Glücksspielsucht => Tagebuch => Thema gestartet von: LucyLiu am 28 März 2018, 10:29:10

Titel: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 28 März 2018, 10:29:10
Hallo zusammen,

ich bin ganz neu hier und ich bin online-spielsüchtig.
UND ich möchte damit aufhören, unbedingt! Aktuell bin ich seit 10 Tagen spielfrei.

Kurz zu mir:
Ich bin weiblich, irgendwo in den 30ern, glücklich verheiratet mit 2 Kindern. Arbeitsmäßig bin ich in leitender Position tätig. Ich spiele jetzt seit knapp 6 Jahren, war zwischendurch schon ein Jahr komplett spielfrei (und doch so dämlich, wieder anzufangen  >:()

Ich reflektiere mich schon länger und wenn ich zurückdenke, war ich schon als Kind in gewissem Sinne spielsüchtig  :o Huch, geht das eigentlich? Ich bin schon immer total auf Tombolas und Gewinnspiele abgefahren. Früher im Urlaub gab es diese Automaten in die man Münzen geworfen hat und wenn man Glück hatte, schob das Teil viele andere Münzen wieder raus (vielleicht kennt die Dinger ja jemand).

Allerdings hat es sich bis vor ein paar Jahren eben auf sowas beschränkt und 10€ bei der Tombola des örtlichen Dorfvereins auf den Kopp zu hauen war nicht dramatisch. Ich hatte auch nie das Verlangen, in eine Spielhölle zu gehen und dort am Automaten zu sitzen. Bis heute war ich auch in Deutschland noch nie in einer Spielhalle.

Vielleicht fragt ihr euch, wie meine Misere dann angefangen hat. Das lag an einem Urlaub in Las Vegas. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mich das viele Bling-Bling der Automaten mal in ihren Bann zieht, aber da vor Ort war das wie im Rausch (und ich habe damals in 3 Tagen nur etwa 80-100$ verspielt).

Ich war schon eine ganze Weile wieder zuhause, hatte absolut null Ahnung von Online Casinos, bis irgendwo mal eine Werbung aufgeploppt ist. Was ist schon schlimm dabei? Ich habe mich angemeldet, in irgendeiner Microgaming Bude. 50€ eingezahlt und 2000€ gewonnen und typischerweise nur 800€ ausgezahlt). Das war dann der Anfang vom Ende. Bis heute habe ich Verluste von etwa 30.000-40.000 € gemacht  :o 

Ich bin noch nicht total ruiniert, aber nah dran. Vor allem nimmt mir das Spielen meine Lebensfreude, es nimmt mir wertvolle Zeit vom Leben und es gibt mir nix zurück - außer einem schlechten Gewissen. Ich versuche herauszufinden, was genau mich daran reizt. Es war mir schon immer klar, dass ich da nicht mit einem Plus rausgehe, ich habe auch nie auf den "großen Gewinn" gewartet. Ist es eine Flucht vor Verantwortung? Fehlt mir ansonsten im Leben der Adrenalinkick? Ist mir langweilig???

Ich bin jetzt seit 10 Tagen spielfrei und fühle mich gut. Ich habe gerade Urlaub, bin tagsüber allein und viel draußen und am Sport machen. Es tut ganz gut, viel nachdenken zu können. Gern würde ich parallel in eine Selbsthilfegruppe gehen, leider ist die einzig erreichbare Gruppe gerade geschlossen. Also werde ich euch jetzt einfach öfter vollquatschen, wenn das ok ist  ;D
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Olli am 28 März 2018, 10:55:32
Hi Lucy!

Herzlich willkommen!

Zitat
war ich schon als Kind in gewissem Sinne spielsüchtig  Schockiert Huch, geht das eigentlich?

Wenn ich Auskunft darüber abgebe, wie lange ich gespielt habe, dann beziehe ich mich immer auf das klassische Automatenspiel.
Tatsächlich glaube ich aber, dass die Wurzel bis in die frühe Kindheit zurück reichen.

So hatte ich zur Kommunion eines der ersten Telespiele geschenkt bekommen.
Da musste man dann sich bewegenden Lichtpunkten über einen Drehknopf mit einem "Schläger" fangen und zurückwerfen (Tennis z.B).
Daran habe ich viele Stunden verbracht.
Als dann überall Telespiele aufgestellt wurden, habe ich mich daran vergnügt.
Da war ich immer der Beste bei Space Invadors & Co.
Auch Dein beschriebenes Spiel habe ich als Jugentlicher bei uns auf dem Kirmesplatz ausprobiert.
Dort wurden wir als Kinder auch mit Losen versorgt - zwar im kleinen Rahmen - aber immerhin ...

Ich muss fragen, weil ich es als extrem wichtig ansehe:
Weiss Dein Mann von Deiner Sucht und den Schulden?
Wäre er bereit, Dir den Zugang zu Deinem Suchtmittel zu beschneiden ... eine Schutzsoftware für Dich einzurichten etc.?

Zitat
Also werde ich euch jetzt einfach öfter vollquatschen, wenn das ok ist

Aber gerne ...  ;D
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 28 März 2018, 12:11:21
Hallo Olli,

Danke für deine liebe Begrüßung  :)
Ich bin also nicht die einzige, die das Problem schon in der Kindheit vermutet. Dabei hatte ich im Rückblick eine schöne Kindheit, ich muss also nicht fehlende Elternliebe kompensieren.

Zu deiner Frage: Mein Mann weiß von meinem Problem. Er weiß auch von meinen Schulden. Wobei ich selber nicht abschätzen kann, wieviel davon rein auf der Spielsucht basiert. Der Verlust von dem ich schrieb, entspricht Gott sei Dank nicht den „Spielschulden“. Unsere Rechner sind alle sicher,   nur auf mein IPhone haben wir noch nix dauerhaft Wirksames bekommen. Hat alles nicht so richtig funktioniert  :( Hast du da Tipps?

Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Olli am 28 März 2018, 12:48:11
Hi Lucy!

k9webprotection hat eine eigene Distribution, so weit ich weiss ...

Nun ja, wenn Du nicht weisst, wieviel Deiner Schulden auf das Spielen abfallen, kannst Du Dich ja mal hinsetzen und eine Aufstellung machen.

Wärest Du denn bereit für eine befristete Zeit ein Geldmanagement zu machen mit deinem Mann?

Da Du ja "nur" online gespielt hast, frage ich mal an, welchen Zahlungsdienstleister Du genutzt hast.
Nehmen wir an, es wäre PP - brauchst Du das Konto sonst noch für irgend etwas?
Wäre es ratsam aus Deinem Girokonto ein reines Guthabenkonto zu machen?
Vielleicht sogar ein Und-Konto mit Deinem Mann zusammen?

Damit Du Dir nicht an der Tanke Paysave-Karten mit Bargeld beschaffen kannst - macht es da Sinn ein Haushaltsbuch, auf welches Dein Mann immer Zugriff hat, lückenlos zu führen?

Wärest Du bereit Deinen Mann hier mitlesen zu lassen?


Nachtrag:
In Deiner Überschrift sprichst Du von kämpfen ...
Wir kämpfen nicht, wir kaitulieren!  ;D
Lese hier im Forum bitte den 1. Schritt aus "12 Schritte, aber wie?".
Nehme Dir dort heraus, was Du gebrauchen kannst - den Rest kannst Du erst mal liegen lassen.
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Ultima_Ratio am 28 März 2018, 13:58:42
Hallo Lucy,

willkommen und natürlich darfst du uns gerne vollquatschen … ich hoffe du kommst mit dem zurückquatschen unsererseits auch klar  ;D 

Deine Überschrift "Ich kämpfe jetzt auch" finde ich sehr hart formuliert und möchte kurz darauf eingehen.

