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Eltern

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Offline Olli

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Re: Eltern
« Antwort #30 am: 18 März 2019, 12:02:26 »
Hi NW!

Es ist schön, dass Du Dich mit Deinem Vater noch vertragen konntest.

Ihr seid hier sicherlich beide aufeinander zu gegangen.

Auch mir wurde das mehr wie einmal zugetragen  - "vertrage Dich wieder mit ihm - was, wenn er stirbt - dann kann der Streit niemals mehr geschlichtet werden" ...

Doch das ist bei uns nicht machbar. Er sieht keine Fehler bei sich und fühlt sich immer als Opfer.

Auch jetzt wieder sind immer die Anderen schuld - nur er eben nicht.

Es ist das gleiche Verhalten wie bei mir damals.

Mein Brief an ihn damals - hier im Forum hatte ich ihn wieder gelöscht - war zwar gepfeffert - doch entgegen der ersten Version regelrecht harmlos.
Aus meiner Sicht war es absolut legitim ihm diesen Brief zu schreiben. Er sollte auf seine Art seine schädlichen Verhaltensweisen erklären, damit er die Chance hat an sich etwas zu verändern.
Doch stattdessen wurde mir unterstellt, der Brief wäre ein Mordanschlag gewesen, damit er einen Herz- oder Hirnschlag bekommt.
Da könnte ich noch einige Beispiele aus den Tiefen der Erinnerungen hervor kramen - z.B. ich hätte die Ehe zerstören wollen.

Nicht, dass er damit nicht mit einem Wort auf meine Statements eingegangen ist - es lenkt auch noch davon ab.
Die Argumentation ist an den Haaren herbei gezogen und dient nur sich als Opfer sehen zu können.
Jedweder Versuch diese Argumentation zu entkräften scheitert daran sich als Opfer sehen zu wollen.

Ich konnte nichts ausrichten - meine Schwestern auch nicht - trotz der Konflikte, die sie in den letzten Jahren hatten und scheinbar gelöst worden sind.

Vor der Geburt meines Patenkindes und damit der ältesten Tochter meiner jüngeren Schwester besaß mein Vater ein weiteres Einfamilienhaus, welches er vermietet hatte.
Als die damaligen Mieter auszogen, stand das Haus monatelang leer.
Mein Vater machte meiner Schwester den Vorschlag sie könne ja mit ihrem Mann einziehen.
Doch was sollten die zwei mit 160 m² Wohnfläche anfangen? Bei der horrenden Miete?
Also schlug mein Schwager vor, Anteile der Miete für einen Kauf der Immobilie in ein paar Jahren sich anrechnen zu lassen.
Mein Vater sah nur, wie er über den Tisch gezogen werden sollte.

Diese Situation - 17 Jahre her - wurde Jan am Wochenende wieder unter die Nase gerieben.
"Wieder" - weil das schon mehrfach geschehen ist. Jan hat hier mehrfach das Gespräch gesucht gehabt und hatte gedacht und gehofft, dass es beim letzten Gespräch endlich aus der Welt geschafft war.

Diese ganzen Sachen machen einen hilflos - mich im Speziellen - und auch traurig.
Und so denke ich mir, dass ihn ein Aussenstehender vielleicht eher erreichen kann, als seine Familie in ihren Co-Strukturen.

Somit - sollte es so rüber gekommen sein - meinte ich das gar nicht böse, sondern als Hilfestellung für ihn und für die Familie.

Ich weiss nur - ich kann ihm nicht helfen - und so halte ich mich lieber fern.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline NW

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Re: Eltern
« Antwort #31 am: 18 März 2019, 12:55:24 »
Somit - sollte es so rüber gekommen sein - meinte ich das gar nicht böse, sondern als Hilfestellung für ihn und für die Familie.


Nee nee das meine ich garnicht,  is ja euer bier..

Mein halt nur dass das Leben ganz schnell auch zuende sein kann und dass es dir vielleicht ein Anliegen ist dich nochmal zu vertragen, als sohn halt nicht als therapeut, wenn du aber mit der Situation diesbezüglich zufrieden bist ist das ja auch ok..

Manchmal muss man mit vergangenenauch eeinfach mal abschließen mmn, aber das kann ja auch jd halten wie er will..

Sich dann aber seinen kopf zu zerbrechen wg so nem ollen nussbaum.. zu opas zeiten hätte er ihm den baum einfach umgehauen, dann der sich aufgeregt un paar backpfeifen verteilt,  dann wieder nen bier zusammen getrunken und sich wieder gefangen und nen jahr später hat man schon wieder zusammen darüber gelacht..

