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Zum Geburtstag viel Pech...

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Steppenwolf

Zum Geburtstag viel Pech...
« am: 09 Januar 2019, 12:24:30 »
Hallo zusammen,

ich weiss gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Heute habe ich Geburtstag, ich werde 29 Jahre alt. Gestern Abend habe ich mit meiner neuen WG in meinen Geburtstag hineingefeiert, nur ganz ruhig mit einem Bierchen. Doch mir ist nicht nach Feiern zumute. Die letzten 3 Tage habe ich mal wieder 200€ verspielt. 4x 50€ Einzahlungen mit Paysafecard, weil meine Kreditkarte schon gesperrt ist, bzw. mein Vater eine SMS Tan für jede Überweisung erhält. Aber irgendwie benötige ich ja Bargeld und Paysafe ist dann doch wieder eine Möglichkeit, zu zocken. Ich habe die letzten drei Tage, die ich eigentlich mit Lernen für meine bevorstehenden Prüfungen verbringen sollte, insgesamt ca. 14 Stunden gezockt, zunächst verloren, immer wieder eingezahlt, bis ich schließlich mein Geld zurückgewonnen hatte und sogar noch einen anständigen Gewinn obendrauf. Ich habe die Auszahlung beantragt, wollte mich danach irgendwie blocken, das Passwort ohne hinzusehen ändern, etc. Alles hat nichts gebracht, ein paar Stunden später ist alles verzockt, wie im Rausch mit Einsätzen von bis zu 20€.

Ich spiele jetzt seit 8,5 Jahren, angefangen habe ich nach meiner ersten Depression (ich bin bipolar oder nach dem alten Begriff manisch-depressiv). Anfangs habe ich (wie wahrscheinlich die Meisten hier) eher zufällig mit Freunden in einem Bowlingcenter das erste Mal gezockt. Doch im Gegensatz zu wahrscheinlich den Meisten, war ich ziemlich schnell getriggert und verbrachte viele Nachmittage nach der Schule (ich holte mein Abitur nach) in Spielotheken. Im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass wir Spieler wahrscheinlich schon mit dieser Neigung (fürs Risiko?) geboren werden, schon als Kind war ich von Losen, Lotterien und allem Ähnlichen auf dem Jahrmarkt fasziniert.
Die Jahre gingen dahin, ich begann ein Studium aber spielte dennoch weiter. Trotz Nebenjob war ich meistens pleite und konnte mir nie wirklich viel leisten, was natürlich bei Familie und Freunden Fragen aufwarf. Ich wurde ein Meister im Lügen ohne Rotwerden. Ein paar Mal versuchte halbherzig etwas gegen meine Sucht zu unternehmen, tat es aber nie wirklich, da ich keine Schulden hatte und auch sonst in meinem Leben alles gut lief.

2015 verbrachte ich ein Auslandssemester in Spanien und hatte das bisher beste halbe Jahr meines Lebens, in welchem ich auch nur einmal spielte. Dann hatte ich meine erste Manie, gefolgt von der schlimmsten Depression, was mich ein halbes Jahr in eine Klinik brachte. Das Positive war, ich spielte in dieser ganzen Zeit nicht, hatte fast vergessen, dass ich einmal süchtig war. Als es mir wieder besser ging, schrieb ich meine Bachelorarbeit und ging das erste Mal wieder als Ablenkung und auch wegen dem Druck zocken. Seitdem zocke ich so heftig wie noch nie. Ich habe den Bachelor erfolgreich abgeschlossen und bin in meinem Master, gerade komme ich von einem Auslandshalbjahr in Südamerika zurück. Es war eine unglaublich geile Zeit, man sollte meinen, dass man dort die Sucht vergisst – Pustekuchen! In jedem Land, das ich bereiste, zockte ich mindestens einmal, teilweise musste ich hungern, da ich auf die Überweisungen meines Vaters angewiesen war und diese öfters verzockte, sodass ich irgendeine Ausrede erfinden musste, um neues Geld zu bekommen.

