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Erster Schritt in die SHG

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #90 am: 15 März 2019, 21:45:47 »
Hallo Skip

Zitat

Peter, vielleicht ist dir einfach fad? (= langweilig)... Such dir eine Aufgabe... etwas, dass einen Wert für dich hat, etwas, wofür du einstehst, wofür du was investierst? ich as meinst du?

Ich hab doch ne Riesen Aufgabe und Ziel, Spielfrei zu bleiben.  Und langweilig ist mir eigentlich nie, eher das Gegenteil.  Hab nen Job der mich , manchmal mehr als ich will ausfüllt , ne super Familie und nen großen Freundes und Bekanntenkreis. Ich sag bei Einladungen eigentlich eher ab als zu, weil ich es auf der Couch entspannter finde, als unter Menschen.  War früher genau andersrum.

Gruss Peter

*

Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #91 am: 15 März 2019, 22:17:35 »
... Ich glaub, manchmal beginnt man auch einfach grundlos zu spielen ...

Warum sollte den ein erfülltes Leben mit dem Spielen beginnen,  das passt da doch überhaupt nicht rein. ...

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #92 am: 16 März 2019, 11:46:51 »
Das geht mir genauso Peter, ich sage auch lieber nicht zu. Das war bei mir aber noch nie andersrum. Naja, es gibt zumindest wenige Leute, bei denen es andersrum ist, in deren Gesellschaft ich mich nicht irgendwie fehl am Platz fühle. In meiner Jugend gab es davon ein paar mehr, oder vielleicht war ich selbst auch nicht ganz so... ähm... 'scheu' wie heute, aber das Gefühl kannte ich auch damals schon.

Gibt es immer einen 'Grund'? In meinem Fall weiß ich es nicht. Sicher war nicht immer alles rosig, aber das geht Millionen anderen auch so... von daher... Was macht mich da anders? Ganz genau: überhaupt nichts. Ich bin wohl nur von Natur aus etwas schwer von Begriff.

Bin ich freudlos spielfrei? Bis vor kurzem hätte ich ganz entschieden gesagt: Nein!
Nicht, daß mich das mal jemand fragen würde, aber nur so mal als Gedanke.
Mhhh... ich würde nicht sagen, daß ich irgendwo bin, wo ich nie hinwollte. Ganz im Gegenteil. Es gab Zeiten, da hätte ich nichtmal im Traum gedacht, daß es für mich überhaupt eine reelle Chance gibt, überhaupt je 'hier' anzukommen. Nur hatte ich eigentlich vorher kein klares Bild vom Hier. Ich war mir nur sicher, daß ich das damalige Jetzt nicht mehr wollte. Alles andere konnte nur besser sein. Das klingt wirr, oder? Schwer auszudrücken.
Ziele? Verantwortung? Dabei fällt mir gar nichts Konkretes ein. Ist bei näherer Betrachtung doch irgendwie 'traurig'...

Daß Spielen nie wieder Thema war, würde ich ehrlicherweise so auch nicht sagen... ich war ein paarmal sehr nahe dran. Die Abstände wurden größer, aber auch die festeste Überzeugung und die größte Willenskraft hilft mir nicht, wenn ich anfange, mich selbst zu sabotieren. Ich bin in der Hinsicht (wie in so vielen anderen) mein eigener größter Feind. Das einzige, was ich dagegenzusetzen habe, ist die Tatsache, daß ich das ganz genau weiß. Daher weiß ich auch, wann es 'gefährlich' wird... und daß ich aufpassen muß. Das ist aber dennoch nicht immer so ganz einfach gewesen, wenn ich nichts anderes tun kann, als mich selbst auszutricksen. Die ersten Male war das immer ein herber Rückschlag. Ich dachte doch, das Thema sei durch. Aber naja... das wird es ja wohl nie sein. Was eine Geistesblitz, aber besser spät als nie...
Ist aber zum Glück schon länger nicht mehr vorgekommen.

Naja... ehrlich gesagt... ich wollte früher mal Ingenieur werden. Wenn überhaupt irgendetwas. Dafür mußte ich allerdings studieren. Ich? Haha. Theoretisch ja kein Problem, aber viel zu anstrengend... und zu schwer. Nicht meine Liga, das schaffe ich eh nicht. Aber es war eine gute Möglichkeit, das ständige Generve und Gefrage in puncto Zukunftspläne zu umgehen, dann würde mir keiner mehr auf die Nerven gehen. Also hab ich mich halt eingeschrieben...
Zu diesem Zeitpunkt erforderte meine Freizeitgestaltung allerdings schon meine gesamte Aufmerksamkeit. Alles andere mußte irgendwie untergeordnet werden. Ein Vollzeitstudium ohne wirkliche Anwesenheitspflicht schien da recht praktisch. Und ein Superalibi gab's gleich dazu. Ach, was mußte ich ständig und viel lernen... natürlich immer nur bei anderen Kommilitonen... anschließend haben wir dann halt noch was getrunken, auch unter der Woche. So ist das eben. Studenten halt. Ein sehr soziales Häufchen. Jaahaa, kennt man ja... oder soll ich jetzt etwa zur Sesamstraße zu Hause sein, damit du dich besser fühlst? Ja, ich weiß, daß du das nicht so gemeint hast. Versprochen, das nächste Mal rufe ich an.

