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Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!

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Offline Olli

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Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« am: 23 April 2018, 12:36:08 »
Hi Leute!

Ich möchte mal gerne eine neue "Reihe" beginnen.
Die Themen beginnen immer mit:

Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ...

und dann folgt das eigentliche Thema - hier und heute: Suchtdruck.

Schreibt einfach, wie Euch der Schnabel gewachsen ist.

Die Reihe soll aber bitte nicht zur Diskussion anregen, sondern lediglich Meinungen/Standpunkte sammeln.
Sollte Diskussionsbedarf herrschen, dann bitte einen eigenen Thread eröffnen.

Vielen Dank schon einmal!

PS: Auch Angehörige dürfen sich selbstverständlich melden und z.B. ihre Erfahrungen mit ihrem Suchtkranken schildern.
« Letzte Änderung: 23 April 2018, 12:38:25 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #1 am: 23 April 2018, 13:53:37 »
Spieldruck kann bei mir folgende Ausprägungen haben.

1.Aus Wut nach einem Streit, verspüre ich den Druck zu spielen, um mich "abzulenken und so die Wut zu unterdrücken".

2.Bei benebelten Sinnen z.B. Alkohol kommt Spieldruck auch öfters durch.

3.Der schlimmste Spieldruck ist, wenn es willkürlich über einen fällt, obwohl eigentlich    alles in Ordnung ist !

Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #2 am: 23 April 2018, 14:32:56 »
Hallo zusammen, in meinem Fall war es so das ich eigentlich selber immer gegen irgendwelche Casinospiele oder ähnliches war, ich habe meine Freunde immer davon abgeraten und sie selbst immer drauf aufmerksam gemacht das es rausgeschmissenes Geld ist. Trotz diesen Erkenntnissen und eigentlich distanziertem halten gegenüber jegliche Wetten hat es mich selber erwischt. Bei mir fing das so an das ich mit Arbeitskollegen in der Mittagspause mit in ein Casino gegangen bin und dann doch mal 4€ in so einen Automaten geschmissen habe und dann 1200€ gewonnen habe, ab diesem Tag hatte es mich leider erwischt. Irgendwann ging ich dann nicht nur mit kleinbeträgen ins Casino und die Sucht war da .... nach 2 Jahren hab ich dann begriffen das immer der Automat bzw. die Spielhallenbetreiber gewinnen. Jedoch kam dann die nächste sucht undzwar Sportwetten.. bei mir war es einfach immer der Druck eine hohe Geldsumme zu gewinnen, ich habe nie aus Frust oder Langeweile gespielt eher wollte ich meine Kollegen und Freunde damit beeindrucken mit einem hohen Gewinn was natürlich totaler Schwachsinn ist. Mittlerweile bin ich Spielfrei und setzte mich damit auseinander meine Zahlungen die ich die letzten 3 Monate über Paypal durch Sportwetten eingezahlt habe zurückzuholen.

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Offline Olli

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Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #3 am: 23 April 2018, 16:59:40 »
Hi!

Suchtdruck bei mir ...

Nun, da möchte ich gleich mal unterscheiden zwischen dem Suchtdruck vor und nach der Abstinenzentscheidung.
Dabei gleichen sie sich vom Grunde her schon, lediglich in ihrer Ausprägung (Stärke) und in ihren Auswirkungen nicht.

Für mich war es damals egal, ob es mir gut ging oder nicht - oder ob in China ein Sack Reis umfiel.
Sobald ich keine Verpflichtungen mehr hatte, dafür aber Suchtmittel, ging ich spielen.

So kam es vor, dass der Tag des Gehaltseinganges sich näherte und ich fühlte mich ganz normal.
Am Tag selbst jedoch konnte ich es gar nicht erwarten das Geld abzuholen und es zu verbraten.
Es fiel mir schwer, mich zu konzentrieren, weshalb ich mich bewusst intensiv in die Arbeit stürzte.
Ich war erregt. Die Vorfreude auf das Spielen durchflutete meinen Körper.
Je näher der Zeitpunkt kam, desdo unruhiger wurde ich. (Erwartungsbelohnung)
"Meine" Stimme im Kopf - ich glaube, man nennt es Affengezetere, gewann mehr und mehr Oberhand - ich gab ihr nach und genoss sogar das Schauspiel.
Endlich Mittagspause! Ich flitzte zum Auto, musste mich zügeln, um nicht mit 200 Sachen durch die Ortschaft zur Bank zu rasen. Natürlich war da oft noch noch irgend eine Rentnerin oder Rentner vor mir, die/der erst noch Kontoauszüge für ihre 20 Enkel ausdrucken lassen musste.
Endlich mit Bargeld ausgestattet flog ich dann mit Lichtgeschwindigkeit in die nächste Halle.