Im Vergleich zu anderen Spielern habe ich keine schlimmen Schulden, „nur“ ca 5000€ bei meinem Vater. Dennoch habe ich bestimmt über die Jahre ca 30000€ verzockt und mir geht es beschissen. Ich habe viele Menschen durch das Spielen enttäuscht und bin teilweise sogar beschaffungskriminell geworden. Einen Bezug zu Geld hatte ich auch vor dem Zocken schon nicht, nun lebe ich phasenweise asketisch und spare Geld, das am Ende wieder in den Automaten landet. Im schlimmsten Fall gewinne ich dabei, denn dann spiele ich mehrere Tage wie im Rausch, bis ich alles wieder verspielt habe und dabei sogar eine Art Erleichterung fühle. Dabei ist es egal, wie hoch die Summe ist, die ich gewinne, die Einsätze steigen proportional zum Gewinn. Einmal war ich für 2 Monate bereits stationär in einer Suchtklinik, ein paar Mal bei den Anonymen Spielern und immer mal wieder bei der Caritas Glücksspielberatung. Nichts konnte mich jedoch wirklich vom Spielen abhalten. Stattdessen schaue ich mir sogar in spielfreien Zeiten Zockervideos, die es ja nun zu genüge auf Youtube gibt, an, bis ich wieder so getriggert bin, selbst zu zocken.

Das Paradoxe ist, dass es mir vom Spielen abgesehen sehr gut geht! Ich bin in meinem Masterstudium, habe einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, habe meine bipolare Störung gut im Griff (seit 3 Jahren schon phasenfrei) und würde mich als humorvollen, intelligenten und optimistischen Menschen beschreiben. Das Zocken zieht mich aber immer wieder so sehr herunter, dass ich alles andere auf einmal nicht mehr zu schätzen weiss. Einmal mehr starte ich also ein Tagebuch, um endlich von dieser schlimmen Sucht loszukommen und mir auch Unterstützung bei euch zu holen. Ich hoffe, der Text war nicht zu lange und für den ein oder anderen interessant zu lesen.

Steppenwolf

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Offline taro

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Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #1 am: 09 Januar 2019, 13:15:04 »
Alles Gute zum Geburtstag Steppenwolf!

Was für ein schöner Tag um mit den Spielen aufzuhören.
Du startest also einmal mehr Dein Tagebuch?
Das ist sicher einer der Schlüssel.
Du warst bei den Anonynen Spielern auch das könnte Dich nicht vom spielen abhalten.
Ich gehe auch dorthin,  seit 28 Jahren, ich spiele schon lange nicht mehr. Es geht nicht etwas kurzfristig zu machen und dann bin ich spielfrei. Egal was du machst,  mache es regelmäßig.
Mein Depressionen habe ich mit GA-Gruppen so nebenbei auch abbauen können.
Ein Sprint in die Spielfreiheit gibt es nicht, es ist mehr ein Marathon.

Taro
#niemehrcdu
#artikel13

Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #2 am: 09 Januar 2019, 14:48:40 »
Hallo Steppenwolf,

dein Beitrag klingt gut und reflektiert. Ich habe an dem Punkt wo du jetzt stehst noch über 20 Jahre weitergespielt und bin auch erst seit 100 Tagen ohne Glücksspiel. In deinem Alter hatte ich auch noch keine großen Schulden. Das lag daran, weil mir Niemand große Kredite gegeben hat. Die bekam ich erst, als ich gut verdiente. Immer wieder mehr verspielt als eingenommen - immer wieder umgeschuldet mit dem Vorsatz aufzuhören. Nie hat es geklappt - frei verfügbares Geld brannte wie Feuer in den Händen und wollte eingesetzt werden.

Meinen Straftaten (Veruntreuungen, die nie aufgeflogen sind und insgesamt vielleicht 5.000,00 € betragen) liegen über 20 Jahre zurück. Seitdem verspielte ich nur noch mein eigenes Geld.

Meine Sucht hat nicht nur potentielle Ersparnisse gefressen, sondern auch über 30.000,00 € Schulden ausgelöst.

Mir hilft das Lesen aller möglichen Geschichten in den Spielsucht Foren. Die Geschichten der Spieler, die bis in den Wahnsinn, in ein Gefängnis oder bis zu Tod führen können. Die Geschichten der Angehörigen, die nach der zwanzigsten Enttäuschung einen geliebten Menschen aufgegeben haben. Von den Geschichten kann man sicher auch in SHG hören.

Das Tagebuch von Rainer (Freitagessen) hat mich besonders beeindruckt. Er hat es geschafft, obwohl das Schicksal ihm viel mehr Steine in den Weg gelegt hat, als mir.