Wir kämpfen in unserem Leben um den jeweiligen Rollen (Job, Familie, Anerkennung der Eltern usw.) gerecht zu werden und bemerken dabei oft nicht (rechtzeitig) dass wir selbst auf der Strecke bleiben. Das funktionieren hinter den jeweiligen Masken raubt ganz unbemerkt so einiges an Lebensenergie und wird bei vielen durch Flucht ins Außen kompensiert.

Durch deine Selbstanalyse hast du bereits einen Großteil selbst erkannt …

... Ich bin noch nicht total ruiniert, aber nah dran. Vor allem nimmt mir das Spielen meine Lebensfreude, es nimmt mir wertvolle Zeit vom Leben und es gibt mir nix zurück - außer einem schlechten Gewissen. Ich versuche herauszufinden, was genau mich daran reizt. Es war mir schon immer klar, dass ich da nicht mit einem Plus rausgehe, ich habe auch nie auf den "großen Gewinn" gewartet. Ist es eine Flucht vor Verantwortung? Fehlt mir ansonsten im Leben der Adrenalinkick? Ist mir langweilig???

Wenn wir uns all dessen bewusst sind und uns trotzdem dem Spielen hingeben dann kommen wir doch an einen Punkt der völlig irrational ist und sich durch unsere Intelligenz nicht so einfach erklären lässt. 

Wo ist deine Lebensfreude hin wenn du deine wertvolle Zeit mit dir Selbst dazu benutzt hast dir ein schlechtes Gewissen zu machen und noch Geld aus dem Fenster zu werfen ?

Du schreibst das in einem Zusammenhang der darauf deutet dass du früher bereits Lebensfreude gelebt und erlebt hast.

Das wäre ein dickes Plus in diesem Zusammenhang da du etwas in dir wiederfinden musst was dir bereits bekannt ist.

Meine früheren Kämpfe zur Lösung des irrationalen Vorgehens bestanden oft in der jahrelangen Abstinenz des einen und führten mich unbemerkt, da falsch interpretiert, auf der Suche nach irgendeinem Kick z.B. in ein außereheliches Verhältnis oder sonstiger Flucht im Außen.

Mittlerweile habe ich verstanden dass die Suche da draußen mich immer nur weiter von den mir unbekannten Gefühlen im inneren (Glück, Zufriedenheit, eigener liebevoller Umgang ….) wegführte und nicht durch Kampf lösen lässt.

Versuche die Momente mit Lösungsansätzen im Außen als solche zu entdecken und steuere liebevoll dagegen. Der Weg braucht Zeit und keinen zusätzlichen, selbstgemachten Druck eines Kampfes.

Es sind deine Gedanken die du zulassen darfst ohne dich ihnen zu ergeben und die auf der Reise ins Innere langsam immer weniger Raum einnehmen.

Deine Selbstreflexion auf analytisch, rationale (früher sagte man typisch Männlich) Art und Weise zeigt wie weit du schon vom Kopf her bist, unterstütze dich auf deinem Weg durch deine intuitive Gabe.

In diesem Sinne viel Spaß beim vollquatschen

Ultima_Ratio
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Goldfield am 28 März 2018, 18:32:18
Hallo Lucy,

irgendwie ist in meinem Weltbild Spielsucht ein typisch männliches Problem und Frauen haben eher ein Problem mit Zalando und Konsorten - dieses Forum zeigt aber trotz männlicher Dominanz, das dem nicht so ist.

Du musst als erstes Deinen PC vor dem Zugriff auf Online-Casinos schützen. K9 Protection ist Freeware und funktioniert für den PC gut. Du musst allerdings irgendjemanden haben, der das Admin-Passwort verwaltet (sonst kannst Du den Schutz jederzeit selbst aufheben).

Für mobile Endgeräte funktioniert das allerdings nur, wenn Du den Browser auf dem Gerät deaktivierst und den K9-Browser verwendest.

Gib die Kontrolle für Deine Finanzen in fremde Hände. Wenn das nicht funktioniert, gib Deine Kreditkarte an die Bank zurück und löse Dein Paypal-Konto auf. Verhindere, dass Du via Sofortüberweisung Geld einzahlen kannst, indem Du Deine Bank z.B. bittest, die Online-Banking-Nutzung einzuschränken. Ich mache Überweisungen wieder per Beleg. Das kostet pro Überweisung zwar 1,50 Eur, darüber lache ich.

Dir muss aber klar sein, dass der Spieldruck in nächster Zeit, wenn die Schockphase vorüber ist und die Finanzen wieder einigermaßen geordnet sind, immer wieder auftreten wird und dass Du für diesen Moment gewappnet sein musst. Wenn es keine Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe in der Nähe gibt, existiert eine Freundin oder ein Freund mit dem Du Dich darüber austauschen kannst ?

Viel Glück !
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 28 März 2018, 19:40:49
Ich danke euch allen für die liebe Begrüßung  :)

Hallo Lucy,

irgendwie ist in meinem Weltbild Spielsucht ein typisch männliches Problem und Frauen haben eher ein Problem mit Zalando und Konsorten - dieses Forum zeigt aber trotz männlicher Dominanz, das dem nicht so ist.

Ich musste ja gerade ein bisschen schmunzeln  ;D
Aber grundsätzlich hast du schon recht. Generell ist bei uns Frauen die Impulskontrolle ein Stück stärker als bei Männern. Vermutlich dümpeln viele Frauen so an der Grenze rum wie ich auch und packen es halt doch immer wieder. Ich habe zum Beispiel noch nie am Anfang des Monats sämtliches Geld verspielt, so dass ich mir nichts mehr zu Essen kaufen konnte. Ich habe auch noch nie eine Rechnung nicht bezahlen können. Ich habe noch nie während der Arbeitszeit gespielt und und und. Aber trotzdem würde ich nicht sagen, dass mein Problem kleiner ist als das eines exzessiven Spielers.

Unsere Rechner sind alle sicher, schon seit 2015 und ich habe darauf nie wieder spielen können. Nur das mit dem Iphone müssen wir noch hinbekommen.



Wo ist deine Lebensfreude hin wenn du deine wertvolle Zeit mit dir Selbst dazu benutzt hast dir ein schlechtes Gewissen zu machen und noch Geld aus dem Fenster zu werfen ?

Du schreibst das in einem Zusammenhang der darauf deutet dass du früher bereits Lebensfreude gelebt und erlebt hast.

Das wäre ein dickes Plus in diesem Zusammenhang da du etwas in dir wiederfinden musst was dir bereits bekannt ist.

Meine früheren Kämpfe zur Lösung des irrationalen Vorgehens bestanden oft in der jahrelangen Abstinenz des einen und führten mich unbemerkt, da falsch interpretiert, auf der Suche nach irgendeinem Kick z.B. in ein außereheliches Verhältnis oder sonstiger Flucht im Außen.

Mittlerweile habe ich verstanden dass die Suche da draußen mich immer nur weiter von den mir unbekannten Gefühlen im inneren (Glück, Zufriedenheit, eigener liebevoller Umgang ….) wegführte und nicht durch Kampf lösen lässt.

Versuche die Momente mit Lösungsansätzen im Außen als solche zu entdecken und steuere liebevoll dagegen. Der Weg braucht Zeit und keinen zusätzlichen, selbstgemachten Druck eines Kampfes.

Es sind deine Gedanken die du zulassen darfst ohne dich ihnen zu ergeben und die auf der Reise ins Innere langsam immer weniger Raum einnehmen.

