es ein langer Prozeß ist.

Ich kenne keine Therapeuten, und weiß auch nichts über Methoden oder unterschiedliche Ansätze. Für mich gehört auch das zu den Dingen, die in meinem Schneckenhaus an mir vorbeigegangen sind. Es ist schon erstaunlich, zu was für einem Maß an Selbstverblendung man fähig ist, wenn man nur ganz fest an etwas glaubt... oder es zumindest hofft.

Mitunter mache auch ich komische Sachen, weil mir grad danach ist. Ist mir dann ziemlich egal.  Das Leben ist aufregender, wenn man den Kopf aus dem Sand zieht. Die Flut an einfachen Dingen, die man plötzlich bewußt wahrgenommen hat... Das ist ein Auf und Ab zwischen ungläubigem Staunen und einschüchterndem 'Overflow' - komplette Verwirrung. Dem steht man dann manchmal schon etwas hilflos gegenüber. Keine einfache Zeit, plötzlich mit einer Vielzahl an Eindrücken und Emotionen konfrontiert zu werden. Es gibt soviel dort draußen. Wie konnte ich das übersehen?

Die Welt hat sich jahrelang ohne mich gedreht. Das wieder aufzuholen ist eine ziemliche Herausforderung. Bis heute.

Für jeden anderen klingt das verrückt, für mich ist das Alltag. Mal mehr, mal weniger.
Und heute hätte ich die Energie zum Schreien.

Da schreib ich lieber, auch wenn ich eigentlich Besserung gelobt hatte.

-Nachtrag-
Hab mal ein paar Details gelöscht. Das war etwas zu viel Info. Manchmal sollte man nachdenken, bevor man schreibt.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:26:07
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #43 am: 10 Februar 2019, 09:27:07 »
Zitat von: TAL am 09 Februar 2019, 22:39:21


    Die Welt hat sich jahrelang ohne mich gedreht. Das wieder aufzuholen ist eine ziemliche Herausforderung. Bis heute.


Moin TAL,

Deine Beiträge sind einfach der Hammer ich finde mich darin so gut wieder.  Da hat Du ein echtes Talent.

Zum Thema aufholen, ich hatte das Glück ziemlich jung meinem Tiefpunkt erreicht zu haben.  Ich habe einfach so gelebt,  als wenn ich gerade hinaus in die Welt gegangen wäre.  Ich machte mein Fachabi mit 28 Jahren, die meisten meiner Klassenkameraden waren 18. Ich studierte, war natürlich auch einer der ältesten.
Ich heiratete mit 39 und habe heute drei Kinder. Ich kann meine verspielte Zeit nicht aufholen, ich habe mich aber dran gewöhnt die Dinge etwas später anzugehen als die meisten anderen Menschen. Tatsächlich mache ich meinen Job schon 20 Jahre, bin schon dichter an der Rente dran fühle mich aber oft noch wie ein Berufsanfänger.
Das ist nicht schlimm, hält es mich doch Wach und interessiert was andere einbringen.
Unterm Strich ist das trotzdem ein Teil des hohen Preises den das spielen fordert.

Nur,  ohne das spielen hätte es dieses Leben nie gegeben.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:26:27
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #44 am: 11 Februar 2019, 17:13:08 »
Ich schreibe immer einfach drauflos. Für mich klingt das im Nachhinein immer etwas planlos und durcheinander. Dann will ich's wieder löschen, aber denke mir, das wäre ja noch verwirrender. In meinem Kopf isses eben manchmal nicht so aufgeräumt. Was soll's? Inzwischen ist das eh jedem klar. Zumindest hier.

Studiert hab ich auch schonmal. Mit eher mäßigem Erfolg, wie man sich vielleicht denken kann. Es ging mir eh nur um die Bafög-Zahlungen... mit meinem Hintergrund bekam ich den Höchstsatz, das mußte man dann ja einfach mitnehmen. Offiziell arbeitete ich deshalb nur auf 400€-Basis, und habe alles darüber unter der Hand in bar ausgezahlt bekommen.
Zwischendurch mußte ich nur einmal den Studiengang wechseln, um nicht wegen fehlender Leistung exmatrikuliert zu werden. Das ging zwei oder drei Jahre so, bis ich wegen versäumter Semesterbeiträge endgültig flog. Ich bekam keinen weiteren Aufschub mehr. Meine Studienzeit hatte also eher wenig mit Bildung zu tun.

Mein Wendepunkt kam auch vergleichsweise früh, im Endeffekt brauchte ich nur etwa sechs Jahre, den Karren mit Vollgas gegen die Wand zu fahren und komplett zu zerlegen. Ich erinnere mich noch sehr genau an diesen Freitagabend und die darauffolgende Nacht. Trotzdem hat es noch sehr lange gedauert, mich soweit auf Spur zu bringen, daß ich mir zutraute, meine gewohnte persönliche Schutzzone zumindest zeitweise zu verlassen. Klingt vielleicht komisch, aber ich hatte manchmal unglaubliche Angst vor mir selbst. Da stimmte etwas ganz gewaltig nicht mit mir, das wußte ich wohl insgeheim. Ich war nur unfähig, mich damit auseinanderzusetzen. Ich wollt's nicht wahrhaben.
Somit reichten die direkten Auswirkungen noch weit über meine aktive Zeit hinaus, denn auch danach wäre ich nicht in der Lage gewesen, gewisse Veränderungen in meinem Leben vorzunehmen. Ich hatte zuviel Angst vor dem Ungewissen... und meiner Reaktion darauf. Bloß nicht anecken, bloß nichts Unvorhersehbares... vieles fällt auch jetzt noch schwer.
Die Welt da draußen war Neuland für mich, meine Schritte hinein waren sehr zaghaft. Ich mußte erst langsam lernen, mich darin zurechtzufinden.

Drei Jobs, das hatte auch den Vorteil, mich beschäftigt zu halten. Aufstehen, arbeiten, schlafen. Mehr war da nicht. Das ging noch sehr lange so.
Und trotzdem war es besser als je zuvor... aus dem Fenster der UBahn zu gucken, und ohne die unaufhaltsam rasenden Gedanken die Umgebung vorbeiziehen zu sehen... einmal fragte mich tatsächlich eine ältere Dame, warum ich denn so grinse. Das war etwas peinlich. Ich sagte ihr nur "Weil es mir gutgeht."
"Das freut mich zu hören. Die meisten Leute wissen das gar nicht mehr zu schätzen."
Weise Worte, in der Tat.

Geheiratet habe ich mit 29. Eigentlich wollte ich das gar nicht. Die Person, mit der ich gerne altwerden wollte, der ich mein jetziges Leben verdankte, ohne daß es ihr überhaupt bewußt war, aber dagegen hab ich mich lange gewehrt. Ich wollte keine Abhängigkeit, keine zu feste Bindung, keine gegenseitige Verantwortung. All das stand mir nicht zu. Aber ich konnte irgendwann nicht mehr nein sagen, es ging einfach nicht mehr, ich hatte in den Augen anderer ja keine wirkliche Begründung. Man heiratet doch genau deshalb, um füreinander dazusein.

Nun führe ich also ein Leben, was eigentlich normaler und sorgenfreier nicht sein könnte. Trotzdem ist da etwas, was ich nicht abschütteln kann, so sehr ich's auch versuche.

Ich kann bei vielen Dingen nicht mitreden, manches irritiert mich auch einfach nur, es erwartet aber eigentlich auch gar keiner irgendwas von mir... außer mir selbst.
Ja, den Preis für meine Dummheit werde ich auch weiterhin zahlen müssen, aber wenigstens sehe ich heute den Zusammenhang. Es ist wohl absolut nicht verwunderlich, daß das Spuren hinterläßt. Ich kann nur versuchen, das Beste daraus zu machen.
Die Zeit bekomme ich nicht zurück, meinen Kopf kann mir auch keiner durchpusten. Es hat mich weit mehr gekostet als nur Geld.

Wie sagte hier kürzlich jemand? "Ich denke, daß ich keine Hilfe brauche - ist das normal?" oder so ähnlich.
Die Stimme kenn ich auch. Sie kann sehr überzeugend sein.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:26:51
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #45 am: 13 Februar 2019, 23:34:35 »
Moin TAL,

das was da noch ist was sich nicht abschütteln läst, hatte ich auch lange. Erst als ich das fassen könnte, was das ist fühlte ich mich frei.

Thema mitreden, heute kann ich ein wenig smalltalken. Oft geht es mir tatsächlich so, ich Wii überhaupt nicht immer Mitreden. Die meisten Gespräche langweilen mich. Es gelingt mir auch immer besser von mir da nichts zu erwarten.
In Gemeinschaften gibt es eigentlich nur zwei Rollen für mich, Mitten drin und voll dabei oder draußen, etwas dazwischen kenne ich kaum.

Ich habe durch das spielen viel mehr zurückbekommen als es gekostet hat, ein neues Leben,  das war tatsächlich recht günstig.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:27:09
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #46 am: 15 Februar 2019, 00:32:38 »
Ja. Das Mittendrin ist sehr selten, dann aber extrem. Ich kann mich nur sehr schwer für etwas begeistern oder überhaupt nur motivieren. Die meisten sozialen Interaktionen habe ich aus einer Notwendigkeit heraus. Oder weil ich denke, daß es sich eben 'so gehört'. Was wiederum die Verwirrung perfekt macht. Denn: Was ist überhaupt 'normal'? Hab sehr lange danach gesucht, zu einem für mich zufriedenstellenden Ergebnis bin ich nie gekommen. Aber zumindest frage ich mich nicht mehr "Was sollte ich jetzt tun?", sondern belasse es einfach dabei, nicht zu reagieren, wenn es mich nicht interessiert... und das ist meistens der Fall.

Meine soziale Inkompetenz gehört wohl zu mir. Und das ist auch in Ordnung so. Letztlich muß ich ja damit leben, und kein anderer. Eigentlich stört mich das nicht, aber es sollte doch nicht so sein...

Es gibt nur sehr wenige Leute, mit denen ich einfach über 'Gott und die Welt' reden kann, ohne mich dabei total deplaziert zu fühlen. Normal sind solche Gespräche mit mir sehr schnell vorbei. Mit mir allein in einem Raum zu sein, bedeutet meistens nach relativ kurzer Zeit... schweigen. Für einen kürzeren Zeitraum geht es aber mittlerweile. Trotzdem kann ich mich einsamer fühlen, wenn Leute um mich rum sind, als wenn ich wirklich irgendwo allein bin.
Macht das Sinn? Nicht wirklich. Ist schwer auszudrücken.

Scham? Schuld? Reue? Ja, auch das empfinde ich zugegebenermaßen gelegentlich, wenn ich zuviel drüber nachdenke. Aber ich hab alles getan, was ich konnte, um es hinter mir zu lassen. Mehr geht einfach nicht. Da muß also noch etwas anderes sein. Wie kriegt man etwas zu fassen, wenn man es nichtmal wirklich in Worte fassen kann? Außerhalb meines Kopfes ist absolut nichts mehr davon übrig.
Sich in dem Punkt frei zu fühlen hätte schon was. Vielleicht sollte man erstmal damit anfangen, sich nicht mehr so viele Gedanken zu machen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:27:38
von Olli:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #47 am: 15 Februar 2019, 06:56:33 »
Guten Morgen!

Zitat

    Wie kriegt man etwas zu fassen, wenn man es nichtmal wirklich in Worte fassen kann?


"Man" lässt sich dabei helfen!

Glaubst Du denn wirklich, dass Du mit Deinen hier wunderschön beschriebenen Worten alleine bist?
Ich finde mich in fast jeder Deiner Zeilen wieder. Sie sind die wichtigen Gesprächsthemen in einer SHG.

Du bist Dir selbst im Weg - oder nicht?
Das Schöne daran - Du kannst das ändern!

 
Zitat

    Vielleicht sollte man erstmal damit anfangen, sich nicht mehr so viele Gedanken zu machen.


Wäre denn das nicht ein Rückschritt? Durch Verdrängungsmechanismen, wie im Spiel?
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:27:59
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #48 am: 15 Februar 2019, 07:52:24 »
Zitat von: TAL am 15 Februar 2019, 00:32:38

    Wie kriegt man etwas zu fassen, wenn man es nichtmal wirklich in Worte fassen kann? Außerhalb meines Kopfes ist absolut nichts mehr davon übrig.
    Sich in dem Punkt frei zu fühlen hätte schon was. Vielleicht sollte man erstmal damit anfangen, sich nicht mehr so viele Gedanken zu machen.


Moin Tal,

ich kann viele Dinge nicht in Worte fassen,  bin mir aber dennoch vollkommen klar darin. Du gibst mir mit Deinne Beiträgen z.B. Worte.

Die Lösung war für mich,  mir gerade immer mehr Gedanken darüber zu machen,  in den Meetings darüber zu sprechen und mit meinen (mentalen) Sponsor.
Das tolle an meinem Sponsor war, ich habe mit Ihm über ein Thema gesprochen, bin gemeinsam immer tiefer dort eingestiegen, habe nach jeder Antwort wieder geguckt was liegt dahinter, und dann wieder dahinter. Als ich dann ein grosses Durcheinander im Kopf hatte, nahm er es und hat es geordnet.

Weil es für mich Lebenswichtig war habe ich viele Dinge sehr sehr tief betrachten (müssen), so tief das die meisten Menschen das für absoluten Schwachsinn halten.
Was soll ich mich mit so jemanden den nun über das Thema unterhalten, z.B:

"Ach Du kennst das Thema auch, interessant. Ah Du hast ein Buch gelesen da hat ein Therapeut das und das gesagt, wie spannend und verkaufen sich die Bücher gut?
Achso, Du glaubst dieses oder jenes in mir zu erkennen, wirklich spannend, mit mir hat das zwar nichts zu tun, aber jetzt zeigst Du wenigstens mal was von Dir....."

So, oder so ähnlich würden Gespräche ablaufen, auf die ich mich eben nicht einlasse. Wenn jemand wirklich Lust hat bei ein Thema tief hinab zu steigen bin ich immer gerne dafür bereit.  Da haben Bewertungen und Vorurteile überhaupt keinen Platz.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:28:23
von TAL

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #49 am: 16 Februar 2019, 03:52:20 »
Zitat

    Glaubst Du denn wirklich, dass Du mit Deinen hier wunderschön beschriebenen Worten alleine bist?


Ehrlich? Ja. Das habe ich tatsächlich gedacht. Ich komme mir manchmal echt seltsam vor. Daß ich in die falsche Richtung renne, falsche Prioritäten setze. Mir ist inzwischen klar, daß mein Verhalten und Denken während meiner aktiven Zeit ziemlich 'Standard' war, aber das jetzt - nein. Allein für mich selbst die Parallelen zu ziehen war schon ein ziemlich träger Groschen. 'Kann ja nicht wirklich der Grund sein... oder?'

Verdrängt habe ich das noch lange. Finger in die Ohren "Laaa laaa laaa". Da saß ich dann und fragte mich allen Ernstes, warum ich nicht einfach geradeheraus darüber reden kann, wenn mir was nicht paßt...
Ich war mir schon immer selbst im Weg... und am Ende rächt sich das meistens. Ich weiß das nur zu gut.

Wie kann jemand anders das Chaos ordnen? Dafür müßte ich es ja erstmal schaffen, es passend und präzise zu beschreiben. Damit würde das letztlich mal wieder an mir selbst scheitern.

Und ja, das meine ich: Allein, sich zu fragen, ob man sich normal verhält... ist ganz einfach nicht normal. Kein anderer würde überhaupt erst auf die Idee kommen, seine eigenen Reaktionen und Empfindungen zu hinterfragen. Macht ja auch keinen Sinn, ein Dialog mit mir selbst endet zwangsweise in einer Sackgasse. Immer wieder.

Ich schalte schon ab, wenn jemand zu einem Monolog ansetzt. Und das sprichwörtlich. Mindestens einmal am Tag holt mich ein plötzliches irritiertes Schweigen zurück. "Du hast mir gar nicht zugehört, oder?"
Alles, woran ich mich dann erinnere, ist der Tonfall einer Frage, aber nicht der Wortlaut.
Bei einigen Leuten passiert mir das öfters als bei anderen.

Unterhaltungen wie diese hier wären live undenkbar für mich. Auf den Kopf heraus gefragt, würde ich höchstwahrscheinlich abstreiten, das je geschrieben zu haben. Spielsucht? Sowas gibt's doch gar nicht. Wonach soll man da 'süchtig' sein? Das macht keinen Sinn.

Das ist wohl die Antwort, warum ich nicht einfach mal über meinen Schatten springe. Ich bin ein Feigling. Ich hab Angst vor mir selbst und der Reaktion anderer. Es ist so unglaublich unsinnig...

Schlaft gut und ein schönes Wochenende.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:28:50
von Olli:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #50 am: 16 Februar 2019, 08:17:06 »
Guten Morgen TAL!

Zitat

    Wie kann jemand anders das Chaos ordnen? Dafür müßte ich es ja erstmal schaffen, es passend und präzise zu beschreiben. Damit würde das letztlich mal wieder an mir selbst scheitern.


Das Chaos ordnen kannst nur Du selbst! Aber ist das "säuberliche" Ordnen denn wirklich so wichtig? Es "passend und präzise" - also perfekt - in Worte zu fassen?
Das Chaos ist ein riesiges Puzzle, welches man nicht in einem Zuge fertigstellen kann. Da legst Du heute ein paar Teile zusammen und morgen oder übermorgen die Nächsten. Das über Wochen, Monate und Jahre. Du wirst merken, dass das mal gut funktioniert und dann findet sich gerade mal keine Übereinstimmung. Vielleicht gehen auch ein paar Puzzlestücke verloren.
Wer hängt sich schon ein fertiges 10.000 Teile (10 K :) ) bildendes Puzzle mit Fehlstellen an die Wand?
Es geht nicht um das Endprodukt - es geht um das Puzzeln an sich.
Und auf der Suche nach Übereinstimmungen legt man auch mal falsche Teile aneinander und prüft sie so.

Ich habe in meinem ersten Forum damals einige Beiträge geschrieben, die ich Monate später einfach nur für Schrott hielt.
Darüber mache ich mir aber keine Gedanken - zum Zeitpunkt des Schreibens waren sie "perfekt".

Zitat

    Ich schalte schon ab, wenn jemand zu einem Monolog ansetzt. Und das sprichwörtlich. Mindestens einmal am Tag holt mich ein plötzliches irritiertes Schweigen zurück. "Du hast mir gar nicht zugehört, oder?"
    Alles, woran ich mich dann erinnere, ist der Tonfall einer Frage, aber nicht der Wortlaut.
    Bei einigen Leuten passiert mir das öfters als bei anderen.


Das passiert mir andauernd ... ich folge dann meinen eigenen Gedanken ... oder ich schalte einfach ab ...
Habe mich tatsächlich schon gefragt, ob es nicht ein Aufmerksamkeitsdefizit ist.
In anderen Situationen bin ich über Stunden die Aufmerksamkeit in Person - würde das einem Defizit nicht wiedersprechen?
Also ist es mir egal - es ist, wie es ist - ICH bin, wie ICH bin ... zurück zum Thema - keine weiteren eigenen Ablenkungen mehr ... :)

Zitat

    Und ja, das meine ich: Allein, sich zu fragen, ob man sich normal verhält... ist ganz einfach nicht normal. Kein anderer würde überhaupt erst auf die Idee kommen, seine eigenen Reaktionen und Empfindungen zu hinterfragen.

Na, dann lese mal diese Zeilen, auf die mir bisher niemand eine Antwort geben konnte:
Wann ist zu wenig, wann genug und wann zu viel?
Du bist bei Weitem nicht alleine mit Deiner Frage!
Ich habe über 20 Jahre am Automaten gespielt. Doch vorab gab es die Telespiele bei mir - im Freibad, in der Frittenbude und weiss der Geier noch wo.
Mit ungefähr 5 Jahren bekam ich eine der ersten Consolen auf dem Markt. Dort konnte man Tennis oder Squash spielen mit einem Lichtpunkt - der Schläger war ein weisser Balken, den man an der Console mit einem Drehknopf bewegen konnte.

Wenn ich mich also frage, ab wann meine Sucht begann oder ob es eine "normale" Zeit vor meiner Sucht gab, an die ich mich noch erinnern kann, dann kann ich nur auf den Schluss kommen: Meine Defizite, die mich später spielen ließen, waren schon immer da - ich war immer süchtig!
Ist es dann nicht doch "normal" mich zu fragen, was an mir "normal" ist und was nicht?
Mich zu hinterfragen, an welchen Schrauben ich noch drehen darf oder sie akzeptieren darf, so wie sie sind?

Nein, mit Deiner Frage bist Du nicht alleine. Und die Menschen, die sich hinterfragen, müssen auch nicht zwangsläufig süchtig sein.
Der eine macht es etwas mehr - der andere etwas weniger - aber alle Menschen hinterfragen sich ... irgendwann und irgendwie ...

Zitat

    Unterhaltungen wie diese hier wären live undenkbar für mich.

TAL ... genau wie bei Dir, ist Schreiben mein Ding ...
Hier kann ich die Grammatik kontrollieren, den Satzaufbau, sich wiederholende Wörter entfernen und durch andere ersetzen.
Ich kann ganze Zeilen wieder entfernen - herauslesbare Gefühlszustände abändern oder belassen.
Ich kann meine Texte "perfekt" wirken lassen.

Aber das ist nicht das "Leben" dort draussen vor dem Bildschirm. Hier muss ich Wagnisse eingehen.
Z.B. das Wagnis, mich eben nicht perfekt ausgedrückt zu haben.
Das erinnert mich gerade an meine direkte Vorgesetzte ... sie möchte auch nie etwas Falsches sagen.
Doch beim Nachdenken verdreht sie dann regelmäßig die Augen und zielt mit ihnen auf einen imaginären Punkt irgendwo seitlich über sich.
Ist das "perfekt"? Nö ... muss es aber auch nicht ...

Auch Du musst nicht perfekt sein!
Traue Dich Fehler zu begehen!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:29:11
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #51 am: 16 Februar 2019, 22:35:03 »
Zitat von: TAL am 16 Februar 2019, 03:52:20


    Wie kann jemand anders das Chaos ordnen? Dafür müßte ich es ja erstmal schaffen, es passend und präzise zu beschreiben. Damit würde das letztlich mal wieder an mir selbst scheitern.

Jedes Deiner Worte berührt mich. Ich habe meinen  Chaos im Kopf immer ungefiltert ausgesprochen und das verückte ist, das andere dieses Chaos das ich selber nicht greifen kann genau das können, weil Sie das so genau kennen. Es geht beim ordnen nicht um schöne Worte sondern um das Gefühl. Wenn ein anderer mit mir spricht und ich spüre das er mich erkennt dann ist das geordnet, mehr braucht es nicht.

Du bist einer der Persönlichkeiten vor denen ich mich verneige. Du berührst mich mit Deinen Beiträgen.

Zitat von: TAL am 16 Februar 2019, 03:52:20

    Unterhaltungen wie diese hier wären live undenkbar für mich. Auf den Kopf heraus gefragt, würde ich höchstwahrscheinlich abstreiten, das je geschrieben zu haben. Spielsucht? Sowas gibt's doch gar nicht. Wonach soll man da 'süchtig' sein? Das macht keinen Sinn.

    Das ist wohl die Antwort, warum ich nicht einfach mal über meinen Schatten springe. Ich bin ein Feigling. Ich hab Angst vor mir selbst und der Reaktion anderer. Es ist so unglaublich unsinnig...


Das tolle an der SHG ist ja gerade,  dass du dort nichts leisten musst. Wenn Du Dich nicht traust Doch zu zeigen,  dann hörst du einfach zu. Mit der Zeit werden sich Deine Ängste auflösen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:29:34
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #52 am: 18 Februar 2019, 01:31:42 »
Wenn ich hier lese, fängt es oft an, sich zu überschlagen, aber ich brauche immer etwas Ruhe, um was zu schreiben, meine Gedanken 'laufen zu lassen'. Das ist immernoch irgendwie seltsam und leicht unangenehm, und geht nur, wenn ich einigermaßen ungestört bin. Das ist gerade am Wochenende manchmal schwierig. Zuviel Trubel. Auf der Arbeit oder nebenbei lasse ich das auch lieber.

Gegenlesen oder korrigieren mache ich nur einmal. Wegen der Tippfehler. Sonst gibt's nen 'Timeout' - ich brauche einfach zu lange. Außerdem laufe ich sonst Gefahr, einfach alles zu löschen - weil's irgendwie konfus klingt. Nicht zu lange nachdenken, einfach abschicken.
Und ja, im normalen Leben kann ich keine Schreibfehler korrigieren, und reden kann ich noch viel schlechter als schreiben. Darum mag ich es auch nicht sonderlich. Das Reden, meine ich, nicht das Leben, das ist ganz okay.

Hab mich anfangs überhaupt nicht getraut, was zu schreiben. Nach meinem ersten Beitrag überhaupt (nicht hier) dachte ich 'Was machst du da überhaupt?'. Dabei war das nur sehr allgemein und wenig persönlich. Als ob mich irgendjemand verurteilen würde. Gerade dort. Total bescheuert. Dann fragte einer "Danke. Das macht Sinn. Wenn ich fragen darf: Biste Spieler oder Angehöriger?" Wie kommt die denn auf sowas? Was hat mich verraten? (Tip: Vielleicht die Tatsache, daß ich überhaupt erst dort war?!) Das hat mich irgendwie kalt erwischt. Dabei war es gar nicht wertend, sondern rein interessehalber. Mich da zu einer Antwort durchzuringen hat drei Tage gedauert. Dummerweise hat sie's trotzdem noch gelesen und die Reaktion war dann absolut nicht das, was ich erwartet hätte.

Es gibt diesen (und einige andere) Thread aufgrund eines Serverabsturzes nicht mehr, was ich irgendwie als Erleichterung empfand. Höhere Gewalt im positiven Sinne, mein Gebrabbel (inklusive des unangenehmen Outings) war weg. Bin nochmal davongekommen. Alles vergessen. Ich war fein raus. Dann bekam ich eine Nachricht. "Wie geht es dir? Ich hab mir Sorgen gemacht, weil ich dachte, du hättest einfach alles löschen lassen."
Das hat mich dann doch ein wenig überfordert.

Gegen meine Forenanfänge ist das hier gar nichts. Und das ist gerade mal sieben oder acht Monate her. Also ja, es wird besser mit der Zeit. Einfacher.

Ich hab eben das von Andreas gelesen
Zitat

    Ist der Ruf erst ruiniert,
    lebt's sich gänzlich ungeniert.

Ironisch und überspitzt, aber manchmal denke ich, daß genau das (im kleinen Stil) eine unglaubliche Erleichterung wäre. Nur hat da jemand anscheinend immernoch was dagegen, plötzlich im Lichtkegel zu stehen. Das gibt nach wie vor heftige Gegenwehr.

Ich war schon immer der heimliche und in sich gekehrte Typ. Meine Schwester ist das genaue Gegenteil. Immer frei raus und mit dem Kopf durch die Wand. Das hat ihr viel Ärger eingebracht und nichts bewirkt außer noch mehr anzuecken. Ich dachte mir damals schon, das bringt doch nichts. Ihr könnt mich alle mal. Macht doch, was ihr wollt und laßt mich in Ruhe.
Habe viel ausprobiert und wieder gelassen. Ich gelte als gelassen und ausgeglichen. Mir war und ist es egal, was andere machen, selbst wenn ich daneben sitze, solange man mich in Ruhe läßt. Leben und leben lassen. Das einzige, wo ich echt übertrieben hatte, war das Trinken. Das erledigte sich aber, als ich aus meinem Elternhaus in einen anderen Stadtteil zog. Ich ging noch zur Schule, aber es gab mir die Möglichkeit, mein privates Umfeld fast komplett zu wechseln. Wen ich meiden wollte, dem mußte ich nicht mehr über den Weg laufen. Das war aus mehr als nur diesem Grund ein Segen und ersparte mir, im Nachhinein betrachtet, wahrscheinlich so einiges. Ich hatte es geschafft, mein Leben neu zu ordnen, hatte eine wunderbare Beziehung und neue, positive Herausforderungen. Für einige Zeit war dann alles ganz normal.
Das Spielen kam bei mir also zu einem Zeitpunkt, zu dem ich mit dieser Phase eigentlich schon durch war. Wie wohl bei den meisten war es purer Zufall, oder besser gesagt, aus einer Laune heraus. Die dümmste 'spontane Eingebung' meines Lebens. Das war ein paar Monate vor der Euro-Umstellung, ich muß damals gerade 19 gewesen sein. Im Vergleich zu den meisten also vergleichsweise spät.

Ich denke, daß ich mit dem Puzzle im letzten Jahr weitergekommen bin als in der ganzen Zeit zuvor. Zumindest habe ich wenigstens mal angefangen.
Aber auch das war ungeplant und reiner Zufall. Ich hätte nie gedacht, daß ich überhaupt jemals ein Wort darüber verlieren würde. Ich wollte einfach nur vergessen. Erst war es unangenehm, ich fühlte mich ertappt und so unendlich dumm, aber es ist auch sehr befreiend. Erstaunlich, wie gut es tut, manche Sachen einfach mal rauszulassen. Es kennt mich ja niemand. Wobei mir sowas wie bei 'Neues ICH' auch passieren könnte, einiges ist ja schon ziemlich persönlich. Irgendwie denke ich mir aber 'Sei's drum'. Wer das liest, hat einen Grund, hier zu sein.

Mir ist es eigentlich auch egal, was andere denken, solange man mich zufriedenläßt. Ich frage mich eben nur, ob es nicht anders sein sollte.
Außerdem kommt es auch immer auf die Fehler an...
Es hat sich immer schon viel in meinem Kopf abgespielt. Auch vorher schon. Insofern habt ihr vielleicht recht. Das ist wohl mein 'Normal'. Ist nur noch ein bißchen was hinzugekommen.

Ich finde es ehrlich gesagt ein wenig verwirrend, und fühle mich irgendwie 'ertappt', wenn jemand anders recht gut versteht, sogar besser als ich, was mich nicht zur Ruhe kommen läßt, obwohl ich es nichtmal genau benennen kann. Ich weiß, wie es sich anfühlt, aber ich kann es einfach nicht beschreiben.

Die verstörendsten 'Ängste' sind die, von denen man im Grunde weiß, daß sie unsinnig sind und einen nur hemmen. Ist wie Fliegen. Ich hasse es. Da krieg ich jedes Mal Panik. Trotzdem lächle ich und mache es. Wird nicht besser. Aber mein Verstand sagt "Was für ein Blödsinn.", ich buche den Flug, und wenn der Tag näherrückt, fange ich an, es zu bereuen. Aber da muß ich dann durch.
Es ist nicht das Fliegen selbst. Ich hasse das Gefühl. Ich kann nichts tun außer stundenlang auf die Geräusche zu hören. Das macht mich wahnsinnig.
Das ärgert mich maßlos, weil es so unnötig ist.
Wie andere Dinge, vor denen ich mich fürchte, halt auch.

Danke Skip, ich arbeite an der Verständlichkeit. Das kann nur besser werden.

Gute Nacht euch. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:29:57
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #53 am: 18 Februar 2019, 13:08:30 »
Moin TAL,

ich bin klaustrophobisch, obwohl ich mir mit dem Verstand vorher, oder selbst in der Situation, immer sage, es kann doch überhaupt nichts passieren, beginne ich zu hyperventlieren bekomme Panikatacken. Beim älter werden wird das blöder Weise immer schlimmer. Ich hatte vor einigen Jahren einen schweren Bandscheiben Vorfall. Ich hatte den Nerv komplett abgeklemmt. Not OP.
Ich musste vorher in die Röhre. Der Arzt sagte ein Beruhigungsmittel vor der OP geht nicht. Wenn ich den ct nicht durchhalte kann nicht operiert werden. Ich bin in der Röhre fast gestorben, aber ich hab durchgehalten. Jahre später musste ich wieder im die Röhre, ich dachte, ach das halte ich durch hab ich ja schon mal. Nach 30 Sekunden habe ich den Alarm betätigt und gebettelt mich sofort daraus zu holen. Als ich raus kam liegen die Tränen bei mir nur so runter und meine Atmung musste erstmal stabilisiert werden.
In Gefahr war ich nüchtern betrachtet wegen des ct zu keinem Zeitpunkt. Ganz allein mein Kopf hat mich dann tatsächlich in eine Notsituation gebracht.

Ähnlich ist es mit dem spielen, der eine kommt an seine Grenze, weil er das gemeinsame Konto seines Partners missbraucht.Der andere kommt auch nach mehreren Raubüberfällen nicht an seine Grenze, oder noch besser  er kommt Jahre später auch an deine Grenze als er auch das Partnerkonto anfasst. Angehörige sagen oft, er ruiniert doch sein Leben, es geht doch nicht mehr weiter.

Was ist schlimm, was ist weniger schlimm. Der der 200 Euro verspielt hat kann mehr am Arsch sein als der Bankräuber.
Für Außenstehende ist das ähnlich wie mit der klaustrophobie überhaupt nicht zu erfassen weil die Wertung allein in meinem Kopf statt findet.
Weil das so ist, tut es mir so gut mich mit anderen in der SHG auszutauschen um dann Dinge zu erfassen die überhaupt nicht erfasst werden können.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:30:21
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #54 am: 18 Februar 2019, 22:48:07 »
Ja. Das ist Kopfsache, das ist ja grad das Problem...
Denn es gibt noch etwas anderes. Etwas, was noch unsinniger und wohl deutlich weniger verbreitet ist, und mir schon so einiges verbaut hat im Leben. Das hat auch ein bißchen was mit dem eigentlichen Thema zu tun, ist aber, wie so vieles, schwer in Worte zu fassen.
Ich habe ein Problem damit, fremde Gebäude zu betreten oder auf andere zuzugehen, ganz besonders, wenn ich derjenige bin, der 'etwas will'. Es fängt oft schon an damit, irgendwo an der Rezeption fragen zu müssen.

Verabrede ich mich mit Bekannten irgendwo, ist das kein Thema, auch in einer fremden Stadt oder so. Unbekannte sind schon schwieriger... und bin ich der 'Bittsteller', wird es wirklich sehr unangenehm. Ich habe schon so manches Vorstellungsgespräch oder andere Termine verpaßt, weil ich es nichtmal geschafft habe, überhaupt erst durch die Tür zu gehen. Angst ist allerdings das falsche Wort. Es ist eher eine Art von tiefer Beklemmung. Mein Kopf stellt sich quer "Ich muß das doch gar nicht. Eigentlich will ich das doch gar nicht... Geht auch ohne... wenn ich das so und so mache, brauche ich das jetzt nicht tun..."
Ich möchte nicht um etwas bitten, ich möchte nicht fragen. Ich möchte nicht derjenige sein, der im Mittelpunkt steht, den alle ansehen, von dem man etwas erwartet.
Ich bin gar nicht da. Seht woanders hin.

Ist das verständlich?
Es kommt eben immer drauf an, ob ich für mein Gegenüber eine bestimmte Person bin, oder nur 'irgendjemand'. Am Schalter oder im Supermarkt nach etwas zu fragen ist kein Problem. Zur Not frage ich einen Passanten nach dem Weg - geht auch, auch wenn ich's lieber nicht täte. Sobald ich aber ein Individuum bin, steigt dieses Unbehagen in mir auf. Der 'erste Eindruck' von mir ist katastrophal. Ich will einfach nur weglaufen und mich verkriechen, und zwinge mich dann quasi die ganze Zeit, auf dem Stuhl sitzenzubleiben, was den Großteil meiner Konzentration und Aufmerksamkeit erfordert. Ich will einfach alles nur hinter mich bringen. Man kann sich sicher vorstellen, wie das dann aussieht, wenn ich gleichzeitig versuche, meine Hände zu beschäftigen.
Von der Konversation mal ganz zu schweigen...
Es kommt also auch sehr oft vor, daß ich an meiner miesen Performance scheitere, sollte ich es doch mal schaffen, einen Termin wahrzunehmen.
Trotzdem bin ich hinterher einfach nur froh, daß es vorbei ist. Ich ärgere mich schon lange nicht mehr darüber. Was soll's? Dafür bin ich halt nicht geschaffen. Ich kann mich da sogar über mich selbst amüsieren. Was für ein Unsinn!
Da steh ich dann echt auf der Straße und lache leise - ist mir tatsächlich schon öfter passiert.

Sonst gibt es nicht viel, vor dem ich Angst habe. Ich laufe auch nachts durch den Park, wenn der Weg kürzer ist. Ist mir schnuppe. Gibt bei mir eh nichts zu holen. Die meisten Ängste kann ich nicht nachvollziehen. Dafür würden sich andere über meine totlachen.

Alles in allem klingt das grad irgendwie schlimmer, als es ist, bzw. so oft kommt das nicht vor. Aber es ist jedes Mal unglaublich lächerlich. Gehört wohl dazu, ich zu sein.

Meine persönliche Grenze war bis zuletzt, nie im Bekanntenkreis nach Geld zu fragen. Es sollte doch jeder denken, daß alles in Ordnung ist. Das wirft sonst nur Fragen auf und erzeugt unnötige Aufmerksamkeit, und das kann ich nicht gebrauchen. Sonst sieht noch jemand genauer hin. Muß anders gehen.... Schon ziemlich verschrobene Logik, bei anderen Sachen hatte ich deutlich weniger Skrupel.
Ja. Wir sind alle irgendwie verschieden, und wir nehmen auch die eigene Situation unterschiedlich wahr. Sieht man ja schon an mir. Die meisten lernen deutlich schneller und profitierten davon. Ich mußte erst ewig im Kreis laufen und dachte dabei noch, ich befände mich auf einer schnurgeraden Landstraße. Ohne Rückspiegel und gegen die Sonne hab ich den Unterschied nichtmal bemerkt.
Ich bin allerdings auch in so vielen anderen Punkten mein eigener schlimmster Feind, daß es schon fast etwas tragisch-komisches hat. Außer mir selbst sieht das wohl keiner so. Wie auch? Kann ja zum Glück keiner in mich reingucken.

Stimmt. Vergleiche machen nicht wirklich Sinn, da Wahrnehmungen subjektiv sind. Ich selbst würde in meinen eigenen Augen eh immer am schlechtesten abschneiden. Meine eigene Dummheit ist schon schwer zu übertreffen.

Über meinen Schatten springen zu können wäre manchmal so unendlich befreiend. Stattdessen bremse ich mich immer wieder selbst aus, ich kann's einfach nicht. Da beiß ich mir doch lieber die Zähne an meiner eigenen Inkompetenz aus. Das tut auch fadt gar nicht weh...
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:30:39
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #55 am: 25 Februar 2019, 23:39:31 »
Unbekanntes hat mir schon immer Angst gemacht. Die Angst wurde immer mächtig aufgepumpt.
Alles was ich nicht kannte habe ich erstmal schlecht gemacht. Ein ganz typisches Verhalten wie man in den Nachbarthreads auch lesen kann ich

Was aber für mich das tollste war, ich war mit meinen Phobien,  Ticks und meiner Wir auf die Welt trotzdem uneingeschränkt willkommen.
Ein Ort wo mich andere Menschen so annehmen wie ich eben gerade bin hast mich total berührt.
Zudem habe ich mich in vielen was ich hörte wiedergefunden  ein Ort wo ich dein kann und verstanden werde, Hammer.
Klar kam ich gerne wieder.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:30:57
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #56 am: 26 Februar 2019, 18:36:40 »
Diskussionen wie die von gestern und vorgestern habe ich schon öfters gelesen, mit teils viel drastischeren Worten. Und das an Orten, wo normalerweise schon das virtuelle Tipp-Ex rausgeholt wird, wenn jemand nur konkrete Summen postet. So habe ich das aber noch nie gesehen. Ich denke mir einfach: Es funktioniert bei anderen, und ich bin nun echt nichts Besonderes. Warum also nicht?
Rein logisch zumindest.
Als es wirklich schlimm war, wäre mir jedes Mittel recht gewesen, um mich nicht so fremd und verloren zu fühlen, persönliche Eitelkeiten und Vorbehalte hin oder her. Heute kann ich natürlich sagen "Man muß es nur wollen." Stimmt im Grunde auch, aber naja... so einfach war das aber trotzdem nicht immer. -.-
Euphorie und große Pläne, ich kann das, ich will nicht mehr!
Panik, ständig kam die nächste Zahlungsaufforderung, die ich vergessen oder verdrängt hatte, wie soll ich das machen, hört das denn nie auf?
Niedergeschlagenheit, und jetzt... was soll ich jetzt tun... ich kann nicht mehr...
Nicht unbedingt immer in dieser Reihenfolge.
Ich weiß nicht, wie das für andere war, aber ich war damit völlig überfordert.
All das kann aber ganz schnell verblassen. Denn wenn es darum geht, mir etwas Passendes zurechtzulegen, vergesse ich halt mal eben schnell, wie ich auf dem nackten Fußboden saß, alles hinschmeißen wollte, und mich fragte, warum die Welt mich haßt.
Die Zähne zusammenzubeißen hilft kurzfristig gegen die Symptome, aber ändert nichts an der Ursache. Mein größtes 'Glück' ist wohl, daß das bis heute gutgegangen ist. Eine Erkenntnis, die ziemlich entmutigend sein kann.

Ja, die Angst vor dem Unbekannten kann übermächtig sein, dabei habe ich mich nichtmal selbst verstanden. Natürlich gab es etwas, das ich unbedingt wollte (und vielleicht manchmal unterbewußt auch noch will). Geld war es aber nicht. Ist das nicht irgendwie absurd?

Keine Kinder zu haben hat bei mir also eher weniger etwas damit zu tun, daß ich Angst hätte, deren Spardosen zu plündern, sondern mehr damit, daß ich mich dem nicht gewachsen fühlen würde. Ich muß ja erstmal mit mir selbst klarkommen. An manchen Tagen bin ich mir selbst schon zuviel, da könnte ich gar nicht für andere da sein. Was, wenn ich das nicht hinbekomme? Ich muß 'funktionieren', und kann nicht einfach mal die Augen schließen und dichtmachen, wenn jemand auf mich angewiesen ist. Alles oder nichts.
Das fällt wohl auch in die Kategorie 'unbekanntes Risiko'. Da sollte ich besser einen großen Bogen drum machen.


Naja... noch ein nichtssagender Beitrag. Ich sollte ein Buch schreiben "Tausendundeine Variante des Selbstbetrugs".
Das ist wohl eins der wenigen Dinge, die ich ganz gut beherrsche. Denn, im Ernst... Ich sollte mich eher fragen: Was ist schon ein Raum voller unbekannter Leute gegen die anschließende Erleichterung, über meinen Schatten gesprungen zu sein?
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:31:17
von Olli:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #57 am: 26 Februar 2019, 20:52:29 »
Zitat

    Was ist schon ein Raum voller unbekannter Leute gegen die anschließende Erleichterung, über meinen Schatten gesprungen zu sein?


Überredet ... ich fahre noch mal zum nächsten Treffen ...  ;D
Gespeichert
Gute 24 h
Olaf
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:31:37
von AndreasG:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #58 am: 27 Februar 2019, 10:00:00 »
Heute Morgen habe ich mir den Satz gesagt:

Die Selbsthilfegruppe wird ohne dich auskommen,
aber du wirst die Selbsthilfegruppe brauchen.

Die Antwort auf diese Methapher hat mir das Meeting Gestern Sbend gegeben.
Ich bin gerade sehr dsnkbar.

s24h Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:31:57
von Peter02:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #59 am: 27 Februar 2019, 10:48:51 »
Heute Tag 1 nach dem Forderungsverzicht,  hatte den Gedanken  13 Monate zurück zu fordern, den aber genau so schnell verworfen wie er gekommen war. Demut soll mein Antrieb werden, zufrieden damit sein was ich habe, meine fast 25 Jahre lange Spielsucht soll zu Grabe getragen werden. Der Selbstbetrug wird Vergangenheit sein, mir geht richtig gut und sehe ein Leben vor mir ohne Spielen,  dafür mit viel Lebensqualität. Das letzte mal hab ich am 28.12.18 gespielt Online Casino,  meiner Meinung nach das Heroin des Spielens, schneller hatte ich mich in all den Jahren nie so ruiniert. Selbst als ich mehrere Tausend im plus war , musste ich so lange klicken bis ich auf null war, wie ein Magnet was ich nicht abschalten konnte. Das "Ich schaff das alleine" ist zu Zeit noch stärker als das " geh doch einfach mal hin" in mir. Warum eigentlich trau ich mich den Schritt in eine SHG zu gehen. Das raus zu finden wird mein nächstes Ziel sein.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:39:34
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #60 am: 27 Februar 2019, 13:07:52 »
Moin TAL,

es geht mir darum,  ob ich der tollste Hecht im Pool bin. Bewertungen in einem Forum sind geradezu lachhaft und widersinnig.  Ich habe einige Male solche Scharmützel bis zur Karikatur übertrieben. Die anderen Beteiligten haben das nur leider nie verstanden.
In einem Meeting gibt es so etwas nicht. Allen Beteiligten ist klar, das es darum geht mich zu zeigen und nicht darum wieder zu beweisen wie toll ich bin.
Wenn ich so toll wäre, wäre ich nicht spielen gegangen. Das gilt ausnahmslos für alle. Das nasse Spieler das nicht sehen wollen oder können gehört zum Krankheitsbild.

Genau, es geht überhaupt nicht darum, ob ich an die Spardose meiner Kinder gehe oder nicht. Es geht darum, ob ich für Kinder Sorgen kann. Als Spieler sicher nicht.  Die Auswirkungen für Kinder in Suchtfamilien sind verheerend.
Und dabei geht es noch nicht mal um die direkten Auswirkungen.
Mit meinem Kind zu spielen, mit den Gedanken jedoch beim Spielen, bei der Geldbeschaffung oder bei Börsenkursen zu sein haben alleine schon die verheerenden Auswirkungen.
Genau das sind doch die Themen angeschaut zu werden. Es gibt keinen Spieler, der anderen keinen Schaden zugefügt hat, wenn das klar ist, brauche ich mir auch keine Gedanken machen ob ich jemanden nicht meine Hände reichen möchte.

Mithilfe der Meetings habe ich ein komplett neues Leben geschenkt bekommen, ich Lebe wofür ich bestimmt bin, das spüre ich von ganzem Herzen.

Wenn es jemanden besser geht, wenn er sich mir überhöht oder mein Leben verhöhnt, bitte. Ich bezweifle nur sehr, das deshalb jemand spielfrei wird.

Beiträge wie Deine TAL berühren mich sehr, ich würde mich freuen Dich beim Deutschlandtreffen von GA kennen zu lernen

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:39:54
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #61 am: 27 Februar 2019, 17:51:21 »
Ob naß oder trocken... das macht da bei mir wohl nicht so den großen Unterschied. Das 'Ich-Schaff-Das-Alleine' hält sich auch bei mir sehr hartnäckig, und da ich mal davon ausgehe, daß das nicht unbedingt bei mir um die Ecke wäre, bräuchte ich eine triftige Erklärung, die ich nicht hätte.
Und wenn ich mal realistisch drüber nachdenke... Mal ehrlich... ich glaube doch nicht wirklich, ich würde tatsächlich mal etwas ändern... wem will ich das erzählen? Mir? Haha... guter Witz.
Trotzdem danke für eure Geduld.
Hätte, hätte, Fahrradkette, ich kenne mich, ich werde sowieso nichts tun, ihr verschwendet bei mir nur eure Zeit. Sorry dafür, das ist einfach nicht in Ordnung. Das ärgert mich gerade, ich will das nicht.
Eigentlich hatte ich nur kurz meine Gedanken zur Eingangsfrage aufgeschrieben. Ich hätte es, wenn überhaupt, dabei belassen sollen, statt fünf Seiten lang rumzusülzen. Nur heiße Luft. Meine Güte, ich kling wie ein pathetischer Fernsehprediger in einer Endlosschleife, der die ganze Zeit versucht, den Leuten (und vor allem sich selbst) Bockmist zu verkaufen.
Hat jemand nen Keks für mich?

Bah...!




Immer gerne, Olli. :P

... ja... sag ich ja... ich sollte einfach den Mund halten.

Trotzdem einen schönen Feierabend allen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:40:10
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #62 am: 27 Februar 2019, 22:08:51 »
Moin TAL,
warum bist Du so streng mit Dir?
Alles hat seine Zeit.  Eine Sucht aufzuhören hat immer ein Zeitfenster. Ist es verschlossen muss ich warten bis es sich wieder öffnet.
Als mein erster Sohn geboren wurde wollte ich mit dem Rauchen aufhören. Nach meinem Scheitern blieb das Fenster 7 Jahr geschlossen.

@Peter,
es ist keine Schande Krank zu sein,  es ist eine Schande nichts dagegen zu tun.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:40:29
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #63 am: 27 Februar 2019, 23:40:53 »
Ich hab mal mit dem Rauchen aufgehört. Fast zwei Jahre, bis letztes Jahr im Juli. Ich wollte eine rauchen, fertig. Natürlich blieb es nicht bei einer, auch das war klar, und es wird wohl noch ein wenig dauern, bis ich es wieder in Angriff nehme. Ich rauche wieder ab und an. Momentan würde wieder ganz aufhören aber nicht funktionieren. Es wäre nicht realistisch. Wie so vieles.

Streng mit mir selbst? Einer muß es ja sein.
Mein letzter Beitrag war schon ein wenig unrühmlich. Noch eine meiner Glanzleistungen.
Okay. Ich versuch's nochmal von vorne. Ich hoffe, das macht es nicht noch schlimmer. Schreiben ist nicht ideal in diesem Fall.

Wenn sich jemand die Mühe macht, mir zu antworten, mir etwas mitteilen will, denke ich drüber nach und sage auch etwas dazu. Schon allein, um zu zeigen, daß es angekommen ist. Das hilft mir ja auch selbst nicht unerheblich. Und in diesem Fall.. ganz ehrlich... Ich fand es schön, von euch zu lesen. Es fühlte sich gut an, daß jemand sagt "He, du...". Das hatte ich absolut gar nicht erwartet, es hat mich überrascht. Das war höchst verwirrend für mich.
Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich es aber gar nicht erst geschrieben, auf gar keinen Fall. Zu tiefgehende Unterhaltungen standen an dem Tag eigentlich nicht auf meinem Programm. Ich kann damit nicht umgehen, darauf war ich nicht vorbereitet. Aber nun war es zu spät. Etwas in mir wollte alles rauslassen - scheiß drauf, etwas anderes hätte mich am liebsten geohrfeigt. "Hört auf damit, ich will nicht darüber reden. Ich will nicht wirken als wäre ich nicht richtig im Kopf."
Aber da sprudeln dann Sachen raus, ungefiltert, ohne daß ich mir die nötigen Gedanken mache. Verdammt... egal... es hat ja keinerlei Konsequenzen für mich. Plopp... völlig am Thema vorbei. Ich habe über Sachen nachgedacht, die ich so noch gar nicht gesehen hatte, oder lieber nicht sehen wollte. Befreiend und befremdlich, aber es tat unglaublich gut.

Ich erwecke sicher den Eindruck, als würde ich gerne viel schreiben. Ganz im Gegenteil. Ich hasse es. Weil es so schwer ist, den Punkt zu treffen, manchmal sogar selbst mit Gestik und Mimik. Aber ich will auch nichts einfach so stehenlassen. Also versuche ich es zumindest.
Dadurch entstehen dann die endlosen Beiträge. Der Wunsch, mich vernünftig zu erklären (was oftmals wohl gar nicht möglich ist), und eventuell auch zu rechtfertigen.
Ich tue es wohl grad schon wieder...

Kommunikation ist nicht so meins, da verheddert man sich nur.
Tut mir leid. Ich wollte nicht schroff sein. Habe mich nur geärgert über mich. Weil... warum bilde ich mir ein, ich könnte über Nacht eine Mauer in meinem Kopf einreißen? Und was fällt mir ein, offen so zu tun, als wäre mir das möglich? Mich selbst zu verschaukeln ist schon schlimm genug.
Ja, auch wenn es anfangs seltsam war, ich mag diesen Thread, er hat mich über vieles nachdenken lassen und mir geholfen, einiges besser zu verstehen - oder, alternativ, gar nicht mehr unbedingt verstehen zu wollen. Aber hier weiterschreiben wäre egoistisch, denn ihr seid alle so hilfsbereit, und ich bin ein sturer Esel. Ich verstehe, was man mir sagen will, sehr gut sogar, ich würde anderen teilweise genau dasselbe sagen. Aber ich tue mich schwer, es auf mich selbst anzuwenden. Das ist heuchlerisch und falsch.

Weißt du, ich mag eigentlich 'hier sein', aber warum fühle ich mich so schäbig dabei?
Verdammt, ich weiß, warum. Ich will nicht zu optimistisch rüberkommen, ich will eure Hilfsbereitschaft nicht ausnutzen, wenn dann am Ende eh nichts dabei rumkommt. Denn, trotz all der positiven Gedanken... tief im innersten weiß ich doch genau, wie ich ticke. Gut erkannt - ich steh mir selbst im Weg. Immer schon. Ich kenne das nur zu gut.

Ich darf einfach nichts 'versprechen', was ich nicht halten kann.


Das war nur eben ein Nachtrag.

Gute Nacht euch.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:40:48
von Olli:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #64 am: 28 Februar 2019, 06:36:05 »
Guten Morgen TAL!
Zitat

    Ich habe über Sachen nachgedacht, die ich so noch gar nicht gesehen hatte, oder lieber nicht sehen wollte. Befreiend und befremdlich, aber es tat unglaublich gut.


Und es ist Dir in Erinnerung geblieben, dieses Gefühl.
Und Du schreibst weiter und weiter - lässt Sachen raus und saugst Andere wieder auf.

Wenn man so will, hast Du Deine Mauer des Schweigens in Schwingungen versetzt und sie bröckelt gewaltig.
Tut sie hier und da weh? Ja - aber das wird zur Nebensache - die Vorteile überwiegen.

Noch nie habe ich so schöne Beiträge gelesen, in der die Ambivalenz unserer Gedanken so prima herausgearbeitet wurde.
Das war ein Lob - genieße es ohne es kleinreden zu wollen ... Du hast es verdient!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:41:06
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #65 am: 28 Februar 2019, 07:54:47 »
Zitat von: TAL am 27 Februar 2019, 23:40:53

    Denn, trotz all der positiven Gedanken... tief im innersten weiß ich doch genau, wie ich ticke. Gut erkannt - ich steh mir selbst im Weg. Immer schon.....

Moin Tal,

ich kann mich Ollis Worten anschließen,  das Zitat von Dir ist mir noch ins Auge gesprungen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt,  daß wir alle genau wissen wie wir ticken.  Der, der das für sich erfahren hat,  der bei sich darauf zugreifen kann,  der kann auch in anderen lesen. Ob jemand sein Geld aus dem CB wieder verzockt oder nicht, das ist schon vorher beschlossene Sache.
Ich schreibe hier nicht um dir zu helfen,  ich schreibe hier um mir zu helfen.  Wenn da jemand ist,  der mich berührt,  wie Du,  dann freut mich das.

Weist Du, ich war Spieler durch und durch, ich wollte nie etwas anderes als Spielen. Bis in den Tod. Als ich dann das erste mal zu GA kam, da wurde meine Wand schon mächtig erschüttert,  viel mächtiger als ich es hätte mir jemals vorstellen können.  Sogar mein schon terminierter Selbstmord kam erstmal in die Wiedervorlage.
Ich hatte etwas Bis dahin nie gekanntes erfahren, "Hoffnung" vieleicht sogar für mich.

Ich trage im mir einen Satz der begleitet mich mein Leben lang.  Der Satz ist noch immer in mir, nur erlaube ich es nicht einen Aussenstehenden Ihn zu aktivieren.
Ich habe total verrückte Sachen gemacht, um mich darin sicher zu machen, es Aussenstehenden nicht zu erlauben.
Dieses Ringen,  das unmögliche möglich zu machen,  das ausprobieren, das langsame umschreiben dessen was tief in mir meinen Weg bestimmt.
Das war mein Aufbruch in die Freiheit.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:41:24
von AndreasG

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #66 am: 28 Februar 2019, 09:27:18 »
Hallo Tal,

beim Lesen Deines Beitrags kam mir ein Lächeln auf die Lippen,  es geht an das Gefühl,  an das sich srlber im Geschriebenen zu entdecken,  wie der Postflieger, der über der Sahara abstürzte, und dort ein scheinbares Kinderbuch schrieb,  nur um sich finden zu lassen.  So empfinde ich diesen Tfead.

Eine schöne Gabe, schreiben zu können, Taro erkennt eine Hoffnung,  und mir wird traurig,  wril ich mrine Kleinen Reiseberichte nicht mehr schreibend nachempfinden mag.Wenn sich etwas ins Herz verschließt,  bleibt es intim, und wenn es gut zu mir pasdt, dsnn kann ich es in Würde und Dankbarkeit tragen.
Ich habe immer gedacht, im Schreiben meiner Lebensinventur müsste alles tief schwarz sich in einer grotesken Dramaturgie verirren, aber es gibt ferner erkennbare Lebens Strukturen.

Nun will ich eigentlich zum Friseur,  Ordnung in meine Grauen Hasre bringrn lassen,  und schreibe,  wie es auf dem Tblet unkompliziert do vor dich geht.

Liebe Grüße
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:41:41
von Taro:


@Peter02,

Online Casino sei das Heroin des Spielens sagtest Du.
Das habe ich bei der Spielbank Hamburg so empfunden. Im Nachhinein bin ich dafür sehr dankbar, weil es mir ein endloses Leiden erspart hat. Ich habe sehr schnell die Einsätze und damit die Geldbeschaffung erhöht. Hatte Kontakt mit Menschen die will ich überhaupt nicht kennen.
Es gibt kein zurück mehr, würde unweigerlich für mich tödlich enden.

Vielleicht sollten Junkies wenn der Dealer hops genommen wurde auch das gezahlte Geld der letzten 13 Monate zurückbekommen.  Vielleicht sind die dann ja auch wundergeheilt😉
Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:42:00
von Peter02:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #68 am: 28 Februar 2019, 21:56:24 »

@Peter,
es ist keine Schande Krank zu sein,  es ist eine Schande nichts dagegen zu tun. Du hast vollkommen recht, mein Problem ist das ich noch soviel andere Probleme habe, .meine Frau leidet an einer chronischen Krankheit, für die ist Stress der Auslöser..... meine Tochter ist kurz vorm Abi.... und kämpft mit ihrer Pubertät und wir auch......ich möchte einfach nicht ,meine Probleme zu ihren machen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:42:20
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #69 am: 28 Februar 2019, 23:32:01 »
Guten Abend,

'weiter und weiter'... ja, anscheinend schon. Mhhh... Vor dem Schreiben habe ich Zweifel, danach denke ich irgendwann "Autsch... aber ist jetzt zu spät". Mein erster persönlicher Beitrag im Forum kam nur zustande, weil ich den Fehler gemacht hatte, betrunken auf eine Frage zu antworten. Peinlich, was für eine Farce. Gott, war das unangenehm, aber am nächsten Morgen hatten es zuviele gelesen, um es noch unbemerkt zu löschen. Die Mauer ist wohl sehr hoch.
Denn, ja, sie gibt mir ein Gefühl von Komfort und Sicherheit. Es gibt nur keine Tür, dadurch bleiben auf beiden Seiten die Dinge immer gleich, und ich kann nichts vermischen ohne das mühsam errichtete Gleichgewicht zu gefährden, somit ist die Abgeschirmtheit gleichzeitig eine Art von Isolation. Trotzdem besser als die Alternative, denn die Erinnerungen können wehtun, die gefallen mir nicht, ich möchte sie am liebsten lassen, wo sie sind. Für immer. Geht einfach weg. Diese Mauer umzuwerfen ist wirklich nicht leicht. Hat man aber erstmal einen Hebel zum Ansetzen gefunden, geht der Rest von allein, auch wenn man hinterher Blasen an den Händen und schmerzende Arme hat. In dem Moment merkt man das aber seltsamerweise nicht, da geht alles wie von selbst. Anschließend sitzt man dann verwirrt da... 'He... ich lebe ja noch. War doch gar nicht soo schlimm.'
Man muß nur aufpassen, daß sie sich nicht wieder selbst aufbaut, da hat sich im Laufe der Zeit nämlich irgendwie eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Den Status Quo erhalten - um jeden Preis, alles andere ist in diesem Universum einfach nicht drin. Da steht dann der Kobold mit der Maurerkelle obendrauf, stampft mit dem Fuß auf, und kreischt "No. Fucking. Way!!!"...
und am nächsten Morgen ist alles wieder fast wie vorher. Aber die kaputten Steine und der Kitt werden mit jedem Mal instabiler.
Was für ein sinnloser Kraftaufwand, aber Sichtschutz war immer schon sehr wichtig für mich. Das funktioniert nämlich in beide Richtungen, und dafür hätte ich mir zeitweise sogar ein sprichwörtliches Bein ausgerissen - oder halt eben die beleidigte Leberwurst gespielt.

Die Mauer funktioniert aber nicht immer perfekt. Manchmal kommen mit Geräuschen, Situationen oder Orten assoziierte Empfindungen plötzlich hoch, und dann trifft mich das wie ein Schlag. Da fühle ich mich dann schuldig, nervös, beschämt oder muß einfach nur lachen wegen meiner eigenen Dummheit.
Lustigerweise sind die Nähkästchengeschichten meiner Kollegin inzwischen gar nicht mehr weiter schlimm. Das ist halt ihre Welt, ihre Sicht auf die Dinge. Von ihrem Standpunkt aus war das die Realität. Wie sollte es auch anders sein?
Plötzliche 'Rückblenden' irritieren mich da deutlich mehr. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen, auch wenn's selten vorkommt.

Ja, es gibt ein Leben nach dem Nichts, es ist niemals hoffnungslos. Ich habe das auch geglaubt. Habe mich selbst verlacht, sowas Absurdes wie einfach mal bloß in Jogginghose auf dem Sofa in einen stinknormalen Tag hineinzuleben überhaupt auch nur in Betracht zu ziehen. Träum weiter.
Aber letztlich kann ich das genauso unterschreiben: Ich wollte immer Spielen. Hatte ich Geld, war klar, wo es landet. Hatte ich keins, mußte ich welches organisieren. Zeit mußte ich auch freischaufeln, ungestört sein. All das hat mich vollends ausgelastet. Tag für Tag. Warum habe ich mich so gestreßt? Wofür? Ich habe es sooo gehaßt, aber ich glaubte ganz fest, es gäbe gar keinen anderen Weg für mich. Der Gedanke, bis zum Ende meiner Tage ohne auskommen zu müssen, war für mich einfach unvorstellbar. Das muß doch anders gehen... eines Tages würde das sicher schonmal wieder in Ordnung gehen. Ich habe diesen Tag anfangs immer weit nach hinten geschoben. Auf jeden Fall war er bei mir nie heute oder morgen... und auch sonst idealerweise an keine Daten oder Bedingungen geknüpft (das klappte anfangs nicht immer). Vielleicht, vielleicht auch nicht... entscheide ich dann ein andernmal. Irgendwann fragte ich mich dann gar nicht mehr, wann er denn mal kommt. Dafür war ich mir aber umso sicherer... Ich will nicht zurück! Diese Art von Gewißheit ist für mich sehr wertvoll. Ich muß nicht - ich will.

Ich erinnere mich, wie mich hier mal jemand fragte, was ich denn mit 'antrainierter Selbstzerstörungsmechanismus' meine. Ich konnte das nicht wirklich erklären, kann es immernoch nicht so richtig, aber ich bin mir sicher, daß das bei mir eine Rolle spielte. Wie mit den Pawlow'schen Hunden, eine Reaktion auf irgendeonen Auslöser, die dann wie auf Autopilot abläuft. Klick. Irgendwo davor liegt der 'Point of no Return'. Klappe zu, Affe tot, war erstmal eine Grenze überschritten, gab es kein Zurück mehr... die Schwelle war so schon extrem niedrig, und geschicktes subtiles Weichenstellen half, sie noch weiter runterzusetzen. Das geschah weit im Voraus. Ein Aus-Knopf wäre Gold wert gewesen. Im Kopf meine ich. Aber hätte ich ihn tatsächlich benutzt? Wohl kaum.
Ich wollte wohl jeglichen Anflug einer Gefahr, mich mit meinem Innenleben auseinandersetzen zu müssen, im Keim ersticken. So lange, bis es nicht mehr ging. Das hatte nur irgendwie etwas unschöne Nebenwirkungen, aber man kann ja nicht alles haben.
War ziemlich verstörend, das nicht mehr tun zu 'dürfen'. Geradezu lachhaft, mit Freude oder Unbehagen überfordert zu sein. "Reiß dich gefälligst zusammen, was bist du doch für ein armseliger Clown."
Hab mich nie getraut, mal nachzuhorchen, warum das so ist. Warum gestatte ich mir diese Empfindungen nicht? Was macht mir daran solches Unbehagen, selbst heute noch? Ich komme damit inzwischen klar, verwirren tut es mich trotzdem noch ab und an. Ich kann es aber nicht immer kontrollieren, und das muß ich ja auch gar nicht, verdammt nochmal.
Wie konnte ich je ernsthaft daran zweifeln, krank zu sein?

