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Ich mach mich auf den Weg

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Offline gogo

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Ich mach mich auf den Weg
« am: 11 Januar 2019, 21:47:53 »
Es ist jetzt 35 Tage her, als über mir alles eingestürzt ist. Mit ganz vielen kleinen Schritten habe ich mich zurück gekämpft in ein weitestgehend strukturiertes und lebenswertes hier und jetzt. Ich nehme weiter die Angebote der Suchtberatung in Anspruch, haben zwei Freunde, die immer ein offenes Ohr haben und das wichtigste - diese 35 Tage habe ich nicht wieder gespielt. Auch mit meinem Mann kann ich wieder reden ohne Beschimpfungen. Wir diskutieren, streiten aber nicht mehr.
Es ist jetzt fast auf den Tag 19 Jahre her, als ich eine erfolgreiche stationäre Alkoholentziehung beendet habe und das auch bis zum heutigen Tag zufrieden durchgehalten habe. Was sind da schon 35 Tage? Jeden Abend bevor ich zu Bett gehe, schaue ich in den Spiegel, danke für 24 Stunden, die ich nicht getrunken habe und jetzt dauert es halt ein wenig länger, weil ich auch 24 Stunden nicht gespielt habe. Auch wenn es noch lange nicht vorbei ist, weiß ich aber auch, dass es von Tag zu Tag besser wird, leichter und lohnenswert.
Ich habe so viel hier gelesen, aus Euren Erfahrungen gelernt und mir das mit auf meinen Weg genommen, was ich für meine Zukunft gebrauchen kann und auch brauchen werde. DANKE DAFÜR

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Offline taro

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Re: Ich mach mich auf den Weg
« Antwort #1 am: 11 Januar 2019, 22:38:04 »
Glückwunsch 35 Tage ist klasse

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

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Offline Olli

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Re: Ich mach mich auf den Weg
« Antwort #2 am: 11 Januar 2019, 23:26:22 »
Hi Gabi!

Zitat
Mit ganz vielen kleinen Schritten habe ich mich zurück gekämpft in ein weitestgehend strukturiertes und lebenswertes hier und jetzt.

Ich finde das so toll ... klasse ...
Da freue ich mich einfach mal mit Dir ... :)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline gogo

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Re: Ich mach mich auf den Weg
« Antwort #3 am: 19 Januar 2019, 10:51:42 »
Und wieder ist eine spielfreie Woche vergangen, diese war so ausgefüllt mit schönen Dingen, dass ich nicht einmal den Wunsch verspürt habe zu spielen. Seit gestern liege ich aber krank im Bett und es kommt eine nicht ganz ungefährliche Langeweile auf. Ich höre in mich rein, hinterfrage meine Gefühle und Gedanken. Was höre ich - Alarmglocken
Was fühle ich - Traurigkeit
Was denke ich - Langeweile darf nicht gefährlich werden.
Und was kann ich dagegen tun - aktiv werden geht leider krankheitsbedingt nicht. Ich sollte mich ausruhen, die negativen Gedanken durchbrechen und der Langeweile den Kampf ansagen. Das hört sich sich so einfach an, ist es aber nicht.
Das auszuhalten muss ich noch lernen, zumal mir diese Situation auch nochmal klar macht, dass es noch lange nicht vorbei ist. Ein Lernprozess, der mir aber auch neue Wege aufzeigen kann, um mit mir ins Reine zu kommen und Zufriedenheit zu spüren. Es wird Sackgassen und Einbahnstraßen geben, spannende Wege, wo ich noch nicht weiß, was mich hinter der Kurve erwartet aber auch geradlinige Wege, wo ich ein ganz klares Ziel vor Augen habe.
Jetzt wo ich das geschrieben habe, geht es mir schon ein wenig besser. Es war gut die Alarmglocken zu hören bevor die Langeweile übermächtig wird und mein Suchtgedächtnis sich das zu Eigen macht.