Deine Selbstreflexion auf analytisch, rationale (früher sagte man typisch Männlich) Art und Weise zeigt wie weit du schon vom Kopf her bist, unterstütze dich auf deinem Weg durch deine intuitive Gabe.

Ultima_Ratio


Danke für deine tollen Worte, sie lassen mich direkt nachdenklich werden und werden mich ganz sicher die nächsten Tage intensiv begleiten.

Hi Lucy!

Wärest Du denn bereit für eine befristete Zeit ein Geldmanagement zu machen mit deinem Mann?

Da Du ja "nur" online gespielt hast, frage ich mal an, welchen Zahlungsdienstleister Du genutzt hast.
Nehmen wir an, es wäre PP - brauchst Du das Konto sonst noch für irgend etwas?
Wäre es ratsam aus Deinem Girokonto ein reines Guthabenkonto zu machen?
Vielleicht sogar ein Und-Konto mit Deinem Mann zusammen?

Damit Du Dir nicht an der Tanke Paysave-Karten mit Bargeld beschaffen kannst - macht es da Sinn ein Haushaltsbuch, auf welches Dein Mann immer Zugriff hat, lückenlos zu führen?

Wärest Du bereit Deinen Mann hier mitlesen zu lassen?


Nachtrag:
In Deiner Überschrift sprichst Du von kämpfen ...
Wir kämpfen nicht, wir kaitulieren!  ;D
Lese hier im Forum bitte den 1. Schritt aus "12 Schritte, aber wie?".
Nehme Dir dort heraus, was Du gebrauchen kannst - den Rest kannst Du erst mal liegen lassen.


Puh, bis ich meinen Mann hier mitlesen lassen kann, wird es noch ein bisschen dauern. Ihr seid sozusagen jetzt erstmal die Basis, um überhaupt mit der Arbeit anzufangen. Ich glaube aber, dass ich ihn in einiger Zeit mit einbeziehen kann.

Eingezahlt hab ich mit allen möglichen Varianten, PayPal, Sofort, Kreditkarte. Hing ein bisschen vom Casino ab. Mein PayPal Konto wird in Kürze sowieso gesperrt, ich habe als ersten und richtig ernsten Schritt den Chargeback veranlasst. Es war ein mittlerer dreistelliger Betrag, das Geld liegt auch gut und sicher an der Seite, falls es mit PayPal Probleme gibt. Alles andere läuft aktuell nur über Bargeld, Karte & Co. hab ich abgegeben.
   
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 01 April 2018, 22:55:44
Seit 13 Tagen spielfrei  :D
Allerdings war heute der erste Tag, an dem ich mir wirklich über mehrere Stunden keine Gedanken gemacht habe. Weder über das Spielen noch
selbst, noch über die darauf entstandenen Konsequenzen. Das war eine solche Erleichterung und ich fiebere der Zeit entgegen, an dem dieser Zustand Normalität und nicht Ausnahme ist.

Ich habe gelesen, dass sich  die SHG in der Nähe „in Gründung“ befindet. Hoffentlich klappt das bald.
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: hgohler am 02 April 2018, 08:00:59
Hallo,
installiere dir auf dem IPHONE die App „ Gamban“
Liebe Grüße
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: andreasg am 02 April 2018, 09:03:42
Seit 13 Tagen spielfrei  :D
Allerdings war heute der erste Tag, an dem ich mir wirklich über mehrere Stunden keine Gedanken gemacht habe. Weder über das Spielen noch
selbst, noch über die darauf entstandenen Konsequenzen. Das war eine solche Erleichterung und ich fiebere der Zeit entgegen, an dem dieser Zustand Normalität und nicht Ausnahme ist.

Ich habe gelesen, dass sich  die SHG in der Nähe „in Gründung“ befindet. Hoffentlich klappt das bald.


Fein, wenn Du in der Selbsthilfegruppe mitmachen willst,und dich jetzt dafür engagierst, dsnn ist die Grundlage schon gelegt.
Viel Erfolg auf dem Weg zur Genesung

Schöne 24 Stunden
Andreas
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Olli am 02 April 2018, 11:18:31
Hi Lucy!

Wenn jeder nur liest, dann weiss der Gründer nicht, welcher Bedarf herrscht und es trifft sich eventuell nie jemand.  ;)

Also rufe einfach mal an und frage nach.

Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 11 April 2018, 19:30:27
Seit 23 Tagen spielfrei  ;D
Im Moment gehts mit super. Das schöne Wetter beflügelt gerade, wir sind viel unterwegs. Leider habe ich noch niemanden von der SHG erreicht. Dafür kann ich im Juni zumindest zu zwei Probe-Therapiestunden gehen. Besser als nix.
Ich habe mittlerweile übrigens viel Zeit am Tag, in der ich gar nicht ans Spielen denke und es wird langsam mehr. :D
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 20 April 2018, 21:22:40
Ein Monat spielfrei  ;D ;D ;D
Hoffentlich steht hier dann auch irgendwann mal 1 Jahr  ;)
Mir gehts im Moment sehr gut. Ich schaue täglich hier auf die Seite. Heute habe ich eben im Moment aber zum ersten Mal an diesem Tag daran gedacht. Das ist neuer Rekord .
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 15 Juni 2018, 21:09:41
Nach einigen Wochen will ich mich doch mal wieder melden. Erst das Positive, ich bin heute seit 3 Monaten spielfrei, Yippieh. Mir geht es in der Richtung wirklich gut, ich habe mittlerweile kaum Spieldruck. Nächste Woche habe ich erstmal eine telefonische Beratung und dann hoffentlich auch einen Termin beim Psychologen. Mir ist natürlich bewusst, dass die Spielsucht nicht mein einziges Problem ist und da noch ein bisschen mehr der Aufarbeitung bedarf.

Leider meldet sich niemand aus der SHG bei mir. Der Stand ist immer noch „in Gründung „. Auf meine Mail kam keine Antwort und unter der angegebenen Handynummer meldet sich niemand. Das finde ich schade.

Dann das weniger Positive. Nach dem Auseinandersetzen mit meinen Finanzen ist mir klar geworden, dass ich um eine Privatinsolvenz nicht drum herumkommen werde. Erstmal war der Schock groß. Das Problem ist dabei nicht nur die Spielsucht, die macht nach der Rechnung knapp 25% aus.  Aber die Zeit als Alleinerziehende ohne Unterhalt o.ä. und die darauf folgenden Studienkredite etc. hauen mittlerweile richtig rein. Andererseits quälen diese Sorgen im Endeffekt auch schon seit Jahren, insofern ist es jetzt ein Ende mit Schrecken.

Klar ist aber, dass auch die Entschuldung nur in Kombination mit Therapie klappen kann. Von daher wird sich das alles noch hinziehen und es liegen anstrengende Monate vor mir.

Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 17 Juni 2018, 21:23:49
Heute habe ich eine Bestandsaufnahme des letzten Jahres gemacht. Ich hatte da wirklich immer ziemliche Angst vor. Ich bin alle Kontoauszüge seit Juni 2017 durchgegangen. Besonders im Herbst hab ich es ja krachen lassen. Ich musste wirklich zwei Mal rechnen, aber ich bin mit den getätigten Auszahlungen wirklich mit 45€ im Plus  :o

Darauf erstmal ne Runde spielen. Nein, nein, nur Quatsch. Ich bin unendlich erleichtert, das meine anfänglich im Kopf erstellte Rechnung nicht annähernd stimmt. Als nächstes werde ich alle Auszüge markieren und mit meinem Mann durchgehen. Ich hab mich übrigens mit den Lukas-Werk in Verbindung gesetzt, kennt das jemand? Die sind auf Suchterkrankungen spezialisiert, ich hoffe ja, dass ich da in eine ambulante Therapie komme oder wenigstens in Gesprächsgruppen.



Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: NeueWege am 18 Juni 2018, 19:39:39
Hi LucyLiu,

ah, das getraue ich mich nicht mit der Bestandsaufnahme. Mir genügen die Fakten der aufgenommenen Kreidte, der ausgereizten KreditKARTEN und der überzogene Dispo.

Von den Lukas Werken habe ich nichts gehört bisher. Werde aber sofort mal googlen.
DANKE

LG
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 28 Juni 2018, 11:59:17
Hier bin ich mal wieder  :)

Bis zu meinem Termin beim Lukas Werk war ich ja wirklich euphorisch. Endlich packe ich alles an.

Das Gespräch im Lukas Werk war wirklich nett, ich habe mich da recht wohl gefühlt und vor allem wurde mir Verständnis entgegen gebracht und kein Entsetzen.
Die ambulante Therapie hört sich wirklich toll an, sie geht über ein halbes Jahr in der Kombination von Gruppen- und Einzeltherapie. Ich hätte das wunderbar in meinen Alltag integrieren können.

Hätte!  :-\
Im Nachhinein hat sich jetzt herausgestellt, das mein Rententräger keine ambulante Therapie unterstützt. Ich habe trotz freier Plätze keine Möglichkeit, dort einzusteigen. Im Endeffekt bin ich bei Punkt 0.

Keine SHG in der Nähe
Keine Therapeuten für Spielsucht in der Nähe (unter 6 Monaten Wartezeit nicht mal "nur Therapeuten)
keine ambulante Therapie über die Suchthilfe


 :'(
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Ilona am 28 Juni 2018, 13:23:57
Schreib mir doch mal welcher Rentenversicherungsträger das ist. Die Regelung gilt eigentlich für alle. Alternativ käme die Krankenkasse infrage.
LG Ilona
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: C63Phil am 05 Juli 2018, 14:23:23
Hallo LucyLiu,

wie läuft deine zurückhaltung gegenüber dem Glücksspiel? Kommst du klar?
Wünsche dir alles Gute für die Zukunft. Bleib stark.

Lg. Phil
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 17 Juli 2018, 23:04:25
Huhu,
obwohl ich täglich hier bin, habe ich doch glatt deine Nachfrage übersehen. Heute habe ich die 120 Tage geschafft. Es fühlt sich  fantastisch an ☺️
Seit gestern habe ich Urlaub und genieße die Zeit mit meinen Töchtern und meinen Eltern. Mein Mann hat erst Anfang Juli seine neue Stelle angetreten und muss bei diesem Traumwetter arbeiten. Wenigstens ist es auch die Traumstelle  ;D

Ich versuche aktuell einen Therapieplatz bei einem Psychologen zu ergattern. Bei der Suchthilfe ist aufgrund meiner „falschen“ Rentenversicherung wirklich nichts zu machen  ::) Wenn ich noch ein Alkoholproblem hätte, dann könnten sie mir was anbieten. Blöd, dass ich nie Alkohol trinke  ;D
Jedenfalls ist somit im Umkreis von 100 Kilometern keiner für meine Spielsucht zuständig. Naja, ich hoffe mal, das sich vielleicht bis Weihnachten ein Therapeut findet, der dann zwar von Spielsucht keine Ahnung hat, aber die lernen ja auch  ;D

Ansonsten bin ich voll in der Vorbereitung meiner Privatinsolvenz. Hört sich immer noch total heftig an, aber es ist der richtige Schritt, um jemals wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. Meine Familie (Mann, Eltern, große Tochter) unterstützen mich sehr  :)
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 05 September 2018, 22:17:47
Hui, das ist ja schon eine Weile her, dass ich hier das letzte mal geschrieben hab. Ich bin mittlerweile 170 Tage spielfrei, fast ein halbes Jahr, die Zeit rennt 😱
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Rainer am 05 September 2018, 23:34:42
Sau gut LucyLiu, 170 Spielfreie Tage sind Hammer und darauf kannst du wirklich Stolz sein :)

Leute wie du die es Spielfrei schaffen, sind ein gutes Beispiel dafür das wir diese Sucht nicht machtlos gegenüber stehen....

Also schön weiter am Ball bleiben, dass machst du eh verdammt gut ;)
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 21 Dezember 2018, 10:13:05
276 Tage, ich nähere mich mit großen Schritten dem Ende des 1. Jahres.

Seit etwa 3 Monaten findet das Spielen in meinem Kopf kaum noch statt. Ich verschwende manchmal tagelang nicht einen Gedanken daran und es fühlt sich gut an. Aber mit dem Vergessen kommt auch die Gefahr, dass das Spielen als nicht mehr so schlimm angesehen wird. Ich muss mich dann doch hier mal wieder daran erinnern, dass die Sucht nie ganz verschwindet.
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Ilona am 21 Dezember 2018, 17:50:21
Respekt! 276 Tage! Weiter so! Unternimmst du sonst noch was? Selbsthiulfe? Beratungsstelle?
LG Ilona
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 21 Dezember 2018, 21:10:17
Hallo Ilona,
Dankeschön  :)
Nein, ich mache weiter nichts. Wir haben damals mal geschrieben, vielleicht erinnerst du dich.

Ich war damals bei der Suchthilfe, dort konnte man nichts machen, weil ich beim „falschen“ Rentenversicherungsträger bin 🙄 Im Umkreis von 100 Kilometern gab es kein weiteres ambulantes Angebot. Die nächste SHG ist ebenfalls knappe 100 Kilometer entfernt.

Ich hatte die berühmten zwei Stunden bei einem x-beliebigen Therapeuten. Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt etwa 12 Monate. Er hat aber auch zugegeben, dass er noch nie mit Spielsucht zu tun hatte.

Was das angeht, lebe ich hier anscheinend in einem riesigen Loch
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Ilona am 21 Dezember 2018, 21:51:44
Ja, ich erinnere mich. Das ist ja blöd. Aber nur mal so: du bist nicht in der falschen Rentenversicherung. Die Beratungsstelle hat keinen Vertrag mit deiner RV.
Aber ist doch gut, dass du hier im Forum bist. Evtl käme die Onlineberatung noch in Betracht. Hast du schon einmal darüber nachgedacht.?
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 21 Dezember 2018, 22:08:51
Ich habe die Beratung von Check dein Spiel gemacht. Die Begleitung ist allerdings auch recht schnell vorbei.
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Ilona am 21 Dezember 2018, 22:45:26
Du könntest ja hier mal gucken https://www.gluecksspielsucht-nrw.de/onlineberatung/index.html
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: LucyLiu am 23 März 2019, 07:22:53
Kaum zu glauben, aber ich habe doch glatt mein Einjähriges vergessen  :o. Was für ein Jahr  :)

Mir geht es sehr gut, ich denke die meiste Zeit gar nicht ans Spielen. Dennoch ist das Gefühl immer noch da, wenn ich zufällig über Werbung für Online Casinos stolpere oder wenn ich beispielsweise Filme sehe, in denen gespielt wird. Das macht mir deutlich, dass da wohl für den Rest meines Lebens was in mir schlummert.