Hehe, Andreas, ich mußte grad schmunzeln... ich hoffe doch sehr, daß mich hier keiner findet. Zumindest keiner, den ich kenne. Das wäre dann doch etwas zuviel des Guten. Wenn ich mich aber recht erinnere, ist der Autor der Geschichte später tatsächlich nach einer Bruchlandung im Meer ertrunken. Das klappt also nicht immer alles so gut. :P
Wenn es aber um den Brei zwischen meinen Ohren geht, naja, der Koch ist hier nicht gerade Meister seines Fachs. Er übt auch schon länger... Ausgang ungewiß.
Ich sage mir immer gerne, daß es in meinem privaten Umfeld nicht mehr viel Sinn machen würde, die Wand des Schweigens zu brechen, denn die Person, die mir am wichtigsten ist, würde ihre Meinung eh nicht ändern.
Was alle anderen angeht... ohne diesen Stempel komme ich einfacher (und unauffälliger) durchs Leben.

Aber es gibt da ja noch das Recht darauf, zu wissen, worauf man sich einläßt, und auf dieser Grundlage selbst entscheiden zu können.
Tick, tack....

Damit ist das Gras auf der anderen Seite der Mauer dann doch nicht wirklich grüner...

Ich kann dich also gut verstehen, Peter, auch wenn meine Beweggründe weit weniger selbstlos sind. Letztlich geht es mir dabei am Ende doch nur um den vermeintlich komfortabelsten Weg - für mich selbst. Ich mache nämlich generell immer einen großen Bogen um unangenehme Situationen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:42:39
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #70 am: 01 März 2019, 23:47:51 »
Zitat von: Peter02 am 28 Februar 2019, 21:56:24

    ...mein Problem ist das ich noch soviel andere Probleme habe, .meine Frau leidet an einer chronischen Krankheit, für die ist Stress der Auslöser..... meine Tochter ist kurz vorm Abi.... und kämpft mit ihrer Pubertät und wir auch......ich möchte einfach nicht ,meine Probleme zu ihren machen.


"Unter jedem Dach ein Ach" hat meine Oma immer gesagt.  Pubertierende Kinder hab ich auch, daß ist ja zum Glück keine Krankheit,  auch wenn es mir manchmal so vorkommt. Wenn ich Sie an und an meine Schulter zum ausruhen nutzen,  sehe ich das als Liebesbekundung. Tatsächlich ist mein Umgang mit den Kindern oft etwas worüber ich oft im Meeting spreche. Auch damit bin ich nicht alleine.
Für die KInder lohnt es sich seinen Hintern hoch zu bekommen.

Das Leben stellt uns allen einige Aufgaben,  die Aufgaben kann ich nicht selbst bestimmen,  sehr wohl aber meine Sichtweise dazu.  Zum erarbeiten der Sichtweisen nutze ich die Meetings.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:42:59
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #71 am: 05 März 2019, 22:43:09 »
Zitat von: TAL am 28 Februar 2019, 23:32:01

    ....Ich erinnere mich, wie mich hier mal jemand fragte, was ich denn mit 'antrainierter Selbstzerstörungsmechanismus' meine. Ich konnte das nicht wirklich erklären, kann es immernoch nicht so richtig, aber ich bin mir sicher, daß das bei mir eine Rolle spielte. Wie mit den Pawlow'schen Hunden, eine Reaktion auf irgendeonen Auslöser, die dann wie auf Autopilot abläuft. Klick. Irgendwo davor liegt der 'Point of no Return'. Klappe zu, Affe tot, war erstmal eine Grenze überschritten, gab es kein Zurück mehr... die Schwelle war so schon extrem niedrig, und geschicktes subtiles Weichenstellen half, sie noch weiter runterzusetzen. Das geschah weit im Voraus. Ein Aus-Knopf wäre Gold wert gewesen. Im Kopf meine ich. Aber hätte ich ihn tatsächlich benutzt? Wohl kaum.
    Ich wollte wohl jeglichen Anflug einer Gefahr, mich mit meinem Innenleben auseinandersetzen zu müssen, im Keim ersticken. So lange, bis es nicht mehr ging. Das hatte nur irgendwie etwas unschöne Nebenwirkungen, aber man kann ja nicht alles haben.
    War ziemlich verstörend, das nicht mehr tun zu 'dürfen'. Geradezu lachhaft, mit Freude oder Unbehagen überfordert zu sein. "Reiß dich gefälligst zusammen, was bist du doch für ein armseliger Clown."
    Hab mich nie getraut, mal nachzuhorchen, warum das so ist. Warum gestatte ich mir diese Empfindungen nicht? Was macht mir daran solches Unbehagen, selbst heute noch? Ich komme damit inzwischen klar, verwirren tut es mich trotzdem noch ab und an. Ich kann es aber nicht immer kontrollieren, und das muß ich ja auch gar nicht, verdammt nochmal.
    Wie konnte ich je ernsthaft daran zweifeln, krank zu sein?
    ....


Moin TAL,
antrainierter Selbstzerstörungsmechanismus,  das kenne ich auch, ich glaube Ausläufer davon begleiten mich noch bis heute. Ich vermute für mich war das soetwas ähnliches wie"ritzen" ich spüre mich dabei. Meine oft extremen Wege beim illegalen Glücksspiel (hier ist kein OC gemeint) und bei der Geldbeschaffung sorgten auch oft an der Grenze zwischen Leben und Tod dafür das ich mich spürte.
Da ich zu meiner Spielerzeit im normalen Leben oft ängstlich und angepasst agierte, ein Zustand in dem ich mich gerne nicht spüren wollte.
Der Weg aus der Sucht war für mich durch und durch auch eine Umkehr.
Ab jetzt, so nahm ich mir vor spüre ich mich in meinem Leben. Anpassen oder Handlungen aus Angst sei es auf der Arbeit oder privat kamen nicht mehr in Frage.
Das versuche ich bis heute und empfinde eine tiefe Dankbarkeit dieses Leben noch einmal beginnen zu dürfen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:43:19
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #72 am: 07 März 2019, 19:18:27 »
Einen schönen Abend allen.

Ich passe mich immernoch an. Zumindest versuche ich oft in einer Art zu reagieren, die ich für 'sinnvoll und angemessen' erachte, was nicht unbedingt immer das ist, was ich spontan tatsächlich tun oder sagen würde. Entweder so, oder eben gar nicht. Das ist dann wohl Anpassung. Nicht unbedingt nur aus Angst, aufzufallen, sondern oft auch aus Bequemlichkeit oder Unverständnis. Diese Lücke zu schließen ist mir zu anstrengend, ich habe es durchaus mal versucht, zu Hause. Das kann ganz schön schiefgehen. Am Ende ist es schlimmer als vorher, und ich zucke nur resigniert die Schultern. Ich kann mich einfach schlecht erklären. Old habits die hard. Manches werde ich nie lernen, also lasse ich es lieber gleich. Ich kenne meine persönlichen Grenzen mittlerweile ganz gut. Sowas liegt außerhalb.

Mich heute im Leben zu 'spüren'... mhh... es ist anders... geradliniger, konstanter. Behäbig und beruhigend. Die meiste Zeit jedenfalls. Anfangs war das sogar sehr aufregend, all das, einfach so, und man muß gar nichts tun. Ich habe das zu schätzen gelernt, denn es geht bei mir auch anders - und das sehr schnell.
Vielleicht war es eine Art 'Strafe' für mich selbst, denn ich denke, da muß schon was gewaltig schieflaufen bei einem, wenn man einen Zustand ständigen 'Unter Streß stehens', bei dem Existenzängste auf der Tagesordnung stehen, als erstrebenswert erachtet. Wenn ich heute so darüber nachdenke, erscheint es mir fern und verschwommen. Dennoch kam ich anders ganz einfach nicht klar, habe es jahrelang nicht einmal wirklich versucht. "Ihr könnt mich alle mal." Alles um mich herum wirkte fremdartig und belanglos. Ich wußte es eh besser als diese ziellosen, ferngesteuerten Roboter. Dabei war es eigentlich eine Flucht vor der Realität, vor meinen eigenen zahlreichen Unzulänglichkeiten, meiner persönlichen Unfähigkeit, mit meinem Umfeld zu agieren und selbstbestimmt zu handeln. Was für eine Scharade. 'Die' hatten nämlich einen entscheidenen Vorteil, sie lebten auf dem Planeten Erde, und kannten die Bedingungen.

Ich bin der Meinung, daß die Länge der Abstinenz nicht wirklich von Bedeutung ist, sondern, wie schnell der Lernprozeß und damit das Umdenken vonstattengeht. Nicht jeder braucht gleich lange, und es gibt wohl auch später im Alltag noch unterschiedliche Toleranzgrenzen. Nach einer gewissen Zeit kommt es aber letztlich eigentlich nur noch darauf an, welche Grundeinstellung man vor sich selbst vertritt, ob man einen für sich gangbaren Weg gefunden hat. Ist mein Ansatz längerfristig ausgelegt, oder quäle ich mich durch die Tage, unterbewußt eigentlich einfach nur ständig in dem krampfhaften Bestreben, das Unvermeidbare so weit wie möglich aufzuschieben?
'Freudlos spielfrei'. Damit hast du das in dem anderen Thread gut auf den Punkt gebracht. Wo meine Gedanken sich vorher ums Spielen und das Herbeiführen von Gelegenheiten drehten, war das Mantra nun erstmal für lange Zeit 'Ich darf nicht!'.
Ich kenne beides, 'Quälerei' und Akzeptanz, und der Wandel ist alles andere als einfach. Anfangs ist das noch relativ leicht, aber ich darf das nicht schleifenlassen, mich nicht darauf ausruhen. Der Kobold flüstert mir gelegentlich gern mal ein, ich wäre fertig damit. Ist doch alles super, laß gut sein, was juckt dich der Kram von gestern? War doch vorher auch alles okay, da brauchtest du das auch nicht.
Nein. War es nicht.
Diese für mich selbst gültige Erkenntnis habe ich nicht durch spontane Eingebung gewonnen. Das war (und ist) ein sehr mühsamer Weg. Passe ich nicht auf, wird es schnell wieder zur 'Quälerei' - und damit ungleich gefährlicher. Nicht sofort, aber längerfristig. Schleichend. Er hat auch dazugelernt, und versucht schon lange nicht mehr, mit der Tür ins Haus zu fallen.

Das innere Gefühl der Ausgeglichenheit und 'Zufriedenheit' mit mir selbst spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Auf dem Weg dorthin gab es bei mir sehr viele Sackgassen. Gelegentlich finde ich mich nach wie vor in einer wieder, nur ängstigt es mich nicht mehr so wie früher, denn so ist es nunmal.

Ja. Ich habe so einige Baustellen. So vieles ist nach wie vor ein großes Rätsel für mich. Anderes wiederum macht heute Sinn. Aber ich muß ja nicht alles wissen, solange es mir gutgeht.

Mutig bin ich sicher nicht, soviel steht fest, aber so lebt es sich den Umständen entsprechend ganz gut, auch wenn es bessere Wege gibt. Vorbei ist das aber noch lange nicht, und wird es wohl auch nie sein.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:43:36
von Peter02

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #73 am: 07 März 2019, 20:07:04 »
Hallo zusammen,  Ich war, glaub ich ,selten so im reinen mit mir selbst wie zu Zeit. Ich lese jeden Tag im Forum,  ausnahmslos alle Berichte , so werde ich jeden Tag mit den Problemen der Spielsucht konfrontiert ohne zu vergessen das ich selbst süchtig bin. Ich muss sagen, das ich seit dem letzten Spielen keinen Suchtdruck verspüre, weil mein Leben ohne zocken so viel besser und sorgloser ist.

Zitat
Ich bin der Meinung, daß die Länge der Abstinenz nicht wirklich von Bedeutung ist, sondern, wie schnell der Lernprozeß und damit das Umdenken vonstattengeht.

Ich denke das eine schliesst das andere nicht aus. Ich geh jeden Tag ohne Spielen zufrieden ins Bett,  Ich hab das Gefühl das durch die Abstinenz ein Lernprozess entsteht,  nämlich das das Leben ohne Spielen schöner ist. So empfinde ich es zu Zeit  und hoffe das es so bleibt.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:43:58
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #74 am: 08 März 2019, 19:36:45 »
Hi Peter,

ja, die meiste Zeit hast du recht. Ich hatte allerdings schon die ein oder andere Durststrecke. Trotzdem hab ich nie wahrhaben wollen, daß ich suchtkrank bin. Das hast du mir voraus - du beschäftigst dich mit deinem Problem - und damit auch mit dir selbst. Ist ja wie gesagt alles relativ. Ich freue mich jedenfalls, zu hören, daß es dir gutgeht, und du zufrieden bist. Das ist doch die Hauptsache. Halt daran fest, das ist sehr wertvoll, und man lernt noch eine ganze Menge mehr.

Ja, Leben ohne Spielen ist schöner. Jeden Tag, selbst an den 'schlechten'. Die wären nämlich mit noch deutlich schlimmer. Das hat mein Unterbewußtsein halt gerne mal vergessen, in Betracht zu ziehen.

Wünsche ein angenehmes Wochenende.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:44:25
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #90 am: 13 März 2019, 23:37:13 »
Moin Peter,

ja, Du bist im richtigen Thread.
Ich kann Dich gut verstehen, ich hatte die Nummer von GA schon 1 Jahr in der Tasche. Ich bin erst hingegangen, als es keinen Ausweg mehr für mich gab. Mein Selbstmord war beschlossen,  ich dachte mir, da kann ich mir das ja vorher noch einmal anschauen, eine gute Entscheidung. ...

Du hast ja nun auch schon Deine Erfahrung mit der Sucht gemacht. Sie ist noch da, auch wenn Du sie gerade nicht spürst. Um Dein Vergleich mit dem Arzt zu nehmen. Du kannst die Krankheit die in Dir schlummert zum Stillstand bringen, wenn Du Deine Medizin, die SHG, nimmst. Nimmst Du Sie nicht, bricht Sie wieder aus.

Ganz nebenbei ist so ein SHG Besuch auch eine tolle Erfahrung.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:44:44
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #91 am: 14 März 2019, 00:34:13 »
Hallo Peter,

Ich kenne niemanden (mehr), der spielt (außer Lotto). Zumindest nicht, daß ich wüßte. Das ist wohl ein großer Vorteil für mich. Ich wurde nur sehr selten damit konfrontiert oder auch nur daran erinnert. Kommt das Thema doch mal auf, habe ich einfach keine erkennbare Meinung. Das bleibt von meiner Seite rein sachlich, wenn überhaupt. Meistens sage ich gar nichts, was bei mir nicht weiter auffällt. Einmal fiel mir das allerdings echt schwer, als jemand es lustig fand, eines Abends nach ein paar Bier wilde Spekulationen über einen Bekannten in den Raum zu werfen (er hatte eine Reportage über OCs gesehen und meinte, das würde ja auf nesagte Person passen, er sei ja ein ziemlich schräger Vogel und ständig knapp bei Kasse, worauf auch von den anderen eine Reihe von abenteuerlichen Theorien über ihn geäußert wurde). Was für ein Schwachsinn. Und selbst wenn... was geht euch das überhaupt an? Naja. Jedem das Seine.

Taro's Beitrag ist übrigens meiner Erfahrung nach absolut zutreffend. Man sollte sich besser schon im Voraus darauf einstellen, daß es auch mal weniger rund läuft. Weitsicht ist ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, die Oberhand zu behalten. Der Zufall war noch nie mein Freund, das habe ich ja inzwischen zur Genüge erfahren dürfen. Euphorie und das 'Die-Schnauze-Vollhaben' halten leider nicht ewig, und das selektive Gedächtnis kann dann sehr heimtückisch sein. Die Sucht ist geduldig - ich bin es nicht.
Es war ziemlich schwer für mich, eine derartige Stimmung wieder zu kippen, die Zweifel zu verscheuchen, aus dem Loch, was ja eigentlich gar nicht da sein dürfte, wieder rauszukommen.
Spätestens an dem Punkt sollte einem klarwerden, daß das Ganze nicht von allein verschwindet - ich hab trotzdem immer die Scheuklappen vorgezogen.




Ja, wozu eigentlich aufhören...? Zumindest dieses Ziel habe ich ja bisher irgendwie umgesetzt bekommen. Ich muß nicht mehr in einem Luftschloß leben. Keine Zeit und Energie mehr aufwenden, mich und andere zu betrügen. Nicht mehr Jonglieren, muß mich nicht mehr ständig fühlen wie ein Häufchen Elend (Gottchen, wo sind die Taschentücher? -.-). Ich habe den Kopf weitestgehend frei. Das an sich ist es schon allemal wert.
Das Seltsame ist aber... ich hatte (und habe) gar keine wirklichen Ziele. Wie das 'Besser' für mich eigentlich längerfristig aussehen sollte - keine Ahnung. Habe mir keine Gedanken darüber gemacht, noch nie. Mir fehlt nämlich jeglicher persönlicher Ehrgeiz, und das total, schon immer, nicht nur bezogen auf die Abstinenz und die 'Zeit danach'. Ich habe einfach überhaupt keine Ambitionen.
Solange ich klarkomme, und man mich in Ruhe läßt, bin ich zufrieden (nicht zu verwechseln mit 'selbstzufrieden').

Der Klassiker. "Wo sehen Sie sich in fünf / zehn / wasauchimmer Jahren?"
Ich weiß es nicht. Darüber denke ich einfach nicht nach. Ich habe schon immer nur für das Hier und Jetzt gelebt. Ist einfacher. Man wird auch nicht enttäuscht, weder von anderen, und noch weniger von sich selbst. Was, wenn ich etwas nicht schaffe? Kleinere Dimensionen sind weniger einschüchternd und abschreckend, und das war in gewisser Weise schon immer so. Langfristige Planung war selten von Erfolg gekrönt. Klappt eh nie.

Im normalen Leben sind mir Dinge wie Zielstrebigkeit, Entschlossenheit oder Verbissenheit also eigentlich eher fremd. 'Etwas zu erreichen' war mir noch nie wichtig. Auch fehlt mir die kleine Portion gesunder Egoismus. Das ist an sich schon irgendwie ein Widerspruch. Was wollte ich dann überhaupt?

Ich habe nur Abitur gemacht, weil ich keinen Bock hatte, zu arbeiten. Arbeit war immer schon nur Mittel zum Zweck. Heute habe ich den langweiligsten Bürojob auf dem ganzen Planeten, trotzdem ist das mehr als okay für mich. Meine Kollegen sind in Ordnung. Das ist gut. Schichtarbeit war nerviger, besonders bei mehr als einem Job war das oft anstrengend, alles abzustimmen. Könnte ich mehr erreichen? Keine Ahnung, aber wohl eher nicht. Außerdem wäre das vielleicht mit Verantwortung verbunden. Das kann und will ich ja gar nicht.

Anfangs dachte ich, je mehr ich zu tun habe, desto besser, da kommt man dann nicht auf dumme Gedanken... und es gab da ja noch das finanzielle Desaster zu wuppen. Das habe ich dann aber auch darüberhinaus noch länger so beibehalten. Never change a running system... ich hasse Veränderung und Umgewöhnung. Die dann schlußendlich dazugewonnene Freizeit war mir anfangs doch deutlich zuviel. Ich gewöhn mich immernoch nur langsam dran. Was nun? Wie geht das?
Ich habe Jobs gehabt, die würde kaum ein anderer machen... und das schon vor Einführung des Mindestlohns. Das war eben so für mich, ich habe nie etwas anderes erwartet oder angestrebt.

Das geht mir aber nicht nur im Berufsleben so. Viel wichtiger ist ja das Private. Da ist es genauso,  auch da brauch ich keine Aufmerksamkeit. Mir egal, wer recht hat, ich bin's sowieso nicht. Familie? Kinder? Ein Haus? Lieber nicht. Was soll ich dann machen, wenn ich's doch nicht packe? Ich bin nicht zuverlässig, kann gar nicht für andere 'da sein', oder einer Verantwortung nachkommen.
Das klingt aber negativer, als es ist. Dort sehe ich meine persönliche Komfortzone, die 'Grenze des für mich Machbaren', das sind daher bewußte Entscheidungen. Ich weiß mein heutiges Leben trotzdem sehr zu schätzen, ich brauche keine großen Ziele für mich. Ich kann tun, was ich möchte, und habe jemanden an meiner Seite, der mich mag, wie ich bin. Das allein erfordert sicherlich ein ordentliches Maß an Toleranz.
Sorgen habe ich keine. Ich bin eigentlich immer zufrieden und ausgeglichen, war mir so sicher, zu mir selbst gefunden zu haben. Meistens ist das ja auch so. Meistens. Solange ich nicht zuviel auf mich selbst schaue und mich dadurch selbst verunsichere.

Ich will gar keine Perfektion, ich möchte nur Durchschnitt. Eigentlich ist das doch ein eher niedriggestecktes Ziel. Für mich scheint das aber manchmal unsagbar anstrengend... und einfach unerreichbar.


Gute Nacht allerseits. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:45:03
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #92 am: 14 März 2019, 21:52:03 »
Zitat von: TAL am 14 März 2019, 00:34:13


    Das Seltsame ist aber... ich hatte (und habe) gar keine wirklichen Ziele. Wie das 'Besser' für mich eigentlich längerfristig aussehen sollte - keine Ahnung. Habe mir keine Gedanken darüber gemacht, noch nie. Mir fehlt nämlich jeglicher persönlicher Ehrgeiz, und das total, schon immer, nicht nur bezogen auf die Abstinenz und die 'Zeit danach'. Ich habe einfach überhaupt keine Ambitionen.
    Solange ich klarkomme, und man mich in Ruhe läßt, bin ich zufrieden (nicht zu verwechseln mit 'selbstzufrieden').

    Der Klassiker. "Wo sehen Sie sich in fünf / zehn / wasauchimmer Jahren?"
    Ich weiß es nicht. Darüber denke ich einfach nicht nach. Ich habe schon immer nur für das Hier und Jetzt gelebt. Ist einfacher. Man wird auch nicht enttäuscht, weder von anderen, und noch weniger von sich selbst. Was, wenn ich etwas nicht schaffe? Kleinere Dimensionen sind weniger einschüchternd und abschreckend, und das war in gewisser Weise schon immer so. Langfristige Planung war selten von Erfolg gekrönt. Klappt eh nie...

    Das geht mir aber nicht nur im Berufsleben so. Viel wichtiger ist ja das Private. Da ist es genauso,  auch da brauch ich keine Aufmerksamkeit. Mir egal, wer recht hat, ich bin's sowieso nicht. Familie? Kinder? Ein Haus? Lieber nicht. Was soll ich dann machen, wenn ich's doch nicht packe? Ich bin nicht zuverlässig, kann gar nicht für andere 'da sein', oder einer Verantwortung nachkommen...


Moin TAL,

als ich mit dem Spielen aufhörte gab ich mir das versprechen keine Angst mehr zu haben meine  Leben zu wagen.  Hätte ja sonst auch kein Sinn ergeben.
Wenn ich mich auf meinen Weg mache und nicht weiß wo ich hin will darf ich mich nicht wundern, wenn ich eines Tages irgendwo stehe, wo ich nie hin wollte. Diesen Satz hörte ich am Anfang im Meeting. Ich setzte mir Ziele, Fachabi machen und studieren, einen Job in dem Bereich in den ich heute arbeite wollte ich. Da von hatte ich schon als Kind geträumt. Als ich das meiner Mutter sagte, sagte Sie mir das ich das ja sowieso nicht schaffe weil ich zu dumm und faul sei. Das war wirklich ein ganz schöner Schlag für mich. Natürlich habe ich mir auch Gedanken gemacht, was ich den mache wenn Sie recht hat. Ich beschloss dann wieder auf den Bau zu arbeiten, dann aber mit der Gewissheit das es für mehr nicht reicht. Es kam anders, alleine das ist schon ein fettes Ding in meinem Leben.

Es gab auf dem Weg viele Stolpersteinchen,  Spielen war nie wieder Thema weil ich immer mein Ziel im Fokus behielt.

Ich weiss heute ich kann absolut alles erreichen, wenn ich es den wirklich will. Mit meinen Kindern bin ich gerade dabei eine Firma zu gründen. Eine spannende Geschichte, ich lasse die Entscheidungen und das Tempo bei den Kindern. Das tolle daran ist, das wir alle zusammen an ein Projekt arbeiten. Ansonsten ist fast immer einer der keine Lust zu was auch immer hat, das ist hier noch anders. Wenn das so bleibt, dann bin ich sicher das wird ein Erfolg. Wenn nicht ist es eine tolle kreative Zeit mit den Kindern.

Verantwortung übernehme ich heute und kann es auch. Ziele setzen, Verantwortung übernehmen, scheitern wagen, das alles habe ich in der SHG nach und nach gelernt und durchlebt. Das ist das Gegenteil von freudlos spielfrei. Wenn ich gut auf mich achte sind die Depressionen auch nicht da, auch wenn ich davon ab und an besucht werde. Aber auch meine Depressionen sehe ich nicht mehr als Feind sondern als Hilfe genau hinzusehen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:45:23
von Olli:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #93 am: 15 März 2019, 06:38:23 »
Hi Tal!

Als ich auf dem Gymnasium war, da hatte ich auch keine Ambitionen.
Fremdsprachen - am Anfang waren sie ja noch schön und gut. Aber irgendwann wurden sie dann auch zu anstrengend.
Deutsch - herrjeh - wen interessiert es, was da jemand beim Schreiben eines mich nicht ansprechenden Gedichtes oder sonstigen Textes gedacht hat.
Und so ging ich vorsichtshalber von der Schule und musste mir eine Lehrstelle suchen.
Doch was sollte ich mein Leben lang machen? Woran hatte ich Spaß?
Also auf zum Arbeitsamt - ein Test nach dem anderen absolvierte ich.
Was wurde mir vorgeschlagen? Koch - dabei bin ich doch froh, wenn ich eine Kartoffel auf dem Teller erkenne ...
Automechaniker - Einzelhandelskaufmann - und viele weitere Berufszweige, die mich kein bißchen ansprachen wurden mir vorgeschlagen.

Meine Tante war Immobilienmaklerin und hatte des öfteren mit einem Vermessungsbüro zu tun.
Dort gab es eine Lehrstelle zu vergeben. "Du rechnest und zeichnest ja gerne ...".
Moment - rechnen ja - aber zeichnen? Dafür habe ich nun überhaupt kein Talent.
Egal - was soll´s ... und so war dies meine erste Bewerbung.
Zwischenzeitlich bewarb ich mich bei den vom Arbeitsamt genannten Berufen - und wen wundert es - ich wurde zwar zu Tests eingeladen, erhielt aber überall Absagen.
Einer frug mich, wie viele Bewerbungen ich bis dato geschrieben hatte - 25, antwortete ich.
"Meine Tochter hat 200 bisher geschrieben ..." - Tja, das wurde nichts ...
Ziemlich kurz vor Schluss - immer noch hatte ich keine Lehrstelle, wurde ich von dem Vermessungsbüro zu einem Einstellungstest eingeladen.
Also bin ich einen Tag vor dem Termin zum BIZ nach Köln gefahren und habe mich erst einmal ein wenig über den Beruf erkundigt.
Nun ja ... ich bekam den Vertrag, obwohl den Chefs ein Abiturient lieber gewesen wäre.

Einer der Chefs war einmal Amtsleiter bei der Kommune, bei der ich heute arbeite. Da er noch Kontakt hatte, schlug er mich dort am Ende meiner Lehre vor für einen Zeitvertrag.
Nach ein wenig hin und her bekam ich ihn auch.
Dann den 2. Vertrag ... den dritten ... die Festeinstellung.

Schon in der Lehre lernte ich - je mehr ich mich mit etwas auskenne, umso mehr Spaß macht es mir auch.
Das habe ich durch mein gesamtes Berufsleben gezogen.
Ich brauche den Anreiz - ich brauche es mich in etwas hinein zu arbeiten - Neues zu erleben.
So habe ich mich irgendwann mit Datenbankprogrammierung beschäftigt - habe mir auch gegen den Willen meines Chefs in der Freizeit Tools geschrieben, die mir die Arbeit erleichterten.
Und als er mir wieder eine Standpauke halten wollte, unterbrach ich ihn und bat ihn sich das Ganze mal anzuschauen.
Es gab keine Standpauke - zwei Wochen später durfte ich offiziell Datenbanken programmieren.
Wir suchen einen Vertreter in Sachen Vorkaufsrechte - klar ... her damit ...
Ich schrieb einen Workflow, der auch heute noch Gültigkeit hat.
Neue Softwareprodukte ... cool ... was können die denn so? Wo sind die Grenzen? Also betreue ich heute mehrere Softwareprodukte und werde auch von anderen Abteilungen konsultiert.

Nächsten Monat bekommen wir einen 3D-Scanner - und wer wird die Auswertung machen? - Na ich natürlich.

Momentan arbeite ich mich in das Thema Ausgleichung ein - Holla die Waldfee ...
Es ist Inhalt eines Studiums - und ich habe nicht studiert ... und trotzdem nähere ich mich dem Punkt es langsam zu verstehen.

Alles was ich tue, muss mir Spaß machen - sonst verliere ich die Lust und bin unmotiviert.
Dann wird für mich die Arbeit zur Qual. Ein Herunterreißen der Arbeitsstunden. Zäh, wie Teer - kein Ende nehmen wollend.

Dabei ist es unerheblich, ob ich es schaffe - wie bei dem Thema Ausgleichung.
Ich habe den Entschluss gefasst mich damit zu beschäftigen. Ich kniee mich gerade hinein - sehe Fortschritte.

Kurz - ich muss es "tun".

Selbst wenn ich mal unmotiviert bin, so tue ich es trotzdem. Der Spaß kommt dann irgendwann von alleine.
Und wenn es nicht heute ist, dann ist es eben morgen oder übermorgen.

Ich muss es nur "tun".

Je mehr ich mich mit der Unlust beschäftige, um so mehr verspüre ich davon.

Das wird auch bei Dir nicht anders sein.
Du beschäftigst Dich mit Deinen Ängsten - also verspürst Du auch Angst.
Du beschäftigst Dich mit Deinem geringen Selbstwert - also wertschätzt Du Dich auch gering.

Tu es ...

Lege das Altbewährte ab und mache mal was Neues.

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:45:43
von Peter02:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #94 am: 15 März 2019, 21:45:47 »
Hallo Skip

Zitat

Peter, vielleicht ist dir einfach fad? (= langweilig)... Such dir eine Aufgabe... etwas, dass einen Wert für dich hat, etwas, wofür du einstehst, wofür du was investierst? ich as meinst du?

Ich hab doch ne Riesen Aufgabe und Ziel, Spielfrei zu bleiben.  Und langweilig ist mir eigentlich nie, eher das Gegenteil.  Hab nen Job der mich , manchmal mehr als ich will ausfüllt , ne super Familie und nen großen Freundes und Bekanntenkreis. Ich sag bei Einladungen eigentlich eher ab als zu, weil ich es auf der Couch entspannter finde, als unter Menschen.  War früher genau andersrum.

Gruss Peter
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:46:15
von Skip:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #95 am: 15 März 2019, 21:53:36 »
Achso, Peter, ich hab nur so ins Blaue geraten. Ich glaub, manchmal beginnt man auch einfach grundlos zu spielen und es passiert einem, dass man einfach abrutscht. Das schwere ist aber, dann aufzuhören und sauber zu bleiben... weil Gewohnheiten sind schwer abzulegen, unser Gehirn funktioniert so, was mal etabliert ist, ist schwer aufzubrechen...
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:46:30
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #96 am: 15 März 2019, 22:17:35 »
Zitat von: Skip am 15 März 2019, 21:53:36

    ... Ich glaub, manchmal beginnt man auch einfach grundlos zu spielen ...


Warum sollte den ein erfülltes Leben mit dem Spielen beginnen,  das passt da doch überhaupt nicht rein. ...

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:46:49
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #97 am: 16 März 2019, 11:46:51 »
Das geht mir genauso Peter, ich sage auch lieber nicht zu. Das war bei mir aber noch nie andersrum. Naja, es gibt zumindest wenige Leute, bei denen es andersrum ist, in deren Gesellschaft ich mich nicht irgendwie fehl am Platz fühle. In meiner Jugend gab es davon ein paar mehr, oder vielleicht war ich selbst auch nicht ganz so... ähm... 'scheu' wie heute, aber das Gefühl kannte ich auch damals schon.

Gibt es immer einen 'Grund'? In meinem Fall weiß ich es nicht. Sicher war nicht immer alles rosig, aber das geht Millionen anderen auch so... von daher... Was macht mich da anders? Ganz genau: überhaupt nichts. Ich bin wohl nur von Natur aus etwas schwer von Begriff.

Bin ich freudlos spielfrei? Bis vor kurzem hätte ich ganz entschieden gesagt: Nein!
Nicht, daß mich das mal jemand fragen würde, aber nur so mal als Gedanke.
Mhhh... ich würde nicht sagen, daß ich irgendwo bin, wo ich nie hinwollte. Ganz im Gegenteil. Es gab Zeiten, da hätte ich nichtmal im Traum gedacht, daß es für mich überhaupt eine reelle Chance gibt, überhaupt je 'hier' anzukommen. Nur hatte ich eigentlich vorher kein klares Bild vom Hier. Ich war mir nur sicher, daß ich das damalige Jetzt nicht mehr wollte. Alles andere konnte nur besser sein. Das klingt wirr, oder? Schwer auszudrücken.
Ziele? Verantwortung? Dabei fällt mir gar nichts Konkretes ein. Ist bei näherer Betrachtung doch irgendwie 'traurig'...

Daß Spielen nie wieder Thema war, würde ich ehrlicherweise so auch nicht sagen... ich war ein paarmal sehr nahe dran. Die Abstände wurden größer, aber auch die festeste Überzeugung und die größte Willenskraft hilft mir nicht, wenn ich anfange, mich selbst zu sabotieren. Ich bin in der Hinsicht (wie in so vielen anderen) mein eigener größter Feind. Das einzige, was ich dagegenzusetzen habe, ist die Tatsache, daß ich das ganz genau weiß. Daher weiß ich auch, wann es 'gefährlich' wird... und daß ich aufpassen muß. Das ist aber dennoch nicht immer so ganz einfach gewesen, wenn ich nichts anderes tun kann, als mich selbst auszutricksen. Die ersten Male war das immer ein herber Rückschlag. Ich dachte doch, das Thema sei durch. Aber naja... das wird es ja wohl nie sein. Was eine Geistesblitz, aber besser spät als nie...
Ist aber zum Glück schon länger nicht mehr vorgekommen.

Naja... ehrlich gesagt... ich wollte früher mal Ingenieur werden. Wenn überhaupt irgendetwas. Dafür mußte ich allerdings studieren. Ich? Haha. Theoretisch ja kein Problem, aber viel zu anstrengend... und zu schwer. Nicht meine Liga, das schaffe ich eh nicht. Aber es war eine gute Möglichkeit, das ständige Generve und Gefrage in puncto Zukunftspläne zu umgehen, dann würde mir keiner mehr auf die Nerven gehen. Also hab ich mich halt eingeschrieben...
Zu diesem Zeitpunkt erforderte meine Freizeitgestaltung allerdings schon meine gesamte Aufmerksamkeit. Alles andere mußte irgendwie untergeordnet werden. Ein Vollzeitstudium ohne wirkliche Anwesenheitspflicht schien da recht praktisch. Und ein Superalibi gab's gleich dazu. Ach, was mußte ich ständig und viel lernen... natürlich immer nur bei anderen Kommilitonen... anschließend haben wir dann halt noch was getrunken, auch unter der Woche. So ist das eben. Studenten halt. Ein sehr soziales Häufchen. Jaahaa, kennt man ja... oder soll ich jetzt etwa zur Sesamstraße zu Hause sein, damit du dich besser fühlst? Ja, ich weiß, daß du das nicht so gemeint hast. Versprochen, das nächste Mal rufe ich an.

Ich war dann auch tatsächlich ein paarmal dort, nachmittags, mal schauen, hab grad eh nichts zu tun, und die Matheklausuren habe ich sogar mitgeschrieben. Ich wußte, das würde ich packen, da brauch ich keine Angst haben. Es war logisch und eindeutig, und ich konnte einfach am Semesteranfang das Skript mit nach Hause nehmen und alleine lernen, das fiel mir leichter. Bei anderen Sachen war das anders. Gerade Gruppenarbeiten und dergleichen lagen mir nicht, ich wollte nicht der Klotz am Bein sein. Was ich nicht alleine wuppen konnte, war halt ganz einfach nicht machbar. Außerdem waren das zu viele geschwätzige, gutgelaunte Leute auf einem Haufen, das war schlimmer als in der Schule. Aber zumindest teilten einige meine Ansicht, daß Skatspielen in der vorletzten Reihe einer völlig überfüllten Chemievorlesung deutlich interessanter ist als Formeln mitzuschreiben.
Ich fühlte mich dort aber meistens wie auf einem anderen Planeten, und das hat mich innerlich bestätigt.
"Siehst du... dafür bist du nicht gemacht. Was hast du dir überhaupt dabei gedacht? Das bekommst du doch gar nicht hin."
Trotzdem blieb ich eingeschrieben, solange es ging. Das hatte sehr viele Vorteile.

Autodidaktisch. Ja, wenn überhaupt, läuft es bei mir nur so. Ich mag nicht fragen. Ich versuche lieber, etwas selbst herauszufinden. Das geht auch eigentlich immer ganz gut, braucht nur etwas Zeit. Wenn das nicht geht - dann eben nicht. Kommt halt drauf an, was ich mir zutraue.

Vor ein paar Tagen irtitierte mich meine Kollegin doch etwas. Da sah man mal wieder, wie unterschiedlich die Leute denken und wahrnehmen.
- "Egal, was man dich fragt, du hast eine Antwort, auch wenn man sie dir erstmal aus der Nase ziehen muß. Warum sagst du nie etwas? Du müßtest dir von niemandem etwas sagen lassen, weißt du das eigentlich?"
- "Öhm... was?"
- "Himmel! Du löst ständig Probleme, die gar nicht deine sind... du machst sogar den Job der IT, weil die Empfansdame zu faul ist, dort anzurufen, wenn in nem Meeting mal nichts geht. 'Ich schick mal jemanden hoch.' Und niemand bekommt das mit. Den Dank bekommen andere... und es werden auch andere dafür bezahlt."
- "Ja und? Was soll ich in der IT? 'Mein Telefon geht nicht!' - 'Und womit rufen Sie grad an?' -'Mit meinem Telefon natürlich.' - 'Aha' - 'Aber es geht trotzdem nicht. Die rote Lampe da rechts unten blinkt nämlich nicht... und die blinkt sonst IMMER' - 'Das ist die Mailbox. Sie haben wohl endlich mal die alten Nachrichten gelöscht.' - 'Herr Müller hat da letztens was dran gemacht, weil mein Telefon da auch schonmal kaputt war. Da konnte keiner mehr auf meinen AB sprechen.' ... Das würd mich wahnsinnig machen."
- "Darum geht es doch nicht. Ich verstehe das nur einfach nicht, aber das ist deine Sache. Ich weiß, daß dich das nicht stört. Ich wollte es nur mal sagen. Ich hätte schon längst mal auf diese Umstände hingewiesen. Das darf nämlich eigentlich so nicht sein!"
- "Warum soll man denn ewig warten, wenn man es schneller hinbekommt? Die müssen erstmal ein Ticket schreiben, und dann muß einer über das ganze Gelände herlaufen."
- "Richtig. Aber sie stellt sich dann hin, wettert über all die unfähigen Leute, und daß ohne sie ja gar nichts läuft - dabei ist sie, mal wieder, nichtmal von ihrem Stuhl aufgestanden. Aber sie läßt es sich natürlich nicht nehmen, anschließend anzurufen, um zu sagen 'Alles klar. IT ist nicht nötig. Haben wir so hinbekommen.' Und das macht nicht nur sie so."
- "Was ist denn los? Warum regst du dich grad so auf? Wenn ich grad nichts zu tun habe, kann ich's doch machen. Und selbst wenn doch, mach ich das später. Ich überarbeite mich hier ja nicht."
 - "Ach je. Das ist einfach nicht in Ordnung, das ist alles. Aber schon gut."
- "Okay."
Sie ist manchmal etwas komisch. Sehr sozial und überkorrekt. Warum so pedantisch, wenn es darum geht, wer jetzt den PC in nem Konferenzraum einschaltet? Gibt's nichts Wichtigeres? Brauchen wir da ein Protokoll?

Es ist angenehm. Ich verspüre dabei keine Unlust.  Klar, solche Jobs hatte ich auch schon. Mein letzter Nebenjob zum Beispiel. Das war ein wirklich giftiges Arbeitsklima. Ständig kamen die mit irgendwelchen hirnrissigen Ideen, wie man angeblich produktiver arbeiten könne... das konnte nichts werden. Hab mich immer ausgeklinkt und es trotzdem so gemacht, wie's für mich am besten ging. Für andere war das weniger entspannt. Meine Kollegin beschwerte sich da mal, ich sagte, ich mach das nicht, das ist doch bekloppt. "Ja. Du kommst damit durch. Dich läßt man ja auch in Ruhe, weil es bei dir läuft. Außerdem hast du es auch nicht nötig. Du würdest halt einfach gehen... und die wissen das."
Irgendwie scheinen die Leute diesen Eindruck schon immer gehabt zu haben. Aber es stimmt schon irgendwie... ich hatte im Vergleich zu anderen immer meine Ruhe.
Ich bin gerne dort, wo ich jetzt bin, ich hab zähere, anstrengendere und auch wirklich unangenehmere Jobs gehabt. Ich weiß das zu schätzen.
Komischerweise ist der Job, den ich trotz der miesen Arbeitszeiten und der grottigen Bezahlung am meisten mochte, auch gleichzeitig einer der Anspruchslosesten gewesen. Ich habe das trotzdem 16 Jahre lang gemacht. Die Zeit verging immer wie im Flug, auch wenn ich vorher schon ne 9-Stunden-Schicht woanders hinter mir hatte. Es gab auch Zeiten, da war das so ziemlich der einzige Halt, den ich im Leben hatte. Ich war ein Teil davon, die Kollegen, und auch viele Kunden, waren einmalig. Wir treffen uns heute noch manchmal, obwohl dem Laden Ende 2016 der Mietvertrag gekündigt wurde.

Ich kann halt vieles ein bißchen, aber nichts wirklich gut.
Aber das hätte auch von meiner besseren Hälfte kommen können: "Du könntest doch einfach was anderes machen. Dafür ist man nie zu alt. Das ist eine blöde Ausrede."
Nein, das kann ich eben nicht.

Ist halt doch schon irgendwie festgefahren. Mhhh...
Ich war halt noch nie der 'Macher'. Ich wüßte nichtmal, wie das geht.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:47:11
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #98 am: 19 März 2019, 13:09:04 »
Vieles etwas zu können hat den entscheidenden Vorteil in allem noch etwas besser werden zu können.

Jeden Tag bereit zu sein etwas anderes zu machen ist für mich obligatorisch. Alles andere führt früher oder später zum Stillstand.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:47:32
von AndreasG:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #99 am: 19 März 2019, 13:44:09 »
Hallo Tal,

Du hast mir in Deinem Beitrag sehr aus dem Herzen geschieben. ich fühle mich in Gedanken an meinen langjährigen Arbeitsplatz Dir sehr verbunden.

Gerade Heute leide ich unter meibem Leistungsdenken, verdamme mich dafür, daß ich in Rente bin, warte auf Kritik,  wenn ich einmsl gelobt werde,

und fürchte ubd freue mich auf mein nächstes  Arbeitsmeeting,

zum Glück ist die Selbsthilfegruppe in ivrer Dynamik stärker als mein Ego,
ubd ich werde da getragen.

Liebe Grüsse Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:47:50
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #100 am: 22 März 2019, 12:21:23 »
Stillstand... ja... da kann ich wohl offensichtlich ein Lied von singen. Ich empfand ihn aber nie als negativ, hätte es auch nicht als solchen bezeichnet, sondern eher als Gewohnheit, etwas Komfortables, Vertrautes. Kurz gesagt: als etwas, mit dem ich umzugehen gelernt habe. Das ist beruhigend. Für mich war ein stabiler 'Ist-Zustand' schon immer etwas Erstrebenswertes, was es zu halten galt. In allen Bereichen, und wie immer er auch aussehen mag, denn so weiß ich wenigstens, mich darin zurechtzufinden. Ich bin ein Gewohnheitstier, ein bekanntes Übel ist für mich immernoch besser als Ungewißheit.
Wenn ich so drüber nachdenke, ist das aber wohl alles andere als der richtige Weg. Ich tue mir selbst ja keinen Gefallen damit, ständig den Kopf einzuziehen, weil ich da wenigstens weiß, wie das geht.
Denn so kann man das ja letztlich auch sehen... und das kommt meiner Lebensphilosophie wahrscheinlich deutlich näher als 'der, dem eh immer alles egal ist', was wohl der allgemeinen Außenwahrnehmung entspricht.

Was das drüben bei Skip angeht, ich wollte da nicht weiter rummüllen, aber das hat alles sehr lange gedauert, und mehr als nur einmal hat mich nur ein dummer Zufall vor mir selbst 'gerettet'. Es ist bei näherer Betrachtung wohl immernoch alles andere als grundsolide, wenn auch auf einer anderen Ebene. Denn wenn der Holzhammer nicht (mehr) funktioniert, tut's halt auch der stete Tropfen... und das ist nochmal eine ganz andere Nummer. Da sitzt jemand einfach nur im Schneidersitz oben auf der Mauer und lächelt wissend in sich hinein, während er ab und an mal beiläufig Mörtelsteinchen in meine grobe Richtung wirft.
"Na dann, mein Freund. Ich hab Zeit... Wie geht's denn sonst so? :)"

Aber nur, weil ich immer die Augen geschlossen und mich weggedreht habe, verschwand er ja trotzdem nie wirklich...
Wir haben uns arrangiert, das nimmt die Schärfe, es schützt aber nicht vor subtilen Sticheleien.
Das ist das, wogegen jegliche gewonnene Erkenntnis nichts nützt: Die Summe der kleinen Selbstzweifel und Unzulänglichkeiten, die eigentlich gar nichts damit zu tun haben.
Eigentlich.
Zumindest habe ich das immer geglaubt.

Besser werden... mhh... man sagt ja, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Wozu? Warum sollte ich da mit aufspringen wollen? Was soll ich überhaupt groß 'leisten'? Ich habe einerseits nicht den Drang, etwas leisten zu müssen, andererseits, im Stillen, bin ich Perfektionist. Da kommt es immer stark darauf an. Sollte ich mich wirklich mal entschließen, etwas zu tun, gibt es für mich keine halben Sachen, und was es zu erledigen gilt, mache ich gründlich und vollständig. Egal, wie lange es dauert. Trotzdem rechne ich immer mit Kritik. Das entschärft sie, wenn sie wirklich kommt. Hab's dir doch gesagt...
Fühle ich mich integriert? Das kommt auf den Blickwinkel an. Was mein Umfeld angeht, definitiv ja. Die Leute kennen mich ja nur so. Es hapert oft nur daran, inwieweit ich selbst die 'Integration' zulasse. Oftmals ist sie von meiner Seite ja anscheinend irgendwie gar nicht erwünscht. Mir fehlt das Verständnis für mein Umfeld, für die Gegebenheiten. Manchmal auch dafür, warum ich etwas überhaupt wollen sollte.
Der Versuch, Erwartungen zu erfüllen, die ich nichtmal kenne, scheitert meist kläglich.
Das abzustellen, wie soll das gehen? Wie macht man es anders, besser? Ich versteh's ja nichtmal selbst. War keine Frage, nur ein Gedanke. Aber da liegt wohl der dickste Knoten im Knäuel.

Ja. Ich darf mich heute noch auf diese Treffen freuen können. So selbstverständlich ist das nicht, denn auch darauf liegt leider ein dunkler Schatten, der sich irgendwie wie ein roter Faden durch einen Abschnitt meines Lebens zieht. Denn ich bin nach wie vor ein Heuchler, der einfach nur das Glück hatte, irgendwie die Notbremse gezogen bekommen zu haben, kurz bevor alles um ihn rum zusammengebrochen ist. Das ist mir beim Lesen hier heute wieder bewußt geworden.

Ich sollte trotzdem mal was tun hier. Hatte noch Resturlaub, also bin ich zu Hause. Rumsitzen und Grübeln ist aber nicht so unbedingt förderlich.

Wünsche einen schönen Freitag. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:48:06
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #101 am: 28 März 2019, 13:10:53 »
Den Vergleich mit anderen vermeide ich wenn immer möglich. Und es ist viel öfter möglich als ich früher dachte.

Ich vergleiche mich nur mit mir selbst.  In sportlicher Hinsicht wird es langsam immer schlechter,  dem Alter geschuldet.  In allen anderen Bereichen bekomme ich bei dem Gedanken wo ich herkomme ein fettes Grinsen im Gesicht.
Grundlage war für mich das unvorstellbare auszuprobieren und im Meeting drüber zu sprechen, gemeinsam zu lachen und auch mal zu weinen.
Das tolle dabei, ich brauche keine Angst mehr zu haben. Es ist viel mehr möglich als ich überhaupt denken kann.
Meine Vergangenheit hat mich aktuell auch gerade eingeholt.
Mein Sohn ist mir Freunden ausgeraubt worden.  Der Täter ist ein Jugendlicher, er hätte ein Messer und ist bekannt. Telefonate mit den anderen Opfereltern. Sie wollen Anzeige erstatten,  ich habe etwas gebremst.  Telefonat mir den Tätereltern. Sie erzählten mir, das Sohnemann schon ein Verfahren wegen schwerer Körperverletzung laufen hat. Gespräch mit meinen Sohn. Ich habe Ihn erklärt was eine Anzeige bedeuten kann. Ich sprach mit meiner Frau. Gefühlt möchte ich meinem Sohn nahe legen das der Täter nur stolz sein neues Messer zeigen wollte, und er es Missverstanden hat. Der Täter hatte noch zwei Freunde dabei. unbewaffnet. Puh, ich merke wie es in mir arbeitet. Klar die Kids sind erst 15. Vielleicht ist ein Warnschuss jetzt noch Sinnvoll.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:48:26
von Peter02:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #102 am: 29 März 2019, 23:16:02 »
Hallo zusammen,  hab das Bedürfnis in meinen Lieblings Thread zu schreiben.  Seit gestern bin ich 3 Monate Spielfrei. Obwohl die SHG immer noch im Hinterkopf ist , werde ich den Schritt nicht gehen.  Warum? Weil ich der festen Überzeugung bin , das ich auch ohne SHG  spielfrei bleiben kann. Da ich mir selbst eingestanden habe süchtig zu sein und ich garnicht mehr spielen darf und auch nicht mehr will , und mir es ohne Spielen blendend geht , möchte ich den Weg einfach nur weiter gehen.

@Taro... Ich mag deine Einstellung und deine Texte sehr, könnte mir vorstellen das wir uns super austauschen könnten, und in vielen Sachen auf einer Wellenlänge wären. Auch wenn du mehr als oft im Recht bist ,vergisst du eins. Du bist mit 24 Jahren schlau geworden und hast die Problematik erkannt,  die  SHG hat dir geholfen und dich zu dem gemacht der du heute bist.Was ich dir  sagen möchte ist,  du warst jung und hast Gott sei dank den Dreh geschafft...nach relativ kurzer aber heftiger Sucht... kannst du dir vorstellen das es anders ist 20 oder 30 Jahre blind zu sein und das man dann anders , nicht so offen
wie du mit deiner Sucht umgehst und man auch ohne SHG spielfrei bleiben kann.?
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:48:45
von NW:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #103 am: 30 März 2019, 09:33:41 »
Er kann sich schon vorstellen dass man ohne shg spielfrei bleiben kann, hat er schon öfter geschrieben. .

Ich mag übrigens auch vieles was er schreibt,  also generelle sachen auf jd fall ganz oft, wie das mit seinem sohn und anzeige machen, bzw keine machen halt find ich zb echt klasse :)


Woher weißt du dass mit 24 jahren ? Das hab ich jetzt nicht gelesen,  finde ich aber ultra krass wenn das stimmt @taro ?
Das muss dann ja schon etliche Jahrzehnte her sein die du spielfrei bist und dennoch beschäftigt dich der mist noch täglich ?  :o uff..
Finde ich echt heftig,  wäre für mich jetzt wieder nix.. wobei ich mich ja auch schon wieder dran gewöhnt habe hier zu schreiben mittlerweile  ::)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:49:02
von NW:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #104 am: 30 März 2019, 09:39:02 »
Zitat von: Skip am 15 März 2019, 21:53:36... Ich glaub, manchmal beginnt man auch einfach grundlos zu spielen ...Warum sollte den ein erfülltes Leben mit dem Spielen beginnen,  das passt da doch überhaupt nicht rein. ...Taro


Also das finde ich jetzt wieder quatsch,  ein erfülltes leben bedeutet ja nicht dasman nniemals langweile hat,  gerade im Winter hat sich der ein oder andere mal langweile der ein erfülltes leben hat..

Und um irgendwas zu kompensieren fängt ja niemand an zu zocken, darüber bleibt der ein oder andere sicher beim zocken, aber anfangs ist doch immer erstmal der Spaß im Vordergrund und die Aussicht vielleicht was zu gewinnen. . Wie beim lotto usw halt auch, welche krassen auswirkungen das ganze mit sich bringen kann, ist sich doch kein Mensch anfangs bewusst, glaube ich nicht.   :P

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:49:25
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #105 am: 08 April 2019, 03:25:06 »
Danke für das Update. Ich persönlich hoffe, daß der Schuß vor den Bug auf Dauer etwas gebracht hat.

Gezogen hätte ich auch nicht. Wenn man aber gelegentlich sinnlose Grundsatzdiskussionen über Banalitäten führt, weil sich einem der Sinn nicht erschließt, würde sich auch keiner darüber wundern, wenn ich irritiert frage, was das bitte bringen soll. Ich verstehe halt so einiges nicht, da fällt das dann nicht weiter auf. Das ist bei sowas immer von Vorteil.

Zum Glück mußte ich noch nie jemandem einen Casinobesuch ausreden, nicht direkt jedenfalls. Vor etwa anderthalb Jahren allerdings brachte eine Freundin meiner Schwägerin, die ich auch gut kenne, das Thema auf, sie würde gern mal nach Las Vegas fliegen.
Sowohl ihr Mann, als auch meine bessere Hälfte, hatten dazu keine wirkliche Meinung. Meine Schwägerin, die sich in diesem Falle finanziell von uns allen 'aushaltenlassen' müßte, ebenfalls nicht.
Es galt für sie von daher, mich zu überzeugen.
Ich war ziemlich betrunken und dachte mir, das gälte wohl für alle Beteiligten, deshalb sagte ich nur "Das sind mindestens zwölf Stunden Flug. Wofür? Was zum Geier willst du da überhaupt? Ist doch stinklangweilig."
Ich dachte, das Thema sei am nächsten Tag eh vergessen.
Sie wertete das allerdings scheinbar irgendwie als Zustimmung und erstellte ein paar Tage später eine WhatsApp-Gruppe.
Somit kommt das Thema immer mal wieder auf. Glücklicherweise bin ich aber nicht der Einzige, dessen Begeisterung sich in Grenzen hält. Meine Schwägerin würde wahrscheinlich mitkommen, findet die Idee, zwei Wochen in der Wüste abzuhängen, allerdings auch nicht sehr spannend. Der Rest hält sich aber bedeckt ("Wie ihr wollt."), und die andere bleibt hartnäckig. Spätestens im Juni sehen wir uns alle wieder, wir fahren auf ein Festival. Ich kann mich also darauf gefaßt machen, daß das wieder zur Sprache kommt. Sie ist da wirklich Feuer und Flamme.

Es wäre ganz einfach. Ich könnte sagen, warum das, zusätzlich zu der Tatsache, daß ich in ein Flugzeug steigen müßte (was an sich schon wirklich schwer für mich ist, sie weiß aber, daß ich das trotzdem gelegentlich doch getan habe), für mich nicht in Frage kommt. Sie würde es wohl nicht wirklich nachvollziehen können, es wäre aber trotzdem ein Totschlagargument. Selbst wenn ich es nur zu Hause sagen würde, hätte ich zumindest jemanden auf meiner Seite.
Da ich das aber nicht tun werde, werde ich das ein verlängertes Wochenende lang um den heißen Brei herum ausdiskutieren müssen.
Ich freue mich da jetzt schon drauf...

Denn eins steht fest: DAS wäre definitiv zuviel des Guten, und für mich nicht händelbar.
Es darf nicht passieren, das bekäme ich beim besten Willen nicht hin. Mein gewohnter (und den meisten Leuten leider auch bekannter) Weg, auf den sie hier auch abzielt, nämlich nachzugeben um des lieben Friedens Willen, ist in diesem Fall also absolut keine Option.

Es gab Zeiten, da hätte ich hier irgendwann nachgegeben. Was soll's? Das überstehst du schon irgendwie. Du willst doch nicht der Spielverderber sein. Stell dich nicht an, andere kriegen das auch hin.
Somit isses zumindest gut, daß sie damit jetzt erst kommt.

Denn jeder hat wohl seine individuellen Grenzen, ich empfand es aber als äußerst schwierig, sie für mich zu ziehen. Einerseits hatte ich phasenweise fast schon panische Angst vor Fehltritten, andererseits habe ich mich immer darauf verlassen, daß sich alles schon irgendwie ergibt. Die Situation mit dem Skatturnier war zwar an sich unangenehm, und mir war sofort klar, daß sie es werden würde, ich habe aber trotzdem lieber gehofft, das irgendwie hinter mich zu bringen, statt zu sagen "Nein. Das kommt nicht in Frage!"

Ich habe es also vermieden, früh genug bewußt zu reflektieren, statt mich dem auszusetzen, weil es ja nunmal komisch und auffällig wäre, sich hier 'anzustellen'.
Somit habe ich erst angefangen, nachzudenken, wenn ich unmittelbar bemerkte, daß das, was grad passiert, gar nicht gut für mich ist, und nicht schon vorher, als es sich noch eher vermeiden ließ - Wenn das Sinn macht.
Klingt banal, ist aber doch irgendwie ein Unterschied, den ich grad nur nicht so richtig beschreiben kann.
Wenn ich früher anfange, mir Gedanken zu machen, kann ich Situationen besser vermeiden, in denen es dann schwierig werden könnte - denn eigentlich weiß ich ja, was für mich in diese Kategorie fällt.
Ich habe es aber trotzdem immer auf mich zukommen lassen, das wird sich irgendwie in Wohlgefallen auflösen, reiß dich zusammen, paßt schon.
Das tut es dann natürlich eher selten.
Schalte ich aber früher mein Hirn ein, weil ich weiß, daß ich ein Problem habe, und es Sachen gibt, mit denen ich nicht umgehen kann, statt darauf zu hoffen, daß es sich irgendwie von selbst klärt, gehe ich gleich auf Nummer Sicher.
Meine Angst davor, anders zu sein, macht es mir oft nur unnötig schwer.
Und ich bin nur ein armseliger Spieler, solche Situationen sind daher zum Glück vergleichsweise selten. Wie ätzend muß es da sein, trockener Alkoholiker zu sein...

Ich bin es gewohnt, als grober Klotz bezeichnet zu werden. Das ist okay, ich kann sehr gut verstehen, warum. In gewisser Weise kommt es mir sogar sehr gelegen, wenn ich ehrlich bin. So erwartet auch niemand irgendwas von mir.
Manchmal, so wie heute Morgen, bin ich aber doch etwas verwirrt.
"Ich vergesse halt manchmal, daß du keine Topfpflanze bist, sondern eher ein... mhhh... Elefant. Der sagt auch nie was, ist aber trotzdem nicht doof, und vergißt selten etwas."
Es ging darum, daß ich vor ein paar Wochen auf Nachfrage sagte, daß ich nicht so gerne mit der Schwiegerfamilie in den Urlaub fahren würde. Als es die nächste Male aufkam, hab ich es dann nicht erneut kommentiert.
Heute kam dann "Warum sagst du nichts? Ich hätte das fast gebucht. Na toll, jetzt muß ich absagen."
"Nein. Wenn du unbedingt willst, dann okay. Ich dachte nur, du hättest jetzt auch nicht so Lust nach dem letzten Mal... und ich hab's gesagt."
"Nein. Du hast nie widersprochen."
"Doch. Ich dachte nur, einmal reicht. Wenn du das dann übergehst, ist das eben so. Ist okay, ist ja deine Familie."
"Mhhh... vielleicht sollte ich aufhören, immer Sachen in dich reininterpretieren zu wollen."
"Ja. Das wäre ein Anfang. Ich sage normal, was ich denke. Jede weitere Diskussion ist dann überflüssig."
Und dann war ich eine Begonie... oder Dumbo... oder beides.
Scheint also wirklich nicht leicht zu sein mit mir. Mir fehlt da aber leider das Feingegühl irgendwie... und die Begabung, mich vernünftig auszudrücken.
Ist aber noch glimpflich ausgegangen. Die letzte Diskussion dieser Art endete damit, daß ich ein Wochenende allein war. Hat mich jetzt nicht sonderlich gestört, aber trotzdem... war das mal nicht so geplant.
Von daher weiß ich aber, daß das mit dem Nicht-Mehr-Reininterpretieren eh keinen Bestand hat.

Naja, wieder viel Gequatsche, also falls jemand jetzt noch nicht eingeschlafen ist... gute Nacht allerseits, und einen angenehmen Wochenstart.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:49:46
von Peter02:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #106 am: 11 April 2019, 22:48:47 »
Heute hab ich mal Zeit um in Ruhe zu antworten....

@taro.... find ich voll ok das dein Sohn keine Anzeige macht, weil eh nix nachhaltiges dabei raus kommen würde,  nur Bürokratie . Mal fünfe gerade sein zu lassen,  wird ihm ein gutes Gefühl geben.

@Tal..... dein Kopfkino beim Skatturnier, so schön und detailliert wie du schreibst, da geht Drama und Komödie zu Verfilmung  beides gleich.

Ich gehe mit 3 Arbeitskollegen alle 3 Monate Snooker spielen , das letzte mal vor 3 Wochen,. Ich hab das aber nie als Spiel gesehen im Sinne von Zocken,  eher als nen gemütliches Treffen mit Freunden. Unser Treffen findet immer Samstag um 15 Uhr statt, da um halb 4 die Bundesliga beginnt haben wir auch immer drauf gewettet.  Als ich beim letzten mal sagte das ich nicht mehr spiele,  alle wussten das ich ein  extremer spieler war/bin... wurde das ohne Diskussion direkt akzeptiert . Fand ich super.  Alle Wetten gingen natürlich verloren,  aber ich hätte es ihnen gegönnt zu gewinnen ohne Neid . Kennt ihr das stolz drauf zu sein wiederstehen zu können, mich macht nein zu sagen , zufriedener als nachzugeben. Ansonsten spiele ich nur Schach als Ausgleich,  auch das kann ich nicht in Verbindung bringen mit Spielen im Sinn von Zocken. Unterm Strich bin ich zufrieden und im reinen mit mir...weil mir das Leben ohne spielen soviel mehr zu bieten hat.