Nix mit anwalt und klage und bla blub.. hach ja, irgendwie ist das alles nicht meine zeit heutzutage.  ::)

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Offline andreasg

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Re: Eltern
« Antwort #32 am: 08 Juni 2019, 21:13:11 »
Hallo ihr Lieben,

ich schreib' mal hier im Tread weiter: Gestern traf ich meine Telefonfreundin, mit der ich meine Esssucht teile, und wir verlebten einen schönen Nachmittag und Abend in einer Mittelstadt, 50 km von mir entfernt. Wir saßen nachmittags in der Sonne und unterhielten uns so, wie ich es in der Selbsthilfegruppe kenne. Ihr Thema war der Besuch bei ihrer Mutter, die mit zunehmender Demenz mit 86 Jahren alleine Zuhause lebt, und Bruder und Pflegekräfte kümmern sich wohl um die Dame. Ich teilte ihr dazu meine Erfahrungen aus dem Pflegeheim mit, in dem meine Mutter bis zu ihrem Tod untergebracht war.

Meine Gedanken gehen zurück bis in meine Zeit im Katholischen Kinderheim, als ich 1 1/2 - 3 Jahre alt war, wahrend meine Mutter ihre TBC infolge einer Psychischen Krankheit ausheilte; sie geht weiter, als ich 10 - 11 Jahre alt war, und meine Eltern sich scheiden ließen und gehen weiter über mein Heranwachsen zum Erwachsenen, wäre da nicht....

Ich habe in meinen Genen einen Teil der Psychischen Erkrankung meiner Mutter, bei meiner jüngeren Schwester ist er ausgeprägter als bei mir, aber ich bin ein Grenzgänger. Durch die Heimkindzeit fehlte mir die Trotzphase, also mein eigenes Ich zu entdecken, aber in der Liebe meiner Eltern zu sein. In der REHA - Klinik meiner Mutter verliebte sich eine Mitpatientin meiner Mutter unsterblich in meinen Vater. Dort begann es, daß meine Mutter den Deal einfädelte, die Ehescheidung voranzutreiben. Mein Vater war ein Egomane, und beide Frauen akzeptierten seine Göttlichkeit...Nach der Scheidung 1963, ich war 11 Jahre alt, hat mich meine Mutter fast jeden Abend geprügelt, weil ich mich beim Spielen auf dem Bauernhof, auf dem wir wohnten schmutzig gemacht habe. Irgendwann habe ich die Prügel nicht mehr hinterfragt, habe aufgehört zu weinen, bin in scheinbarer Ruhe geblieben. Meine Schulleistungen wurden schlecht, ich mußte von der Realschule, wieder zurück zur Volksschule. Meine Schwestern hatten die Beziehung zum Vater aufrecht halten können, er integrierte sie in seine Arbeit als Graphik - Designer, fuhr mit ihnen in die Ferien an die Ostsee, nach Östereich, zahlte meiner älteren Schwester die Reitschule. Ich saß währenddessen bei meiner Mutter im Bauernhaus, und wir beide bewerkstelligten den Haushalt. Als ich 14 Jahre alt war, wehrte ich mich handlich gegen die Prügel, und bin nie wieder von meiner Mutter körperlich attackiert worden. Vielleicht vier - bis fünfmal sind meine Mutter und ich in den Harz gefahren, wo sie aufgewachsen ist. Dort änderte sich ihr Wesen, und wurde innerlich stabil. Ich habe Heute noch ein sehr schönes Andenken aus der Natur auf meinem Fenstersims, das ist mir wichtig, weil diese Zeit im Harz etwas heilendes in meiner Mutterbeziehung hatte, und die in der Nachwirkung auch noch eitergeht.
Jahrzehnte später, ich war schon lange in Therapie, beichtete mir meine Mutter, daß diese Prügel für meinen Vater gedacht waren, sie hat sie auf mich übertragen.