Ansonsten bin ich jetzt seit diesem Jahr in der Insolvenz. Es war schwer diesen Schritt zu gehen, gerade hier auf dem Dorf. Aber ich habe zum ersten Mal seit Jahren den ganzen Monat genug Geld (das war auch ohne Spielen nicht der Fall), ohne mir Sorgen machen zu müssen. Das ist ein verdammt gutes Gefühl  :)



Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 09:27:52
Hi LucyLiu,

jetzt hab ich mal deinen Thread durchgelesen.
Zitat:
"Darauf erstmal ne Runde spielen. "
weiß nicht, ob das hier fürs Forum korrekt ist, aber da hab ich herzlich lachen müssen.. mit Vodka und Zitrone, und runter damit..

nein, auch Scherz, nicht dass noch einer auf die abstruse verwerfliche Idee kommt, ich nähme meine Spielsucht nicht ernst x_x

es freut mich zu hören, dass du so erfolgreich deinen Weg gehst, obwohl das mit der Privtinsolvenz sicher voll anstrengend ist

bzgl. "schon seit Kindestagen Veranlagung zum Spielen" und der Rat, zu kapitulieren statt zu kämpfen... wie geht es dir dabei, wenn du das liest? weißt du, ich hab bei diesen Sätzen immer so ein emotionales Problem, was man ja so deuten könnte, als hätte ich mich mit meiner Spielsucht noch nicht angefreundet und eben noch nicht kapituliert, was ja erwiesenermaßen der erste Schritt sein sollte..

jetzt hab ich mal die Theorie aufgeworfen anderswo, dass weibliche Spielsucht möglicherweise ein wenig anders funktioniert.. hm.. weißt du, ich arbeite in einem männlich dominierten Bereich und da ist es sehr offensichtlich, dass das (ähnlich wie es in einem weiblich dominierten Bereich wäre) zu sehr einseitigen Lösungen führt (Beispiel für die ungläubig den Kopf schüttelnden: Künstliche Intelligenz, welche "komischerweise" voreingenommen wirkt, obwohl ja Maschinen keine Vorurteile haben können und, he, an den Programmierern kann es aber auch nicht liegen, speziell da sie sich aber auch so bemüht haben, divers zu denken und sicher nicht diskriminierend sind in ihrer Haltung --> finde den Fehler... also, ich denke, eine Frau würde jetzt grinsen, weil der Fehler hängt zwischen den.. oh.. hoppala, es liegt an gewissen durchaus vorhandenen Unterschieden, die ich nicht nochmals näher ausführen will, weil ich sonst wieder wie eine zynische Kampfemanze mit Schwarz-Weißdenken klinge, der mann ein bisschen nachhelfen muß mit kühler, disziplinierter Sachlich- und Nüchternheit... aber Frau hätte gegrinst und verstanden, was ich meine, denke ich, ohne zu verstehen was ich meine.. so was weiß man einfach von Männern und findet es komisch... so wie Männer so manches von Frauen wissen und es komisch finden.. obwohl natürlich wir alle in erster Linie Menschen sind und Charakter unabhängig vom Geschlecht ist, aber irgendwas muss ja an diesen klischees dran sein, sonst würden die Massen ja nicht Mario Barth lustig finden (ich übrigens nicht, ich mag Otto).

kann es sein, dass das Spielen dich entspannt hat, gerade weil du einen 'männlich' anmutenden Verstand hast und das Verspielte, Sinnlose, Unfug treibende deine 'weibliche' Seite hervorgebracht hat? es gibt ja Theorien, dass jeder Mensch beide Seiten in sich trägt, Animus und Anima, obwohl (fast) jeder eine, hm, ich würde sagen 'default' Seite hat, also die intuitive Zugehörigkeit.
bzgl. Spielsucht würde das bei Männern bedeuten, sie spielen nicht zwingend zur Entspannung, sondern als Anregung, weil sie ihre innere weibliche Seite als anregend erleben, währen Frauen das Stärken ihrer weiblichen Seite als entspannend erleben, da es ihre 'default'Position ist... insofern hilft es Männern tatsächlich, zu 'kapitulieren', wie es heißt, also ihre weibliche innere Seite anzuerkennen, was in einer gewissen Zufriedenheit resultiert. Statt diese Anregung im Außen zu suchen, findet sie nun im Inneren statt. Sorry, ich kanns nicht besser ausdrücken.
bei Frauen hingegen fühlt es sich wie ein Kampf an, denn wir arbeiten hier den täglichen Kampf auf, der es ist, wenn eine Frau ihren Mann steht und eine traditionell männliche Rolle im Alltag auslebt.. man kommt zwar befriedigt (denn, zum Verständnis für die Männlein hier, frau kommt 'angegeilt' sorry für meine Wortwahl von so einem Arbeitstag heim, weil das Ausleben des inneren männlichen Anteils eben Erregung bedeutet, und dann will frau sich aber abkühlen und dass geht am Schnellsten, indem frau was scheinbar sinnloses, also emotionales, tut) .. ähm, wo war ich.. aja, darum fühlt es sich für eine Frau nicht gut an, 'aufzugeben', sondern sie muss vielmehr Gas geben... weil sie nämlich ein anderes Ventil finden muss, ihre Weiblichkeit auszuleben, vor allem wenn sie viel Verantwortung im Alltag tragen muss.. sie will entspannt werden, sich hingeben, das was ja angeblich helfen soll, ihr mit eurem 'kapitulieren'... für uns fühlt sich aber OC Spielen eben wie kapitulieren an, was das Falsche wäre...

kapiert das irgendwer, was ich meine?

lg
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Born4Nothing am 23 März 2019, 09:34:03
Zitat
kapiert das irgendwer, was ich meine?

Nö denn mir war dein Beitrag zu lang und hatte keine Lust zu lesen :D
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 09:42:51
guten Morgen B4N, welche Freude, sich deine unbedeckten Knöchel vorzustellen und das bei Sonnenschein und aufkommendem Frühling

verstehe, der Herr erwartet eine verständliche Kurzfassung:
Mann + Glücksspiel = geil
Frau + Glücksspiel = relaxed
süchtiger Mann --> gib es auf, Glücksspiel zu benutzen und such dir etwas anständiges, um geil zu werden, also etwas, wo sich der Krafteinsatz lohnt (zB eine coole Gruppe von SHGlern, wo ihr gemeinsam abwechselnd die Hose runter lässt und euch als Team fühlt, das gemeinsam die Welt neu erobern kann)
süchtige Frau --> hör auf dich vom Glücksspiel hm, na dir kann ich das ja sagen B4N, sogar im öffentlichen Forumsbereich, vögeln zu lassen und raff dich auf, dir eine angemessene Entspannungsmethode zu suchen (zB rede mit einem lieben Therapeuten, der dir das Gefühl gibt, dass er für dich da ist und sich um dich kümmert)
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: dev2 am 23 März 2019, 10:58:12
Hi Skip,

an deinem Beitrag (dem vorherigen:) ist was dran. Inwieweit nun die Wurzeln für die verschiedenen Konfliktlösestrategien beim Geschlecht zu finden sind, ist denke ich schwer zu sagen. Vielleicht ist es jedoch verständlicher, wenn wir uns die traditionelle Erziehung von "Mädchen" und "Jungs" anschauen. Wenn wir Kinder in bestimmte Geschlechterrollen hineindrängen beeinflusst das Selbstverständlich die Identität. Und (teilweise noch heute) es war meines Wissens nach häufig so, dass Mädchen ein Schamgefühl antrainiert wird im Sinne von "Sowas macht man nicht als Frau..." und Jungs eine Konfliktfähigkeit im Sinne von "Sowas darfst du nicht mit dir machen lassen...". Das ist natürlich jetzt auch ein Klischee, aber zumindest ist es mein Eindruck gewesen, was bei mir und meinen Geschwistern zutreffen könnte.

