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Meine Geschichte

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Meine Geschichte
« am: 27 Februar 2020, 22:07:27 »
Guten Abend zusammen,

ich bin nun schon seit ein paar Monaten stiller Mitleser und habe auch schon lange überlegt selbst meine Geschichte zu erzählen.
Den Entschluss habe ich jetzt gefasst weil ich denke dass es nicht verkehrt ist sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Zu meiner Person: ich bin 28 Jahre alt, wohne in BW und bin seit ca. 2 Jahren der Spielsucht verfallen. Ich habe letzten Endes ca. 30000€ rein durch Sportwetten verloren.

Einen richtigen Anfang oder Grund kann ich bis heute nicht feststellen, es war vielmehr ein schleichender Prozess der sich irgendwann extremisiert hat.
Während der schleichenden Phase tat das Ganze auch im Geldbeutel nicht wirklich weh.
Als es allerdings angefangen hat weh zu tun kam dann der Gedanke das Geld wieder möglichst schnell rein zu holen und so kam eins zum andern.
Nun sitze ich auf dem Schuldenberg, den ich mir natürlich selbst zuzuschreiben habe, und gucke in die Luft...

Zur Einsicht, dass ich tatsächlich der Spielsucht verfallen bin, bin ich auch wirklich erst gekommen als es auf dem Konto nicht mehr weiter ging.
Zu dem Zeitpunkt stand ich allerdings schon mit zwei Krediten und einer freundschaftlichen Unterstützung da und hatte wirklich Existenzängste.

Das war für mich der Knall der kommen musste dass sich etwas ändert (auch wenn man es sich nicht eingestehen will aber es war so).
Zum Glück gab es die Möglichkeit kostenfrei direkt einige Sitzungen bei einer Psychotherapeutin anzutreten und ich muss sagen das tat wirklich gut und hat mir durchaus noch mehr die Augen geöffnet.
Es war der erste und auch richtige Schritt in eine neue Richtung sich komplett von den Sportwetten abzukapseln (sofern das in der heutigen Welt möglich ist).
Ich habe mich bei allen (mir bekannten) Anbietern sperren lassen oder mein Konto gelöscht.
Zusätzlich war es bei mir aber auch noch wichtig aus den Gruppen diverser sozialen Medien auszutreten, das wäre sonst wieder nur ein Anreiz gewesen...

Aktuell geht es mir trotz der finanziell miserablen Lage nun wieder etwas besser nach die Situation dann doch sehr stark an mir genagt hat.
Spielfrei bin ich seit nun mehr als 4 Monaten -toitoitoi



Zur finanziellen Lage möchte ich allerdings auch noch ein Wort verlieren um vielleicht auch anderen weiterzuhelfen.

Nachdem ich auf dieses Forum gestoßen bin und mich ausgiebig eingelesen habe (ich weiß nicht mehr wieviele Stunden es waren...) habe ich mich dazu entschlossen den Weg des ChargeBacks zu gehen.
Es kamen nicht viele Anbieter in Frage da es zum einen an der Seriösität lag dass ich sie ausgeschlossen habe oder es meine finanzielle Lage nicht zugelassen hat.
Letzten Endes lasse ich mich gerade von der Kanzlei KGuK vertreten.

Meine Zahlungen wurden ziemlich zwar alle von paypal, allerdings in einer Aufteilung von ca. 50-50 von dem Girokonto und der Kreditkarte (gleiches Unternehmen - DKB) abgebucht.
Das hat es anscheinend auch relativ einfach gemacht den ersten Teil über die Bank zurückzufordern und wieder für ein bisschen Entspannung auf dem Konto zu sorgen (es tut ungemein gut mal keine roten Zahlen mehr sehen zu müssen).
Nach dem Erfolgreichen Chargeback des ersten Teils (Girokonto) werden wir nun auch noch den zweiten mit der Kreditkarte versuchen - ob das Erfolg hat steht noch in den Sternen.

Nach kurzer Zeit ist Paypal dann auch aufgefallen dass da ein Konto im 5-stelligen Minus ist und hat sich mal zu Wort gemeldet.
Nach einem relativ kurzen Schriftverkehr zwischen meiner Kanzlei und Paypal wurde allerdings jegliche Forderung unsererseits abgewiesen mit dem Hinweis auf bereits abgewiesene Klagen der verschiedenen Gerichte wie sie hier auch schon gepostet wurden.
Nun steht Aussage gegen Aussage und ich bin ehrlich... ich weiß nun nicht mehr ob der Weg so der richtige ist bzw. ob er mich noch mehr in den Abgrund treiben könnte.
Ich gehe davon aus dass der nächste Schritt das Inkasso sein wird. Was allerdings danach passiert kann natürlich niemand wissen.

Auf der einen Seite steht die Chance alles wieder auf 0 zu setzen, auf der anderen Seite die Chance dass ich das gerade gebunkerte Geld wieder zurück zahlen muss plus on top die Anwalts + Gerichtskosten...
Da kann man sich jetzt auch wieder stundenlang darüber unterhalten und diskutieren...