Ich war dann auch tatsächlich ein paarmal dort, nachmittags, mal schauen, hab grad eh nichts zu tun, und die Matheklausuren habe ich sogar mitgeschrieben. Ich wußte, das würde ich packen, da brauch ich keine Angst haben. Es war logisch und eindeutig, und ich konnte einfach am Semesteranfang das Skript mit nach Hause nehmen und alleine lernen, das fiel mir leichter. Bei anderen Sachen war das anders. Gerade Gruppenarbeiten und dergleichen lagen mir nicht, ich wollte nicht der Klotz am Bein sein. Was ich nicht alleine wuppen konnte, war halt ganz einfach nicht machbar. Außerdem waren das zu viele geschwätzige, gutgelaunte Leute auf einem Haufen, das war schlimmer als in der Schule. Aber zumindest teilten einige meine Ansicht, daß Skatspielen in der vorletzten Reihe einer völlig überfüllten Chemievorlesung deutlich interessanter ist als Formeln mitzuschreiben.
Ich fühlte mich dort aber meistens wie auf einem anderen Planeten, und das hat mich innerlich bestätigt.
"Siehst du... dafür bist du nicht gemacht. Was hast du dir überhaupt dabei gedacht? Das bekommst du doch gar nicht hin."
Trotzdem blieb ich eingeschrieben, solange es ging. Das hatte sehr viele Vorteile.

Autodidaktisch. Ja, wenn überhaupt, läuft es bei mir nur so. Ich mag nicht fragen. Ich versuche lieber, etwas selbst herauszufinden. Das geht auch eigentlich immer ganz gut, braucht nur etwas Zeit. Wenn das nicht geht - dann eben nicht. Kommt halt drauf an, was ich mir zutraue.

Vor ein paar Tagen irtitierte mich meine Kollegin doch etwas. Da sah man mal wieder, wie unterschiedlich die Leute denken und wahrnehmen.
- "Egal, was man dich fragt, du hast eine Antwort, auch wenn man sie dir erstmal aus der Nase ziehen muß. Warum sagst du nie etwas? Du müßtest dir von niemandem etwas sagen lassen, weißt du das eigentlich?"
- "Öhm... was?"
- "Himmel! Du löst ständig Probleme, die gar nicht deine sind... du machst sogar den Job der IT, weil die Empfansdame zu faul ist, dort anzurufen, wenn in nem Meeting mal nichts geht. 'Ich schick mal jemanden hoch.' Und niemand bekommt das mit. Den Dank bekommen andere... und es werden auch andere dafür bezahlt."
- "Ja und? Was soll ich in der IT? 'Mein Telefon geht nicht!' - 'Und womit rufen Sie grad an?' -'Mit meinem Telefon natürlich.' - 'Aha' - 'Aber es geht trotzdem nicht. Die rote Lampe da rechts unten blinkt nämlich nicht... und die blinkt sonst IMMER' - 'Das ist die Mailbox. Sie haben wohl endlich mal die alten Nachrichten gelöscht.' - 'Herr Müller hat da letztens was dran gemacht, weil mein Telefon da auch schonmal kaputt war. Da konnte keiner mehr auf meinen AB sprechen.' ... Das würd mich wahnsinnig machen."
- "Darum geht es doch nicht. Ich verstehe das nur einfach nicht, aber das ist deine Sache. Ich weiß, daß dich das nicht stört. Ich wollte es nur mal sagen. Ich hätte schon längst mal auf diese Umstände hingewiesen. Das darf nämlich eigentlich so nicht sein!"
- "Warum soll man denn ewig warten, wenn man es schneller hinbekommt? Die müssen erstmal ein Ticket schreiben, und dann muß einer über das ganze Gelände herlaufen."
- "Richtig. Aber sie stellt sich dann hin, wettert über all die unfähigen Leute, und daß ohne sie ja gar nichts läuft - dabei ist sie, mal wieder, nichtmal von ihrem Stuhl aufgestanden. Aber sie läßt es sich natürlich nicht nehmen, anschließend anzurufen, um zu sagen 'Alles klar. IT ist nicht nötig. Haben wir so hinbekommen.' Und das macht nicht nur sie so."
- "Was ist denn los? Warum regst du dich grad so auf? Wenn ich grad nichts zu tun habe, kann ich's doch machen. Und selbst wenn doch, mach ich das später. Ich überarbeite mich hier ja nicht."
 - "Ach je. Das ist einfach nicht in Ordnung, das ist alles. Aber schon gut."
- "Okay."
Sie ist manchmal etwas komisch. Sehr sozial und überkorrekt. Warum so pedantisch, wenn es darum geht, wer jetzt den PC in nem Konferenzraum einschaltet? Gibt's nichts Wichtigeres? Brauchen wir da ein Protokoll?