Grüße Peter
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:50:04
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #107 am: 12 April 2019, 13:05:14 »
Moin  zusammen,

ja TAL hat es toll beschrieben,  für mich wäre es nur Drama.  Ja,  es ist ein tolles Gefühl Nein zu sagen,  ich muss es mich aber auch trauen.
Als meine alte Firma Jubiläum feierte,  ging ich mit meiner Partnerin und meinen Eltern zur Feier. Mein Chef und seine Frau hat jeden feierlich begrüßt.  Wir bekamen ein Glas Champagner und JEDER ein Los. Ich sagte meinem Chef,  das ich kein Los möchte.  Sichtlicj irritiert sagte er, jedes Los würde Gewinnen. Aus den Augenwinkeln sah ich,  das meiner Mutter das ganze unsagbar peinlich ist. Ich erwiederte, das ich gerne ein Geschenk annehme, ein Los sei dafür nicht erforderlich. Er wies auf den stark unterschiedlichen Wert der Gewinne hin. Ich verzichtete dann dankend.

Meine Mutter und meine Partnerin könnten das nicht nachvollziehen.
Obwohl ich einiges an tuschelein durch mein Verhalten ausgelöst habe, fühlte es sich trotzdem gut an.

Meine heutige Partnerin weiß,  das bei allem was mit dem Spielen zu tun hat Ihre Meinung keine Wichtigkeit hat. Ich Handel wie ich es mache, ein Urteil von Ihr ist nicht von Interesse.
Es gibt genügend Prüfungen auf dem Weg, da brauche ich mich nicht auch noch von aussen eingebrachte Dinge mit Menschen auszudiskutieren,  die es letztlich eh nicht verstehen können.

Das gilt übrigens auch in die andere Richtung. Als ich Geld an der Börse und in Edelmetall anlegte, fragte sie, ob das nicht spielen sei.  Ich sagte Ihr Nein und beendete das Gespräch.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:50:25
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #108 am: 17 April 2019, 18:32:28 »
Das mit dem Trauen ist eben so eine Sache. Bei Sachen wie Brettspielen steht mir manchmal mein Wunsch nach Unauffälligkeit im Wege, wenn ich nicht rechtzeitig wegkomme. Loskäufe oder sowas hingegen lehne ich auch offen ab. Ich will nicht, was soll der Unsinn? Widerstehen im klassischen Sinn mußte ich schon länger nicht mehr, es war bei mir aber eh immer ein längerer Prozeß, nur selten sind es wirklich irgendwelche spontanen 'Trigger' gewesen. Eher abstruse Gedanken oder wirre Phantasien, die zum Selbstläufer wurden, wenn ich nicht aufgepaßt habe. Oftmals begann es mit "Du bist eh am Arsch, also was soll's?", oder "Könnte doch nicht schaden, vielleicht geht es dann besser.", was sich schnell verselbständigte, wenn ich es nicht unterband. Ebenso konnte es auch passieren, wenn es mir 'zu gut ging', dann kam die Nachlässigkeit "Wäre doch eigentlich gar nichts dabei..." Die Stimme wurde immer lauter und selbstbewußter, und je länger ich es zuließ, desto schwerer wurde es, aus der Nummer wieder rauszukommen, ohne dabei Federn zu lassen.

Auch wenn es durchaus schon Onlineangebote gab, mußte ich immer einen Ortswechsel vornehmen, bevor überhaupt etwas passieren konnte. Für mein Unterbewußtsein galt es dann also, erstmal nur ganz subtil, mich selbst zu überzeugen, daß das doch absolut okay war, jetzt nochmal loszugehen, und rein gar nichts damit zu tun hatte, daß ich eventuell spielen wollte. Das war natürlich total abwegig, ich doch nicht! So begann es also schon weit früher als in dem Moment, wo es wirklich gefährlich wurde. Ich konnte sehr kreativ werden, mir Gründe einfallen zu lassen, zu seltsamen Zeiten das Haus zu verlassen, oder eigentlich völlig sinnfreie Umwege zu nehmen. Ziemlich armselig eigentlich.

Natürlich war ich immer erleichtert, wenn ich einen Stolperstein umschifft hatte, ich habe es trotzdem gehaßt, diese Schwäche wieder aufgezeigt zu bekommen, das nagte sehr am Selbstwertgefühl und ließ mich gelegentlich ehrlicherweise sogar an meinem Verstand zweifeln. Ja, ich hatte es nicht getan, aber warum war das bloß so schwer? Was stimmt nicht mit mir? Armseliger Trottel, reiß dich gefälligst zusammen!
Von Stolz konnte da keine Rede sein.
Ich wollte es vergessen, und nicht daran erinnert werden, das zog mich runter, und ich fühlte mich hilflos und fremd. Hörte das denn nie auf?

So schnell wie möglich Nein zu sagen ist also gewissermaßen eine Entscheidung im Interesse meines inneren Gleichgewichts, auch wenn es kurzzeitig unangenehm sein kann. Ich ziehe dann letztlich doch lieber das gleichmäßige Dahingeplätscher dem unberechenbaren Chaos vor, das früher oder später zwangsweise im Desaster enden würde.
Eine Vernunftentscheidung sozusagen, eigentlich sollte das ja selbstverständlich sein.
Eigentlich...
Tief im Innern klingt Vernunft aber halt leider manchmal eben doch so spießig und langweilig.

Börsenspekulationen und Aktiengeschäfte... mit sowas will ich so wenig wie möglich zu tun haben, oder besser gesagt, ich will mich damit nicht beschäftigen.
Ich habe zwar ein Sparkonto, aber aus anderen Gründen. 'Überschüssiges' Geld ist so erstmal aus dem Weg...
Auch etwas, was sich schwer vermitteln läßt. Unser letzter Autokauf hat sich dadurch etwas verzögert, das stieß, mal wieder, auf mehr als nur leichtes Unverständnis.
Die Handhabung meines eigenen Geldes ist aber etwas, was ich tatsächlich auch nicht diskutiere. Ich erkläre mich da nicht. Ist eben so. Punkt.
Ich zucke dann mit den Schultern - Gespräch beendet. Ist zwar nicht nett, aber ich weiß mir da leider nicht anders zu helfen.

Ich stelle es mir eben extrem unangenehm vor, wenn Leute in einer solchen Situation wissen, warum ich nicht unnötig Geld 'rumliegen lassen' will, oder das Los nicht haben will. Unschöne Fragen würden da mit Sicherheit kommen, weil der ein oder andere es unbedingt verstehen wollen würde. Das muß aber letztlich eben keiner, und ich würde mich auch nicht erkären wollen. Wie auch?
Davor hätte ich Angst, vor unangenehmen Fragen und den Versuchen anderer, Verständnis aufzubringen für etwas, über das ich nicht reden will, und das ich auch gar nicht in Worte fassen kann. Wenn ich darüber nachdenke, und auch schreibe, klingt es schon so unendlich bizarr, ich verstehe es ja nichtmal selbst. Außerdem geht das niemanden etwas an, und ich möchte es nicht aufwühlen. Ich sage mir immer gerne selber, daß ich es mir inzwischen doch irgendwo verdient habe, die Vergangenheit ruhenlassen zu dürfen.
Ich will auch gar kein Verständnis, das wäre wohl mehr als unangemessen.

Ich bin halt doch irgendwie anders. Wenn meine bessere Hälfte mal in einen Lottoladen geht, und dann auf die Idee kommt, vom Wechselgeld ein paar Rubbellose zu kaufen, gehe ich einfach raus, um zu verhindern, eins in die Hand gedrückt zu bekommen. "Du hast doch immer Glück." Nein danke, das ist doch Blödsinn, ich warte draußen.
Diese Situation hatten wir schon zwei- oder dreimal. Die anschließende Unterhaltung war immer dieselbe, wir haben definitiv verschiedene Ansichten dazu, ob es irgendwie bekloppt ist, bei einem Gewinn gleich neue zu holen.
"Das ist doch bescheuert. Warum tust du das überhaupt?"
"Warum nicht?"
"Du sagst, du hattest beim ersten Mal zwei Euro gewonnen, immerhin besser als nichts mehr zu haben, da hättest du doch rausgehen können, oder dir ein Eis kaufen, statt dafür nochmal Lose zu nehmen."
"Nee. Was soll ich damit?"
"Warum machst du es dann?"
"Keine Ahnung. So ist das eben. Ist doch auch egal, gewinnen tut man eh nichts."
"Mhhh..."
Wir wissen ja eigentlich beide ganz genau, daß man nie gewinnt.
Und ich würde mir mit Sicherheit auch kein Eis vom Gewinn kaufen.
Dennoch ist da ein gravierender Unterschied: die unterbewußte Herangehensweise. Einer von uns beiden rechnet bei sowas eben nicht wirklich damit, tatsächlich etwas zu gewinnen, das Geld ist als Zeitvertreib bereits vorher abgeschrieben, es fehlt die Erwartungshaltung... oder so ähnlich.

Ich kann das ganz einfach nicht, auch wenn ich's mir manchmal einreden will. Könnte ich es, würde ich mich das nämlich erst gar nicht fragen müssen.
Ein Rubbellos wäre wahrscheinlich nichtmal problematisch, aber ich habe zuviel Respekt vor dem, was passieren könnte, um mich einfach mal zu testen.

Das 'Warum tut man es dann überhaupt erst?' irritiert mich da trotzdem jedes Mal.
Wenn jemand nicht spielt, um zu gewinnen (zumindest als persönliche Rechtfertigung), warum dann?

Dazwischen liegen Welten, für die es keine wirklich passenden Worte gibt. Es ist nicht greifbar, ich ticke halt eben nur irgendwie falsch.

Ich wünsche allen einen sonnigen Abend. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:50:45
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #109 am: 18 April 2019, 23:03:03 »
Moin Tal,

ich komme immer an all mein Geld, das ist für mich der Schutz, ich kann mir jeder Zeit alles nehmen wenn ich wieder spiele, ein guter Grund es nicht zu tun, wie ich finde.

Zu Anfang meiner spielfreien Zeit, ich arbeitete noch auf dem Bau, kam mein Lehrling morgens mit seinem neuen Auto, einen Golf. Er war kurz vor der Gesellenprüfung.
Am nächsten Tag kam er mit einen total aufgemotzt Golf GTI. Er erzählte, er hätte auf den Nachhauseweg ein Rubbellos gekauft und 25.000 DM gewonnen. Er ist sofort wieder zum Autohändler und hat seinen Wagen gegen den GTI getauscht.

Zwei Wochen später hatte er auf der Landstraße einen Unfall, er überschlug sich und kam ins Krankenhaus. An der Gesellenprüfung konnte er erst ein halbes Jahr später teilnehmen. Der Wagen war ein Totalschaden. So richtig gelohnt hat sich der Gewinn irgendwie nicht, wie ich finde.

Ein sehr guter Freund bei GA hatte eine Freundin die Lotto spielte. Er war schon 4 Jahr trocken. Sie hatte dann 5 richtige, erfüllte auch Ihm kleine Wünsche, ein neues Fahrrad und andere Kleinigkeiten. Bis dahin war er für mich ein Vorbild auf meinen Weg in die Spielfreiheit. Plötzlich spielte er wieder, der Rückfall dauerte ungefähr 20 Jahre. Er hatte immer wieder kürzere Spielpausen. Die Möglichkeit aus einer Sucht auszusteigen hat immer ein Zeitfenster, ist eins geschlossen muss ich warten bis sich eines öffnet.

Jeder hat seine Geschichte, sicher hat auch dieses Erleben damit zu tun, dass ich schon erwarte, dass ihre Frau nicht gedankenlos einfach Rubbellos kauft. Das war zum Glück auch nie irgendein Problem.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:51:05
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #110 am: 23 April 2019, 18:32:10 »
Ja, ohne Geld geht es nunmal nicht, das läßt sich nicht vermeiden. Ich mußte da irgendwie durch. Für mich war da die logische Lösung "Aus den Augen, aus dem Sinn."
Zumindest in der Theorie, denn auch das klappt nur bedingt.
Ich wußte nur, ich muß etwas tun, und da kann mir keiner bei helfen - so dachte ich jedenfalls.

Mein Hauptjob war im Einzelhandel. Ich habe also, wenn ich was brauchte, direkt dort eingekauft, und mein Portemonnaie nach Feierabend immer in meinem Spind gelassen. Nicht ideal, nicht narrensicher (aber was ist das schon?), aber besser als nichts. Ich habe sehr oft in der Umkleide gestanden und mit mir gerungen, das auch wirklich zu tun. Was soll der Unsinn? Nimm wenigstens ein bißchen was mit, nur für den Notfall, du gehst doch sowieso gleich nach Hause... Ist doch nicht nötig... Mach dich doch nicht lächerlich...
Geld in der Tasche, oder schneller Zugriff, war nicht gut für mich. Und auch wenn das keine absolute Sicherheit gibt, so gibt es wenigstens Zeit, wenn man nicht sofort 'aus einer Laune heraus' agieren kann.

Heute mache ich das natürlich nicht mehr, 'unnötige Risiken' vermeide ich aber aus reiner Gewohnheit nach wie vor. Auch das ist irgendwie 'einprogrammiert' bei mir.

Nach Zahlungseingang auf meinem Konto räume ich heute noch alles, bis auf das, was ich etwa im Monat brauche, auf ein seperates Sparkonto. Jede Transaktion hin oder zurück dauert einen oder zwei Werktage, direkt abheben geht dort nicht.
Zusätzlich habe einen maximalen Betrag pro Tag, der von meinem Konto abgehoben oder überwiesen werden kann.
Auch das System hat Lücken, da es bei EC-Kartenzahlungen nicht zieht, wie ich einmal bei Ikea an der Kasse festgestellt habe, als jemand seine Karte vergessen hatte - ich konnte trotzdem zahlen... und natürlich bin am Ende ich selbst derjenige, der einfach in die Bank laufen und all das aufheben kann.
Aber das kostet Zeit.
Ich mußte das Limit auch schon ein paarmal kurzzeitig rausnehmen, um einen höheren Betrag abzuheben oder zu überweisen.
Auf die Frage der Bankangestellten "Dauerhaft? Oder nur für heute?" sagte ich nach kurzem Zögern bisher jedes Mal "Nur für heute".
Mich hat bei der Bank übrigens noch nie jemand gefragt, warum ich das tue. Es ist auch nicht mehr dieselbe Bank wie damals. Sobald ich wieder im Plus war, bin ich von der alten Bank weg. Die hab ich gefressen bis an mein Lebensende.
Ich besitze auch keine Kreditkarte und keinen Dispo mehr.
Außerdem arbeite ich Vollzeit auf Lohnsteuerklasse 5. War so mit das erste, was wir nach der Hochzeit gemacht haben.
"Bist du sicher?"
"Klar, du verdienst doch mehr, und meine Nebenjobs betrifft das nicht."
Ich habe keine Nebenjobs mehr, trotzdem haben wir es so gelassen. Für mich ist das mehr als nur in Ordnung.
Das Einzige, was ich inzwischen wieder habe, ist Onlinebanking, allerdings nur an festen PCs oder Laptops, für mobile Endgeräte wie Handies oder Tablets ist es gesperrt.

Mich würde ein Geldmanagement, welcher Art auch immer, sicher nicht aufhalten, wenn die Klappe erstmal gefallen ist. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Es dient lediglich dazu, Zeit zu haben, um durchzuatmen und sich alles durch den Kopf gehen zu lassen.
Es gab aber auch schon Monate, wo ich vergessen hatte, mein Konto zu räumen, und ich hatte es nichtmal bemerkt. Als es mir dann auffiel, war ich jedes Mal ziemlich erschrocken. Puh... Glück gehabt, das ist nochmal gutgegangen.
Mich einzuschränken ist nie eine Garantie. Es ist auch mehr Gewohnheit als alles andere, aber warum sollte ich es ändern?

Und sobald ich wieder mit dem Spielen anfangen sollte, würde ich die Beschränkungen sowieso aufheben... also was soll das?
Vielleicht habe ich immernoch Angst vor mir selbst... nein, nicht nur vielleicht... und vielleicht brauche ich es, um mich sicher zu fühlen. Es bringt rein gar nichts, das weiß ich selbst, beruhigt mich aber trotzdem irgendwie. Komfortable Routine ist für mich vom Gefühl her sowas wie ein sicherer Hafen.

Fremdverwaltung hingegen... mhhh... das würde mein Ego nicht zulassen, heute wie damals. Jemanden meine Kontobewegungen sehen zu lassen... auf keinen Fall, das würde mich total verunsichern. Ich empfinde das immernoch als sehr privat, selbst innerhalb einer Beziehung, und da würde sich etwas sehr lautstark gegen sträuben, auch wenn ich eigentlich gar nichts zu verbergen habe. Andererseits hatte ich sowas auch nie auf dem Zettel, daran hatte ich nichtmal gedacht. Und mal ehrlich... wer hätte das auch für mich machen sollen?

Verstehen kann ich's aber, wenn jemand das für sich so handhaben möchte, und es für den Partner in Ordnung geht. Ich weiß, wozu ich fähig bin, also wäre es doch besser, mir einfach den Hahn abzudrehen, und es mir schwerer zu machen, es zu verheimlichen. Klingt vernünfig, man sollte es nur nicht nutzen, um die Verantwortung auf andere abzuwälzen, da liegt wohl auch eine Gefahr, zumindest wäre das wohl bei mir so gewesen. Denn dummerweise kann ich leider auch ungemütlich werden, wenn der Gedanke erstmal eine Eigendynamik entwickelt hat, das wäre der Nachteil für den 'Verwalter'. Es gäbe mir die komfortablee Gelegenheit, einen Egotrip zu starten, und meinem Gegenüber Kontrollzwang oder Bevormundung vorzuwerfen - eine weitere Möglichkeit, die Verantwortung abzuschieben, was mir da sehr entgegengekommen wäre. Einen Schuldigen zu haben kam mir da immer sehr gelegen.
Zu meiner aktiven Zeit hätte derjenige ein dickes Fell und viel Rückgrat gebraucht - also gut, daß ich mir das nie verscherzt habe.
Aufgehalten hätte es mich im Ernstfall eh nicht.

Also ja, wenn ich spielen wollte, würde mich ein Geldmanagement jedweder Art auch nicht stoppen, das weiß ich. Sobald ich etwas tue, um mich einzuschränken, habe ich im Hinterkopf auch schon eine 'Strategie', wie ich es 'notfalls' aushebeln könnte. Mir selbst einen Schritt vorauszusein ist deshab oftmals leider schlichtweg unmöglich. Ich kann das auch nicht abstellen, also könnte ich es eigentlich auch ganz lassen, das ist richtig, da mache ich mir auch nichts vor.

Ich kam natürlich irgendwann auch nicht mehr drumherum, mich zu fragen... Habe ich ein gestörtes Verhältnis zu Geld?
Ja, offenbar schon...
Ich erwische mich auch heute ab und an oft dabei, daß ich im Laden anfange, mir selbst zu sagen, diese oder jene Ausgabe sei doch eigentlich total unnötig. Nicht im Sinne von "Das ist zu teuer.", sondern eher sowas wie "Brauchst du das wirkich?".
Das kann ewig so gehen. Ich ringe mit mir selbst - absolut unnötigerweise muß ich mich selbst überzeugen, daß ich tatsächlich neue Schuhe brauche. Wozu? Das geht doch noch, da kannste auch noch mit warten.
Wenn das mal nicht bescheuert ist... Die Prioritätenliste in meinem Kopf wird offenbar von einem knauserigen Bilanzbuchhalter organisiert, der augenscheinlich zuviel Zeit und einen verschrobenen Sinn für Humor hat. Es macht absolut null Sinn, aber ich kriege es nicht raus. Warum muß ich alles rechtfertigen? Vor wem? Meinem inneren Geizhals?
Sagt mir aber jemand "Bring mal das oder das mit.", oder "Kannst du meiner Schwester Geld überweisen? Mein Onlinebanking funktioniert übers Osterwochenende nicht.", dann mache ich das ohne Nachzudenken. Die Entscheidung darüber, für etwas Geld auszugeben, besonders wenn's um mich selbst geht, selber zu treffen, fällt mir hingegen schwer... auch wenn das irgendwie seltsam klingt.
Andere Leute haben einen steigenden Lebensstandard, je mehr sie verdienen, er paßt sich automatisch an. Das einzige, was sich da bei mir ändert, ist die Summe, die ich jeden Monat zur Seite schaffe...

Und das, obwohl Geld mir eigentlich egal ist, das ist schon paradox. Mich irritiert jede Art von Gerede darüber, egal ob es Gejammer ist, weil einer meint, zuwenig zu haben, oder Geprahle, wie gut es jemandem doch finanziell geht. Ich habe genug Lebenszeit verschwendet, mir einzureden, ich hätte nicht genug davon, ohne eigentlich zu wissen, was ich überhaupt damit will.
Nein, danke.

Das mit den Rubbellosen war keine Ignoranz oder auch nur Gedankenlosigkeit, sondern schlichtweg Unwissenheit. Ich habe mich tatsächlich noch nie gefragt, was wäre, wenn jemand in meinem Umfeld etwas gewinnen würde...
Ich habe mich wohl innerlich entschieden, diese Möglichkeit einfach kategorisch auszuschließen.
Glücklich macht es jedenfalls nicht.

An der Sache mit dem Fenster ist viel Wahres dran.
Es gibt Dinge, die ich nicht gerne lese. Sowas trifft ins Schwarze. Ich finde es immer schwer zu sehen, wenn feste Überzeugungen und gute Vorsätze am Ende doch nicht reichen, das ist so unglaublich bitter.
"Was kümmert dich das? Mach dir keinen Kopf... :)"
"Wer hat dich denn gefragt?"

Kann man nichts machen, aber das gehört zu den Dingen, die ich nicht hören will.

Schönen Feierabend euch. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:51:25
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #111 am: 24 April 2019, 23:17:10 »
Moin Tal,

ich darf jeder Zeit spielen wenn ich vorher jemand anderen berichtet habe warum ich jetzt spielen muss.
Das ist bei mir gesetzt und meine "Verzögerung" um den ersten Impuls zu überbrücken. Eine finanzielle Kontrolle kam für mich auch nie in Frage. Freiheit ist der Grund warum ich spielfrei geworden bin.
Von meiner Frau ist es auch nicht die Aufgabe, ich habe eine Partnerin und keine Mama.

Mit Geld hatte ich auch lange eine Störung. Ein einschneidende Erlebnis, ich wollte mir ein neues Wohnzimmer kaufen. Schaute mir eines aus das mir gefiel. Ich kaufte aber nicht Komode Schrank und Tisch, was ich brauchte, ich kaufte nur die Komode um erstmal zu schauen wie es sich anfühlt. Wochen später nachdem ich ein gutes Gefühl zur Komode hatte kaufte ich den Rest.
Vom Grundsatz her mache ich das heute noch, was sich gut anfühlt wird gekauft. Was sich schlecht anfühlt kommt weg. Hilft mir sehr, da spielt Geld keine Rolle.
Den einzigen Tick den ich vielleicht habe, mein Sicherheitspolster ist schon extrem hoch. Ich will nicht mehr kein Geld haben.
Dem widersprechend ist es mir sehr wichtig, dass Geld nicht wichtig ist. Klingt paradox ist aber so.
Oft habe ich die schönsten Erfahrungen bei Reisen oder Wochendausflüge ohne oder mit deutlich zu wenig Geld. Ohne Geld muss ich einfach in Bewegung kommen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:51:45
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #112 am: 26 April 2019, 23:51:22 »
Ich wollte noch etwas zum offenen Fenster sagen.
Als ich in die shg kam habe habe ich mit einem Freund der da schon 2,5 Jahre trocken war viel unternommen. Die am längsten dabei waren, waren 4 Jahre Spielfrei. Vieles auf meinem Weg in die Spielfreiheit habe ich von Ihm gelernt. Nach einem Lottogewinn seiner Freundin wurde er rückfällig. Alles was er mir beigebracht schien nun bei ihm nicht mehr zu fruchten. Trotz vielen Bemühungen spielte er noch viele Jahre.

Mir selber ging es beim Rauchen so, ich hörte auf und es war so einfach. Meine damalige Freundin ließ sie Ihr Zigaretten auf dem Tisch liegen. Ich probierte eine, hatte keine Angst, wußte ja das das Aufhören einfach war. Leider rauchte ich danach über 10 Jahre weiter, das Fenster war verschlossen.

Im laufe der Zeit habe ich viele Menschen vor das geschlossene Fenster laufen sehen. Alles Bemühen hat dann keinen Sinn.

In dem Moment wo ich mir das erste mal Hilfe hohle war bei mir und ist bei vielen anderen das Fenster offen. Dann gilt es alles an Hilfe anzunehmen was mir möglich ist. Es braucht meine ganze Energie. Wenn ich dann hier lese " ich mache erstmal cb, dann kümmere ich mich um meine Sucht" oder "ich versuche es erstmal alleine". Dann ist das nur schwer zu ertragen, muss ich doch immer wieder erkennen, ich bin dem spielen gegenüber machtlos.

Trotzdem kann ich das Fenster auch für mich nutzen um nicht fruchten, wenn Eugen mir etwas einflüstern will. Die Angst vor dem verschlossenen Fenster kann mich trocken halten.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:52:09
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #113 am: 27 April 2019, 20:03:58 »
Hallo Taro,

das würde bei mir nicht klappen, denn, wem auch immer ich das berichten würde, die Antwort wäre wohl immer sowas wie "Ja, dann mach doch.", eventuell vielleicht noch begleitet von einem irritierten Stirnrunzeln.
Schon allein deshalb wäre es Selbstbetrug, die Verantwortung abzugeben - denn es würde ja nichtmal als eine solche aufgefaßt werden.
"Nun halt mich auf."
"Ähhh... was??"
Mal ganz davon abgesehen ist das ganz allein mein Problem.

Zitat

    Ich will nicht mehr kein Geld haben.

Ja, absolut. Ich habe ein gutes Polster, trotzdem kann ich mit wenig auskommen, ich tue es sogar irgendwie ganz unbewußt automatisch. Was mich aber echt ängstigen würde, wäre der Gedanke, es tatsächlich wieder zu "müssen".
Das ist nämlich etwas, was ich nie wieder erleben will. Diesen Zustand zu beenden hat mich viel Kraft gekostet, weit über meine aktive Zeit hinaus.
Heute muß ich mir nichts kaufen, ich weiß aber, daß ich es könnte, das gibt tatsächlich sowas wie ein Gefühl von Sicherheit.

Auch in knappen Zeiten kann man gut auskommen und schöne Dinge erleben, dazu braucht es nicht viel Geld. Seit ich nicht mehr spiele, habe ich immer lieber verzichtet, als 'über meine Verhältnisse' zu leben - oder halt eine Alternative gesucht. Meine bessere Hälfte ist da eher "Ach, was soll's? Was kostet die Welt?!", und hat das nie verstanden.
Wenn ich mit anderen was Essen gehe, oder ins Kino oder so, denke ich nie darüber nach, was das kostet - ich mache es einfach. Andere haben mir da quasi die Entscheidung abgenommen.
Ich führe auch kein Buch oder so.
Für mich selbst allerdings, naja... die Wahl zwischen zwei Extremen ist immer angenehm einfach - was mir hier fehlt, ist, wie so oft, der gesunde Mittelweg - Was brauch ich, und was brauch ich nicht? "Brauchen"... mhhh...
Was Ausgaben für mich selbst angeht, ist es also der Komfort, eine Wahl zu haben, selbst wenn mir die andere Option nichtmal zusagt. - Auch das scheint mit dem positiven Gefühl persönlicher Selbstbestimmung zusammenzuhängen, selbst wenn mein Verständnis davon etwas seltsam ist.

Ich will nicht mehr als nötig mit Geld zu tun haben, es ist mir egal, und wenn jemand etwas braucht, kein Problem.
Ich muß nur wissen, daß genug da ist, da interessiert mich die genaue Summe nichtmal.
Ansonsten laßt mich einfach damit in Ruhe.

Tja, und das merke ich gerade... wir sind nämlich am Überlegen, umzuziehen.
Meine bessere Hälfte ist immer schon sorglos mit Geld gewesen, was da ist, wird ausgegeben... und die Wohnungsidee hat sich offenbar manifestiert.
Erst dachte ich... "Ajo... mir egal", dann hab ich drüber geschlafen... oder eher gesagt 'gebrütet' und gerechnet, an sich schon eine schlechte Idee. Das Ergebnis war dann auch: Ich will nicht!

Denn es ist ein ungünstiger Zeitpunkt.
Die neue Wohnung steht momentan leer, wir müßtens uns, wenn wir sie bekommen, also schnell entscheiden, und haben hier drei Monate Kündigungsfrist. Das wären drei doppelte Mietzahlungen. Außerdem müßten wir 4.000€ Mietkaution stellen, fahren im Juli in den Urlaub, der bisher nur mit 100€ angezahlt ist, im Juni auf ein Festival in Nürnberg, im Mai ist der TÜV bei meiner 20 Jahre alten Karre fällig (plus Reparaturen), und die Renovierung des Flures hier müßten wir zum Teil auch machen lassen, da es eine Maisonettewohnung ist, da komme ich im Treppenaufgang nicht ran. Wir bräuchten auch neue Schlafzimmermöbel, weil das hier angepaßt ist an die Dachschrägen.
Das zusätzlich zu den Kosten, die dabei sowieso anfallen würden.

Kurz gesagt: Da sträubt sich etwas, und zwar gewaltig. :(

Ich hab also getan, was ich bei sowas immer mache; ich habe angefangen, gegenanzureden, Gründe dagegen zu finden, um nicht sagen zu müssen, was für mich das eigentliche Problem ist, denn das bekomme ich erfahrungsgemäß nicht vermittelt - es endet dann in einer sinnlosen Diskussion über meine seltsame Einstellung, Grünpflanzen und Gott und die Welt an sich, aus der ich mich dann recht schnell wortlos ausklinken würde. Nicht gut. Lassen wir lieber.
Dann kam "Laß uns doch mal ne Exceltabelle machen, um zu sehen, ob es geht. Was hast du eigentlich überhaupt an Einkommen und Rücklagen?"
Weia... scheiße... mhhh... okay, die Frage machte ja schon irgendwie Sinn. Also hab ich nachgesehen. Das war mir sehr unangenehm. Warum eigentlich? Weil jetzt jemand meinen Kontostand kennt?
"Oh..."
"Ja. Der Autokauf letztes Jahr hat das etwas reduziert."
"Ernsthaft... Au Mann... das ist dann doch wirklich kein Problem. Packste zur Not etwas davon als Reserve aufs Konto und nimmst diese bescheuerte Sperre raus, dann paßt das. Das ist eh total hirnrissig."
"Naja..."

Fakt ist: Wir könnten uns das locker leisten. Trotzdem gefällt mir die Idee absolut nicht. Ein mehr als ausreichendes Polster ist da, aber wir hätten bei Einnahmen und Ausgaben auf die drei Monate gerechnet eine Bilanz von etwa +/-0, bei moderater Lebenshaltung. Aber... diese sinnlose Sparsamkeit in der Lebensführung existiert nur in meinem Fall. Also ist da ein weiterer 'Risikofaktor', und alles, was über 'moderat' hinausginge, müßte ich tragen. Mein Problem ist da nicht die Sache an sich, sondern, daß ich das irgendwie händeln müßte, und dazu bräuchte ich ein offenes Scheunentor.

Ich konnte die letzten Nächte nicht gut schlafen, da mein Kopf mir in einer Tour einflüsterte, was alles dagegenspricht. Das hat sich überschlagen. Immer wieder. Ich bin erschrocken, daß mich das echt so aus der Bahn wirft, denn ich weiß ja letztlich genau, was mich daran wirklich verunsichert...
Es sind die drei Monate Verpflichtungen, drei Monate Verantwortung, drei Monate, in denen ich auf's Geld achten müßte... denn das Polster liegt ja bei mir und die Summe ist jetzt bekannt.
Dafür bräuchte ich schnelleren Zugriff.
Das macht mich nervös. Ich will das nicht!

Das wäre das erste Mal seit langem, daß ich einen (wenn auch diesmal nur gefühlten) finanziellen Engpaß in meinen Einkünften hätte, und dann soll ich den komfortablen Schutzmechanismus abstellen?
Es wäre logisch, es so zu machen, aber alles in mir schreit "Halt! Du kannst das nicht tun."

Seitdem bete ich, daß wir den Zuschlag nicht bekommen. Bisher mit Erfolg.

Tja, so ist das bei mir. Irgendwas ist immer im Aufruhr da oben. Ist wohl ein generelles Problem. Aber du hast es gut getroffen. Sobald ich mir meine Unzulänglichkeiten ins Bewußtsein rufe, entwickelt mein Selbstschutzinstinkt eine Eigendynamik. Ich habe es nie herausgefordert, und im Zweifelsfall bringt es eh nichts, aber ich halte irgendwie daran fest, daß es für meinen Seelenfrieden erforderlich ist.

Das mit dem Rauchen kenne ich genauso auch. Da ist viel Wahrheit dran. Ich war anderthalb Jahre rauchfrei, meine bessere Hälfte hatte aufgehört. Erst hielt ich es für eine Phase, aber als es anhielt, hörte ich auch auf. Das war nichtmal schwer. Ab und an, wenn ich auf den Bus wartete oder so, war es komisch ohne, aber sonst...
Dann flogen wir letztes Jahr in den Urlaub. Am Flughafen war ich so nervös, daß ich mir eine Schachtel gekauft habe. Es hat sich langsam gesteigert, mal ein paar Tage gar nicht... inzwischen bin ich fast auf demselben Level wie vorher. Wieder aufzuhören allerdings versuche ich gar nicht erst, es würde momentan eh nicht funktionieren.

Denn ja, verdammt. Genau das ist es.
Lese ich, daß jemand einen Rückfall hatte, denke ich "Steh auf, scheiß auf den Rest."
Bloß nicht aufgeben... bitte!

Wenn man das schafft, ist es gar nicht so schlimm.
Wenn...

Ich verstehe, warum jemand sagen würde "In einem Monat sage ich es meiner Freundin", oder "Ich versuche das erstmal so". Sehr gut sogar.
Ich weiß aber auch genau, aus welcher Ecke solche Gedanken kommen, also warum ich sie habe, und zu welchem Zweck.
Genau wie bei deinem Freund sorgt aber auch bei mir das Wissen nicht automatisch dafür, auch entsprechend zu handeln.
Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Die erste prsönliche Geschichte, die ich je las, war der Spieler aus Birmingham. Zwischenzeitlich war er in einer seiner trockenen Phasen auch als Suchtberater für eine gemeinnützige Organisation tätig. Für diesen Job mußte er ein Formular unterschreiben, um zu bestätigen, daß man, falls man ein Suchtproblem hatte, zu Vertragsbeginn mindestens anderthalb Jahre suchtfrei (außer Rauchen) war. Das war er auch, also kein Problem.
Dann hatte er einen Rückfall (das war von außen betrachtet mehr als abzusehen), er erzählte es seiner Chefin, und die sagte ihm "Ist in Ordnung, keine Panik, das bekommen wir irgendwie hin. Wichtig ist erstmal, daß du dich darum kümmerst, dann ist es nur eine einmalige Sache."
Er hatte es nicht hinbekommen, obwohl er im Prinzip an der Quelle saß.
Seine Familie wohnt am anderen Ende des Landes, wenn sie länger nichts von ihm hört, schickt seine Schwester ihm einen Lebensmittelgutschein für den Supermarkt.
All sein Wissen nützt ihm nichts, er spielt heute noch.
Er hat resigniert, Hilfe kommt für ihn nicht in Frage, das ist 'nicht so sein Ding', und außerdem schämt er sich vielzu sehr.
Normal bin ich eher nicht so wirklich empathisch veranlagt, aber während des Lesens hatte ich immer wieder das Bedürfnis, hinzufahren und ihn mal ordentlich zu schütteln. Das rührte wohl aus dem ohnmächtigen Bewußtsein heraus, nichts tun zu können...
Kürzlich hat er wieder einen Versuch gestartet, das hinter sich zu lassen. Ich würd's ihm so sehr wünschen...

Auch er hatte es für Außenstehende 'gepackt'. Drei Jahre spielfrei. Herzlichen Glückwunsch.
Lese ich seine Tagebucheinträge aus der Zeit, weiß ich aber sofort, daß dem nie so war, es war nur eine Frage der Zeit.
Ich hätte sie selbst geschrieben haben können.

Für mich hat es noch nie ein 'Einfach-Wieder-Aufstehen' gegeben. Das wurde jedes Mal schwerer, selbst wenn meine Pause nur drei Tage gedauert hatte. Ich konnte das noch nie wegstecken. Nach so langer Zeit wäre es der Supergau.
Ich weiß ja nichtmal, wie ich es überhaupt geschafft habe, daß ich heute hier sitze.
Mein Fenster wäre zu. Das weiß ich. Darum habe ich so eine Angst davor.
Ich würde es nicht packen... nicht nochmal.
Es wäre kein Zwischenfall, es wäre ein Neustart.

Und ich hätte nicht die Eier, das einzugestehen, nichtmal vor mir selbst.

Diese Angst in meinem Hinterkopf ist nicht neu. Sie ist aber auch nicht immer da. Oft geht es monatelang ohne.
Aber bei sowas wie der Sache mit der Wohnung kommt sie wieder, was unsinnig ist, denn ich hatte schon so oft Gelegenheiten, die meist gar nicht in meinem Ermessen lagen, an denen ich aber nichtmal dran gedacht habe, absolut gar nicht.

Ich denke auch jetzt nicht dran, nur daran, was wäre, wenn ich es einer solchen Situation dann plötzlich doch täte...
... und ich könnte den Hahn nichtmal wieder zudrehen, weil keiner verstehen würde, warum.
Mal abgesehen davon, daß ich das dann auch gar nicht mehr schaffen würde.

Das wird sich wohl auch nie ändern. Ich habe nur diese eine Chance.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:52:34
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #114 am: 30 April 2019, 22:48:16 »
Zitat TAL:
"das würde bei mir nicht klappen, denn, wem auch immer ich das berichten würde, die Antwort wäre wohl immer sowas wie "Ja, dann mach doch.", eventuell vielleicht noch begleitet von einem irritierten Stirnrunzeln.
Schon allein deshalb wäre es Selbstbetrug, die Verantwortung abzugeben - denn es würde ja nichtmal als eine solche aufgefaßt werden.
"Nun halt mich auf."
"Ähhh... was??"
Mal ganz davon abgesehen ist das ganz allein mein Problem."

Moin TAL,
bei dem von Dir zitierten liegt ein typisches Missverständnis vor. Natürlich bin nur ich ganz allein verantwortlich. Ich könnte das was ich sage auch einer Wand erzählen, nur das mache ich ja nicht. Es geht nicht darum was der Zuhörer sagt, sondern das ich den Unsinn ausspreche den ich in solchen Momenten im Kopf habe. Es geht darum den Moment zu überbrücken. Zu erklären warum ich spielen gehen muß gelingt mir nicht.
Es ist doch das was oft missverständlich ist, es kann mir kein Therapeut, keine Beratungsstelle und keine SHG helfen. Ich kann mir immer nur selber helfen. Der Therapeut kann mir am besten Techniken beibringen Dinge von einer anderen Position anzuschauen. Die Beratungsstelle kann mir alle Möglichkeiten aufzeigen. In der SHG kann ich von den hunderten Möglichkeiten meines Handels auf eine Situation und deren Folgen hören. Machen und entscheiden muss ich immer selber. Im 5 Schritt der GA heißt es, "wir gaben Gott uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu"
Nun Gott weiß es sowieso, dem anderen Menschen ist es idealer Weise egal. Wichtig ist, daß wir es uns gegenüber eingestehen.
Der andere und Gott dienen nur dazu damit das auch gelingt. Ich habe mir als Spieler ein raffiniertes System angewöhnt, das ich gerade nicht diesen unverhüllten Blick habe.
Darum ist es ja auch so blödsinnig in so einem Forum anderen zu erzählen wer Sie sind, erstens weiß das sowieso keiner, und selbst wenn hat es nie einen Wert, es schadet nur.

Ich brauche auch nicht versuchen mich selbst zu schützen. Wenn ich einen Blocker installiere, dann weiß ich ja das er drauf ist. Wenn ich spieldruck habe, wird mein Eugen nicht sagen, fahr doch Deinen Rechner hoch und versuch Dich einzulocken, oh geht nicht dann hör ich mal auf. Wenn überhaupt fängt das Spiel schon damit an, Eugen sagt mal gucken welche Seiten das Programm nicht blickt. B4N hat davon berichtet, dann ist das so eine Milchkanne, das der Laden auch noch betrügt, dann habe ich wegen solch ein Programm noch ein Problem mehr.

Ich muss so für mich sorgen, das ich nicht mehr spiele. Risiken kann ich dabei nicht immer vermeiden.

Genau wie du weiß ich natürlich auch warum viele aufschieben, nicht in die Gruppe gehen, sich aufs cb stürzen. Leider bin ich dem Spielen gegenüber machtlos.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:52:55
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #115 am: 02 Mai 2019, 19:14:41 »
Guten Tag allerseits,

"Erzähl einfach mal jemand völlig Unbeteiligtem, was in dir vorgeht, wenn du glaubst, spielen zu müssen. Und dann erzähl ihm, wie es für dich ist, wenn du es dann tatsächlich tust. Einfach mal so."
War zwar nicht an mich gerichtet, aber das habe ich schonmal gelesen.
Ich dachte nur: Warum sollte ich? Das will ich doch gar nicht. Macht ja auch gar keinen Sinn. Der Andere versteht es nicht, wie auch... und ich käme mir dämlich vor. Zudem wäre das doch ziemlich beschämend... und außerdem mache ich das doch gar nicht mehr... also gäbe es da gar keinen Grund, warum ich mir diese Blöße geben sollte.

Daß es dabei eigentlich nur darum geht, sich selbst den eigenen Irrsinn vor Augen zu führen, kam mir da nichtmal in den Sinn.
Aber ja, es stimmt. Da hätte ich nichtmal Worte für. In meinem Kopf klingt dann alles ganz logisch, ich weiß, wie ich meine innere Stimme beruhigen kann, wie ich mich selbst dazu bewege, die Weichen zu stellen, noch während ich mir einrede, daß ja nun wirklich gar nichts los ist. Es hatte immer mit widersprüchlichen Gefühlen, sich überschlagenden Gedanken, Beschönigungen, Ignoranz, selektivem Gedächtnis, unterschwelliger freudiger Erwartung und lächerlichen Ausreden zu tun. Immer schön ein Schritt nach dem anderen - und nicht unbedingt immer in dieser Reihenfolge.
Ich könnte diesen Vorgang, und besonders das Ergebnis, zu dem er führt, was dann am Ende immer das genaue Gegenteil dessen ist, was ich mir einredete, zu wollen, aber gar nicht rational erklären oder gar rechtfertigen, und wenn ich es laut aussprechen würde, noch viel weniger. Es macht eben einfach so gar keinen Sinn.

Ja. Das sage ich mir auch immer: Da muß ich jetzt durch, es kann mir sowieso keiner helfen außer mir selbst. Das ist schon fast sowas wie ein Mantra bei mir. Nur habe ich das nie wirklich gut hinbekommen, das fängt ja schon mit der Ignoranz an. Denn eigentlich ist doch alles roger bei mir...
Das führte dann in der Vergangenheit oft zu dem Schluß "Mir ist sowieso nicht zu helfen."
Auch das kommt dem, den du Eugen nennst, doch sehr gelegen.
Manchmal denke ich heute noch so. Nicht unbedingt in Bezug auf das Spielen an sich, sondern eher wenn es darum geht, mich mit meinen verschrobenen Denkmustern zu arrangieren.

Ich hatte zugegebenermaßen auch schon den Gedanken, die Einschränkungen besser rauszunehmen... wer weiß, auf welche Ideen ich stattdessen käme. Naja, eigentlich weiß ich das sogar ziemlich genau, es gibt nämlich immer einen Plan B, da kann ich gar nichts gegen machen. Denn ja, sobald ich versuche, mich einzuschränken, kenne ich bereits die Hintertür... oder weiß zumindest, wo ich anfangen würde, danach zu suchen. Die finale Entscheidung aus den eigenen Händen zu geben wird jedenfalls nie funktionieren. Fasse ich heute, hier und jetzt den Entschluß, oder besser gesagt, lasse ich die entsprechenden Gedanken zu, die letztlich unweigerlich dazu führen würden, würde ich nicht lange brauchen, es umzusetzen, Einschränkung hin oder her.
Logisch handeln und denken war aber noch nie meine Stärke, auch wenn ich nach außen hin wohl den Eindruck erwecke. Außerdem halte ich leider immer an Gewohnheiten fest. Eine leise Stimme sagt mir dann "Experimente? Willst du das wirklich?"
Wie gesagt... es ist schon recht nutzlos, eigentlich ist das ein Selbstläufer, es ist einfach da, im Alltag schränkt es mich auch nicht wirklich ein... und die meiste Zeit denke ich gar nicht daran.
Wenn ich es dann doch mal tue, verwirrt mich das auch eher, als daß es mir nützt.
Warum mißtraue ich mir in einer beliebigen Situation, ohne konkreten Anlaß, in zig anderen habe ich doch auch nie an irgendwas Dummes gedacht? Ich hab's doch auch bisher nie getan, warum sollte sich das plötzlich ändern? Es gibt doch gar keinen Grund, vor mir selbst Angst zu haben. Oder doch?

Ich entscheide selber, ich bestimme selber über mein Handeln, und ich bin so unendlich dankbar dafür, daß ich dort angelangt bin... aber manchmal traue ich mir das irgendwie plötzlich nicht mehr zu. Was für ein Unsinn eigentlich... das versteh mal einer...

Mentaler Kreisverkehr, und ich verpasse immer wieder die Ausfahrt, weil ich mich auf der falschen Spur befinde. Manchmal werde ich halt leider wieder daran erinnert, auf welch wackeligen Beinen das Ganze mitunter immernoch zu stehen scheint.
Das ist schon ziemlich armselig. Irgendwie mag ich nicht darüber nachdenken, das war früher einfacher.

Ja, ganz klar: Wenn ich mit mir im Reinen bin, ist Spielen keine Option.
Ist es für mich auch nicht.
Auf Dauer gibt es dafür nur keine Garantie... und das ist schon ein ziemlicher Brocken.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:53:23
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #116 am: 04 Mai 2019, 00:47:10 »
Schon interessant was durch eine kleine Änderung von Paypal im Schreiben hier abgeht.
Ich gebe zu, als ich am Anfang vom cb gehört habe, ging Mein Kopfkino schon ganz schön ab. Sich da auf sicher eine große Summe abzugreifen, da kann der Kopf schon mal anfangen zu rattern. Meine Angst war nur, daß der OC betrügt und nicht auszahlt, oder das sich rechtlich etwas ändert, die harmlosigkeit von Paypal fand ich verdächtig, zumal ich sie bei einem anderen Fall schon mal ganz anders kennengelernt habe.

Was ich nachfolgend schreibe ist ausschließlich meine persönliche Meinung und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Nun da ja hier im Forum fast ausschließlich eine Rechtsauffasung geäußert wird, habe ich schon öfters eine Auffassung geäußert wie sie Paypal nennen könnte in der Hoffnung das sachlich die Gegenargumente dabei ausgearbeitet werden können. Nun habe ich wiederholt eine aggressive pn von der Betreiberin bekommen. Es wird dort behauptet ich hätte von den juristischen Standpunkten keine Ahnung und ich solle mich nicht dazu äußern. Überhaupt sei es eine Lüge was ich behaupte.
Ich antworte wiederholt freundlich und erkläre das meine Behauptungen nachweislich richtig sind, dann bekomme ich als Antwort sie hätte viel mehr juristische Kenntnis weil sie schon beim Bundesverfassungsgericht hätte sprechen dürfen. Ich habe dann noch mal bemerkt das genau jeder darf der eine Verfassungsbeschwerde hat.

Wovor sie den Angst hat, wenn ich die Argumente der Gegenseite hier nenne hat Sie mir zum wiederholten Male nicht nennen (können). Zumal für jeden der sich etwas mit der Thematik befasst klar ist warum man Paypals AGBs rechtlich angreifen kann.
Auf jeden Fall haben meine Nachweislich richtigen Antworten Ihr nicht gepasst das ich auch wiederholt sanktioniert werde. Warum wurde natürlich auch nicht benannt. Ich darf jetzt nur noch 2 Beiträge pro Tag schreiben. Der Sinn bleibt mir fern, sagt wohl mehr über Sie aus.

Es sagt auch immer eine Menge aus, das ich immer gebeten werde schnell zu antworten, nur um die Antworten zu sanktionieren. Angstfreis Kommunikation sieht anders aus...

Nun, ich finde es immer wichtig Dinge öffentlich zu machen. Immer wenn ich erwähne das meine wie ich meine wichtigen Beiträge gelöscht wurden wird mir das als Aggression ausgelegt. Schon interessant, wieder etwas mehr Klarheit über den Gegenüber.

Ich finde es schade, daß Menschen die ja alle das selbe wollen und für den Erfolg gemeinsam eine Menge erreichen könnten so aufgerieben werden, ich bin ja nicht der erste und werde auch nicht der letzte sein.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:53:46
von Ilona:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #117 am: 04 Mai 2019, 08:20:15 »
Guten Morgen Taro,
wir sind wiederholt aneinandergeraten und ich habe dich gebeten, zu akzeptieren, dass wir ein Verbraucherschutzverband sind. Hinzugefügt habe ich, dass du bitte weniger impulsiv und eher sachlich schreibst und den Beitrag vor dem Posten noch einmal liest.
Du magst das Instrument des Chargebacks nicht. Das merkt man sehr deutlich. Diese Meinung zu äußern, ist dein gutes Recht. Ich frage mich nur, warum du das hier tust. Dies ist das Forum des FAGS.
Und warum zitierst du falsch aus einer PN, die wir ausgetauscht haben und nennst das dann Transparenz?
Was ist das für ein Umgangsstil? Ich schreibe das hier nicht als Beginn einer Auseinandersetzung mit dir. In diesem Thread geht es um ein anderes Thema. Dabei sollten wir es belassen.
Ilona
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:54:10
von Peter02
Mit der Zensur hier , geht gar nicht. Unter einem Forum verstehe ich einen Austausch um anderen zu helfen , ggf. zu kritisieren aber auch um zu loben oder es einfach nur im Raum stehen zu lassen und sich seine Eigene Meinung zu bilden. Nur einseitige Ansichten zuzulassen werden keinen weiterbringen.  Deine Meinung zu SHG wird hier gerne gesehen,  deine kritische Meinung zum CB nicht. Das ist nicht gerade sozial.  Ich selbst teile deine Meinung zum CB auch nicht , akzeptiere sie aber und lass sie einfach im Raum stehen,  wer das nicht will hat ja hier  auch die Möglichkeit zu widersprechen und seine Meinung kundzutun , dafür ist ein Forum ja da.ich hoffe Ilona sieht das du dich hier Themenübergreifend für Menschen einsetzt und dich nicht nur auf deine CB Meinung reduziert.  Bleib wie du bist.

Gruß Peter
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:54:29
von AndreasG:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #119 am: 04 Mai 2019, 10:17:00 »
Hallo ihr Lieben,

bin deprimiert drauf und es ist wohl gut, wenn ich Heute in ein Meeting von Alkoholikern und Angehörigen gehe. Dabei stehe ich in meinem Sucht Gedächtnis auf der Seite der Alkoholiker. Aber die Angehörigen sind es, die das Meeting mit Leben, mit Vitalität füllen, die anderen gucken 2 Stunden explizit Raucherpause auf den Tisch.
Spielsüchtige haben auch Angehörige.  Die sitzen oft alleine im Meetingsraum. Aber Hauptsache ist, dass der die spielende PartnerIn nicht gerade die Existenz verzockt.Dann ist ja alles gut soweit?
Wenn nun das CB greift, und ein Großteil des Geldes ist zurück,  kehrt Frieden ein?

Es erfordert für mich viel Geduld , mich hier durch die Rückbuchungsverfahren durchzuscrollen, um mit Interesse etwas von der Persönlichkeit des Spielers zu erfahren.  Das geschieht oft nur Fragmenthaft, steht aber in der Genesung über dem Finanzausgleich, der wiederum zuerst gesichert werden muß,  um dem Von der Spielsucht Betroffenen Raum und Zeit zu geben, dich finden zu lassen.

Ich glaube,  dass es im Gegensatz zu Alkoholikern die Spielsüchtigen weniger empatische Angehörige haben..
Vielleicht blickt das hier gerade nicht richtig durch,  ist auch nur meine Meinung,
ausserdem mit dem Tablet geschrieben,  wg Rechtschreibfehler. ..

Liebe Grüße Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:54:50
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #120 am: 04 Mai 2019, 21:38:13 »
Hallo Taro,

Ja, dieser Sinneswandel seitens PayPal hat ganz schön Wellen geschlagen. Das Ziel ist jedenfalls erreicht: Verunsicherung, Verwirrung und Zweifel zu säen.

Dieses Kopfkino hatte ich erschreckenderweise auch. "Freifahrtschein. Das kann doch nicht wirklich so einfach sein..." und "Einen PayPal-Account habe ich sogar..."
Mich störte da nur das Problem mit dem Mindestumsatz und der Verzögerung bei der Auszahlung (daß man mir diese auch komplett verweigern könnte, kam mir gar nicht in den Sinn), meine Gedanken überschlugen sich. Sofort und ohne Vorankündigung fing die Maschinerie in meinem Hinterkopf an, unter Einbeziehung sämtlicher Ressourcen auf Hochtouren zu laufen, wie geht man das an... wahrscheinlich hab ich dabei auch noch blöd gegrinst. Es war im Nachhinein wirklich erschreckend, mich wieder dabei zu erwischen, wie ich glaubte, eine 'Strategie' gefunden zu haben.
Kurzzeitig hab ich dann überlegt, meinen Kopf unter die kalte Dusche zu halten.

Hallo? Huhu? Jemand da dort oben?
Denn selbst wenn, um sie erfolgreich umzusetzen, oder überhaupt nur auf Tauglichkeit zu 'testen', müßte sich da jemand anders dransetzen...
Mit mir funktioniert das nicht, wenn du Erfolg haben willst.
Melde dich also wieder, wenn du da jemanden gefunden hast.

Das hatte mich echt eiskalt erwischt. Halleluja!
Ich habe diese Threads deshalb lange gemieden.

Daß sich die Haltung von PayPal mit Sicherheit irgendwann ändern würde, dachte ich aber dann auch... allerdings erst später.
Mir kam es so vor, als hätten sie selbst keinen Plan, wie sie das handhaben sollen, und sich deshalb erstmal also vergleichsweise bedeckt halten... und nun, da Onlinecasinos ihre Dienste nicht mehr nutzen, machen sie halt etwas mehr Wind.

Manchmal möchte ich auch mal etwas sagen, was vielleicht nicht so gut ankäme, besinne mich dann aber eines Besseren.
Mir ist das einmal passiert, ich habe auf einen Beitrag, der sinngemäß sowas aussagte wie "Warum postet hier keiner seine Erfolge zum Chargeback bei Kreditkarten? Warum ist sind die alle zu egoistisch, anderen Betroffenen zu sagen, wie das geht?" doch etwas zu sarkastisch reagiert. Zugegeben, das war nicht sehr clever. Geholfen hat es auch keinem.
Manchmal nicke ich einfach nur still, wenn jemand sagt, was ich selbst gerade denke, aber so nicht schreiben würde.

Ich verstehe aber, warum du das tust. Ich weiß auch, daß es dir dabei nicht um deine persönliche Meinung geht.
In einem Echoraum übersieht man gerne mal gewisse Dinge. Gegenargumente zuzulassen hilft, die Schwachstellen in der eigenen Argumentation zu finden.
Obwohl ich selbst nicht wirklich 'alt' bin, würde ich mal sagen, die Zeiten und die Gesellschaft haben sich geändert - es gibt heute viel mehr 'Leute wie mich', als zu meiner aktiven Zeit... und die ist gar nicht mal soo lange her.
Umso wichtiger, daß es dich und andere gibt, und auch, daß nicht immer alle einer Meinung sind. Es sind nicht viele, hier und auch anderswo, die sich auch über ihre eigene schlimme Zeit hinaus noch die Zeit nehmen, sich mit anderen, und damit auch sich selbst, auseinanderzusetzen. Je größer die 'Community', desto mehr fällt das auf, so wie in den letzten Tagen.
Das geht nicht immer mit allem konform. Auf der einen Seite haben wir die felsenfeste Überzeugung, daß ohne den finanziellen Druck doch alles gut wäre, auf der anderen Seite diejenigen, die erfahrungsgemäß (sei es die eigene oder bedingt durch den Umgang mit anderen Betroffenen - oder beides) wissen, daß es damit eben nicht getan ist.
Passe ich nicht auf, wird es genau wie vorher... und eine erneute Chance gibt es beim CB nicht, und sollte es doch nicht hinhauen, muß es ja auch trotzdem irgendwie weitergehen. 'Einmalige Ausrutscher' gibt es sicher auch, dennoch sollte man auch hier schon darauf achten, daß es künftig bei dem einen Mal bleibt. Das persönliche Wohlbefinden ist also am Ende viel wichtiger als der finanzielle Aspekt.
Mit etwas Abstand, entweder durch die längerfristige Aufarbeitung der eigenen Sucht, oder als Nicht-Spieler, der sich mit dem Thema auskennt, sieht man das. Steckt man aber unmittelbar im Morast fest, sieht man es nicht - und will davon auch nichts wissen, man hat ja erstmal andere, wichtigere Sorgen, der Rest muß warten, und ist dann eventuell ja gar nicht mehr nötig.

Das zu vermitteln ist aber schwierig. Das sieht man ja schon an mir. Meine eigene Engstirnigkeit, ein ausgefeiltes Produkt über Jahre hinweg perfektionierter Selbsttäuschung, steht mir da im Weg. Was ich nicht hören will, das höre ich auch nicht.
Ich bin anders, und ich weiß es ja selbst noch immer am besten!
Öhm... ja... sicher doch. Das hab ich ja bisher ganz großartig unter Beweis gestellt.

Chargeback ist also ein wunderbares Druckmittel, wenn es darum geht, die Verantwortlichen zu zwingen, auf diesem Gebiet etwas zu unternehmen, und einen vernünftigen Rahmen zu schaffen. Es zerrt das Problem außerdem an die Öffentlichkeit, Leute sehen, daß etwas gründlich faul ist, und das nicht nebenan im Staate Dänemark. Da ich es leider für unwahrscheinlich halte, daß es ein generelles Verbot von Onlinecasinos geben wird, sollte das Ganze zumindest vernünftig reglementiert werden. Die kürzliche Flut an Chargebacks kann helfen, Reglementierungen und Gesetze im Sinne des Spielers zu erreichen, und diesem Wildwuchs ein Ende zu bereiten, deshalb halte ich es durchaus für eine gute Sache... für die Allgemeinheit und die zukünftigen Generationen.
Für mich als Spieler sieht das allerdings anders aus, das muß ich mir da leider eingestehen. Ich würde diesen Nervenkrieg nicht unbeschadet durchstehen.
Deshalb finde ich es gut und wichtig, daß es Verbände wie den fags gibt.
Aber auch das würde nicht funktionieren ohne die Gemeinschaft dahinter.

Zusammen ist es leichter, als kleine Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel, welches dem Großteil der Bevölkerung gar nicht bewußt ist, sollten wir uns gegenseitig unterstützen.
Denn auch wenn unsere Anzahl eigentlich gar nicht so gering ist, gibt es immernoch keine hörbare Stimme dafür... oder zumindest... keine ernstgenommene und allgemein verständliche.

Jeder einzelne trägt dazu bei, daß sich das ändern kann, aber dafür braucht es soetwas wie 'Gewicht' - und die Kanäle zu schaffen, mit denen das überhaupt erst möglich ist.

Ich persönlich hätte nie gedacht, daß ich mal anderen erzählen würde, was mir im Alltagsleben schwerfällt... ja... überhaupt... mir einzugestehen, warum das so ist. Das zu erkennen habe ich dir und anderen zu verdanken. Es ist beruhigend, zu wissen, daß das nicht ungewöhnlich ist.
Aus rein egoistischer Sicht könnte ich also sagen, das Thema Chargeback ist für mich persönlich hier nichtmal wirklich relevant.
Da ich aber die Eigenschaft habe, gelesene Dinge, gerade bei sowas, ganz unverfänglich in einer Ramschschublade neben den Batterien und dem alten Nokia-Ladekabel abzuspeichern (man könnte es ja doch irgendwann mal wieder gebrauchen), komme ich doch nicht drumrum, doch ab und an mal etwas dazu zu sagen.
Wenn es zu schroff ausfällt, dann lösche ich es wieder.
CB ist eben nur eins von vielen Themen, was hier gerade aus aktuellem Anlaß mal wieder viel Raum einnimmt. Ich fände es schade, wenn es darüber zu Strittigkeiten unter Menschen käme, die doch eigentlich dasselbe erreichen wollen. In dem Punkt stimme ich Peter absolut zu.

Euch allen übrigens ein schönes Wochenende.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:55:14
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #121 am: 04 Mai 2019, 23:45:51 »
Moin zusammen,

ein guter Freund hat eine Zeit im Meeting zur Vorstellung immer einen Satz gesagt:
"ich bin gut so wie ich bin, mein Gott liebt mich und ich scheiß auf eure Anerkennung"
Dieser Satz hat für mich soviel Kraft, das ich Ihn gerne für mich übernommen habe.

Bevor ich in dieses Forum kam sagte Bekannte, hier würde doch nur über das cb geredet, für alles andere hier kein Platz. Nun ich habe einfach angefangen und wenn der Raum neben dem cb nur in etwa so gross ist wie Paypal Zahlungen aus Deutschland so ist hier doch Platz dafür.

Trotz meines eingangs genannten Satzes möchte ich mich bei Peter, Andreas und TAL bedanken das Ihr euch zu dem Thema geäußert habt. Ihr hättet es euch auch einfacher machen können.

Danken möchte ich auch jemandem der sich nicht geäußert hat, so wäre es doch ein leichtes gewesen hier mit einzusteigen. Einen Namen nenne ich nicht, er weiß schon das er gemeint ist.

Zu Ilona nur soviel, zum wiederholten Male behauptest Du ich würde das Instrument des chargeback nicht mögen. Und wieder sage ich was für ein Unsinn, die Behauptung wird auch durch Wiederholung nicht wahrer.
Warum sollte ich etwas gegen das chargeback haben. Das Instrument ist mit dem Lastschriftverfahren eingeführt worden um nicht genehmigte Zahlungen zurückzuholen. Warum soll ich das nicht mögen?
Wie ich Dir schon erklärte sind Zahlungen aus Glücksspiel nicht einklagbar. Das beides ist die Grundlage worüber wir hier sprechen. Für gefährlich halte ich es nur für süchtige Spieler aus den Gründen die ich persönlich erfahren habe und die TAL in seinem Beitrag wunderbar beschrieben hat.
Nun das Thema dieses Threads ist die SHG. Natürlich spreche ich in meinem Meeting und wahrscheinlich auch auf dem Deutschland treffen von dem hier erfahren. Wenn Du nicht möchtest das ich in diesem Thread darüber schreibe, dann gebe doch einfach die für ich gesperrten Threads wieder frei und hebe die Begrenzung auf. Bei GA heißt es im zweiten Teil vom 10 Schritt"..... wenn wir Unrecht hatten gaben wir es sofort zu" Eine starke Waffe, bei nicht Süchtigen wenig bekannt.

Ja TAL, die Welt verändert sich, überall um uns herum wird die Meinungsfreiheit eingeschränkt, im großen oder kleinen, ob rechts oder links, ob Verbraucherschutz oder Business. Das schlimme dabei, alle meinen es vermutlich gut und müßten es aufgrund Ihrer Bildung besser wissen.