Wie schätzt ihr denn die Lage in meinem Fall des ChargeBacks ein? Und nein ich möchte keine rechtliche Beratung - die habe ich bereits :)
Ich möchte einfach einmal andere Stimmen zu der Situation hören von Menschen die ähnliches erlebt haben...

Aktuell gehe ich auch nicht mehr zu der Therapie da ich (meines Erachtens) die Sucht gerade im Griff habe und die finanzielle Lage nicht wirkich Spielraum für Ausreißer bietet.
Abgesehen davon hat sich mein gesundheitlicher Zustand wieder deutlich stabilisiert.

An der Stelle setze ich erst einmal einen Punkt bevor ich noch ein Buch damit veröffentlichen kann :)

In diesem Sinne...
einen schönen Abend euch

*

Hannover83

Re: Meine Geschichte
« Antwort #1 am: 28 Februar 2020, 07:37:43 »
Bezüglich DKB und rechtliche Beratung..
Hat dich deine rechtliche Beratung auch gefragt bzw. sich gewundert warum die DKB 3% jedesmal Gebühren für eine Transaktion über Kreditkarte an ein Wettbüro/OC Gebühr berechnet? Schlussendlich wissen sie doch dann schon Bescheid wo das Geld landet...

Leider entscheiden die Gerichte bislang unterschiedlich

Re: Meine Geschichte
« Antwort #2 am: 29 Februar 2020, 16:29:35 »
Lustigerweise gar nicht :D
Aber ich selber habe sie darauf aufmerksam gemacht.
Die DKB war da auch relativ schmerzlos was die Rückbuchung beim Giro angeht. Ich bin gespannt wie sie bei der Kreditkarte jetzt noch reagieren.

Das mit den Gerichten lese ich auch immer wieder.
Bei dem Streitwert legt man bei Verlust vor Gericht halt gleich mal noch um die 4000€ mit drauf.

Re: Meine Geschichte
« Antwort #3 am: 02 März 2020, 08:35:34 »
Habe denselben Fall mit der DKB Kreditkarte. Würde mich freuen wenn du uns am laufenden hältst.
« Letzte Änderung: 02 März 2020, 10:34:40 von etoqd-net »

Re: Meine Geschichte
« Antwort #4 am: 18 März 2020, 14:07:59 »
Kurzes Update:

Ich bin weiterhin spielfrei und fühle mich dadurch sogar wieder deutlich besser!

Die Kreditkartenzahlungen wurde gerade auch zurück gefordert, da warten wir noch auf Rückmeldung der Bank.

Etwas drückend ist nur dass Paypal die Forderung nun an das KSP Inkasso weitergegeben hat und hier nun Druck gemacht wird.
Wie seid ihr denn in solchen Fällen, sofern ihr schon so weit wart, vorgegangen?

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Offline will

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Re: Meine Geschichte
« Antwort #5 am: 18 März 2020, 18:26:43 »
Die Unternehmen geben alle ihre Forderungen weiter, also an Inkasso Unternehmen usw...

Hatte auch Post von KSP erhalten (Mitte 2018) weil mein PayPal Konto im Minus war. Ich schrieb dem Inkasso direkt per Mail, dass ich nichts zahle weil sie genau wüssten woraus sich die Forderung zusammensetze und hab daraufhin dann nie wieder was von KSP oder der Forderung gehört.

Mein damaliges PayPal Konto ist immer noch gesperrt. Ich habe aber mittlerweile ein neues und kann dieses neue auch uneingeschränkt benutzen.

Ich verzockte dieses Geld in Sportwetten und  "Casino" (Alles beim gleichen Anbieter (Tipico)).

Da es ja immer heißt, Sportwetten seien eine Grauzone und legal usw... würde mich mal  Interessieren, wie man einen Chargeback erfolgreich  macht (Explicit für Sportwetten), bzw. was dein Anwalt so als Begründung nimmt...

Nichts desto trotz wünsch ich Dir die Zock-Freiheit, wie auch immer das endet, mit dem Chargeback.




Re: Meine Geschichte
« Antwort #6 am: 18 März 2020, 18:39:58 »
Hi Will,

Danke für deine Antwort.
Die spielfreie Zeit ist ein unglaubliches Geschenk an Freiheit für Geist und Körper. Da das ganze aber natürlich noch nicht ausgestanden ist kommt jetzt alles wieder ein wenig hoch...

Mein Anwalt begründet die Rückforderung der gesamten Summe natürlich erst einmal wie alle anderen auch mit der Unwissenheit der Illegalität.
Bei mir greift aber auch zusätzlich die monatliche Grenze der Sportwetten von 1000€ die mehrfach und auch deutlich überstiegen wurde.
Also eigentlich eine Klare Angelegenheit möchte man meinen... aber selbst in solchen Fällen gab es ja bereits Urteile gegen die Spieler :/

Hast du dann letzten Endes einen Verzicht von Papyal erhalten und darf ich fragen um was für eine Summe es bei dir geht? Bei mir ist sie ja schon recht hoch.