Es ist angenehm. Ich verspüre dabei keine Unlust.  Klar, solche Jobs hatte ich auch schon. Mein letzter Nebenjob zum Beispiel. Das war ein wirklich giftiges Arbeitsklima. Ständig kamen die mit irgendwelchen hirnrissigen Ideen, wie man angeblich produktiver arbeiten könne... das konnte nichts werden. Hab mich immer ausgeklinkt und es trotzdem so gemacht, wie's für mich am besten ging. Für andere war das weniger entspannt. Meine Kollegin beschwerte sich da mal, ich sagte, ich mach das nicht, das ist doch bekloppt. "Ja. Du kommst damit durch. Dich läßt man ja auch in Ruhe, weil es bei dir läuft. Außerdem hast du es auch nicht nötig. Du würdest halt einfach gehen... und die wissen das."
Irgendwie scheinen die Leute diesen Eindruck schon immer gehabt zu haben. Aber es stimmt schon irgendwie... ich hatte im Vergleich zu anderen immer meine Ruhe.
Ich bin gerne dort, wo ich jetzt bin, ich hab zähere, anstrengendere und auch wirklich unangenehmere Jobs gehabt. Ich weiß das zu schätzen.
Komischerweise ist der Job, den ich trotz der miesen Arbeitszeiten und der grottigen Bezahlung am meisten mochte, auch gleichzeitig einer der Anspruchslosesten gewesen. Ich habe das trotzdem 16 Jahre lang gemacht. Die Zeit verging immer wie im Flug, auch wenn ich vorher schon ne 9-Stunden-Schicht woanders hinter mir hatte. Es gab auch Zeiten, da war das so ziemlich der einzige Halt, den ich im Leben hatte. Ich war ein Teil davon, die Kollegen, und auch viele Kunden, waren einmalig. Wir treffen uns heute noch manchmal, obwohl dem Laden Ende 2016 der Mietvertrag gekündigt wurde.

Ich kann halt vieles ein bißchen, aber nichts wirklich gut.
Aber das hätte auch von meiner besseren Hälfte kommen können: "Du könntest doch einfach was anderes machen. Dafür ist man nie zu alt. Das ist eine blöde Ausrede."
Nein, das kann ich eben nicht.

Ist halt doch schon irgendwie festgefahren. Mhhh...
Ich war halt noch nie der 'Macher'. Ich wüßte nichtmal, wie das geht.

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #93 am: 19 März 2019, 13:09:04 »
Vieles etwas zu können hat den entscheidenden Vorteil in allem noch etwas besser werden zu können.

Jeden Tag bereit zu sein etwas anderes zu machen ist für mich obligatorisch. Alles andere führt früher oder später zum Stillstand.

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

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Offline andreasg

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #94 am: 19 März 2019, 13:44:09 »
Hallo Tal,

Du hast mir in Deinem Beitrag sehr aus dem Herzen geschieben. ich fühle mich in Gedanken an meinen langjährigen Arbeitsplatz Dir sehr verbunden.

Gerade Heute leide ich unter meibem Leistungsdenken, verdamme mich dafür, daß ich in Rente bin, warte auf Kritik,  wenn ich einmsl gelobt werde,

und fürchte ubd freue mich auf mein nächstes  Arbeitsmeeting,

zum Glück ist die Selbsthilfegruppe in ivrer Dynamik stärker als mein Ego,
ubd ich werde da getragen.

Liebe Grüsse Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #95 am: 22 März 2019, 12:21:23 »
Stillstand... ja... da kann ich wohl offensichtlich ein Lied von singen. Ich empfand ihn aber nie als negativ, hätte es auch nicht als solchen bezeichnet, sondern eher als Gewohnheit, etwas Komfortables, Vertrautes. Kurz gesagt: als etwas, mit dem ich umzugehen gelernt habe. Das ist beruhigend. Für mich war ein stabiler 'Ist-Zustand' schon immer etwas Erstrebenswertes, was es zu halten galt. In allen Bereichen, und wie immer er auch aussehen mag, denn so weiß ich wenigstens, mich darin zurechtzufinden. Ich bin ein Gewohnheitstier, ein bekanntes Übel ist für mich immernoch besser als Ungewißheit.
Wenn ich so drüber nachdenke, ist das aber wohl alles andere als der richtige Weg. Ich tue mir selbst ja keinen Gefallen damit, ständig den Kopf einzuziehen, weil ich da wenigstens weiß, wie das geht.
Denn so kann man das ja letztlich auch sehen... und das kommt meiner Lebensphilosophie wahrscheinlich deutlich näher als 'der, dem eh immer alles egal ist', was wohl der allgemeinen Außenwahrnehmung entspricht.