Ich möchte ein Bild aus seinem Tagebuch erwähnen: Er vergleicht das Glückspiel für seine Zukunft mit einem giftigen Pilz. Er hat es schon als Kind gelernt nicht in giftige Pilze zu beißen. Wenn ich das Glücksspiel für mich als Giftpilz erkannt habe, kann ich lernen, nicht mehr hineinzubeißen.
Andere kommen vielleicht mit einem kurzen Rausch davon - ich kann das nicht, für mich endet der Giftpilz tödlich oder mindestens wieder auf der Intensivstation.

Wer flüstert mir in Ohr: "Probiere doch mal wieder ein Stück von Pilz! So giftig ist er doch gar nicht! Das ist der innere Spieler, den ich verhungern lassen muss. Er will sich befriedigen und mich leiden sehen. Ich will  nicht mehr leiden.

Ich habe meine Abstinenzentscheidung getroffen und muss ständig auf der Hut sein.

Viele Grüße

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Offline andreasg

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Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #3 am: 09 Januar 2019, 18:19:38 »
Hallo Steppenwolf,

auf, fahr mal auf die Mardi Gras nach New Orleans, und feiere Deinen Geburtstag richtig nach!  Im  Ernst, lebe Deinen Traum, aber manchmal wirst Du auf die Klappe fallen, bis die Klappe fällt.
Ich habe mir vorhin noch Gedanken gemacht, ob man mit Psychopharmaka die Psychopatischen Anfälle eines geschassten Freundes in den Griff bekommen könnte, aber da bin ich wieder in meinem Helfersyndrom, was mir so über zuspielt, daß ich über das Kuckucksnest fliegen möchte.

Ich habe den Befund, daß ich unter Strukturellen Mängeln und Sozialen Ängsten leide, also einer Randform der Borderline - Störung. Ich habe meine Krankheit nicht im Griff, die Ängste plagen mich zu Zwängen, und ich brauche jeden Tag, einen Weg für mich zu finden. Ich habe keine Ziele mehr mit meinen 66 Jahren, außer: mit meinen ungelösten Problemen in Frieden Leben! Diesen Satz hat mir ein Freund vor 16 Jahren mitgergeben, als ich in eine Fachklinik für Borderlinestörungen ging. Und dieser Satz hilft mir Heute noch, wenn ich entweder euphorisch oder tiefst betrübt bin, wenn ich mich angenommen, wertgeschätzt fühle, oder wie der größte Haufen Sch...... Ich kann meine Krankheit nicht kontrollieren, genau so wenig wie das Spielen. Ich bin dem Spielen gegenüber machtlos. Und das Spiel mit den Menschen ist meine allerschlimmste Sucht.

Das "nur" im Bezug zu den Spielschulden gegenüber Deines Vaters drückt für mich etwas grvierendes aus. Kann es sein, daß die Krankheit Spielsucht hier der bipolaren Persönlichkeit Streiche spielt, die Du real, in Deiner vermutlich sehr hohen Intelligenz nicht erfassen kannst? - Nein, die Frage brauchst nicht mir, nicht dem Forum gegenüber beantworten.
Schau mal, ich bin nach 1 3/4 Jahr Therapieentzug wieder bei einem Psychologen in ambulanter Behandlung, und es hilft mir. Die Kuckckucksnesttabletten vom Neurologen nehme ich nicht, da ist der Kardiologe erleichtert. .

Ich bin Spieler und süchtig. Ich habe die Fähigkeit, andere Menschen besser zu kennen, als diese sich selber. Das ist einfacher als an sich selber zu arbeiten, und einstürzende Kartenhäuser wieder aufzubauen, leichter, als abgeschossene Harleys wieder in Gang zu setzen. Der Traum von einem einfach nur schönen Leben mit beswingter Musik blebt" Come on take me to the Mardi Gras"
Arbeitest Du schon für Deine Dissertation, welche Ziele hast Du, welchem Traum jagst Du noch nach, der ein reales Leben verheißt? Das ist bitte eine aufrichtge Frage!