Tatsächlich veruche ich meine Kinder so zu erziehen das sie keine ja sager werden, auch wenn es unbequem ist.  Die ja Sager sind vermutlich das Hauptproblem unserer  Zeit. Lieber TAL, vielen Dank das Du von Deinem Kopfkino zu cb berichtet hast. Weil ich ja sonst der einzige bin der sich traut sowas auszusprechen dachte ich ja schon ich bin bekloppt. Das kommt nämlich dabei raus, wenn sich keiner mehr traut soetwas zu äußern.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:55:35
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #122 am: 05 Mai 2019, 15:30:22 »
Moin zusammen,

Depressionen, ADHS, Schreibkrampf und Tortiecollis und verschiedene andere Ticks. Das waren alles meine psychischen Auffälligkeiten als ich gespielt habe. Besonders der Tortiecollis hat mich zum Ende der Spielzeit arg gequält und der Arzt musste mir fast täglich eine Spritze geben damit es überhaupt auszuhalten war. Das spielen hat sich in meinen psychischen Aussetzern deutlich gezeigt. Wegen meines sehr schmerzhaften Tortiecollis auch Schiefhals genannt sollte ich eine mindest halbjährige psychotherapie in einer Klinik machen. Es war eigentlich schon alles klar, nur mir war klar, weil es genau gegen mein Ende der Spielerzeit war, vorher habe ich Selbstmord gemacht. Es kam anders, ich ging zu GA, setzte meine ganze Energie dafür ein mein Leben halbwegs wieder auf die Bahn zu bekommen. Als ich wieder Luft hatte mir über die Eingangs genannten Krankheiten wieder Gedanken zu machen hatte sich das meiste in Luft aufgelöst.

Als ich mein neues Leben begann, schwor ich mir mich nicht mehr zu beugen. Egal in welchem Bereichen meines Lebens. Auf meiner Seite weiß ich einen liebenden Gott der mich anbei unterstützt das richtige zu tun. Bei der Arbeit an mir selbst habe ich gelernt sehr genau und sehr tief hinzuschauen. Viel tiefer als die meisten Menschen überhaupt wissen das es diese Ebenen überhaupt gibt.

Meine Depressionen und mein ADHS sind bis heute unbehandelt. Sie sind heute meine Freunde geworden, zeigen sie mir doch sofort an, wenn ich etwas tue was ich eigentlich nicht machen will. So kann ich sofort gegensteuern.

Mein Tortiecollis und meine Schreibkrämpfe haben sich mit Ende meiner Spielsucht in Luft aufgelöst.
Meine Ticks die mich teilweise massiv eingeschränkt haben waren auch einfach weg.
Tatsächlich bin ich wegen meiner eigenen Erfahrung sehr kritisch wenn ich Menschen mit Ticks kenne lerne.

Grundlage ist für mich immer das richtige zu tun. Egal wer oder was sich mir entgegen stellt. Ich bin bildlich und tatsächlich immer bereit für meine Überzeugung zu sterben. Für die psychische Genesung ist das eine stabile Grundlage.

Thema Spenden, das ist bei GA und bei meiner Gemeinde auch immer wieder Thema. Bei GA ist es rückläufig, bei meiner Gemeinde stark steigend. Für mich stellt sich aber immer die Frage, ob ein zuviel an Geld nicht das größere Problem ist. Bei GA bin ich mir sicher, für den Fall das es sein muss, eine grosse Menge Geld zusammen kommen würde. Es gibt soviele Menschen inkl. mir, die der Gemeinschaft so viel zu verdanken haben, daß ich mir wirkliche Geldprobleme nicht vorstellen kann. Meine Gemeinde hat einen Förderverein mit der bisher 3 zusätzliche volle Stellen finanziert werden. Im nächsten Jahr soll noch eine zusätzliche Stelle gefördert werden. Es muss in diesem Jahr 60.000 € mehr an Spenden rein kommen. Weil die Arbeit des Teams so großartig ist bin ich sicher das das klappt.

Etwas zurückzugeben von dem was ich bekommen habe hat für mich einen hohen Stellenwert, unsere Familie versucht ca 10 % unserer Einnahmen zu spenden. Das wir damit gutes tun ist nebensächlich, viel wichtiger ist, daß wir uns damit gutes tun. Das kann nicht erklärt sondern nur erfahren werden.

Nun die Filme habe ich geschaut, hier gehört das sicher nicht rein, meinen letzten Beitrag werde ich dafür sicher auch nicht verballern. Aber meine Meinung dazu ist vermutlich eh nicht gewünscht. Nur soviel, in Schulen zu gehen und von seiner Sucht zu berichten ist eine tolle Erfahrung. Wer die Möglichkeit hat, es lohnt sich.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:55:54
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #123 am: 07 Mai 2019, 02:32:49 »
Das mit den Ticks ist so eine Sache. Ich denke, in gewisser Weise hat jeder welche. Ich zum Beispiel rede manchmal mit mir selbst. Keine wirkliche Konversation, nur dahergeredete einzelne Wörter oder Sätze. Ich kann das aber weder bewußt beeinflussen, noch kann ich es 'abstellen'.

Ich bin per se jemand, der sehr nach innen gekehrt ist, ich lebe irgendwie meistens 'in meiner eigenen Welt' - dem Echoraum zwischen meinen Ohren. Manchmal sitze ich einfach nur auf dem Sofa, und dann stehe ich plötzlich einfach auf und gehe irgendwohin, nur, um mich zu bewegen. Meistens passiert das, wenn ich gedanklich in eine Sackgasse gerate. Auch auf der Arbeit, an Tagen, wo nicht viel los ist, kommt das vor. Ich stehe einfach auf und gehe auf die Toilette oder so, auch wenn ich gar nicht muß, um mich mal aus der gedanklichen Einbahnstraße zu reißen. Das wirkt oft komisch.
Manchmal ist es so abstrus, daß ich mit dem Kopf schüttel oder sogar etwas sage, wie zum Beispiel "Was'n Quatsch." oder "Nicht wirklich..."
Da ich bei sowas meistens allein bin (oder anonym in einem Supermarkt oder so) ist das nicht weiter tragisch. Es kam aber auch schon vor, daß meine Kollegin meinte "Was hast du gesagt?", oder "Was grinst du so?"
Sowas ist dann eher unlustig. Ich kann ja schlecht sagen, ich rede grad mit mir selbst. Leider merke ich aber erst hinterher, oder währenddessen, daß ich das gerade laut ausgesprochen habe.

Auch zu Hause hatte ich das schon. Von daher sagt meine bessere Hälfte auch manchmal scherzhaft, ich würde unter Zwangshandlungen leiden. Vielleicht hätte ich nicht erwähnen sollen, daß sowas für mich normal ist, da es bei mir öfters vorkommt.

Zu meinen aktiven Zeiten war das aber schlimmer. Da kam es vor, daß ich in einer Fußgängerzone leise vor mich hin geflucht habe... ohne es im ersten Moment überhaupt zu bemerken.
Und das, obwohl ich eigentlich nie fluche oder sonstwie 'aus der Haut fahre'... eigentlich...

Ja, wie anfangs gesagt... ich mache mir schon mehr Gedanken über mich selbst, als andere es je tun würden... trotzdem meist mit unbefriedigendem Ausgang. Ich bin mir deshalb auch nicht so sicher, ob das unbedingt schlau ist, aber so oder so, ich kann auch nicht damit aufhören, das geht einfach nicht. Da ist wohl ein Zahnrad bei mir kaputt.

Definitiv, ich bin einer dieser Ja-Sager und 'Den-Kopf-Einzieher'. Der Weg des geringsten Widerstands. Ich hab ganz einfach keine Lust auf Streß.
Dafür gehe ich schon extrem weit, das wird sich bei mir demnächst rächen bei etwas, was ich persönlich schon länger mitbekommen habe, aber geflissentlich zu ignorieren pflegte. Jemand verschafft sich einen Vorteil auf meine Kosten, und ich tu so, als wüßte ich es nicht... bis es eine dritte Person zufällig herausfand.
Hier stehen sich jetzt die Einstellungen "Mit TAL kann man's ja machen, der bekommt das eh nicht mit, außerdem interessiert den das doch sowieso nicht" und "Das geht mal überhaupt nicht, schon gar nicht bei jemandem, der nie was sagen würde." gegenüber. Der 'Übeltäter' ist noch eine Woche im Urlaub, dann wird das häßlich. Das bekomme ich nur schwer geschlichtet.
Es wird sich möglicherweise eine Konfrontation zwischen den beiden nicht vermeiden lassen... leider.
Ich habe nie darum gebeten, daß jemand Partei für mich ergreift, aber irgendwie hört sie nicht auf mich, wenn ich sage "Ist okay, laß mal, ist ja mein Ding, das paßt schon."
Da sind ihre Moralvorstellungen in den Grundfesten erschüttert. Ich habe sie noch nie so aufgebracht gesehen.
Oh je...

Aber zumindest hat sich das mit der Wohnung erledigt. Sie ist weg. Also in dem Punkt alles gut.

10% unseres Einkommens wäre nicht gerade wenig, und trotzdem wäre es noch gut zu verkraften, das stimmt schon. Wir haben mehr 'übrig' als das. Es gibt allerdings nur einen Zweck, zu dem ich einmal im Jahr spende. Die Kirche ist es nicht, wobei ich da auch nie ausgetreten bin. Die meisten 'Spenden' sind bei uns an Stellen innerhalb der Familie, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich dachte damals auch, ich wäre bekloppt. Ersthaft? Was war das denn???
Es hätte mich trotzdem nicht so überraschen dürfen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:56:14
von Taro:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #124 am: 07 Mai 2019, 23:41:09 »
Moin Tal,

ja, Du guckst genau hin, ich musste schmunzeln als ich Dich las. Wir sind so ähnlich in vielen Dingen, unfassbar. Selbstgespräche führe ich auch noch, daß ist für mich kein Tick. Ich gehe damit auch offen um, lache gemeinsam mit den Kollegen darüber. Die gedankliche Sackgasse kenne ich auch. Auch das ich mich plötzlich auf der Toilette oder im Keller wiederfinden ohne das ich da hin wollte. Das sind allerdings extreme aquariumDinge die sich auch körperlich wie ein Kurzschluss anfühlen. Es war immer in Situationen wo ich mich unterlegen fühlte, wo ich Dinge am liebsten anders gemacht hätte, mich aber nicht traute.
Heute mach ich die Dinge einfach, ich schiebe meine ganzen aber beiseite und mache es einfach.
Erstens ist das pures Leben und viel spannender als Spielen und es fühlt sich richtig gut an.

Dann hatte ich es auch Dingen aus der Vergangenheit wo ich immer und immer wieder mit mir gehadert habe. Da hat mir tatsächlich der Glaube sehr geholfen. Einerseits habe ich es meinem als Kind übermächtigen Gegner vergeben und zweitens habe ich es an Gott abgegeben. So brauche ich mich nicht mehr zu sorgen, für mich wird gesorgt.

Ja habe ich genug gesagt. Natürlich reiben sich am mir immer wieder Menschen, aber immer nur welche die nicht wahrhaftig sind.

Allerdings gibt es eine Sache gibt es, wo die alten Geister wieder kamen, bei meinem großen Sohn. Das ich meine Kinder nicht immer schützen kann hat mir manch schlaflose Nacht und auch der ein oder andere Gang in den Keller beschert. Zum Glück sind diese Zeiten jetzt aber auch schon länger vorbei.

Und machen kann man mit mir schon garnicht. Selbst wenn jemand mit mir machen kann aufgrund seiner Position, so bin ich zumindest lästig und hinterlasse zumindest Schrammen. Ich hab keine Lust mehr mit mir machen zu lassen.

Meine Gemeinde hat viel Spenden, die Gemeinde ist unglaublich reich. Tatsächlich halte ich mich hier mit Spenden stark zurück. Wenn gleich ich zugeben muss, daß Sie mit dem Geld sehr beeindruckende Dinge leisten. Ich mag es tatsächlich auch sehr Einzelpersonen über Ihre gewisse Zeit über einen Engpass zu helfen.

Ich war im Meeting, wir sprachen über den 5 Schritt und über das Deutschland treffen der GA. Mit einmal passierte etwas in der Gruppe. Ich kenne alle anwesenden 15 - 30 Jahre. Eine unglaublich intensives erleben.
Es gibt tatsächlich noch immer den Echoraum zwischen  meinen Ohren und ich gebe mir viel Mühe das gut vor mir zu verstecken. Gemeinsam mit Freunden zu erleben, dass es bei ihnen auch nicht anders ist fühlt sich gut an. Etwas  ähnliches ist es für mich beim Lesen deiner Beiträge.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:56:37
von TAL:

 Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #125 am: 13 Mai 2019, 19:13:09 »
Guten Abend,

wir hatten letzte Woche Besuch, bis gestern. Es ist besser geworden, aber soviel 'Trubel' über mehrere Tage ist nach wie vor schwierig. So ganz ohne Rückzugsmöglichkeit stoße ich dann irgendwann immernoch an meine Grenzen. Ich will mich einfach nur verstecken, bis das vorbei ist, aber ich kann nicht, stattdessen muß ich auch noch plaudern. Das erdrückt mich. Da kann ich dann auch mal genervt reagieren, wenn man ein "Ich will nicht mit euch losziehen." nicht akzeptiert. Ich will nicht darüber reden, echt nicht, aber warum muß ich das erklären? Warum diskutierst du? Ihr kommt allein klar. Ich kann echt nicht mehr, es reicht. Wirklich. Laßt mich doch einfach nur eine Weile in Ruhe... bitte!
Soll ich schreien oder soll ich betteln?
Das geht natürlich beides nicht, letztlich kann ich das ja nichtmal so sagen, wie es für mich ist, und das macht es nur noch schwieriger. Ich muß das dann abwenden, ohne gereizt oder genervt zu wirken. Das ist dann zusätzlich anstrengend. Die letzten Tage haben meine Toleranzgrenze echt auf die Probe gestellt. Dieses hilflose Gefühl, einfach nur weglaufen zu wollen, obwohl mir keiner irgendwas getan hat... Es tut mir hinterher immer leid, aber in solchen Momenten kann ich nicht dagegenan, daß mein Kopf 'dichtmacht'.
Das häuft sich leider, seitdem ich nicht mehr an Feiertagen und Wochenenden arbeite. Auch wenn es langsam besser wird, war das jetzt doch etwas viel...
Gestern Abend kam dann ein scherzhaftes "Das war ziemlich anstrengend für dich, oder? Aber jetzt ist es ja geschafft."
Im Ernst jetzt?
Aber wenigstens ist jetzt wieder alles ruhig.

Genau hinzusehen nützt bei mir leider nicht viel, da ich das Gesehene dann doch gern postwendend ausblende. Ignoranz und selektive Wahrnehmung... die pinkeln mir dann am Ende doch nur immer wieder ans Bein... und ich bin jedes Mal auf's Neue total perplex, wo die Pfütze nun schon wieder herkommt... "Oh....!"
Mhh... was'n nu los? Ich hab doch alles richtig gemacht!
Nur, was für andere gilt, gilt leider nicht zwangsläufig auch für mich... okay, dann... also, wo war nochmal der Wischmop?
Ich kann es eben einfach nicht über's Knie brechen, das vergesse ich gerne mal. Das ist leider immernoch mitunter etwas frustrierend. Geduld... eigentlich habe ich fast schon zuviel davon, außer eben mit mir selbst, wenn keiner hinsieht.

Ja, manchmal würde ich auch gerne etwas anders machen, aber hätte ich tatsächlich sagen sollen "Wenn du schon bescheißen mußt, dann stell dich doch bitte nicht so saudämlich an!"?
Sowas hatte ich woanders schonmal, hab's auch einfach ignoriert, und am Ende kam es dann auch ohne mein Zutun raus. Das wird hier irgendwann auch passieren. Bleibt nur zu hoffen, daß die Konsequenzen nicht dieselben sein werden.
Trotzdem denke ich nach wie vor: Was andere machen, geht mich nichts an. Und ich habe auch kein Recht, mich einzumischen, oder darüber zu urteilen.
Bescheißt einer, gucke ich weg, denn wer im Glashaus sitzt...

Aber ist schon lustig... am Ende geht es da immer um Geld... und immer bei Leuten, die nicht müde werden, anderen zu erzählen, wie unsagbar viel sie davon haben, in was für einer tollen Gegend sie wohnen, wie oft sie doch verreisen, was ihr Outfit gekostet hat, und wie zufrieden sie sind im Gegensatz zu anderen. Bei diesen ständigen Tiraden fallen mir oft fast schon die Ohren ab... *gähn*... und dann sowas. Naja...

Meine Kollegin hat sich etwas beruhigt, und ich konnte sie überzeugen, nichts zu sagen, da es meine Sache ist. Glücklich ist sie mit der Lösung trotzdem nicht, das hat ihr Vertrauen schwer erschüttert.
Mit mir kann man also machen, sehr viel sogar. Frag mich, und ich tu's, man muß mir nichtmal danken, meine persönliche Toleranzgrenze ist da ziemlich hoch. Ich muß aber sagen, daß das dennoch nicht (mehr) so oft vorkommt.
In der Vergangenheit hatte ich das öfter. Allerdings war es immer so, daß den Leuten das durchaus bewußt war, im Gegenzug hatte ich also meine Ruhe. Ich habe gemacht, weit mehr als ich theoretisch mußte, aber dafür soll man mich bitte zufrieden lassen. Das klappte eigentlich immer, ohne gesagt werden zu müssen. Ist das nicht der Fall, ist aber auch bei mir irgendwann vorbei. Ich habe tatsächlich mal einen Job gekündigt, weil irgendein hohes Tier, der mich nichtmal kannte, mich dreieinhalb Stunden nach meinem offiziellen Schichtende aufs Übelste offen zusammenpfiff. Aber er hatte nichtmal vorher gefragt, was eigentlich Sache war, weder mich, noch meinen Chef. Da hört es dann sogar bei mir auf. Aber ja, zugegeben, bis dahin ist es ein weiter Weg.
Kritik kommt natürlich vor, das ist auch okay, ich weiß selber, daß ich in mancher Hinsicht nicht so die Leuchte bin, aber ich habe es selten, daß mich jemand anmeckert.
Ausnutzen ja, aber solche Leute halten eh meistens den Ball flach.

Ja, dann stehe ich vorm Handtuchspender und putze meine Nase... irgendwas muß ich hier ja machen.
Kurzschluß... mhh... vielleicht kann man es so nennen. Ich empfinde das immer als Notbremse, die irgendwer irgendwo zieht, bevor ich mich verrenne. Eine Sicherung quasi, die dann rausspringt - auch wenn ich keinen Plan habe, wer sie überhaupt eingebaut hat. Das reicht, um mich aus den Gedanken zu reißen, und kurz darauf, merke ich es auch schon... nur eben einen Funken zu spät. Aber um dann nicht total blöd auszusehen, indem ich umdrehe und mich gleich wieder hinsetze, ziehe ich es trotzdem durch, und gehe auf die Toilette.
Ich habe mich dran gewöhnt, und andere wahrscheinlich auch.
Einmal fragte mich sogar jemand lachend "Hast du Hummeln im Arsch?"
Tja, scheint wohl so.

Das mit den Einzelpersonen kommt auf die 'Engpässe' an. Wir tun das regelmäßig, und der einzige Grund, warum ich das mitmache, ist, daß ich weiß, daß meine Schwiegereltern sonst dafür aufkommen würden... und natürlich, weil es meinen Haussegen beeinträchtigen würde, würde ich mich querstellen.
Letztlich geht auch das mich nichts an... es würde mir eh keiner zuhören, am Ende bin ich nur wieder der gedankenlose grobe Klotz.
Das sind wohl anscheinend Dinge, bei denen ich an meine Vergangenheit erinnert werde, obwohl sie gar nicht suchtkrank ist... und dann wird es echt seltsam... naja, mir egal. Ich 'muß' so zum Glück nicht mehr leben.
Trotzdem komme ich manchmal nicht umhin, mich zu fragen, warum sie nicht irgendwann einfach mal genug davon hat, auch um ihrer selbst Willen. Dem Selbstvertrauen tut es jedenfalls nicht gut, soviel ist sicher.

Naja, könnte mir eigentlich egal sein, und eigentlich ist es das auch, nur geht das ganze Prinzip nicht in meinen Kopf rein, wie man sich freiwillig selbst so erniedrigen kann.
Ich meine... ich hab's auch getan, weil ich glaubte, keine Wahl zu haben. Heute bin ich so unendlich froh, zu wissen, daß ich sie eben doch habe. Das Gefühl ist im Nachhinein so furchtbar beschämend, und he... das war es zugegebenermaßen auch damals schon. Um keinen Preis der Welt würde ich je wieder wollen, daß andere für mich tun, was ich auch selbst erledigen kann - und sollte. In meinem Fall war das finanziell, bzw. eine "Wird sich schon erstmal irgendwie richten, ich zahl das dann später"-Einstellung auf Kosten anderer, in ihrem Fall gilt das für so gut wie alle Lebenslagen.
Nein. Nie wieder.
Warum also macht man das 'von sich aus'? Weil die Welt es einem doch irgendwie schuldet? Zu welchem Preis für mich selbst fordere ich diese 'Schuld' so vehement ein? Was macht es mit mir, wenn alle von mir denken "Ach, das arme Ding, sie schafft das halt nicht allein."...
Da schaudert es mich wirklich irgendwie...

Ich wünsche mir halt manchmal, sie würde es einfach mal ausprobieren, und erfahren, wie gut es sich 'auf eigenen Beinen' anfühlen kann, unabhängig davon, wie sehr andere in ihrem direkten Umfeld sie in ihrem Verhalten bestärken, und ihre Erwartungshaltung für richtig halten. So als eine Art Befreiung für sich selbst quasi.

Tja, ich sagte ja, ich verstehe so vieles nicht. Das gilt für mich selbst genauso wie für andere.

Der Gedanke, daß jemand irgendwie für mich sorgt, ist für mich nur schwer vorstellbar. Ich meine jetzt nicht nur materiell, sondern... mhh... alles andere eben auch. Wenn nicht ich auf mich aufpasse, wer sonst? Das ist ja etwas, was, so praktisch es auch wäre, keine lebende Person für mich machen kann. Auf andere Dinge... naja... darauf sollte ich mich besser auch nicht verlassen, denn "Paßt schon irgendwie." nimmt bei mir erfahrungsgemäß selten ein gutes Ende, oder zögert das Unausweichliche im besten Fall letztlich nur hinaus.

Ich kämpfe nicht, schon lange nicht mehr, auch wenn ich das immer mehr als Kampf gegen meine eigene Schwäche und Unzulänglichkeit, denn gegen soetwas wie eine Krankheit gesehen habe. So oder so, ich habe akzeptiert, daß ich gegen diesen übermächtigen Gegner in meinem Kopf chancenlos wäre.
Heute führe ich eine friedliche Koexistenz, mit meinem Umfeld ebenso wie mit den Nachwirkungen meiner Vergangenheit. Mit Menschen fällt mir das wieder leichter, eben so wie es in meiner Jugend schon war. Ich verstehe sie nicht immer, aber das geht in beide Richtungen.
Mit mir selbst allerdings... naja... ich versuch's. Klappt immer besser, das war schonmal deutlich schwieriger.
Dennoch kann ich es nicht komplett aus der Hand geben, das traue ich mich einfach nicht. Denn es gibt nach wie vor nichts, was dazwischen steht - außer mir selbst. Damit steht und fällt das Fundament. Stelle ich mich selbst zu sehr in Frage, war's das mit dem Frieden.
Da kann dann auch nichts und niemand einlenken. So liegt's an mir, wenn's schiefgeht. Da hab ich dann auch keine Ausrede.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 25 Juni 2019, 14:57:35
GESCHAFFT!

Nun kann wieder normal hier geschrieben werden ...

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 17 August 2019, 00:11:23
Moin Tal,

versuche ich es mal ich antworte hier jetzt einfach auf Dein Schreiben vom 10.08.

Ehrlichkeit, ist für mich eine wichtige Grundlage für die Spielfreiheit. Nun kann ich meine Ehrlichkeit ja immer nur bis zu einer gewissen Grenze erkennen. Wenn ich das Angstbeissen anfange, ändere ausgrenzen, Beiträge löschen will wenn Diese Grenze überschritten wurde, dann ist diese Grenze wohl überschritten. Das gilt sowohl für Süchtige, wie auch für nichtsüchtige. Wenn ich die Möglichkeit habe das wahr zu nehmen, dann kann ich diese Grenze langsam verschieben, wenn nicht dann lösche ich eben oder sperre aus.

Andere Meinungen lasse ich mir nicht mehr aufdrücken. Gerade bei Konflikten und im persönlichen Kontakt ist das eine gute Übung. Weil ich früher nie meine Überzeugungen geäußert habe und mich anderen angepasst habe war mir mein Leben einfach nicht ausreichend ohne das Spielen.
Im täglichen Leben Risiken einzugehen indem ich zu mir und meinen Überzeugungen stehe ist soviel aufregende als Geld auf irgend was zu setzen, das soll immer meine Grundlage bleiben.

Materielle Sicherheit hat für mich, durch meine Sucht, eine hohe Wichtigkeit. Ich gehe zwar auch in diesem Bereich Risiken ein, habe aber auch immer einen Plan B um im Bedarfsfall diese Sicherheit wieder herstellen zu können.

Spieler und Angehörige leben oft in abhängigen Beziehungen. Diese Abhängigkeit ist erstmal etwas was ein warmes wohliges Gefühl in mir auslöst. Tatsächlich weiß ich aber, daß genau das mich auch zerstört, genau wie das Spielen. Meine Frau hat wenig von einer Angehörigen, tatsächlich ist das etwas, was mich oft stört, obwohl ich genau weiß, daß genau das es ist, was ich brauche.
Auch in der Partnerschaft müsste ich die Grenze verschieben, ich bin sehr froh, daß ich mit Hilfe meiner SHG das geschafft habe. Ich war nämlich tatsächlich schon so weit, daß ich anfing nicht mehr bereit zu sein mich verletzbar zu zeigen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 18 August 2019, 11:29:06
Guten Morgen,

Heute Morgen im Bad dachte ich darüber nach, ob ich beim nächsten Besuch meiner Selbsthilfegruppe mir eine Augenklappe a la Mosche Dajan zulege: "unter Blinden ist der Einäugige König".- , ein Gedankenspiel. Ich weiß, daß etwas nicht in Ordnung ist, und das kann ja nur an den anderen liegen?

"Eigentlich geht es mir gut, wenn nur die anderen Menschen nicht wären" -

ein Satz der so prägnant ist, wie "das kontrollierte Spielen macht Spaß".

Beides - funktioniert nicht, keineswegs. wenn ja, könnte ich mit Menschen spielen, sie wie Schachfiguren auf meinem Plan hin und her bewegen, und hätte eine heile und gute Welt. Die einzig Böse ist dann stigmatisiert, die "schwarze Dame", und die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Das Ausüben der Spielsucht ist die eine Seite, und genau dorthin gehört das Nicht - Ausüben des (Glück)spiels; wenn ich das erreicht habe bin ich abstinent.

Die andere Seite ist der Charakterwandel in meinem Inneren. Früher mußte ich der Gutmensch sein, der zu allem jJa und Amen sagt, der alles mit sich machen läßt, und alle Fehler auf sich nimmt, nur um in Ruhe gelassen zu werden, und seinen Träumen von dem "wenn die mal alle seheen, was wirklich in mir steckt, dann ist mein Leben in bester Ordnung".

Der Weg Grenzen zu setzen, vor dem was mir widerspricht, deutlich meine Meinung zu sagen, ob gut und richtig, oder nicht, und zu dem was ich sage und tue zu stehen, ist gerade ein Berg, der überwunden werden will.

Dafür brauche ich andere Menschen. Ein Ausdruck meiner Erkrankung ist es, daß ich mich einem anderen Menschen dermaßen angleiche, daß ich mit seinen Augen sehe, mit seinen Ohre höre, mit ihm rieche und schmecke, und seine Gefühle sind meine Gefühle, ich spreche die Worte, die er spricht, und kenne seine Gedanken, bevor er sie ausspricht. Es hat etwas mit Hysterie zu tun.

Der Kehrschluß ist, in der Selbsthilfegruppe sind Menschen, die noch nicht so lange spielfrei sind wie ich , bezogen auf Nicht - Ausüben des (Glück)spiels, und einen Weg einschlagen, den ich vor 30 Jahren voraus gegangen bin, daß ich erwarte, daß diese Freunde auf meinem derzeitigen Stand sind.
Wenn ich also wieder einmal "ungeliebt und unverstanden" fühle, das ist gerade so, dann stehe ich auf, und suche nach einer neuen Führung.

Heute Morgen habe ich über den Schleierbach in Wien nachgedacht, dort spazierengehen, wo mein Lieblingskomponist das Bewußtsein erlangte, daß er taub werden würde, dazu die Musik im Ohr; und dann der Quantensprung zur Sülz, im Großraum Köln, beim gemeinsamen Spaziergang, eben mit einem gleichsam von der Spielsucht betroffenen Menschen, zu dem ich freunschaftliche Gefühle habe, aber nicht die enge Verbundenheit, die mir Schmerzen bereitet, aber auch meine Sehnsucht nach Nähe wieder weckt.

Heute Nachmittag bin ich bei meiner Esssuchtgruppe, und dort wieder: "Kann ich die Esssucht kontrollieren"? Was tue ich wenn ich Heißhunger außerhalb der Mahlzeiten bekomme, womit habe ich mich gerade überfordert, wie ist mein Verhältnis zu Nähe und Distanz"? Auch in diesem Meeting spreche ich über mein Spiel mit den Menschen.

Daß ich Heute ein positives Ansehen im Nachbarschaftskreis, in der Kirchengemeinde, und Menschen unterschiedlicher Coleur Wert schätzen kann, ist womöglich ein Ergebnis meiner Arbeit, besser, meiner Beteiligung an den Selbsthilfegruppen.
Ich brache ja eigentlich nichts weiter dafür zu tun, als meinen Axsch hoch zu kriegen und mich auf den Weg zu machen, nach Hamburg, Köln, Bad Zwischenahn, Oberstorf, Wien...

Es gibt immer einen Tee!

schöne 24 Stunden
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 20 August 2019, 02:39:57
Oh, guten Abend,

nun, wenn ich jetzt anfange, darüber nachzudenken, könnte das wieder recht lang und wirr werden, aber ich kann eh gerade nicht schlafen, auch wenn ich es eigentlich besser tun sollte.

Nähe bedeutet Verletzbarkeit, Distanz gibt mir ein Gefühl von Sicherheit - sie kompensiert meine eigene Unsicherheit im Umgang mit meiner Umgebung. Die meiste Zeit versuche ich eigentlich, Leuten generell aus dem Weg zu gehen, und das weit über den 'persönlichen Bereich', wie etwa eine Umarmung zur Begrüßung (die Einzige Person überhaupt, die das bei mir tut, ist meine Schwiegermutter, die ist da ziemlich schmerzbefreit), hinaus.
Als ich heute auf dem Weg nach Hause um die Ecke bog, sah ich von Weitem meine Nachbarin vor der Haustür stehen, und in ihrer Tasche nach ihrem Schlüssel kramen. Die Tatsache, daß ihr kleiner Sohn dabei ständig an ihrem Arm zog, um sie auf eine neben dem Fahrradständer dösende Katze, die anscheinend einer genaueren Betrachtung unterzogen werden sollte, aufmerksam zu machen, erschwerte ihr die Sache.
Ich blieb also an der Ecke stehen, und starrte sinnlos auf mein Handy, bis die beiden endlich durch die Eingangstür waren, um sicherzustellen, daß ich nicht mit ihnen zusammen im Fahrstuhl enden würde...
Das ist kein Einzelfall. Ich verringere auch mein Lauftempo, oder bleibe ganz stehen, damit ich ja nicht bemerkt werde, wenn zum Beispiel ein Arbeitskollege vor mir geht. Ich nehme dann den nächsten Bus, oder steige in einem anderen Wagen in die Bahn, nur damit ich während der Fahrt nicht zehn Minuten Smalltalk halten muß...
Läßt sich das nicht vermeiden, oder war ich mal wieder zu verplant, sowas rechtzeitig zu bemerken, kann es sogar passieren, daß ich unter einem Vorwand irgendwo aussteige, wo ich gar nicht hinwill, um mit der nächsten Bahn weiterzufahren.
Ja... ich bin immernoch gefangen in meiner Komfortzone. Ich kann nicht anders... ich nehme viel auf mich, um dieses Unbehagen des Sich-Fehl-am-Platz-Fühlens zu umgehen.

Ich weiß, daß da nicht wirklich viel in mir steckt außer ein bißchen kosmisches Rauschen. Auch, wenn ich definitiv weiß, wie sie nicht aussieht, so wüßte ich nichtmal, wie eine nach meinem verschrobenen Bild heile und gute Welt eigentlich im Idealfall aussehen sollte. Denn Ehrlichkeit... das schaffe ich ja manchmal nichtmal mir selbst gegenüber. Oftmals kann ich auch gar nicht ehrlich sagen oder benennen, was Sache ist, geschweige denn, wie gesagt, Richtig oder Falsch. Angstbeißen kenne ich auch. Heute ist die Reaktion nicht mehr das verbale Austreten, der beißende Sarkasmus und die kopflose Vorwärtsverteidigung... aber das Gefühl, mit dem Rücken zur Wand zu stehen, mich einer Sache gegenüber hilflos zu fühlen, das gibt es heute noch... weit öfter, als ich zugeben mag.
Ich will einfach weg, meine Ruhe haben, aber ich kann nicht... weil da irgendwer einfach nicht aufhört. Es fängt an zu brodeln. Ich kann nicht, ich will nicht, laß mich in Ruhe.
Ich fühle mich dann in die Ecke gedrängt von... ja, wovon eigentlich?
Es ist für andere in dem Moment unsinnig, sie verstehen nicht, daß mir das grad wirklich zusetzt, wenn sie denn überhaupt etwas mitbekommen, da ich immer versuche, es nicht zu zeigen. Denn ich will es nicht erklären, ich kann es auch gar nicht. Stattdessen versuche ich, beiläufig zu bleiben, während ich unter vollem Einsatz aller Kräfte damit zu kämpfen habe, die Sicherung in meinem Kopf mit aller Gewalt in die Fassung zurückzudrücken.
Dann wird alles schlimmer, und die Ruhe kann ich erst recht vergessen...
Havarie auf ganzer Linie. Statt den Konflikt (der nur in meinem Kopf stattfindet, und den außer mir nichtmal jemand wahrnimmt) frühzeitig zu lösen, isser zum internen Supergau mutiert, bei dem ich nun drohe, innerlich zu platzen.

Ist mir vor ein paar Wochen erst wieder passiert, wegen einer bescheuerten Autobatterie.
Ich wollte das nur eben machen, das hatte ich mir vorgenommen.
"Warte, ich helfe dir."
Nein... ich will doch allein sein...
Diese Geschichte war so absurd, ich kann sie nichtmal wiedergeben, und sie endete in der mir leider nur allzu bekannten Sackgasse... alles nur, weil ich für eine Weile abschalten wollte, aber nicht konnte...
Das hat mich so aus der Bahn geworfen, daß ich mir nicht anders zu helfen wußte, als irgendwann zu sagen "Geh einfach. Geh mit Gott, aber geh.", was natürlich nicht gut ankam und auch noch das Gegenteil zur Folge hatte. Hatten wir nichtmal von Schreien geredet? In diesem Moment hätte ich das am liebsten getan. Einmal tief einatmen, dann laut und lange.

Nachdem der (nun irgendwie leicht wütige) Abmarsch endlich erfolgte, stand ich alleine auf dem Parkplatz und mußte erstmal meine Hände unter Kontrolle bringen. Puh. Alles gut.
Ich schüttelte den Kopf und machte einfach weiter. Endlich hatte ich meine Ruhe.
Ich kam runter, das Alleinsein und Vor-Mich-Hin-Werkeln wirkte. Aber bevor ich später wieder reinging, bekam ich ein schlechtes Gewissen. Hey, das war falsch, das war übertrieben. Wer soll das auch verstehen?
Ich hatte noch die Nachwirkungen dieses hilflosen Gefühls der Enge im Bauch, aber mein Kopf sagte mir, meine Reaktion sei falsch und ungerecht gewesen.
Womit wir beim nächsten Problem wären. Ich kann nicht auf jemanden zugehen und mich entschuldigen... oder erklären.
Ich gehe dann später einfach rein, und tu, als sei nichts gewesen.

Abends hieß es dann "Du hast manchmal leicht autistische Züge, irgendwie ein bißchen zwanghaft. Wenn du etwas machen willst, und man stört dich dabei, dann wirft dich das aus der Bahn."
Das hat mich irritiert... "Mhhh... Keine Ahnung. Aber... wenn du das weißt, warum tust du es dann?"
Das versteh mal einer...

Ich hege eine tiefe Abneigung gegen Abhängigkeiten - in beide Richtungen. Es gibt sie auch in gesunder Form, bei Familien mit Kindern, besonders wenn einer zu Hause bleibt, oder wenn jemand krank oder pflegebedürftig ist, und nicht alleine klarkommt - aber unter erwachsenen Personen sollte es sowas sonst nicht geben, egal in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Das ist eines der wenigen Dinge, wo ich manchmal innerlich erschrecke, wie stark meine Empfindungen da sein können. Zu Hause, aber auch als 'Beobachter' bei anderen.

Sicher gibt es manchmal Situationen, in denen einer dem anderen temporär unter die Arme greift... aber sobald sich dauerhaft eine Selbstverständlichkeit und Erwartungshaltung manifestiert, wird es ungesund.
Zumindest nach meiner Auffassung.

Als ich den Begriff der Coabhängigkeit zum ersten Mal las, klang es für mich ein wenig nach 'nicht allein lebensfähig'. Es hat für mich eine Weile gebraucht, zu verstehen, was damit eigentlich genau gemeint ist.
Ich kannte zwar das Wort vorher nicht, wie sowas aussieht, das wußte ich dann aus eigener Erfahrung aber leider sehr wohl.

Für Liebe war in meiner aktiven Zeit sowieso kein Platz. Es war zweckführend, daß jemand da war, der mich auffing, wenn ich mich mal wieder im freien Fall befand. Wenn es meiner Suchtausübung dienlich war, konnte ich auch ganz nett sein... zumindest zeitweise. Es war keine Beziehung, sondern ein Mittel zum Zweck - für mich. Nähe und Zuneigung gab es da nicht.

Liebe ist ein schönes Gefühl, heute kenne ich es. Zeigen allerdings kann ich das nicht sehr gut, was manchmal etwas frustrierend sein kann, und es tatsächlich zuzulassen war etwas sehr Persönliches und brauchte seine Zeit. Alles in mir hat sich lange dagegen gesträubt. Manchmal macht es mir auch heute noch ein wenig Angst, weil es mich irgendwie verletzlich macht... und mit Nähe und Vertrauen verbunden ist - auf beiden Seiten. 
Alles Dinge, die ich zu meiner aktiven Zeit nicht empfinden wollte oder konnte.

Wenn ich spiele, kann man mir nicht vertrauen. Ich kann auch anderen nicht vertrauen, da sie mich ja nur sabotieren wollen. Mir geht es außerdem gut, geh weg, laßt mich bloß in Ruhe. 

Das ist das genaue Gegenteil von Liebe.

Ja, Liebe sollte 'bedingungslos' sein, aber ein sehr ausgeprägtes Harmoniebedürfnis auf der einen, und eine rücksichtslos ausgelebte Sucht auf der anderen Seite, machen eine gesunde Balance unmöglich. 
So war es bei mir. Und so wäre es auch wieder, sollte ich etwas Dummes tun.

Ich wäre heute noch nicht trocken, wäre ich damals nicht (wenn auch aus einer völlig fehlgeleiteten Interpretation meines Verhaltens heraus) vor die Tür gesetzt worden, da bin ich absolut sicher.
Ich bin (wieder) mit genau der Art von Person zusammen, mit der ein sorgenfreies Leben im Luftschloß ziemlich lange möglich wäre. Sollte die Balance wieder kippen, würde das uns beide in den Abgrund reißen...
...mir ist das absolut klar.

Allerdings ruht mit meiner Suchtausübung auch diese Art von ungesunder Abhängigkeit. Ich möchte nicht, daß mir jemand etwas abnimmt, was ich selbst erledigen kann (und sollte). Entscheidungen selbst zu treffen ist mir sehr wichtig, auch, oder gerade weil, ich mich damit oft sehr schwertue. Manchmal dauert das, aber da muß ich eben durch. Das klingt wahrscheinlich irgendwie seltsam, aber mein persönliches Recht, auch mal auf die Fresse fliegen zu dürfen empfinde ich als essentiell wichtig.
Ich hab ein Problem, dann löse ich es.
Tue ich das nicht, bin ich selbst Schuld.
Ich will etwas haben, dann kauf ich's mir.
Tue ich das nicht, brauche ich es auch nicht.
Wenn ich etwas sage, dann meine ich es auch so, das bedarf keiner 'Interpretation'.
Und wenn ich nichts sage, habe ich Pech gehabt.
Es ist auch jetzt nicht immer einfach, und sorgt immernoch manchmal für Unverständnis, wird inzwischen allerdings meistens wortlos akzeptiert.

Meine Beziehung ist da auch nicht klassisch, es ist ein wenig kompliziert, auch wenn es einfach aussieht. Die Leute sagen über uns, unser "Leben und Lebenlassen" ginge weit über das normale Maß hinaus, und beinhaltet ein Übermaß an Toleranz und Vertrauen.
Naja... die kleinen Mißverständnisse unseres Lebens bekommt ja auch keiner mit... und wir sprechen ja nichtmal miteinander darüber, vielleicht auch, weil jeglicher Versuch in die Richtung erfahrungsgemäß zum Scheitern verurteilt ist.
Davon abgesehen ist das okay. Komplette Harmonie gibt es nie.
Ich denke nicht, daß es einfach mit mir ist, auch wenn die meisten Außenstehenden mich als 'pflegeleicht' bezeichnen würden. Zuwenig zu reden ist eben manchmal auch nicht gut.

Meine Kollegin sagte letzte Woche zu mir (nachdem ich ihr, nach einem halben Tag künstlich-empörter (und faktisch inkorrekter) Tiraden ihrerseits, sagte, wie egal mir ihr gerade aktueller Disput mit unserem Chef ist): "Eine Zusammenfassung deiner Person in einem Satz: 'Der Weg des geringsten Widerstands'."
Die hellste Kerze auf der Torte ist sie eigentlich nicht, deshalb war ich da schon etwas erstaunt ob ihrer Weitsicht.

Ich habe kürzlich einen Beitrag (der irgendwie mal wieder etwas lang wurde) zum Thema "Warum zählt man die Tage?" geschrieben. Meine Kernaussage war eigentlich nur, daß die verstrichene Zeit irrelevant ist... es kommt darauf an, ob und inwiefern ich es schaffe, einen 'inneren Wandel' zu vollziehen. Hierbei gehöre ich aber offenkundig zu den langsameren Kandidaten.
Ich habe meine Abstinenzentscheidung schon lange nicht mehr in Frage gestellt, weder offensichtlich, noch 'hintenrum'. Ich wundere mich nur gelegentlich, auf welcher Art von Fundament das Ganze für mich heute eigentlich steht. Ist es eine Kopf- oder eine Vernunftssache?
Es fühlt sich nicht mehr an wie "Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch", aber gab es da überhaupt je einen Punkt, wo sich das 'plötzlich' geändert hat, oder ist es einfach nur abgeschwächt mit der Zeit?
Ich habe gelernt, es für mich selbst so zu akzeptieren, und das hat lange genug gedauert. Offen dazu zu stehen ist allerdings nochmal was anderes...

Und das gilt leider nicht nur für meine Vergangenheit und das, was sie heute noch nach sich zieht, sondern eigentlich für alle Bereiche meines Lebens.

Meinen Arsch zu bewegen ist nicht auch nicht so meine Stärke, dazu muß ich mich immer recht lange durchringen.
Aber ich mag Tee. :)


Gute Nacht allerseits.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 20 August 2019, 18:17:33

Es gibt immer einen Tee!

Aber ich mag Tee. :)

Trotz aller Probleme schreibt ihr schön und habt Humor,musste lächeln.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 20 August 2019, 23:48:48
Moin zusammen,

Tee mag ich gern, jedoch nicht abends, dann Lauf ich die ganze Nacht zur Keramik.
Ich habe das Glück, das ich als Hamburger massig Freunde bei den GA habe, die länger als ich dabei sind.
Letztlich ist es für mich in der Gruppe aber nicht wichtig, wer dabei ist und wie lange er spielfrei ist. Prinzipien über Personen stellen, so steht es im Programm der GA. Ich konnte, als ich im Krankenhaus war, zu einer AA Gruppe gehen, ich ging in Schweden in GA Gruppen, das ist kein Problem. Ich spreche in der Gruppe von mir, ich bin für mich die wichtigste Person in der Gruppe. Antworten die mich berühren erhalte ich von Freunden die schon lange dabei sind, oder von Freunden die neu dabei sind. Das weiss ich vorher nie.

Ein Thread wie dieser, der mich immer wieder tief berührt und für mich einer der wenig wesentlichen ist, die ich in Foren kennen gelernt habe. Ich hatte solche Threads auch schon in einem Nachbarforum, war sogar ein extra geschützter Bereich. Interessant finde ich, daß sie früher oder später immer zerschlagen werden, warum weiss ich nicht. Aber auch für mich interessant, das es überall zu jeder Zeit wieder entstehen kann.

Dieses Gefühl das meine Seele berührt wird ist immer wieder unglaublich. Egal was Du  TAL schreibst, es kommt mir alles so bekannt vor. Ich brachte Montag die Mülltonnen zur Straße, die Nachbarn über 80 Jahre gingen an mir vorbei, wir grüssten uns. Sie gingen kurz vor mir. Der Drang es bei dem Gruss zu belassen war gross, doch ich möchte mich ja im Smalltalk etwas üben. Also sagte ich etwas belanglose. Sie nahmen es auf wie ein Schwamm. Wir standen fast eine Stunde und unterhielten uns. In 10 Jahren in den ich hier wohne wohl erst das 3 Mal. Es fühlt sich gut an über meinen Schatten zu springen.
Konflikte lasse ich tatsächlich überhaupt nicht in mir, egal wie gross der Gegner ich geh rein. Das ist nicht immer weise, aber damit halte ich mein mir gegebenes Versprechen mich nicht mehr zu verbiegen.

Grundsätzlich ist das für mich auch der richtige Weg. Blöd nur, daß ich drei Kinder habe und besonders der grosse diese Eigenschaft auch hat. Meine Kinder bekommen das natürlich bei mir mit. Das hat in der Schule zu einigen Problemen geführt. Jetzt wird er 15, wir hatten bestimmt schon über ein Jahr keine Probleme durch dieses Verhalten mehr, weil er mit zunehmenden Alter etwas cleverer agiert.
Im 10 Schritt von GA heißt es "Wir setzen die Inventur fort und wenn wir Unrecht hatten gaben wir es sofort zu"  Eine gute Übung. Am öftesten gebe ich es bei meinen Kindern und meiner Frau zu. Dort bin ich oft in meinen Mustern gefangen.
Auf jeden Fall lohnt es sich für mich, an solch Dingen zu arbeiten und in der SHG darüber zu sprechen.

In den Gruppen gibt es viele Sprüche, die sich wenn ich sie lebe oft bewahrheiten. Allerdings füllen sie sich erst mit Leben wenn ich Sie dann auch selbst durchlebt habe. Ansonsten ist es nur ein seelenloses nachgeplapper. Ich kann nur für mich mit den Spielen aufhören, ist ein solcher Spruch. Das habe ich beim Spielen auch so erfahren, wichtig war für mich auch die Bedingungslosigkeit.
Beim Rauchen hatte ich Schwierigkeiten, ich sah mich schon als hoffnungslosen Fall. Tatsächlich habe ich dann für meine Kinder aufgehört. Die Kinder sind nämlich der aller wichtigste Teil von mir, für die gebe ich alles.
Ich habe im Nachbarthread auf die Auswirkungen des Spielens auf Kinder hingewiesen. Das ist tatsächlich etwas, was mir sehr am Herzen liegt. Sucht ist leider eine Familienkrankheit, natürlich bekommen die Kinder als erstes mit wenn etwas nicht stimmt, je kleiner umso schlimmer. Ich bin seit 30 Jahren bei GA und kenne daher viele Verläufe.
Was ich aber auch bei GA gelernt habe ist, aus einer Zitrone eine Limo zu machen. Wenn ich den Fakt der Auswirkungen auf die Kinder eingestehen kann, dann kann ich sofort mit der Sucht aufhören.

Ich freue mich schon auf das Deutschlandtreffen der GA. Ein Kurzurlaub der lange positiv nachwirkt, das habe ich schon oft erfahren.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 27 August 2019, 20:35:56
Guten Abend allerseits,

Tee geht immer (nur nicht diese Früchte-Mischungen oder Schwarztee), ich trinke ihn aber fast nie, da ich zu faul bin, welchen zu kochen. Tagsüber schlägt das tatsächlich auf die Blase (so wie Kaffee oder Bier), nachts aber komischerweise nicht. Ich kann auch abends Kaffee oder Energydrinks trinken, das macht bei mir keinen Unterschied, mein Schlafrhythmus ist von Natur aus ziemlich unausgeglichen.

Ist es eine 'Familienkrankheit'?
Ich wäre nicht in der Lage, einem Kind die Aufmerksamkeit zukommenzulassen, die es braucht... ich schaffe das ja nichtmal bei mir selbst. Mir wächst manchmal schon meine eigene kleine Welt über den Kopf. Ich finde mich inzwischen ganz gut darin zurecht, aber sowas würde alles wieder auf den Kopf stellen, somit wären die Auswirkungen definitiv spürbar... auch ohne aktive Suchtausübung. Das wäre für mich ganz einfach nicht händelbar.
Aber weder meine Mutter noch mein Stiefvater sind suchtkrank.
Mein Vater auch nicht, auch wenn er eine Weile recht viel getrunken hat. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber null Kontakt zu ihm.

Meine Schwester macht es auch so wie du... wenn ihr etwas nicht paßt, oder sie sich ungerecht behandelt fühlt, sagt sie es. Auch sonst war (und ist) sie immer der Typ 'Mit dem Kopf durch die Wand', und das hat ihr früher viel Ärger eingebracht... der meistens vermeidbar gewesen wäre. Nach einer Weile weiß ich doch, wie andere ticken, da kann ich mir so einiges ersparen. Ich war das 'vernünftige' Kind, sie der Dickkopf. Wir haben zueinandergehalten, weil es sonst keiner getan hat, der Unterschied war einzig und allein unsere Art, mit Situationen umzugehen. Sie direkt rein, ich unterm Radar.
Schon damals habe ich für mich erkannt, daß 'aufzufallen' nicht hilfreich ist.

Das Gefühl, daß jemand versteht, was ich nichtmal selbst verstehe, ist verwirrend und berührend zugleich. Es macht mir etwas Angst, es macht 'verletztlich', aber es befreit auch irgendwie. Einfach runterzuschreiben, was mich beschäftigt, ohne mich zu fragen, wie das jetzt 'rüberkommen' würde, tut wirklich gut. Ich bin gar kein Alien, anderen geht es genauso. Das ist irgendwie beruhigend, auch wenn das jetzt komisch klingt. Ich habe nichtmal einen Zusammenhang gesehen... oder sehen wollen..., sondern habe immer gedacht, ich wäre ein hoffnungsloser Einzelfall... eben einfach irgendwie nicht ganz frisch im Kopf. 
Auch wenn sich eigentlich alles in mir dagegen sträubt, daß irgendjemand all das über mich weiß, bin ich doch dankbar, daß ich es einfach mal sagen kann... wenn das so Sinn macht. Als ich heute Nacht im Dunkeln an die Decke starrte, während neben mir jemand ruhig vor sich hinschlummerte, fragte ich mich "Was habe ich mir da eigentlich bei gedacht?". Somit hat es ein Gutes, daß dieser Thread neu 'rekonstruiert' wurde... ich könnte nichts mehr löschen, selbst wenn ich wollte.


Mhhh... Ich habe für mich selbst aufhören müssen, denn es war ganz einfach niemand anders mehr da. Solange noch jemand da war, hat das aber nie funktioniert, ich hatte ein Sicherheitsnetz, es war ja nicht nötig. Vielleicht war es gerade deshalb, eben gerade das, was ich brauchte. Ich war mal wieder voller Selbstmitleid und Wut auf die Welt, trotzdem bin ich unendlich froh darüber, daß ich an diesem Tag mein Handy ausgestellt und nicht zurückgesehen habe (wenn auch zugegebenermaßen mehr aus Trotz, denn aus Einsicht). Ich erinnere mich nur ungern daran, wie es war, nachts mit einer Tasche voll Kleidung und diesem Gefühl der Hoffnungslosigkeit im Bauch auf einer Bank zu sitzen, aber es war für mich selbst wohl das Beste, was mir passieren konnte. Irgendwann in der Morgendämmerung stand ich dann einfach auf und ging zur Arbeit, wie immer. Es mußte ja irgendwie weitergehen. Die darauffolgenden Nächte habe ich im Keller meiner Eltern verbracht, denn nachdem man mir damals mehr oder weniger subtil nahegelegt hatte, ich möge dort doch bitte umgehend ausziehen, hatte ich einen Kellerschlüssel bekommen, um meine Sachen abzuholen. Den hatte ich nie abgegeben, das wurde wohl vergessen - und man kam von außen in den Keller. Ich hatte das schon öfter als nächtlichen 'Zufluchtsort' genutzt, wenn ich nicht nach Hause gehen wollte, da ich keine Kraft mehr hatte, irgendwem unter die Augen zu treten. Dort war ich allein mit meiner Selbstverachtung, niemand in der beschissenen Welt da draußen konnte mich sehen, und ich mußte mich nicht rechtfertigen.
Es hätte also schlimmer kommen können. Tagsüber konnte ich dort nicht hingehen, ich wollte niemandem begegnen, aber es war Sommer, und ich hatte zumindest nachts wenigstens ein Dach überm Kopf.
Jemand sagte hier kürzlich, seine Frau hielt ihn aufgrund seines Verhaltens für einen Fremdgänger - das war bei mir auch so. Damals zog ich diese Verdächtigungen der Wahrheit vor, es war mir egal. Es war eine von mir nichtmal beabsichtigte, aber ziemlich praktische 'falsche Fährte'.
Heute tut das komischwerweise echt weh.
Viele Erinnerungen tun weh, wenn ich aufhöre, sie zu verdrängen. Scham, Schuld und das Bewußtsein, andere aus purem Egoismus verletzt zu haben.

Ja, es gibt viele Sprüche und Weisheiten. Manche Dinge verstehe ich erst mit der Zeit, andere hingegen vielleicht nie. Das ist bei vielen Sachen so. Manchmal ist es eben auch die Schwierigkeit, einen langsamen Prozeß in kurze Worte zu fassen.
Ich habe die Schritte vor etwa einem Jahr mal irgendwo gelesen. Auf Englisch, aber die deutsche Version ist da wahrscheinlich ähnlich... konfus?!
Ich hab jedenfalls nur gedacht "Äh... was?".
Da war ich aber nicht der Einzige. Jemand hat es dann grob zu erklären versucht. Wirklich schlüssig war es dann trotzdem nicht, und den Reaktionen anderer nach zu urteilen, lag das auch nicht an der Sprachbarriere. Grob umrissen hatte ich es irgendwie ein bißchen verstanden, konnte es aber nicht wirklich nachvollziehen. Es hatte etwas 'Abstraktes', Spirituelles und, ja, Weltfremdes - alles Dinge, auf die viele Leuten automatisch abwehrend reagieren. "Ich bin nicht gläubig, ich brauch keine Missionierung, und erst recht keine spirituelle Läuterung." - das waren noch die harmlosen Kommentare. Wenn es dann (mal wieder) in eine Schlammschlacht ausartet, ist das wenig hilfreich.
Ich war schließlich einfach nur etwas ratlos und dachte mir "Mhhh... nun ja, wenn's hilft..."
Gerafft habe ich es nicht so wirklich, und es dann auch schnell wieder vergessen.

...bis jemand (Ich glaube, das war Skip - die ich mit ihrer direkten, ungeordneten Art übrigens ein wenig vermisse) hier irgendwo wieder vom ersten Schritt schrieb, und ich die anschließende, hier deutlich konstruktivere, Diskussion las, da wurde mir dann klar, daß das einzig Seltsame daran eigentlich nur der Wortlaut ist. 
Ich hab ja eigentlich letztendlich nichts anderes getan, wenn auch im Schneckentempo.

Wörter wie 'Kapitulation', oder auch 'defeat', sind immer negativ behaftet, das ist denke ich das Hauptproblem hierbei, man assoziiert sie automatisch immer mit einer Niederlage, mit Schwäche und Versagen - alles Dinge, die niemand gern freiwillig hinnimmt oder für sich akzeptiert. Die daraus resultierende Abwehrhaltung ist aber letztlich nur der Formulierung geschuldet, und nicht dem eigentlichen Inhalt. Denn es sollte mir doch im Umkehrschluß gar nicht darum gehen, diesen 'Kampf' unbedingt gewinnen zu müssen, sondern ihn gar nicht erst zu führen, da ich ihn auf Dauer nicht gewinnen kann.
Ich muß mich also davor schützen, in genausoeine Situation überhaupt erst reinzugeraten, um dafür Sorge tragen zu können, daß es erst gar keinen 'Verlierer' geben kann.

Wegwünschen kann ich es nicht, das hab ich schon versucht, ich will aber auch kein Streitgespräch, bei dem die Gegenseite schon weiß, was ich gleich sagen werde, noch bevor ich den Gedanken überhaupt zuendegebracht habe.
Das ist anstrengend. Und früher oder später würde ich den Kampf verlieren... einmal reicht da aus.

Ich bin dem Spielen gegenüber machtlos, weil ich es nicht kontrollieren kann. Jeder Versuch in diese Richtung wäre ein ungleicher Kampf, auf den ich mich besser nicht einlasse.
Ein Leben wie dieses kann ich nicht meistern. Ich habe es versucht, und es hat es immer nur noch schlimmer gemacht.
Was ich also brauche, sind Alternativen, also Veränderung. Die erste ist, genau das so hinzunehmen und zu akzeptieren.

Ich weiß natürlich nicht, wie andere das sehen, bin mir aber ziemlich sicher, daß es ein Richtig oder Falsch in dem Punkt so auch gar nicht gibt.
Wichtig ist ein 'Arrangement', was derartigen inneren Konflikten den Wind aus den Segeln nimmt, bevor sie zum Selbstläufer werden. Das spart eine Menge Energie, die man anderweitig gut gebrauchen kann. Wie man diese Art von 'innerem Gleichgewicht' erreicht, ist wohl auch individuell verschieden.

Es geht um den Rest meines Lebens, und nicht um eine Strafe, die ich einfach nur absitzen muß, bis am Tag X alles wieder vergeben und vergessen ist... wenn... dann...
Es gibt kein 'Enddatum', dieser Tag wird nicht kommen, ich habe Utopia lange genug entgegengefiebert... und wo hat es mich am Ende hingebracht?
Wozu also weiter darauf warten?
Auch das war eine Einsicht, die ihre Zeit brauchte.
Nie wieder spielen zu 'dürfen' war etwas, was ich mir auch noch lange nach meiner letzten Session nicht vorstellen konnte... oder wollte.
"Ich bin nicht süchtig, sowas gibt es gar nicht... das ist doch Quatsch... ich habe mir doch inzwischen bewiesen, daß ich es im Griff habe."

Nun ist das eine die Theorie, und das andere die Praxis, und da hapert's gewaltig. Ich bin auch nie darüber hinausgekommen. Denn so richtig das alles auch klingt, die 'Gegenseite' verspürt leider trotzdem ab und an nochmal den Wunsch, mir zu zeigen, was sie davon hält. Das mentale Äquivalent eines verächtlichen Grinsens oder so... "Haha... nicht dein Ernst jetzt...?"
Die Zeit ist nicht entscheidend. Sieht man an mir, die meisten sind da deutlich weiter.

Selbst wenn die Stimme still ist, und heutzutage kommt da zum Glück nicht mehr sehr oft was, dann bekomme ich meine Unzulänglichkeiten anders zu spüren. Denn bei 'Im Unrecht sein' geht es mir ja nicht um Sach- oder Ja/Nein-Fragen, die sich mit einer Google-Suche beantworten lassen. In so einem Fall habe ich kein Problem, zu sagen: "Ok, hab ich mich wohl geirrt. Anscheinend sind Flamingos doch rosa."
Richtig und Falsch, Recht und Unrecht ist für mich oft schwer erkennbar, in den meisten Punkten, die andere in dem Moment für wichtig erachten, interessiert es mich auch gar nicht. Traurigerweise kann genau das bei mir zu Hause zum Problem werden - nämlich wenn man mir nicht glaubt, daß ich zu etwas echt keine Meinung habe. Dann geht das 'Interpretieren' los. Von dem Punkt an hab ich dann verloren, da die Überzeugung eh bereits feststeht. Aber zumindest erfahre ich so, was ich angeblich für Ansichten zu einem für mich eigentlich völlig belanglosen Thema habe.
Habe ich hingegen tatsächlich mal eine Meinung, und versuche, sie zu äußern, heißt es oft genug "Ich versteh dich nicht, du bist seltsam."
Tja... Willkommen im Club.

Vielleicht wäre meine perfekte heile Welt eine Welt voll Hellseher.

Ich mußte in der Vergangenheit ab und an zwangsweise über meinen Schatten springen... sonst wäre ich nicht hier. Es war immer sehr unangenehm, aber umso befreiender, wenn ich es dann 'geschafft' hatte. Hinterher habe ich mich dann zwar oft über meine ungeschickte Art geärgert, aber naja...
Ich sage mir dann immer, daß von mir wohl kaum einer Perfektion erwartet... immerhin bin ich ja ich, die Leute kennen das doch.
Manchmal ist hier aber allein schon das 'Wie' ein Problem für mich.

Zitat
aus einer Zitrone eine Limo zu machen

Ja, das beschreibt es ganz gut. Was soll's, ich kann's nicht ändern, aber ich kann das Beste draus machen.

Ich wünsche einen angenehmen Abend.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 28 August 2019, 23:01:30
Moin Moin,

bis zum Ende meiner Spielzeit war ich der ja Sager. Ich wollte so einfach nicht mehr Leben. Für das was uns unter Frei verstehe, gehört das absolut dazu. Den Preis den das fördert zahle ich gerne. Wichtig für mich ist immer wo ich herkommen. Wenn jemand z.B mir erzählt er will immer mit den Kopf durch die Wand ist für mich viel interessanter, wo kommt er her.

Interessant bei Spielern finde ich immer, daß viele von Extremen kommen, dann aber auch von genau gegenüberliegenden. Klischee gemäss kommen Spieler aus einer Reihe von Suchtfamilie in der sie vernachlässigt wurden, was ja auch oft der Fall ist.
Die Vernachlässigung fängt da schon an, das ein Teil die ganze Zeit die Sucht, die damit verbundenen Sorgen und Lügen zur Vertuschung mit sich rum trägt. Geht natürlich bis zum Missbrauch in allen Variationen. Auf der anderen Seite kommen viele aus einer überbehüteten Familie. Ich auch. Interessant das jede Art von Extremen oft zum gleichen Ergebnis führt.

Meine Eltern sind in keiner Weise süchtig. Tatsächlich ist der Bruder meiner Oma väterlicher Seite der erste der in meiner Familie Alkoholiker war. Als ich geboren wurde, war schon gestorben. Obwohl meine Eltern nichts mit Sucht zu tun haben sind die Strukturen in der Familie gelegt.

Wenn Andreas schreibt bringt er Dinge oft in so schöne Worte das ich mich freue endlich für meine Gefühle so schöne Worte zu bekommen, ich vergesse Sie zwar meist wieder, das Gefühl, bewahre aber das Wissen darum, das es die Worte gibt.

Du wiederum sprichst oft Dinge raus, die für mich wie Faust aufs Auge passen, und bin geflasht weil es immer in mir war, ich es bisher noch nicht mal zu denken traute.

Das beides erlebe ich meistens in Meetings, darum gehe ich auch heute noch mit Freuden hin.

Du deutest Dein Ende an und auch wenn meines völlig anders war spüre ich die parallelen, das ist dieser klingklang von dem ich im Nachbarthread schrieb. Ich bezeichne das immer als Seelenberührung. Ein tolles Gefühl was ich ausschließlich mit anderen Spielern erfahren kann. Für alle anderen bleibt das unsichtbar.

Schön das Du das mit den 12 Schritten angesprochen hast. Die sind ja von den AA übernommen worden. Endstanden sind Sie ja im Nachhinein, als Sie überlegt haben wie sie entstanden sind.

