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Tagebuch Willy

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Re: Tagebuch Willy
« Antwort #15 am: 31 Juli 2018, 20:47:14 »
Warst du Mal längere Phasen spielfrei?

Länger ist sehr relativ, aber in den letzten beiden Jahren wurden die Abstände deutlich kürzer. Vielleicht mal zwei, drei Wochen, aber dann ging es immer wieder bergab.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #16 am: 01 August 2018, 06:51:09 »
Diesen kick bei einem Gewinn habe ich auch schnell verloren gehabt. Ich vermute Mal, dass es dich immer dann sehr kribbelt, sobald das Gehalt da ist. Ablenkung ist eine gute Sache. Ich habe mich sehr viel mit mir auseinander gesetzt und die Gründe erforscht, warum ich spiele. Dann hat es plötzlich Klick gemacht und ich habe erkannt, dass mich das spielen nicht weiter bringt. Habe auch in meinem Umfeld vieles geändert, was mich unglücklich gemacht hat. Das hat auch viel gebracht. Zufriedenheit. Meine Finanzen werden von meiner Mama gemanagt. Mein Gehalt geht auf ihr Konto. Ich bekomme Gutscheine von ihr. das Ziel: die Quelle austrocknen. Das hat mir Ruhe gebracht. Ich konnte mein Gehalt gar nicht mehr verzocken, weil ich nicht dran komme. Kein Geld bedeutet für mich keinen Stress.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #17 am: 01 August 2018, 22:55:45 »
Ein weiterer Tag ohne Spielen geht ins Land. Heute einen guten Test gehabt: Ich bin mit Kollegen nach der Arbeit noch unterwegs gewesen und für gewöhnlich führte mich der Weg nach Hause immer noch in die Spielo. Dieses Mal nicht. Bin direkt in die Bahn und dann ab nach Hause.
Meine Gedanken kreisen tatsächlich aktuell weniger um das Spielen, als vielmehr um die Tatsache, dass ich süchtig bin. Das ist zwar schon im Kopf, allerdings muss es noch in Gänze dort ankommen. Ich überlege aktuell darüber hinaus, wem ich mich in Sachen Spielsucht anvertrauen kann. Bin aktuell noch unschlüssig, aber habe schon eine enge Auswahl gefasst.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #18 am: 02 August 2018, 17:30:15 »
Ich erwische mich immer wieder wie bestimmte Situationen einfach mit dem Spielen verknüpft sind und mein Hirn automatisch dazu über geht, dass ich spielen möchte. Beispielsweise, wenn ich mich an den PC setze. Irgendwann ist alles "normale" erledigt, jetzt wäre eigentlich der Moment um zu spielen. Mache ich nicht, aber mein Geist ist so konditioniert darauf, dass es automatisch in den Sinn kommt.

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Offline Ilona

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Re: Tagebuch Willy
« Antwort #19 am: 02 August 2018, 17:47:04 »
Mach dir keinen Kopf. Das sind ganz normale Prozesse. Kennt jeder Suchti. Viele Raucher z. B.  vermissen die Zigarette nach dem Essen, nach dem Sex  oder in Kombination mit Alkohol. Du machst das ganz richtig: du identifizierst die gefährlichen Situationen, sprichst offen darüber und bist achtsam. Das Ganze wird dich auch noch eine ganze Weile begleiten. Manchmal taucht das Verlangen ganz unverhofft auf - wie aus dem Hinterhalt. Du kannst es aber stoppen, wenn du bei deinem Vorhaben bleibst, es notfalls in solchen Situationen auch laut aussprichst. Das mag das Spielteufelchen gar nicht. Wichtig ist allerdings ganz rasch zu reagieren. Nicht diskutieren oder innerlich abwägen. Dann hast du verloren. Und nochwas: je mehr Zeit vergeht, desto besser wird es. Versprochen!
Alles Gute weiterhin!
Ilona

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #20 am: 02 August 2018, 21:18:56 »
Mach dir keinen Kopf. Das sind ganz normale Prozesse. Kennt jeder Suchti. Viele Raucher z. B.  vermissen die Zigarette nach dem Essen, nach dem Sex  oder in Kombination mit Alkohol. Du machst das ganz richtig: du identifizierst die gefährlichen Situationen, sprichst offen darüber und bist achtsam. Das Ganze wird dich auch noch eine ganze Weile begleiten. Manchmal taucht das Verlangen ganz unverhofft auf - wie aus dem Hinterhalt. Du kannst es aber stoppen, wenn du bei deinem Vorhaben bleibst, es notfalls in solchen Situationen auch laut aussprichst. Das mag das Spielteufelchen gar nicht. Wichtig ist allerdings ganz rasch zu reagieren. Nicht diskutieren oder innerlich abwägen. Dann hast du verloren. Und nochwas: je mehr Zeit vergeht, desto besser wird es. Versprochen!
Alles Gute weiterhin!
Ilona