Ich habe mir die Spielsucht ausgesucht, weil ich hier auf dem Weg meiner Genesung eine Moralische und Finanzielle Inventur schreiben kann, das Geld triggert immer bei mir bei fast jedem Gedankengang mit. Aber "eine" - es gibt keine finale Inventur. Ich bin in einem Alter, indem ich meine tägliche Inventur brauche.

Gestern habe ich seit langem meine Gruppe der Anonymen - Spieler (GA) versäumt, mein Herz hört mehr auf den Kardiologen, als auf meine Willensstärke. Vielleicht kommst Du mal vorbei, vielleicht kenne ich Dich schon, oder würde mich freuen, Dich kennen zu lernen, auch wenn mir vieles von Dir bekannt vorkommt. Aber Gestern ist vorbei, unwiderbringlich, und das Morgen ist noch nicht geboren.


Mein kleiner romantischer Blick über den Teich ei mir verziehen, aber ich habe eine kleine Gedenkmünze in meiner Geldbörse. Da steht eine Zahl dahinter,die ein Vorschreiber schon erwähnt hat, aber fünf sehr sehr wichtige Worte:
one day at the time.

Viele Grüße

Captain Amerika

PS: ist sehe mir auf YouTube am allerliebsten Musikvideos an




« Letzte Änderung: 09 Januar 2019, 18:36:14 von andreasg »
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Steppenwolf

Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #4 am: 09 Januar 2019, 18:55:36 »
Hallo miteinander und danke euch für eure Glückwünsche und Beiträge!

@Taro: Ja, ich hatte bereits 2 mal ein Tagebuch in anderen Spielsuchtforen begonnen, diese aber sehr inkonsequent nach wenigen Tagen beendet. Ich merke schon, dass mir allein das Schreiben meines ersten Beitrags enorm gut getan hat, weswegen ich dieses Mal große Hoffnungen habe, es lange durchzuziehen! Leider gibt es in meiner Studienstadt keine GA, habe aber fest vor, von Zeit zu Zeit in die nächstgelegene Stadt mit einer Gruppe zu fahren. Freut mich, dass du deine Depressionen hast abbauen können!

@Balduin: Glückwunsch zu den 100 Tagen, darauf kannst du sehr stolz sein! Meine längste Zeit war 34 Tage... Da hast du womöglich Recht, ich hatte mir es tatsächlich phasenweise überlegt, einen Kredit zu beantragen, war zum Glück aber immer so rational und vernünftig, es nicht zu tun, zumal es ja nur um eher kleinere Beträge ging. Es tut mir Leid, von deinen Schulden (oder auch von denen anderer) zu lesen. Hoffentlich schaffst du es, Stück für Stück da rauszukommen! Tatsächlich hilft es mir bis jetzt auch enorm, andere Leidensgeschichten zu lesen. Man fühlt sich verstanden und als Teil einer Gemeinschaft von Betroffenen. Die Geschichte von Rainer fand ich auch echt gut, das Gleichnis mit dem giftigen Pilz ist auch gut gewählt. Leider ist es, wie wir alle erfahren mussten, nicht so einfach, nur auf unseren Verstand zu hören und die Triebe kommen immer wieder hervor und zwingen uns dazu, Unüberlegtes zu tun.

@Andreasg: Dein beißender Sarkasmus ist gut getroffen, das "Auf-die-Klappe-Fallen" gestern muss es einfach gewesen sein. Wichtig ist es aber auch, wie man mit Rückfällen umgeht, falls sie unglücklicherweise doch einmal wieder vorkommen sollten. Ich erkenne eine ziemliche Verbundenheit von dir mit den USA, warst du dort einmal längere Zeit?
Es tut mir Leid, dass du an dem Borderline-Syndrom leidest. Meine Schwester hat diese Krankheit leider auch, daher weiss ich, wie schwierig es im Vergleich zu anderen Krankheiten therapierbar ist. Ich wünsche dir alle Kraft der Welt, um auch in deinem Alter (ab jetzt fängt doch erst das Leben an oder? ;) ) dein Leben positiver und optimistischer erleben zu können. Ich weiss, dass eine Krankheit auch oft zu Begleitkrankheiten führen kann, dadurch, dass ich aber meine bipolare Störung sehr gut im Griff habe, kann ich mich zum Glück nun voll der Bekämpfung meiner Spielsucht widmen. Am Dienstag habe ich zum Glück auf die Schnelle einen Termin bei meiner Suchtberaterin bekommen. Auf Tabletten kann ich leider nicht verzichten, zu groß ist die Gefahr einer sehr schnell ausbrechenden, sehr starken Episode. Aber gut ist, dass ich nur eine Tablette brauche, von der ich keine Nebenwirkungen bemerke.
Über meine Intelligenz steht mir keine Bewertung zu, jedoch kann ich sagen, dass ich ein ehrgeiziger Student (Entrepreneurship) bin und auch das Traumziel habe, mich einmal Selbstständig zu machen. Ideen dafür habe ich dutzende und ich suche auch gezielt Personen, die auch dafür brennen. Ich weiss auch, dass mich das so stark von Leidenschaft erfüllt, dass es mich irgendwann vollständig aus der Sucht treiben wird.
Wie ich gesehen habe, kommen wir aus unterschiedlichen Städten, haben uns wahrscheinlich deshalb noch nicht getroffen, würde dich und andere Betroffene aber auch gerne kennen lernen. "One day at a time" - das gefällt mir sehr gut.

