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Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige

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Offline Ilona

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Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« am: 18 April 2013, 17:32:27 »
Hallo zusammen,

ich bastle gerade an einem Vortrag und bräuchte mal eure Hilfe. Ich bin auf einer Veranstaltung zum Thema betriebliche Suchtprävention eingeladen. Da wird es u.a. um die Frage gehen, woran ein Arbeitgeber erkennen kann, ob eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter ein Problem mit dem Glücksspielen hat.

Gesammelt habe ich bis jetzt folgende mögliche Kennzeichen:

- Lohnpfändungen
- Bitten um Vorschuß
- Geldleihen im Kollegenkreis
- unerklärliche Abwesenheitszeiten (z.B. bei Vertretern)
- ein Konto bei einer Bank, die für "großzügige" Kredite bekannt ist

Was fällt euch noch ein?

Und was sollte ein aufgeklärtert Arbeitgeber tun, der weiß, dass sein Mitarbeiter ein Glücksspielproblem hat. Habt ihr da positive Beispiele für mich? Oder was sollte er auf keinem Fall tun?

Danke schon mal!

LG Ilona
Juristische Beratung: Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen / Bielefeld http://www.kguk.de/
Ansprechpartnerinn: Dr. Iris Ober und Juliane Brauckmann  (Fachanwältinnen für Bankenrecht)  Terminanfragen: 0521-529930
Weitere Infos  hier: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3737.0

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Offline Olli

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #1 am: 18 April 2013, 20:27:03 »
Hi Ilona!

Zitat
- unerklärliche Abwesenheitszeiten (z.B. bei Vertretern)

Hierzu ergänzend:
Ausßendiensttermine werden permanent so gelegt, dass sie zur Mittagspause beendet sind (oder bereits vorher, um die Mittagspause zu "verlängern").

Vielleicht noch:
- Übermäßiger Besuch von Online-Spiele-Portalen.
- Rote Zahlen auf dem Arbeitszeitkonto bei Gleitzeit.

Zitat
Und was sollte ein aufgeklärtert Arbeitgeber tun, der weiß, dass sein Mitarbeiter ein Glücksspielproblem hat. Habt ihr da positive Beispiele für mich? Oder was sollte er auf keinem Fall tun?
Zu Zeiten meines eigenen Forums bekam ich einen Anruf eines Arbeitgebers.
Der Arbeitnehmer würde nur schlecht deutsch sprechen - daher wolle er sich um Hilfsangebote kümmern.
Als ich fragte, ob der junge Mann das Telefonat mit anhören würde, wurde mir mitgeteilt, dass dieser gerade den Raum verlassen hat.
Im weiteren Gespräch hat dieser seinem Chef glaubhaft erzählt, dass die GA-Gruppe in Köln - meine! - aufgelöst worden wäre aufgrund von Streitigkeiten untereinander.

Der Probant hat also nicht nur gelogen - er war gar nicht an einer Hilfe interessiert.

Daraufhin habe ich dies dem Chef auch mitgeteilt und das Gespräch beendet.


Ich selber habe damals mein Arbeitszeitkonto um 80 h in den Miesen gehabt.
Mein Chef hat mich zwar angesprochen - Andeutungen gemacht bezügl. meiner Sucht - aber keine klare Aussage gemacht.
Ich hatte lediglich das Konto wieder auszugleichen.
Hätte er mir Hilfsangebote benannt, dann hätte ich sie zum damaligen Zeitpunkt in den Wind geschlagen.
Würde ich mir heute wünschen, er hätte Klartext gesprochen - ebenso nein - ich hätte es nicht akzeptiert.
Aber meine "Grenzüberschreitung" hat er zum Stillstand gebracht - und das empfinde ich als sehr wichtig!
Ich habe künftig immer dafür gesorgt, dass mein Arbeitszeitkonto im Plus war.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #2 am: 19 April 2013, 17:28:23 »
Hallo Ilona,
bei mir hätte der Arbeitgeber damals keine Chance gehabt, etwas zu erkennen.

Die Arbeit war das einzige, was ich 100 000 %ig erledigt habe. Bloß nicht auffallen,
auf keinen Fall etwas falsch machen.