Nun gut. Wenn wir nun unsere Geschlechterrollenidentität langsam ausbilden entwickeln wir auch dementsprechende Denkmuster. Hierzu würd ich mich freuen wenn du mal den Begriff "Selbstverbalisation" (pos./neg.) googelst.

Wir könnten uns jetzt Gedanken darüber machen, welche Selbstverbalisation bei einem Spielsüchtigen Mann abläuft und welche bei einer Frau. Ich kann von mir sagen, dass ich folgende Selbstverbalisationen hatte:

"Ich Idiot! Hab mich voll verarschen lassen von den OCs. Ich buch jetzt alles zurück OCs, dann kann mich Paypal am A§$E"$§ lecken!" Ich erinnere mich sogar wie ich meiner Familie stolz erzählt habe, dass Ich das Geld erfolgreich zurückbuchte und sie sich für mich freuten...

Wie könnte die Selbtverbalisation bei einer Frau aussehen, wenn wir von den Klischees ausgehen die uns begleiten?

Auf alle Fälle scheint etwas da dran zu sein, dass man für seine Genesung oder für den "ersten Schritt" mit diesen Rollen brechen muss, um wirklich ehrlich sich selbst gegenüber zu sein. Es ist nämlich nicht so, dass ich mich die OCs verarscht haben.. es ist einfach so, dass ich Spielsüchtig bin. Dieses Eingeständnis, dass ich eine Schwäche habe, allein dies bricht mit meiner Rolle.

Bei einer Frau wird sicherlich dieses Selbsteingeständnis anders bewertet (zumindest Gesellschaftlich), was wiederum abhängig ist davon ob man Mutter ist oder nicht.. wahrscheinlich muss man sich als Mutter sogar noch mehr "schämen", weil man ja ... ja man halt Mutter ist. (<<< bezogen auf die gesellschaftl. Sichtweise)

Häufig neigt man auch dazu, einen Mann in seineim Kampfwillen zu bestärken und eine Frau in ihrem Kampfwillen zu beruhigen (Du schaffst das!, Gut das du damit anfängst! vs Jetzt beruhig dich erstmal...)
Obwohl der Kampfeswille der Frau der Rollenbruch wäre den sie begeht.. und vielleicht genau der Schritt ist, der wichtig ist für die Genesung.

Denn ob wir wollen oder nicht.. hat Suchterkrankung auf alle Fälle etwas mit dem Geschlecht bzw. der Geschlechterrollenidentität zu tun. Eine der Grundlagen für Therapie ist auch die Funktion des Suchtmittels zu bestimmen... und die Funktion kann auch  zwischen Mann und Frau differieren.


Edit: Ich hab viele orthographische Fehler in dem Text und kein Bock alles zu korrigieren.. sry
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 13:21:54
Sehr cool, Dev2, danke für diesen fundierten Beitrag und dass du mich aus dieser Geschlechterrolleneinbahn herausbugsiert hast. Damit meine ich, dass ich nun über Charaktersachen nachdenken kann, ohne mit dieser leidigen 'kleiner Unterschied'-Diskussion elastet zu sein. Weißt du, angestaute Emotionen oder geistige Belastungen scheinen zumindest mir den höheren Verstand zu vernebeln, wodurch ich in den primitivsten Teil des Gehirns hineinbugsiert werde, wo es nur noch Angriff, Flucht oder Todesstarre gibt. Ich kann dann also nicht mehr klar denken und reagiere dementsprechend 'plump'. Das habe ich mit meinem älteren Bruder gemeinsam. Und ich drücke mich dann dementsprechend ungeschickt Wirtshausstammtischmässig aus.

Erziehungs/Geschlechterrollentechnisch wurde ich zwar nicht klischeemässig aber doch sehr streng erzogen, was das Benehmen angeht. Ich durfte nur zwischendurch 'wild' und ungehobelt sein. Das behält man natürlich unbewusst bei. Durch die Art, wie du mir geantwortet hast, hast du mir sehr geholfen. Ich habr mich nämlich schon etwas geschämt und eigentlich erwartet, zB von Ilona aufgefordert zu werden, meinen Beitrag zu korrigieren.. Wenn meine Mutter wüsste, wie ich hier zum Teil formuliere, würde sie mich vermutlich ordentlich zurück pfeifen.

Was die Sozialisation angeht, so ist es ja schon viel besser geworden, als es in den 80ern noch war. Andererseits habe ich das Gefühl, dass es andererseits sowohl für Männer als auch für Frauen noch schwerer geworden ist, einfach mal Dampf abzulassen. Man legt sehr viel Wert auf 'political correctness', was ja Sinn macht, wir wollen uns ja weiterentwickeln und uns zivilisiert benehmen. Mein Vater hat mir immer versucht, die sogenannte 'feine Klinge' beizubringen und ich habe das fälschlicherweise darauf bezogen, dass er mich einschränken will in meinem Ausdruck, weil ich eben ein Mädchen bin und sich das nicht geziemt... Doch er hat wohl viel eher meinen Charakter gemeint und erkannt, dass ich es lernen muss, meine heftigen Emotionen zu bändigen...

Selbstverbalisation hab ich noch nie gehört, aber eigentlich müsste ich dir jetzt ein Therapeutenhonorar überweisen, weil der Tipp ist für mich gerade Gold wert, wirklich.

Meine Selbstverbalisation bzgl. der Spielsucht war wohl etwa so:
"Oh mein Gott, was habe ich da verbrochen? Ich bin der größte Abschaum/der schlechteste Mensch auf Erden, ich tue immer so heilig, dabei bin ich voller Sünden und dann spiele ich mich noch auf, alles besser zu wissen, als die anderen...?!? Ich habe mich selber entlarvt, ich habe eine ganze Menge an Menschen, die an mich glauben, komplett enttäuscht. Ein Vorbild wollte ich sein, na dann Prost Mahlzeit, ich habe sie alle im Stich gelassen...."
- Da kommt lustigerweise das OC gar nicht vor. Ich verspüre nur traurige Reue. Vom Gefühl her. Der Verstand versucht mich aufzumuntern und bringt Argumente, die dem ganzen Vorfall auch einen Sinn zu geben suchen, mir Rehabilitationsmöglichkeiten aufzeigen, wie man im Nachhinein diesen 'Sündenfall' wieder bereinigen könnte, sagt 'ruhig Blut, so schlimm ist es auch wieder nicht, du brauchst dich nicht selbst zu zerstören, im Gegenteil, dass wäre ja genau der falsche Weg, denn dann hätte die Spielsucht gewonnen. Vielmehr solltest du dir vergeben und lieb zu dir sein, blablabla'

hm, aha, interessant, seufz, vom Gefühl her vergehe ich aber noch immer vor lauter Reue... was uns vielleicht zu diesem 1.Schritt zurück bringt, dem Eingeständnis der Machtlosigkeit.. cool, ich glaube, jetzt habe ich es verstanden?? gibts dazu eventuell Feedback und Einschätzungen?

Ich verrate euch jetzt, dass ich ja auch Mutter bin von einem achtjährigen Sohnemann. Insofern kann ich bestätigen, dass es das noch schwerer macht. Übrigens würde ich das für die Vaterrolle ähnlich sehen, wenn nicht sogar noch schwerer gesellschaftlich gesehen. Die Mutter muss sich kümmern, der Vater ein Vorbild sein, oder so irgendwie...

die Funktion des Suchtmittels - hm, also nur 'Entspannung' ist noch keine Funktion?

lg und vielen vielen Dank nochmal!

Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Olli am 23 März 2019, 13:39:25
Zitat
Wie könnte die Selbtverbalisation bei einer Frau aussehen, wenn wir von den Klischees ausgehen die uns begleiten?

"Endlich wieder Schuhe kaufen können ..."

 ;D
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 13:42:24
ja bitte kann mir mal jemand das mit den Schuhen, mit shoppen gehen und so Büchern wie Fifty Shades of Greys oder wie das heißt erklären... ?

ich fühl mich oft wie eine Anomalie, weil ich das alles nicht mache o_0
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Born4Nothing am 23 März 2019, 14:20:22
https://www.youtube.com/watch?v=ZpvhIkZkhkU
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 14:29:20
ok, Born2Explain, die Kurzfassung ist mir auch klar, mir fehlt eher das exception handling... also wieso tu ich das nicht und meine Freundinnen tun das auch nicht im Großen und Ganzen... bzw. was kennt denn ihr für Frauen?? und warum muss ich scheinbar Schuhe kaufen, um eine Frau zu sein.. und warum kenn ich verträumte Männer, die, ok, von mir aus im Baumarkt versonnen und sprachlos von Werkzeug zu Werkzeug wandeln bzw. einer meiner Bekannten hat eine Sneakerssammlung und pflegt diese voller Stolz?

ah, moment, Frauen faseln zuerst und kommen dann zum Punkt, Männer kommen zuerst zum Punkt und faseln dann.. hm, nein, stimmt auch nicht in jedem Aspekt..???
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 14:34:33
aja, es ging ja um das 'gezielte' Verhalten - mann weiß was er will, marschiert rein, kauft es... frau hat keine Ahnung was sie sucht (grad braucht) und das ist auch vermutlich nicht der Grund warum sie ihm Schuhladen ist, aber während sie mit sich beschäftigt da scheinbar ziellos entlang wandelt, steht auf einmal das Paar Schuhe vor ihr, dass sie sich schon immer erträumt hat, muss also nur noch gekauft werden und während sie keinen blassen Schimmer hat, was gerade passiert ist, ist sie nun glücklich und außerdem wird ihre Schuhsammlung nun immer vollständiger und wenn sie mal im Schuhschrank steht, erinnert sie jedes Paar sentimentalerweise an irgendwas, was sie damals beschäftigt hat..

ok, thanks B4Nothing
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: taro am 23 März 2019, 15:05:34
Moin Skip,

Selbstverbalanition, was für ein Interssanter Begriff, ich habe es immer mein Mantra genannt "Du kleiner dummer Nichtsnutz".
Was heute von der Gesellschaft gefordert wird oder wie man das macht interessiert mich nicht. Wichtig ist doch nur was ich mache.
Ich bemühe mich nicht mich nach anderen zu richten, das hat mich doch erst zum spielen getrieben. Auch meine Kinder müssen das nicht. Das verschafft mir dann ab und an etwas mehr Arbeit, aber auch nur am Anfang. Es ist nicht wirklich angenehm für mein Gegenüber mit mir in einen Konflikt zu sein. Selbst wenn das Gegenüber unendlich mehr macht hat bin ich unangenehm. Ich stehe für meinen Standpunkt ein und jederzeit bereit dafür zu Sterben, wäre vermutlich die Selbstverbalanition ☺.

Bei Deinem Frauending bin ich ehrlich gesagt raus. Ich kenne einige Frauen die in die SHG gehen. Ich sehe das nicht. Viel mehr ist meine Wirklichkeit immerb so wie ich sie sehen will. Nun als Kind habe ich in meiner Familie egal ob Mutter, Oma oder Tanten doch eher ein Frauenbild kennengelernt das zum abgewöhnen war. Selbst meine Grundschullehrerin war eine alte Jungfer im warstem Sinne des Wortes und hatte Haare auf den Zähnen.
Nun mit diesem Frauenbild bin ich hinaus in die Welt und was meinst du was ich für Freundinnen hatte, richtig zum abgewöhnen. Wenn ich Sie als dumm faul und gefräßigen bezeichnen würde wäre das noch eine Untertreibung. Als ich mit dem Spielen aufhörte wollte ich solche Beziehungen nicht mehr,  also musste ich mein Frauenbild ändern, das war klar. In meinem ersten Meeting die erste Wortmeldung sprach eine Angehörige,  die fand ich umwerfend. Sie entsprach so garnicht meinem Frauenbild,  stand voll im Leben und war einfach taff. Wir wurden schnell Bitte Freunde und mit ihr lernte ich mein Frauenbild zu verändern.  Unsere Freundschaft hält bis heute,  gerade vor 2 Tagen waren wir gemeinsam Essen. Heute kann ich sagen, meine Frau ist toll. Mit meinem alten Frauenbild wären wir nie zusammengekommen.

Es freut mich, dass Du Dich mit dem ersten Schritt auseinandersetzt,  Deine Wahrnehmung bedarf keine Bewertung.  Ich habe öfters in einem Onlinechat ein Onlinemeeting über die Schritte gemacht. Wenn es bei mindestens 2 Leuten Interesse gibt könnte man das ja mal machen,  ein Chat gibt es hier leider nicht, der müsste dann irgendwo anders statt finden.

Taro
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 16:42:20
moin Taro, also ich wäre interessiert an deinem Angebot. Vielleicht findet sich wer, der/die mitmachen will?

lg und schönes WE!
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: NW am 23 März 2019, 16:55:44
Ich hätte auch interesse daran. Aber Vorsicht,  dass hier trifft auch 1:1 auf mich zu :) :

Was heute von der Gesellschaft gefordert wird oder wie man das macht interessiert mich nicht. Wichtig ist doch nur was ich mache.Ich bemühe mich nicht mich nach anderen zu richten, das hat mich doch erst zum spielen getrieben. Das ist nicht wirklich angenehm für mein Gegenüber mit mir in einen Konflikt zu sein. Selbst wenn das Gegenüber unendlich mehr macht hat bin ich unangenehm. Ich stehe für meinen Standpunkt ein und jederzeit bereit dafür zu Sterben, wäre vermutlich die Selbstverbalanition ☺.   


@lucyliu, Glückwunsch und Daumen hoch :)
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 17:29:34
gut NW, na dann wirds wenigstens lustig :) aber nicht wundern, dass ich life sehr handzahm und fast schüchtern bin... ist halt so...
ich stehe nämlich für meinen Standpunkt nicht bis zum Sterben ein, sondern versuche zu überleben, da ich mein Standpunkt bin ...
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: taro am 23 März 2019, 17:35:14
Ich habe den zweiten Schritt vordem ersten gemacht.  Der Chat würde ja auf einer andere  Internetseite statt finden, die wir hier verlinkten würden. Ich möchte Ilona erstmal fragen ob das o.k. ist.

Taro
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 17:41:48
Danke Taro, das ist echt nett von dir, egal ob es zustande kommt. Auf die Gefahr hin, dass mir jemand google oder die Suchfunktion empfiehlt: Wo find ich nochmal diese 10 Schritte - möchte mich ja vorbilden (und nein, das Ziel ist nicht unbedingt, mir Gegenargumente auszudenken ^^)?
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: NW am 23 März 2019, 18:21:34
gut NW, na dann wirds wenigstens lustig :) aber nicht wundern, dass ich life sehr handzahm und fast schüchtern bin... ist halt so...
ich stehe nämlich für meinen Standpunkt nicht bis zum Sterben ein, sondern versuche zu überleben, da ich mein Standpunkt bin ...