Ich träumte davon Tierpfleger im Zoo zu werden, weil ich Dickhäuter über alles liebe, bin ja selber einer! Besonders das Indische Panzernashorn ist mein Lieblingstier. Ich hatte aber keinerlei Selbstvertrauen, mich um einen Ausbildungsplatz zu kümmern, und so begann ich eine Konditorenlhre, weil ich ja in der Küche Arbeit gewohnt war, und immer Kuchen gebacken habe. Das ging ein viertel Jahr gut, viel Bleche geschruppt, wiel matschige Erdbeeren gezupft, aber ich hatte wenig handwerkliches Geschick, und das gebückte Stehen konnte ich schon als 15jähriger ohne Schmerzen nicht ertragen. Ich fand eine Botentätigkeit, hatte junge Kollegen, wie ich gescheiterte Jungen. Wir gingen nach Feierabend in die Kneipe, in die Spielhalle.. Als 16jähriger stellte mich meine Mutter zur Rede, warum ich so spät nach Hause kam, da war ich schon Stammgast in einer Spielhalle im Rotlichtviertel. Dort hatte der Aufsichtführende immer in Pornomagazinen geblättert, im Betrieb gingen die einher, neben Motoradzeitschriften. Das latent Verbotene machte mich stark, ließ mein Ego wachsen. "Ich bin ja wer, weil niemand mich in der Spielhalle kontrolliert, weil ich so groß und kräftig bin". Ich fand den Weg ins Fußballstadion, in den Fanblock, ich war am Ziel, ich war in einer Geborgenheit, und der Torwart war ein prima Vaterersatz.
Damals fin ich an meine Mutter zu bstehlen, manchmal 5,00 DM und später - auf Sauftour auch schon 50,00 DM. Ich hatte einen Ausbildungsplatz gefunden, in der Spedition. Die 3 Jahre habe ich fast ausschließlich in der Rollfuhr und im Lagerwesen verbracht. Für Export - Import, oder gar Buchhaltung war ich nicht fein genug, mein Autfit war Anfand der 1970er Jahre total verloddert, meine Verwahrlosung schritt vorann. Am 1. April 1973 wurde ich eingezogen, ich habe schallend darüber gelacht, und mich dann volllaufen lassen. Ich bin permanent davon ausgegangen, daß ich untauglich war. Meine Adipoditas sollte mich eigentlich vor der Wehrpflicht schützen, aber nun? Vielleicht habe ich meine erste Alkoholvergiftung hinter mich gebracht, ich kam in der Garnisonstadt an, gin in die Imbissstube, und gewann sogar am Spielautomaten, immerhin. Es war keine Frage, daß ich noch daheim wohnte. Meine ältere Schwester hatte einen festen Partner, sie lebte auf dem Campus, und sah ihrem Beruf als Graphikerin gelassen entgegen. Ich war im Truppensanitätsdienst, vielleicht ein Glück, wer weiß, was ich mit der Knarre (G3) in der Hand alles angestellt hätte. Mein Spitznahme war "Josef" nach dem braven Soldaten Sweijk. Ich hatte das Buch im Spind. Nachts wenn ich UVD Dienst hatte, kamen die Kameraden, und erzählten von Heimweh und Liebeskummer. Das hatte ich weder noch. Ich fühlte mich hier und dort nicht wohl, damals bin ich mit einem Kameraden viel in Imbissstuben geganden, und habe mir einen richtigen Panzer angefressen. Nach der Entlassenung, Konto aufmachen, ich habe mir vom Entlassungsgeld schicke Kleidung gekauft, wohnte immer noch mit der Mutter und der jüngeren Schwester zusammen, fand eine Stelle im Maschinenbau, der aus meiner heutigen Sicht, meine bester Arbeitgeber war. Ich hörte, daß eine Schulfreundin, in der ich mich (heimlich) verliebte, dort Telefonistin war, und habe es nicht geschafft, Kontakt mit ihr aufzunehemen. Angst davor, geliebt zu werden? Jarzehnte päter hat sie mich in der Stadtbahn erkannt, auch sie hatte eine traurige Geschichte.
Das Stadion, das Saufen mit dem Knobelbecher in der Hand hatte mich wieder. Die Ölkrise wars, die mir den Job kostete. Meine Eerste Phase der Arbeitslosigkeit und weiteren Hoffnungslosigkeit behann. Meine Mutter arbeitete als Schreibkraft in der Uni, sie verliebte sich in einen Professor, der verheiratet war, und eine Sado/Maso Ader hatte. In der Phase hat meine Mutter zuviel getrunken. Ich fing an - für mich - nach Hamburg zu fahren, zuerst nur um in die Sexkinos der Reeperbahn zu gehen. Dann entdeckte ich den Elbuferweg, Blankenese, den Jenisch Park, den Botanischen Garten Klein Flottbek, eben den Ort, an dem meine Genesung bekann.


