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Erster Schritt in die SHG

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #30 am: 02 Februar 2019, 01:44:21 »
Das ist mir inzwischen auch klargeworden. Bisher habe ich allerdings weniger gezogen, sondern eher pikiert weggesehen...
Langsames Entwirren kam mir nichtmal in den Sinn. Ist doch alles prima. Geduld? Wozu denn noch? Ich hab doch lange genug gewartet...

Seit ich das nicht mehr mache, knäuelt es gelegentlich mal. Aber dann so richtig. Innehalten und horchen ist schon ziemlich unangenehm. Das gibt zwangsweise Bandsalat, wenn's trotzdem weiter abspult. Da steht man dann wie ein begossener Pudel im Spiegelkabinett, und weiß nichtmal mehr, wo oben und unten ist. Ich hasse das ehrlich gesagt...
Ein sinnvolles Gespräch mit mir ist für Außenstehende schon schwierig. Ich mit mir allein - da kommt noch viel weniger bei rum...

War vorher in mancher Hinsicht einfacher. Selige Ignoranz ist was Tolles. Nur hatte das leider gravierende Nachteile, denn es ist ungeheuer frustrierend, wenn's nicht klappt, wie man sich das vorgestellt hat. Was mache ich falsch? Warum krieg ich das nicht auf die Kante? Ist doch eigentlich ganz normal, andere schaffen das doch auch.

Tja... es ist so einfach eigentlich. In der Theorie zumindest.
Man kann entweder sein Leben lang weglaufen, oder sich irgendwie arrangieren. Das klappt besser. Meistens zumindest.

Meine bessere Hälfte ist vor drei Stunden abgedampft zu meiner Schwägerin. Vier Stunden Autofahrt wegen einer Verständigungsschwierigkeit über eine Instant-Nudelsuppe... Wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, kann ich unerträglich sein... auf meine Art... unkommunikativ und rastlos.
Man sollte eben nicht versuchen, irgendwas in mich reinzuinterpretieren. Wenn ich was will, dann sage ich das auch - und umgekehrt. Was ist daran so schwer zu verstehen?
Sowas sind dann halt die hilflosen Momente. Da will ich auch nicht groß diskutieren, krieg eh nichts verständlich rübergebracht... wie man mal wieder merkt.
Da läuft das Ganze dann eben wieder in eine unschöne Richtung, weil ich mir selbst im Weg stehe. Ist wohl eine generelle Charakterschwäche.

Ich mache wohl irgendwie einen konfusen Eindruck, befürchte ich. So ganz verwirrt, wie es manchmal scheint, bin ich jetzt auch wieder nicht. Eigentlich verläuft mein Leben absolut normal. Kann nicht klagen. Für wen ist es schon immer einfach?

Naja... soviel dazu. Mentaler Sondermüll - Teil 17.

Wünsche euch trotzdem ein schönes Wochenende. :)

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #31 am: 02 Februar 2019, 14:36:32 »
@Tal,

ich lese Deine Beiträge so gerne, Sue bringen das Chaos im Kopf so schön auf den Punkt.
In Teil 18 könntest Du ja was von Deinem ersten SHG Besuch schreiben, für Dich da bin ich sicher ein Ahaa Erlebnis

Taro
#niemehrcdu
#artikel13

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #32 am: 02 Februar 2019, 22:16:04 »
Mut zur geistigen Umnachtung... das klingt irgendwie nicht sehr vorteilhaft... :P

Also... dann bis Teil 18. Bis dahin muß ich mich nur selbst überzeugen. Hab ja gerade genug Zeit dafür, ist ja niemand hier. Ich bin mir allerdings nach wie vor sicher... der Fahrtweg dorthin wird hart. Hab lange nicht mehr etwas so gefühlt Unangenehmes getan, da schrillen alle Alarmglocken "Du mußt das doch gar nicht tun." Völlig irrational und unsinnig, aber ich kann's echt nicht ändern...