Nee keine Sorge, ich würde mich da auch erstmal zurück halten und das ganze mehr verfolgen wollen, stehe ja zu shg auch eher wie du, interessiert mich aber auch sehr zu erfahren was den ganzen Leuten hier solch eine shg gibt,  das wäre eig meine hauptsächliche Motivation mitzumachen :)

Ich komme übrigens auch vom dorf und kenne dass : ,, das kannst du doch nicht machen" usw auch als mann, bzw junge..

Das ist denke ich eher ne sache wo man her kommt, weniger welches Geschlecht man hat, mMn.

Vom kapitulieren halte ich übrigens auch nix.. kapitulieren wäre für mich einfach weiterzocken. :)
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Skip am 23 März 2019, 23:46:35
NW, verstehe dich komplett. Hm, mehr gibts eigentlich nicht zu sagen dazu. ^^
Außer dass ich neugierig und aufgeschlossen bin. Mal abwarten, ob man etwas draus ziehen kann... wünsche eine gute Nacht
Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: Olli am 24 März 2019, 11:39:02
Guten Morgen!

Zitat
Vom kapitulieren halte ich übrigens auch nix.. kapitulieren wäre für mich einfach weiterzocken. :)

Nunja ... Das hängt damit zusammen, wie Du das Wort für Dich definierst.

Ich würde die Situation, die Du da beschreibst, eher als "sich aufgeben" oder "sich verlieren" benennen.

Im Grunde ist die Suchtausübung ein Kampf an vielen verschiedenen Fronten.
Es ist der Kampf um Geld, um Zeit - hey, jetzt kommt wieder das böse Wort - mit seinen Defiziten.
Auch dieser Begriff braucht seine eigene Definition, sonst wird hier die nächste Schlacht vorbereitet.

So kann ich den Begriff rein negativ betrachten und ihn ablehnen, weil er mich vor mir selbst schwach erscheinen lässt.
Gerade die Männer ;) in der gesellschaftlichen Rolle des "starken Geschlechtes" haben damit oft ein großes Problem.

Doch Defizite sind für mich an einem Menschen grundsätzlich erst einmal normal.
Es gibt keine perfekten Menschen - jeder hat irgendwo ne "Macke", eine Schwäche - bis hin zu einer diagnostizierbaren Krankheit.
Die Spannbreite ist da ungemein breit.
Ich muss also nicht fehlerfrei sein - ich darf Fehler haben!

Wenn ich mir eingestehen kann, dass ich Defizite habe und sie akzeptiere, dann ist das schon ein kleiner Schritt der "Kapitulation", so wie ich das Wort besetzt habe.
Sie sind einfach da ... nichts weiter ... eine Feststellung.
Viele Defizite lassen sich abstellen. Sei es etwas, was ich nie gelernt habe in meinem Leben - oder der Umgang mit einer Krankheit lässt sich verbessern.
Hieraus kann ich Hoffnung schöpfen und Motivation aktiv zu werden aufbauen. Aktiv werden heisst lernen. Offen sein für Neues - ins kalte Wasser springen.

Wie oft habe ich mir damals gesagt: Nie wieder! - und am nächsten Tag saß ich wieder irgendwo in einer Halle.
Dabei kamen die Worte in meinem Geiste mit solche einer Vehemenz - mit einer Energie. Es war ein Aufbäumen.
Ich habe schon recht schnell damals erkannt, dass mir das Spielen schadete. Doch nie im vollen Umfang.
Als das nämlich geschah, da stand auch meine Abstinenzentscheidung fest.
Dazwischen lagen viele Jahre, in denen ich mit mir selbst kämpfte. Vernunft - ungewollte Defizite - sich dem Spiel hingeben - immer nur für eine Weile - und doch in Summe ein Dauerzustand.

Kapitulieren heisst nicht "verlieren".
Da ist etwas in mir, was stärker ist als jeder Wille (deshalb reicht der Wille alleine nicht aus um spielfrei zu bleiben).
Da ist etwas, dass stärker ist, als jede Vernunft.

Und da ist die Angst was passiert, wenn ich das Spielen sein lasse.
Wie fühle ich mich dann, wenn bereits nach kurzer Zeit der Suchtdruck mich quält?
Steigt er dann noch mehr an?

Tu mir nicht weh! - heisst dann die Devise.

Da belasse ich lieber alles beim Alten und denke mir:
Alles wird gut!

Doch das wird es nicht - wie auch?

Ich bin Schieler, auch wenn es man mir heute nach einer Augen-OP in der Kindheit nicht mehr ansieht.
Vor der OP bekam ich mal auf das rechte, dann auf das linke Auge ein Pflaster geklebt.
Die Augen sollten sich so einzeln an eine Geradeaussicht anpassen.
Alle paar Tage musste das alte Pflaster also runter und ein neues aufgeklebt werden.
Die Dinger von vor über 45 Jahren klebten wie Hulle - nicht zu vergleichen mit den Heutigen.
Das tat verdammt weh ...

Jetzt bestand die Möglichkeit das Pflaster drauf kleben zu lassen, bis es sich "herauswächst".
Dann konnte man es gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz langsam abziehen in der Hoffnung, dass weniger Schmerz auf lange Sicht besser auszuhalten ist.
Oder man riss es eben mit einem Ruck herunter - mit einem kurzen, aber dafür heftigeren Schmerz.

Wie würdet Ihr Euch entschieden haben?
Die erste Möglichkeit funktioniert nicht wirklich, denn wenn sich das Pflaster einmal anfängt zu lösen, dann kommt man automatisch immer wieder dran an die offenen Klebestellen und zerrt damit an dem Rest. Angenehm ist anders ...
Auch die zweite Option ist keine gute Wahl - es ist wie die Erste eine Qual.
Also nahm ich die dritte Option - mit verdammt viel Schiss ...

Es war eine Form der Kapitulation.
Auch wenn es anfänglich schmerzte, so musste es doch herunter.

Genauso ist es auch beim Spielen.
Dabei muss der heftige Schmerz ja gar nicht so dolle ausfallen.
Aber in irgend einer Form wird er sich melden.
Und er wird schwächer werden.

Habe ich mich jetzt verloren? Habe ich etwa versagt?

Kapitulation ist das Aufgeben des Kampfes gegen sich selbst.
Sie ist eine innere Einstellung, die mit Taten zum eigenen Wohl verbunden ist.

Da ist weiterspielen - sich der Sucht ergeben - Lichtjahre von entfernt ... :)

Titel: Re: Ich kämpfe jetzt auch
Beitrag von: NW am 24 März 2019, 21:51:30
Hi!
Ich würde die Situation, die Du da beschreibst, eher als "sich aufgeben" oder "sich verlieren" benennen.




Ist denn eine Kapitulation kein Aufgeben ? Was wäre denn eine Kapitulation im Krieg ? Das ist doch aufgeben, sich geschlagen geben. .


Wie auch immer,  das ist doch dann einfach eine Definitionsfrage, warum muss man dann so beharrlich darauf bestehen,  verstehe ich jetzt wieder nicht so..

Sich seine Fehler oder Defizite einzugestehen ist für mich eher stärke, weit weg von Kapitulation. .

Und warum du immer schreibst ,, das Böse Wort" verstehe ich auch nicht so ganz, ich habe noch nie mit einem Wort behauptet ich hätte keine, oder ich wäre perfekt,  vermutlich liegen meine Defizite aber ganz woanders als deine und ich kann diese zum großen Teil schon akzeptieren,  zumindest die die ich nicht ändern kann, oder die die mich nicht stören. .

Pflaster reisse ich einfach ab, keine Ahnung, da hab ich mir bisher noch nie groß Gedanken bei gemacht  ???