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Offline will

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Re: Meine Geschichte
« Antwort #7 am: 18 März 2020, 19:00:50 »
Bei mir ging es um viel weniger, so um die 2000€, welche ich innerhalb von wenigen Tagen verzockt hatte...

Wie schon geschrieben, hatte ich dieses Geld vermischt verzockt. Daher jetzt auch der Gedanke, warum man mir möglicherweise nichts anhaben konnte. Aber das bleibt alles Spekulation.

Ja die Gerichte entscheiden schon fast willkürlich könnte man meinen. Je nach Einzelfall Blabla. Entweder ist etwas verboten oder nicht!

Letzten Endes ist es aber egal wie man es macht... Da du einen Anwalt hast wird er ja genau wissen was er tut.

Die Hälfte hast du ja offensichtlich zurück. Sind jetzt nochmal 15k? Ja das sind Summen, wo manche Existenzen zerstört werden und Jahre langes Abzahlen angesagt ist...



« Letzte Änderung: 18 März 2020, 19:09:18 von will »

Re: Meine Geschichte
« Antwort #8 am: 18 März 2020, 19:13:22 »
Oh ja gut das ist tatsächlich deutlich weniger. Und zu der Zeit hat Paypal da sicherlich auch weniger aufstand gemacht.

Ja die Hälfte habe ich und eine ähnlich hohe Summe müsste nochmal kommen sofern die Bank mitspielt. Dann ist eben die große Frage ob Paypal wirklich den Schritt geht und mich verklagt wenn ich nicht auf das Inkasso reagiere.

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Offline will

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Re: Meine Geschichte
« Antwort #9 am: 18 März 2020, 19:20:45 »
Da Du einen Anwalt hast, weiß der genau wann, wo, wie reagiert werden muss. Du musst gar nichts tun. Und ich glaube nicht, dass die damals weniger Aufstand gemacht haben, denn wenn man jemandem etwas schuldet macht der oder die  normalerweise immer Aufstand ^^

Dir viel Glück weiterhin und halt uns auf dem Laufendem

Re: Meine Geschichte
« Antwort #10 am: 19 März 2020, 12:59:10 »
Heute kam die Antwort des Kreditunternehmens mit der Ablehnung der Rückzahlung weil die Anfrage angeblich zu spät kam.
Vielleicht zeigen sie sich kooperativ wenn man etwas nachbohrt aber ich vermute dass der Teil dann auf jeden Fall eingeklagt werden müsste...

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Offline will

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Re: Meine Geschichte
« Antwort #11 am: 19 März 2020, 18:05:27 »
Davon kann man ausgehen, also dass du den juristischen Weg einschlagen müsstest. Würde ich aber nur machen, wenn ich das Geld bis zur letzten Instanz hätte, bzw. die Rückforderung immens hoch wäre, wo es sich lohnt. Denn alleine bis zur letzen Instanz, wovon man eigentlich ausgehen muss, bevor man klagt, bräuchtest du so viel Geld, um die es ja eigentlich geht... Würde ich daher sein lassen, außer dein Anwalt rät Dir dazu, weil es sehr wahrscheinlich ist, dass du gewinnst... Rein mathematisch, hast du eh schon "Gewinn" erzielt, indem Du das verzockte Geld zur Hälfte schon wieder hast.

Re: Meine Geschichte
« Antwort #12 am: 19 März 2020, 18:12:12 »
Ja so sehe ich das eigentlich auch. Etwas Schmerzensgeld muss man eben zahlen, damit hätte ich ja auch kein Problem.
Die Rückzahlung habe ich zwar aber einen Verzicht habe ich natürlich noch nicht. Und ich vermute fast dass ich den auch einklagen muss...

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Offline will

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Re: Meine Geschichte
« Antwort #13 am: 19 März 2020, 18:25:51 »
Soweit ich weiß verklagt PayPal nicht, wenn man der Forderung widerspricht. War zumindest bei mir so, und auch bei vielen anderen. Einen Verzicht habe ich nicht erhalten, wollte ich auch nicht. Und brauche ich auch nicht. Wie schon erwähnt kann ich PayPal nutzen, nur mit einem neuen Konto... PayPal selbst weiß auch, dass ihre Forderung vor Gericht genauso lächerlich ist, wie die Forderung an PayPal, seitens dem Zocker. Beide Parteien haben "Kacke am Schuh", das wissen ALLE Parteien.

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Offline will

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Re: Meine Geschichte
« Antwort #14 am: 19 März 2020, 18:33:13 »
Wenn Du dir sicher bist, dass es das Gesetz mit pro Monat nicht über 1000€ gibt und du hast dieses überschritten, bzw. war möglich und ähnliches, brauchst du nichts befürchten. Ich bin da aber viel zu wenig informiert, was die Gesetze betrifft  hinsichtlich was erlaubt ist und was nicht. In meinem Fall war es halt offensichtlich, weil auch Casino mit im "Spiel" war. Soll aber jetzt nicht heißen, dass dein Fall weniger offensichtlich ist...
« Letzte Änderung: 19 März 2020, 18:38:08 von will »

 

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