Ich fand einen Job in der Spedition, kam mit einem "Veilchen am Auge" zur Vorstellung und war von Anfang an unglücklich in dem Betrieb. Ich habe aber meine Arbeit gemacht, wie Zuhause, Kochen, Backen, Spülen, Einheitzen, Rasenmähen, nun irgenwelche Ablage nach Fehlern durchforsten, Rollkarten schreiben, Reklamationen annehen, den Fahrern Weisungen übermitteln, den cholerischen Chef und den uninteressierten Disponenten ertragen. Das schlimmste war, daß der Chef sich als Rechtspopulist entpuppte, und das beste war, daß ich Heute noch fluchen kann wie ein Kutscher, aber aufrichtig und ehrlich! Das Gehalt war grottenschlecht, aber für mein Minderwertigkeitsgefühl Nahrung. Da mir der Magen und die Leber die weitere Aufnahme von Alkohol verweigerten, der Fanblock sich rechtsradikalisierte,  ziog es mich nun in die Spielhalle, gleich neben dem Sexkino, und hinter dem Imbiss!

Anfang April 1982 bin ich auf den Weg zr Arbeit bei Glatteis mit dem Fahrrad gestürzt. Ich lag 6 Wochen im Krankenhaus mit einem Oberschenkelhalsbruch. Sechs Wochen, die ich von meinen Suchtmitteln getrennt war. Sehr viel Zeit nachzudenken. Jeden Nachmittag kam meine Mutter zu Besuch. Sie machte sich sehr schwere Vorwürfe, daß sie keine Vorahnung von meinem Unfall hatte. Das erzählte sie mir immer wieder. Irgendwann bin ich nachmittags in erotische Träume verfallen, ich bekam eine Versteifung, und die Tür ging auf: meine Mutter kam herein. Ich habe ihr alle Prügel, mich in den Keller zu sperren, nicht übel genommen, aber in dem Moment hätte ich sie umbringen können!
Ich tauchte in meine Musik ein. Ich hatte alle Schallplatten von Paul Simon und Art Garfunkel, und ich war und bin Beethoven Fan. Die aufquellenden Depressionen intoniierte ich mit dem 2. DSatz, dem "Trauermarsch" aus seiner 3. Symphonie der "Eroika" , und sang "still crazy afer all this years".
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bezahlte meine Mutter mir ein neues Fahrrad, das "alte" verkaufte ich beim Händler für 40,00 DM cash und ging direkt in die Spielhalle...

Meine Mutter lernte durch eine Kollegin die Inselwelt Griechenlands kennen, und fuhr manchmal zwei Mal im Jahr auf abenteuerlichen Wegen dahin. Das war mein Urlaub vor ihrer Nähe. In der Schublade an ihrem Bett entdeckte ich ein Scheckheft: "nur einmal, und dann nie wieder, und vielleicht fäjllt es nicht auf"? - Irgenwann wurde mir klar, daß ich dem Suizid zusteuerte, je öfters ich zu Mutters Schekheft griff. Mein Leben bestand nur noch aus "morgens schmell in die Spielhalle, Geld zurückgewinnen, Arbeit, ohne Pause, ohne bezahlte Überstunden, die ich ja auch machte, ab in die Spielhalle und alle viere von mir getreckt nachts im Zug, dem Lumpensammler die Gliedmassen ausgestreckt, und Angst, Lebensangst.
Als meine Mutter aufgehört hat wegzusehen, habe ich ihr eine Lügengeschichte aufgetischt, den Werkleiter der Baufirma nebenan die Schuld in die Schuhe geschoben, einem bideren Mann. Dann bin ich zur Polizei gefahren, und die haben mirch eingeladen , freundlich - zur Kripo zu gehen.

Am 31. August 1989 fand ich den Weg durch die Tür an die Tische, die mir Genesung geben sollten.
2bin ich hier richtig"? - "Ja, aber du mußt wiederkommen.." . Zu den offenen Treffen kam meine Mutter dazu. Sie war die einzige Angehörige, die an den Treffen teilnahm. Als ich wirklich spielfrei wurde, bat ich meine Mutte um die Kontoauszüge. Sie gab mir ein Päckchen von 5 Jahren. Ich habe alle Auszüge gesichtet, und alle meine Abbuchungen aufgelistet, so gewissenhaft, wie es der Vierte Schritt des Programms der Anomymen Spieler (GA) empflehlt: "Wir machten eine moralische und finanzielle Inventur von uns selbst. Nun konnte ich in Raten meinen Schaden an meiner Mutter zurückzahlen.