Was soll's. Muß ich durch. All das, was heute ist, wäre ohne den ein oder anderen Schritt aus meiner Komfortzone auch nicht möglich gewesen.

Bis dahin sollte ich nur einfach mal ein bißchen weniger reden...

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #33 am: 02 Februar 2019, 22:44:49 »
Ich ging schon einige Zeit in Gruppen, hörte zu, für meine Beiträge schrieb ich mir vorher Stichpunkte auf den Zettel. Das war schon ganz gut, was ich hörte ließ bei mir ein Licht nah dem anderen aufgehen. Ich saß da aber noch immer mit meinem Wollknäuel, zeigte immer nur mal ein kurzes Stück welches ich schon entknotet hatte.

Dann saß ich in der Gruppe es sprach ein Freund dem ich mich sehr verbunden fühlte, er sprach lange und es war nur Chaos, vieles hörte sich total irre an, kurz gesagt, er sprach vieles so aus, wie es auch bei mir im Kopf aussah. Darauf meldete ich mich zu Wort und rollte meinen kompletten Wollknäuel auf den Tisch. Ich hatte den Mut zur geistigen Umnachtung, wie Du es bezeichnest. Ich erinnere mich noch gut an den abend, es fühlte sich richtig gut an. So ziemlich das beste was ich jemals getan habe. Ein Freund rief mich noch spät abends an, er schrie mich an weil Ihn das was ich erzählt habe wütend gemacht hat, ich war ganz ruhig und wußte,  daß hat überhaupt nichts mit mir zu tun.

Letztlich kann ich sagen, immer wenn ich mich trau mich mit meiner geistigen Umnachtung zu zeigen, dann ist es ein gutes Meeting.

Taro
#niemehrcdu
#artikel13

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #34 am: 05 Februar 2019, 16:05:45 »
Ich wäre schon froh, erstmal den Anfang des Fadens zu finden. Aber das ist normal, denke ich. So vieles, was ich denke und empfinde, scheint irgendwie ganz normal zu sein. Was mich halt echt 'wurmt', ist die Tatsache, daß es eigentlich schon gefühlt ewig her ist, und trotzdem trag ich den Ballast noch mit mir rum, und wie ich heute weiß, wird sich das auch nicht ändern, da hilft alles Aussitzen nichts. Ich habe immer versucht, mich anzupassen. 100%ig geklappt hat es nie. Nach außen hin geht's blendend, aber da ist immer ein innerer Widerspruch.

Die Bilder sind vor meinem inneren Auge verblaßt, die Zeiten haben sich geändert. Was bleibt sind wirre Gedanken und konfuse Emotionen. Etwas, was eigentlich extrem untypisch ist. Ja. Es ärgert mich, das nicht kontrollieren zu können, nicht Herr über das Chaos zu sein. Ich denke nicht mehr wirklich ans Spielen, hab schon lange nicht mehr das erlebt, was man wohl Suchtdruck nennt, und dafür bin ich so unendlich dankbar. Trotzdem ist da immernoch etwas, was tief verankert ist in der Zeit, als die Welt sich noch darum drehte, ihr bloß nicht ins Auge sehen zu müssen. Allein diese Erkenntnis zu erlangen, mir diese Verbindung einzugestehen, hat so wahnsinnig lange gedauert.
Aufatmen und Loslassen - ein Wunschtraum.

Heutzutage spielt man online. Das ist noch soviel schlimmer. Ich habe es geschafft, es bis heute zu verheimlichen - wieviel einfacher ist das im stillen Kämmerlein... das ist so bitter...
Ich finde Geschichten anderer immer sehr schwer zu lesen, da muß ich oft echt ziemlich schlucken. Ich bin wirklich kein gefühlsduseliger Mensch und bekannt für meinen Mangel an Empathie und Einfühlungsvermögen, aber das ist manchmal schon hart. In 3D wäre das sicher nicht einfacher.