Seit meinem Beginn bei GA haben ihre Schritte ein hohe Bedeutung für mich. Ich bin über Jahre in Schrittemeetings gegangen. In meinem Stammeeting machen wir einmal im Monat den passenden Schritt. In einem Nachbarforum habe ich 2,5 Jahre ein Schrittemeetings geleitet. Dort haben wir jeden Schritt den ganzen Monat bearbeitet. Kurs ich habe soviel Berührung damit, daß die Fragezeichen die ich am Anfang hatte schnell in meine Vergessenheit geraten sind.
Ich habe am Anfang Schrittemeetings mit Literatur mitgemacht, seit Jahrzehnten nur noch ohne, weil wie Du schreibst es ein richtig und falsch überhaupt nicht gibt. Es bedarf auch keine Vorkenntnisse.
Letztlich kann ich immer durch den Schritt auf mein Leben blicken, dadurch bekomme ich eine Sichtweise die ich sonst nie einnehmen würde.
Ich vermisse Skip auch, auch Sie hat mich zu einer Sichtweise gebracht auf die ich sonst nie gekommen bin.
Kein Spieler braucht ja Handlungsanweisungen um spielfrei zu werden. Es braucht die Änderung der Sichtweise. Der Auslöser dafür können viele Dinge sein. Leider lösen Menschen die eingefahrenen Strukturen aufbrechen bei vielen Irritationen aus.

Meine kleinen sind gerade für den Konfirmantenuntericht angemeldet worden. Beide sind am hadern ob Sie überhaupt an Gott glauben. Nun die höhere Macht aus dem GA Programm ist tatsächlich nicht der Grund für meinen Glauben, der auch nicht gefordert wird. Die Mehrzahl der GA Mitglieder würde sich sicher nicht als gläubig bezeichnen.
Für mich ist der Grund das ich mehrere Wunder erlebt habe um überhaupt spielfrei zu werden, um überleben zu können, und das ich nicht ins Gefängnis mußte.
Meinen Kindern erzählte ich genau dies. Sie fragten nach den Wundern. Das Problem für mich, für Wunder kenne ich keine Worte ohne das es kitschig klingt, es ist nur ein massives Gefühl.
Mein grosser der bei seiner Konferfahrt ein Gott Erlebnis hatte sprang mir überraschend bei.
Nun nötigen werde ich meine Kinder nicht, nur möchte ich schon mit Ihnen teilen warum Dinge für mich wichtig sind. Mit süchten und speziell der Speziell der Spielsucht Verfahren ich ähnlich. Der grosse hat jetzt natürlich immer öfter mit allem Berührung.
Ich muss jetzt darauf vertrauen, daß sie aus meinen geteilten Erfahrungen die richtigen Schlüsse ziehen. Das beste was ich tun kann, ist Ihnen zu vertrauen und meinen Kontrolldrang unter verschluss zu halten.

Taro


Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 02 September 2019, 03:27:42
Guten Abend (oder Morgen),

Bei mir im Elternhaus gab es keine Suchtproblematiken, keinen Mißbrauch und keine Gewalt. Überbehütet war ich aber auch ganz sicher nicht, auch wenn nach außen hin gern der Eindruck vermittelt wurde.
Vernachlässigung... Ich würde auch hier ganz klar sagen: Nein.
Ich hatte ja schließlich immer was zu essen und ein Dach überm Kopf.
Dann fragte ich mich aber eben... "Was würde meine Schwester wohl dazu sagen?"
Da käme wohl ein ganz entschiedenes: "Ja."
Nun stellt sich mir grad die Frage: Warum dieser Unterschied?
Mhh.. es ist wohl doch etwas komplizierter. Meine Eltern (also meine Mutter und mein Stiefvater) erweckten zwar gern den Eindruck einer heilen Welt und guter Fürsorge nach außen (und tun dies auch heute noch), drinnen sah es allerdings anders aus. Mein Stiefvater ist das, was man im Jargon ein autoritäres Arschloch nennen würde. Das war, durch sein generelles Auftreten, zumindest in den Grundzügen bekannt, auch nach außen hin. Die meisten Leute mochten ihn nicht wegen seiner Art. Es ging aber weit darüber hinaus, er hatte zum Beispiel von Anfang an immer tolle 'Spitznamen' für uns beide - zwei Kinder von vier und sieben Jahren - die mit der Zeit immer übler wurden. Das hingegen hat natürlich nach außen keiner mitbekommen, und meine Mutter hat ihm nie widersprochen, und sich immer aus allem rausgehalten. Sein Ideal von Familie waren meine Mutter und seine beiden Töchter. Damit waren da allerdings zwei Personen zuviel...
Ich erinnere mich noch gut, daß meine Schwester ganz lange nur eine einzige Hose besaß, eine rote Jogginghose mit Knöpfen an der Seite, die waren damals in den 90'ern schwer 'in' - und selbst die hatte ihr meine Oma gekauft. Es hieß dann immer "Stell dich nicht so an, du hast genug."
Ich weiß noch, wie ich dachte, daß sie aber doch rechthat, und das irgendwie 'ungerecht' ist, aber ich habe mir schon damals nie darüber Gedanken gemacht, wie es für mich selbst war. Aber wenn ich jetzt ehrlich drüber nachdenke, ging's mir selbst wohl nicht wirklich besser.

Ich hatte trotzdem keine unschöne Kindheit, für mich war das immer ganz normal. Meine Stiefschwestern hatten zwar im Nachhinein betrachtet einen deutlich einfacheren Stand, aber das war mir, im Gegensatz zu meiner Schwester, damals wie heute recht schnuppe. Wir beide waren schon früh auf uns allein gestellt. Meine Mutter, und besonders mein Stiefvater, versuchten das immer mit unnötiger Strenge und sinnfreien Regeln zu kompensieren, die natürlich nur für mich und meine Schwester galten. Zu meiner Mutter sagte er "Warum läßt du das durchgehen?", wenn es um uns ging, bei seinen eigenen Kindern hieß es aber "Natürlich. Mach doch." Die 'Regeln' bei uns zu Hause waren schon krank. Nur gab es sie dann plötzlich nicht mehr, wenn es um meine Stiefschwestern ging. Wir sind da eben verschieden mit umgegangen. Meine Schwester hat das nie gut wegstecken können, das Verhältnis zwischen ihnen ist nach wie vor angespannt, das Wort "Mama" gibt es in ihrem Wortschatz nicht, zumindest nicht bezogen auf ihre eigene Mutter. Daß sie sich nie auf ihre Seite gestellt hat, sitzt tief. Seit sie Kinder hat, und meine Mutter damit Enkel, ist es besser geworden, aber richtig erholen wird sich das nie. 
Und trotz der Tatsache, daß sie von meinem Stiefvater immer als das auf Konfrontation gebürstete "Problemkind" hingestellt wurde, weil sie, im Gegensatz zu mir (ich bin ja sooo vernünftig... -.-), offen dagegen rebelliert hatte, bin ich heute derjenige mit dem Suchtproblem. 
An der Kindheit liegt es bei mir also nicht. Da wäre meine Schwester viel eher der Kandidat für.

Meine bessere Hälfte hegt eine tiefe Abneigung gegen meinen Vater, wenn meine Schwester allerdings etwas Negatives über meinen Stiefvater sagt, heißt es "Du übertreibst."
Der Grund dafür ist eben die Außenwahrnehmung. Mein Vater war nicht da, mein Stiefvater schon.
Meine Kindheit und Jugend ist auch etwas, worüber ich nicht rede, jedenfalls nicht im Detail. Selbst wenn ich mit meiner Schwester allein bin, und sowas zur Sprache kommt, halte ich mich zurück. Sie ist immernoch voll Abneigung, Wut und Enttäuschung. Aber was bringt das? Es ist Vergangenheit, und sollte dort bleiben. Besonders, wenn man sich heute untereinander kennt. Meine bessere Hälfte würde sehr empfindlich und drastisch auf sowas reagieren. Hat mir jemand 'wehgetan', ist er ab dann offiziell gestorben. Bei meinem Vater war das auch so. Er hat den Fehler gemacht, bei unserer Hochzeit nicht aufzutauchen. Da mich sowas ja verletzt haben 'muß' (was ich selbst dazu sage, zählt nicht), war er eben ab dann gestorben.
Es ist aber eben nicht alles schwarz oder weiß.
Ich habe es ja selbst nie als 'falsch' wahrgenommen - und heute sind alle erwachsen.

Es liegen Welten zwischen meiner Kindheit und der meines Partners, aber damals war das für mich 'normal', ich habe nicht drunter 'gelitten'. Daß allerdings jemand auf meiner Seite steht, ohne groß nachzufragen, weil man eben Familie ist, kannte ich nicht. 
Bei mir zu Hause hieß es immer "Tja, wird schon seine Gründe haben, also selber Schuld.", das ist bei denen genau das andere Extrem. Da wird nicht groß reflektiert oder hinterfragt, 'schuld' sind per se immer die anderen.

Noch heute hasse ich Fernsehen... ich verbinde das immer mit meiner Kindheit und den Worten "Halt die Klappe!".
Als meine bessere Hälfte letztes Jahr dann doch einen Fernseher kaufte, war meine Bedingung, daß ich kein Antennenkabel will. Netflix oder so... gut... aber kein TV.

Meine Schwester zog mit 15 aus, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat, immer an allem Schuld zu sein. Meine Mutter fiel aus allen Wolken, als sie den darauffolgenden Sorgerechtsprozeß verlor - gegen meinen Vater, das will schon was heißen. Mein Stiefvater hingegen war froh, sie loszusein, und machte sich auch nicht die Mühe, das zu verstecken. Ich hab's auf meine Art ausgesessen, bis ich 18 war - dann flog ich unter einem Vorwand. Somit war er uns beide innerhalb von wenigen Monaten los - endlich ein freies Zimmer. Ich zog zu meiner besseren Hälfte, obwohl wir da erst ein paar Wochen zusammen waren - was sollte ich auch sonst tun? Ich ging noch zur Schule, jobbte nebenbei und hatte jetzt einen Schulweg von knapp anderthalb Stunden. Ich mußte auch vorher bei meinen Eltern schon Miete zahlen, das hier war aber trotzdem anders. Es kam eben alles sehr plötzlich.
Trotzdem hatte das auch etwas Gutes, denn mein vorheriger Umgang war teilweise nicht unbedingt gut für mich. Es war kurz vorher 'toxisch' geworden, aber das ist eine andere Geschichte.
Ein neues Leben und neue Leute am anderen Ende der Stadt... ich hatte es da rausgeschafft, für eine kurze Zeit war alles wieder in Ordnung.

Dabei blieb es natürlich nicht, sonst wäre ich nicht hier. Meine Spielerkarriere begann aber zu einem Zeitpunkt, an dem es mir eigentlich besser ging als je zuvor.

Vieles von dem, was Skip geschrieben hat, habe ich nichtmal verstanden... konfus und ohne Zusammenhang. Das sprudelte oft einfach nur raus - bevor der Satz beendet war, kam ein neuer Gedanke. Das war aber gar nicht wichtig... denn was ich daran mochte... So ungefähr sieht es bei mir drin auch manchmal aus, wenn ich mit mir allein bin. Die 'Themen' sind bei mir andere, die 'Struktur' hingegen nicht. Bandsalat mit Ketchup. Sie konnte das verdammt gut ausdrücken... ungefiltert rüberbringen... das hilflose Chaos im Kopf, wenn das Echo sich ins Unendliche ausdehnt.
Das steht bei mir im totalen Kontrast zu meiner äußeren Erscheinung.

Ich selber habe nie am Konfirmationsunterricht teilgenommen, viele meiner Freunde hingegen schon. Mein Grund, es nicht zu tun, war, daß ich es für Heuchelei hielt, eine Weile lang so zu tun, als würde ich an Gott glauben. Viele meiner Freunde sagten ganz offen, daß es ihnen nur um das Geld ging. Das fand ich irgendwie falsch. Ich konnte später auch nicht kirchlich heiraten - denn ich bin nicht konfirmiert. Nachholen wollte ich es nicht, aus demselben Grund: Es wäre nicht 'richtig' gewesen.
Dazwischen gab es allerdings eine Zeit, da hätte ich über sowas nicht groß nachdenken müssen. Ist schon komisch, was für seltsame Wertvorstellungen man hat... und wie sie von außen betrachtet in krassem Widerspruch zueinander stehen.

Wunder... mhhh... schwierig. Ich bin zweimal in meinem Leben einer Situation entronnen, an der ich dabei war, kaputtzugehen, aber unfähig war, dies einzusehen. Beide Male durch drastische Maßnahmen anderer, die von der eigentlichen Situation gar nichts wußten, und damit auch nichts zu tun hatten.
Natürlich war das immer nur der 'Grundstein', aber aus eigenem Antrieb hätte ich beides nicht beenden können, da bin ich mir heute sicher.
Auch sonst gab es Situationen, in denen ich wirklich Glück hatte, daß sie gutgegangen sind... oder unerkannt blieben.

Ich hatte keine Handlungsanweisungen, ich hatte auch lange keine Änderung der Sichtweise, denn das hätte ja nunmal eine gewisse Einsicht vorausgesetzt. Es war 'Trial and Error' für mich, eine aus heutiger Sicht äußerst riskante Herangehensweise, extrem dämlich und naiv. Kopf im Sand. Und ja, damit hatte ich dann auch diese Tiefs und 'Scheiß-Draufs'.... selbst heute noch in unregelmäßigen Abständen. Als ich das erste Mal in einem Forum landete, so ungefähr im Februar letzten Jahres, war so eine Zeit. Es war kurz vor 12 für mich, denn ja, zu meiner Schande muß ich gestehen... ich war fast eingeknickt, es hätte nicht mehr viel gefehlt, das war eigentlich innerlich schon beschlossene Sache, und nur noch eine Frage der Zeit. Aber das Schicksal eines Fremden aus Birmingham hat mir den Kopf zurechtgerückt. Eines Tages schaffe ich es vielleicht sogar mal, mich dafür zu bedanken. Nur ein paar Worte. Fanals konnte ich das nicht. Mur fehlten einfach die Worte dafür.

Noch ein Zufall, der zur rechten Zeit kam, denn ich hatte nichtmal aktiv nach sowas gesucht... auf die Idee bin ich ironischerweise nie gekommen. Vielleicht wollte ich es auch gar nicht... ich war ja nicht krank.
Als ich dieses Gefühl der Vertrautheit also das erste Mal hatte, war es definitiv nicht positiv. Ganz im Gegenteil, es hat mir förmlich den Magen umgedreht. Allein die Art, wie er seine Gedanken niederschrieb, der Unterton der Resignation. Stillstand, Perspektivlosigkeit. All das konnte man rauslesen, wenn er über seinen Tag schrieb. Ich war verwirrt... ich kannte das, ja, ich kannte das zu gut...
Ich hatte im richtigen Moment einen Spiegel vorgehalten bekommen - und mich ausnahmsweise gezwungen, auch hinzusehen, und nicht den einfachen Weg zu nehmen.
Zu lesen, wie jemand, den man nichtmal kennt, auf die nächste unweigerliche Katastrophe zusteuert, hat wehgetan. Bitte, halt durch! Oh Gott... ich wollte am liebsten hinfahren und den Typen einmal kräftig schütteln. Hätte nur nichts gebracht, er hätte mich wahrscheinlich nur blöd angesehen.
Aber es hat mir eins gezeigt: ich bin nicht anders als er, ich durfte das nicht tun, und ich möchte das doch auch gar nicht.
Auch heute gibt es noch Dinge, die klingen... auch zwischen den Zeilen. Es gibt die Positiven, die ein warmes Gefühl im Bauch erzeugen, weil sie einem helfen, sich nicht allein und fehl am Platz zu fühlen, und die Negativen, die einem die Eingeweide zusammenziehen lassen, weil sie an den eigenen hilflosen Schmerz erinnern... und damit denjenigen, der das gerade durchmacht.
Beides hat für sich genommen etwas Gutes.

Es ist eine Weile her, daß ich die Schritte dort las. Die meisten Leute sehen eben nur 'spirituellen Quatsch', wo sie eine Art Anleitung mit Universallösung erwarten. An dem Punkt machen sie dicht. Ging mir ehrlich gesagt erst genauso, das hat mich irgendwie überfordert. Ich erinnere mich an viele Fragezeichen bei mir. Sobald aber jemand in seinen eigenen Worten darüber schrieb, was er selbst darunter versteht, und wie er sein eigenes Verständnis letztlich für sich umgesetzt hat, ist es für den Moment (und in Bezug auf die besagte Person) einfacher zu fassen. Greifbar ist es aber trotzdem nicht wirklich. Wir sind eben alle verschieden. Somit gibt es hunderte von 'richtigen' Antworten auf dieselbe Frage... und somit ist es auch gar keine Frage mehr, sondern eher eine Anregung.
Das Problem ist nur... es ist 'flüchtig'. Heute denke ich... "ah... natürlich... klar", und morgen ist der Gedanke schon wieder weg. Zurück auf Null. Denn der Weg anderer ist ja nicht meiner. Zu intensiv und zu lange auf mich selbst zu gucken mag ich mal überhaupt nicht. Der Anblick ist eben nicht schön.

Eigentlich sollte das gar nicht so lang werden. Sorry für den erneuten Monolog. Ich sollte schlafen, der Wecker klingelt in zwei Stunden.

Gute Nacht allerseits.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 03 September 2019, 23:09:38
Moin Tal,

beim Lesen Deiner Kindheit schnürt sich bei mir alles zusammen. Tatsächlich fängt für mich die Vernachlässigung an, wenn die Liebe von einem Elternteil fehlt. Ohne Essen und ein Dach über den Kopf sterben Kinder einfach.
Meine Mutter war mit 14 Vollwaise, die 4 Schwestern sind auf unterschiedliche Familien aufgeteilt worden. Sie ist war dort eine Art Aschenputtel. Obwohl ich nur der Sohn bin, hab ich von der Zeit einiges abarbeiten müssen. Letztlich war es bei Ihr so ähnlich wie von Dir beschrieben.
Tatsächlich macht mich bei all diesen Geschichten der Partner der gute Mine zum bösen Spiel macht noch viel wütender. Nur weil Du einfach alles hinuntergeschluckt hast geht es doch nicht spurlos vorüber? Deine Schwester hat wenigstens gegengehalten. Für das Selbstwertgefühl ist das wesentlich besser.

Als ich einige Wochen bei GA war, sprach ein Freund lange und total wirr. Einige ältere Freunde schimpfen in Ihrer Wortmeldung sehr über das eben gehörte. Ich grübelte weiter darüber, der zweifellos wirre Beitrag hatte mich sehr berührt.
Nach einigem Grübeln erkannte ich, daß es genau so wirr in mir aussah, mich aber nie getraut hätte es so auszusprechen. Mit dem tollen Beispiel vor Augen traute ich mich beim nächsten Meeting es genauso zu machen. Da ich noch ein Kückenstatus hatte wurde ich zunächst nicht zerissen. Abends bekam ich einen Anruf zuhause. Ein Freund aus der Gruppe war dran und schrie mich an, das er noch nie so einen Nassen scheiß gehört hätte. Ich spürte beim zuhören, daß alles was er sagte nichts mit mir zu tun hatte, ich hatte eine Klarheit wie niemals zuvor. Skip hat mich mit Ihren Beiträgen sehr berührt. In den Meetings erlebe ich soetwas häufig. In den Foren werden solche Beiträge meist zensiert, sanktioniert und gelöscht. Witziger meistens gerade von denen, die ein paar Monate in die Meetings gegangen sind, Schlagworte auswendig gelernt haben und dann in den Foren schreiben als wenn Sie 150 Jahre trocken sind, mindestens!
Dieses berührt werden ist es ja gerade was die Meetings ausmacht. Ich muss ja niemanden erzählen was er tun muss, das kann ja auch niemand. Wichtig ist, daß hinter dem erzählten ein geliebtes Leben ist, das berührt mich, erzeugt den klingklang und schafft bei mir Raum von Veränderung.

Die Wunder die ich erlebt habe sind zum einen der Grund das ich noch lebe, das ich nicht im Gefängnis und ggf. in Sicherheitsverwahrung gekommen bin. Sie haben mir sozusagen kostenlos ein tiefes Gottvertrauen dazu gegeben.
Das wiederum schafft eine enorme Leitigkeit in mein Leben. Es kann mir nichts mehr passieren, weil ich schon mehr bekommen habe als ich verdient habe. Alles verdanke ich nur der Gnade Gottes, also brauch ich keine Angst mehr zu haben. Das ist die Voraussetzung für meinen Zustand "frei".
Das ich nach Jahrzehnten des Dialoges zwischen mir und Gott ich mich an einer Kirchgemeinde angeschlossen habe hat mein Leben nochmals unfassbar erweitert.

Wenn ich zutiefst überzeugt bin, das Gott etwas möchte, oder nicht möchte. Dann kann ich genau danach handeln. Das ist belastbar und kann probiert werden, auch gegen die Sucht.

Ich mag heute lange und intensiv auf mich selber schauen. Ich habe früh angefangen mich nur mit mir selber zu vergleichen. Bei dem Vergleich bleibt mir auch heute noch jeden Tag die Spucke weg. Mittlerweile kann ich mich auch ganz gut neben anderen sehen. In der Kirchengemeinde habe ich Menschen kennengelernt, die mich wirklich flashen. Da denke ich manchmal, was wäre für mich vielleicht möglich gewesen, wenn ich nicht erst den riesigen Umweg gegangen wäre.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Skip am 03 September 2019, 23:42:26
Moin Taro, lieber TAL,

bin über meinen Namen gestolpert und fand es nett, dass ihr geschrieben habt, ich hätte euch mit meinen Beiträgen berührt, auch wenn sie zuweilen ungefiltert und sehr verwirrend waren.

Naja, mir tut es leid, dass es zuletzt sehr zusammenhanglos geworden ist, aber ich habe da eben so eine Phase durchgemacht, weil ich überarbeitet und überstresst war. Mittlerweile geht es mir wieder gut und das Spielen interessiert mich auch nicht mehr. Meine Klage gegen das OC ist noch nicht komplett durch, aber der erste Gerichtstermin ging zu meinen Gunsten. War gar nicht so schlimm.

Ich glaube, was ihr beschreibt hat viel mit tiefliegenden Emotionen zu tun. Die Worte mögen oft lose und zuweilen strukturlos aneinander gereiht wirken bzw. scheint man von Thema zu Thema zu springen. Aber als ganzes betrachtet wird ein Gefühl übermittelt, weil ihr die gesellschaftliche Maske fallen lässt und dahinter kommt etwas Authentisches zum Vorschein, das eben irgendwie berührt, ohne dass man genau sagen kann, warum. Wir alle sind so bemüht, den gesellschaftlichen Ansprüchen zu genügen und irgendwie möglichst dazu zu gehören. Gerade heutzutage, wo solch ein Leistungs- und Erfolgsdruck zu herrschen scheint, verbunden mit ständig präsenter Werbung voller glücklicher, zufriedener, erfolgreicher Menschen... Aber das sind eben Ideale. Konfrontiert mit etwas wie der Spielsucht, was nicht ins Bild des kompetenten, zufriedenen, sportlichen, cleveren und ausgeglichenen  Erfolgsmenschen passt, wird man konfrontiert mit Selbstzweifeln, man stellt sich in Frage, überlegt, was man falsch gemacht hat, woran es liegen könnte, usw. Und in SHG oder solchen Foren wie hier spricht man dann viel offener und ehrlicher, statt sich hinter einer Maske zu verstecken. Und das berührt...

Na dann, ^^, bevor es wieder verwirrend wird, lasse ich es lieber mit dem Schreiben.

Ich schicke euch liebe Grüße!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Ilona am 04 September 2019, 09:18:52
Danke für die Grüße. Ich freue mich, mal wieder von dir zu hören. Halt die Ohren steif!
LG Ilona
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 07 September 2019, 11:51:49
Hallo ihr Lieben,

als ich noch gespielt habe, hörte ich einmal und auch immer wieder von den Anonymen Alkoholikern (AA), da wurde im Radio, in der Zeitung von deren Treffen berichtet, von den Erfolgen der Gruppen - und der Gruppenmitglieder, und ich saß fest am Automaten, biss meine Zähne zusammen, und schmiß meinen Neid, und meinen Zorn in die Blechkästen... Wie gesagt: am 31.08.1989 habe ich eine Tür im Freizeitheim geöffnet, und die im Raum Anwesenden gefragt: "bin ich hier richtig …"? Es waren die Anonymen Spieler, damals noch (AS)  Ich komme gerade darauf, weil ich eine ziemlich zerfledderte Loseblatt - Sammlung zur "Arbeit in den Schritten" auf meinem Drucker liegen habe, bei denen es praktisch zwecklos ist, sie für eine weitere Verwendung einzuscannen. Also ist es besser, ich beschäftige mich mit den Schritten, und setze jetzt das Wort Beschäftigung an erste Stelle.

Gestern war ich in einer anderen Stadt, "da, wo mich keiner kennt", mit dem Auftrag, Öffentlichkeitsarbeit für eine Esssuchtgruppe (OA) zu machen,, passt ganz gut, denn ich setzte meinen adipösen Körper dort auf einen ziemlich senlieblen Klappstuhl, und der hielt mich aus, das will ja etwas heißen! In der Stadt fand eine Gesundheitsmesse statt, die von KIBIS - getragen wurde. Mein Platz war gleich rechts - am Stad der Anonymen Alkoholiker. Leider kam ich später, weil mein vorher gehender Zug nach meiner Meinug nicht fahrplangemäß, also 14 Minuten zu früh abfuhr, ich ging zur Info, und habe derart über die Gestaltung des Fahrplans hergezogen, daß die Bahnhofshalle ins Wanken geriet, nein das war überzogen, und die Dame von der Bahnauskunft, zeigte auch noch verdrossen auf das Kleingeschriebene im Fahrplan, und versuchte mir, so darzulegen, warum der Zug zwei Mal dort erscheint. Das war für mein zerrissenes Gemüt einfach Zuviel, und ich erinnerte mich, im Heute zu leben, aber im Grunde genommen, halte ich es nicht aus, wenn ich zu einem zugesagten Termin unpünktlich erscheine. Die Bahndame wendete sich abrupt von mir ab, und sie ließ meine Lavaströme als meiner Hirn - Kaldera strömen, ich sah ihr nach, ja, auch sie war kräftig gebaut, und auch sie spricht Deutsch, ich eben Fuhrmannsdeutsch! Nach einer Viertelstunde am morgenfrischen Bahnsteig konnte ich zum Handy greifen, und die Intiatorin des Standes anrufen, also ist digitale Technik doch zu Gutem Nutze. Soweit mein Chaos, das ich zur Öffentlichkeitsarbeit mitbrachte, und sich legte, als der Kaffee in der Kanne präsentiert wurde.


Der Stand auf der Gesundheitsmesse war an der Hauptkirche der Stadt, davor Gerüste, dahinter gelegentlich Geräusche von Bauarbeiten. Es war gefühlt eng, manchmal ging ein Animateur mit Weste und Zylinder durch die Gasse und lieferte überdimensionale Seifenblasen. Die Gasse war end, niemand konnte einen weiten Bogen um die Suchtprävention machen. Ich schaltete meinen inneren Scanner auf adipöse Gestalten, sahh die Menschen, sich das große Rollplakat schweigend anzusehen, und auch schweigend weiter zu gehen. Und doch stoppten viele, sahen sich die Flyer an, und "kann ich Ihen helfen", sagte zuerst der AA - Kollege, und dann sprach auch ich etwaige Klienten an. Immer wieder den Flyer in der Hand, immer wieder wie ein Marktschreiier, dann aber irgendwann angekommen - erzählte ich nur noch von meiner Erfahrung. Irgendjemand von einer Klinik sprach vor: " gibt es auch Hilfe für Spielsüchtige"? - iIch holte selbstredend mein geliebtes Tablet hervor, und schon hatte er sich die aktualisierte Anschrift und Telefonnummer des dortigen (GA) Meetings - (in Gründung) notiert. Ja, ich weiß, ich war ja für die Esssüchtigen am Stand... aber die Klinik hatte keine Esssüchtigen Patienten, was ich mir als Suchtbolzen nicht vorstellen konnte und immer noch nicht verstehe.


Wir haben viele Interessen angesprochen, ich hatte wirklich interessierte Betroffene, und dann kam natürlich auch die Klientel, die jemanden kannte, dessen Angehöriger ein Suchtprblem haben müßte, daß nicht zu kontrollieren ist. Seitlich von mir lagen Unmenge Infomaterialien für Angehörige von Alkoholikern (AlAlon) . Bitte um Entschuldigung, aber ich kenne das Thema ja aus den Spielsucht - Foren: "wenn nur mein Angehöriger mit dem Spielen aufhört , dann ist ja alles in bester Ordnung", - und genau das veranlasste uns zu einem Gespräch des gegenseitigen Verstehens über die CO - abhängigkeiten, die ich natürlich auch von mir kenne. "Wenn ich es nur allen Menschen recht machen könnte, würde ich endlich einmal die Wertschätzung erfahren, die ich als Kind so dringend vermisst habe", der unterdrückte Schrei nach Geborgenheit in mir. Mein Gedanke geht gerade zu einer Angehörigen einés Spelers, der ich in ihrer Heimatstadt einmal ein Denkmal errichten möchte, ja die kennt die Angehörigen, und damit die (Gamanon) - Meetings.

(Passt gerade gut zum Beitrag: im Radio erklingt Gerhard Terstegen's "Ich bete an die Macht der Liebe", gesungen von Kurt Moll), also an die reine agapische, Liebe, die ohne irgendwelche Erwartungen und Anforderungen strömt und erkennbar wird, wenn ich nur an die Liebe glaube).

Eher als erwartet haben wir den Stand aufgeräumt, das Auto der Alkoholiker - Freunde war rappelvoll mit Zelt, Plakaten und Klappstühlen, aber wind alle viel Literatur losgeworden. Ich saß eine Stunde später im überfüllten Zug, aber ich war erfüllt, schaltete mein Handy auf "Flugsmodus, und sah der Sitznachbarin wohl in die Augen, nur ganz kurz, aber sie registrierte es, und sah beim Aussteigen ein paar Stationen später noch zu mir zurück, durch das geschlossene Zugfenster. ..

Ja das Fazit: Zu der agapischen - gehört unweigerlich auch die erotische Liebe. Und das Zusammenspiel dieser beiden Glücksgefühle, ergeben den Glanz des Lebens.

Danke für das Teilen
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Skip am 07 September 2019, 19:10:25
Liebe Ilona,

danke für die lieben Worte :)

Lg
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 08 September 2019, 17:13:45
Moin moin,

agapische und erotische Liebe, Deine Worte sind wunderschön und ich erfahre Dinge von denen ich überhaupt nicht wusste, dass es ein Namen dafür gibt.

Die Liebe ist sicher ein entscheidendes Element um spielfrei zu werden. Weniger eine Person, als vielmehr das Leben und die Menschen.

Kein Opfer mehr sein und die Liebe, das sind ja schon mal zwei Punktfundamente, noch eines und darauf kann ich einsturzsicher mein Leben aufbauen.

Da hat doch heute hier jemand ein Spendenaufruf für eine Spielerfamilie hier rein gestellt.
Nach Recherche eines Users soll der betreffende hunderte Spendenaufrufe für allemöglichen bedürftigen gemacht haben. Ich finde das macht ich Sinn, wer das Leben und die Menschen liebt könnte so handeln, dem Leben wird so Sinn gegeben. Wichtig ist dabei, es macht auch Sinn, wenn niemals ein Euro gespendet wird.

Der User der nicht glauben will, daß dies alles aus Liebe geschieht, sondern nur den eigenen Geldbeutel füllen soll hat gar Anzeige erstattet. Vermutlich ohne auch nur in einem einzigen Fall die Unterschlagung beweisen zu können, sein einziger Beweis für Ihn, kein Mensch würde etwas für soviel andere Menschen aus Liebe tun (wie er selbst vermutlich auch nicht). Schon alleine der Gedanke ist so voller Ablehnung den Menschen, das die beide geschütten Fundamente bald zusammenbrechen. Damit kann ich mir unmöglich gut tun.
Dazu noch die Aufforderung, alles was ich nicht kenne schnell zu löschen, bevor es andere lesen würden. Hmmm, wir können doch alle selber Entscheidungen für uns treffen.

Nun gut, zwei belastbare Fundamente haben wir jetzt, wichtig ist sie auch zu pflegen damit Sie nicht brüchig werden, ein Meeting ist dafür ein guter Ort, dort arbeite ich nämlich an mir und nicht an meinem Nachbarn.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 09 September 2019, 10:45:42
Guten Morgen ihr Lieben,

Anonymität und Demut, das ist ein Thema, das mich gerade sehr beschäftigt. Ich bin davon genau genommen eine einzige E-Mail entfernt, natürlich noch ca. 150 km und fast drei Wochen. Aber es beschäftigt mich ja jetzt schon immens.
Ich habe von meinen Erlebnissen auf der Gesundheitsmesse berichtet, und Gestern war ich in meiner Esssuchtgruppe. Ich saß mit Menschen zusammen, die aufrichtig und ehrlich über ihre Krankheit und ihren Weg in die Genesung teilten.
Meine Erinnerung an das Herantreten interessierter Menschen an den Stand lautete: "Ich kenne da jemanden, der Angehöriger eines von der Sucht betroffenen Menschen ist... " , für meine Mitstreiter der Anonymen Alkoholiker eine klare Aussage dafür, daß diese Menschen keinen Axsch in der Hose habe, und sich nicht trauen, ihre Wahrheit einmal aufrichtig zu betrachten.

Also kann ich als konstruktives Mittel für mich ja die Selbsthilfegruppen in Anspruch nehmen. Dort sind es immer wieder die Arbeitsmeetings, in denen ich mit meinen Unzulänglichkeiten konfrontiert werde, und für ein vierteljähriges Arbeitsmeeting nehme ich dann auch eine Fahrleistung von 180 km für eine Strecke in Kauf. In Kauf? - Ich habe Freifahrt mit Wertmarke zum Schwerbehindertenausweis. Eines habe ich dort gelernt: Was immer ich auch für meine Selbsthilfegruppe - und Gemeinschaft tue, ich erwarte mir keinen finanziellen Ausgleich für meine Auslagen. Ich kann nur das tun, wozu ich ohne fin finanzielle Schwierigkeiten geraten könnte, übernehmen. Also, ich könnte kein Deutschlandtreffen ausrichten, aber ich kann dort hinfahren, und mich in meiner Stärke dort einbringen. Deshalb denke ich ja gerade über mein im Kopf genanntes Thema nach, und ich habe den Wunsch, es in den Raum zu stellen.


Ich habe hier im Forum auch über einen Spendenaufruf gelesen, und ich lasse ihn deshalb stehen, weil ich neben all' meinen Baustellen, mir nicht noch eine weitere aufladen möchte. Für mich ist Spielsucht eine Familienkranheit. Dazu sehe ich immer die Präsentation von "www.verspiel-nicht-dein-leben.de" vor meinem geistigen Auge. Dann darf ich mich glücklich schätzen, daß ich in meiner aktiven Spielerzeit keine Freundin, geschweige eine Familie hatte.

Später , als ich spielfrei war, eine Freundin, und mithin Ehefrau hatte, stellte sich in ihrer Person ein Mensch an meiner Seite, der hervorragend mit Geld umgehen konnte. Meine nun Ex - Frau hat mich immer im Geldsachen hart konfrontiert, und ich konnte damals sogar Rücklagen bilden, die ich nach der Scheidung und Umzug verwendet habe. Das ist genau, wie meine Zugehörigkeit zu den Selbsthilfegruppen, von denen ich einige Gemeinschaften kennenlernen durfte. Sie stellte sich perment gegen meine vielen Gruppenbesuchte, und forderte meine mir noch unbekannte Häuslichkeit ein, die Heute als "Älter werdender Mensch" zunehmend genießen kann. Meine Verflossene war selber mit den Prinzipien und Traditionen, also dem Progamm meiner Selbsthilfegemeinschaften vertraut, besuchte aber die Meetings nicht mehr. Aber sie bestand konsequent darauf, daß ich zu den Spieler - Meetings ging. Mein Merkzeichen dafür ist, ihre Entschossenheit, daß ich am Deutschlandtreffen 1997 nach Hamburg zu fahren, als ich in einer tiefen Zerrissenheit war. Das war ganz wichtig für mich dort in HH - Horn anzukommen und angenommen zu werden!

Ja, die Angehörigen, die es meist immer nur gut meinen: "Wenn nur mein Partner,/ Partnerin mit dem Spielen aufhört, dann ist ja alles in allerbester Ordnung."!?

Ist es eben nicht, weil Spielsucht die Familie beschädigt, mehr noch als die reine Existenz. Angehörige können positiv und in konstruktiv ihre Partner konfrontieren, so , wie ich es erlebt habe. Dafür bin ich meiner Geschiedenen zutiefst dankbar.

Nun die Arbeitsmeetings. Wie viele Gruppen von Angehörigen gibt es in Deutschland? Ich kenne nur eine einzig laufende Gruppe, und dort in der Einrichtung, saß ich im Raum nebenan, dort wo die Spieler Erfahrung, Kraft, und Hoffnung teilen. Dort habe ich auch gehört, daß wir Spieler so viel mit unseren eigenen Bereichen, sprich Baustellen zu tun haben, daß wir nicht auch noch für die Belange der Angehörigen zuständig sein können. Mein Strukturplan erlauft es mir nicht,, beispielsweise als Rentner Medizin zu studieren, Fachrichtung Neurologie und Psychiartrie, um die Indikationen meiner Ex - Frau besser zu verstehen, und ihr helfen zu können. Wenn sie nicht zu den niedergelassenen Fachärzten geht, obwohl in ihrer Ursprungsfamile ein Mediziner ist, der darunter verzweifelt ist, wie er mir persönlich sagte, dann spielt sie ihr Spiel, nicht meins. Ich bin dem Spielen gegenüber machtlos, und ich bin auch anderen Menschen gegenüber machtlos. Ich habe ein ausgeprägtes Helfersyndrom. Den Sinusbogen meiner Ehe zwischen Nähe und Distanz konnte ich nicht kontrollieren. Ich habe Ihr ihren weg frei gegeben. Eine damals bitte Übung für mich , das Loslassen! Heute sind wir in Freundschaft verbunden.

Eine andere Sache ist, daß ich ein Riesen - Tamtam mit meinem ABO der Online - Zeitung hatte. Es kam zu einer Überbuchung des Verlags , der mir zwei Verträge, statt eines einigen aufgedrückt hat. Finanzielle Dinge regeln, für mich selber? Das Chaos nimmt seinen Lauf. Ich habe Heute Morgen den Plan entworfen, den E - Mail Verkehr abzuspeichern, denn die überbuchten 9,96€ sind wieder auf meinem Konto, und mein anderer Abo - Vertrag ist freigeschaltet. Innerlich , vor der Klärung habe ich mir in den Bart geschimpft: "Die sollen doch das Geld behalten, und der Weihnachthilfe spenden, , nur deshalb, damit mein Kopf ruhig wird. Aber nun ist ja alles geregelt, ich werde weiter online Zeitung lesen können, sicher auch die Reportagen zum Thema "Weihnachtshilfe". Dort wird über Menschen berichtet, die in soziale Schieflage geraten sind, und in bittere Armut geraten sind.
In einer meiner vielen SHG's einer Gruppe für Emotionale Gesundheit, war ein Freund, so nenne ich ihn, der eine tiefe - diabolische seelische Erkrankung hat. Er berichtete, daß er Geld von dieser Weihnachtshilfe erhalten hat. Das hat mir geholfen, für diese Form der Hilfe Sympathie zu empfinden , weil mein Hirn ja signalisiert: "wie viel von den Geldern geht in der Verwaltung verloren"? , aber in der reinen Beziehungsebene zeichnet sich ein Bild des Erkennens.

Wenn ich mich in weniger als drei Wochen auf die Reise mache, will ich an die vielen Freunde denken, die es mir ermöglichten, an den GA - Deutschlandtreffen teilzunehmen, als es mir nicht nur finanziell, sondern auch emotional richtig Schxisse ging. Vielleicht habe ich das Glück, eine Kleinigkeit zurück geben zu dürfen.

Nur für Heute Danke für das Teilen
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 09 September 2019, 20:40:59
Hallo Skip,

ich freue mich auch, zu hören, daß es dir gutgeht, und du mal wieder ein paar Zeilen geschrieben hast.
Es hat eine Weile gedauert, bis mir damals einfiel, woher ich dein Avatar-Bild kenne. Seitdem hab ich immer diese Melodie im Kopf, wenn ich es sehe:

https://m.youtube.com/watch?v=V5M2WZiAy6k

Ihre Lieder sind allesamt doch etwas sehr melodramatisch, aber die Melodien sind sehr einprägsam.

Es stimmt, manchmal bin ich schlichtweg überfordert. Die Erwartungshaltung der Gesellschaft an mich existiert dabei wahrscheinlich aber hauptsächlich in meinem Kopf. Das macht es nur nicht wirklich einfacher.
'Da draußen' könnte mir soviel Offenheit in vielerlei Hinsicht das Genick brechen, zumindest sage ich mir das immer wieder.
Es gab schon mehr als eine Situation, wo ich mir dachte... wie gut, daß keiner weiß...

Ja, ich tue mich schwer damit, Emotionen richtig einzuordnen - besonders, aber nicht nur, meine eigenen.
Ich war irritiert am Freitag... nach der Arbeit zu Hause angekommen ging es wieder, sowas hält zum Glück nicht lange an, aber es arbeitet dann immer in mir, und das hasse ich. Ich kann das nicht abstellen.
Mit mir zu streiten ist praktisch unmöglich, somit erübrigt sich sowas immer schnell. Selbst wenn sich mein Gegenüber benimmt wie ein Vierjähriger, zucke ich bildlich die Schultern und schalte immer schnell automatisch auf Durchzug. Es ist nur ein Job, ich muß mich nicht profilieren, aber ich muß sieben Stunden am Tag mit den Leuten auskommen.

Was soll das also? Meinetwegen erzähl allen, ich wäre schuld, aber hör doch bitte mit diesem Gehabe auf. Message angekommen... und erfolgreich im Spamordner abgelegt. Wer soll denn sowas ernstnehmen?
Es nervt mich einfach nur... ist es zuviel verlangt, daß man mich einfach mit so einem Kindergarten in Ruhe läßt?

Trotzdem stehe ich dann auf dem Schlauch und denke darüber nach, was das nun eigentlich grad war.
Ich frage mich halt... ist das Absicht? Kann es echt sein, daß man gar nicht merkt, wie unglaublich lächerlich man sich gerade verhält?
Bei ihr habe ich nämlich das Gefühl, sie ist tatsächlich davon überzeugt, daß die Welt sich ohne sie nicht weiterdrehen würde.

Ajo, was soll's?
War nur so ein Gedankenwust.

Die Dynamik in meiner Schwiegerfamilie hat eigentlich gar nichts mit klassischer Coabhängigkeit zu tun - es gibt dort keinerlei Suchtproblematik. Es ist nur dieses kollektive, unreflektierte Helfersyndrom, was mich manchmal doch etwas erschreckt.
Und auf der anderen Seite - wie kann ich die Opferrolle tatsächlich zum Lebensmittelpunkt erklären? Wie kann es erstrebenswert sein, daß mein Leben lang andere Schuld sind?
Das geht einfach nicht in meinen Kopf, denn die Welt schuldet mir rein gar nichts.
Naja, eigentlich kenne ich die Antwort ja. Der Blick auf sich selbst ist für einen selbst eben manchmal nicht schön.
Da rauszukommen ist so wichtig für die eigene innere Zufriedenheit, aber leider wird sie immer nur darin bestärkt.

Es wäre mir schlichtweg unmöglich, zu vermitteln, daß die beste Hilfe manchmal eben gar keine ist. Zumindest nicht die Art von Hilfe, die dort erwartet (und immer mit einem Kopfnicken geleistet) wird.

Mhhh... Naja, wie gesagt, so schlimm war es für mich als Kind nicht. Ist ja auch schon eine Weile her, und ich denke, den 'Fehler' bei meinen Eltern zu suchen, wäre da etwas zu einfach. Ich habe es ja nie so empfunden... nur für meine Schwester, da ja. Da hab ich mich einfach hilflos gefühlt. Mir ging es aber gut... immerhin schrie mich deutlich seltener jemand an.
Am Umgang meiner Schwester mit ihren Kindern merke ich manchmal ihre Bemühungen, es unserer Mutter bloß nicht gleichzutun... und daß auch sie wider besseren Wissens viel von dem, was ihr immer wieder angelastet wurde, trotzdem auf sich selbst projeziert... auch wenn sie weiß, daß sie nie etwas falschgemacht hat.

Sie hat heute ein gutes Selbstwertgefühl, auch wenn ich mir sicher bin, daß auch bei ihr innere Zweifel bestehen.
Sie hat ein Leben lang für alles kämpfen müssen, was normal selbstverständlich ist. Hat mit einem, und später zwei Kindern, den Führerschein gemacht, einen Schulabschluß und eine Ausbildung nachgeholt. Ich bewundere sie für ihren Mut und Kampfgeist, obwohl ihr das streckenweise das Leben zur Hölle gemacht hat.

Unser beider Verhältnis zu unseren Stiefschwestern hat darunter nie gelitten, wir haben uns eigentlich immer untereinander verstanden. Sie hatten es nicht einfach, wenn auch aus anderen Gründen als meine Schwester. In Abwesenheit der Mutter aufzuwachsen ist sicher auch nicht leicht.
Meine war wenigstens da. Ich war zwar selten auf Geburtstagsfeiern (habe mich meistens rausgeredet, weil ich die Geschenke hätte selbst kaufen müssen... und das oft nicht konnte), aber dafür kannte ich sämtliche Tischmanieren nach Knigge... und daß Dienstag 'Aufräumtag' war. Was nicht weg war, landete im Müllsack. Von mir lag eh nie was rum, von meiner Schwester schon. Sie hat dann immer viel geweint.
Wenn genug Platz ist, und es keinen behindert, esse ich heutzutage grundsätzlich mit einem Ellbogen auf dem Tisch. Auch das hat wohl seine Gründe.
Lustigerweise tut meine Schwester das auch.

Ja, Andreas, du hast eine schöne Art, Situationen und Gemütszustände in Worte zu fassen. Manchmal schaudert es mich, weil es den Nagel so präzise auf den Kopf trifft, manchmal ist es einfach nur ein innerliches Nicken. "Ja, ich weiß, wie du das meinst."
Ich bin übrigens selten pünktlich. 'Im kleinen Kreis' vermeiden ein paar Minuten, rumstehen und warten zu müssen, das ist unangenehm, und ich mag auch nicht der erste sein. Auf Feiern oder so können das auch schonmal mehrere Stunden werden - weniger Zeit, die ich unter Menschen verbringen muß. Jedenfalls wartet man nicht auf mich. Irgendwann tauche ich schon auf. Das ist einfach so, niemand hat das je hinterfragt.

Wenn es darum geht, für jemanden ein paar aufbauende Worte zu finden, bin ich recht hilflos. Ich kann innerlich oft schon nachfühlen, aber ich kann es nicht nach außen hin ausdrücken, das wirkt dann immer etwas 'kalt'.
Dafür kann ich mich über mich selbst lustigmachen - sehr gut sogar. Besonders vor mir selbst.
Ich weiß auch gar nicht, wie es ist, sich selbst zu lieben, aber ich weiß ganz gut, wie es ist, sich selbst nicht mehr zu hassen. Es ist, wie es ist, und ich tue mein Bestes.
Heute bin ich erleichtert und dankbar dafür, daß ich haben darf, was ich habe. Ich brauche nicht mehr, will ich auch gar nicht. Es ist schon viel mehr, als ich verdient habe.
Ich bin nicht toll, ich bin nicht schlau, aber ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen, und falle niemandem zur Last. Wenn man mir heute sagen würde, ich soll gehen, dann kann ich das tun, ohne daß eine Welt zusammenbrechen würde.
Ein Opfer sein? Nie wieder! Unabhängigkeit und Eigenständigkeit sind sehr wichtig für mich, es ist vielleicht mein persönliches Gefühl von "Freisein". Mein Handeln und meine Reaktionen machen deshalb wohl auch nicht immer Sinn, aber naja.

Demut... mhhh... der Vergleich zwischen mir heute und mir früher ist da aus jetziger Sicht positiv.
Mit anderen vergleiche ich mich nicht, das ist eine ganz andere Nummer. Nach welchem Maßstab auch? Ich kann eh nur verlieren.
Andere machen sich aber wenigstens keine Gedanken über sowas. Dann erwische ich mich, wie ich denke: "So manch einem täte etwas Selbstreflektion aber mal ganz gut - nicht nur im eigenen Interesse."
Aber ich sage mir... wer bin ich schon, über sowas zu urteilen? Das steht mir wohl am allerwenigsten zu.

Ja, ohne den Umweg wäre vielleicht vieles anders. Nicht nur vielleicht, sondern sehr wahrscheinlich. Nur gut, daß ich gar nicht wirklich weiß, was eigentlich.
Manchmal denke ich mir sogar: "Wenn das da 'normal' ist, dann lieber so wie es ist."
Freitag war so ein Tag.

Klar, für einen festen Stand braucht es drei Stützen. Drei Punkte liegen immer auf einer Ebene... da kann eigentlich nichts wackeln. Eigentlich...

Das Wochenende und die Tage davor waren ziemlich anstrengend, anstrengend im Sinne von keine Zeit für mich. Deshalb ist es mal wieder ewig lang geworden hier. Zuviel schwirrt in meinem Kopf herum, und wenn ich mich dann hinsetze, und versuche, es in Worte zu fassen, wird es leider schnell wirr.

Trotzdem wünsche ich allen einen schönen Abend.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Skip am 09 September 2019, 23:30:03
Lieber TAL,

kann es sein, dass du hochsensibel bist? Kenbst du das Konzept? Ca. 20 % der Menschen scheinen viel mehr Eindrücke unterschwellig aufzunehmen und haben dadurch eine sehr tiefgehende innere Verarbeitung entwickelt... Googel mal 'HSP - highly sensitive person'. Wenn ich deine Texte so lese, habe ich das Gefühl, das könnte bei dir der Fall sein. Vielleicht gibt dir das eine Antwort auf deine Verwirrung warum du ein so reiches aber oft verwirrendes Innenleben hast. Eventuell nimmst du einfach sehr, sehr viele Eindrücke auf, Stimmungen, die im Raum hängen, Emotionen anderer (unbewusst aufgenommen durch das Registrieren von Körperhaltung, Stimmfarbe, Ton, etc.). Und nein, den meisten Menschen geht es nicht so. Sie sind nicht andauernd damit beschäftigt, Eindrücke zu verarbeiten. Vielleicht rührt daher dein Gefühl, das ich immer wieder heraus lese, in gewisser Weise etwas 'anders' zu sein?

Lg, und aja, das Lied, mittlerweile ist es mir auch schon zu laut geworden... Aber damals hab ich mich in der ausgedrückten Emotion wiedergefunden...
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 10 September 2019, 11:13:04
Hallo Skip, hallo Tal,

ich habe  Dein Posting an Tal gerichtet, gelesen, und sogleich anschließend gegoogelt.
Js Tal, Deine Beiträge regen mich such an zu schreiben,  und gestern war es mir beinahe peinlich, dsss mrin Beitrag so ellenlang wurde. Und dann überraschend für mich, ein positives Feedback,

Ich habe meine Telefonfreundin jetzt leider nicht beduchen können. Sie hält sich 70 km von meiner Dtadt entfern bei ihrer Mutter suf, und wir beide eissen, was Mütter vermögen, und do gönne ich ihr rine Distanz zu mir. Die ist bekennende Hochsendible, idt Dozialpädagogin, und es ist ein Genuss und eine senditive Herausforderung, mit ihr über das eigene Ich - zu teilen.

Ich komme meinrm ziel, dad Thema: Anonymität und Demut zu beachten, weiter näher. , und brsuch die nächdten zwri Wochen bis dahin, noch Impulse.
Hielleicht bin ich jetzt gersde so impulsiv gedtimmt, eril sich auch hier im Tred bedonders etwas regt,  dasd gegenseitiges Verständnis und Annahme nich als Selbstverständlich,  mehr denn sld rine Gsbe betrachten msg.

Später mehr,
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 10 September 2019, 13:11:10
Moin Skip, Andreas und Tal,

ich freu mich das es langsam wieder ein lebendiger Thread wird. Alle eure Beiträge berühren mich und verlangen in mir nach Antwort. Und doch überschattet das geschehene bei mir vieles.

Zu meiner Anfangszeit bei GA gab es im AK Ochsenzoll einmal in der Woche ein GA Meeting zu dem ich ging. Zu dem Meetings im Stadtgebiet kamen oft 3er Gruppen vom AKO. Der damalige Chefarzt Dr.
Kellermann hatte für die Therapie die zusammen mit anders süchtigen Regeln eingeführt. Fast alle galten für alle Patienten. Einige wenige nur für Spieler. Es gab ein Patientenrat. Dort wurden Aufgaben verteilt. Verstosse gemeldet und geahndet. Es gab einen Gewählten Rat die Entscheidungen treffen. In den Rat dürften keine Spieler gewählt werden. Gebe einen Spieler niemals einen Hut sagte Kellermann mal zu mir, wir haben darüber oft gewitzelt.

Nun gab es ja das Spendengesuch der Familie P. Nun kleine Familie 75.000 Euro Schulden Familie kurz vorm verhungern hat mir nun nicht gerade die Tränen in die Augen getrieben. Ich habe mehr Kinder, mehr Schulden, mir geht es Gold. Warum sollte das Familie P anders sein. Wenn es anders ist hat es sicher nichts mit dem Geld zu tun. Das ist doch wohl jedem Spieler sofort klar. Nicht nur das solche Beiträge gelöscht werden, warum eigentlich(Ich frag nur mal wegen der absoluten Offenheit nach aussen) berichtet ein anderer User das er sogar Anzeige erstattet hat.
Oha, ein Forum für Spieler wo sich jeder Angstfrei äussern soll wird hintenrum geforscht noch 100 andere Spendenaufrufe gefunden und Anzeige gestellt.
Mir bereitet die Kenntnis davon Schmerzen. Warum handeln Spieler so wenn Sie einen Hut auf haben, selbst nach langer Trockenheit?

Ja Anonymität und Demut, Andreas.
Da piekst Du in mir etwas an. Mein Statement kann man ja als ziemlich Hochmütig den Hutträgern gegenüber empfinden. Ich bemühe mich christlich zu Leben und finde doch immer wieder nicht die andere Wange zum hinhalten.

Nun trotz Sanktionen die ja dann wohl hoffentlich abgelaufen sind schreibt Skip hier wieder, das freut mich sehr.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Skip am 10 September 2019, 20:36:37
Moin Taro, lieber Andreas...

Taro, spielst du auf 3 Posts pro Tag an :))

hm, ich denke solange meine Posts 'normal' bleiben, sind die Sanktionen soweit aufgehoben. Man darf das nicht so ernst nehmen, was ich zum Schluss hin verfasst habe. Wie gesagt hatte ich leider einen Zusammenbruch und hab das nicht mehr mit gesundem Verstand einschätzen können, was ich von mir gebe. Das ist im Übrigen eigentlich kein lustiges Thema, auch wenn ich ja gerne scherze. Im Prinzip ist das ein echt ungutes Handicap vor allem in Verbindung mit dem damit verbundenen Klischees und Stigma... Ich habe viel Traumatisches erlebt und es ist einfach scheibe, dass ich dadurch zu Zusammenbrüchen neige. Aber gleichzeitig lasse ich mich davon nicht unterkriegen und ich hab auch viel draus gelernt.. Und ich lasse mich nicht in die Kategorie 'psychisch krank' drücken, obwohl es echt schwer ist, sich dagegen zu wehren, wenn man mal einen Zusammenbruch hatte. Seltsames Thema, man würde das nie vermuten, wenn man mich so kennen lernt. Ich habe einen Mann, ein Kind, einen guten Job und komme lustig und fröhlich und kompetent an, tja, aber wie gesagt, in den letzten 8 Jahren musste ich einige Schicksalsschläge wegstecken.

Andreas, ja, das mit Hochsensibel ist jetzt gerade 'in', grad unter Frauen. Da es ein bisschen schwammig definiert ist, glaube ich nicht jedem, der von sich behauptet, es zu sein :). Aber so wie du deine Bekannte beschreibst, dass man sich von ihr gleich besonders verstanden fühlt, das kommt hin. Bei TAL hab ich auch immer den Eindruck aus irgendeinem Grund. Peinlich brauch dir nie ein Beitrag sein, egal wie lange. Entweder die Leute lesen ihn oder skippen ihn eben :). Aber ich finds interessant, was du verspürst. Sagmal, bist du manchmal ein bisschen einsam? Das meine ich aus deinen Worten herauszuspüren... Ich frag dich so direkt, weil ja die Sucht immer auch eine Lücke zu füllen scheint. Und wenn man sich dem Schmerz erstmal gewahr wird, ihn lokalisiert und eingesteht, dann ist dee erste Schritt, nein, nicht in die SHG, aber des Heilungsprozesses getan...

So, es tut mir leid, dass ich nicht näher auf eure Beiträge und Themen eingehen kann, ich muss jetzt was essen, bin hungrig. Aber vielleicht schreib ich demnächst was konkret zu den Inhalten.



Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 12 September 2019, 21:01:08
Moin zusammen,

ich hatte nie einen Mangel an Erkenntnis. Ich wusste lange, dass ich spielsüchtig bin und ich etwas ändern muss. Als ich in meinem ersten Meeting war, hatte ich meinen ganzen Kopf voll neuer Erkenntnisse. Tatsächlich litt ich immer an einen Mangel am Tun. Ich habe mal gelesen, wenn man nicht innerhalb von 36 Stunden nach einer Erkenntnis es in die Tat umsetzt, dann läßt man es meistens.

Mein Problem an der 36 Stunden Regel, ich gehöre auch noch zu den Aufschieben. Ich brauch oft unendlich lange bis ich mich aufmache etwas zu ändern. Das ist möglich, weil ich in den Meetings immer wieder darüber sprechen kann. Dadurch setze ich die 36 Stunden immer wieder auf Null, bis ich endlich ins tun komme.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 14 September 2019, 14:06:14
Guten Tag allerseits,


ja, das Lied hat damals ziemlich gut zu dir gepaßt, das dachte ich mir auch. Manchmal steht das Innere im krassen Gegensatz zur Erscheinung. Es ist jedenfalls schön zu lesen, daß es dir wieder bessergeht.

Ich mußte eben leise lachen, zum Glück kann das grad niemand hören. Würdest du das Wort 'sensibel' im Zusammenhang mit mir gegenüber jemandem, der mich kennt, verwenden, würde man dich sicherlich fragen, ob du von derselben Person sprichst.

Ich habe es mal gegoogelt, und ich weiß, was du meinst.
Trotzdem würde ich mich nicht als hochsensibel bezeichnen - eher als zwanghaft passiv und chronisch auf dem Schlauch stehend. Verstanden fühlt sich von mir wohl auch eher selten jemand... in etwa wie bei einer Konversation mit einer Schildkröte.
Im Prinzip ist es mir egal, ob mich jemand anblafft wie ein Terrier den Postboten... aber eigentlich sollte es mir nicht egal sein, oder?
Mich stört daran gar nicht die Schuldzuweisung, sondern dieses unnötige Gestresse.
"Denk, was du willst, aber tu es leise... oder nebenan."

Das fängt schon damit an, daß ich nichtmal was sage, wenn jemand in belehrendem Tonfall einem Kollegen einen Vortrag darüber hält, daß Polen ja nicht zur EU gehört, weil man dort ja nicht mit Euro zahlt.
Es ist ja nun wirklich nicht meine Aufgabe, die verpaßte Schulbildung anderer zu korrigieren.
Solche Bullshit-Belehrungen an Dritte höre auch ich mir dauernd an... bin eben derjenige, der jeden Tag aussieht, als wäre er grad aus dem Bett gefallen, und den Eindruck hinterläßt, er wäre zu blöd, einen Stift richtigherum zu halten.
Das ist okay so, und ein stückweit sogar gewollt, denn so hab ich meine Ruhe. Nicht aufzufallen hilft.
Ich sage nichts, selbst wenn ich mal 'dran' bin (das kommt selten vor, ich gucke dann nur komisch oder stehe auf und gehe), der Vortrag endet abrupt... und wiederholt sich auch nicht.
Dumm nur, wenn das nicht klappt, weil sie das Ganze dann einfach bei jemand anderem macht. Denn egal, wer es abbekommt, diese Omnipräsenz auf Teufel komm raus geht mir echt an die Substanz. Ich kann nicht abschalten, wenn jemand dauernd ungefragt auf sich aufmerksam machen muß. Auch wenn zwei andere sich über belanglosen Smalltalk unterhalten - sie weiß es besser (naja, meistens eben nicht) und mischt sich ein. Es ist so berechenbar (wie eigentlich alles, was sie tut) und macht mich einfach kirre.
Ich denke dann immer "Hör doch endlich auf, er hat dich schon vor fünf Minuten verstanden und ist mit Sicherheit bereits so in totaler Ehrfurcht vor deiner Allwissenheit, daß es ihm seit 4 Minuten und 55 Sekunden die Sprache verschlägt."
Manche hören sich eben selbst gerne reden - den ganzen Tag. Zum Leidwesen anderer.
Quatscht jemand über Canneloni-Rezepte und die Nachmittagsbetreuung der Tochter, geht das in Ordnung. Auch eine Erzählung über die Pläne im baldigen Ruhestand ist okay. Beides 'rieselt' eben nur, ich kann es zur Not ausblenden. Aber das... ist wie das Kratzen auf einer Schultafel.

In der Anonymität des Internets seine Meinung zu äußern fällt natürlich immer leichter. Ich schließe mich da sicher nicht aus. Ich habe auch schonmal darauf verzichtet, hier zu posten, zumindest in diesem jeweiligen Moment, weil ich merkte, ich würde etwas ungerechtes über jemanden in meinem Umfeld sagen, der nicht hier ist und sich nicht verteidigen kann. Habe dann lieber ein paar Stunden gewartet, bis ich die Gedanken klarer und weniger wertend fassen konnte. Ich würde mich nicht als impulsiv bezeichnen (mhhh... ja... sehr witzig... naja, jedenfalls nicht auf der Ebene zwischenmenschlicher Kommunikation), aber meine Hemmschwelle, einen inneren Dialog laut auszusprechen, entfällt hier eben. Das ist nicht immer gut.

Es gibt für alles Grenzen. Jemanden, der sich anmeldet, um Onlinecasino-Links zu posten, muß keiner tolerieren, das ist schon ziemlich unterste Schublade. Ab in die Mülltonne - richtig so. Auch permanent und obszessiv beleidigenlassen muß sich keiner, weder aus dem Hotel Berlin, noch von sonstwo. Auch das ist selbstredend.
Dann gibt es da aber eben noch die Anfragen von TV-Produktionen oder Spendenaufrufe. Manchmal ist ersteres schon ziemlich krass voreingenommen. Es geht dann offen darum, den Eindruck zu Unterhaltungszwecken zu bestätigen, und ganz sicher nicht um Aufklärung. Ich erinnere mich an den Typen, der jemanden suchte, der ein 'geheimes Doppelleben' führt, oder die Anfrage zur Vermittlung eines 'professionellen Lebensberaters', der jemanden im Alltag begleiten wollte, dessen Lebensweise ihm so weit 'entglitten' war, daß sie sich in der Struktur und Ordnung des Haushalts widerspiegelt (oder so ähnlich)... natürlich auch im TV.
Bei denen war es offensichtlich, sowas braucht auch keiner.
Aber es gibt halt solche und solche, leider weiß man das nie vorher.

Das hier heute ist auch so ein mehr als fragwürdiges Ding.
Es gibt hier zwei Möglichkeiten.
Entweder, die Threaderstellerin hat sich einfach nur extrem ungeschickt ausgedrückt (was bei so einer kurz hingeklatschen Einleitung schonmal passieren kann), oder eben nicht.
Sicher, mit so einer Reaktion hat sie wohl nicht gerechnet, das irritiert bestimmt, aber bisher hat sie auch noch keine Anstalten gemacht, das Ganze richtigzustellen, oder auf ungeklärte Fragen einzugehen... oder zur Not eben auch mal selbst nachzufragen, wo genau Klärungsbedarf besteht. Das zeugt nicht gerade von Tiefe oder wirklichem Interesse.