Meine schlimme Laune vom Morgen hat sich nun deutlich verbessert, ich habe einige Erledigungen gemacht, Geburtstagsglückwünsche angenommen und werde nun für meine WG und ein paar Freunde ein leckeres Essen zaubern  :)

Gute 24 Stunden euch allen!

Steppenwolf
« Letzte Änderung: 09 Januar 2019, 18:58:26 von Steppenwolf »

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Steppenwolf

Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #5 am: 10 Januar 2019, 20:34:17 »
Guten Abend zusammen,

der zweite spielfreie Tag ist noch nicht ganz geschafft, dennoch kann ich ein gutes Zwischenresümee geben. Meine Laune hat sich seit 2 Tagen bereits erheblich gebessert. Ich konnte mich leider nicht soviel wie geplant dem Lernen für meine Prüfungen widmen, trotzdem war die Zeit nicht vergeudet. Denn ich habe viel hier im Forum gelesen und mich mit Nachdenken über meine Sucht beschäftigt. Außerdem habe ich einen sehr interessanten Podcast auf Spotify zu dem Thema gefunden (auf Englisch aber gut verständlich): "The After Gambling Podcast". Ich kann jedem nur empfehlen, einmal da reinzuhören.

Vor meinem letzten spielerischen Ausraster habe ich zwar auch eine 7-tägige Spielfreiheit gehabt, jedoch ist das Gefühl jetzt ein ganz anderes, ich stehe viel stärker hinter dem Entschluss, es dieses Mal ernst zu meinen. Am Dienstag habe ich meinen Termin bei der Stadtmission, der mir immer sehr gut getan hat. Ich habe außerdem vor, mich jeden Tag mindestens eine Stunde mit meiner Sucht auseinander zu setzen, sei es durch Lesen im Forum oder durch die im vorherigen Absatz beschriebenen anderen Methoden. Außerdem habe ich meine geschätzten 30.000€ Spielverlust in 8,5 Jahren auf den Tag runtergerechnet und komme dadurch im Schnitt auf 9,67€/Tag. Mein Ziel ist es nun, über gespartes Geld Buch zu führen , für jeden spielfreien Tag also schon einmal die 9,67€, aber auch andere Einsparungen will ich aufschreiben, um einfach wieder einen besseren Bezug zum Geld zu bekommen. Mal sehen, wie schnell dieser Betrag anwächst, ich werde über Zwischenstände hier informieren.

Ich war gerade etwas Leckeres essen und werde mir nun folgende Dokumentation auf Youtube zu Gemüte führen: "Gambling Addiction & Me - The Real Hustler (Full Documentary) - Real Stories"

Euch allen einen schönen Abend gute 24 Stunden.
Steppenwolf

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dev

Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #6 am: 10 Januar 2019, 20:54:00 »
Hi Steppenwolf,

zum Jahreswechsel ist es wohl bei vielen hier nochmal ausgeartet, da viele Fragen zu Chargebacks in den Themen sind. Da war es sehr erfrischend deinen Beitrag zu lesen. Ich habe eine Frage bezüglich deiner Abstinenz - und zwar - hat die Abstinenz schon irgendwie deinen Tagesrhythmus beeinflusst? Oder dein Schlafrhythmus?