Gibt schon wirre Sachen - dagegen bin ich gar nichts. Letztens philosophierte einer in einem anderen Forum darüber, daß Spielen ja sein Normalzustand sei, somit sei er nicht krank, sondern im Gegenteil - nicht zu spielen wäre in seinem Fall krankhaft. Rein logisch gesehen sei das also vom psychologischen Aspekt her nicht erstrebenswert.
Ist schon erstaunlich, auf was für Ideen man kommen kann, sich das Ganze schönzureden, und vor sich selbst zu rechtfertigen. Das überstieg selbst meine Kreativität in puncto bequeme Ausreden.
Hatte schon überlegt, ihm virtuell das goldene Luftschloß zu verleihen, hatte nur in der zwischenzeit dummerweise den Schlüssel verlegt.

Ja. Es tut gut, einfach mal runterzuschreiben, auch wenn wahrscheinlich keiner wirklich folgen kann. Ich hab schon oft was geschrieben, es dann aber wieder gelöscht. Klingt immer irgendwie wirr und unbeholfen... und außerdem... was weiß ich schon? Müßte erstmal bei mir selbst aufräumen. Kann höchstens ein Lied davon singen, wie man es am besten nicht macht.

Nun... das war wohl Nummer 18... 
Ich überleg grad, wann ich zuletzt jemanden angeschrien habe... kann mich echt nicht erinnern. Andersrum genauso. Alles easy-going hier.

Schönen Feierabend allen. :)

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Offline Olli

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #35 am: 05 Februar 2019, 16:21:24 »
Hi!

Zitat
Ich überleg grad, wann ich zuletzt jemanden angeschrien habe... kann mich echt nicht erinnern.

Wer schreien muss, um sich Gehör zu verschaffen, der hat ein Problem ... Du hast es wohl abgelegt ... :)

Ich lese Dich gerne ... :) ... also freue ich mich auf Teil 19 ... wenn Du denn magst ...
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #36 am: 05 Februar 2019, 22:25:22 »
Moin Tal,

was ist der Unterschied zwischen einem Neurotiker, einem Geisteskranken und eines Therapeuten?
Der Neurotiker baut Luftschlösser, der Geisteskranke wohnt drin und der Therapeut kassiert die Miete.

Viel mir beim Lesen gerade ein, ich habe auch schon drin gewohnt, und den Anfang vom Faden habe ich wo gefunden....?


Taro
#niemehrcdu
#artikel13

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #37 am: 05 Februar 2019, 23:31:38 »
Hi TAL,

schön geschrieben, finde ich auch.

Beste Grüße,
MC

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Offline andreasg

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #38 am: 05 Februar 2019, 23:53:35 »
Hallo  ihr Lieben,

ich hatte Sonntag im Kirchencafe meinen Lauten! Eine Psychologin stellte ein Projekt für die Flüchtlingshilfe vor, an dem ich interessiert bin, eben weil  ich Bezugspunkte habe, weil ja auch Flüchtlinge Menschen sind und mitunter auch Spielsüchtig. Eine Frau am Tisch störte die Projektankündigung,  indem sie in einem Dauerredefluss bemängelte,  daß  Flüchtlingshilfe nicht angemessen ist,und diese sollten doch Zuhause bleiben, Ich bin aufgestanden und wollte gehen, habe aber meine Wut über diese Störung ausgedrückt. ich stand stabil, und wsr mir sicher, nicht auszurasten..Die Psychologin schaffte es so mich vor dem vorzzeitigen Verlassrn des Kirchencafe s zu hindern, und es entwickelte dich eine völlig neue Atmosphäre  in der Runde.Ich bekam viel positive Zuwendung, gerade vom Kirchenvordtand. Heute in drr Therapiestunde habe ich eingebracht, wie dumpf polemisch ich in meiner Zrit als vrrsoffener Fussballfan war, und nun in meiner  gewonnenen Spielfreiheit human zu Leben, und eben Menschen in Notlage Willkommen  zu heißen, etwas, was ja auch im Kirchenraum wie im Gruppenraum für mich geschieht.Ich habe auch Zweifel an meiber Stärke, das kann zum Brüller werden, wenn ich aus neiber innerrn Mitte gehe.  Aber das konnte ich nicht erkennen. Wenn aber aus Wut Mut wird, Mut zum eigenen Ich, dann bin ich auf mrinem Genesungsweg  ein Stück writer gekommen.
Ich freue mich Morgen auf diese Veranstaltung., die Mahnwache für Geflüchtete, weil ich dann wieder Stille in mir entdecken kann. 