Zitat
Nun gab es ja das Spendengesuch der Familie P. Nun kleine Familie 75.000 Euro Schulden Familie kurz vorm verhungern hat mir nun nicht gerade die Tränen in die Augen getrieben.

Genau das dachte ich auch. Wie auch immer es ihnen jetzt geht, vorher ging es ihnen mit Sicherheit schlechter. Jetzt wird wenigstens die Miete bezahlt, zur Not stellt eine PI dies eben sicher. Daß dort keiner was spendet, Abzockmasche hin oder her, ist doch klar. Man hätte dem Ersteller genau das sagen können, und noch mehr zum Thema 'schlechte Idee'. Auch die Frage, warum er selbst nicht mit gutem Beispiel vorangeht, war durchaus berechtigt. Gespendet hätte so oder so keiner, es sähe aber deutlich 'erwachsener' aus, wenn man einfach mal drüber spricht.
Ich habe gar nichts dazu gesagt. Ist vielleicht auch nicht immer richtig.

Auch ich bin ein klassischer Aufschieber. Unliebsame Dinge tue ich meistens erst um fünf vor 12... oder gar nicht, wenn ich irgendwie drumrumkomme.
Der Gedanke, ich könne genauso (sucht-)krank sein, wie zum Beispiel ein Alkoholiker, kam mir nie in den Sinn. Ich wußte, ich kann nicht ohne, gleichzeitig war ich aber auch ziemlich sicher, daß das ja auch gar nicht nötig wäre. Ich sah es eben als meine Art von Hobby. Außerdem ist es jawohl meine Sache. Geht keinen was an. 
Schon absurd. Modellbauer oder Briefmarkensammler reden enthusiastisch über ihre Hobbies. Ich hingegen zog es vor, daß keiner davon wußte. Am meisten Aufwand habe ich betrieben, es vor mir selbst zu rechtfertigen.
Einsicht hat da auf sich warten lassen - sehr lange. Noch weit über meine aktive Zeit hinaus war Nie Wieder für mich utopisch und beängstigend.

Für mich war 'Alkohol-' oder 'Drogenentzug' immer... Tür zumachen, ein paar Wochen warten, Person ist geheilt.
Eigentlich hätte ich es zu dem Zeitpunkt schon besserwissen müssen, gedacht habe ich das aber trotzdem. Ist schon irgendwie ziemlich ignorant und widersprüchlich, wie man mit aller Macht die Augen vor sich selbst verschließt.
Einerseits habe ich es nie geschafft, nicht zu spielen, sobald ich irgendwie irgendwoher Geld hatte, andererseits fragte ich mich "He, warum geht der nicht einfach in ne Klinik, unterschreibt nen Wisch, daß sie ihn nicht rauslassen sollen, und nach ein paar Wochen geht es ihm wieder gut, und er hat gar kein Verlangen mehr danach, etwas zu trinken."
Erst vor ein paar Tagen habe ich versucht, jemandem zu erklären, warum das eben nicht so ist, bzw. nicht ausreicht. Die Antwort war ein Stirnrunzeln. Derjenige konnte es aber auch nicht verstehen, wie auch? Ich hingegen hätte es damals schon besserwissen müssen.

Wenn deine Posts zu lang sind, Andreas... wie soll man dann meine beschreiben?
Manchmal denke ich sowas bei mir auch... aber Skip hat's ja schon gesagt... wer nicht will, überspringt es eben einfach. Das sage ich mir jedenfalls immer, wenn ich nach dem Abschicken den ganzen Text sehe. Ich lese deine jedenfalls gerne. Es ist eine schöne Art, auszudrücken, was einen im Alltag bewegen kann.

Ich halte definitiv lieber die andere Wange hin, als mit Hut rumzulaufen. Im Gegenteil - der fällt nur unnötig auf.
Ob das nun gesünder ist, sei mal dahingestellt.
Das ist aber schon ziemlich extrem bei mir.

Ich habe grad viel um die Ohren, darum hört man nicht viel von mir. Es ist die Art von Situation, mit der ich absolut nicht klarkomme - nämlich wenn jemand auf mich angewiesen ist. Momentan beginnt mein Tag um 5:30h, ich gehe zur Arbeit,
und bin dann dem ganzen Tag weg, bis ich gegen 22:00 nach Hause komme. Dort bin ich allein. Ich liege dann im Bett und denke darüber nach, wie unglaublich schlecht ich in sowas bin. Was hätte ich besser machen können? Warum fühle ich dieses Versagen und das schlechte Gewissen? Warum zum Geier habe ich das nicht drauf? Nein Leute, es ist mir nicht egal. Auch ich mache mir Sorgen, und kann sowas nachempfinden. Ich weiß nur, es so gut zu verdrängen, daß ich es selbst nichtmal merke. Es kommt erst hoch, wenn ich allein bin, und ich kann es dann nicht einordnen. Schlechtes Gewissen, offenkundige Unzulänglichkeit, Sorge und die Frustration darüber, daß ich es nicht richtigmachen kann, wenn alle auf mich gucken.
Meine Ungeschicktheit macht es nur noch schlimmer. Ich will einfach nur, daß es wieder normal wird und keiner auf mich guckt und mich verurteilt. Ich weiß doch selbst, daß alle recht haben.

Heute ist Samstag, etwas entspannter. Trotzdem bin ich um halb acht aufgestanden, aber wenigstens habe ich jetzt kurz mal etwas Ruhe, der Tag ist nicht so komprimiert.

Ich mußte es auf der Arbeit leider erwähnen, ich hatte da dummerweise keine Wahl.
Am Mittwoch sagte ein Kollege "Du bist ja ziemlich entspannt in dieser Situation."
Ein anderer "Nein. Das glaube ich nicht. Sieht nur so aus. Guck mal, TAL's Hände zittern. Komm, trink erstmal nen Kaffee."
Ja, das taten sie wohl. Es war mir nichtmal aufgefallen, sonst hätte ich sie in die Hosentasche gesteckt.

Und jetzt ist noch der einfachere Teil. Mitte / Ende nächster Woche wird das ein 24-Stunden-Job. Ich habe zum Glück noch 15 Tage Urlaub (wie immer, ich verbrauche den nie, bis mich im Januar mein Chef dazu verdonnert, doch endlich mal zu Hause zu bleiben), aber das wird kaum reichen.

Ich kann sowas einfach nicht... und jeder kann das sehen. Dabei will ich doch helfen, ich weiß nur nicht, wie.
Gebraucht zu werden ist bei mir immer schlecht - für den anderen.

Insofern tut Anonymität doch ganz gut. Im richtigen Leben sind meine Unzulänglichkeiten leider oftmals allzu offensichtlich. Ich weiß das, und eigentlich hab ich da nach außen hin ein dickes Fell. Nach innen normal auch, es sei denn, jemand bedeutet mir etwas. Das ist gerade der Fall, mir geht das ungewohnt nahe, was das Ganze Chaos überhaupt erst so schwer für mich macht, nicht nur äußerlich. Anonym kann ich mich entscheiden, ob ich davon erzähle, komischerweise tu ich es trotzdem. Vielleicht, weil mich keiner sehen kann, wenn ich mal sage, wie es mir dabei geht.

Ich muß eben duschen und gleich wieder los.
Ich wünsche ein schönes Wochenende.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 14 September 2019, 23:32:24
Moin Tal,

ich blaff schon zurück wenn ich angeklagt werde. Ich arbeite auf den Bau und muss meine Sichtweise durchsetzen. Wenn es jemanden gibt, gegen den ich kein Stich sehe, dann bin ich tatsächlich dankbar, weil ich mehr als in solchen Situationen überhaupt nicht lernen kann. Tatsächlich hilft mir auch immer die Sichtweise, dass wir alle Gottes geliebte Kinder sind. Dann kann ich auch ein Arschloch anlächeln.
Wichtig ist für mich auch immer nicht zu vergessen wo ich her komme. Ein so grosses Schwein wie ich in meiner Spieler Zeit war hab ich noch nicht kennengelernt..

Meine Meinung äußere ich im Internet genauso wie im real live. Das ist Bestandteil meines versprechens an mich selbst. Zwei Unterschiede, im Internet gibt es viel mehr Missverständnisse, das liegt zum einen, das ich mich oft unsauber Ausdrücke, weil ich für mich selbstverständliches nicht wieder und wieder wiederhole und natürlich, das Menschen die im real nicht mal die Zähne auseinander bekommen im Netz mal richtig aufdrehen können.

Ich wollte schon sehr früh nur Spieler sein, ich bin froh, dass zu meiner Zeit Pokern noch illegal war, ich würde sonst wohl heute noch spielen. Würde zwar Gewinn machen, wäre aber immer noch als Zombie gefangen im Spiel.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 25 September 2019, 15:04:55
Guten Tag und sorry für die späte Rückmeldung. Im Moment habe ich so gut wie gar keine Zeit zum Nachdenken. Das ist aber leider auch nicht unbedingt gut für mich. Zuviel ist da genauso schlecht wie zu wenig, ich brauche das manchmal einfach, um das Chaos für mich zu ordnen.

Ich habe Urlaub. Anschließend kann ich mich wahrscheinlich irgendwo als Krankenpfleger bewerben. Meine bessere Hälfte sagte heute "So hast du dir deinen Urlaub sicher auch nicht vorgestellt. Wenn du nicht gelegentlich mal rausgehen und ein paar Besorgungen machen könntest, würdest du den ganzen Tag mit mir zusammen hier zu Hause wahrscheinlich platzen."
Ich war erstaunt. Es klang nichtmal negativ oder vorwurfsvoll. Nur eine Feststellung. So manches scheint man dann wohl leider doch zu bemerken, auch wenn ich mich bemühe.
Ich brauche hinterher jedenfalls Urlaub vom Urlaub. Ich kann sowas einfach nicht, es nagt doch sehr, dieses Gefühl, mal wieder auf ganzer Linie zu versagen, und ein egoistisches Ar***loch zu sein, weil ich einfach nur weglaufen und mich verstecken will, wenn ich mich unzulänglich und fehl am Platz fühle. Dann habe ich das Gefühl, zu ersticken, ich kann / möchte einfach nicht mehr, es macht mich wahnsinnig.
Jetzt im Moment ist das leider gerade sehr präsent.

Jemanden anlächeln, wenn er irgendwie die Fassung verliert, kann ich auch. Das, oder ich gehe einfach weg. Meistens reicht das, aber sie wird dann entweder richtig laut, oder blafft halt jemand anderes voll. Ersteres ist aber zum Glück nur einmal passiert. Letzteres ist hingegen kaum weniger nervig.
Ich habe es nicht eingesehen, mir das von jemandem anzuhören, der keine Ahnung hat, wovon er spricht, und mir vorwirft, ich hätte etwas nicht richtig erledigt, was eigentlich ihre Aufgabe ist. Sie wollte es (unter anderem) unbedingt 'machen' (zumindest offiziell), und erzählt auch gerne, wieviel sie da immer zu tun hat. Normal ist mir das egal, man soll mich im Gegenzug nur in Ruhe lassen. Da kam bei mir dann aber so eine Art kleine Trotzreaktion, nicht offensiv, sondern eher ein inneres "Was willst du eigentlich?". Ich war selbst verwundert darüber. Da gibt es nicht viel zu lernen, es ist eben Show von ihr, nicht zuletzt auch für andere im Raum (und sie macht sowas nur bei Publikum). Es war halt eben das erste Mal, daß ich es abbekommen habe.
Den ganzen Tag lästert sie über das Äußere oder die Art anderer, stellt fest, daß sie mal 'ordentlich vögeln' sollten, und nennt sich dabei selbst selbständig, unabhängig und intelligent... eben ganz anders als all die unzufriedenen Leute dort. Ich habe aber selten jemanden gesehen, der innerlich so unsicher und unzufrieden ist, und ich behaupte mal, ich kenne mich mit der Materie aus, schließlich kämpfe ich schon fast ein ganzes Leben lang gegen mich selbst. Ihre ständigen Versuche, das auf Kosten anderer zu überspielen, gehen mir echt auf die Nerven. Der einzige Unterschied zwischen uns beiden ist, daß mir meine Unsicherheit und Unzulänglichkeit allgegenwärtig bewußt ist. Ich brauche sie auch nicht zu kompensieren, andere können nichts dafür.

Ich arbeite in der Verwaltung, dummerweise steht mein Schreibtisch im 'Backoffice', wie man so schön sagt. Ich sitze also zusammen mit der Telefonistin und zwei Kollegen im Raum hinter der Rezeption. Die Telefonistin ist eine Quasselstrippe, aber sie ist nett und angenehm im Umgang... und füttert mich ständig mit geschnittenen Äpfeln, was ich etwas irritierend finde... sehe ich aus, als bräuchte ich Vitamine? Manchmal nervt es, daß sie für alles eine Anleitung und dreifache Rückversicherung braucht, aber naja... es ist echt okay mit ihr. Wir haben uns wohl aneinander gewöhnt, mit mir ist es sicher nicht einfach, besonders wenn ich mal wieder geistig abwesend bin. Ich glaube, das kann schon manchmal etwas unhöflich und desinteressiert rüberkommen. Inzwischen fragt sie einfach nochmal, wenn ich etwas nicht mitbekommen habe, ohne das noch groß zu kommentieren. Die Empfangsdame hingegen... nun ja... wie gesagt... sie kommt halt ständig rein, und braucht dann die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Gegen Ende meiner Zeit war Poker gerade schwer in Mode, online genauso wie privat. Es gehörte allerdings nicht zu meinen Favoriten, ich bevorzugte es da doch eher stupide, in schneller Abfolge und möglichst ohne irgendeine Art von menschlicher Interaktion.

Als ich das erste Mal mit Leuten gepokert habe, die ich zum Teil auch privat kannte, das war eine der vielen unrühmlichen Geschichten aus dieser Zeit, an die ich, wenn auch unbeabsichtigt, gelegentlich erinnert werde. Zuerst im Keller einer anderen Filiale, bis der Besitzer Wind davon bekam - er fand das nicht so witzig, dann abwechselnd bei einem Kollegen zu Hause in seiner versifften Bude, und meinem Chef in seiner schicken Altbauwohnung. Ich bin durch einen Zufall da reingeraten, jemand rief im Laden für meinen Kollegen an und sagte für's Wochenende ab, als ich grad auch da war. Er sah mich an, ich könnte doch mitkommen.
Nein, das kannst du nicht bringen. Nein. Oder doch? Warum nicht? Er hat doch gefragt...
Sämtliche Alarmglocken gingen an, etwas in mir schrie "Halt!"... und ich sagte kleinlaut "Äh... ich kann das gar nicht."
"Kein Problem, ist nicht schwer. Mit dir wäre das sicher lustig."
"Wer wäre denn dabei?", fragte ich beiläufig, während ich schon im Hinterkopf am Überlegen war, wie ich das hinbekommen kann.
"Unser Chef und drei seiner Kollegen vom Tennisclub... und ein paar Kollegen von hier und der anderen Filiale (die er namentlich nannte). Nicht immer alle. Je nachdem, wer Zeit hat."
"Mhhh... Ich überleg's mir."
Tja... die leise Mahnung der Vernunft rang jetzt mit der selbstgefälligen Stimme in meinem Hinterkopf, die mir sagte, das könnte sich lohnen. Ich kannte zumindest meinen Chef gut genug, um mir denken zu können, daß es ihm nur um den Spaß ging... ihm war Geld egal, er hatte genug, seine Kumpels wahrscheinlich auch...
Dasselbe galt für meine Kollegen. Sie hatten zwar wahrscheinlich, im Gegensatz zu meinem Chef und seinen Kumpels, zumindest ein Budget eingeplant, aber ansonsten auch keine großen Erwartungen.
Noch während ich nachdachte, war die Antwort also im Prinzip schon klar.
Die eigentliche Frage war nur noch... wovon?
Denn es war noch viel Monat übrig, ich kam vor der Schicht direkt aus der Halle und hatte jetzt schon mal wieder nichtmal mehr Geld für die Fahrt nach Hause. Theoretisch jedenfalls, praktisch würde ich die Rückfahrkarte doch wieder zahlen können nach der Arbeit... auch wenn ich am Ende trotzdem schwarzfahren und das Geld 'einsparen' würde.
Aber da könnte man doch was an der Grundsituation ändern, den Rest des Monats wieder Luft zu haben hätte schon was... und wenn schon einer fragt...
Man nimmt halt, was man kriegen kann. Wenn's sein muß, dann eben Poker.
Und ja, ich konnte Schwein sein. :(

Natürlich ging ich hin.
Ich kam immer gut eine Stunde zu früh, was für mich mehr als ungewöhnlich ist, aber ich hatte jedes Mal hart zu kämpfen, auf dem Weg dorthin nicht zu versacken, um das Grundkapital 'aufzustocken'.
Einmal saß ich noch über eine Stunde in einem völlig zugemüllten Raum unterm Hochbett, und sah mir irgendeine hirnlose Fernsehshow an, während er den Tisch in der Wohnküche zurechtrückte und ich meine eigenen Filme schob, was passieren würde, sollte ich das 'geliehene' Geld in meiner Hosentasche verlieren... und nein danke, ich möchte nichts essen.
Nun ja... die Variante kannte ich bis dato tatsächlich nicht, aber ansonsten... Für alle Anwesenden war das einfach nur Spaß, damals war es eben grad in, einmal alle paar Wochen, das war's für die. Für mich hingegen war es weit mehr als das. Es ging nicht um Spaß, für mich stand immer mehr auf dem Spiel, ich hatte das Geld nie 'über'. Für mich war Spielen Streß pur. Ich weiß auch nicht, warum ich es trotzdem getan habe - immer wieder. Verzweiflung? Der letzte Ausweg? Klingt plausibel, ist es aber nicht, denn ich weiß heute, es ging mir nie ums Geld, das war nur eine Rechtfertigung vor mir selbst, Gewinne dienten einzig dem Zweck, meinen Aufenthalt in meiner eigenen Welt zu verlängern. Selbstbestrafung? Ob es mir gutging oder schlecht, ich konnte mit Emotionen nicht umgehen. Für mich war der Balanceakt am Abgrund scheinbar etwas, was ich zumindest kannte, und was alles andere zu überspielen vermochte. Wer will schon so leben? Für mich gibt es kein 'Besser'. Darf ich mich überhaupt freuen?

Der Einzige, der einigermaßen wußte, was er tat, war ein Kollege aus einer anderen Filiale. Er war wirklich gut. Kurz gesagt: ich haßte es, wenn er dabeiwar, das war wirklich anstrengend. Heute habe ich zu einigen noch Kontakt, wenn auch nur selten. Glücklicherweise ist es damals bei vier- oder fünfmal geblieben, bis sich die Runde zerstreute. Sonst wäre das heute sicher anders. Ich bin immernoch heilfroh, daß ich aus alldem so glimpflich davongekommen bin.
Eine Erinnerung, die mir den Magen umdreht.
Wie meine Kollegen nach dem ersten Abend spaßten. "Siehste, ging doch. So hat er dich ausnahmsweise mal für's Nichtstun bezahlt."
Alle lachten.
"Anfängerglück", sagte mein Chef mit seiner stinkenden Zigarre im Mund, und klopfte mir gönnerhaft auf die Schulter, woraufhin seine Kumpels es ihm gleichtaten. Sie hatten sich gut amüsiert. In ihren Augen ein gelungener Abend.
Ich habe Poker gehaßt... genau deswegen.
Eigentlich mochte ich meinen Chef nämlich, er war durchweg in Ordnung. Solange es lief, ließ er uns zufrieden und mischte sich nicht ein. Die Art Vorgesetzter, mit dem zu arbeiten am angenehmsten ist.

Ich saß auf meinem Stuhl und starrte auf den Aschenbecher. Die Anspannung ebbte ab, das Kribbeln in den Fingern ließ nach, die Erleichterung kam in Wellen, ich hätte mich fast übergeben.
Das ist nochmal gutgegangen.
Dann kam die Realität.
Ich mußte hier raus.

Mein Einsatz stammte aus der Kasse des Ladens. Ich habe mit einem Teil unserer Tageseinnahmen gegen meine eigenen Kollegen gespielt, während ich dort saß und so tat, als wüßte ich nicht, wie das geht. Auf dem Heimweg brannte das schmutzige Geld in meiner Tasche, ich fühlte mich erbärmlich, wertlos und beschissen... der Kaffeesatz der Gesellschaft, den niemand braucht... ich hab mich selbst nicht ertragen können. Mal wieder. Zu Hause angekommen bin ich damit nicht.

Spielen, um jeden Preis, das war alles, was ich wollte... Zeit in meiner eigenen Traumwelt, wohin alles andere nicht durchzudringen vermochte. Dort war ich sicher vor dem, was ich nicht verstand. Ob ich gewann oder verlor machte keinen Unterschied, denn behalten habe ich nie etwas, zumindest nicht lange. Es hat mir nur mehr Zeit in der Blase gekauft. Am Ende wollte ich oft einfach nur noch, daß es vorbei ist, und ich endlich gehen und mich selbst bemitleiden konnte.
So kehrte dann wenigstens innere Ruhe ein, zumindest für den Moment.

Zurückgezahlt habe ich auch nie etwas, egal, wie sehr ich es mir vorgenommen hatte... wie überzeugt ich auch war.
Nur noch einmal...
Darüber gefallen ist trotzdem nie jemand. Ich hatte unsagbares Glück, nicht nur dort.
Es sind dort schon Leute für weniger geflogen (nicht im Zusammenhang mit mir), teilweise auch mit rechtlichen Konsequenzen, auch auf anderen meiner Arbeitsstellen. Ich bin aber der unverdächtigste Typ Mensch, den man sich vorstellen kann. Ehrlich, aufrichtig, bescheiden, loyal...
Mir wird schlecht, wenn ich sowas über mich höre. Heute noch.
Letztes Jahr hat jemand während eines Meetings am Nachmittag das Portemonnaie einer Kollegin aus ihrem Büro im ersten Stock geklaut, und ohne das Geld in den Papierhandtuchmüll in der Toilette geworfen. Niemand hat mich (oder sonst irgendwen im Speziellen) verdächtigt, aber mein erster Gedanke war "Ich war's nicht... ehrlich!", und der zweite "Wie gut, daß ich zu dem Zeitpunkt schon lange weg war, und mehrere Leute mich haben gehen sehen."
Ich arbeite heute nicht mehr mit direktem Kontakt zu Bargeld oder Konten. Auch darüber bin ich froh.

Bitte.... nie wieder.

Mir fällt es auch schwer, mich auszudrücken. Das ist mitunter frustrierend. Geschrieben geht es besser als gesprochen (das versuche ich gar nicht erst), ist aber immernoch schwierig. Beim erneuten Lesen denke ich dann "Was ein großer Haufen zusammenhangloses Gebrabbel." Darum tu ich das lieber nicht.

Ja, manchmal frage ich mich auch "Würden die auch so miteinander reden, wenn sie irgendwo zusammen an einem Tisch sitzen würden?"
Wahrscheinlich nicht.
Andererseits würde ich das alles hier dann mit Sicherheit auch nicht sagen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 01 Oktober 2019, 23:43:27
Moin zusammen,

ich trag noch die geballten Emotionen des Deutschlandtreffens in mir. Viel reden, wenig reden, weitere Handicaps, völlig unwichtig. Es gibt keinen Ort an dem ich mich geborener fühle. Es gibt wohl immer wieder einen großen Irrtum in Foren. Viele wollen ihr cb machen sind dann wieder weg sind also keine Spieler. Spieler sein ist kein Geldproblem. Das Spielen war mein "Glücklichmacher" nehm ich mal aus einem christlichen Lied. Oder anders gesagt, jeder wird von einem Herren geritten. Bei mir war es das Spielen, das hab ich getauscht gegen einen liebenden Gott. Für mich ein guter Tausch. Spielsucht, Depressionen, ADHS oder Narzismus sind so einige Dingen mit denen ich mich beschäftigen durfte. Das Spielen und die Depressionen sind eine Lebensbedrohung für mich, das habe ich erfahren. Das andere sind Zitronen aus denen ich mir eine Limo gemacht habe, wohl gemerkt, die Limo muss nur mir schmecken, alle anderen sind mir dabei schnurzpiep egal. Ich brauche auch keine Diagnosen von irgendwelchen Usern. Wozu soll das gut sein? Es ist immer Unsinn und hat nichts mit mir zu tun.
Für die Lebensbedrohlichen Krankheiten benötige ich einen auf jeden Fall funktionierenden Notfallkoffer.


Wenn ich die ersten Schritte gegangen bin, brauche ich keinen Blocker, keine Geldkontrolle oder Sperren.
Ich kenne keinen trocken Spieler der sich mit seiner Sucht beschäftigt, der soetwas hat. Nasse schon.
Und für Leute die keine Spieler sind scheint es zu helfen.

Die Schwere der Krankheit mag ja unterschiedlich sein. Die Ernsthaftigkeit fehlt mir jedoch bei vielen Beiträgen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 08 Oktober 2019, 19:31:03
Guten Abend allerseits,

An manchen Tagen bin ich alles andere als mein bester Freund. Da habe ich dann leider zu kämpfen mit extremer Antriebslosigkeit, und bleierner Müdigkeit, unabhängig davon, wieviel ich geschlafen habe. Ich hasse das, aber es kommt zum Glück eher selten vor. Es zu überwinden ist dann nur deutlich schwieriger als Schlafmangel. Normal bekommt das aber selten jemand mit, da ich immer sehr viel früher zu Hause bin.
Letzte Woche ging es mir nur leider länger am Stück so, ich hatte gerade zwei Wochen Urlaub. Aufgrund von äußeren Umständen war meine bessere Hälfte auch zu Hause (und ist es auch erstmal weiterhin), konnte anfangs ohne Hilfe nichtmal aufstehen, und schlief recht viel. Inzwischen geht das Aufstehen, wenn auch etwas umständlich. Die erste Woche bin ich also oft kurz raus, einfach nur um etwas Luft zu holen. Ich habe sogar den Küchentisch repariert und andere anstehende Dinge gemacht, während da jemand schlief. Die zweite, als etwas Arbeiten von zu Hause da wieder möglich war, lag ich dann aber fast nur noch auf dem Sofa.
Jetzt muß ich wieder arbeiten. Das ist vielleicht ganz gut so. Wenn ich so weitergemacht hätte, müßte ich mich über negative Kommentare auch nicht wundern.

Nichtstun ist schlimm für mich, zumindest in Gesellschaft... wenn das Sinn macht. Ich kann mich aber auch nicht wirklich konzentrieren, bzw. irgendwas anfangen, wenn ständig jemand hier ist. Länger weggehen konnte ich aber auch nicht. Da kann nichtmal jemand was dafür. Irgendwann hab ich dann wohl einfach abgeschaltet. Auf Dauer ist das wirklich Gift für mich, leider bringt mich das da immernoch an meine Belastungsgrenze... das ist schon ein wenig frustrierend.
Jetzt ist das aber vorbei, zumindest tagsüber. Lange hätte ich das auch nicht mehr ausgehalten.

Ich habe keine Blocker oder Sperren, ich könnte theoretisch immer überall reinlaufen, sollte mich der Hafer stechen. Und ganz ehrlich, ich möchte mich dem nicht wieder aussetzen. Am Ende fände ich eh immer einen Weg.
Ich habe damals meinen Geldzugang eingeschränkt, teilweise ist er das heute noch. Das war alles. Andererseits bin ich technisch gesehen zwar trocken, mit meiner Sucht habe ich mich dennoch sehr lange lieber nicht beschäftigt.
Aber zumindest nenne ich das Kind heute beim Namen, das ist für mich schon ein Fortschritt.

Viele sehen den Ernst der Lage nicht, ja. Aber das ging mir ganz lange genauso... manchmal rede ich mir das heute noch schön... "So schlimm wie andere war ich gar nicht."
Blocker oder Sperren helfen mir im Ernstfall nicht, da gebe ich dir absolut recht. Meine eigene Kreativität in die Richtung habe ich da schon öfters kennenlernen dürfen. Aber wenn sich jemand damit sicherer fühlt, oder zeigen möchte, daß er es ernst meint - warum nicht?
Solange man sich dabei nicht selbst etwas vormacht... denn komplett darauf verlassen könnte ich mich nicht.

Ich kann mich geldmäßig gar nicht komplett trockenlegen, selbst wenn ich irgendwelche 'kreativen Einfälle' mal außer Acht lasse.
Und bis dato denke ich, ich habe mir die Eigenständigkeit verdient. So schwer das auch manchmal ist, es fühlt sich gut an, das selber hinzubekommen.

So oder so... das 'Problemchen' ist mit einem Geldsegen nicht gelöst, und auch eine 'einmalige Sache' ist ein doch ernsthaft beunruhigender Vorfall.
Ein normaler Mensch verliert entweder, und fragt sich dann, was das für ein Schwachsinn ist, oder er gewinnt, nimmt das Geld und gibt es für was anderes aus.
Ein totaler Kontrollverlust, der ein Chargeback rechtfertigt, geht weit tiefer als das. Da sind im Oberstübchen Mechanismen am Werk, die meinen Mustern mehr als nur ein bißchen ähneln. Es ist also ein schmaler Grat zwischen 'Einmalige Sache, ich mach das nie wieder', und 'einer von den richtig kranken Typen'.
Eine Finanzspritze kann anfangs sicher noch helfen, den Drang, den Verlusten hinterherzujagen, im Keim zu ersticken - oder auch eben das Gegenteil bewirken. Wer weiß das schon vorher?
Und eins ist sowieso klar... niemand rückt das Geld freiwillig raus. Das wird immer stressig und langwierig.

Es ist bei mir kein Geldproblem, es ist eine Scheinwelt, ein Verdrängungsmechanismus - die Unfähigkeit, bestimmte Situationen, Streß, Ängste, Sorgen, Probleme, und manchmal sogar im Grunde positive Emotionen angemessen zu verarbeiten und rational anzugehen. Hätte ich also nicht mit dem Spielen angefangen, wären es vielleicht Drogen geworden... oder Alkohol, denn ein ausgeglichener Kontostand ändert nichts an meinen inneren Reaktionen.

Momentan würde ich mich am liebsten verkriechen, Geldsorgen habe ich aber schon lange keine mehr.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 10 Oktober 2019, 12:30:15
Moin moin,

mein bester Freund bin ich auch nicht an allen Tagen, schlimmer noch ich befinde mich zeitweise in einer sich selbst erhaltenen Kettenreaktion die mich immer weiter nach unten zieht. Gerade in solchen Zeiten ist es gut das ich praktisch automatisch in die SHG gehe und darüber spreche. Die Abstände zwischen diesen Kettenreaktionen haben sich zwar deutlich erhöht, jedoch sind sie wie das spielen immer da. Ich muss wachsam bleiben. Das mich verkriechen ist das schlimmste was mir passieren kann davor hüte hchs mich.

Ehrlichkeit ist wichtig, da sind sich alle einig. Die Unterschiede zwischen patalogischen Spielern und Menschen die nur mal von Papa in den Arm genommen oder übers Knie gelegt bräuchten werden hier am deutlichsten. Wenn ich versuche, am schlimmsten noch unter Einbeziehung meiner Partnerin, mir das Geld zu entziehen, mache ich als patalogischen Spieler mir und meiner Partnerin etwas vor. Ich beginne meine Spielfreiheit mit einer Lüge. Sage ich meiner Partnerin ich erzähle ihr sofort von einem Rückfall ist auch das eine Lüge. Möglich das ich es selbst noch nicht erfassen kann, umso schlimmer wenn Sie von den ungeliebten ich nenne sie mal "trotz" Spielern dazu aufgefordert werden.

Es macht mich heute eigentlich nur noch Dummheit und Inkompetenz wütend, leider ist beides ziemlich häufig anzutreffen.

Installiere ich mir blogger führt das natürlich nur dazu, daß ich im Rückfall in kleinen illegalen casinos komme, die mich auch noch betrügen, der zugewinn darf mehr als bezweifelt werden.
Ein Augenblicksversagen zu überbrücken um einen Rückfall zu vermeiden, ist sicher sinnvoll, Strategien dafür gibt es viele. Sie müssen aber nicht mit einer Lüge mir gegenüber beginnen.
Meine Frau weiß, daß ich ihr von einem Rückfall nichts erzählen würde. Gerade für die Wahrheit wo mir nicht alle das Köpfchen streicheln fängt Wahrheit an. Alles andere ist nur blenden.
Das für ein pathologischen Spieler eine Geldspritze aus dem cb immer schädlich ist steht für mich bis auf wenige Einzelfälle ausser Frage. Wenn dann wie zur Zeit noch jahrelanges bibbern hinzu kommt, ob ich verklagt werde, macht das einen Genesungsweg unmöglich.

Im besten Fall verschiebt sich meine Spielfreiheit um 3 Jahre nach hinten.
Unfassbar das der Gesetzgeber diesem treiben jahrelang tatenlos zuschaut. Es geht dabei aber um so viel Geld, siehe Bundesligawerbung, das normale Maßstäbe von gut und richtig hier nicht mehr gelten. Ich als pathologischer Spieler kann nicht viel mehr machen als das hinzunehmen, alles andere reibt mich auf. Für Süchtige gibt es keine Stimme die in der Öffentlichkeit gehört wird.
Auch den Schmerz über diese Fakten kann ich in der SHG sprechen, der einzige Ort wo ich gehört werde.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 16 Oktober 2019, 03:05:33
Guten Morgen,

Ja, was Ehrlichkeit angeht, sollte man bei sich selbst anfangen. Das ist manchmal aber gar nicht so einfach, ich mache mir liebend gerne selbst etwas vor.

Es schaukelt sich hoch. Fange ich erstmal an, dichtzumachen, komme ich da nur schwer wieder raus. Eigentlich ging das aber in letzter Zeit. Als ich aufgehört hatte, zusätzlich am Wochenende zu arbeiten, war das zum ersten Mal seit längerem wieder besonders schlimm. Da fehlte mir definitiv etwas, aber keine Ahnung, warum und was. Das Geld war es nicht. Ich habe auch nichts dagegen, nichts zu tun, aber dann bin ich lieber für mich. Bei zu langer Zweisamkeit fällt mir die Decke auf den Kopf.
Im Grunde genommen ist es nicht viel anders, als bei der Arbeit vorm PC geistig wegzutreten, nur daß ich eben nicht mehr die Energie aufbringe, den Zustand wieder zu beenden. Je länger das dauert, desto schwerer wird es. Das schlechte Gewissen, was ich dann zwischenzeitlich bekomme, macht es auch nicht einfacher.
Erfahrungsgemäß waren solche Abschnitte noch nie gut für mich, sie verstärken das Gefühl des Überfordertseins drastisch. Ich steigere mich dabei unbewußt in eine bleierne Schockstarre. Das einzige, was dann noch funktioniert, ist das Ding zwischen meinem Ohren. Kosmisches Rauschen.

Seit ich wieder arbeite, geht es aber besser.

'Zerstreut' ist aber eigentlich normal bei mir. Heute Morgen kam jemand aus dem Vertrieb, den ich nicht kannte, ins Büro, als ich grad dabei war, mich zu fragen, warum diese Kiwi da, die mir meine Schwiegermutter gestern aufgeschwatzt hat, innen irgendwie gelb ist. Sollten die nicht grün sein?
Da die Empfangsdame (und auch sonst keiner) noch nicht da war, und ich bei geöffneter Tür den Eingangsbereich sehen kann, sagte er mir seinen Namen, und bat mich, anzurufen, wenn sein Kollege aus Malaysia mit einer Gruppe Japaner im Schlepptau eintrudelt, da die immer gerne zu früh aufschlagen.
Fünf Minuten später kam eine quatschende Gruppe Asiaten in Anzügen durch die Drehtür, und ein anderer mir unbekannter Kollege kam rein, und fragte, wo der Schlüssel für den Meetingraum sei. Ich ging raus zum Empfangstresen, gab ihm den Schlüssel, und sie gingen nach oben.
Dann rief ich den ersten Kollegen an, der mich bei der Begutachtung der Kiwi unterbrochen hatte.
"Ihre japanischen Kunden sind da."
Stille.
"Sind grad reingekommen."
"Ja. Ich weiß. Sie haben mir doch gerade den Schlüssel gegeben."
Ich spreche im Abstand von fünf Minuten zweimal hintereinander mit derselben Person, und merke es nichtmal. Kein Wunder, daß der dann vorsichtshalber erstmal schweigt, weil er noch nach dem Witz sucht.
Manchmal bekomme ich einfach nichts um mich herum mit, manchmal mehr als jeder andere. Nur kann ich mir das leider nicht aussuchen.
Ich bin das von mir gewohnt, und lache sogar drüber. "Oh."
Peinlich und unangenehm ist es im ersten Moment aber trotzdem.
Aber wenigstens hat sich das mit der Kiwi dann noch geklärt. Meine Kollegin sah meine gekräuselte Stirn und den ratlosen Blick, als sie reinkam.
"Das ist eine 'Golden Kiwi', die heißen tatsächlich wegen der Farbe so. Sie sind süßer."

Kaum bin ich zu Hause durch die Tür, werde ich von einer wütenden Tirade begrüßt. Irgendwer hatte da keinen guten Tag, was jetzt auch nicht so verwunderlich ist, wenn man ihn seit Wochen auf dem Sofa verbringen muß, heute schon den halben Tag mit einer Frisur vom Typ 'Rasenmäher' rumläuft, weil der Versuch, mit Links die Haarspitzen zu schneiden, irgendwie scheiterte, und nebenbei ständig zum Telefon kommen muß, weil die Eltern ("Meine Großtante hatte da auch mal...") und Geschwister ("Ich gab das gegoogelt... man könnte doch...") einen telefonisch und via Whatsapp mit guten Ratschlägen zum Thema Rehabilitationsmaßnahmen bei multiplen Knochenbrüchen bombardieren.
Ich wäre in der Situation wahrscheinlich nur deshalb entspannter, weil ich vorsorglich den Telefonstecker ziehen würde, und mir ein Haarschnitt kaum in den Sinn käme.
Trotzdem ist es nicht schön, den Frust dann abzubekommen.
Tu ich da jemandem Unrecht, wenn ich denke "Ich kann doch gar nichts dafür."?

Ja, die folgenden drei Jahre Kopfkino wären für mich das wesentlich Beängstigende an der momentanen Lage mit PayPal. Meine finanzielle Situation war beschissen genug. Selbst wenn ich neue Schuhe brauchte, fing ich an, Filme zu schieben... von einer kaputten Waschmaschine mal ganz zu schweigen. Ich hätte eine derartige Dauerspannung definitiv nicht durchgestanden.

Und selbst, wenn es klappt... Oh ja, die Erleichterung. Diesmal ist alles anders. Ehrlich, ich schwör's! Ich hab auch nicht im Traum daran gedacht, wieder zu spielen, wenn ich dann letztlich doch nochmal irgendwie davongekommen war... natürlich nicht. Nie wieder.
Wie sehr ich auch vorher 'gelitten' hatte, spielte nur leider absolut gar keine Rolle mehr, sobald sich der mir sehr gelegen kommende, absolut harmlose Gedanke manifestiert hatte, 'nur mal etwas Geld zu machen', um mir das Ganze zusätzlich zu erleichtern... oder noch etwas 'aufzustocken'.

Das ist manchmal so eine Sache... die 'lange Sicht' interessiert keinen, wenn man das Problem doch einfach zurückbuchen kann.
Mit Sicherheit gibt es auch Spieler, die sich Limits setzen (und auch dran halten) können. Die findet man aber nicht hier - oder irgendwoanders, wo's ums Chargeback geht... keiner macht ein Chargeback, weil er sich ärgert, daß ihm drei Wochenenden hintereinander eine 10€-Kombiwette danebengegangen ist. Sowas verbucht man unter 'dumm gelaufen, war trotzdem lustig'. Es steckt eben keine Erwartung dahinter. Ein Chargeback wäre hier also nicht fraglich, sondern es würde gar nicht erst erwägt werden, denn so jemand würde kaum nach einer solchen Option suchen.

Wenn ich mir Gedanken über's Zurückbuchen mache, ist es ja sprichwörtlich schon aus dem Ruder gelaufen. Ob das nun eine einmalige Sache war, oder traurige Routine - in jedem Fall ist ein Kontrollverlust, nach dem man über eine Rückbuchung nachdenkt, ein alarmierendes Zeichen dafür, seinen Haltung zu und seinen Umgang mit Glücksspiel einmal gründlich zu überdenken.
Es sind die Dimensionen. Meine bessere Hälfte würde bei den Summen, die hier von einigen verspielt wurden (mich inbegriffen, keine Frage), mit den Ohren schlackern. Man sollte sich manchmal einfach mal im Klaren darüber werden, daß sowas für Außenstehende absolut irre ist.

Ich hatte kein Problem damit, alles, was ich in die Hände bekam, auf eine Farbe zu setzen, oder über Stunden in einem Automaten zu versenken. Es wäre ziemlich naiv von mir, zu glauben, das würde sich jemals ändern, da habe ich lange genug drauf gewartet. Versprechen kann ich das nicht, nichtmal (oder ganz besonders nicht) mir selbst.

Die Politik versagt auf ganzer Linie. Ist es ihre Pflicht, mich zu schützen? Vielleicht.
Eines Tages wird vielleicht mal jemand wach.
Aber, was mache ich in der Zwischenzeit?
Weiter wie bisher, weil ich ja gar nicht anders kann?

Ich habe immer gewußt, was ich tue... und genau das bekommen, was ich wollte.

Für den Spieler selbst ist es eben leider immer ein Wagnis... und genau das kann ich nicht gebrauchen. Hatte ich genug von - danke, nein.

Der 'Geizkragen', der plötzlich um eine Finanzverwaltung bittet... das wäre absurd.
Aber "Du willst den Leuten doch keinen Grund für ihr Verhalten geben." ist immernoch besser als "Was soll's? Ich bin doch eh schon der Arsch."
Solche Gedanken sind zum Glück schon länger her, aber auch ohne 'Ventil' bleibt dennoch ein gewisses Gefühl von Hilflosigkeit und Unzulänglichkeit. Besonders, wenn ich aus dem Krankenhaus kam und dann mit meinen Gedanken alleine war, oder den ganzen Tag keine Minute für mich hatte.

Ich habe mir eben den Fernsehbeitrag in dem Thread von Balduin angesehen. Ich gucke kein fern, kannte also Böhmermann auch nur aus Zeitungsberichten von seinem Geplänkel mit Erdogan. Von CoinMaster kannte hatte ich noch nie was gehört. Das ist echt übel... ernsthaft?
Die zuständigen Behörden haben sich vorher nie Gedanken darüber gemacht?
Ich meine... he... selbst, wenn das jemand meldet, der nicht 'antragsberechtigt' ist, sollte das doch dazu veranlassen, sich das zumindest mal anzusehen. Als Behördenmitarbeiter kann man den Antrag dann ja selbst stellen.
Ohne Worte.

Bei Zigaretten und Alkohol ist die Werbung deutlich eingeschränkt - aus gutem Grund. Für Glücksspiel hingegen wird plakativ und verharmlosend geworben.
Daß unsere Gesellschaft das nicht auf dieselbe Stufe stellt, sagt schon einiges darüber aus, wieviel Aufklärungsbedarf hier noch herrscht.
Leider auch bei Entscheidungsträgern.

Das Ganze hat heutzutage ganz andere Dimensionen. Harmloser Zeitvertreib. Ein paar virtuelle Münzen im Internet einsammeln... was ist schon schlimm daran?

Die Entwicklung auf diesem Gebiet macht mich irgendwie traurig.

Oh... ich sollte mal schlafen.

Gute Nacht.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 17 Oktober 2019, 22:58:40
Moin Tal,

so spät noch geschrieben und dann noch so klar, Hammer!

Nein, die Politik ist nicht in der Pflicht mich als spielsüchtigen zu schützen. Es reicht völlig wenn wir nicht verkauft werden. Ganz anders sieht es aber beim Kinder und Jugendschutz aus. Das Böhmermann das mit Coinmaster erst in Bewegung setzen musste ist beschämend und zeigt das wir Spieler keine Lobby haben.
Ich glaube auch, dass sich dort jetzt etwas tun wird, ansonsten werden die Behörde und verantwortliche Politiker am Nasenring bei Böhmermann durch die Show gezogen.

Natürlich hat auch Paypal oder das Kreditkarteninstitut keine Verantwortung dafür, wenn ich mein Geld verzock. Wenn Sie gegen Gesetze verstoßen, dann sollen Sie doch Strafe bezahlen, von mir aus in Millionen Höhe. Aber doch nicht das verzockte Geld an Spieler zurück zahlen. Das ist dann wohl Förderung der Spielsucht. Auch das zeigt, daß wir Spieler keine Lobby haben.

In der SHG habe ich einen inneren geschützten Rahmen, in dem hchs nur von Experten umgeben bin, wo ich niemanden etwas vormachen muss, und wo ich nicht manipuliert werde.

Taro

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 20 Oktober 2019, 20:32:51
Hallo zusammen,

mein Versuch, meine Gefühle zu ordnen, sie wieder zu fühlen,ist so zerrissen, wie das Blatt Papier vor mir. Verzweiflung pur.
 So viele Gespräche diese Woche,so gierig auf die Meinung Außenstehender,die mir einfach erzählen sollten,so mein Plan,wie ich mein Leben privat und beruflich in den Griff bekomme. Denn ich steh in einem weißen runden Raum und finde keine Türe nach draußen. Die Unruhe in mir ist sehr groß.

Es gab sehr klare, harte Worte von  außen,die ich sehr gefasst und ruhig aufnahm. Dachte erst,ich bin im falschen Film,doch ich wollte ja die Meinung/den Eindruck fremder Menschen haben. Köpfchen streicheln muss bei mir keiner,aber manche Worte gingen wie  Eisspitzen durch den Körper und ich, von außen cool und unberührt,aber drinnen brannte die Hölle.
Momentan schaffe ich viele Dinge ab,die mir sonst gut tun,für die sehr  stressige Arbeit . Doch gerade saugen auch alle schönen Dinge  meine Akkus leer. So ein Gefühlschaos hatte ich noch nie in meinem Leben. Ich habe immer das Gefühl ,ich müsste um mich schlagen,um alles von mir zu trennen ,was mich aussaugt.
Ich räume meine Wohnung auf, werfe Dinge weg und habe vor mein Testament zu machen,statt mich vielleicht auch mal auch wieder nach was schönem umzusehen,was schönes wahr zunehmen und zu machen.

Nächste Woche wieder SHG mit bekannten Gesichtern und ähnlichen Problemen. Es stützt und hilft,manchmal wird man wieder auf den Weg geschubst,wenn man zu weit abgekommen ist.

Mein Text, so durcheinander wie ich,nächstes mal hoffentlich klarer.

Schönen Abend noch

LG Wolke

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 20 Oktober 2019, 23:33:00
Moin Wolke,

ich nenne es immer einen Wolknäuel im Kopf haben. Es braucht Menschen die in der Lage sind, die Knoten aus meinem Wolknäuel zu machen. Das waren bei mir GA Freunde die schon wieder etwas Klarheit gewonnen hatten. Außen cool und innen am zereissen habe ich im Casino genug gemacht, das brauche ich auf meinen Weg in die Trockenheit nicht mehr. Die Klarheit braucht eine Zeit, bis sie zurückkehrt, dann auch nur langsam. Ich konnte aber Prinzipien für mein Leben festlegen, die mir dann Richtung geben.
Ein Prinzip ist, die Spielsucht kommt zu erst. Das heißt ich muss gut auf mich achten. Dinge die mir guttun aufzugeben für die stressige Arbeit führt für mich in die falsche Richtung und damit wieder zum spielen.
Ich verzichte dann lieber auf den Job.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 21 Oktober 2019, 01:32:32
Hallo ihr,


ich hatte eben zuerst einen sehr langen Text darüber geschrieben, warum ich nicht glaube, daß sich mit Böhmermann groß etwas ändern wird. Aber letztendlich bin ich in dem Punkt hilflos, ich kann es nicht beeinflussen.
Ich habe ihn gelöscht.
Ich bin froh, daß sich jemand der Sache angenommen hat, und es an die Öffentlichkeit gebracht hat... mehr kann ich nicht tun.

Ich bin auch nichtmal ein Chargebackgegner per se, auch wenn das manche so sehen. Ich finde nur, man sollte dabei nicht anfangen, sich selbst zu verschaukeln. Gerade das ist doch das Muster, was ich in Zukunft vermeiden will - die Schuld bei anderen zu suchen.
Ich mache es, weil ich es kann... weil sich der Staat auf dem Gebiet im Dornröschenschlaf befindet, und sich mal was bewegen sollte.
Und es trifft die Richtigen - keine Frage.
Aber nicht, weil ich betrogen wurde. Das ganz sicher nicht.
Ist halt ein zweischneidiges Schwert, das Ganze. Besonders für den Spieler selbst.
Aber gut, auch dieses Thema ist jenseits meines Einflußbereiches.



Ja, an diesem Punkt habe ich schon oft gestanden, unzählige Male. Ich stehe da, und frage mich, was ich noch tun kann.
Und doch... manchmal sind die einfachsten Dinge schon zuviel.
Momentan habe ich zu Hause viel um die Ohren. Eine Situation, mit der ich nur schwer klarkomme, und die mich an den Rand der Frustrationstoleranzgrenze gebracht hat. Dadurch fällt es mir deutlich schwerer, es hinzunehmen, wenn ich auch auf der Arbeit zu kämpfen habe... mit Dingen, die andere, die dem weit mehr ausgesetzt sind als ich, anscheinend in Ordnung finden. Meine sonst so feste Gelassenheit gerät innerlich ins Wanken. Das ärgert mich dann.
Andererseits merke ich so aber auch, daß es mir nicht guttut, ob nun gerechtfertigt oder nicht. Es baut sich eine innere Spannung auf, und ich verbringe viel Zeit damit, mich zu fragen, ob es normal ist, daß mich das wahnsinnig macht, statt das Ganze einfach mal klarzustellen - so oder so.
Ich war nur noch nie gut darin, den Mund aufzumachen.
Sowas ist toxisch für mich.

Ich wäre nie darauf gekommen, daß mein Spielen mit Gefühlen zu tun hatte. Es ging natürlich immer ums Geld... darum, es alles wieder hinzubekommen... irgendwie. Nur einmal das große Glück haben, immerhin ist das ja mal fällig... dann ist alles wieder gut.
Pustekuchen.
Gewinne haben mein hausgemachtes Elend nur verlängert, ich kam einfach nicht klar mit der Realität.

Ehrlich gesagt... ich kann das immernoch nicht wirklich gut. Ich habe den natürlichen Lernprozeß komplett verpaßt, ihn unterdrückt, denn ich lebte in einer Blase, die mich, als sie dann platzte, einfach irgendwo in der Zukunft ausgespuckt hat.
Aufgewacht bin ich im Nirgendwo im Dunkeln auf der Landstraße. Ich war alleine, hatte Angst, mir war kalt, ich wußte nicht, wo ich war, und hatte keinen Cent in der Tasche.
Da ließ dann das Scheinwerferlicht des ersten vorbeifahrenden Autos mich in Schockstarre verfallen... verängstigt und fasziniert zugleich.
Als es mit einem Schlenker an mir vorbeifuhr, hielt es an, die Leute winkten aus dem Fenster und riefen mir irgendwas zu.
Ich blinzelte die Benommenheit weg und winkte ab. Geht schon.
He... was war das denn?

Heute weiß ich, keiner wollte mich überfahren.
Niemand will mir was Böses. Wirklich nicht.
Hätte ich gesagt, daß ich mich verlaufen habe, hätte mich wahrscheinlich sogar jemand nach Hause gefahren.
Nur... wohin überhaupt?
Kein Ziel, keinen Plan. Ich stand im Regen... und ging zu Fuß. Das einzige, was ich wußte - ich durfte nicht in die Richtung laufen, aus der ich gekommen war, und ich durfte hier draußen auf gar keinen Fall einschlafen, egal wie ermüdend und anstrengend es auch war.
Mit jemandem in einem der Autos, die schnell und zielstrebig an mir vorbeifuhren, sprechen und nach dem Weg fragen, konnte ich aber nicht. Was sollte ich da auch sagen? Ich bin doch nicht verrückt!

Es brauchte meine ganze Energie, einen Fuß vor den anderen zu setzen, und nicht vom Weg abzukommen. Da war kein Platz für irgendetwas anderes. Hätte ich Geld gehabt, hätte ich mir ein Taxi genommen... an den einzigen warmen Ort, dessen genaue Adresse ich dem Fahrer hätte nennen können. Einer, der immer da ist, und geduldig auf mich wartet, heute wie damals.
Ein sehr verlockender Gedanke... und so einfach.

Ich habe mich schon so manches Mal ertappt, wie ich fast schon melancholisch daran zurückdachte. In meinem Kopf ist es dann eben genau das - so unendlich viel einfacher. Aber die Konsequenzen wären verheerend für mich... und auch für andere.
Das fällt mir dann ein, und ich schäme mich, überhaupt daran gedacht zu haben. Ich will das doch gar nicht. Hört das denn nie auf?

Sicher, in gewisser Weise mache ich anderen immernoch etwas vor, das kann, ganz ehrlich, oft sehr anstrengend sein. Besonders, wenn die Übergänge fließend sind, und ich selbst nicht weiß, wo oben und unten ist. Selbst, wenn ich versuche, es nicht zu tun... manchmal läßt sich das nicht klar abgrenzen.

Davon abgesehen gibt es durchaus Leute, bei denen ich mir sicher bin, daß mir zuviel Ehrlichkeit über Kurz oder Lang um die Ohren fliegen würde... nicht nur, was meine Vergangenheit angeht.

Ich dachte immer, der Status Quo wäre das für mich erreichbare Optimum, mehr ist einfach nicht drin... und es ist ja auch mehr, als ich je für möglich gehalten hätte.
.... wenn nur das Chaos im Kopf noch aufhören würde... das wäre alles, was ich mir wünschen kann.

Manchmal fühle ich nichts, wo ich weiß, daß ich doch etwas fühlen sollte... manchmal ist es soviel auf einmal, daß mir schwindelig davon wird.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 21 Oktober 2019, 18:35:18
Samstag bin ich , wie so oft am Mittellandkanal spazieren gegangen, und das Handy klingelte. An der anderen Leitung war meine ältere Schwester, und sie wollte wissen, wie es mir geht, und ob ich mir darüber Gedanken gemacht habe, zur Hochzeit meiner Nichte, nach Cambridge zu reisen.
Erstens: es geht mir gut, wenn ich am Kanal bin und Schiffe fotografiere, zweitens ist, daß ich rumdrckste, weil ich mit feiner Gesellschaft so nicht krar komme, also mich nicht zuständig für aufwendige Feiereien zu sein, und habe vorab den Wunsch, nach einem späteren Besuchstermin erwähnt. Denn wer weiß schon, daß an der Bridge über der Cam sich ein Pub befindet, wo sich früher einmal ein paar Musiker zusammen trafen, um eine Band zu gründen, sie nannten sich "Pink Floyd" . Ich weiß aber noch, daß es in diesem Pub hervorragende Fish and Chips gab. Ach, das ist schön, wenn es positive Erinnerungen gibt, und solche einfachen Dinge sind herzerfrischend. Nein, das Gilbert White House habe ich im Telefonat nicht erwähnt, aber wie schön gelegen es in Hampshire liegt, und wie spirituell alles in seinem Bereich ist, mag ich gerne erwähnen.

Ich weiß, manchmal bin ich gemein, und so fragte ich mein Schwesterherz spontan, was Mr. Boris J. gerade macht. Ich gebe zu, ich lese viel, aber kann nichts verstehen, ich weiß ja: "hüte dich vor Hast und Unentschlossenheit. Ja es wäre gut, wenn uns die Britischen Inseln erhalten blieben!

Letzte Woche habe ich abemds durchgehend den Sportsender angehabt, die Werbepausen waren wenig Indexwürdig, Gott sei Dank. Und daß Billard - Snooker gespielt wurde, war voll in meinem Interesse. Das ist ja sieben Jahre her, daß ich ein Cue in der Hand hielt, Pool, und das in der AHB - Klinik, nach meiner Nierenkrebsoperation. Der Gedanke ging dahin, wenn ein Billardsalon ohne Alkohol, ohne Geldspielautomaten, aber mit einem Sortiment verschiedener Tische: Pool, Karambolage, Nineball, Snooker auskommt, und gerne auch noch Dart - Sport anbietet, , und wenn der Unternehmer aus Ostwestfahlen stammen würde, hätte ich keinerlei Bedenken, meine Geschicklichkeit weiter zu trainieren.

Und so, wie ich meine Lieblingscombo aus West - London einmal in der O2 Arena in London lief erleben, möchte, "my Generation" , so würde ich einmal gerne im "Ally - Pally" die Stimmung genießen, und ich gehe davon aus, daß ich nicht der einzige bin, dem das so geht.

Der Einsatz, mein Heimatland zu verspielen ist doch zu hoch für mich, wenn es Mister Boris. hilft, ich kann es nicht ändern. So wie ich die Wahl habe, mich dem Glücksspiel fern zu halten, habe ich die Wahl, am Sonntag, wenn wir in meiner Heimatstadt einen neuen Oberbürgermeister wählen.
Ich brauche mich nur auf den Weg machen.

Liebe Grüße
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 27 Oktober 2019, 17:46:16
Spielsüchtige behalten ja meistens ihre Probleme für sich,so habe ich es auch jahrelang gemacht. Nach außen alles schön vertuschen,alles normal erscheinen lassen. Niemand bemerkte etwas. Einmal auf meine Launen angesprochen,lernte ich auch diese unter Kontrolle zu halten,auch wenn es mir richtig schlecht ging.

Irgendwann ist auch der beste Lügengerüstbauer am  Ende und kann nicht mehr. Ich habe mich meiner besten Freundin anvertraut. Wir redeten viel und sie half mir sofort und macht es jetzt immer noch. Ohne sie wäre ich noch am Spielen. Ich hätte mir keinen Therapeuten gesucht und wäre auch in keiner SHG. Keine Ahnung ,wie das alles geendet hätte.

Doch manchmal bin ich mir nicht ganz sicher,ob ich sie mit meiner Last ,nicht zu sehr belaste und stresse,ob es richtig war,ihr das aufzubürden.
Sie selbst sagt,dass alles ok ist,sie unser Geheimnis nicht belastet und sie den Fragen anderer standhält,wenn diese sich nach mir bei ihr erkundigen,weil sie sich auch manchmal Gedanken machen und manches von mir nicht verstehen.

Wir haben schon einige Hürden zusammen gemeistert, ich werde für sie auch immer da sein,wenn sie Probleme und Sorgen hat und wir werden gemeinsam alles lösen. Und in der Zwischenzeit unternehmen und lachen wir viel und genießen die schönen Dinge des Lebens,denn das nennt sich Freundschaft. Eine Freundschaft fürs Leben und für die Ewigkeit.

Danke
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 29 Oktober 2019, 19:39:56
Moinmoin zusammen,

bis ich das erste Mal in der SHG war, hatte ich mich niemanden geöffnet.
Als ich dort die Offenheit der anderen hörte war das ein Flash. In diesem Umfeld traue ich mich auch.
Ein tolles Gefühl, am aller besten, das auch nach dem Meeting sich nicht alle von mir wegwerfen, obwohl sie ja gerade gehört hatten, was ich alles verzapft hatte.
Es folgen einige Jahre, wo ich mit Freunden aus den Gruppen eine Menge nicht gelebtes Leben nachgeholt habe. Der Spaß kam dabei natürlich auch nicht zu kurz.

Die Ausarbeitung des "Notfallkoffers" kann mit den erfahrenen Freunden natürlich individuell ausgearbeitet werden.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 29 Oktober 2019, 20:01:27
Ich bin suf der Suche nach Werkzeugen für meinen Notfallkoffer.
Spontan fallen mir ein: Haushaltsbuch, Sponsoring,  Meetings in SHG, Literatur, schreiben, Dienste in der Selbsthilfegruppe -  gemeinschaft, Aktionsplan Struktur, Anonymität. Irgend etwas habe ich vergessen,  ich brauche ja nicht perfekt zu sein.
Sichrr, ich will meine Zirle anders definieren, als nur spielfrei zu sein. Demut mag ich abrr nicht als Werkzeug  definieren, sie wird mir ja, als höchstes Gut anvertraut,  wenn ich für sie bereit bin.

Meine Sorge Heute: gehe ich als Pflichtübung,  als Selbstverständnis,  odrr aus Freude in meine Selbsthilfegruppe.  Das habe ich mir überlegt, als ich nachmittags suf meinem Bett im Halbschlaf, durch den Grübelzwang erwachend lag, fast den Weg zur Apotheke und ins Meeting versäumend.

Nun bin ich dahrim, wieder klarer im Kopf, und der Druck unter dem Stenum ist einer Leichtigkeit des  Herzend erwachsen.

Danke  fürs Teilen
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 29 Oktober 2019, 21:49:58
Heute war ich ja auf einem Seminar der LK Glück zum Thema Gefühlsregulation.

Irgendwann wurden Kärtchen mit je einem Spruch auf dem Boden ausgelegt und jeder konnte sich eines aussuchen.

Für mich passend wählte ich: Ich entdecke mich selbst!

Dies ist meine Motivation auch nach einigen Jährchen der Abtinenz immer weiter in Foren aktiv zu sein und an solchen Seminaren oder Workshops teil zu nehmen.
Bereits vor Jahren habe ich einen Star treck Filmtitel für mich mißbraucht: Das unentdeckte Land!
Obwohl im Film die Zukunft gemeint ist, sah und sehe ich mich selbst als Entdecker meiner Eigenschaften, meiner Gefühle und meiner Gedanken.

Wieso agiere ich so in bestimmten Situationen? Welche Systeme stecken hinter dem Offensichtlichen?
Macht es Sinn sich mit Letzerem zu beschäftigen oder doch lieber mit den Hintergründen?
Es macht keinen Sinn sein Auto, nachdem es liegen geblieben ist, zu schieben. Manchmal braucht man nur Sprit nachfüllen.
Das Schieben ist anstrengen - es kostet Zeit - es kostet Kraft - und es ändert nichts am Spritmangel.

Genau so einfach ist es zumeist bei uns Glückspielern auch. Wir brauchen andere Betrachtungsweisen um auf einfache Problemlösungen für uns selbst zu kommen.
Dabei ist es gar nicht schlimm sich mal zu verrennen. Wir entwickeln uns ja, während wir an uns arbeiten - uns kennen lernen.

Heute haben mir sehr die Imaginationen (aus dem Englichen für Vorstellung) gefallen, die wir durchgeführt haben.
Es ist so einfach - und doch ungemein erstaunlich, wenn wir uns auf etwas konzentrieren, dabei unsere Gefühle und Gedanken beobachten, während sich die Bedingungen der Imagination langsam ändern.
Je nachdem, wie wir reagieren, lassen sich Rückschlüsse auf unsere Erfahrungen und unsere Motive schließen.

Da kann ich jedem nur nahe legen - traut Euch Hilfe einzufordern. Es macht Spaß sich selbst zu entdecken.

Vor allem aber wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wurde!
Soll heißen: Was ihr so schrecklich findet, ist halb so wild!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 30 Oktober 2019, 01:55:03
Guten Morgen zusammen,

Freunde oder Freundschaften in der SHG zu haben ist für mich unmöglich. Es wollten sich immer welche mit mir nach oder vor der Gruppe treffen,um weiter über unsere Spielsucht zu sprechen. Sie hätten noch Fragen  an mich......da habe ich immer nur geantwortet,stellt eure Fragen in der Gruppe,dann können die anderen vielleicht auch davon profitieren .

Es ist für mich deswegen unmöglich,weil ich eine “ Freundschaft“ zu einem Spieler hatte. Und so was ist fatal. Man hilft sich Gegenseitig mit Geld aus....gewinnt der eine,gibt er dem Verlierer Geld, verlieren  beide,zieht man sich noch mehr runter,gewinnen beide,pusht man sich mehr hoch. Ich kam so gefühlsmäßig überhaupt nicht mehr runter. Die innere Anspannung und Unruhe war noch viel größer,ich war fast 24 h wach.