Die Gruppe hat mir nahegelegt, und mir geholfen, eine eigene Wohnung zu suchen, es war die Zeit der Wende,es war sehr schwer eine zu finden, und als das geschafft war, war ich frei. Gut, ich habe keine GEZ angemeldet, habedie Decke braun verqualmt, die Sexfilme liefen nun über VHS, aber ich fing an mein Leben zu Leben.

Meiune Mutter hatte nun auch mehr Geld, irgendwie logisch, aber im zunehmenden Alter konnte sie auch nicht mehr so oft nach Griechenland reisen, und die Geschichten ihrer Liebesaffairen dort brauchte ich auch nicht mehr ertragen. Sie gewann an ihrem Heimatort Freunde im Tauschring, und das war das Allerbeste.
Als sie pflegebedürftig wurde, kam ich öfters zu besuch, die Küche sah aus wie früher, als wir Kinder ran mußten. So räumte ich selbstredend und wohlwissend schweigend ihre Messiwirtschaft auf, immer wieder, wie der Sysifos den Stein auf den Berg rollte. Nun gab mir meine Mutter Geld, die Pflegestufe für Haushaltshilfe wurde bewilligt. Ich gab das in Videotheken und Sexshops aus, ging aber mittags auch günstig Essen. Die Spedition hatte im August 2000 Insolvenz angemeldet, ein Wuder, daß ich keinen Spielrückfall baute, war ich doch der (destruktiven) Geborgenheit eines unbefriedigten Arbeitsplatzes entronnen.

Ich hatte in der Kirchengemeine eine Frau gefunden, ich habe es fast nicht für möglich gehalten. Es war eine wunderbare Zeit des Verliebtseins und des Händchenhaltens durch die Straßen gehen. Wir heirateten, meine Mutter falelte auf der Hochzeitsfeier meine Schwiegermutter an, wie blöde es gewesen sei, mir Prügel anzudienen.  Meine Ehe währte 6 Jahre, daß zog meine Ex - in ein anderes Bundesland, weil sie Nähe zu einer Klosterkommunität suchte. Meine Geschiedene - hat eine schwere Psychische Errankeung...  Hete lebt sie wieder ein paar Straßen von mir entfernt, und wir sind "glücklich geschieden."

Ich konnte mich im Pflegeheim nicht von meiner Mutter verabschieden. Sie wollte nicht, daß ich und meine Schwestern, und die Enkelkinder dabei waren. Sie hat gewartet, bis wir doch zur Nachtruhe gingen. Bei meinem Vater habe ich seinen letzten Atemzug verfolgen können. Aber meine Mutter hatte sich schon aus dieser Welt verabschiedet, als noch Leben in ihr war, Wir wissen nicht, wo sie jetzt gerade ist, jedenfalls nicht auf dem Friedhof, dort wo ihre Urne vergraben liegt. Nach meiner heutigen Sichtweise hatte meine Mutter eine Romanzensucht, und wer weiß welche Gottheit sie gerade becirct., und ihr die Odyssee ihres Lebens auslegt.
Als wir die Hinterlassenschaft unseres Vaters gesichtet haben, griff ich nach einem Umschlag , wo nur "Bergen - Belsen" draufstand. Er hatte Angang 1960 einen Auftrag des Landes Niedersachsen erhalten dort an der Gedenkstätte, Erinnerungstafeln zum Gedenken an den Holocaust zu erstellen. Meine Mutter konnte das nicht ertragen, wegen der Schwere, und es führte damals zu Eheproblemen, die sich eben weiter zuspitzen. Ich habe im Beisein meines Halbbruders diese Mappe dem Magazin der Gedenkstätte Bergen - Belsen geschenkt. Es ist für mich das Erbteil meines Vaters.

Ich spüre keine Trauer, habe ich so wenig wie ich meinem Vater, meinem Job und den Abstieg meins Fußballvereins nachtrauere.

"Wir werden eine neue Freiheit und ein neues Glücksgefühl erhalten", steht im letzten Absatz auf Seite 96 im Blauen Buch der Anonymen Alkoholiker (AA), das ist immer ein Blick voraus für mich. Es gibt keinen Groll der Bestand hat, aber es gibt einen Friedensauftraf, wie es eine kleine Zeitspanne für die Genesung gibt. Dafür bin ich meinen beiden Eltern zutiefst dankbar.

"'never forget it" - gegen das Vergessen

"one day at a time" - einen Tag zur Zeit


Danke für das Teilen.
Andreas
« Letzte Änderung: 08 Juni 2019, 21:19:21 von andreasg »
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

 

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