Was das drüben bei Skip angeht, ich wollte da nicht weiter rummüllen, aber das hat alles sehr lange gedauert, und mehr als nur einmal hat mich nur ein dummer Zufall vor mir selbst 'gerettet'. Es ist bei näherer Betrachtung wohl immernoch alles andere als grundsolide, wenn auch auf einer anderen Ebene. Denn wenn der Holzhammer nicht (mehr) funktioniert, tut's halt auch der stete Tropfen... und das ist nochmal eine ganz andere Nummer. Da sitzt jemand einfach nur im Schneidersitz oben auf der Mauer und lächelt wissend in sich hinein, während er ab und an mal beiläufig Mörtelsteinchen in meine grobe Richtung wirft.
"Na dann, mein Freund. Ich hab Zeit... Wie geht's denn sonst so? :)"

Aber nur, weil ich immer die Augen geschlossen und mich weggedreht habe, verschwand er ja trotzdem nie wirklich...
Wir haben uns arrangiert, das nimmt die Schärfe, es schützt aber nicht vor subtilen Sticheleien.
Das ist das, wogegen jegliche gewonnene Erkenntnis nichts nützt: Die Summe der kleinen Selbstzweifel und Unzulänglichkeiten, die eigentlich gar nichts damit zu tun haben.
Eigentlich.
Zumindest habe ich das immer geglaubt.

Besser werden... mhh... man sagt ja, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Wozu? Warum sollte ich da mit aufspringen wollen? Was soll ich überhaupt groß 'leisten'? Ich habe einerseits nicht den Drang, etwas leisten zu müssen, andererseits, im Stillen, bin ich Perfektionist. Da kommt es immer stark darauf an. Sollte ich mich wirklich mal entschließen, etwas zu tun, gibt es für mich keine halben Sachen, und was es zu erledigen gilt, mache ich gründlich und vollständig. Egal, wie lange es dauert. Trotzdem rechne ich immer mit Kritik. Das entschärft sie, wenn sie wirklich kommt. Hab's dir doch gesagt...
Fühle ich mich integriert? Das kommt auf den Blickwinkel an. Was mein Umfeld angeht, definitiv ja. Die Leute kennen mich ja nur so. Es hapert oft nur daran, inwieweit ich selbst die 'Integration' zulasse. Oftmals ist sie von meiner Seite ja anscheinend irgendwie gar nicht erwünscht. Mir fehlt das Verständnis für mein Umfeld, für die Gegebenheiten. Manchmal auch dafür, warum ich etwas überhaupt wollen sollte.
Der Versuch, Erwartungen zu erfüllen, die ich nichtmal kenne, scheitert meist kläglich.
Das abzustellen, wie soll das gehen? Wie macht man es anders, besser? Ich versteh's ja nichtmal selbst. War keine Frage, nur ein Gedanke. Aber da liegt wohl der dickste Knoten im Knäuel.

Ja. Ich darf mich heute noch auf diese Treffen freuen können. So selbstverständlich ist das nicht, denn auch darauf liegt leider ein dunkler Schatten, der sich irgendwie wie ein roter Faden durch einen Abschnitt meines Lebens zieht. Denn ich bin nach wie vor ein Heuchler, der einfach nur das Glück hatte, irgendwie die Notbremse gezogen bekommen zu haben, kurz bevor alles um ihn rum zusammengebrochen ist. Das ist mir beim Lesen hier heute wieder bewußt geworden.

Ich sollte trotzdem mal was tun hier. Hatte noch Resturlaub, also bin ich zu Hause. Rumsitzen und Grübeln ist aber nicht so unbedingt förderlich.

Wünsche einen schönen Freitag. :)

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #96 am: 28 März 2019, 13:10:53 »
Den Vergleich mit anderen vermeide ich wenn immer möglich. Und es ist viel öfter möglich als ich früher dachte.