Liebe Grüße Andreas

auf Tablet geschrieben und später rein geschrieben  :)
« Letzte Änderung: 06 Februar 2019, 10:46:37 von andreasg »
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #39 am: 07 Februar 2019, 17:18:13 »
Danke MC, eigentlich isses nur ein ungeordneter Haufen Brei, Struktur hat das nicht, von Sinn mal ganz zu schweigen. Aber brauch ich das beides überhaupt? Ich hab mir nie erlaubt, zu lange über unangenehme oder verwirrende Sachen nachzudenken. Das wollte ich nicht, es paßte nicht zu meinem Plan des Normalseins. Funktionierte natürlich zugegebenermaßen nur so bedingt, das auszublenden. Etwas kosmisches Rauschen im Hintergrund war immer schon da. Besonders, wenn sonst Stille herrschte.
Mhhh... klingt jetzt irgendwie verrückter, als es ist... das ist jetzt kein Dauerzustand... aber naja..

Meine sozialen Interaktionen laufen auch nicht immer blendend, und manche Dinge enden unvorhersehbar. Ich habe seit ich bei meinen Eltern ausgezogen bin keinen Fernseher besessen, bis vor etwa zwei Monaten, da schleppte meine bessere Hälfte so einen Kasten an. Die sehen heute irgendwie anders aus... Trotzdem gucken wir nie fern, ich hasse das Ding. Gestern dachte ich mir, ich guck mal Snooker... wenn man schonmal so'n Teil hat.
Da kam dann jemand nach Hause und wunderte sich über meinen ungewöhnlichen Zeitvertreib... und über die Bandenwerbung.
Nein, das ist kein Waschmittel.
Dann kam die Werbepause. Die Tatsache, daß es wohl tatsächlich einen Markt für mobile Casinos gibt, sorgte ebenfalls für leichtes Unverständnis.

Am Ende langweilte die Partie uns beide.
Hab dann den Fernseher ausgeschaltet, wir werden wohl auch in Zukunft keine Freunde mehr werden. Einen Versuch war's wert.

Ich war noch nie der laute Typ und gehe Auseinandersetzungen grundsätzlich aus dem Weg. Zur Not gebe ich halt auch mal klein bei, ein klassischer Ja-Sager. Meine Meinung äußere ich normal auch eher selten. Ändert eh nichts. Oftmals hab ich auch einfach gar keine.
Ätzend, unfair und provozierend konnte ich allerdings schonmal werden, wenn es 'sein mußte'. Das hab ich tatsächlich abgelegt... hoffe ich zumindest, kann das natürlich nicht wirklich beurteilen.
Stille ist sehr angenehm, es ist schön, sie herbeiführen und bewußt genießen zu können, aber manchmal möchte ich schon gern mal schreien, aber nicht aus Wut oder um mir Gehör zu verschaffen. Der Einzige, der es hören würde, wäre dann eh ich selbst. Das wär mal ein bißchen seltsam. Weder stark noch mutig, sondern irgendwie schräg. Da sollte ich besser von absehen.

Ajo... ich sollte nen eigenen Thread für meine Monologe aufmachen, statt diesen hier zuzumüllen. Als Einschlafhilfe genauso zu empfehlen wie bunte Kugeln auf grünem Hintergrund dabei zu beobachten, wie sie behäbig in irgendwelche Löcher kullern.
Bei mir fehlt da leider noch der nötige Schwung, ich bleib immer auf halber Strecke liegen.