Es ist schon hart genug,alleine mit seinen Gefühlen klar zu kommen: Wut,Frust,Ärger,Geldsorgen,Lügen,Alkohol,Stress,Schlaflosigkeit,Herzrasen,Unruhe,Hoffnungslosigkeit,Traurigkeit,.........

Ein Spieler versteht einen Spieler,aber ein Spieler verführt einen Spieler manchmal auch zum Spielen. Und ich möchte nicht zum Spielball werden,ich möchte nie wieder spielen!!!
Dieses ehemalige positive Gefühl des Spielens,diese wunderbare Ablenkung von anderen ,schrecklichen unangenehmen Gefühlen meldet sich immer wieder bei mir. Unangemeldet,aus dem Nichts heraus,aber meine Tür bleibt verschlossen. Auch wenn man durch den Türspion guckt,manchmal Sehnsucht empfindet,muss diese Tür für immer geschlossen bleiben,damit sich alle anderen Türen wieder öffnen.   

Ich gehe zur SHG ,fühle mich da wohl,ziehe das positive für mich da raus,lerne,gebe Hilfe,Tipps und unterstützte die Neuen,aber ich habe keine “privaten Kontakte“. Ich möchte da keinen Spieler im Notfall anrufen,ich habe mein eigenes Auffangnetz,meinen persönlichen Notfallplan und dieser funktioniert.

Ich wünsche euch allen eine gute Nacht.

Liebe Grüße

Wolke






 



Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 30 Oktober 2019, 13:17:47
Ich hatte als Hamburger 1989 natürlich unverschämtes Glück.  Es gab jeden Tag ein Meeting in Hamburg. Es gab mindestens 10 Gruppen und das beste 3 Angehörigengruppen die gleichzeitig in Nachbarräumen statt fanden. Die einzige Bedingung für die Teilnahme bei GA ist der aufrichtige Wunsch mit dem Spielen aufzuhören.  Andere GA Freunde zum Spielen zu triggern ist mir nie in den Sinn gekommen.
Neben den Stundenlangen Gesprächen im Auto nach dem Meeting mit Freunden die im gleichen alter um die neu gehörten Sichtweisen waren da genauso wichtig wie die Gespräche mit meinem GA Sponsor, mit dem ich gemeinsam in die Tiefsten tiefen meiner Seele gestiegen bin, weil ich in seinem Beisein keine Angst davor hatte.
Die Sponsorschaft ist bei der GA Gemeinschaft etwas in Vergessenheit geraten, sicher aber ein Schlüssel um wieder klar zu werden.
GA Aktivitäten wurden in Hamburg oft Gruppenübergreifend und oft auch mit den Angehörigengruppen unternommen. Das war für mich "einsamen Wolf" ein ganz neues erleben von Gemeinschaft. Ich hatte mich zwar entschlossen die ersten 2 Jahre keine neue Beziehung und auch keinen Sex zu haben, die Angehörigen sprechen mich aber so an, das ich das Zusammensein mit Ihnen mehr als angenehm empfand.
Meine heute noch beste Freundin war bei einem ersten Meeting dabei. Ich war sofort hin und weg. Ich bin sehr froh, das wir es all die Jahre hinbekamen den Sex auszuklammern, weil sie mir einfach durch Ihr sein sehr Gehilfen hat von meinem schrägen Frauenbild wegzukommen.
Die Unternehmungen mit einzelnen Freunden treiben mir noch heute ein Lächeln ins Gesicht. Oft erzähle ich meinen Kindern wie wir das Leben "probiert" haben. Sie können es oft nicht glauben und bekommen einen Lachflash.
Ich habe es oft gesagt. Ich habe viel mehr als die Spielfreiheit bekommen. Ich habe ein neues Leben bekommen. Wobei das eine das andere bedingt.

Was ich oft schade finde, heute ist die Suchthilfe so zersplittert, das das von mir geschilderte heute kaum noch möglich ist.

Die Massnahmen für meine Spielfreiheit konnte ich in den Meetings und in den Gesprächen mit Freunden und meinen Sponsor erarbeiten.  Das was in den Foren pauschal angeboten wird würden von den meisten Mama und Papa oder Dr. Sommer von der Bravo auch empfehlen. Wenn das funktionieren würde bräuchte es keine Selbsthilfe.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 04 November 2019, 02:20:59
Guten Abend,

eine neue Woche... ich hasse Montage. Ich kann immer nicht einschlafen (noch schlechter als sonst), weil ich am Wochenende ausschlafen konnte.

Ally Pally? Ist das nicht da, wo ein Haufen rammdösiger Schnapsleichen auf Bierbänken sitzen und "Ooooone Huuuuuundred aaaaand Eightyyyyyy" gröhlen, währen ein paar Typen in fantasievoll gestalteten, übergroßen neonfarbenen Synthetikshirts hochkonzentriert eine runde Scheibe mit bunten Pfeilen bewerfen?
Hab ich mal im Fernsehen gesehen, im Winterurlaub. Zum Glück hatten wir ein eigenes Apartment. Das war somit weit besser als das RTL-Abendprogramm mit der Schwiegerfamilie.
Da dort irgendwie die Party im Zuschauerraum entscheidender zu sein scheint, habe ich eine Weile gebraucht, zu verstehen, daß es für diese oktoberfestartigen Zustände einen Anlaß gab... das auf der Bühne war tatsächlich die Darts-WM.
Hab's dann jeden Abend geguckt. War irgendwie witzig. Und eine gute Ausrede, zu gehen.

Billard hab ich zuletzt im Sommer gespielt. Bei einer Firmenfeier in einem großen Laden, in dem ich davor zuletzt vor fast 20 Jahren war. Ich habe in meiner Jugend nicht weit von dort gewohnt. Sah aber immernoch genauso aus, selbst der Barkeeper war derselbe. Die meiste Zeit saß ich draußen auf der Terasse. Es war gar nicht so schlimm mit all den Leuten, auch wenn der Alkohol wohl seinen Teil zur Entspannung beigetragen hatte. Manche Dinge verlernt man aber nicht, hab ich festfestellt. Ich hab tatsächlich einmal mitgespielt. Man hat es mir vorher ja auch zur Genüge erklärt.

Ich bin allerdings kein zweites Mal pinkeln gegangen. Standen die Dinger immer schon hier?
Gesellschaft hilft offensichtlich, denn erst beim Rausgehen habe ich bemerkt, daß der junge Mann mit der Hipsterfrisur immernoch in einer typischen Haltung vor einem der Automaten neben den Toiletten saß. Aua, das gibt Rückenschmerzen.




Gefühlsregulation (komisches Wort, klingt irgendwie sehr wissenschaftlich)... Freundschaft... Demut... Offenheit... Achtsamkeit...

Kurz: 'Das Leben danach'...

Aber dafür muß man sich wohl erstmal bewußt sein, daß alles davor kein Leben war. Wenn ich mir tatsächlich einmal erlaube, darüber nachzudenken, wie gerade jetzt, in diesem Moment, weiß ich das sehr zu schätzen. Das ist in gewisser Weise schon ein Fortschritt, denn es war immer ein Tabuthema, auch, oder gerade, allein in meinem kleinen Kämmerlein. Wenn ich einfach lange genug die Augen schließe, verschwindet es schon von selbst.

Suchtverlagerung? Das hört man öfter. Aber nein, das würde ich nicht so sagen. Das Einzige, was ich exzessiv betrieben habe, war, dafür zu sorgen, daß ich mich nicht zu sehr mit mir beschäftigen muß, nicht zuviel mit mir allein zu sein. Da kommen nur die dummen Gedanken und Zweifel. Drei Jobs, und anschließend halbtot ins Bett fallen - das tilgte die Schulden, ließ mich jeden Tag auf's Neue meine unsagbare Dämlichkeit spüren, weil ich gefühlt keinen Mehrwert davon hatte, und hielt mich beschäftigt. Im Nachhinein betrachtet hätte man das vielleicht besser lösen können, aber davon hatte ich keine Ahnung, und mir helfen zu lassen war eh nicht so meins. Wobei auch? Ist doch alles gut...

Auch ich habe erstmal eine lange Beziehungspause gehabt, wenn auch nicht als bewußte Entscheidung. Sex gab es da dann auch nicht, wobei auch das kein fester Vorsatz war, sondern einfach der Tatsache geschuldet, daß ich genug mit mir selbst zu tun hatte. Wenn ich ehrlich bin, war es in dem Punkt auch vorher schon nicht anders... aus denselben Gründen.
Bevor ich aufgehört hatte, führte ich eine Zweckbeziehung, ich hatte kein Interesse an Nähe oder Intimität. Das war mir schlichtweg zu anstrengend.
Danach war es meine Angst vor Neuem, meine Unfähigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Ich mußte erstmal Krabbeln lernen, bevor ich einen Marathon laufe.
Davon mal abgesehen, wer würde das schon wollen?
Von mir sollte man sich sowieso besser fernhalten.

Ich lebte also weiterhin eher für mich allein, und habe auch heute nicht viele Freunde, meine heutigen Kontakte stammen sonst fast ausnahmslos alle aus der Zeit danach, von meiner besseren Hälfte. Von meinen früheren Freundschaften hat nur eine einzige meine aktive Zeit (und die Zeit davor) überstanden - und das habe ich sicher nicht mir selbst zu verdanken. Da war jemand war sehr hartnäckig, hat sogar meine neue Nummer rausgefunden, nachdem einmal meine Simkarte kaputtging. Von meiner Seite aus war jahrelang Funkstille, und es hat noch eine ganze Weile gedauert, bis ich mich endlich getraut habe, auf die nach wie vor immer mal wiederkommenden Nachrichten zu antworten. Ja. Ich lebe noch. Es geht mir gut. Letztes Jahr war ich auf der Hochzeit... die Geburt des Sohnes vor sechs Jahren habe ich nichtmal mitbekommen... wie so vieles, was im Nebel verschwunden ist, der auch danach noch lange brauchte, sich zu lichten. Ich hielt nach wie vor den Kopf unten, hatte zuviel Angst vor der Welt da draußen. Sie war schön, aber oft überwältigend - ich verstand sie einfach nicht, also blieb ich in meiner Komfortzone. Ab und an mal den Kopf rausstrecken, das mußte reichen. Es waren bei mir sehr kleine Schritte, leider nur allzu oft auch mal rückwärts.

Ich war in letzter Zeit schon ein paarmal kurz davor, es zu tun... die Erklärung zu liefern, die ich meiner Meinung nach nur zwei Menschen in meinem Leben tatsächlich 'schulde'... diese Person ist einer davon.
Die zwei Menschen, die es geschafft haben, mich noch zu mögen, als ich es selbst schon sehr lange nicht mehr konnte.

Aber getan habe ich es nie. Was würde es ändern? Würde es überhaupt jemand verstehen? Klingt es nicht nach Ausrede... oder gar Unsinn? "Ich habe sehr viel Geld verspielt, und konnte es dennoch nicht lassen."... das klingt nach einer Dummheit aus der Jugend. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich das wirklich erklären möchte. Ich bin vielleicht komisch, aber doch nicht bekloppt. Aber genauso würde es klingen. Meine absolut grottigen Kommunikationsfähigkeiten würden ihr Übriges beitragen. Manchmal gebe ich auch bei alltäglichen Gesprächen tatsächlich mitten im Satz auf, wenn ich merke, daß ich etwas nicht richtig 'rüberbekomme'. Es ist eben, wie es ist.
Ich hätte Angst, andere zu überfordern, ich verstehe es ja selbst nicht.
Mich zu 'öffnen' würde außerdem die Dynamik verschieben. Ich müßte neu anfangen... in gewisser Weise.
Anfangs hätte es mir vieles erleichtert... heute wäre es in vielen Bereichen 'politischer Selbstmord'... zumindest sage ich mir das gerne.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann wünsche ich mir trotzdem manchmal, ich hätte jemanden, der es versteht. Nicht im Sinne von Zuspruch, Bestätigung, Hilfe, 'Anteilnahme' oder Mitleid; sondern jemand, der nicht glaubt, immer wieder die falschen Fragen stellen zu müssen, um rauszufinden, wie er mir gerade 'helfen' kann, wenn ich wohl anscheinend irgendwie seltsam bin... oder nicht auf Biegen und Brechen weiter über irgendetwas Bestimmtes reden will. Meine bessere Hälfte ist so. Schon ein Gespräch mit mir selbst ist schwierig, und manchmal gibt es eben einfach keine Erklärung, zumindest nicht innerhalb meines Horizonts. Ich kann ganz einfach keine geben, auch wenn man mich 20mal fragt.
Und es ist auch ganz gewiß nicht die Aufgabe anderer, sie für mich zu finden.

Es war und ist ein steiniger Weg, und fühlte sich prinzipiell erstmal nicht viel anders an als vorher. Es war immernoch knapp, aber meine Miete und laufenden Kosten waren wenigstens bezahlt, kein Jonglieren und Bangen mehr. Trotzdem kam nach der anfänglichen Euphorie irgendwann der Punkt, an dem ich mich fragte "Was habe ich nun davon?"
Das war das größte Problem. Mit der Zeit gingen die Tilgungsraten runter, aber es gab trotzdem immer mal wieder Tage, an denen sich das Gefühl von Freiheit nicht so recht einstellen wollte. Stattdessen klopfte das kleine Teufelchen sachte an der Hintertür.

Ich habe auch weiterhin die Fassade aufrechterhalten, mein Lügengerüst stand zum größten Teil sogar noch, auch wenn das Projekt aufgegeben und die Baumaßnahmen eingestellt worden waren... es könnte jederzeit weitergehen. Das ist auch immernoch der Fall. Ich denke nicht sehr oft daran zurück, und Suchtdruck hatte ich zum Glück schon sehr lange nicht mehr, dafür bin ich wirklich unendlich dankbar. Da ist nur manchmal, situationsbedingt und trotzdem unerwartet, ein nostalgisches Bauchgefühl, kurz darauf gefolgt von einem tief beschämenden Gefühl des Erwischtwordenseins. Wie ein Kind mit der Hand im Bonbonglas.
Ist das Schwäche oder Schwachsinn?
Kann man das überhaupt vermeiden?
"Darf" ich das denken?
Manchmal habe ich da Angst vor mir selbst, obwohl der Impuls, auch entsprechend zu handeln, zum Glück nicht mehr folgt, hat mein Hirn eigentlich automatisch immer einen 'Plan B' - auch etwas, was ich nicht abstellen kann.

Mich hat schon die Offenheit in der Anonymität des Internets kalt erwischt... das konnte doch nicht sein, ich kenne das. Vielleicht bin ich gar nicht so seltsam? Es hat mir den Kopf geradegerückt, als das dringend nötig war. Ich habe angefangen, mir Gedanken zu machen, mir zu erlauben, sie zu haben, ohne mich dabei zu hassen.
Sich einfach alles von der Seele zu schreiben, tut unendlich gut. Es wird oft sehr viel mehr, als ich wollte. Manche Sachen kann ich zumindest andeuten (auch das ist ein Fortschritt), solange ich anonym bin, andere wiederum könnte ich nie auch nur schreiben... nichtmal unter einem Pseudonym.

Ja, damit wäre man wieder am Anfang. Die befremdlichen Worte... Gefühle und Demut. Niemand anders macht sich solche Gedanken. Sie sind sauer... oder fröhlich... oder verärgert... und lassen es raus. In dem Moment ist es eben so. Allein durch das eigene Empfinden ist es eben gerechtfertigt.
Für mich sind Emotionen manchmal Diplomatie, anstrengend und verwirrend... endlose festgefahrene Standpunkte, die keinen Sinn ergeben. Und dann die Suche nach einer Lösung, die keiner kennt. Es ist ein innerer Tumult, ich versuche zu schlichten, zu erkennen, was richtig ist, weiß aber nicht, wie.
Das zu entdecken klingt nicht sonderlich erstrebenswert. Vielleicht möchte ich das gar nicht wissen.
Dieses Chaos kann einen dann schonmal wachhalten... stundenlang.

Schlaft trotzdem gut. Ich versuch's jetzt auch nochmal.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 09 November 2019, 17:55:59
Moin moin,

Viel Klarheit habe ich in der SHG gefunden. Stundenlang wach liege ich nur noch, wenn es Sorgen bei meinen Kindern gibt. Da muss ich nämlich plötzlich auch diplomatisch vorgehen um für Sie das beste Ergebnis zu erreichen. Für mich in meinem Leben brauche ich das ansonsten nicht mehr. Ich bin mit mir klar, ich sage dem Gegenüber wie es ist und der macht damit was er will, ist mir letztlich egal. Wenn ich doch mal am abwägen bin, spreche ich da einmal in der SHG drüber, dann bin hchs mir meist sicher. Wichtig ist ja nicht, daß mein Umfeld das richtige tut, sondern das ich das richtige mache, alles andere findet sich.

Am Dienstag sehe ich die Talkshow mit Wim Hof als Gast und wie ein zufällig ausgewählter in eine Wanne voller Eiswürfel steigt, nachdem er zwei Minuten ihm eine Atemtechnik erklärt hat.
Wim Hof wird auch der Iceman genannt, weil er unter anderem bei - 20 Grad einen Halbmarathon Barfuss in Siebierien gelaufen ist. Er hat kurz angerissen worauf seine Methode beruht. Der Bericht hat mich total geflashed. Sei dem habe ich Videos geguckt  und Bücher gelesen was das Netz hergibt. Ich habe die Atemtechnik probiert, mache Sie täglich und Dusche nur noch kalt. Meine Frau sagt, ich sei manisch.
Was mich so angesprochen hat, war die Aussage, daß sein Körper jedesmal einen Schock bekommt, wenn er ins Eis geht, diese Schock aber gerade der Schlüssel für den Zugang zum autonomen Nervensystem ist.
Ich habe ja immer gesagt, ich habe bei meinem persönlichen Tiefpunkt mit dem spielen aufgehört. Tatsächlich erkannte ich das ich mein Leben verspielt hatte, der nächste Schritt der Selbstmord wäre. Ich war geschockt, daß trifft es viel besser. Ich hatte mich so in die enge gespielt, das es kein vor und zurück mehr gab.
Ich lese mit schmunzeln hier die Ausführungen zum cb. Die bösen Bänken, führen die doch tatsächlich die Überweisungen aus um die die Kunden gebeten haben, wo kommen wir den da hin. Kein Wort dazu, das sie selbst die Hauptverantwortlichen sind, das kommt noch nicht mal in den Sinn. Das ist genau das, was mich direkt in die Sackgasse geführt und dem Selbstmord sehr nahe gebracht hat. Bleibt nur zu hoffen das das treiben bald ein Ende hat.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: asparagus am 09 November 2019, 23:16:57
Hallo Taro,

Erstaunlich, wie unreflektiert, oder vielleicht besser: unabgewogen, Deine Äußerungen rüberkommen, zumindest bei mir. Aber dieser Eindruck ist sicherlich ausschließlich mein Problem, da ich in der Aufarbeitung und dem Eingeständnis meiner Spielsucht und der daraus zu folgenden Kapitulation noch nicht so weit bin wie Du. /Ironie aus

Der “Ice man”, dessen Story und Technik Dich so gepackt hat. Mir fällt da der Aspekt des Extremen auf, und wie sehr Du offenbar darauf abfährst. Das ist keine Kritik, nur eine Beobachtung (ich bin ähnlich gestrickt, daher erkenne ich sowas schnell). Dasselbe mit der sog. Diplomatie: Abwägen nur noch bei Situationen mit den Kindern, bei allem Anderen ist es egal? Klingt erfrischend radikal, aber ist das wirklich praktikabel in unserer Lebenswelt, wo alles mit allem irgendwie zusammenhängt? Es ist natürlich Deine Entscheidung, und solange Du damit zufrieden und mit Dir im Reinen bist, wunderbar. Ich weiß, das mit den Kids ist nur ein Beispiel – ich habe keine und bin sehr froh darüber.

Zum Schluss Dein massiver Seitenhieb zum Chargeback: Es gibt hier sicherlich User, die keine Eigenverantwortung artikulieren - ob sie auch keine empfinden, wissen wir beide nicht, da wir nur das sehen, was im Forum geschrieben wird.

CB bietet sich sicherlich an, um Eigenverantwortung und das Eingestehen der Sucht zu deflektieren. Fakt ist aber auch, dass Banken und Finanzdienstleister das Ausleben der Sucht mit ermöglicht haben, von der unumstrittenen Illegalität der Angebote mal ganz abgesehen. Wenn es in Deutschland keine Möglichkeit gäbe, online irgendwo für irgendwas einzuzahlen (was mit Geoblocking etc. relativ einfach umzusetzen wäre, andere Länder handhaben das schon lange so, z.B. die USA), wieviele Menschen würden dann stattdessen in die Spielhalle oder ins reale Casino gehen? Ganz bestimmt nicht 100% derer, die z.B. an den Slots am Laptop oder Handy hängen.

Daher finde ich es absolut legitim, als Betroffene(r) gegen diese Brandbeschleuniger (Banken und andere Finanzdienstleister) und illegalen Anbieter (Casinos) vorgehen zu wollen und finde Deine herablassende Kritik daran sowohl unangemessen als auch unnötig (ab)wertend gegen die, die diesen Weg gehen.

Und bevor ich jetzt von Dir die Breitseite kriege: Ich bin seit 12 Jahren spielsüchtig, seit 2 Monaten spielfrei und in Beratung mit Plan einer ambulanten Therapie, und meine (finanzielle) Zukunft ist extrem gefährdet. Dennoch (oder gerade deshalb) werde ich rechtliche Schritte einleiten. Diesen Schritt tun zu wollen disqualifiziert m.M.n. nicht vom Eingeständnis des Suchtproblems und dem Wunsch, hierzu etwas zu verstehen und verändern zu wollen.

Aber wahrscheinlich habe ich einfach noch keine "richtige" Erleuchtung gehabt. Und jetzt Feuer frei für die Breitseite!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: will am 10 November 2019, 10:14:31
Cargeback ist das eine, und sich Gedanken um seine Situation im Hinblick auf das Zocken (Denn von Spielen kann man nicht mehr reden...) zu machen ist das andere... Ich behaupte mal alle (Zumindest die meisten) wissen, dass nicht die legalen oder illegalen Anbieter, Banken und "Zwischenhändler" die Probleme sind, sondern die Ursache für die Misere man selbst ist. Man muss schon bei sich anfangen.
Allerdings ist es nun mal so, dass alle Beteiligten also auch die anderen genannten eine Rolle spielen. Das Gesetz muss auch für diese Unternehmen gelten. Ein Zocker wird immer mit Verlusten am ende dastehen... Anders diese Unternehmen. Sie stehen mit Gewinnen da. Und das illegal. Hier sollte man auch als unbeteiligter was tun (wenn es geht) aber insgesamt muss hier was getan werden. Auch wenn die Zocker dann andere Wege gehen. Insgesamt würde nämlich das Zocken stark zurück wenn diesen Online-Anbietern das Handwerk gelegt werden könnte. Ich  bin auch davon überzeugt, dass die Anbieter welche nicht von staatlicher Aufsicht kontrolliert werden, manipulieren. Und zwar ohne die Wimpern zu zucken mit maximaler Ausbeute. Man muss ja auch nicht befürchten, dass man angeklagt wird, da man ja im Ausland tätig ist. Es ist ein Milliarden Geschäft was so nicht sein dürfte.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 13 November 2019, 02:35:07
Guten Abend,

Kalt duschen habe ich auch mal eine Weile versucht, weil es angeblich wach macht und den Kreislauf anregt. Ich hatte da aber irgendwie immer das Gefühl, nicht wirklich sauber zu werden. Das hab ich dann verworfen. Außerdem kommt es komisch, wenn man morgens im Bad erstmal einen unterdrückten Schrei von sich gibt.

Ich kann mich auch recht gut in Dinge reinsteigern, und versuche daher, es zu vermeiden. In vielen Bereichen habe ich über die Zeit verinnerlichte, teilweise ziemlich schräge Routinen, die eigentlich gar keiner mitbekommt, bei denen es mir aber schwerfällt, damit zu brechen. Vielleicht ist es eine Art Komfort... keine Ahnung.
Auch für mich war das Gefühl, einfach keine Optionen mehr zu haben, im Nachhinein betrachtet eine notwendige Voraussetzung. Es gab nur noch eine Möglichkeit, und dabei konnte mir nichts und niemand helfen. Wäre ich nicht gezwungen gewesen, danach zu suchen, wäre sie mir nichtmal in den Sinn gekommen. Sie gefiel mir nicht, ganz und gar nicht. Hätte ich noch irgendeine 'Alternative' gehabt... nun ja, ich hätte wohl den einfacheren Weg genommen: Bloß nicht daran denken zu müssen.
Ob das tatsächlich immer so sein muß, weiß ich nicht. Gewisse Denkmuster sind jedoch nicht förderlich gewesen. Vielleicht ganz gut, daß niemand mehr da war, der mir überhaupt zugehört hätte, geschweige denn, den ich noch hätte beschuldigen können.

Das Richtige ist immer schwierig. Manchmal hapert's auch einfach am Verständnis. Ich bin nicht gut darin, Dinge richtig zu 'interpretieren'.

Letzten Donnerstag bin ich nach der Arbeit zum Arzt, eine Krankmeldung für meine bessere Hälfte abholen. Ich betrat das Gebäude im Erdgeschoß, und ging in Richtung Treppe. Da öffnete sich die Fahrstuhltür, und ein älteres Ehepaar kam heraus. Ich stieg ein, da er ja nunmal grad da war...
Ich drückte auf 1, aber der Fahrstuhl fuhr erstmal in den Keller, zur Tiefgarage.
Dort öffnete sich die Tür, ein Mann im dunkelblauen Anzug stieg ein. Ich wollte erst wieder aussteigen und zu Fuß gehen, aber er stand nun im Weg, also blieb ich und starrte die Tür an. Er sah auf die Tafel, sah mich an, und sagte: "Ach du Scheiße. Und das in so jungen Jahren."
Ich zuckte nur die Schultern und grinste blöd. Das Was zum Geier sollte das heißen?
Im ersten Stock stiegen wir beide aus. Er schüttelte den Kopf, und nahm die Treppe in den zweiten Stock. Dort oben saß eine Anwaltskanzlei, das Schild draußen am Eingang des Gebäudes war nicht zu übersehen.
Ich stand auf dem Flur, und war völlig perplex. Dann kam mir der Gedanke "Mhh... was dachte er, wo ich hinwill?"
Ich sah die beiden anderen Türen auf dem Gang. Eine psychiatrische Ambulanz und eine Schuldnerberatung. Das war mir vorher nie aufgefallen.
Nein. So war das doch gar nicht! Ich fühlte mich irgendwie 'ertappt', defensiv und klein, es schrie in mir "He... Moment! Ich wollte doch nur zum Arzt, und das nichtmal für mich selbst!"
Er war schon weg, aber es war zu spät. Ich spürte eine Spannung in den Schultern, war innerlich aufgewühlt, und fühlte mich irgendwie, als müsse ich mich rechtfertigen. Nicht, daß ich das laut tun würde, und nicht, daß ich irgendwas gesagt hätte, wenn er noch dagewesen wäre, aber ich dachte wirklich "He. Ich hab doch gar nichts getan. Wirklich nicht!"
Ich mußte noch fünf Minuten warten, bis die Praxis nach der Mittagspause wieder öffnete. Die ganze Zeit, und danach auf dem Weg nach Hause, habe ich mir Gedanken darüber gemacht. Mir ging es doch gut, ist alles wieder in Ordnung! Ich sagte mir "Er kennt mich doch gar nicht, und das war nur Zufall. Er erinnert sich genausowenig an dein Gesicht, wie du dich an seins. Es war nur so dahergesagt."
Ich schüttelte den Kopf. Das war verletzend, aber nicht bedacht oder persönlich.
Ach nein? Wirklich nicht?
Was wäre denn, wenn es mir jetzt so gehen würde wie damals? Ich kenne mich... sein Kommentar hätte dafür gesorgt, daß ich aus Scham nicht durch die Tür gegangen wäre, sondern wieder die Treppe runter und raus ins Freie... nachdem ich erneut den ganzen Tag gekämpft gehabt hätte, überhaupt hinzugehen... bis ich dann beim x-ten Versuch endlich dort ins Gebäude gegangen wäre.
Was also, wenn das im Fahrstuhl nicht ich gewesen wäre, sondern jemand anders?
Das machte mich plötzlich wütend.

Zu Hause angekommen, stand ich im Wohnzimmer. Manchmal braucht es da etwas energische Maßnahmen, sowas zu beenden. Also schüttelte ich den Kopf, um diese Gedanken abzuwimmeln, die sich irgendwie wieder festgefahren hatten.
"Was ist los?"
Anscheinend war ich mal wieder so vertieft, daß ich irgendwas Gesagtes verpaßt hatte. Normalerweise hätte ich nichts geantwortet außer sowas wie "Alles gut, bin halt ab und an etwas abgeschaltet."
Aber ich dachte mir plötzlich, vielleicht versuche ich das mal. Warum nicht? Vielleicht übersehe ich ja was.
Ich erzählte, was passiert war, aber nicht, was ich dabei dachte (nur, daß es mich verwirrt hatte).
Die Reaktion war ein Schmunzeln.
"Der Fahrstuhl."
"Was?"
"Du bist nur ein Stockwerk mit dem Fahrstuhl gefahren, die meisten nehmen da die Treppen, wenn sie nicht körperlich eingeschränkt sind."
"Mhhh.... meinst du, daß er das gemeint hat?"
"Ja. Ganz sicher. Ein Gesundheistfanatiker. Mehr war das nicht."
"Stimmt. Mach ich normal auch. Aber der war grad da. Verdammt, du hast Recht. Der Fahrstuhl. Das war ja einfach. Und ich dachte die ganze Zeit 'Was will er mir bloß mitteilen?'"
"Nichts, nur daß du etwas faul bist."
"Offensichtlich. Danke. Ich nehme beim nächsten Mal wieder die Treppe."
"Wegen dem Spinner? Das kann dir doch egal sein. Laß ihn doch reden."
Wenn das mal so einfach wäre.

Ich denke wohl oft zu kompliziert. Ich nehme Sachen persönlich, die es gar nicht sind... und Dinge, die wirklich persönlich sind, ignoriere ich zu gern... aus Bequemlichkeit, einem Bedürfnis nach Ruhe... und weil ich ja nunmal wirklich nicht der glänzendste Zeitgenosse bin. Man kann mir so einiges an den Kopf werfen, eigentlich tangiert mich sowas wenig. Aber offenbar habe ich irgendwo einen wunden Punkt, den ich nichtmal definieren kann. Das macht keinen Sinn.
Manchmal bin ich ganz furchtbar auf dem Holzweg, und da braucht es dann schon einen anderen Blickwinkel, einen neutralen Beobachter, um den Knoten zu lösen. Dummerweise steht die Angst, nicht verstanden zu werden, oder genauergesagt, mein Unwille, mich weiter zu erklären, wenn ich etwas nicht auf Anhieb rüberbringe (also eigentlich fast immer) mir dabei oft im Weg. Es ist mir unangenehm, ich komme mir dumm vor, und lasse es einfach. Hätte ich nichts gesagt, hätte mich das aber den ganzen Tag beschäftigt. Ich wäre weiter aufgewühlt und eingeschüchtert gewesen, bloß weil es ein mir völlig Unbekannter letztlich einfach nur für unsinnig hielt, daß ich ein Stockwerk mit dem Fahrstuhl gefahren bin.

Das raff mal einer.



@asparagus:
Natürlich hast du im Grunde recht... ohne Zahlungsdienstleister wären OCs deutlich unattraktiver. Sie wissen um ihre Rolle als Vermittler, und verdienen wissentlich und gezielt daran (Banken lasse ich da mal bewußt außen vor, das ist meiner Meinung nach eine andere Nummer, denn sie führen tatsächlich nur aus, wozu sie angewiesen wurden).
Ohne Nachfrage gäbe es aber kein Angebot, und schon gar kein illegales.
Es zwingt mich keiner, mit einem Kriminellen Geschäfte zu machen.
Beide Seiten finden zueinander, wenn sie wollen.
Dazu gehören dann aber nunmal zwei.

Zitat
CB bietet sich sicherlich an, um Eigenverantwortung und das Eingestehen der Sucht zu deflektieren.
Das ist eine der beliebtesten (und gleichzeitig auch nichtssagendsten) Aussagen im Zusammenhang mit der Thematik.
Eigenverantwortung? Wo denn? Indem ich mein 'Handeln' einfach rückgängig mache, und damit vielleicht gerade noch verhindere, daß meine Frau mich rauswirft?
Eingestehen? Was genau? Daß die Gesamtsumme irgendwie doch höher war, als ich dachte?

Versteh mich nicht falsch, CB an sich ist im momentanen Chaos ein gutes Druckmittel. Diesen Weg zu gehen ist legitim, wenn auch meiner Meinung nach emotional auf lange Sicht nicht ungefährlich für den Spieler.
Genau deshalb sind derlei schwammige Aussagen aber einfach nur... naja... sieht zumindest beim ersten Hinsehen klasse aus, ganz besonders für einen selbst. Ein Haufen warme Luft, der super klingt. Keiner kann solche Blender besser bauen, als... naja... jemand wie ich eben.
Ich höre doch nicht plötzlich mit dem Spielen auf, weil ich im Internet über diese Möglichkeit gestolpert bin... da braucht es doch deutlich mehr für eine stabile Ausgangslage.

Ich hatte bis heute übrigens weder eine Erleuchtung, noch ein Chargeback. Ich wußte nicht, daß eins der beiden Dinge eine Voraussetzung für irgendetwas ist.

@will:
Ich mag das Wort 'zocken' nicht, wobei es immernoch besser ist als 'gamblen'... Anglizismen haben für mich immer den Anspruch, irgendwie 'cool' wirken zu wollen.
Was soll man als Unbeteiligter tun? Meine bessere Hälfte würde das 'Problem' nichtmal verstehen. Und ganz ehrlich... warum auch? Das Einzige, wofür es da definitiv eine Zustimmung gäbe, wäre eine Lösung für den mangelnden Jugendschutz. Das ist skandalös... ansonsten wäre es eher sowas wie "Braucht kein Mensch, also sollte man es einfach lassen."
Im Prinzip wäre das sogar korrekt. Niemand zwingt mich, mich über's Ohr hauen zu lassen.
Das gilt allerdings auch für den Staat und die Bundesländer. Warum Politiker sich am Nasenring durch die Manege führen lassen, ohne es überhaupt zu merken (odee merken zu wollen), verstehe ich echt nicht... mögliche Steuereinnahmen hin oder her.

Ignorance is bliss.

Das gilt aber, wenn auch aus einem ganz anderen Blickwinkel, auch für mich. Was kann ich schon groß tun? Außer mich aufreiben an etwas, dem ich nicht gewachsen bin?

Ein Chargeback sollte also nicht das Zentrum meiner Abstinenz sein, sondern, wenn überhaupt, ein Nebenschauplatz, den ich bestenfalls anderen überlasse.
Dann hätte ich auch nicht das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen.

Davon abgesehen ist dieses Thema irgendwie... naja... ermüdend... es macht keinen Sinn, sich ständig zu wiederholen...

Schlaft alle gut.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: asparagus am 13 November 2019, 13:32:03
Bitte lies meinen Satz, den Du zitiert hast, noch einmal. Es ist kein Rechtschreibfehler drin, dafür aber leider ein zu direkt aus dem Englischen übersetztes Wort – ich mache das nicht, um cool zu wirken, habe 11 Jahre dort gelebt. To deflect: ablenken, abwenden, umleiten, verlagern.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 13 November 2019, 14:04:20
Moinmoin,

ich mache die Atemtechnik, das mir Setting und das Kalt Duschen jetzt eineinhalb Wochen. Die Nähe um Dinge die ich mich seit meiner Spielfreiheit bemühe sind verblüffend.

Das erst ist das sein im hier und jetzt.  Unter der kalten Dusche oder beim Spaziergang in T-Shirt in kurzen Sachen zählt nur das. Es zählt nur das wahrnehmen meines Körpers, alles andere ist völlig unwichtig. Da ich ja gelegentlich von Depressionen besucht werde ist das mit Sicherheit eine Möglichkeit sich dort herauszuholen, wie lange das anhält wird sich zeigen. Berichte von Betroffenen lassen hoffen.

Das nächste ist der Kontrollverlust. Ich gehe traditionell im Frühjahr und um Herbst schwimmen. Bisher immer mit unterdrücktem Juchsen und am hyperventlieren. Ich gehe bei sehr kaltem Wasser öfters wieder raus weil das kalte Wasser so schmerzt.
Jetzt mit der neuen Technik weiss ich, es wird nichts Schmerzen, ich werde nicht Juchsen und nicht hyperventlieren. Ich atme ruhig weiter und behalte die Kontrolle. Verliere ich die Kontrolle, besonders später beim Eisbaden bekomme ich sofort Grösse Probleme.
Das kalte Duschen am Morgen ist ein echtes Highlight. Ich freue mich richtig drauf. Es wird ein guter bekannter, das Dopamin ausgeschüttet und ich bekomme eine Anhaltende Frische für den Tag. Das mind setting davor ist wegen der überraschenden Erfolge genauso toll. Anders sieht es mit der Atemübung aus. Die Erfolge sind beeindruckend. Danach fühle ich mich erstmal etwas bekifft, auch kein schlechtes Gefühl. Aber, es ist anstrengend und dauert ca. 40 Minuten. Das dabei mehr Adrenalin ausgeschüttet wird als bei einem Fallschirmsprung wenn man es richtig beherrscht ist interessant, aber trotzdem erfordert das tägliche machen Disziplin.
Disziplin war ja auch eines dieser Worte wo sich bei mir früher immer die Nackenhaare gekräuselt haben.
Nun ich bin gespannt, ich habe schon eine Gruppe von 4 Leuten die mit mir bei Frost schwimmen gehen gefunden. Bei meinem ersten mal sollten es schon mindestens 4 Personen sein, weil bei einem Kontrollverlust es durchaus möglich ist das man alleine nicht mehr aus dem Wasser kommt. Wie mein leichter  Herzfehler darauf reagiert muss sich auch erst noch zeigen.
Ich bin total aufgeregt und freu mich total drauf.

Die Nähe zum Weg in die Spielfreiheit finde ich irgendwie faszinierend. Darum Teile ich es hier, werde das Thema aber künftig auch lassen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 19 November 2019, 00:23:17
Guten Abend euch,

ich las den Beitrag von Will, und  an das Wort 'zocken' darin nervte mich, dasselbe passiert mir eben, wenn ich 'gambeln' lese.
Manche stören sich an der Benutzung (im Sinne von 'Verkürzung' - ergo 'Verharmlosung') der Abkürzung 'k' für die drei Nullen einer Tausenderstelle, sie finden es irritierend und irgendwie falsch, als wolle man die eigentlichen Dimensionen runterspielen.
Das sah und sehe ich nicht so, denn ich kenne das so auch schon länger, und zwar aus anderen Bereichen. Trotzdem ist der Gedanke aber für mich durchaus nachvollziehbar.

Denn was mir in letzter Zeit auffiel, ist eben, daß ich mich irgendwie an dem Verb 'gambeln' störe (wie schreibt man das eigentlich? Isses 'gambeln' oder 'gamblen').
Ich hab mich grad mal gefragt, warum das eigentlich so ist.

Spricht oder schreibt jemand komplett auf Englisch, ist es passend, und besagt genau das, was derjenige tut. Es ist das richtige Wort an der richtigen Stelle, und bringt es sogar besser auf den Punkt als das deutsche Äquivalent 'spielen', denn das ist ja mehrfach besetzt und beschreibt auch das, was Kinder auf dem Spielplatz tun.
Somit sollte 'gambeln' eigentlich eine gute Lösung sein, weil - präziser. Man könnte auch 'glücksspielen' sagen, um das besser zu unterscheiden, was aber lang und irgendwie zu fachmännisch und altbacken klingt.
Darum 'gambeln'. Leuchtet ein.

Trotzdem nervt mich dieses Wort jedes Mal, wenn ich es lese.
Warum?
Eingebaut in einen sonst nicht-englischen Satz erweckt es den Eindruck, der Schreiber (oder Sprecher) fände es cool oder würde es verharmlosen.
Warst du Surfen oder Kiten?
Nee, ich war Gambeln.

Es klingt künstlich und irgendwie fehl am Platz.

"Yes, I am a compulsive gambler" war beim ersten Mal genauso schwer zu schreiben wie "Ja, ich bin pathologischer Spieler."
Beides für sich genommen beschreibt genau mein Problem, ohne Verniedlichung, ohne Wenn und Aber.
Mischt man das hingegen, klingt es skurril und seltsam... nach einem neuen Trend oder so.
....wie 'Crowdfunding' oder ein 'Start-Up'.
'Zocken' hat auch etwas Verharmlosendes. Freunde von mir benutzen dieses Wort sogar manchmal, wenn sie Brettspiele spielen.

Eigentlich ist es auch vollkommen egal, und ich weiß auch, wie es gemeint ist, hab nur jetzt nach dem Beitrag kurz darüber nachgedacht, wo meine Irritation diesbezüglich eigentlich herrührt.

Mein Kommentar zum Thema Anglizismen bezog sich also gar nicht auf dich, asparagus. Mir war bis eben überhaupt nicht bewußt, daß der von mir zitierte Satz einen beinhaltet.
Ich kenne das Wort 'deflect', die deutsche Version davon hingegen nicht. Also stimmt schon, ich dachte, es wäre ein in der Eile falschgeschriebenes 'reflektieren'. Wenn dem nicht so war, sind wir uns ja einig: man kann damit wunderbar vom eigentlichen Problem ablenken, mehr wollte ich gar nicht sagen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Wie immer...
Naja, das gehört eigentlich nichtmal hier in diesen Thread. Nur ein genereller Gedanke.


Taro, ich finde deine Ausführungen interessant. Die Verbindung von Dopamin (ja, ein guter Bekannter, den ich hin und wieder mal vermisse -.-) und kaltem Wasser klingt erstmal... gegensätzlich.
Das Jauchzen, Hyperventilieren und unkontrollierte Zittern grenzt schon an Schmerz, und ist auf jeden Fall eine starke Ablenkung. Man ist erstmal nur damit beschäftigt, es geht gar nicht anders. Alles andere tritt in den Hintergrund. Als ich mir nicht mehr zu helfen wußte, habe ich das getan... auch eine eher unrühmliche Sache... naja... für mich ist das keine schöne Erinnerung, ich verbinde das mit Hilflosigkeit.
Normal gehe ich nichtmal im Urlaub bei Temperaturen über 30°C ins Wasser, und wenn, dann meistens nur bis zum Bauch, und selbst das dauert sehr lange, weil mir immer sehr kalt dabei ist. Ich werde auch ziemlich grantig, wenn mich dann einer naßspritzt. Gah.

Eisbaden wäre wohl leicht übertrieben, aber du bringst mich echt auf bescheuerte Ideen. Ich mache öfters komische Sachen, da würde sich also nichtmal einer drüber wundern, aber ich hasse aufstehen, und bin auch so schon selten pünktlich. Das war schon immer so, und es wurde immer darüber hinweggesehen. Jetzt habe ich heute Morgen tatsächlich darüber nachgedacht, es zu versuchen, nach der normalen Dusche nochmal kalt zu duschen, nur hätte es zeitlich den Rahmen gesprengt. War eh mal wieder zu spät. Morgens ist das bei mir also nicht machbar, meiner Trägheit sei Dank.

Dummerweise erwischte ich mich heute aber öfter dabei, mir zu sagen "Das muß doch gehen! Du könntest dich an etwas gewöhnen, was du eigentlich überhaupt nicht magst."
Raus aus der Komfortzone - ziemlich schwierig.
Beim Fliegen klappt das bis heute nicht mit dem Gewöhnen. Ein Erfolgserlebnis anderswo wäre da mal ganz gut.
Da müßte ich nur noch über meinen Schatten springen. Disziplin... mhhh... täte mir auch hin und wieder ganz gut. Machbar ist alles irgendwie.


Manche Leute sind irgendwie komisch. Heute hat mich auf der Arbeit tatsächlich jemand gefragt, ob ich nicht Vollzugsbeamter werden will, er selbst sei leider schon zu alt, aber sein Sohn würde das auch grad machen, das sei ein zukunftssicherer Job, und hier wäre ja eh grad Flaute. Das kommt davon, wenn man am Empfangstresen sitzen muß, weil die Rezeptionistin Urlaub hat, und sich sonst keiner zuständig fühlt - einige Leute haben immer ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis - und man kann nicht abhauen.
Es war ihm absolut ernst, er redete etwa 15 Minuten über die damit einhergehenden zusätzlichen Vorteile des Beamtentums.
Ich war tatsächlich etwas sprachlos.
Er deutete das wohl als Zustimmung, und schickte mir kurz darauf eine enthusiastische Email mit dem Link zu einer Stellenanzeige der Stadt.
Ich mußte echt leise lachen. Offenbar nicht leise genug. Als meine Kollegin um die Ecke lugte, und verwundert fragte, was los sei, lachten wir gemeinsam.
"Du? Du würdest doch alle Türen aufschließen und einfach nach Hause gehen."
"Joa.. den Kaffeeautomaten würde ich auch offenlassen. To Go."

Manchen Leuten ist Geld und / oder Status offenbar so wichtig, daß ihnen auch egal ist, was sie dafür machen. Das scheint aber in der Gesellschaft weit verbreitet zu sein. Warum sollte jemand das sonst wollen?
Ich meine... gibt es etwas Deprimierenderes als das?

Naja, zumindest habe ich heute nicht soviel über mich selbst nachgedacht, das ist recht angenehm.
Ich schlafe jetzt aber mal lieber, meine Gedanken verhaspeln sich sonst am Ende doch wieder.

Gute Nacht allerseits.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 19 November 2019, 13:20:42
Moin TAL,

Das Thema Umgang mit Worten gehört durchaus hier her, wie ich finde. Ich habe erst in der SHG die Macht der Worte begriffen. Wenn jemand der von sich sagt das er spielsüchtig ist von dadeln oder gamen spricht sagt das mehr über seinen Zustand aus als alles was er sonst noch sagt. Wenn mich alle was mich zu Glücksspiel zieht für mich eine potentielle Lebensgefahr ist,  finde ich den Begriff triggern eher verharmlosend. Wobei ich gestehen muss, ich habe Ihn selbst schon benutzt. Will ja mich nicht immer so altbacken ausdrücken, nur da bin ich mir wenigstens sicher.

Der nächste Schritt nach den verniedlichenden Begriffen ist die angeblich "tolle Atmosphäre" im Casino. Ich sagte immer der frisch gepresste O-Saft war so gut. Hat sich so etwas erstmal ins Hirn gesetzt ist der Rückfall nach meiner Erfahrung nicht mehr zu verhindern.

Gesteigert wird das ganze dann von Aussagen wie "Pokern ist kein Problem für mich, natürlich nicht um Geld" Das war glaube ich im nachbar Forum Thema. Was soll man da noch zu sagen. Wenn für einen süchtigen Spieler das grösste aller Spiele kein Thema ist, da kann ja wohl besser gleich weiterzocken. Da ist ja schon jedes Wort Zeitverschwendung.

Das rausgehen aus der Kompfortzone ist für mich in meinem spielfreien Leben ein fortschreitender Prozess. Das Öffnen neuer Türen, das anschauen der Räume dahinter und die Suche nach weiteren Türen in den Räumen das läst mich spüren das ich Lebe. Ob meine Tägliche Dopaminzufuhr auch etwas damit zu tun hat weiss ich nicht. Auf jeden Fall fühle ich mich nach 2 Wochen Training in den 3 Disziplinen körperlich 10 Jahre jünger. Und das ist noch deutlich untertrieben. Bei Übungen mit der Atemtechnik fühle ich mich wie Obelix, der in den Zaubertrank gefallen ist.

Apropo Bequemzone, ich würde mich Montag über ein neues Gesicht freuen 😏

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 27 November 2019, 05:50:20
Guten Morgen,

ja, O-Saft, Kaffee, Erdnüsse... oft genug war es auch das einzige, was ich überhaupt an dem Tag zu mir genommen habe. Ich kannte mal jemanden, der sagte, er käme nur, weil er die eine Angestellte so niedlich fand, sonst wäre er ja gar nicht hier... auch, wenn die grad nichtmal da war, aber das konnte er ja vorher nunmal nicht wissen.

Orangensaft gehört bei mir aber eindeutig zu den negativen Assoziationen, ich hasse das Zeug schon seit meiner Kindheit. Warum glaubt eigentlich alle Welt, Kinder mögen Orangensaft?

Aber ja, in der Erinnerung überwiegt eindeutig das vermeintlich Positive. Es kommt automatisch. Verzerrt und gefiltert, meine nach wie vor funktionierende selektive Wahrnehmung. Ohne Störung von Außen wird das schnell zum Selbstläufer. Das Negative hingegen muß ich mir immer erst bewußt ins Gedächtnis rufen.
Meine heutigen Gedanken ans Spielen sind entweder beschämende Momentaufnahmen, ausgelöst durch Geräusche oder Assoziationen, wenn ich mich 'unter Leuten' befinde, oder nostalgische Schwärmereien von den 'guten alten Zeiten', allein und für mich. Das ist allerdings nicht weniger gefährlich, denn wenn ich das nicht schnell abgeschüttelt bekomme, fängt irgendwann mein Kopf an, mir vorzulullen, daß es doch eigentlich okay sei, und gar nicht schlimm. Langsam bereite ich mich innerlich drauf vor, Stück für Stück. Es war jedes Mal so unglaublich niederschmetternd, wenn ich einsehen mußte, was für ein schwaches, verkorkstes Etwas ich doch bin. Traurig, aber wahr. Sich da auf meine eigene Willenskraft zu verlassen, ist schlichtweg ein Witz - denn ab einem gewissen Punkt ist diese ganz einfach nicht mehr existent, und dieser Punkt tritt schon ein, lange bevor mir das überhaupt bewußt ist, auch das sollte ich nie wieder vergessen. Ich habe auch noch als 'trockener' Spieler meine damalige WG systematisch nach Geld durchsucht. Damit kann ich es mir leichter machen, ich kann's ja später zurücklegen, merkt doch keiner. Da half dann nur eine kalte Dusche - soviel zu dem Thema.

Ich war zum Beispiel noch nie auf einer Rennbahn. Aber warum um alles in der Welt sollte ich dort hingehen... außer zum Wetten?
Warum sollte ich wieder in die Spielbank gehen... außer zum Spielen?
Und wenn ich das nächste Mal unterwegs auf Toilette muß, kann ich ja mal in eine dieser Sportwettbutzen reingehen, statt ins Restaurant nebenan, aber natürlich nur, weil das Klopapier sicher besser, und die Schlange da bestimmt kürzer ist...
Wie heißt es so passend in der Radiowerbung der Spielbank Hamburg: "Es gibt immer einen Grund!"
Tja, die kennen ihre Pappenheimer.
Geht ins Ohr, bleibt im Kopf.

Meine Kollegin war mal Spielhallenaufsicht. Letztens erzählte sie unserer Telefonistin, die mir gegenübersitzt, wie sich einer ihrer Kunden mal auf seinem Stuhl eingepißt hatte, weil er grad nen Lauf hatte. Der nächste verspielte wie in Trance das Ersparte seines Sohnes, hörte aber trotzdem nie auf, wenn er mal ein paar Hundert auf der Uhr hatte. Sie selbst hatte es nie auch nur versucht, und wenn sie einer fragte, wie das funktioniert, konnte sie es nicht beantworten. Das sei 'echt schlimm'. Sie verstand es nicht, aber sie wolle es auch nicht herausfinden, wie sie sagte.
Die Telefonistin schüttelte ungläubig den Kopf. "Das ist wirklich krank".
"Wollt ihr nen Kaffee?"
Ich verließ den Raum, um uns einen zu holen. Ja, es war mir unangenehm. Ich wollte auch nicht bewußt ein Gespräch belauschen, ohne dran teilzunehmen, und Abschalten ging grad irgendwie nicht.

Zwei total gegensätzliche Menschen... eine von ihnen hat jahrelang versucht, einen drogenabhängigen Exfreund 'auf die richtige Bahn' zu bringen, und sich getrennt, als sie endlich festgestellt hat, daß sie sich ohne sein Zutun nur selbst kaputtmacht, und auch die Auswüchse der Spielsucht hat sie schon miterlebt; die andere ist so spießig, die würde nichtmal bei Rot über die Ampel gehen, macht nichts ohne Anleitung, und telefoniert stundenlang, weil Amazon ihr angeblich 2€ zuviel berechnet hat.
Als ich wiederkam waren sich beide gerade trotzdem irgendwie darüber einig geworden, daß sie gerne mal in ein Casino gehen würden. Das Ambiente halt. Es klang wie die Vorstellung einer Märchenwelt.
Keine fünf Minuten vorher war eine angewidert, die andere sagte, sie würde das nie probieren, weil sie sah, was es mit den Leuten macht.
Aber das Casino - das ist etwas anderes. Pomp und Glamour. Dabei geht es um die Erfahrung, den tollen Abend. Eine andere Welt, ein Abenteuer.

Aber wenigstens beschlossen sie, daß man nicht zuviel Geld mitnehmen sollte.

Diese Art von Verharmlosung ist doch genau eines der Probleme in der Gesellschaft... und es wird öffentlich weiter munter am Spaßimage gefeilt. Was ist schon dabei?
Das zieht dann sogar bei Leuten, die es eigentlich besserwissen müßten. Mich nicht unbedingt immer ausgeschlossen...
Wenn's ums Gründe-Finden geht, bin ich nämlich immer ziemlich kreativ gewesen.

Ich finde das Wort 'Triggern' auch irgendwie nicht ganz passend, es gibt da aber tatsächlich nicht wirklich ein besseres Wort für. Ganz oben auf der Liste der seltsamen Begriffe steht für mich aber nach wie vor das Wort 'Suchtdruck'. Es ist so typisch deutsch irgendwie. Zwei Zusammengesetzte Worte, ganz einfach... nüchtern, klinisch und sachlich. Ich mußte tatsächlich lachen, als ich es das erste Mal gelesen habe... weil es so rational beschreibt, was in Wirklichkeit irrationaler kaum sein kann. Das hatte irgendwie etwas Befreiendes "Dafür gibt es tatsächlich ein Wort? Aber he, mal ehrlich... wer hat sich das denn ausgedacht?"

Wie auch immer man das auch nennen will, eine derart heftige Begegnung hatte ich lange nicht mehr. Es wäre aber naiv, zu glauben, daß ich heute ruhig mal wieder Poker spielen könnte. Ich kenne da jemanden, dem würde das sicher sehr gut in den Kram passen. Wenn er einfach nur abwartet, ohne groß etwas zu sagen, dann gilt es, wachsam zu sein. Denn er weiß ganz genau... er lehnt sich am besten zurück, den Rest erledige ich dann schon selbst. Ein kleiner Anstoß reicht da völlig aus. Ganz subtil. Das wird schon von allein.
Tja... ich habe tatsächlich fest daran geglaubt, das würde irgendwann mal verschwinden. Das mußte es doch... denn was wäre die Alternative? Daß ich nicht mehr ganz sauber bin. Das darf einfach nicht sein. Ich darf einfach nicht so sein.

10 Jahre jünger? Nein... lieber nicht. Da hatte ich noch mehr Angst vor verschlossenen Türen als heute. Besser nicht öffnen... wer weiß schon, was drin ist?

Vor manchen habe ich immernoch eine unsinnige Angst... und das ist so eine.

Montag war vorgestern... und naja... ich habe absichtlich mit dem Schreiben gewartet, damit man nicht sehen kann, daß ich deinen Beitrag schon am Wochenende gelesen habe...
Manche Sachen lassen sich nur schwer ablegen.
- Was sage ich zu Hause?
- Gähn. Ernsthaft? Soll das ein Witz sein? Dir fällt schon was ein.
- Nein. So nicht!
- Auch gut, dann eben nicht.
- Großartig.
- Komm schon... etwa die Wahrheit? Das klingt doch eher nach einer schlechten Ausrede.
- Ausrede wofür?
- Keine Ahnung. Dafür, wo auch immer du dann "wirklich" warst.
- Baaaahhh... ja... das will ich nicht.
- Ajo, na dann...
- Was hast du gesagt?
- Nichts. Wolltest du nicht noch zur Apotheke gehen?
- Ach ja...

Da helfen auch viele Worte nicht viel, ich bin ein Feigling.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 29 November 2019, 18:26:57
Moin kleiner Feigling  8),

nun, kalt duschen und zum ersten mal ins Meeting gehen hat tatsächlich etwas gemeinsam. Es ist mal einen Fuss aus der Bequemzone heraushalten. Was ich dafür bekomme ist vorher immer unbekannt, flasht mich aber immer wieder. Heißt für mich Leben.

Du bist ja in deinem Leben schon einige mal aus Deiner Bequemzone rausgegangen. Die Ehrlichkeit mit der Du hier berichtest ist vermutlich für fast alle hier eine andere Liga. Es inbegriffen auch Zeiten, da ist Erholung angesagt. Ich bin ja auch wirklich ziemlich aufdringlich. Das ist natürlich von mir nicht ganz uneigennützig. Ich freue mich immer, wenn ich besondere Menschen kennenlernen kann. Ich kann aber auch geduldig warten.

LG
Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 30 November 2019, 19:30:02
Guten Abend,

ja, ich habe die Zone schon einige Male verlassen... weil ich mußte - es war dann entweder das, oder Aufgeben. Das klappt also leider immer nur mit dem Rücken zur Wand.
Immerhin besser als früher, da habe ich am Ende doch aufgegeben. Immer. Jedes Mal. Ich kannte einfach keinen anderen Weg.
Diese Schwelle möchte ich nie wieder überschreiten, auch wenn ich immernoch lieber bis kurz vor Zwölf warte. Wer weiß? Vielleicht löst sich ein Problem ja doch noch magisch von selbst...

Anonymität. Eine furchtbare Last loszuwerden mit der Sicherheit, dabei unerkannt zu bleiben. Seit ich das tue merke ich erst, wie schwer sie ist, wie sehr sie mich immernoch runterzieht, wie sie mich immer gehemmt hat. Heutzutage wäre es schon extrem unwahrscheinlich, daß irgendetwas noch 'zufällig' rauskommt. Genau darauf habe immer hingearbeitet - vor dem Tag 0, und auch noch danach. Jetzt bin ich in Sicherheit, ich brauche keine Angst mehr vor Entdeckung zu haben. Und trotzdem ist es noch da. Denn es hat in Wirklichkeit nichts mit der Außenwelt zu tun, es ist ganz einfach ein regelmäßiger Kampf - gegen mein schlechtes Gewissen und mein eigenes Schamgefühl gleichermaßen. Dagegen, daß mit Sicherheit alles anders wäre, wenn 'die' nur wüßten...
Natürlich ist das rational betrachtet Quatsch, zumindest in meinem näheren Umfeld, aber es wäre zumindest erstmal eins: extrem unangenehm.

Ich will manchmal gar nicht soviel Privates sagen, es kommt aber einfach... der aufgestaute Morast der Vergangenheit, in dem ich mich oft genug verfangen habe, und daran zu ersticken drohte. Ich muß hier auch nicht versuchen, das Unerklärliche zu erklären, weil jeder es doch irgendwie kennt. Im Leben da draußen ist das manchmal anstrengend, auch bei ganz alltäglichen Dingen. Es tut gut, wenn ich das gar nicht muß, und wenn auch niemand glaubt, mich jetzt unbedingt verstehen zu müssen.

Du bist nicht aufdringlich. Ich weiß selber, wie recht du hast. Du, und alle anderen auch. Ich würde dasselbe zu anderen sagen. Meist sage ich aber einfach gar nichts, denn ich sollte da erstmal in meinem eigenen Hinterhof aufräumen. Auch wenn das Zulassen der Erinnerung an über all die Zeit Verdrängtes manchmal schon ziemlich wehtut (vielleicht fehlt mir da einfach die Routine, und es würde irgendwann einfacher werden - ich weiß es nicht), bin ich froh, es irgendwo lassen zu können, wo es keinen stört, wo es keinen Schaden anrichtet. Und es gibt da draußen dann tatsächlich Leute, die nehmen sich die Zeit, etwas zu schreiben, obwohl sie mich nichtmal kennen. Das ist ein warmes, angenehmes Gefühl im Bauch, egal, wie die Antwort ausfällt. Selbst, wenn mir jemand sagt, wie sehr ich mich irre... die Tatsache, daß er sich die Mühe gemacht hat, mir das zu sagen, und daß eine Intention dahinter steckt, die nichts mit 'Richtig' oder 'Falsch' zu tun hat, ist genug. Nur so kann sich überhaupt etwas ändern.

Ich will eigentlich gar nicht, daß irgendwer dies alles liest... als der Thread weg war, war ich erstmal furchtbar erleichtert (Puh... bin nochmal davongekommen... was hab ich mir dabei überhaupt gedacht? Laß den Mist in Zukunft!)... und trotzdem ist es schön, nicht allein zu sein.
Wenn das irgendwie Sinn macht...

Aber ja, es arbeitet in mir, jedes Mal, wenn ich mich hinsetze und schreibe... und auch noch danach. Da ganz besonders.
Also nicht, wenn es um juristische oder finanzielle Fragen geht, sondern... naja... hier zum Beispiel.

Ob das gut ist? Keine Ahnung. Es macht es nicht unbedingt einfacher, aber die einfachste Lösung ist bekanntermaßen selten ideal.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 01 Dezember 2019, 20:33:08
Moin moin,

heute war ich mit meiner Frau auf einem kleinen Weihnachtsmarkt. Wir hatten so um die 2 Grad, ich wollte im T-Shirt. Ich setze mich weiterhin möglichst oft der Kälte aus. Meine Frau meinte, da wir dort viele kennen, sei Ihr das peinlich. O. K. Ich habe dann ein Hemd aber ohne Jacke herausgehandelt. Vor Ort sprachen wir mit einer Bekannte, sie erzählte von ihrer Kleidung nach den Zwiebelprinzip, meinte dann plötzlich wo meine Jacke sei. Wieder entdeckte Material, 100 % atmungsaktiv, wasserdicht und automatische Temperaturregulation von - 50 bis 100 Grad Lufttemperatur, nennt sich Haut. Meine Lieblingsatwort, aber auch peinlich. Nun ich habe es gut, ich gelte eh als etwas gaga, da darf man soetwas.

Als ich unser Meeting in Sinstorf gründete, war das natürlich schön, Meeting vor der Haustür. Womit ich nicht gerechnet habe, einige Eltern von Klassenkameraden meiner Kinder sind dort auch aktiv. Im Laufe der Jahre haben dann schon einige Mitbekommen, daß ich in den Meetings Raum verschwinde. Irgendwie unangenehm. Erklären möchte ich mich nicht. Im Laufe der Zeit ist es mir egal.

Dinge die mir gut tun stelle ich nicht infrage nur weil mir etwas peinlich ist. In den Meetings bekomme ich immer wieder Impulse, wo ich meine bequemzone verlassen kann. Es entstehen immer wieder neue "Flausen" in meinem Kopf auf die ich mich freue.

Das tolle an den meetings ist ja, dass alles was dort gesprochen wurde dort bleibt.

Das tolle an Montagen ist ja, das alle 7 Tage einer da ist. Zu Weihnachten kann. Ich mir ja etwas wünschen.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 09 Dezember 2019, 19:48:25
Guten Abend,


hehe. Ja, das kenne ich. Ich habe Narrenfreiheit, denn niemand erwartet irgendetwas Konstruktives von mir. Die Leute gewöhnen sich aber schnell dran, wie ich festgestellt habe. Viele Dinge tue ich einfach, und es ist mir egal, was andere denken. Der starke Drang, sich nicht reinreden lassen oder erklären zu wollen, wirkt manchmal etwas seltsam. Das ist auch irgendwie widersprüchlich, da ich an anderer Stelle doch oft viel Zeit damit verbringe, mich zu fragen, was eigentlich normal ist.
Aber zumindest wundert sich kaum noch jemand über komische Kommentare meinerseits. Das ist einfach so. Meine bessere Hälfte lacht da oft über meine Unbelehrbarkeit, wenn ich mir etwas vorgenommen habe. Und ja, das kann anderen dann auch mal peinlich sein. Oft merke ich das aber auch gar nicht. Zu Hause sind Kompromisse bei mir bis zu einem gewissen Punkt aber drin, denn wir leben ja miteinander, und nicht nebeneinander.