Ich vergleiche mich nur mit mir selbst.  In sportlicher Hinsicht wird es langsam immer schlechter,  dem Alter geschuldet.  In allen anderen Bereichen bekomme ich bei dem Gedanken wo ich herkomme ein fettes Grinsen im Gesicht. 
Grundlage war für mich das unvorstellbare auszuprobieren und im Meeting drüber zu sprechen, gemeinsam zu lachen und auch mal zu weinen.
Das tolle dabei, ich brauche keine Angst mehr zu haben. Es ist viel mehr möglich als ich überhaupt denken kann.
Meine Vergangenheit hat mich aktuell auch gerade eingeholt.
Mein Sohn ist mir Freunden ausgeraubt worden.  Der Täter ist ein Jugendlicher, er hätte ein Messer und ist bekannt. Telefonate mit den anderen Opfereltern. Sie wollen Anzeige erstatten,  ich habe etwas gebremst.  Telefonat mir den Tätereltern. Sie erzählten mir, das Sohnemann schon ein Verfahren wegen schwerer Körperverletzung laufen hat. Gespräch mit meinen Sohn. Ich habe Ihn erklärt was eine Anzeige bedeuten kann. Ich sprach mit meiner Frau. Gefühlt möchte ich meinem Sohn nahe legen das der Täter nur stolz sein neues Messer zeigen wollte, und er es Missverstanden hat. Der Täter hatte noch zwei Freunde dabei. unbewaffnet. Puh, ich merke wie es in mir arbeitet. Klar die Kids sind erst 15. Vielleicht ist ein Warnschuss jetzt noch Sinnvoll.

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #97 am: 29 März 2019, 23:16:02 »
Hallo zusammen,  hab das Bedürfnis in meinen Lieblings Thread zu schreiben.  Seit gestern bin ich 3 Monate Spielfrei. Obwohl die SHG immer noch im Hinterkopf ist , werde ich den Schritt nicht gehen.  Warum? Weil ich der festen Überzeugung bin , das ich auch ohne SHG  spielfrei bleiben kann. Da ich mir selbst eingestanden habe süchtig zu sein und ich garnicht mehr spielen darf und auch nicht mehr will , und mir es ohne Spielen blendend geht , möchte ich den Weg einfach nur weiter gehen.

@Taro... Ich mag deine Einstellung und deine Texte sehr, könnte mir vorstellen das wir uns super austauschen könnten, und in vielen Sachen auf einer Wellenlänge wären. Auch wenn du mehr als oft im Recht bist ,vergisst du eins. Du bist mit 24 Jahren schlau geworden und hast die Problematik erkannt,  die  SHG hat dir geholfen und dich zu dem gemacht der du heute bist.Was ich dir  sagen möchte ist,  du warst jung und hast Gott sei dank den Dreh geschafft...nach relativ kurzer aber heftiger Sucht... kannst du dir vorstellen das es anders ist 20 oder 30 Jahre blind zu sein und das man dann anders , nicht so offen
wie du mit deiner Sucht umgehst und man auch ohne SHG spielfrei bleiben kann.?
« Letzte Änderung: 29 März 2019, 23:32:20 von Peter02 »

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Offline NW

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #98 am: 30 März 2019, 09:33:41 »
Er kann sich schon vorstellen dass man ohne shg spielfrei bleiben kann, hat er schon öfter geschrieben. .

Ich mag übrigens auch vieles was er schreibt,  also generelle sachen auf jd fall ganz oft, wie das mit seinem sohn und anzeige machen, bzw keine machen halt find ich zb echt klasse :)


Woher weißt du dass mit 24 jahren ? Das hab ich jetzt nicht gelesen,  finde ich aber ultra krass wenn das stimmt @taro ?
Das muss dann ja schon etliche Jahrzehnte her sein die du spielfrei bist und dennoch beschäftigt dich der mist noch täglich ?  :o uff..
Finde ich echt heftig,  wäre für mich jetzt wieder nix.. wobei ich mich ja auch schon wieder dran gewöhnt habe hier zu schreiben mittlerweile  ::)

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Offline NW

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #99 am: 30 März 2019, 09:39:02 »
Zitat von: Skip am 15 März 2019, 21:53:36... Ich glaub, manchmal beginnt man auch einfach grundlos zu spielen ...Warum sollte den ein erfülltes Leben mit dem Spielen beginnen,  das passt da doch überhaupt nicht rein. ...Taro


Also das finde ich jetzt wieder quatsch,  ein erfülltes leben bedeutet ja nicht dasman nniemals langweile hat,  gerade im Winter hat sich der ein oder andere mal langweile der ein erfülltes leben hat..

Und um irgendwas zu kompensieren fängt ja niemand an zu zocken, darüber bleibt der ein oder andere sicher beim zocken, aber anfangs ist doch immer erstmal der Spaß im Vordergrund und die Aussicht vielleicht was zu gewinnen. . Wie beim lotto usw halt auch, welche krassen auswirkungen das ganze mit sich bringen kann, ist sich doch kein Mensch anfangs bewusst, glaube ich nicht.   :P

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #100 am: 31 März 2019, 11:49:33 »
Hallo zusammen,  hab das Bedürfnis in meinen Lieblings Thread zu schreiben.  Seit gestern bin ich 3 Monate Spielfrei. Obwohl die SHG immer noch im Hinterkopf ist , werde ich den Schritt nicht gehen.  Warum? Weil ich der festen Überzeugung bin , das ich auch ohne SHG  spielfrei bleiben kann. Da ich mir selbst eingestanden habe süchtig zu sein und ich garnicht mehr spielen darf und auch nicht mehr will , und mir es ohne Spielen blendend geht , möchte ich den Weg einfach nur weiter gehen.