Ich las letztens einen passenden Spruch. "Man kann ein Pferd zum Wasser führen - Trinken muß es dann allerdings schon selbst."

Darum sollte ich mich erst melden, wenn mal wirklich was passiert. Langer Roman, null Inhalt. Ist ja irgendwie nicht so ideal, sich so offenkundig im Kreis zu drehen. Im Schneckenhaus gibt's halt sonst nur einen Ausgang, und ich mag Sonnenlicht nicht so gerne. Da fühlt man sich immer so exponiert.
War im Luftschloß übrigens auch nicht anders.
« Letzte Änderung: 07 Februar 2019, 17:21:51 von TAL »

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #40 am: 08 Februar 2019, 23:15:46 »
Leben auszuprobieren und diese Schrägen Gedanken. Gerade dafür war die SHG der perfekte Platz.
Das Thema schreien und es ausprobieren war auch mein Thema, ich hatte im Meeting darüber gesprochen, war dann tanzen, brachte meine Freundin nach Hause und stand ca. um 3 Uhr morgens zwischen den Grindelhochhäusern. Das sind Hamburgs erste Hochhäuser und habe geschrien. Immer weiter. Es dauerte einen Moment dann sah ich Blaulicht. Die Beamten kamen und fragten mich ob ich geschrien hätte, ich bejahte. Sie fragten mich nach den Grund. Ich sagte, ich hatte solche Angst aber jetzt seien Sie ja da. Ich hatte noch einige mal mit Freunden das Schreien ausprobiert, die ganzen Erinnerungen bringen mich noch immer zum Schmunzeln.

Ist alles total verrückt, macht aber total Spaß und mich langsam wieder ins Leben geführt. Das war sehr viel aufregender als zu spielen. Das zu den Polizisten zu sagen, ich erinnere mich noch genau, ich hatte natürlich Angst das die mich mitnehmen, musste einfach mal ausprobiert werden.

Heute habe ich viel um die Ohren, Familie, fordernde drei Kinder, Arbeit. Morgen fahre ich zum Treffen von GA nach Lübeck.
Ich fahre mit zwei Freunden hin, ein Tag an dem ich Leben probieren kann.

Ich freu mich.
Taro
#niemehrcdu
#artikel13

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #41 am: 09 Februar 2019, 19:44:07 »
Heute beim Treffen der Region Nord in Lübeck gewesen. Viele alte Freunde getroffen. Eine Gemeinschaft der ich mein Leben zu verdanken habe.
Zum Glück ist die Region so stark,  es fanden sich über 30 Freunde ein.
Praktisch alle Freunde die mich seit über 20 Jahren begleiten haben heute ein pralles Leben.

Ich habe auch Gespräche darüber geführt,  dass die Therapeuten die stark mit der Selbsthilfe verbunden sind fast ausgestorben sind.
Die Verbindung und das gegenseitige Wertschätzen ist für den Profit wohl auf der Strecke geblieben.

Trotzdem ein rundum gelungener Tag.

Taro
#niemehrcdu
#artikel13

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #42 am: 09 Februar 2019, 22:39:21 »
Dein Tag klingt interessanter als meiner. Ich hab mich (mal wieder) gedrückt. Es stand ein Abend bei einem Bier mit Freunden an. Mir ist heute nicht nach trinken und plaudern. Kommt vor, häuft sich in letzter Zeit aber gerade wieder...

Ich habe keine Kinder. Den Schritt habe ich nie gewagt, und werde es wohl auch in Zukunft nicht tun, aber ich bin verheiratet und habe einen für meine Verhältnisse mehr als ordentlichen Job. Ich mußte dort nie eine Bewerbung schreiben. Pures Glück, kein Geld der Welt kann das kaufen. Es aufs Spiel zu setzen wäre das dümmste, was ich tun könnte, denn all das hätte ich heute sicher nicht, hätte ich weitergemacht wie vorher. Es war kurz vor 12 für mich. Einen Schritt weiter, und das hätte ein böses Erwachen gegeben. Ich habe nie etwas gelernt, und mir auch nie zugetraut, dort nochmal anzusetzen, obwohl ich die Unterstützung zu Hause hätte. Auch mit einem Einkommen wäre das machbar. Das stand bei uns schon öfter im Raum. Ich will das aber nicht.
Denn ich weiß, warum ich mich in dieser Situation befinde. Dafür sollte kein anderer auch nur einen Cent zahlen müssen, ob nun direkt oder indirekt.