So ein Spruch hätte also auch von mir kommen können. Das wirkt dann oft etwas schroff, ist aber eigentlich nicht so gemeint. Gerade gestern hatte ich das wieder. Meine Antwort auf eine einfache Frage war definitiv falsch. Leider merke ich das dann immer erst, wenn die Reaktion kommt. Sie fiel sehr heftig aus. Ein "Hey... wo soll ich denn schon sein, bei 77 Quadratmetern?" als Erklärung hilft dann auch nicht mehr wirklich.
Dann ist erstmal Schweigen und dicke Luft, das ausdiskutieren bringt nichts. Zum Glück ist das auch immer sehr schnell vorbei, trotzdem fühle ich mich dann schlecht.
Weil ich eben einfach nicht sagen kann, warum ich überhaupt so reagiere manchmal. Ich will nicht darüber reden, das macht es nur schlimmer. Wir beide wissen das, und darum geht so eine Situation schnell wortlos vorbei. Wie mein Chef sagen würde: "Es ist, wie es ist."
Das passiert eben, wenn ich ausspreche, was ich denke... eigentlich versuche ich immer, das zu vermeiden. Klappt nur nicht immer.

Leute, die mich nicht kennen, gucken meist einfach nur irritiert, die anderen ignorieren es... und zu Hause hat inzwischen jemand gelernt, einfach auf dieselbe Art zu antworten. Das ist irgendwie am angenehmsten. Es nimmt diesen "Au-weia"-Moment, wenn ich mich selber frage, warum ich etwas laut ausgesprochen habe.

Es hat aber auch alles sein Gutes, denn mein Blick auf die Dinge ist definitiv oft anscheinend etwas... ungewöhnlich. Das beinhaltet auch, oder gerade, den Blick auf mich selbst. Dummerweise muß ich mich ab und an hinterfragen, wo andere das nicht brauchen. Für mich ist das aber fast schon überlebenswichtig, auf lange Sicht zumindest. Das hat eine Menge negativer Nebenwirkungen, aber auch ein paar positive.

Ich habe gestern woanders einen Beitrag gelesen. Eine Frau erzählte, wie ihr Freund sie und die Familie seit Jahren hintergeht, obwohl sie ihm immer 'helfen'. Vor ein paar Monaten fing er etwas mit einer Bekannten an, um an dessen Geld zu kommen.
Sie sagte, für sie ist das Prostitution, aber sie könne ihn doch nicht verlassen, wenn er es (wie er entschuldigend sagte, nachdem es aufgeflogen war), getan hat, weil er süchtig ist, denn in dem Fall wäre es dann ja nicht wirklich seine Entscheidung gewesen, und es wäre noch Liebe da.
Ob es wirklich sein könne, daß einen das soweit 'treibt', obwohl man seine Freundin eigentlich liebt.

Naja, egal, ich fand es irgendwie schlimm, daß jemand überhaupt sowas schreibt. Manchmal frage ich mich, wieviel ein Mensch einstecken kann, bevor irgendwas in ihm zerbricht.
Und wie man auf sowas antwortet, ohne daß es verletzt. Genau. Am besten gar nicht.

Mein Nachbar, meine Oma... was hätten sie davon, irgendwo auszuplaudern, daß wir uns begegnet sind? Die Angst, die viele da wegen der Diskretion haben, teile ich nicht. Ich bin mir sogar sehr sicher, daß sowas kein Problem ist. Für mich wäre es dabei, mit wenigen Ausnahmen, also nicht relevant, wer mich sieht, sondern daß es überhaupt jemand tut. Und... ganz ehrlich. Es hätte etwas Endgültiges. Aus und Vorbei.
Ich rede mir gerne ein, das sei Selbstschutz, aber mal ehrlich... ich hätte doch die Wahl, ob, und vor allem wem, ich etwas sage. Ich liege halt manchmal wirklich wach, und frage mich, was in mich gefahren ist, hier zu schreiben... und das ist ja leider nur die Spitze des Eisbergs. Da verstehe ich mich manchmal selbst nicht.
Aussprechen könnte ich das nicht. Ich krieg es ja nichtmal hin, meiner besseren Hälfte zu erklären, warum ich es nicht mag, wenn man mir Dinge abnehmen will, die mir doch offensichtlich schwerfallen.

Weihnachten ist irgendwie eine gesellschaftliche Norm. Ich mochte es noch nie. Es war eigentlich immer schon eine sehr unangenehme Zeit für mich, je nachdem, auf die ein oder andere Weise. Heute finde ich es einfach nur unsinnig. Die Leute, die ich mag, mag ich auch die anderen elf Monate im Jahr. Und wenn ich mir wirklich etwas wünschen dürfte, wäre es eh etwas, was man mit keinem Geld der Welt kaufen kann.

Ich warte jedenfalls bis heute vergeblich auf meine Besinnung. Das macht aber nichts, wie ich inzwischen weiß. Wünschen kann man immer, nur muß man dabei auch dafür sorgen, daß man sich selbst in einem Bereich bewegt, in dem eine Umsetzung überhaupt machbar ist. Sonst ist es einfach nur ein Luftschloß.
Es sind ja noch 15 Tage. Ein wenig Zeit habe ich noch.

Ich wünsche jedenfalls einen angenehmen Wochenstart soweit.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 09 Dezember 2019, 20:24:14
Guten Abend zusammen,

früher war Weihnachten schön und besinnlich und ich habe mich darauf gefreut. Alle kamen zusammen, einige Verwandte wurden besucht und beschenkt,man trank Kaffee zusammen und aß Plätzchen und danach ging man in die Kirche, um dann gemeinsam das Essen zu genießen. Weihnachten hatte was magisches,nicht nur als Kind,später auch als Erwachsene.

Doch jetzt, jetzt sind viele tot,alte,sowie junge Menschen, die Strukturen haben sich verändert, einige sind alt und vergesslich geworden und manche erfreuen sich an nichts mehr. Das Fest hat den inneren Frieden verloren. Ich bemühe mich,versuche alles schön zu machen,bin aber froh,wenn die ersten Tulpen und Osterglocken in der Vase auf dem Tisch stehen.



Wenn man jemandem etwas abnehmen oder ihm bei etwas helfen möchte, wo man weiß, dass es ihm schwer fällt oder er ist nicht gerne macht, dann nennt man das Liebe. Also diesem Menschen nicht böse sein,er liebt nur.

Zum Glück freuen sich viele auf das Fest,auf die Adventszeit und denen und auch allen anderen ,wünsche ich eine schöne,magische Zeit.

LG Wolke


Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Tom am 10 Dezember 2019, 13:16:33
Hallo,
ich bin super Neu hier. Gerade angemeldet und will heute Abend das erste mal eine SHG besuchen. Mich würde eben interessieren was mich da erwartet?!
Ich denke im Laufe der Zeit lernen wir uns hier kennen 🙂
Grüße Tom
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Born4Nothing am 10 Dezember 2019, 13:19:12
Willkommen,

am Besten ist es mit keinerlei Erwartungen da vorstellig zu werden. Einfach Dabeisein und der Rest ergibt soch von selbst
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 10 Dezember 2019, 13:26:17
Hi Tom!

Ich kehre die Frage mal um: Was erwartest Du von der SHG?

Weisst Du, es gibt diverse Formen von Gruppen. All die Kodizes hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.
Daher eben meine Frage an Dich ...

Hast Du irgendwelche "Befürchtungen", die Dich abhalten wollen hin zu gehen?

Vielleicht können wir die ausräumen?
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Tom am 10 Dezember 2019, 13:39:59
Hi ihr beiden,
ja also ich weiß auch nicht so recht. Ich weiß nur ich muss was verändern in meinem Leben. Hab mit den zocken vor vielen Jahren angefangen. Wann genau weiß ich nicht. Schätze so vor 10-12 Jahren. Spielautomaten und mit der Zeit dann Sportwetten. Mal mehr mal weniger oder garnicht. Vor ungefähr ein anderer halb Jahren war es dann wieder extrem und bin dann zur Suchtberatung gegangen. Regelmäßig 3 Montage und war Spielfrei bis Anfang Oktober und da ist es ausgeartet und musste ein Kredit aufnehmen von 1000€ und das ist eigentlich der Grund warum es so nicht weiter gehen kann und ich all die zockerei und wetterei hinter mir lassen will. Und vor allem im heutigen Zeitalter ist das Sau schwer weil das Geld digital wird. Eigentlich hält mich davon nichts ab nur die Zeit. Ich persönlich sag mir ich. Wenn ich will kann ich auch ohne aber andererseits hab ich schon Bock aber das Geld gibt es halt nicht her und daraus ergibt sich das ich was machen muss.
Sorry für das Durcheinander.
Viele Grüße.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Born4Nothing am 10 Dezember 2019, 13:51:23
Gut, das sind Ziele aber die Eigentliche Frage wurde damit nicht beantwortet^^
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Tom am 10 Dezember 2019, 14:23:02
Oh am Thema vorbei. War so nicht gewollt.
Ich bin mir nicht ganz sicher ob es Sinn macht in die SHG zu gehen. Hab schon viel gelesen das sich da die Taschen voll gehauen werden etc. Da kann ich auch sicher hier mit euch kommunizieren.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Born4Nothing am 10 Dezember 2019, 14:33:59
Woher willst du wissen das es Sinn macht wenn du noch nicht einmal an der SHG teilgenommen hast?  Schwing deinen Bobbes dort hin und schau was passiert und erst dann darfst du dir ein Urteil bilden ;)

Auf Hörensagen würde ich echt nichts geben denn diese Erfahrung muss jeder für sich selber machen und online steht viel Müll.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 10 Dezember 2019, 14:36:53
Mein Tom,

ich gehe seit 30 Jahren regelmäßig in die Shg. Du wirst keinen Ort auf der Welt finden wo Menschen offener über sich selbst reden. Die regelmäßige Teilnahme führt langfristig in die Spielfreiheit.
Es kommt auf die Gruppe an, aber in der Regel musst Du als neuer nichts sagen, zuhören genügt. Wenn Du magst kannst Du natürlich gerne.
Geh mal auf die Fans StartseiTermin.  Da ist ein Film von der Shg verlinkt.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Tom am 10 Dezember 2019, 14:52:32
Vielen Dank euch erstmal für die Worte. Ich werde heute Abend dort hin gehen und lass es euch dann wissen wie es für mich war.
Und in der Tat muss sich natürlich jeder selber ein Bild machen um sich ein Urteil zu erlauben.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 10 Dezember 2019, 16:37:21
Hallo Tom,

weder in mriner Gruppe,  noch im Verein unserer Spielsucht Gemeinschaft haut sich jemand die Taschen voll.
Bei uns ist das do: wer mit umgekrempelten Hosentaschen erscheint,  wird irgendwann einmsl Happy, sein, wenn er Geld in die Hutsammlung geben kann.Es gibt in der Selbsthilfe unzählige Aufgaben, Dienste, die ginanziert werden wollen.

In dem Punkt kannst Du getrost sein

Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 11 Dezember 2019, 17:14:15
Hallo Wolke,

Wenn ich da auf jemanden böse bin, dann auf mich, denn manchmal sind meine persönlichen Hürden schon ziemlich trivial, und das ärgert mich. Ich hasse irrationale Blockaden, aber leider habe ich da so einige von. Dann bin ich stinkig mit mir selbst, und noch stinkiger, wenn einer merkt, daß ich mich mit irgendwas schwertue. Oftmals ist da nichtmal klar, was genau es eigentlich ist, und ich kann es auch nicht erklären. Ich fühle mich aber trotzdem bevormundet, und ja, ich kann dann leider etwas unerwartet reagieren. Trotzig und dickköpfig, was wiederum auf Unverständnis stößt. Aber wie soll ich das je lernen, wenn immer einer einspringt? Doch hauptsächlich ist es mir wahrscheinlich einfach nur unangenehm, besonders, wenn es einer mitbekommt. Ich gebe eben wohl nicht gerne zu, daß ich tatsächlich nichts lieber hätte, als daß mir das jetzt jemand abnimmt. Nur leider geht das eben nicht immer, und soll es vor allem auch nicht. Irgendwann muß ich da durch. Wie lange es dauert, liegt dann eben an mir.

Ich bemühe mich nicht um Weihnachtsstimmung. Eine Zeitlang habe ich einfach nur einen Tannenbaumanhänger in Form eines Weihnachtmannes an meine Küchenlampe gehängt. Das muß an Stimmung reichen, wenn einer fragt! Nicht, daß damals überhaupt mal wer vorbeigekommen wäre, aber naja...
Inzwischen tue ich nichtmal mehr das. Wir sind da beide nicht so scharf drauf, aber die obligatorischen Familienbesuche müssen leider sein. Nicht meinetwegen. Der Klassiker jedes Jahr ist "Wann besuchen wir deine Mutter und deine Schwester? Was ist mit dem Rest? Wir brauchen noch Geschenke."
"Äh... was?"
"Hast du überhaupt mal angerufen?"
"Wir besuchen doch deine Familie, damit ist eh alles ausgebucht."
"Wir können auch mal einen Tag zu deiner Familie, da muß meine Mutter dann eben durch."
"Nein. Ist schon in Ordnung."

Aber ja, du hast recht. Es gibt genug Menschen, die sich ernsthaft freuen, und es genießen, solche kenne ich auch. Also hat es auch etwas Schönes. Zum Glück sind wir alle verschieden. Kann ja nicht jeder so ein Griesgram sein wie ich, das wäre doof.




Ich glaube, ich muß mal an die frische Luft.
Manchmal frage ich mich, ob ich in meiner, zugegebenermaßen nicht so ganz normgerechten, Wahrnehmung mal wieder einfach total falschliege, oder ob zum Beispiel das vorhin wirklich unangebracht war. Offenbar war es das tatsächlich mal, denn es gab grad eine Entschuldigung per Nachricht.
Irgendwie erleichtert mich das gerade. Ich war ziemlich aufgewühlt deswegen, und nun weiß ich, daß es dazu auch einen Grund gab, ich das das also nicht wieder fehlinterpretiert habe.
Kommt da eine Entschuldigung, will das schon was heißen.
Das macht die Sache an sich jetzt nicht besser, aber das Wirrwarr in meinem Kopf ist zumindest gestoppt. Denn es war wohl offensichtlich in Ordnung, deswegen gekränkt zu sein. Ich bin grad tatsächlich ein bißchen dankbar dafür, innerlich nicht wieder völlig unnötig reagiert zu haben. Das hat zumindest das Gleichgewicht in meinem Kopf wieder hergestellt, bevor sich das auf unbestimmte Zeit zwischen meinen Ohren hochschaukelt.

Mache ich grad Sinn? Egal. Ich versteh's auch nicht so recht. Ich war grad dabei, Wolke zu antworten, als meine bessere Hälfte kurz nach Hause kam. Anschließend war meine Stimmung dann... eher weniger weihnachtlich.

Ajo... genug gejammert. Bringt eh nichts.

Einen schönen Abend euch.

Und Tom, ich wünsche dir, daß du den Mut aufbringst. Du schaffst das. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 11 Dezember 2019, 18:23:34
Gestern war Selbsthilfegruppe, Gestern war Dienstag, und - Heiligabend und Sylvester sind auch Dienstag. Also habe ich das Thema in die Gruppe gebracht.

Das Fazit ist, Dienstag ist Dienstag, ob ich dazu Lust oder Frust habe, und Dienstag ist Meeting!
Was so profan daher zu kommen scheint,
entwickelte sich zunehmend immer lebendiger, immer Emotionaler,
und es hat mich aus meiner ausgebrannten Vorstellungsweise wieder belebt.

Es braucht für mich ja Fantasie, um Veränderungen herbei zu führen, es braucht natürlich auch Mut.
Unsere Vermieterin, die Marktkirchengemeinde hat ja einen Meister als obersten Hirten,
darauf kann Mann bauen, und Frau natürlich auch.

Also wird die Christnacht mit einem Gottesdienst schließen, aber vorher wird es eine kleine feine - anonyme - und doch
hoffe ich erbauende Feier geben, in einem Kellerraum , irgendwo in der Altstadt,
bei dann schweigenden Glühweinbuden,
aber mit viel Herzblut,

und immer einem Lied auf den Lippen.

Ich freue mich jetzt - darauf
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 11 Dezember 2019, 19:30:25
Hallo Tal,

du musst auch mal was netter zu dir selbst sein. Man kann nicht immer alles, manchmal können andere Menschen etwas besser und das ist auch nicht schlimm. Und wenn andere Menschen sehen, dass man etwas nicht gut kann oder nicht gerne macht,muss man nicht ärgerlich werden,es darf aber gerne ein Ansporn sein,aber man darf auch mal froh und glücklich sein,wenn jemand anders die Arbeit/Aufgabe macht.

Ich kenne dich nicht,aber so wie du schreibst,ist da doch ein ganz lieber netter Kerl, unter einer rauhen ,etwas verrückten Schale,der durch seine etwas andere Art davon ablenken möchte und manchmal etwas erschrocken ist,wie er das macht. Denn es liegt dir viel an deiner Liebsten,sonst würde dir das nicht auffallen (wenn auch manchmal zu spät oder in dem Moment selbst) und es würde nicht so in dir arbeiten.

Wirrwarr haben wir alle öfters mal im Kopf,Außenstehende verstehen nicht immer wie wir ticken,warum wir jetzt da und da dran denken oder wir uns grad unwohl fühlen und das wir seit der Sucht  durch physischen oder psychischen Stress etwas anders reagieren. An etwas anderen lustigen Beispielen können sie sich aber da etwas reindenken und schmunzeln müssen wir dann alle dabei.

Das ist kein jammern von dir,denn jeder hat mal was auf dem Herzen oder etwas,was ihm quersitzt und das muss halt mal raus.

@ Andreas: SHG an Weihnachten und Silvester ist einerseits gut,denn sonst wär 3 Wochen nix,aber ich bin froh,dass in der Weihnachtswoche bei mir keine Gruppe ist. Das wird meine Woche des Rückblicks,was ich schon geschafft habe,wo es noch ein paar Probleme gibt und wie es mit mir und der Gruppe weitergeht. Und es wird zumindest auch mal einen Tag der richtigen Ruhe geben. Die anderen Tage wird gearbeitet,aber ein Tag wird nur für mich dabei sein. Absolute Ruhe,mache nur was für mich und das was mir gefällt.

Jetzt wird gegessen und Kerzen angezündet.
Weihnachtliche und romantische Stimmung lassen grüßen.

Euch allen einen schönen Abend.

LG Wolke
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 14 Dezember 2019, 21:42:00
Moin moin,

Sucht ist keine Krankheit, die ich mit verstehen der Ursachen besiegen kann. Spätestens nach einem halben Jahr regelmäßiger Teilnahme in einer SHG weiß jeder mehr über die Spielsucht als jeder nicht Süchtige. Trocken macht dieses wissen jedoch nicht, Die Sucht geht tiefer als der Teil den ich bewusst erfassen kann. Im Forum kann ich Informationen über die ersten Schritte erhalten. In der Therapie können erste Dinge an die Oberfläche geholt werden. In der SHG kann dann mit dem erlernten Methoden langsam der Eisberg abgetragen werden.
Es ist ja gerade nicht nur eine Sache, es ist mein ganzes Leben was ich mir anschauen musste. Wie gehe ich mit meinen Unzulänglichkeiten um, wie kann ich meinen Frieden mit meiner Herkunftsfamilie wieder bekommen. Ein oft grosses Thema. Ich könnte endlos Themen auflisten. Wichtig ist das ich einen klaren Blick bekomme. Was bei der heute weit verbreiteten Unklarheit nicht immer leicht ist.
Trockene Spieler haben in der Regel kein Interesse an cb oder an ein abdriften in die Illegalität. Trotzdem mangelt es nicht an nicht Spielern die für die Spieler gegen Ihren Willen nur das beste wollen, schon irre.
Diese Unklarheit läßt sich beliebig weiter führen. Je mehr Übung ich darin habe, mich im kleinen und grossen.
Durch die regelmäßige Teilnahme in der SHG bekomme und behalte ich die Klarheit und kann sie auch überall vertreten.
Ich geh ja seit einiger Zeit in einen Bibelkreis. Hchs dachte immer, ich sei wohl so ziemlich der unchristlichste. Ein Mitglied hatte vor 3 Monaten wegen psyischer Probleme aufgehört.
Jetzt hat Sie uns mitgeteilt, daß es Ihr wieder besser geht und Sie gerne wieder kommen würde. IIch habe mich gefreut und dachte alles klar. Am Tag der Mitteilung war gerade unser Treffen, noch ohne Sie. Ich kam, da fing die erste schon an, sie hätte ja aufgehört, nun hätten wir überhaupt keinen Platz mehr, weil neue angefangen hätten. Die nächste meinte, dass Sie sie eh immer zu anstrengend empfunden hätte. Dir dritte sagte, daß wir ja keine Selbsthilfegruppe sein (was sie nie auch nur im geringsten gefordert hat).
Der Gruppenleiter meinte dann, mann müsse ihr dann einen guten Grund nennen, damit sie sich nicht abgelehnt fühle.
Nachdem ich mir das alles fassungslos anhörte, erinnerte ich daran, daß alle Teilnehmer unserer Gruppe ja sehr aktiv bei den Gottesdiensten sind. Wenn es drum geht Promis zu interviewn sind sie vorne dabei, wenn es jedoch darum geht unauffällig christlich zu handeln, dann ist sense. Im übrigen stehe ich nicht für eine Wohl klingenden Geschichte zur Verfügung. Wenn Sie mich fragt sage ich selbstverständlich den wahren Grund.

Ich finde das Beispiel schön, weil es für aussenstehende offensichtlich ist, daß ich aus christlicher Sicht das richtige gemacht habe, und doch musste ich den Mut aufbringen Unruhe in unsere schöne Gruppe zu bringen. Entschieden wird erst im nächsten Jahr, die anderen wollten das erstmal sacken lassen. Für mich ist klar, sollte sie nicht wieder kommen dürfen werde ich auch gehen, was ich sehr schade finden würde.
Das richtige zu tun muss nicht immer das beste für mich sein, hat aber Einfluss auf mein Unterbewusstsein. Gerade das falsche Handeln in solchen Situationen führt immer wieder Richtung Spielen. Über soetwas spreche ich z. B. In der SHG.
Seit kurzem gehe ich ja Eisbaden. Naja, Eis haben wir ja noch nicht soviel. Was für mich immer wieder der flash ist, ist die direkte Verbindung zu meinem tiefsten inneren. Die unterschiedliche Tageswahrnehmung. Heute konnte ich z. B kaum 2 Minuten aushalten.
Danach geht es mir einfach unbeschreiblich. Das sind alles ganz kleine Dinge, haben aber direkt Einfluss auf mein Inneres und damit direkt auf mein spielfreies Leben.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 16 Dezember 2019, 17:50:55
Hallo ihr,

Eine Erklärung wäre sicher praktisch, und käme sehr gelegen, aber leider ist es nicht so leicht, denn ich kenne die Ursache nicht. Bei mir gibt es dafür überhaupt keinen 'Grund'. Sicher war nicht immer alles rosig, aber das kann glaube ich jeder auf der Welt über sich sagen... und trotzdem trinken die wenigsten, nehmen keine Drogen, oder betäuben sich auf andere Arten, die für diesen Effekt weniger bekannt sind. Was auch immer es also ist, es hat nichts mit äußeren Umständen zu tun. Das Problem liegt irgendwo in mir selbst, ich war schon immer mein größter Feind, stand mir von Klein auf selbst im Weg. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Die eigenen Unzulänglichkeiten wiegen also deutlich schwerer. Ich sehe meine Familie so gut wie nie. Einen wirklichen Grund dafür gibt es aber nicht. Das war schon immer so, und liegt auch zum größten Teil an mir. Ich bin kein soziales Wesen.
Ich habe aber gestern erst meine Schwester, dann meine Mutter, angerufen. Mut zur Veränderung. Beide waren hörbar überrascht, wenn man das bei der vorherrschenden Reserviertheit mir gegenüber überhaupt so nennen kann. Da wir alle nicht wirklich 'eng' sind, kann ich tatsächlich sagen, ich habe diesmal das Weihnachtsfest organisiert. Ich kümmere mich normal nie um irgendwas. Auch wenn es nur aufgrund ständiger Nachfragen zu Hause passiert ist - ich hab's getan. Ich wollte eigentlich nur, daß das "Hast du schon angerufen?" aufhört. Sonst habe ich es immer einfach ignoriert. "Mach ich morgen.", bis es zu spät war. Ich wollte es im Grunde auch nie, auch jetzt bin ich mir da nicht sicher. Es war etwas komisch, das zu tun.

Als lieb und nett hat mich noch nie jemand bezeichnet, eher als umgänglich, aber sonderbar. Anfangs sind Leute immer etwas irritiert von meiner stillen Art und meinem oft seltsamen und extrem introvertierten Verhalten, gewöhnen sich aber schnell daran, weil es einfach so ist. Zumindest im Job kann man sich auf mich verlassen, auch ohne viele Worte. Ich nicke nur, und tu's. Manchmal kommt dann eben "Warum hast du nicht gesagt, daß es fertig ist."
Wozu? Ich hab doch gesagt, ich mach's. Das kann man zur Not doch auch nachgucken...
Ich plane voraus, um unangenehme Situationen zu vermeiden, auch für andere. Wenn ich sehe, daß etwas so nicht funntionieren wird, kümmere ich mich eher selber drum, als andere darauf hinzuweisen. Die Leute merken das nichtmal... weil dann eben alle glattläuft. In unserer Abteilung kann sowas sehr unangenehm werden. Es fällt sofort auf, wenn's nicht rundläuft.

Ich wirke eigentlich immer sehr planlos. Doch irgendwie habe ich mein eigenes System. Bei sowas funktioniert mein Kopf. Systematische, kalkulierte 'Gefahrenabwehr' im Hintergrund. Was ich nicht kann, lerne ich dann eben, die Infos besorge ich mir schon. Einmal gesehen, weiß ich, wie etwas geht. Habe ich ein Beispiel, brauche ich nichtmal eine Erklärung. Tja, das sitzt nach wie vor. Ich verbringe keine Stunden mit der Klärung von "Darf ich das?", oder "Wer ist zuständig?" - ich mache es einfach, ohne daß es überhaupt jemand merkt.
Ich mag halt nicht auffallen, dafür stecke ich auch ungerechtfertigte Kritik kommentarlos ein. Besser der Depp vom Dienst, als eine Diskussion mit jemandem, der eh nur seine eigene Stimme hört.

Für mich einstehen konnte ich noch nie (auch für andere nicht). Ich habe keine Ambitionen, will einfach nur irgendwie durchs Leben kommen ohne anzuecken. Was ich heute habe, ist mehr, als ich verdiene. Dafür bin ich dankbar. Alles andere ist halt eben so. Natürlich stören mich Ungerechtigkeiten und intrigantes Verhalten, besonders anderen gegenüber, die es nichtmal merken, und für normal halten. Da denke ich dann "Sie ist deine Teamleiterin, das macht dich aber nicht zu ihrem Knappen." Ich sage aber nichts. Wer bin ich schon, über andere zu urteilen, oder sie zu kritisieren?

Nett zu mir selbst zu sein ist nicht so leicht, ich habe da keine wirklich hohe Meinung von mir, aber zumindest verabscheue ich mich nicht mehr. Darüber bin ich sehr froh. Ich freue mich sogar manchmal darüber, daß es mir, und damit automatisch auch anderen, gutgeht, denn das ist nicht selbstverständlich. Ich bin also zufrieden, einen Weg gefunden zu haben, der mit dem Rest der Welt so gut wie eben möglich zusammenpaßt. Darin, soweit es mir möglich ist, und nicht komplett nebenher. Ich tue, was ich kann, auch wenn es manchmal etwas unbeholfen wirkt.

Ja, mir liegt sehr viel an meiner besseren Hälfte, und es ist sehr frustrierend, das nicht angemessen ausdrücken zu können. Ich würde gerne, aber ich weiß nicht, wie, stattdessen fühle ich mich dann irgendwie hilflos, das tut manchmal weh. Ist schwer zu beschreiben. Ich bin schon sehr verschlossen, und reagiere bei einer sich anbahnenden Auseinandersetzung entweder gar nicht, oder trocken-sarkastisch. Das hat auch Einfluß auf mein Umfeld, denn so bekommt ja niemand mit, wenn eine Grenze überschritten wird. Wenn mich etwas verletzt, so wie eben letztens, fresse ich es dann in mich hinein, sobald ich alleine bin, obwohl ich eben noch lachend einen blöden Spruch gebracht habe. Und dann geht das verhaßte Grübeln los.

Naja, das ist kompliziert. Bin wohl wirklich etwas schwierig. Wenn man immer nur raten muß, kann man eben nicht jedes Mal richtig liegen, nur leider komulieren sich die Fehleinschätzungen mit der Zeit, die Interpretationen sind manchmal schon etwas absonderlich. Das Bild, was andere haben, könnte oftmals falscher nicht sein.
Und einiges davon kommt schließlich nicht von ungefähr. Ich bin ein unfähiger Trottel, der zu allem Überfluß noch einen gehässigen Kobold auf der Schulter sitzen hat, der mich mit seinen subtilen selbstzerstörerischen Tendenzen vergnügt in den Wahnsinn getrieben hat, und dem ich immernoch manchmal sagen muß, er soll sich gefälligst zum Teufel scheren. Inzwischen nimmt er das wenigstens zur Kenntnis... zumindest bis zum nächsten Mal.
Naja, wen wundert's? Auf mich hat noch nie irgendjemand gehört. Ist ja im Prinzip auch eine ganz gesunde Einstellung, wenn ich so drüber nachdenke.

Als trocken würde ich mich daher nicht bezeichnen. Abstinent ja, aber wirklich trocken... eher nicht, denn viel hat sich seitdem nicht verändert.
Auch im Umgang mit Geld habe ich manchmal leider noch ein Problem.
Natürlich ist es ein gutes Gefühl, Geld auf der hohen Kante zu haben. Es beruhigt... sehr sogar.
Es ist ganz normal, das, was man übrig hat, zur Seite zu legen, denn man weiß ja nie. Jeder tut das.
Was hingegen nicht normal ist, ist, zu glauben, so tun zu müssen, als ob, um sein Gewissen zu beruhigen und seine Spuren zu verwischen.
Denn wie es finanziell um mich gestellt ist, geht niemanden etwas an. Mehr noch: Es interessiert auch gar keinen. Und für mich selbst ist es wichtig, daß Geld eben nicht wichtig ist... wenn das so Sinn macht. Nicht daran zu denken nimmt den Druck. Zu sehen, daß ich mit dem auskomme, was ich habe, löst die innere Spannung. Und etwas übrig zu haben, beruhigt.
Damit bin ich an einem Punkt, den ich für mich lange für nicht erreichbar hielt.

"Ich konnte immer gut mit Geld umgehen", das liest man oft. Ja, stimmt, ich auch, das sagt man mir heute noch nach. Ob das wirklich so stimmt, wage ich aber inzwischen zu bezweifeln. Denn daß meine finanzielle Kaufkraft dabei jahrelang konstant unter dem monetären Gegenwert einer Portionspackung Hefe lag, wußte ja zum Glück keiner. Offiziell war das kein Problem, mir nahm das auch jeder ab. Geldprobleme? Was ist das? Sorgen? Haben andere. Der Inbegriff des Laissez-Faire. Das zu schaukeln hat mich viel Energie und schlaflose Nächte gekostet, aber der Schein ist wichtig, damit niemand genauer hinsieht. Lebensmittel? Das geht schon irgendwie so. Ich habe unter anderem im Supermarkt gearbeitet und regelmäßig den Bruch und Verderb abgeschrieben und entsorgt. Ich war immer ein Musterbeispiel. Fleißig, effizient, genügsam und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Daß ich heimlich im Innenhof den Müll gegessen habe, wenn ich vor Hunger nicht mehr konnte, hat ja nie jemand gesehen.
Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, mache ich es heute noch genauso. Ich 'verstecke' weit mehr als nur eine Dummheit aus der Vergangenheit.

"In eine Spielhalle oder Wettbude würde ich nie gehen, da halte ich das Geld ja in den Händen."... das ist auch so eine Sache.
So oder so... bei mir waren es Onlinecasinos, die mir immer am Arsch vorbeigingen.
"Was ist denn das für ne Kacke, wo ist da die Atmosphäre an einem bekloppten Bildschirm? Da muß ich ja auch noch ständig aufpassen, daß niemand zu Hause ist, nach Hause kommt oder nachts wach wird. Und die Algorithmen sind doch geschrieben, um mich zu bescheißen - kann ja keiner kontrollieren. Danke nein, ist mir zu blöd!"
So dachte ich zumindest ziemlich lange, bis ich von der Möglichkeit des Chargebacks erfuhr.
"Ahh... natürlich! Warum habe ich eigentlich nie online gespielt? Ich Idiot! Mhhhhh...."
Ich konnte nichts dagegen machen... das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit... ein Gefühl, von dem ich schon lange dachte, es wäre Geschichte... meine Gedanken überschlugen sich... und das ausgerechnet bei dem Gedanken an von mir immer als 'degeneriert' angesehene Onlinecasinos. Ruhmreich war das Kopfkino da nicht, aber es hielt eine Weile an. Das war wie ein immer wiederkehrender Fiebertraum, aus dem ich zum Glück irgendwann verstört und beschämt aufgewacht bin, geschockt von mir selbst. Ich bin mir sehr sicher, daß ich zu einer anderen Zeit und unter anderen äußeren Umständen nicht dazu in der Lage gewesen wäre, den Finger zu heben und das schöne Luftschloß platzen zu lassen. Soviel zu meinem Warten auf den Tag X. Träum weiter, TAL... nicht in diesem Leben!

Es ist nicht wichtig, was meine präferierte Form der Suchtausübung ist, denn wenn es darum geht, mir das Spielen harmlos- oder schönzureden, tut es auch eine Tipico-Butze, der allmonatliche Bingoabend im Seniorenwohnheim nebenan... oder eben ein Onlinecasino, um meine mühsam aufgebaute persönliche Hemmschwelle im Nullkommanix auszuhebeln. Den Bezug zum Geld habe ich auch verloren, obwohl ich es in den Händen hielt. Es spielt keine Rolle, wo oder wie, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Je sicherer ich mich fühle, desto länger dauert es, bis ich dem Floh im Ohr Einhalt gebiete... und bei einer sowieso schon extrem niedrigen Schwelle, ab der es für mich kein Zurück mehr gibt, schmälert Unachtsamkeit meine Chancen, dabei keine Federn zu lassen, nochmal erheblich.

All das weiß ich, all das ist sonnenklar, ich habe schließlich lange genug gebraucht, es zu lernen. Jetzt, hier und heute habe ich auch keinen Zweifel daran. Ich weiß aber auch, daß ich das morgen auch ganz schnell einfach mal vergessen kann - und diese Erkenntnis ist nochmal um einiges wichtiger. Die Klarheit zu bekommen war ein zermürbender Prozeß, gegen den ich mich lange mit aller Macht gewehrt habe, sie dann konstant im Bewußtsein zu halten ist... nochmal ein ganz anderes Kaliber. Ist ja eigentlich nicht nötig, ich weiß es ja... also kein Problem. Ist es dann aber doch mal nötig, muß ich das auch rechtzeitig merken.

Innere Ausgeglichenheit spielt da eine große Rolle, und ich mag keine Unruhe. Manche Dinge muß ich daher eben hinnehmen, so denke ich jedenfalls.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: amTiefpunkt am 17 Dezember 2019, 07:31:01
Hi TAL,

wenn ich deinen letzten Beitrag lese, kommst du mir vor, wie meine Seelenschwester, ich erkenne mich an deinen Verhaltensweisen durchaus wieder, wir scheinen der gleiche Typ Mensch zu sein.
Du kannst dein Wesen, deine Art, dich selbst, nicht einfach so ändern, es bist doch immer noch du, ganz gleich wie sehr du auch versuchst dich zu verstellen.
Ich bin auch ein harmoniesüchtiger Mensch, will nicht anecken, stecke oft Kritik ein, versuche den Fehler bei mir zu suchen und den anderen eher zu verstehen, als anders herum, egal ob gerechtfertigt oder nicht. Ich bin Spieler wie du, habe nie einen Grund, DIE URSACHE, für meine Sucht gefunden. Letztlich sage ich mir, na und? Wichtig ist, dass ich heute spielfrei bleibe und morgen wieder. Ich habe meine Familie wieder zurück, mein Leben, und das zählt. Ob ich abstinent bin, spielfrei oder trocken, ist mir auch gänzlich Wurst, weil jeder diese Begriffe anders definiert, letztlich zählt doch nur, dass wir nicht mehr die Sucht ausüben und Geld zum Fenster raus werfen.
Du hast dich durch und durch analysiert und dennoch verstehst du dich nicht. Würdest du gerne jemand anders sein? Wir alle können nicht gleich funktionieren, jeder ist anders, speziell. Glaub mir, es gibt Menschen, die deine Eigenschaften, die du hier negativierst, schätzen.
TAL, ganz gleich wiieviel Zeit du investierst, dich zu analysieren, denke auch immer dran, zu Leben. Nicht immer kopfgesteuert, manchmal auch aus dem Bauch heraus!

Leben geht allerdings nur, ohne zu spielen. Niemand ist perfekt, wirklich niemand....

Frohe Weihnachten!

aT
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 18 Dezember 2019, 23:22:47
Hallo aT,

Ich bin immer wieder überrascht, wenn jemand meinen nicht vorhandenen Faden folgen kann, und das sogar weit besser als ich selbst.... ich tu mich schon schwer, überhauot den Anfang zu finden. Verstanden zu werden ist für mich nämlich eine eher seltene Angelegenheit. Und es fühlt sich gut an. Es beruhigt immer, wenn ich sehe, daß es andere gibt, denen es genauso geht. Damit fühlt man sich weniger fremd... auch wenn das jetzt bescheuert klingt.
Nur traurig irgendwie, daß wir so viele sind.

Ob ich gerne jemand anders sein würde? Ja, ganz ehrlich... manchmal schon. Aber niemand Spezielles... also nicht "wer?", sondern eher "was?". Das war aber auch schon vor meiner Spielerzeit so. Default... eben nicht auffallen. Vor mir selbst hätte mich das allerdings auch nicht geschützt - rein statistisch gesehen wäre sogar eher das Gegenteil der Fall. So ganz wohl in dieser Haut habe ich mich also irgendwie noch nie gefühlt, wenn ich so drüber nachdenke.
Seit ich nicht mehr spiele, habe ich immer darauf gewartet, daß es irgendwann weggeht, wollte normal sein, wie all die anderen, denen leichte Dinge leichtfallen, die nicht groß nachdenken, denen es einfach egal ist. Eben die, die automatisch das Richtige tun, bzw. das, worüber sich keiner groß wundert. Ich kann das aber nicht, mein Normal ist anders. Bis zu einem gewissen Grad ist das okay für mich, es hat auch sogar manchmal seine Vorteile. Manchmal wurmt es mich aber leider dann doch.

Du hast natürlich recht... in erster Linie geht es immer darum, keine unsagbare Dummheit zu begehen. Keinen Unsicherheitsfaktor darzustellen, und zeigen zu können, daß ich das so selbstverständlich in mich investierte Vertrauen auch verdiene. Man kann sich die Sache dabei aber auch schwerer machen, als sie manchmal ohnehin schon ist.
Ich kann mich nicht ändern, mich im Kreis zu drehen ist aber auch nicht hilfreich.
Habe ich Suchtdruck (was zum Glück lange nicht mehr vorgekommen ist), oder irgendwelche nostalgischen Hirngespinste (das hingegen passiert leider schonmal, ich bin im Luftschlösser-Bauen dummerweise recht einfallsrech), trifft mich das jedes Mal wieder unvorbereitet wie ein Schlag ins Gesicht. Überraschung!
Über den Dingen zu stehen ist daher auch nicht ganz uneigennützig. Es ist das 'dicke Fell', was mich vor meinem eigenen Gedankenwust schützt. Da wird schon was dran sein. Der andere hat recht. Fertig. Weiter im Text.
Davon abgesehen tauge ich wohl kaum als moralischer Kompaß.

Die Suche nach dem Grund ist tatsächlich nicht so wichtig. Ein "Ich bin eben krank" ist aber zu wenig... zu einfach und zu komfortabel. Die Verantwortung lag immer bei mir, das tut sie auch heute noch. Ich kann etwas ändern, mich richtig entscheiden, alle anderen können das nicht.
Ich kann niemandem vorwerfen, nicht zu wissen, wie man mit einem Suchtkranken umgeht, schon gar nicht, wenn mein Gegenüber nicht einmal weiß, womit er es zu tun hat. Wenn ich spiele, sehe ich das Problem auch nicht. Ist doch alles gut. Es spielt mir aber sehr gut in die Karten, wenn mein Umfeld den Fehler bei sich selbst sucht. Was will ich mehr?

Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, mich selbst zu lieben. Ich weiß aber, wie es ist, mich selbst nicht mehr zu hassen. Das ist viel Arbeit und beginnt damit, mir zuzugestehen, was mir guttut, und Abstand zu nehmen von Dingen, bei denen das Gegenteil der Fall ist. Ja. Absolut richtig. Nur klappt das leider nicht immer, manchmal stehe ich mir dabei leider selbst im Weg.
Ich bin absolut pflegeleicht, das höre ich öfter, davon, mich selbst zu mögen, bin ich aber recht weit entfernt. Ich denke, das macht es am Ende dann doch nicht so einfach. Von zuviel Nähe und Zweisamkeit fühle ich mich noch immer manchmal erdrückt, man kann heute aber mit mir zusammenleben, da ich bereit bin, meinen Teil zum Gelingen beizutragen. Das gelingt mir mal mehr, mal weniger, aber ich arbeite dran, weil ich es so möchte. Das war nicht immer so.
Niemand hat mich je als eine Last angesehen, das weiß ich heute, für mich selbst fühlte es sich aber so an. Ich tue alles, damit das nicht mehr so ist. Es macht das Zusammenleben viel einfacher, wenn ich nicht das Gefühl habe, immer im Weg zu sein. Für dieses Gefühl der Unzulänglichkeit kann außer mir keiner was. Ich habe das selbst über einen langen Zeitraum aufgebaut und gepflegt, dieser Teil gehört(e) zu meiner Sucht dazu. Niemand hätte das beeinflussen können, keiner braucht sich da zu fragen, was er falschgemacht hat. Es war der Nährboden für meine Suchtausübung, und gleichzeitig die perfekte Ausrede, rein gar nichts zu ändern. Mein Selbstmitleid, bestärkt durch die Hilfsbereitschaft anderer, suggerierte mir, ich könne ja gar nichts dafür. Das paßte mir innerlich gut in den Kram. Ich war überzeugt, die Welt hätte sich gegen mich verschworen, doch nach außen hin wollte ich einfach nur sorglos wirken, was mir auch gelang. Irgendwie ein signifikanter Widerspruch. Einer von vielen.
Diejenigen, die mich schätzen, tun das jedenfalls unter falschen Voraussetzungen... das zählt also nicht.

Bin ich krank? Ja, wahrscheinlich schon, obwohl ich den Gedanken nicht sonderlich mag.
Aber nichts und niemand anders kann etwas dafür.
Ich bin selbst Schuld an meiner Situation, und ich wäre es auch in Zukunft, was auch immer passiert.

Bauchentscheidungen waren bei mir noch nie eine gute Idee. Ich muß grad lachen... lieber nicht!
Oh ja... ich lebe... und ich mag meine kleine Welt doch irgendwie ganz gerne. Würde ich aus dem Bauch heraus handeln, würde es alles darin nur unöltig komplizierter machen.

Ich weiß, was du meinst, ich würde anderen dasselbe sagen, oder zumindest so ähnlich. Nur selber schaffe ich es nicht immer, mich dran zu halten... oder für mich selbst daran zu glauben.
Deshalb schreibe ich auch selten etwas, und meide dabei gewisse Themen bewußt komplett... ich sollte erstmal bei mir selbst aufräumen.

Hab heute Geschenke für meine Nichten gekauft, so richtig im Laden. Damit habe ich wenigstens die armen Paketboten etwas entlastet. Um diese Jahreszeit ist das sicher kein Spaß.

Euch übrigens auch Frohe Weihnachten.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 28 Dezember 2019, 18:13:25
Hallo zusammen,

heute war ich arbeiten und musste mich schon um 6 Uhr auf den Weg machen. So früh morgens ist nicht viel los auf den Straßen, man merkt, dass noch Ferien sind und dass die Leute noch in den Betten liegen,um sich für den Kampf, um und für die Raketen und Böller stark zu machen. Viele reden vom Frieden und vom Umweltschutz,aber kaum jemand möchte auf das Feuerwerk verzichten. Dafür kämpfen sie in den Geschäften für die besten Stücke und Preise. Es herrscht ein kleiner Krieg an den Grabbeltischen des Feuerwerks.
Gestern war ich etwas Obst einkaufen und  da fragten viele Menschen die Verkäufer/innen, warum es denn kein Feuerwerk zu kaufen gäbe. Sie antworteten jedem ganz ruhig,dass der Verkauf erst morgen startet. Viele waren wütend darüber und stapften wild gestikulierend nach draußen. Da habe ich mir gedacht, gut dass ich heute einkaufen war und muss mir morgen diesen Kleinkrieg nicht antun.

Diesen Kleinkrieg der Gefühle habe ich oft in mir. Habe ich Ärger auf der Arbeit,sprühen die Funken in mir. Diese Funken wollen nach draußen und mir die Begeisterung des Spiels wieder schmackhaft machen. Geht es mir gut, wird auch schon mal eine Rakete abgeschossen,vor lauter Freude . Wie Salutschüsse,die signalisieren,ey, belohn dich.
 
Ohne SHG diese Woche, muss ich die Raketen ignorieren und arbeite weiter an meinem Auslöser der Spielsucht.

Morgen geh ich wieder arbeiten und genieße die Ruhe und Leere der Straßen. Am 31. bricht dann die Hölle los,wenn alles funkelt und knallt. Und am 1.1, auf dem Weg zur Arbeit ,habe ich die Welt einen kurzen Moment für mich alleine.
Die Welt ist dann ganz still ,man hört nichts,alles scheint still zu stehen.
Ich bleibe dann auch einen kurzen Moment stehen,fühle meine Traurigkeit,1000 Gedanken und Gefühle,alles gleichzeitig,aber ich versuche sie zu fühlen und ich weiß,dass ich noch lebe.

Ich wünsche euch allen schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr und mit jeder Rakete ein neues Gefühl,welches wieder zu euch findet und davon gibt es sehr sehr viele......ich habe mal gegoogelt,es gibt viel mehr als gedacht.

LG Wolke
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Born4Nothing am 28 Dezember 2019, 18:31:36
Wen interessiert denn dieser Kleinkrieg? Habe diesem Treiben schon sehr lange den Rücken gekehrt. Kaufe nichts mehr für Sylvester und das schon seit 10 Jahren.

Die anderen sollen sich stressen, wütend sein oder weiß der Geier. Interessiert mich in keiner Weise und da es mich auch nicht interessiert, tangiert es mich nicht.

Das selbe Rate ich dir. Einfach diesen Ballast abwerfen und die fühlst dich besser.

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 28 Dezember 2019, 19:08:03
Hallo Born,

ich kaufe auch keine Böller und Raketen,habe sie nur symbolisch für meine Gefühle genommen und beschrieben.

LG Wolke
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 28 Dezember 2019, 20:00:31
Alleine aus Staatsverdrossenheit kaufe ich kein Feuerwerk.
Wolke, ich glsube, das Feuerwerk in Dir, die Energie gür Deinen Genesungsweg,
das ist, was Dich erleuchtet?

schöne 24 Dtundrn
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Born4Nothing am 28 Dezember 2019, 20:20:55
Hallo Born,

ich kaufe auch keine Böller und Raketen,habe sie nur symbolisch für meine Gefühle genommen und beschrieben.

LG Wolke

Mir schon klar und genau deswegen hab ich das auch auf deine Gefühle bezogen ;)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 31 Dezember 2019, 17:49:45
Ich kenne diese Funken, den innerlichen Kleinkrieg. Manchmal gibt es nichts Anstrengenderes, als sich selbst zuzuhören. Es kann verwirren und verunsichern, und Frieden ist nicht in Sicht.

Ich habe mich heute freiwillig zum Hundesitten gemeldet, der Rest ist im Schwimmbad. Hier gibt es hin und wieder unterschwelliges Gestresse, gerade zwischen meinen beiden Schwägerinnen, das kann echt anstrengend sein. Ich genieße jetzt einfach die Ruhe, kann endlich mal wieder die Gedanken ordnen. Einfach nochmal durchatmen und die Füße hochlegen vor heute Abend, ab und an brauche ich das bei soviel Trubel. Ohne Rückzugsmöglichkeit stoße ich schonmal an meine Grenzen, zum Glück haben wir aber ein eigenes Apartment.

Ich habe morgen acht Stunden Autofahrt vor mir, trotzdem freue ich mich irgendwie, wenn endlich wieder alles beim Alten ist. Am 01. Januar steht die Welt immer still, es ist ein komisches Gefühl. Dies war jetzt das zweite Jahr, in dem ich nicht mehr an allen Feiertagen arbeiten mußte, früher war das immer eine willkommene Ausrede, nicht an Familienfeiern teilzunehmen (oder in den Urlaub fahren zu müssen / können), nun habe ich das nicht mehr. Den Tag auf der Autobahn zu verbringen ist aber okay, da erlebt man das Gefühl des lähmenden Stillstands nicht so mit. Monoton geradeaus ist schön entspannt, nur beim Wechseln der Autobahn merke ich, wie der Blutdruck kurz ansteigt. Ich bin ein sehr unsicherer Fahrer mit dem Orientierungssinn eines toten Nilpferds.

Silvester ist in der Tat ein komisches Fest... ich verstehe auch nicht, wie man konstant soviel essen kann. Das geht schon die ganze Zeit seit wir hier sind so. Ich bin froh, wenn das nachher vorbei ist. Aber es sind noch über sechs Stunden. Irgendwie besteht der ganze Silvestertag immer nur aus Warten und gespielter Partylaune. Warum tut man sich das an?
Ich gehe einfach rein, wenn ich keine Lust mehr auf Geknalle habe. Darüber wundert sich niemand mehr, wie über so vieles andere auch. Ich habe quasi einen Freifahrtschein für seltsames Verhalten, das hat auch seine Vorteile. Keiner fragt, man läßt mich einfach machen.

Ach ja, Böller habe ich auch nicht, aber um den Sekt werde ich nicht herumkommen. Die Leute um mich rum genießen es, Kinder lachen. Ich kann das nicht nachvollziehen, aber ich bin dankbar dafür, daß es auch für mich einen Weg gibt, daß ich soweit daran teilhaben darf, wie ich eben möchte, und keiner mir das krummnimmt.

Also... einen guten Rutsch euch allen.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 14 Januar 2020, 21:43:40
107 süchtige Menschen waren heute in diesem Forum online......wow,dass steigt die letzten Wochen stetig. Wenn die alle in die SHG wollen.......Gruppen sind in manchen Ecken Deutschlands,selbst mitten in NRW schwer zu finden. Ich werde bald meinen Platz  für jemanden frei machen,dem es schlechter geht......für den ersten Schritt in die SHG.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 14 Januar 2020, 22:48:57
Es sollte immer ein Stuhl frei srin, es ksnn dein, daß gerade Heute jemsnd dad Meeting sehr dringend brsucht.

Ich bin meinet SHG such deshslb Heute do dankbar,  weil ich eibe Liebe gedpürt habe.

Schöne 24 Stunden
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 14 Januar 2020, 23:13:12
Wenn die SHGs zu voll werden, dann wird es immer einen geben, der eine neue SHG gründet.
Dabei wird die Person durch viele Andere unterstützt. Sei es unser fags-Referent Hartmut, oder Ehemalige wie unseren Claus.
Auch die Caritas ist da alles Andere als untätig.

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 15 Januar 2020, 18:35:13
........Wenn die SHGs zu voll werden, dann wird es immer einen geben, der eine neue SHG gründet.......

Wird wohl bei den steigenden Zahlen der Spielsüchtigen nötig sein. Obwohl sich bestimmt leider nur ein sehr kleiner Teil,der sich hier anmeldet und Hilfe sucht,auch eine SHG sucht.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 15 Januar 2020, 18:52:21
Ich war heute im Chat und habe von meinen Erfahrungen bzgl einer SHG in meiner Umgebung geschrieben ... 1x bin ich extra einfach 40 km ca gefahren und stand vor verschlossener Tür, ein anderes mal wurde die SHG abgesagt . Unsere örtliche Caritas vertröstet immer mit den Worten "Aktuell ist kein Bedarf dafür...!" Ich kann mir das kaum vorstellen ...

So und jetzt habe ich nach ca 2h recherchieren doch tatsächlich nochmal eine SHG ausfindig gemacht . Diese befindet sich so tief im bayrischen Wald, dass diese wohl mehr als anonym ist 😄

Werde kommende Woche dort wohl mal aufkreuzen. Per Email habe ich vorhin schon einmal vorab den Kontakt gesucht .

Ich hoffe ich werde nicht wieder enttäuscht ...

Gruß Alex
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 15 Januar 2020, 19:14:08
Hallo Alex,

warst Du schgn mal in Bamberg - GA Anonyme Spieler

Montag von 19:00 - 21:00 Uhr

Caritas-Beratungshaus  Geyerswörth
Geyerswörthstraße 2
96047 Bamberg

Mit allerbester Empfehlung
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 15 Januar 2020, 19:15:57
Guten Abend Andreas,

Bamberg ist zwar eine wunderschöne Stadt, aber einfach 200 km zu fahren ist mir dann doch etwas zu viel. :-)

Gruß Alex
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 15 Januar 2020, 19:29:46
Ich habe erst auch keine SHG in der Nähe gefunden,aber dann  zum Glück die Caritas und die helfen bei allem ,was einem auf dem Herzen liegt,bei Formalitäten,Therapie und man kann sich immer per mail ,telefonisch und persönlich da melden,wenn es einem schlecht geht. Ein großes Lob an die Mitarbeiter/innen der Caritas. Dankeschön

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 15 Januar 2020, 19:32:27
OK, ich habe eben leider bei der örtlichen Caritas keine guten Erfahrungen bisher machen können. Ein Freund von mir leider auch nicht . War allerdings bzgl einer anderen Suchterkrankung dort.

Aber man darf und soll nicht alle über einen Kamm scheren . . .

Gruß Alex
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Wolke am 15 Januar 2020, 19:35:57
Ja,kommt auf die einzelnen engagierten Mitarbeiter an.

Ich drücke dir für nächste Woche die Daumen und hoffe,dass es diesmal bei der SHG klappt.
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 15 Januar 2020, 19:38:30
Danke dir, ich werde davon berichten 😊
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 15 Januar 2020, 20:58:17
Moin moin,

eine von einem fest angestellten Mitarbeiter der Caritas oder ähnliches geleitete Gruppe ist wohl eher als Gruppentherapie zu bezeichnen. Eine SHG zeichnet ja gerade aus, das selbst Betroffene die Organisation und den Ablauf verantworten. Da es sich hierbei um Menschen handelt die alles ehrenamtlich machen menschelt es da natürlich auch hin hin und wieder. Gerade wenn Gruppen noch nicht stabil sind kann es zu Ausfällen kommen. Eine vorherige Kontaktaufnahme ist daher zu empfehlen.

Ich habe es tatsächlich einmal erlebt, das eine Gruppe über 30 Teilnehmer sich teilen wollte. Nun das Gebäude hatte noch freie Räume, nur wer soll in die anderen Räume? Per Order sollte es nicht passieren, also sollten welche freiwillig in den anderen Raum gehen. Es zeigte sich genau daran niemand Interesse hatte. Die Gruppe war ja genau darum so überlaufen, weil sie war wie Sie war. In allen Gruppen die ich kenne ist immer ein Stuhl für einen neuen. Tatsächlich ist die Anzahl der Gruppen seit Jahren leicht rückläufig. Bei Ga ist gerade wieder etwas mehr in der Gemeinschaft los. Die gemeinsamen Gruppenübergreifenden Treffen werden mehr und sind gut besucht. Auch hier ist es eben immer wichtig das es Menschen gibt die "machen".
Für mich ist klar, wo auch immer ich mich aufhalte besuche ich eine SHG. Wenn es keine gibt Gründe ich eine. Es ist sehr einfach und erfordert etwas Zuverlässigkeit. Für eine dauerhaft funktionierende Gruppe ist es eben erforderlich das mindestens drei Mitglieder regelmäßig teil nehmen, sonst funktioniert es nicht. Die Zuverlässigkeit ist oft nicht gegeben, genau die bestehen aber auch darauf, das wenn immer Sie mal kommen andere Ihnen die Tür auf halten.
Lange Rede, wenn ich will das eine Gruppe regelmäßig statt findet muss ich regelmäßig hingehen. Dann wird mir auch kein Caritas Mitarbeiter erzählen es besteht im Moment kein Bedarf.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 16 Januar 2020, 13:13:24
Habe soeben eine Antwort der SHG per Email bekommen. Kommenden Mittwoch um 19 Uhr kann ich vorbeikommen . Ich bin gespannt, aber auch schon etwas nervös :-)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 16 Januar 2020, 13:18:24
Hi ALex!

Cool ... brauchst aber nicht nervös sein ... da wird auch nur mit Wasser gekocht ...
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 16 Januar 2020, 13:28:37
OK, dann nimm ich etwas Wasser mit 😜
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 16 Januar 2020, 13:38:41
👏👏
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 16 Januar 2020, 14:02:01
Altmühl, Naab und Regen,
kommen dir entgegen  8)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 22 Januar 2020, 10:35:47
Heute Abend ist es dann soweit, ich gehe das erste mal in eine SHG. Bin schon gespannt und freue mich auch richtig darauf 😊
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Born4Nothing am 22 Januar 2020, 10:47:56
Kein Grund nervös zu sein. Die haben alle das gleiche Problem wie du!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 22 Januar 2020, 22:04:32
Bei der ganzen Diskussion die momentan herrscht bzgl. der Legalisierung des Glücksspiels, wollte ich mitteilen, dass ich gerade von meinem 1. Besuch in der SHG zurückkomme .

Anfangs fühlte ich mich etwas deplatziert , aber im Laufe der Runde fühlte ich mich immer wohler. Ich war heute allerdings auch eher passiv bei der Sache. Habe mich vorgestellt und mein Suchtverhalten erläutert .

Im Anschluss war es sehr interessant , die verschiedensten Geschichten der einzelnen Spieler zu hören . Es ist eine reine Spielergruppe , wobei ich der einzige bin der überwiegend auf Sportwetten gespielt hat .

Ich bin gespannt wie die nächsten male verlaufen und werde DEFINITIV die Gruppe weiter besuchen .

Ich wünsche allen einen schönen Abend !!

Gruß Alex
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Born4Nothing am 22 Januar 2020, 22:11:33
Zitat
Ich bin gespannt wie die nächsten male verlaufen und werde DEFINITIV die Gruppe weiter besuchen .

Freut mich für dich und die Gruppe gibt einem Halt!
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 22 Januar 2020, 22:14:44
Ja ich glaube auch, dass mir das zusätzlich hilft. Manchmal habe ich zwar das Gefühl , dass die Zeit die ich bei meinem Therapeuten und jetzt die SHG sehr viel Zeit vereinamt, allerdings ist dies in meiner aktuellen Situation wohl das beste was ich machen kann .
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: andreasg am 22 Januar 2020, 23:33:38
Hallo Alex,

wie viel Zeit - haben wir verspielt?

Es freut mich, daß Du den Weg in die SHG gefunden hast, Komm fünf mal wieder, und entscheide dann, ob Fu sie writer besuchen magst.

Eine Gute Nacht
Andreas
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Lexlander am 22 Januar 2020, 23:37:40
Hallo Andreas ,

da hast du natürlich mehr als recht.

Ja ich werde die SHG wieder besuchen . Auch die anderen Teilnehmer waren mir mehr als sympathisch . Quasi jede Schiene vertreten .

Gruß Alex
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 22 Januar 2020, 23:59:33
Moin Alex,

klasse das Du den Schritt gegangen bist. Es freut mich das Du Dich willkommen fühltest.
Das tollste an der ganzen Diskussion im Moment. Wenn Du Deinen Weg weiter gehst kann es Dir furchtbar egal sein was da raus kommt. Es geht egal wie eh immer weiter.

Taro
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: Olli am 23 Januar 2020, 06:02:51
Guten Morgen Alex!

Schön, dass Du nun den Weg in die SHG gefunden hast.
Noch schöner, dass Du hier davon berichtest.

Ja, das anfängliche Gefühl der Deplatziertheit habe ich auch immer, wenn ich etwas Neues ausprobiere.
Das war damals in der SHG anfänglich auch nicht anders.
Und dann finde ich mich langsam hinein - die Anderen unterstützen dabei - machen es mir leichter.
Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo das Kopfkino, welches vorab so viel Raum einnahm, einfach verschwunden ist.
Es stellt sich ein Wohlgefühl ein und ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren.

Zeit, ja natürlich braucht es Zeit, solch eine SHG - bei Dir auch noch der Therapeut zusätzlich.
Zeit ist aber ja auch relativ, was uns Einstein hinterlassen hat.
Bin ich träge, dann vergeht die Zeit überhaupt nicht. Gehe ich aber mit Eifer und Enthusiasmus an die Sache ran, dann vergeht die Zeit wie im Fluge.
Wie viel Zeit wir mit dem selbstzerstörerischen Glückspiel verbracht haben - da darf es mindestestens genau so viel Zeit in Anspruch nehmen, mir etwas Gutes zu tun.
Es gibt so viel Neues zu entdecken. Vielleicht erst bei den Anderen in der Gruppe und dann assoziiere ich das mit meiner Person und wundere mich, dass dieses Neue doch längst Bestandtteil von mir selbst ist - vielleicht immer war.

Vielleicht ändert sich dieses Wohlgefühl in der SHG irgendwann einmal. Doch so lange es anhält hilft es Dir Deine Abstinenzentscheidungen zu finden und auszubauen.

Ich danke Dir fürs Teilen!

Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: TAL am 23 Januar 2020, 07:47:08
Guten Morgen Alex,

auch von mir ein Danke für deine Rückmeldung.
Schön, daß du dich aufgemacht hast, und du dich gut aufgehoben gefühlt hast.

Danke für das positive Feedback, das lese ich gerne. :)
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 28 Januar 2020, 13:31:46
Es wird ein Telefonmeeting angeboten. Für alle die sich noch unsicher sind können hier ein niederschweliges Angebot nutzen. Würde mich freuen den einen oder anderen zu hören.:

"
Hallo,
2020 findet jetzt neu jeweils am letzten Donnerstag eines
Monats um 19 Uhr ein geschlossenes GA-Telefonmeeting
nach unseren 12 & 12 Prinzipien statt.
Das Meeting ist zunächst auf max. 60 Minuten angelegt.
Die Termine sind:
30. Januar ; 27. Februar ; 26. März ; 30. April ; 28. Mai ; 25.
Juni ; 30. Juli ; 27. August ; 24. September ; 29. Oktober ; 26.
November ; 31. Dezember
Wer teilnehmen möchte, schreibt einfach eine Mail an:
telefonworkshop@anonyme-spieler.org und erhält als
Antwort die erforderlichen Telefon-Zugangsdaten sowie den
Meetingsablauf. Die Teilnahme ist selbstredend stets
anonym, freiwillig und unverbindlich. Es werden auch
keinerlei Daten gespeichert.
Hinweis: Auch wenn die Mail-Adresse jetzt was anderes
vermuten lässt, es ist KEIN Telefon-Workshop!
Bitte verteilt diesen Aushang gern auch an die GA´s in Eurem
Telefonspeicher oder Meeting. Danke."
Titel: Re: Erster Schritt in die SHG
Beitrag von: taro am 03 Februar 2020, 10:14:53
Das Telefonmeeting ist eingestellt worden.

Taro