@Taro... Ich mag deine Einstellung und deine Texte sehr, könnte mir vorstellen das wir uns super austauschen könnten, und in vielen Sachen auf einer Wellenlänge wären. Auch wenn du mehr als oft im Recht bist ,vergisst du eins. Du bist mit 24 Jahren schlau geworden und hast die Problematik erkannt,  die  SHG hat dir geholfen und dich zu dem gemacht der du heute bist.Was ich dir  sagen möchte ist,  du warst jung und hast Gott sei dank den Dreh geschafft...nach relativ kurzer aber heftiger Sucht... kannst du dir vorstellen das es anders ist 20 oder 30 Jahre blind zu sein und das man dann anders , nicht so offen
wie du mit deiner Sucht umgehst und man auch ohne SHG spielfrei bleiben kann.?

Moin Peter,

3 Monate ist richtig klasse, Herzlichen Glückwunsch!
natürlich kann man ohne Shg spielfrei bleiben,  man kann auch ohne Luft auf den Reifen Fahrradfahren.  Die Frage ist nicht ob das möglich ist,  die Frage ist warum jemand soetwas tun sollte. Ich kann dein Gefühl gut nachvollziehen, das Du der festen Überzeugung bist spielfrei zu bleiben. Das doofe ist nur, der Weg in die Spielfreiheit ist kein Sprint sondern ein Marathon.  Der Spieler in mir, ich habe Ihn Eugen genannt wartet geduldig bis Dein schwacher Moment kommt, und dann schlägt er zu.
Das kann in einem Emotionalen Moment sein, oder auch einfach so aus ganz normalen Situationen im Leben.
Es sind oft die Nuancen die den Unterschied ausmachen, die sind so winzig, sind für nicht Betroffene nicht mal zu erahnen. Sind aber doch der Unterschied zwischen spielen und nicht spielen. Ich habe z.b. meinen  ersten Rückfall beim Darten eingeleitet. Billard spielen kann ich auch nicht mehr.  Der Grund dafür klingt komisch. Beides kann ich, oder konnte ich etwas besser. Nun kommt irgendwann das Gefühl, die Kugeln oder der Pfeil macht genau das was ich will. Es gibt einen abend da funktioniert scheinbar alles mit einer ungeheuren leitigkeit. Ich geh nach hause mit der Gewissheit, das ich das jetzt drauf habe. Nächstes Training,  plötzlich klappt nichts mehr. Ich verkrampfen innerlich, werde übellaunig und mein Eugen läuft auf Hochtouren und erzählt mir den ganzen abend Unsinn,  möchte ich hier nicht wiederholen. Was dann bei mir kommt ist der Rückfall.
Ich glaube Olli spielt Dart,  dann ist es bei Ihm offensichtlich nicht so. Nun mal angenommen Du willst mit dem Darten anfangen, dann kannst Du ohne die SHG hingehen und ausprobieren ob es bei Dir wie bei mir oder wie bei Olli ist. Wenn es wie bei mir ist, würdest Du einen Rückfall haben hoffentlich wieder aufstehen und weitergehen.
Anders wenn Du in die SHG gehst, Du würdest sagen, ich überlege mit dem Daten anzufangen,  ich würde meine Geschichte erzählen,  Olli seine und vielleicht noch einige andere. Das irre ist, nur von unseren Erzählungen wüstest Du sicher ob Du der Typ Olli oder der Typ Taro im Bezug auf das Dartspielen bist. Im Fall das Du der Typ Taro bist kannst du vor den Rückfall sparen.

Ein Freund von mir hat in seinem ersten halben Jahr ausser seinen Vornamen nichts gesagt, es funktioniert trotzdem.

Klar, aus heutiger Sicht habe ich nach kurzer heftiger Sucht die Kurve bekommen. Als ich mit 24 am Ende war nach 6 Jahren Sucht fühlte sich das jedoch ganz anders an,  ich hatte mein ganzes Leben verspielt. Tatsächlich bin ich bewußt aus den Spielhallen in die Spielbank gegangen, weil mir irgendwann bewußt war, das in der Spielhalle könne ja noch 40 Jahre so weiter gehen. Das wollte ich absolut nicht.
Nun bist Du der, der 30 Jahre weiter gespielt hast, der unterschied ist vermutlich der, das es für Dich schmerzhaft ist anzuschauen was nicht mehr geht, bei mir ging noch fast alles. Nichts desto trotz gibt es noch eine Menge Leben mit Leben zu füllen. Das macht natürlich auch angst, wenn man sich 30 Jahre auf niedrigem Niveau eingerichtet hast. Entscheiden tust auf jedem Fall immer Du. Nur ist es schon bei Adam und Eva so gewesen, wenn man erstmal vom Baum der Erkenntnis genascht hat gibt es kein zurück mehr.