Als ich dann jedoch meine Abstinenzentscheidung getroffen hatte, da war diese Form der Euphorie abgeschwächt - und sie schwächt sich auch heute noch immer weiter ab.
Meine rationale Seite bekam Oberwasser, wenn die "Stimme" sich wieder mal meldete.
Anfangs habe ich tatsächlich auf dem Nachhauseweg vom Darten - ich kam nahe an meiner einstigen Stammhalle vorbei - laut "NEIN" gebrüllt´, wenn diese Stimme loslegte.
Später habe ich sie einfach belächelt und schreien lassen, ohne auf sie einzugehen.

Psychosomatische Beschwerden, wie Schweissausbrüche oder Kopfschmerzen, habe ich selber nie erlebt.

« Letzte Änderung: 24 April 2018, 12:51:03 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #4 am: 23 April 2018, 19:41:42 »
Bei mir waren es äußere Reize wie z.B. Autobahnschilder. Ich weiß, hinter der nächsten Ausfahrt verbirgt sich eine wunderbare, große Spielhalle, die über die neuesten Automaten verfügt. Je näher ich komme, desto größer der Konflikt: Fahr ich rechts ab oder bleibe ich auf der Bahn ? Häufig hab ich dann den Blinker rechts gesetzt mit der Absicht nur 50 oder 100 Euro einzusetzen. Sehr oft blieb ich dann den ganzen Tag dort und konnte später beim Einschlafen noch die Spielautomatengeräusche hören.

Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #5 am: 24 April 2018, 18:12:06 »
Spieldruck kann bei mir folgende Ausprägungen haben.

1.Aus Wut nach einem Streit, verspüre ich den Druck zu spielen, um mich "abzulenken und so die Wut zu unterdrücken".

2.Bei benebelten Sinnen z.B. Alkohol kommt Spieldruck auch öfters durch.

3.Der schlimmste Spieldruck ist, wenn es willkürlich über einen fällt, obwohl eigentlich    alles in Ordnung ist !

Kann ich so voll unterschreiben.
Auch nach 8 Monaten Spielfreiheit treten bei mir immer wieder genau diese Situationen auf. Wenn ich nicht komplett bei all den bunten Versuchungen gesperrt wäre, hätte ich mit Sicherheit schon das ein oder andere Mal nachgegeben.
Das zeigt mir aber auch, das ich noch lange nicht über den Berg bin  >:(

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Zero80

Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #6 am: 25 April 2018, 10:57:29 »
Ich kann mich in fast allen posts wieder finden, bevor ich damit anfing war ich auch total anti
Glücksspiel und hab nur mim kopf geschüttelt wenn einer der Kollegen mal 10 dm verzockt hat. Erinnere mich
noch gut an nen besuch in ner Pommesbude wo ich nem Kollegen sagte ,,von den 10dm hättest unser komplettes
essen hier zahlen können"

Dann irgendwann mit nem Kumpel beim Döner gewesen und den draußen gegessen, spielo is genau daneben und nen
anderer kumpel stand mim auto dort so dass wir kurz reingingen um den Döner zu essen.
Ok, ohne zocken darf man nich sitzen also zusammen jd 2dm in nen automat geworfen und nach 2 Umdrehungen die
100er serie bekommen und 600 dm rausgeworfen, ab da war ich sofort angefixt und es steigerte sich dann stetig.

Früher war es auch bei mir so wie bei olli das ich sobald der 15. Da war schon nervös wurde..

Die letzten jahre aber genau wie bei goldfield ortsmäsig abhängig da ich irgendwann nach berlin zog dort garnicht
mehr zockte und immer nur bei meiner mutter in der Heimat wenn ich dort war. Die letzten monate berlin hat mich
der Weihnachts oder sommerbesuch zuhause immer soviel wie ein caribicurlaub all inklusive, gekostet, immer mit dem
willen nur 100 zu riskieren, im unterbewusstsein aber eig immer mit dem willen 1000 zu gewinnen und ich denke das
is der grund das ich dann nie aufhöre bis ich eben paar hundert im plus bin oder alles weg ist und dann sogar
nochmal nachschub holen fuhr.