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Offline Olli

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Re: Ich mach mich auf den Weg
« Antwort #4 am: 19 Januar 2019, 14:53:53 »
Hi Gabi!

Ich danke Dir ...

Du hast gerade vollkommen richtig reagiert. Und wenn Du es nicht schon am Ende geschrieben hättest, dann hätte ich Dich jetzt gefragt, wie es Dir nach dem Schreiben geht.

Denke immer daran ... Langeweile geht auch irgendwann zuende.

Gute Besserung!
Olaf
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline gogo

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Re: Ich mach mich auf den Weg
« Antwort #5 am: 20 Januar 2019, 15:16:37 »
Gestern habe ich hier geschrieben, das krankheitsbedingt eine gefährliche Langeweile aufkam, die mich doch sehr aufgewühlt und nachdenklich gestimmt hat. Im Nachhinein betrachtet war es für mich so wichtig darüber hier zu schreiben. Ohne dieses Ventil wäre es (vielleicht) zu einem folgenschweren Rückfall gekommen.
Aus meinen ersten Wochen und Monaten als trockene Alkoholikerin weiß ich, dass man oft nur Zentimeter vor dem Absturz immer noch abbremsen kann und auf dem richtigen Weg bleibt. Auch damals hatte ich Ventile, die Explosionen verhindert haben. Zum Glück liegt das schon lange zurück und ich muss nicht an zwei Fronten kämpfen.
Voll und ganz kann ich mich auf den Weg aus der Spielsucht konzentrieren. Um zu trinken oder andere Suchtmittel zu organisieren, muss man in der Regel das Haus verlassen. Bei der Spielsucht im Online-Casino ist man aber leider nur einen Fingerklick vom Rückfall entfernt. Das macht die Sucht zu einem unberechenbaren Gegner.
Und diesen Gegner auszuschalten ist mein Ziel und dafür zu kämpfen lohnt sich allemal.

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Offline gogo

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Re: Ich mach mich auf den Weg
« Antwort #6 am: 30 Januar 2019, 13:26:07 »
Moin und einen lieben Gruß aus dem hohen Norden,

fast acht Wochen bin ich jetzt schon spielfrei. Eine Zeit die ich sehr intensiv an meinem Ausstieg aus der Sucht gearbeitet habe, sei es in der Suchtberatung, Gespräche mit meiner Psychologin, aber auch auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung in meiner Freizeit. Ich habe wieder angefangen zu malen, gehe wieder regelmäßig schwimmen und verschlinge Hörbücher, um Langeweile zu vermeiden. Da ich wegen meiner Krankheit (Multiple Sklerose) leider arbeitsunfähig und berentet bin, habe ich sehr viel Zeit. Es gibt Tage an denen ich mich beschäftigen kann und wunder mich, dass es schon Abend geworden ist und ich nicht einmal ein Gefühl von Langeweile aufgekommen ist. An anderen Tagen schleichen die Minuten nur so vor sich hin und es schaltet sich ein Kopfkino an. Ich habe nicht mehr den Wunsch oder Zwang zu spielen, aber sehe immer wieder ein Bild von mir, wie ich Stunde um Stunde am PC sitze und spiele. Es ist ein trauriges Selbstbildnis, erschreckend und abstoßend, wie mich das ganze Suchtverhalten verändert hat. Keine Zeit und Interesse mehr an Gesprächen und Kontakten. Auch auf mein Äusseres habe ich keinen Wert mehr gelegt, ebenso war Essen und Trinken zur Nebensache geworden. Dieses Bild auszuhalten fällt mir schwer. Es ist ein Gefühl von Wut und Trauer, aber auch der Wunsch und die Hoffnung, dass dieses Bild langsam verblasst und ich wieder ein Stück meines vorherigen Lebens zurück bekommen darf.
Dazu gehört auch das ich mir selbst wieder Vertrauen schenken kann und auch die Menschen mir wieder vertrauen, die ich so maßlos enttäuscht habe. Es ist hart und tut oftmals sehr weh, aber es lohnt sich.

Liebe Grüße Gogo

 

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