Meine Erinnerung in Bezug auf die Grindelhochhäuser ist eine komplett andere. Innere Unruhe und der überwältigende Drang, wegzulaufen und mich zu verkriechen. Eins der vielen Ereignisse und Bilder, die das Gefühl des völligen Fehl-am-Platz-Seins zurück ins Gedächtnis rufen.
Man konnte nicht den Staubsauger und die Waschmaschine gleichzeitig anmachen, weil sonst auf der ganzen Etage die Sicherungen rausflogen. Außerdem gab es tatsächlich noch Müllschächte im Treppenhaus, die dauernd verstopft waren. Es stank erbärmlich. Muß so Anfang der 2000er gewesen sein, meine Cousine wohnte dort und fragte öfters mal, ob ich ihr in Mathe helfen kann. Sie trank ständig Wein mit Cola und zog sich stundenlang 'Desperate Housewives' rein. "Was ist bloß los? Nun entspann dich mal, wir können später noch Mathe machen. Sei doch nicht so...!"
Dann klingelte meine Tante, um Lebensmittel vorbeizubringen, sie war eine ziemliche Glucke. Das genaue Gegenteil ihrer Schwester.
"Scheiße! Hilf mir mal, die Cannabispflanzen außen auf die Fensterbänke zu stellen."
Mathe war vergessen, es gab noch mehr Wein mit Cola, es wurde gelacht und in Erinnerungen geschwelgt, und ich habe die ganze Zeit nur einen einzigen Gedanken gehabt. "Wie komme ich hier schnellstmöglich weg??"
Für's Schreien hätte ich zu der Zeit kaum Energie gehabt, auch wenn es bei dem Weinkonsum der beiden wahrscheinlich keinen sonderlich gestört hätte. Die Polizei hätten sie wohl nicht gerufen, es hätte nur eine noch viel unangenehmere Konversation zur Folge gehabt. Im Mittelpunkt zu stehen und Fragen aufzuwerfen galt es tunlichst zu vermeiden.
Irgendwann ging es aber einfach nicht mehr und ich bin weg, es war zu beklemmend, warum konnte ich nicht einfach mal abschalten wie alle anderen auch? Aber he... offiziell war ich ja bei meiner Cousine...
Der Tag endete im Desaster, wie so viele unzählige andere auch. Ein Kater von Billigwein mit Cola ist gar nichts dagegen. Was läßt einen eine solche Entscheidung treffen?

Ehrlich gesagt empfinde ich das auch heute noch manchmal so. Allein in einem Raum voller Leute. Aber es ist einfacher geworden, das als Teil von mir hinzunehmen. Wenn ich es wirklich nicht mehr aushalte, fahre ich einfach nach Hause. Das wundert auch keinen mehr. Ich muß mir nichts beweisen und ich muß auch keinen ganzen Abend damit verbringen, mit aller Macht ein Gefühl des Versagens und der Unzulänglichkeit zu verdrängen. Ich mute mir nichts zu, mit dem ich nicht umgehen kann. Zumindest, soweit ich das selbst beeinflussen kann ohne Fragen aufzuwerfen.
Man lernt dazu, auch wenn es ein langer Prozeß ist.

Ich kenne keine Therapeuten, und weiß auch nichts über Methoden oder unterschiedliche Ansätze. Für mich gehört auch das zu den Dingen, die in meinem Schneckenhaus an mir vorbeigegangen sind. Es ist schon erstaunlich, zu was für einem Maß an Selbstverblendung man fähig ist, wenn man nur ganz fest an etwas glaubt... oder es zumindest hofft.