Statt dessen habe ich viele viele Stunden bei der Arbeit verbracht um nicht spielen zu
müssen, falsch, "um mir die Zeit zu vertreiben" ohne Geld. Also quasi Ablenkung pur.
Gleichzeitig war die Arbeit meine einzige Einnahmequelle.

Heute weiß ich aber auch, dass die Arbeit meine einzige "Einnahmequelle" in Sachen Anerkennung war. Vielleicht hatte das auch damit was tun.

Wie auch immer, ich wollte das nicht vorenthalten.

Lieben  Gruß

Marlies






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Offline Ilona

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #3 am: 22 April 2013, 12:53:06 »
Ich danke euch. Habe alles brav eingearbeitet. Ich war nämlich vom DGB zu einer Betriebsrätetagung eingeladen. Es war eine sehr interessante Veranstaltung.
LG Ilona
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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #4 am: 14 September 2013, 08:28:16 »
Ich habe diese Frage auch in einem anderen Forum gesgtellt. Und da gab es gaaaanz viele Antworten. Die sind halt nur leider nicht öffentlich ;-(
Vielleicht schreibt der ein oder andere noch was dazu. Fänd' ich klasse!

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Offline Ilona

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #5 am: 14 September 2013, 09:51:20 »
Hallo "Maria" ,

willkommen in unserem Forum.  Was interessiert dich denn an diesem Thema? Erzähl doch mal! Bei mir war's ein Vortrag bei der Gewerkschaft.

LG Ilona
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Offline andreasg

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #6 am: 14 September 2013, 21:25:51 »
@olaf,

hast Du dem Arbeitgeber von XYZ mitgeteilt, dass er nicht im GA - Meeting war

oder hast Du dem Arbeitgeber mitgeteilt, dass in Köln eine lebendige GA - Gruppe Hilfe für Spielsüchtige gibt.
Also der 12. Tradition entsprechend, Anonymität als spirituelle Autorität.

Tschuldigung, da kommt bei mir nicht deutlich rüber in Deinem Posting.

Viele Grüße
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline Olli

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #7 am: 15 September 2013, 11:40:05 »
Hi Andreas!

Ich habe ihm gesagt, dass die Aussage eine Lüge war und die Gruppe weiterhin existiert.
Mittlerweile ist ja nun auch ein wenig Zeit vergangen, und so erinnere ich mich leider nicht mehr deutlich an meinen genauen Wortlaut.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline andreasg

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #8 am: 15 September 2013, 16:44:00 »
Hallo Olaf,

es geht im Kern natürlich um das Prinzip, daß GA eine Geschlossene Gemeinschaft für(!) Betroffene Glücksspielsüchtige ist. Unsere Gemeinschaft darf nicht dazu benutzt werden, Druck auf den hier - Spielsüchtigen auszuüben. Arbeitnehmer, dazu zähle ich aus eigener Erfahrung z.B. den Volkswagenkonzern, können suchtkranken Mitarbeitern gerne durch den Betriebsarzt Informationsmaterial zukommen lassen.
Natürlich weiß ich auch nicht mehr jedes Wort, was ich gesagt habe. Bitte versteh mein Posting nicht als "Vorwurf oder Blossstellung" Eine Verpflichtung zur Anonymität gilt in unserer Gruppe auch für Insassen der JVA. Wir verweisen auf unsere Gastgeberin der Meetingsräumlichkeiten, der Diakonie.

Mein Teil war es morgens schon einmal eine Stunde später zur Arbeit zu kommen; Geld von der Sparkasse holen, Verlust vom gestrigen Tag zurück gewinnen. Dafür bis in den Abend hinein - unbezahlte Überstunden. Bei extremen Spielerlebnissen Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit am Arbeitsplatz.

Schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline Olli

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #9 am: 15 September 2013, 20:54:54 »
Hi Andreas!

Ich weiss nicht so recht, was Du mir sagen möchtest?

Der Arbeitgeber hat mir die Worte des Probanten gesagt - ich ihm, dass dies eine Lüge war.

Sollte ich ihn decken? Nöh - mache ich nicht.

Die Frage war ja auch nicht, ob er an der Sitzung teilnahm, sondern, dass die Gruppe nicht mehr existiert, weil sich die Mitglieder verstritten hätten.