Danke Ilona! Ich weiß, dass es noch ein sehr weiter Weg ist, aber jeden Tag komme ich dem "Ziel" (Wenn man bei einer Sucht davon überhaupt sprechen kann) ein bisschen näher. Ich merke jedenfalls, dass ich ganz bewusst wahrnehme wann ich für gewöhnlich dazu übergegangen wäre zu spielen und versuche dann, beispielsweise am PC, entweder sofort etwas anderes zu tun oder einfach hier reinzuschreiben. Kommt Zeit, kommt Rat. Ich bleibe dran.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #21 am: 03 August 2018, 21:42:43 »
Heute wieder perfekter Zeitpunkt zum Spielen. Sturmfrei und keine Termine, außerdem muss ich in der Stadt Besorgungen machen und komme an bekannten Spielos vorbei. Erwische mich selber dabei wie ich mir schön reden will, dass ich ein kleines Spielchen wagen könnte. Frisches Geld ist da, außerdem ist unverhofft was dazu gekommen. Ich setzte mich also straight in die Bahn und fahre nach Hause. Jetzt hätte mich für gewöhnlich spätestens der Weg ins Online-Casino geführt. Ich gehe also wieder laufen - solange bis nichts mehr geht. Jetzt ist alles wieder gut. Weiter geht es.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #22 am: 03 August 2018, 21:52:55 »
Was mir übrigens hilft, auch wenn es ein bisschen albern klingt, sind Motivationsreden. Ich höre mir solche Sachen jeden Tag auf dem Weg zu Arbeit und vorm Einschlafen an. Mir hilft das. Ich bestimme mein Ziel und gehe dem nach. Das verschafft mir sehr viel Klarheit.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #23 am: 04 August 2018, 07:10:34 »
Weiter so!!! Du schaffst das!!

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #24 am: 04 August 2018, 20:18:49 »
Weiter so!!! Du schaffst das!!


Danke Dir! Ich halte durch und auch wenn es noch ein sehr langer Weg ist, mit jedem spielfreiem Tag wird es etwas einfacher. Die Stimme im Hinterkopf ist immer da, aber sie wird immerhin immer etwas leiser.
Ansonsten konnte ich feststellen, dass meine Produktivität in allen Belangen deutlich gestiegen ist. Ich mache meinen Scheiß sozusagen. Sachen die länger liegen geblieben sind, kann ich jetzt in Angriff nehmen. So halte ich mich beschäftigt, lenke mich ab und außerdem, naja, erledige ich eben ungeliebte Aufgaben.
Es wird besser...

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Offline Ilona

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Re: Tagebuch Willy
« Antwort #25 am: 04 August 2018, 22:01:42 »
Du fängst an Verantwortung zu übernehmen?

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #26 am: 04 August 2018, 22:25:54 »
Hallo Willy,

ich lese Dein Tagebuch und lese etwas für mich wichtiges, das Leben in kleinen Schritten, das Leben in die Genesung.
Ich bin zur Zeit auf Depri, aber wenn ich höre - lese, daß jemand einen gangbaren Weg betritt, komme ich auch wieder positv drauf.

Danke für Dein Tagebuch
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #27 am: 04 August 2018, 23:01:32 »
Hallo Willy,

ich lese Dein Tagebuch und lese etwas für mich wichtiges, das Leben in kleinen Schritten, das Leben in die Genesung.
Ich bin zur Zeit auf Depri, aber wenn ich höre - lese, daß jemand einen gangbaren Weg betritt, komme ich auch wieder positv drauf.

Danke für Dein Tagebuch
Andreas

Hey Andreas, das freut mich. Ich glaube, dass depressive Phasen irgendwie dazu gehören, man sich aber immer wieder vor Augen führen muss, dass wir am Ende durch das Aufhören nur Gewinnen. Verzicht geht ja auch immer irgendwie mit Sehnsucht einher und das tut gerade im Bezug auf die Sucht natürlich besonders weh. Allerdings sollte man sich dann immer wieder vor Augen führen: Zwar geht es mir gerade schlecht, aber wie beschissen ging es mir als ich mal wieder die Kontrolle verloren habe. Wie traurig war ich als ich es schon wieder nicht geschafft habe Nein zu sagen.
Das wiegt alles viel, viel schwerer als die zwischenzeitlichen Downphasen.
Wir schaffen das!

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #28 am: 04 August 2018, 23:03:08 »
Du fängst an Verantwortung zu übernehmen?

Verantwortung für mich selbst und mein Handeln, ja. Oder wie meinst du das?

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Offline Ilona

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Re: Tagebuch Willy
« Antwort #29 am: 04 August 2018, 23:09:32 »
Ja, genau so habe ich das gemeint. Ist was dran? Oder?

 

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