Die Doku in deinem letzten Absatz werd` ich mir jetzt auch mal gönnen.

Einen schönen Abend

dev

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Offline andreasg

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Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #7 am: 10 Januar 2019, 21:06:16 »
Hallo Steppenwolf,

nein, ich war noch nicht in Amerika. Den Film Easy Rider, auf den ich in meinem Posting anspielte, den habe ich allerdings X - mal angesehen. Immer mit dem Wunsch nach Freiheit, nach einem Alternativen Leben, raus aus der Leistungsgesellschaft...

Mich freut# es, daß Du dich mit Deiner Spielsucht auseinanderszt. Nur, ob das so entspannend ist? Ivh bin ja festes Mitglied in meiner SHG, und ich habe auch Seminare, Workshops besucht, die sich mit dem Thema Spielsucht befassten.
Mir ist gerade so, daß ich mich abends entspannen möchte. Da höre ich Klassische Musik und sichte meine Fotos in den Bilderdateien. Eigentlich würde ich lieber über das Land fahren, die Freiheit genießen...

Ich freue mich, daß Du ein Kassenbuch führst. Das tue ich auch, und das macht mir den Tag meistens auch leichter. Die Sozialen Ängste nehmen dadurch ab, und ich brauche mir keine fiktiven Geldsorgen machen.

Ich wünsche auch Dir einen schönen entspannten Abend
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Steppenwolf

Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #8 am: 11 Januar 2019, 12:27:30 »
Danke für eure Beiträge @dev und @andreasg

@dev: Die Abstinenz geht ja bis jetzt nur eine sehr kurze Zeit. Dass sie meinen Tages-/Schlafrhythmus beeinflussen würde, kann ich nicht bestätigen, ich denke da im Bett eigentlich nicht dran, sondern eher an die überragende, mysteriöse neue Netflixserie "Dark" (Deutsche Produktion). Das hat mich eher die letzten Nächte umgetrieben  ;D. Aber als Student habe ich auch generell einen schlechten Schlafrhythmus, muss jetzt unbedingt wieder früher ins Bett, da ich sonst immer erst um 11 Uhr aufstehe und dann mit dem Lernen beginne... Wie fandest du die Doku? Hab mir mehr erhofft...

@andreasg: Vielleicht wäre das ein Lebenstraum für dich, den du dir irgendwann mal erfüllen willst? Dann hättest du auch ein konkretes Ziel zum drauf Sparen :)
Naja spannend ist es nicht, eher ernüchternd, je mehr Stories ich über die Sucht erfahre. Aber es hilft, sich den eigenen Schmerz, den mal in den schlimmsten Momenten verspürte, vor Augen zu halten und nicht zu vergessen. Denn unser Gehirn ist ja bekanntlich so programmiert, das man oft nur die positiven Erinnerungen (Gewinne) genau abspeichert, die negativen (Verluste) eher verdrängt. Ich würde auch gerne wieder ins Freie, das hatte ich jetzt ein halbes Jahr lange in Südamerika, da ist Deutschland wirklich eher depressiv stimmend... Aber langsam werden die Tage wieder heller und auch im Winter werde ich mich nun öfters aufraffen, ins Freie zu gehen.

Liebe Grüße und einen schönen Tag
Steppenwolf

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Steppenwolf

Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #9 am: 13 Januar 2019, 18:29:33 »
Guten Abend zusammen,

heute ist mein fünfter spielfreier Tag, der bald geschafft ist. Nach wie vor beschäftige ich mich noch täglich einige Zeit mit meiner Sucht (Podcasts, Texte, YT-Videos). Die Youtube Videos haben leider dazu geführt, dass mir bestimmte Videos (Best of von Online Casino Streamern, ein bestimmter Kanal) vorgeschlagen wurden. Das hat mich zumindest so weit getriggert, mir ein paar dieser Videos anzuschauen, was ich früher sehr oft gemacht habe und mir fest vorgenommen hatte, es nicht mehr zu tun. Von daher war es ein kleiner Dämpfer und ich habe mich danach schuldig gefühlt. Andererseits haben mich die Videos dieses Mal eher abgeschreckt, da ich an meine teils ähnlich hohen Einsätze erinnert wurde und da wahrscheinlich die meisten dieser Videos mit Affiliate-Geld vom Casino gemacht wurden.