Mitunter mache auch ich komische Sachen, weil mir grad danach ist. Ist mir dann ziemlich egal.  Das Leben ist aufregender, wenn man den Kopf aus dem Sand zieht. Die Flut an einfachen Dingen, die man plötzlich bewußt wahrgenommen hat... Das ist ein Auf und Ab zwischen ungläubigem Staunen und einschüchterndem 'Overflow' - komplette Verwirrung. Dem steht man dann manchmal schon etwas hilflos gegenüber. Keine einfache Zeit, plötzlich mit einer Vielzahl an Eindrücken und Emotionen konfrontiert zu werden. Es gibt soviel dort draußen. Wie konnte ich das übersehen?

Die Welt hat sich jahrelang ohne mich gedreht. Das wieder aufzuholen ist eine ziemliche Herausforderung. Bis heute.

Für jeden anderen klingt das verrückt, für mich ist das Alltag. Mal mehr, mal weniger.
Und heute hätte ich die Energie zum Schreien.

Da schreib ich lieber, auch wenn ich eigentlich Besserung gelobt hatte.

-Nachtrag-
Hab mal ein paar Details gelöscht. Das war etwas zu viel Info. Manchmal sollte man nachdenken, bevor man schreibt.
« Letzte Änderung: 10 Februar 2019, 04:20:42 von TAL »

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #43 am: 10 Februar 2019, 09:27:07 »

Die Welt hat sich jahrelang ohne mich gedreht. Das wieder aufzuholen ist eine ziemliche Herausforderung. Bis heute.

Moin TAL,

Deine Beiträge sind einfach der Hammer ich finde mich darin so gut wieder.  Da hat Du ein echtes Talent.

Zum Thema aufholen, ich hatte das Glück ziemlich jung meinem Tiefpunkt erreicht zu haben.  Ich habe einfach so gelebt,  als wenn ich gerade hinaus in die Welt gegangen wäre.  Ich machte mein Fachabi mit 28 Jahren, die meisten meiner Klassenkameraden waren 18. Ich studierte, war natürlich auch einer der ältesten.
Ich heiratete mit 39 und habe heute drei Kinder. Ich kann meine verspielte Zeit nicht aufholen, ich habe mich aber dran gewöhnt die Dinge etwas später anzugehen als die meisten anderen Menschen. Tatsächlich mache ich meinen Job schon 20 Jahre, bin schon dichter an der Rente dran fühle mich aber oft noch wie ein Berufsanfänger.
Das ist nicht schlimm, hält es mich doch Wach und interessiert was andere einbringen.
Unterm Strich ist das trotzdem ein Teil des hohen Preises den das spielen fordert.

Nur,  ohne das spielen hätte es dieses Leben nie gegeben.

Taro
#niemehrcdu
#artikel13

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #44 am: 11 Februar 2019, 17:13:08 »
Ich schreibe immer einfach drauflos. Für mich klingt das im Nachhinein immer etwas planlos und durcheinander. Dann will ich's wieder löschen, aber denke mir, das wäre ja noch verwirrender. In meinem Kopf isses eben manchmal nicht so aufgeräumt. Was soll's? Inzwischen ist das eh jedem klar. Zumindest hier.

Studiert hab ich auch schonmal. Mit eher mäßigem Erfolg, wie man sich vielleicht denken kann. Es ging mir eh nur um die Bafög-Zahlungen... mit meinem Hintergrund bekam ich den Höchstsatz, das mußte man dann ja einfach mitnehmen. Offiziell arbeitete ich deshalb nur auf 400€-Basis, und habe alles darüber unter der Hand in bar ausgezahlt bekommen.
Zwischendurch mußte ich nur einmal den Studiengang wechseln, um nicht wegen fehlender Leistung exmatrikuliert zu werden. Das ging zwei oder drei Jahre so, bis ich wegen versäumter Semesterbeiträge endgültig flog. Ich bekam keinen weiteren Aufschub mehr. Meine Studienzeit hatte also eher wenig mit Bildung zu tun.