Probiere es doch mal 3 Monate aus, geh einmal die Woche in die Gruppe und entscheide dann, dann hast Du eine Entscheidungsgrundlage!

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

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Offline Olli

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #101 am: 31 März 2019, 13:10:00 »
Hi Peter!

Ich habe über 20 Jahre lang gespielt.
So ca. 6 Jahre, bevor ich abstinent wurde, besuchte ich die SHG ca. ein halbes Jahr lang.
Wie ich hier schon hindert Mal erzählt habe, benutzte ich sie nur als Alibi.
Ich wusste gar nicht, wovon die Jungs und Mädels da eigentlich redeten.
Zumindest klang es interessant.

6 Jahr später hatte ich die Faxen dicke. Ich wollte nicht mehr spielen.
Es hatte sich eingeschlichen, dieses Gefühl des nicht mehr Wollens.
Monat um Monat spielte ich trotzdem bis dahin weiter.

Am 30.06.06 war das Gehalt auf dem Konto - pünktlich um Mitternacht war bis auf das Haushaltsgeld und viel zu wenig fürs Taschengeld alles in den Automaten versunken.
Als ich hinaus ging, da fasste ich den Entschluss von nun an spielfrei zu bleiben.
Irgend etwas war anders, als all die vielen Schwüre vorab, die wohl jeder kennt.

Ich war ein Monat spielfrei ... dann zwei ... dann drei ...
Ich hatte keine Ahnung wieso, weshalb und warum.

Zwischendrin wollte ich mit meinen Eltern reden. Also warf ich immer wieder Bröckchen in Gespräche ein - bis irgendwann tatsächlich nachgefragt wurde.
Ich flog für 2 Wochen raus und war das Familiengespräch.

Mein Schwager outete sich mir gegenüber auch als Spieler. Und so bat er mich die Gruppe wieder mit ihm zusammen zu besuchen.

Was sollte ich denn da? Die Labertaschen von damals hatten mir doch gar nichts gebracht.
Einige Selbstdarsteller, so fand ich, waren darunter. Boah ... diese ellenlangen Monologe, vom Hölzchen aufs Stöckchen kommend.
Doch Dieter, seines Zeichens Lehrer im Ruhestand, schaffte es immer wieder zu einem RIngschluss zu kommen.
Soviel hatte ich damals immerhin kapiert.

Nach einigen Wochen gab ich nach und so fuhren wir zusammen nach Köln in die GA-Gruppe.
Na klar, die selben Gesichter saßen immer noch da ...
Und so machte ich mich wieder gefasst in Gedanken versunken die Zeit abzusitzen.

Auch Dieter, der leider vor ein paar Jahren verstorben ist, begann wieder seinen für ihn typischen Monolog.
Ich bin tatsächlich in Gedanken versunken - zu jedem Punkt, zu dem er Stellung bezog, flogen meine Gedanken hin und her.
War das nicht auch so bei mir? Sprich, was hast Du dann gemacht? Hat es funktioniert? Gab es Alternativen?
Meine Gedanken überstürzten sich - kamen fast nicht hinterher.

Am Ende des Abend war ich fix und fertig. Noch auf dem Heimweg besprachen wir diverse Standpunkte im Auto,

Eine Woche später auf der Hinfahrt, bemerkten wir, dass wir die Woche genutzt hatten, um uns selbst, aber unbewusst, auferlegte Hausaufgaben zu erledigen.

Und so ging das dann Woche für Woche.

Als mein Vater mich das letzte Mal rausgeschmissen hatte, da hatte er gesagt: Suche Dir Hilfe.
Ich Trottel hatte geantwortet: Für mich gibt es keine Hilfe.

Dort in der SHG habe ich sie gefunden.

Wenn Du, Peter, nun fragst, ob eine dauerhafte Abstinenz auch ohne SHG oder sonstiger externer Hilfe funktioniert, dann gibt es ein ganz klares Ja von meiner Seite.
Es sind die so genannten Selbstaussteiger, die tatsächlich die Masse der Spieler ausmachen, die aufhören mit Spielen.

Sie haben die gleichen Probleme wie wir damit, haben Rückfälle, haben Zweifel, Ängste, Sorgen jedweder Art.

Doch wir haben in der SHG die Chance dies alles zu teilen und von den Erfahrungen der Anderen zu schöpfen.
Natürlich immer nur das, was wir uns in dem Moment für uns selbst vorstellen können.

