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Tagebuch Willy

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Re: Tagebuch Willy
« Antwort #60 am: 11 August 2018, 09:13:32 »
Die Frage ist, ob es bei der Suchtausübung überhaupt eine Rolle spielt, ob man gewinnt oder verliert. Es geht doch oftmals rein um die Ausübung und Emotionen. Egal ob positiv oder negativ. Klar, Gewinne verlängern das vermeintliche Vergnügen.
Ich bin da ganz bei dir, bezüglich deiner These.  Emotion ist alles

*

NW

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #61 am: 11 August 2018, 10:25:21 »
Hat der Sozialhilfeempfänger seinen Sohn denn auch nur wegen einem ,,Kick" von der schule genommen ?
Oder was war der Grund ? Langfristig macht das ja ganz genauso viel sinn zu geld zu kommen, wie auf nen zwischengewinn zu hoffen da es gerade wieder viel zu eng ist..

Meiner Meinung nach sind das nicht zwingend ausreden wenn Geld das suchtmittel ist mmn, da geld eben nötig, bzw überlebenswichtig ist und wenn jemand gerade seinen lohn verzockt hat, wäre es mehr wie ungewöhnlich wenn er es dann schulterzuckend dabei belassen würde.

Die Erfahrung und sucht lässt ihn dann halt auf nen gewinn hoffen um das Geld wieder einzuholen weil das halt auch der schnellste und einfachste weg ist, bzw auch ein weg der jedem offen steht.
Wenn jemand nur 1200 verdient sich aber total verschuldet hat, hat der nunmal nicht die Möglichkeit die nächsten drei monate 2200 zu verdienen um das aufzufangen. Es sei denn er nimmt nen zweiten vollzeitjob zz den für ihn als ausreichend festgelegten Konditionen an, dafür muss er aber auch die zeit haben, er muss die kraft haben, er muss was finden wo er mit den zeiten des anderen jobs harmoniert und der staat zwackt davon dann auch wieder nen teil geld ab...

In meinen Augen kann es das geben was du sagst, alles andere als ausrede abzutun heutzutage wenn das suchtmittel geld ist, ist mmn aber käse. Sorry. :)

*

Offline Olli

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  • 2.302
Re: Tagebuch Willy
« Antwort #62 am: 11 August 2018, 15:08:46 »
Hi NW!

Er hat den jungen Mann lediglich wegen des Geldes von der Schule genommen.
Die Zukunft seines Sohnes ging ihm am Allerwertesten vorbei.

Vorsicht bei Deinem Beispiel, NW.
Was Du hier beschreibst, ist chasen.

Schulden sind geduldig. Um sie zu tilgen braucht es Zeit.

Jedem Gläubiger ist eine pünktlich gezahlte kleine Rate lieber als ein Schuldner, der aufs "falsche Pferd setzt".

Sobald also die Hoffnung auf einen schnellen Gewinn die Oberhand gewinnt, ist dies Chasen.
Es ist keine "logische" Alternative, sondern eine suchtbedingte.
Zur Sucht gehört es eben auch, um Deine Worte zu benutzen, dass wir uns den vermeindlich "einfachsten Weg" suchen, um aus der finanziellen Misere wieder heraus zu kommen.
Und der einfachste Weg ist dann nun mal der, den wir kennen. Auch hier greift die Vermeidungsstrategie des Einzelnen - es ist eben nicht wirklich der einfachste Weg. Einstige Gewinne werden glorifiziert - Verluste verdrängt.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

NW

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #63 am: 11 August 2018, 17:28:26 »
Ja eben, genau das meinte ich ja. Also chast man dann doch nicht nur um einem Gefühl hinterher zu jagen !?

Kann das zumindest bei mir so nicht festmachen wie du es erklärst..

Dem Gläubiger ist natürlich eine kleine Rate lieber, dem Schuldner aber natürlich eine schnellere abbezahlung bzw sogar das ruder vielleicht nochmal rumzureissen und die zb miete doch noch zahlen zu können.

Deshalb meine ich ja, wenn das suchtmittel Geld ist, ist es mmn nicht in allen Punkten mit anderen stoffgebundenen süchten übertragbar.
Mit ner neuen Flasche schnaps kannste nix verbessern, mit nem rückgewinn aber eben schon..
« Letzte Änderung: 11 August 2018, 17:40:54 von NW »

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #64 am: 14 August 2018, 05:38:29 »
Hey Willy,

Länger nichts von dir gelesen. Wie geht es dir?

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #65 am: 14 August 2018, 21:35:16 »
Hey Willy,

Länger nichts von dir gelesen. Wie geht es dir?

Hey Strelitzie,

alles bestens. Hoffe Dir geht es auch gut. Bin weiterhin eisern, habe aber gerade einfach viel um die Ohren. Tatsächlich alles Sachen, die ich entweder machen möchte oder machen will. Habe seit gestern den ersten frischen Lohn seit des Aufhörens auf meinem Konto und komme damit eigentlich recht gut klar. Ich habe aktuell wirklich kein Bedürfnis zu spielen und mein Alltag wird immer besser ausgestaltet, sodass ich gar keine Gelegenheit bekomme zu spielen. Vergangenes Wochenende hatte ich sozusagen "sturmfrei" und hätte den ganzen Abend unbehelligt zocken gehen können. War stattdessen ganz normal mit Freunden unterwegs und auch die Spielos unterwegs haben mich nicht getriggert. Letzte Nacht habe ich tatsächlich vom Spielen geträumt. Bin in Panik aufgewacht und bin dann beruhigt aufgestanden in dem Wissen: Es war nur ein Traum :) Es geht weiter und alles ist gerade gut.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #66 am: 14 August 2018, 21:49:08 »
Das freut mich sehr, deine Zeilen zu lesen. Ich habe gesündigt. War spielen. Wollte es irgendwie herausfordern. Sei es drum. Ich bin selbst schuld. Der finanzielle Schäden hält sich zum Glück sehr in Grenzen. Jetzt tickt die Uhr bei mir wieder neu.
Lass du dich davon bitte nicht beeinflussen. Jeder hat seinen eigenen Weg und ich freue mich sehr, dass du die Abstinenz so zu schätzen gelernt hast. Ich werde sie ab morgen auch wieder genießen. Das fühlt sich nämlich richtig gut an!!!!