Ich konnte es auch nach meinem rückzug in die heimat, gleiches Bundesland aber 70km weg von Zuhause und den
Beiden spielotheken weiter einhalten das ich hier überhaupt nicht spiele sondern weiterhin immer nur dort und
ich denke das hat mir auch den arsch gerettet nicht wieder komplett untergegangen zu sein. Komplett alles also
Inkl miete und verpflichtungen hab ich seit diesen mittlerweile 9 jahren nie wieder verzockt, dennoch gespart hab
ich auch nix mehr und schulden von damals noch immer..

Mittlerweile habe ich mir in einer spielo dort hausverbot gebe  lassen und letzte Woche gehört die andere würde
nächsten Montag schließen, da bin ich echt ma gespannt und würde mir enorm helfen da ich hier in der stadt
niemandem traue und niemals spielen würde, die ham auch viel höhere mieten und kosten wie aufm land bei uns..

Könnte jetzt meine Rettung sein denn sobald ich zu meiner mutter fahre und das wird jetzt im Sommer wieder oft
sein zum mähen und arbeiten am und ums haus usw, juckt es mich jedesmal mal ,,nur nen fuffi" zu setzen und
vielleicht ma wieder 1000 zu gewinnen.. ::)
« Letzte Änderung: 25 April 2018, 11:01:28 von Neue Werte »

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Offline Olli

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Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Zero80

Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #8 am: 25 April 2018, 12:51:37 »
Danke für den link, habe ihn noch nich komplett gelesen, zu viel gerade, mache ich am Sonntag aber da mich
sowas sehr interessiert, nur eins mal vorweg was ich hier auch schon schrieb.

Für mich passt das nicht sämtliche süchte in einen Topf zu werfen, gerade Glücksspiel passt für mich hier nicht
dazu.
So heisst es hier zb wieder, Alkoholsüchtig werden um damit ne angsterkrankung zu unterdrücken, das macht auch
vollkommen sinn, genau wie auch bei Drogen.
Ich habe angst vor dies oder dass, bin depressiv keine Ahnung, also trinke ich nen kasten bier und alle Hemmungen
fallen ich kann unter leute und in situationen gehen die ich vorher mied und alles gut...

Gleiche angsterkrankung, mejde Situation und geh spielen, komme raus bin mies drauf da alles verloren, Situation trotzdem
nicht gestellt wo ich betrunken oder unter kokain keine Ahnung reingegangen wäre und fühle mich am ende
noch schlechter.

Das ist genau das was ich meine. Und da es hier um geld geht welches man gewinnen kann und auch will, glaube ich
nicht das man immer was kompensieren  muss wenn man süchtig wird beim Glücksspiel und dass das irgendwie
nicht alles unter einen hut zu scheren ist, keine Ahnung.

Werd mir den link aber mal komplett durchlesen am Wochenende.

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Offline Olli

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Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #9 am: 25 April 2018, 13:32:11 »
Hi NW!

 ;D Bedenke bitte, dass der Beitrag die "persönliche Note" des Verfassers trägt.
Kein Mensch ist allwissend ... jeder hat seine Vorbehalte/Vorurteile etc.
Trotzdem denke ich, können wir uns etwas zum Thema Suchtdruck und den Vorgängen im Gehirn, wenn auch nur auf Dopamin reduziert, heraus nehmen.

Zum Thema "kompensieren" ...
Doch, das denke ich schon.

ABER! Das Wort kompensieren muss sich ja nicht unbedingt direkt auf irgendwelche zu diagnostizierende "Störungen" beziehen.
Was ... wenn es sich um eigentlich ganz harmlose Geschichten z.B. handelt, bei denen wir irgend etwas nur nie gelernt haben?

Geld ... wieso ist Geld für manchen wichtiger als für andere?
Da spielen sicherlich individuelle Erfahrungswerte eine Rolle.

Mist ... jetzt diskutiere ich ja selbst ...  ::)
Also ... neues Thema aufmachen ...  ;)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
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Zero80

Re: Was verstehst Du unter/Wie erlebst Du ... Suchtdruck!
« Antwort #10 am: 25 April 2018, 14:13:03 »
Weil der eine wert auf Statussymbole legt um etwas zu kompensieren  :P während der andere
mehr wert auf andere dinge, wie ehrlichkeit oder zusammen sein zb legt um mit sich und seinem
leben zufrieden zu sein, wobei das eine das andere nicht ausschließen muss...

Durch die soziale Ungerechtigkeit und extremen Inflation  seit dem euro bekommt geld aber auch immer mehr Bedeutung bei
leuten denen geld einst scheiss egal war, heute aber immer mehr davon gebraucht wird um überhaupt
Normal leben zu können was früher in der mittelschicht kein Thema und jeder mit seinem mehr oder weniger
zufrieden war.  ???

 

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