Im Grunde hieß dies: Lieber Arbeitgeber - lmaa - lasse mich spielen ...

Hätte ich den engagierten AG vor die Wand laufen lassen sollen? Auch nöh ...

Ich sehe hier nicht, dass ich Druck ausgeübt haben sollte, noch habe ich die Gruppe als Druckmittel mißbraucht.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
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Offline andreasg

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #10 am: 15 September 2013, 21:42:26 »
Hallo Olaf,

jetzt - verstehe ich Deine Aussage so: "Wenn ich authentisch mit mir in Frieden lebe, brauche ich mich nicht vor mein Mitmenschen unter meinen Zwängen verstecken" mein rein persönliche Ansicht.
Manchmal brauch' ich länger für ein Download, - Festplatte (Gehirn) defragmentieren.
Das sagen die 20 Fragen aus:
1.Hast Du jemals Deine Arbeit versäumt, um spielen zu können? - Antwort von mir oben eingestellt.
14. Hast Du schon einmal länger gespielt, als Du eigentlich wolltest? - NEIN!!! - da bin ich schon in meinem Zynismus, meinem Sarkasmus, in der Selbstverletzung. Den Ernst dieser Frage nun kann in mir begründet sein, meine lang anhaltende exessive Spielphase zu verniedlichen, verharmlosen, sie aber auch zur Schau stellen. Dann fing ich an, in der Selbstverletzung andere zu werten und zu sinnieren, wie sie mir Schmerz zufügten.
Die Spielsucht ist in meiner Realität eine sehr schwere Persönlichkeitsstörung. Ich bin Co-abhängig und habe ein Helfer-Syndrom und befinde mich deshalb in ärztlich -therapeutischer Behandlung.
Ein weiterer Aspekt: Anfang 2008 kam mein damaliger Arbeitgeber in finanzielle Schwierigkeiten. Damals wurde ich von meinem Kollegen - und Geschäftsführer gemobbt. Eine Kündigung seitens des Arbeitgebers bei meinen 23 Jahren Betriebszugehörigkeit wäre das Aus für den Betrieb gewesen. Am 04.08.2013 gingen die Chefin und ihr Mann, der Geschäftsführer zum Amtsgericht, Insolvenz beantragen. An diesem Tag habe ich nach 10 Jahren Spielabstinenz Spieldruck gespürt. Dank eines Sponsorings blieb ich gottlob ohne Rückfall. Es war das letzte mal, daß ich Spieldruck bekam, (Gedanken an das Spielen sind nur in Sichtweise von Spielstätten bei mir selten vorhanden) Zwei Begebenheiten - zwei Menschen gaben mir Feedbacks. Eine Freundin aus dem Kirchenchor, deren Examensarbeit über Mobbing am Arbeitsplatz ich zu lesen bekam; eine  offene Besinnungsrunde bei einem sucht-erfahrenen Psychiater, in dessen Verlauf ein Teilnehmer das bittere Schicksal seines Freundes in der Spedition durch Mobbing schilderte, - ein Arbeitskollege von mir, wie sich herausstellte. 
Um Antworten zu finden, brauche ich Hilfe, die Olaf, hast Du mir jetzt gegeben, so kann ich ein JA für mich finden. Die Wahrheit sagt man sich nicht selber - sie wird einem gesagt.
Dafür danke ich Dir von Herzen
Viele liebe Grüße
Andreas
« Letzte Änderung: 15 September 2013, 22:40:40 von andreasg »
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline Wolke

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Re: Woran erkennen Arbeitgeber Glücksspielsüchtige
« Antwort #11 am: 03 April 2020, 22:25:39 »
Niemand erkennt einen Spielsüchtigen.......man lernt Gefühle zu kontrollieren ,man ist lieb und nett,obwohl man alle am liebsten anschreien würde und wütend auf sich und andere ist. Man perfektioniert sein Lügengerüst,schiebt Geld von links nach rechts und zurück,dass alles normal erscheint. Solange der Leidensdruck eines Spielsüchtigen nicht groß genug ist und er von selbst Hilfe sucht,wird man ihn nicht entdecken.



 

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