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #67 am: 15 August 2018, 17:54:02 »
Das freut mich sehr, deine Zeilen zu lesen. Ich habe gesündigt. War spielen. Wollte es irgendwie herausfordern. Sei es drum. Ich bin selbst schuld. Der finanzielle Schäden hält sich zum Glück sehr in Grenzen. Jetzt tickt die Uhr bei mir wieder neu.
Lass du dich davon bitte nicht beeinflussen. Jeder hat seinen eigenen Weg und ich freue mich sehr, dass du die Abstinenz so zu schätzen gelernt hast. Ich werde sie ab morgen auch wieder genießen. Das fühlt sich nämlich richtig gut an!!!!

Hey Strelitzie,

Rückfälle bleiben wohl mitunter nicht aus, aber besinne dich darauf, dass du ohne besser dran bist. Das müssen wir uns immer und immer wieder vor Augen führen, sonst geht es einfach immer so weiter. Dieses Mal war es vielleicht nicht ganz so schlimm, aber denk mal darüber nach, was passiert wäre, wenn du gewonnen hättest. Das war immer der Moment für mich, wenn es wieder richtig rund und dann auch wieder richtig runter geht. Von größter Freude bis ins tiefste Tal der Tränen - innerhalb weniger Tage.
Mach weiter, wir schaffen das.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #68 am: 15 August 2018, 19:32:51 »
Ich denke auch, dass wir das schaffen. Der Weg ist da Ziel. Der spielfreie Tag fühlt sich viel besser an, als die Tage, an denen ich gespielt habe. So muss das für mich sein.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #69 am: 20 August 2018, 12:40:21 »
Mal wieder ein kleines Update: Die letzten Tage waren nicht ganz einfach, aber ich bin standhaft geblieben. Mir ging immer mal wieder das Spielen durch den Kopf, nicht zuletzt auch deswegen, weil Kumpels mich auf irgendwelche Gewinne ansprachen, die sie gemacht hatten (Alles keine Dauerspieler, sondern nur ab und zu). Das hat mich irgendwie getriggert und ich verspürte ein großes Verlangen zu Spielen, letzten Endes hielt ich aber inne und führte mir vor Augen, was für Konsequenzen daraus erwachsen würden und welche daraus schon erwachsen sind. Danach ging es wieder.
Es geht also weiter und das auch weiterhin spielfrei.

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #70 am: 20 August 2018, 13:07:39 »
Super Nachrichten!!!! Weiter so

*

Offline Olli

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Re: Tagebuch Willy
« Antwort #71 am: 20 August 2018, 13:23:38 »
Hi Willi!

Zitat
letzten Endes hielt ich aber inne und führte mir vor Augen, was für Konsequenzen daraus erwachsen würden und welche daraus schon erwachsen sind. Danach ging es wieder.

Grandios!
Genau darum geht es bei der Abstinenz.

Erkennen - Aushalten - Reflektieren - standhaft bleiben!

Eine kleine Anmerkung habe ich aber denn doch noch: Welche Konsequenzen ergaben sich denn nun durch das "nicht"-Spielen?
Du hast Dein Ziel weiter verfolgt ...
Du hattest ein Erfolgserlebnis ...
Du darfst stolz auf Dich sein ...

Was fällt Dir sonst noch ein?

Weshalb ich das schreibe: Die positiven Erlebnisse bleiben uns weit besser im Gehirn behaftet als die Negativen.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Tagebuch Willy
« Antwort #72 am: 23 Oktober 2018, 18:27:42 »
Nachdem ich längere Zeit nicht aktiv gewesen bin, wollte ich mich mal wieder melden. Ich bin weiterhin spielfrei und das Nicht-Spielen wird mit jedem Tag etwas leichter, auch wenn es immer mal wieder Situationen gibt in denen ich dran denke, tief in mir ein Bedürfnis verspüre, aber diesem relativ einfach begegnen kann und es dann lasse. Meinen Tagesablauf habe ich mittlerweile so verändert und verfestigt, dass im Grunde auch gar kein Platz mehr für das Spielen da ist. Selbst wenn ich Zuhause spielen wollte, ginge es nicht, weil ich mich eigentlich überall habe sperren lassen und nach neuen Casinos suche ich erst gar nicht. Tatsächlich lockt mich das nicht und mein Verstand hat mir sogar schon zu aktiven Zeiten von gewissen Seiten abgeraten.
Es ist also weiterhin alles gut und mir geht es einfach viel, viel besser ohne das Spielen. Aktuell ist die Arbeit sehr fordernd und früher wäre das ein guter Zeitpunkt zum Spielen gewesen. Heute kann ich sagen, dass das Spielen diese Momente tatsächlich noch viel anstrengender gemacht haben und das ich sehr froh bin, dass es jetzt anders ist.
Ich werde mich immer mal wieder melden und berichten.

 

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