Ansonsten geht es mit meiner Laune weiter aufwärts, ich schaffe es, immer mehr für meine Prüfungen zu lernen und auch früher ins Bett zu gehen. Außerdem war ich öfters im Fitnessstudio und spazieren. Es ist außer dem gesparten Geld auch unglaublich viel Zeit, die ich auf einmal mehr zur Verfügung habe! In einem schlauen Buch habe ich mal gelesen, man kann eine Gewohnheit am Besten loswerden, indem man mit einer neuen Gewohnheit anfängt. In diesem Sinne bin ich noch etwas auf der Suche, nach einer guten, neuen Gewohnheit. Zur Zeit ist es eine Mischung aus Sport, Kochen, Lesen und Musik...

Ich freue mich auf meinen Therapiegesprächstermin am Dienstag und wünsche euch gute 24 Stunden.
Steppenwolf

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Offline Olli

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  • 2.329
Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #10 am: 13 Januar 2019, 18:47:06 »
Hi Steppenwolf!

Ich würde ja Sucht lieber nicht als "Gewohnheit" definieren. Nicht dass Du in eine "Gewohnheitsverlagerung" gerätst!  ;D

Lieben Dank fürs Teilen - und ich drücke Dir auch die Daumen!
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline andreasg

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Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #11 am: 13 Januar 2019, 22:02:09 »
Hallo Steppenwolf,

ich denke es ist eine gute Mischung: Sport, Kochen, sind ja vorerst für den Körper gut, aber die Seele erfreut es natürlich auch;
Lesen, für Geist und Seele;
und Musik zum Entspannen für alle drei.

Ich wünsche Dir eine Gute Nacht nach denem 5. Tag,

schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Steppenwolf

Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #12 am: 16 Januar 2019, 13:05:20 »
Hallo zusammen!

Danke für eure Antworten @Olli und @Andreas. Olli du hast Recht, leider bin ich abgesehen von der Spielsucht auch sehr anfällig für andere Süchte, vor allem jetzt muss ich deshalb aufpassen, dass es zu keiner Sichtverschiebung kommt.
Danke dir Andreas, ich merke langsam auch, dass mir die Herausforderungen beim Sport und auch beim Kochen wirklich weiterhelfen und mich generell im Leben motivieren.

Mit gestern habe ich meine erste spielfreie Woche geschafft, was mich wirklich ziemlich stolz macht. Gestern früh war ich nach langer Zeit einmal wieder bei meiner Therapiestunde bei der Suchtstelle der Stadtmission. So sehr mir das Forum hilft, ist es dennoch nicht mit einer persönlichen Beratung zu vergleichen. Es hat mir so gut getan, mir wieder so viel von der Seele zu reden, neue Ziele zu stecken und Verständnis vorzufinden. Daher kann ich es wirklich jedem empfehlen, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Ich starte positiv in meine zweite suchtfreie Woche und wünsche euch allen eine schöne Woche und gute 24 Stunden.

Steppenwolf

Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #13 am: 16 Januar 2019, 19:05:59 »
Hey Steppenwolf,

Eine Woche ist schon Mal ein großer Schritt in die richtige Richtung. Weiter so.
Toll, dass du dir auch Hilfe von außen holst.

Bei mir war der spieldruck immer umso größer je mehr frei verfügbares Geld ich hatte. Dann hat mir mein innerer Spieler wieder ein geflüstert dass es doch nicht so schlimm wäre wenn man mal ein paar Euro wagt. Das war immer wieder ein Stepp tiefer in die spielsucht.

Ich bin spielsüchtig und kann nie wieder kontrolliert spielen.

Viele Grüße


Re: Zum Geburtstag viel Pech...
« Antwort #14 am: 20 Januar 2019, 12:53:52 »
Huhu Steppenwolf,

Hast Du weiter durchgehalten?
Hast Du Dich in den Casinos gesperrt oder nutzt noch andere "technische" Sperren um Dich vor Rückfällen zu schützen?
Oder reichen Dir die alternativen Beschäftigungen wie Kochen, Lesen, Sport um gar kein Spielbedürfnis zu haben? Ich sehe eine ähnliche Herausforderung bei Dir wie bei mir: die Studiumsbedingte viele Zeit am PC und bin interessiert zu lesen, wie andere damit umgehen.

viele Grüße,
madeira


 

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