Mein Wendepunkt kam auch vergleichsweise früh, im Endeffekt brauchte ich nur etwa sechs Jahre, den Karren mit Vollgas gegen die Wand zu fahren und komplett zu zerlegen. Ich erinnere mich noch sehr genau an diesen Freitagabend und die darauffolgende Nacht. Trotzdem hat es noch sehr lange gedauert, mich soweit auf Spur zu bringen, daß ich mir zutraute, meine gewohnte persönliche Schutzzone zumindest zeitweise zu verlassen. Klingt vielleicht komisch, aber ich hatte manchmal unglaubliche Angst vor mir selbst. Da stimmte etwas ganz gewaltig nicht mit mir, das wußte ich wohl insgeheim. Ich war nur unfähig, mich damit auseinanderzusetzen. Ich wollt's nicht wahrhaben.
Somit reichten die direkten Auswirkungen noch weit über meine aktive Zeit hinaus, denn auch danach wäre ich nicht in der Lage gewesen, gewisse Veränderungen in meinem Leben vorzunehmen. Ich hatte zuviel Angst vor dem Ungewissen... und meiner Reaktion darauf. Bloß nicht anecken, bloß nichts Unvorhersehbares... vieles fällt auch jetzt noch schwer.
Die Welt da draußen war Neuland für mich, meine Schritte hinein waren sehr zaghaft. Ich mußte erst langsam lernen, mich darin zurechtzufinden.

Drei Jobs, das hatte auch den Vorteil, mich beschäftigt zu halten. Aufstehen, arbeiten, schlafen. Mehr war da nicht. Das ging noch sehr lange so.
Und trotzdem war es besser als je zuvor... aus dem Fenster der UBahn zu gucken, und ohne die unaufhaltsam rasenden Gedanken die Umgebung vorbeiziehen zu sehen... einmal fragte mich tatsächlich eine ältere Dame, warum ich denn so grinse. Das war etwas peinlich. Ich sagte ihr nur "Weil es mir gutgeht."
"Das freut mich zu hören. Die meisten Leute wissen das gar nicht mehr zu schätzen."
Weise Worte, in der Tat.

Geheiratet habe ich mit 29. Eigentlich wollte ich das gar nicht. Die Person, mit der ich gerne altwerden wollte, der ich mein jetziges Leben verdankte, ohne daß es ihr überhaupt bewußt war, aber dagegen hab ich mich lange gewehrt. Ich wollte keine Abhängigkeit, keine zu feste Bindung, keine gegenseitige Verantwortung. All das stand mir nicht zu. Aber ich konnte irgendwann nicht mehr nein sagen, es ging einfach nicht mehr, ich hatte in den Augen anderer ja keine wirkliche Begründung. Man heiratet doch genau deshalb, um füreinander dazusein.

Nun führe ich also ein Leben, was eigentlich normaler und sorgenfreier nicht sein könnte. Trotzdem ist da etwas, was ich nicht abschütteln kann, so sehr ich's auch versuche.

Ich kann bei vielen Dingen nicht mitreden, manches irritiert mich auch einfach nur, es erwartet aber eigentlich auch gar keiner irgendwas von mir... außer mir selbst.
Ja, den Preis für meine Dummheit werde ich auch weiterhin zahlen müssen, aber wenigstens sehe ich heute den Zusammenhang. Es ist wohl absolut nicht verwunderlich, daß das Spuren hinterläßt. Ich kann nur versuchen, das Beste daraus zu machen.
Die Zeit bekomme ich nicht zurück, meinen Kopf kann mir auch keiner durchpusten. Es hat mich weit mehr gekostet als nur Geld.

Wie sagte hier kürzlich jemand? "Ich denke, daß ich keine Hilfe brauche - ist das normal?" oder so ähnlich.
Die Stimme kenn ich auch. Sie kann sehr überzeugend sein.

 

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