Eigentlich aber hast Du die falsche Frage gestellt. Ob andere es schaffen oder nicht, hat nämlich nichts mit Dir zu tun.

Jetzt kann ich darüber sinnieren, welche Nachteile mit eine SHG bringt. Investition von Zeit und Sprit?
Ein paar Ängste vor dem Neuen? Sich outen zu müssen vor Wildfremden? Händchen halten und das Gelassenheitsgebet zitieren?
Das wären alles Hinderungs"gründe" die SHG nicht zu besuchen.

Doch welche Gründe könntest Du finden hin zu gehen? Welche Vorteile könntest Du Dir vorstellen?

Ich bin da ganz ehrlich - ich glaube kaum, dass ich ohne die SHG wirklich dauerhaft spielfrei geworden wäre ...

 
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #102 am: 02 April 2019, 07:22:00 »
Danke Taro , Danke Olli für eure Antworten.  Ich muss sagen das alles, ich werde es mir noch viele male durchlesen,  bringt mich ganz schön zum Nachdenken. Ich werde meinen Weg noch mal für mich " überprüfen " und den Seitenstraßen und Kreuzungen und Kurven die selbe Chance geben, wie immer nur geradeaus zu fahren.  Danke.

Grüße Peter

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #103 am: 04 April 2019, 08:29:44 »
Guten Morgen Peter,

bis vor etwa einem Jahr wußte nichtmal, daß es sowas überhaupt gibt. Für Alkoholiker, ja, in schlechten Filmen zumindest. Plastikstühle, Kaffee und kalte Turnhallen - also auch mehr ein Klischee als Realität.
Ich weiß also, daß es auch ohne geht.
Mir geht es ebenfalls blendend, zumindest die meiste Zeit. Dumm ist nur, wenn's mal nicht so ist.

20 Jahre sind eine lange Zeit. Ich will gar nicht wissen, wo mich das hingebracht hätte. Die hätte ich zwar heute noch nicht 'voll', hier schreiben würde ich jetzt aber mit Sicherheit nicht. Ich war ein Jahr älter als Taro, als ich, hoffentlich für immer, damit durchwar.
Der Unterschied ist, daß ich mich dazwischen eben nicht damit beschäftigt habe.
Ich wollte einfach nur Normalität, ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben, wie die überhaupt aussehen sollte.

Manche Stolpersteine im Leben sind auch so manchmal schwer zu umschiffen, und wahrscheinlich noch etwas mehr, wenn man damit auf sich allein gestellt ist. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis werden sehr oft Brettspiele gespielt. Diese komplexen, die Stunden dauern und mit einem Regelwerk vom Kaliber eines Lexikons daherkommen. Ich versuche, das zu vermeiden, es klappt aber nicht immer. Geplante  Abende kann ich umgehen, spontane hingegen... naja, ich fahre dann meist auch nach Hause, es kam aber auch schon vor, daß ich das in dem Moment eben nicht so ohne Weiteres konnte.
Meist sind diese Spiele aber kooperativ, was es zumindest ein wenig einfacher macht. Noch schwieriger sind die, die es nicht sind.

Um es kurz zu fassen, mit mir zu spielen ist ziemlich langweilig - für alle Beteiligten, mich inklusive. Für mich geht das für einen kürzeren Zeitraum und bis zu einem gewissen Punkt, den darf ich aber nicht überschreiten. Eine Partie Mensch-Ärgere-Dich-Nicht mit einem Kind ist kein Problem. Ich muß nur, vereinfacht gesagt, das Aufkommen jeglicher Art von Ambitionen vermeiden. Letztlich läuft es dann eben oft darauf hinaus, daß ich es einfach nur "runterratter" - sehr zum Leidwesen meiner Mitspieler. Wenn es nach mir ginge, würde ich es ganz lassen, das gestaltet sich aber aufgrund meines Umfeldes gelegentlich schwierig.

Die für mich persönlich seltsamste Erfahrung in diese Richtung war aber, als meine bessere Hälfte mich kurzfristig bei einem Skatturnier in den Räumlichkeiten eines Vereines angemeldet hatte, um die Reihen etwas voller zu bekommen. Ich hatte das vorher schon getan, die Veranstalter telefonierten kurz vorher rum, ob spontan jemand mitmachen kann, auch, um eine günstige Anzahl an Teilnehmern hinzubekommen - keine Vierertische.
"Ach ja, und wann wolltest du mir davon erzählen... oder mich fragen?"
"Nun stell dich doch nicht so an. Du kannst es doch, und die brauchen Leute. Komm, wir müssen los, gibt bestimmt auch Kartoffelsalat für dich."
Es hatte vorher ein paar Male nicht stattgefunden, und inzwischen hatten sich meine persönlichen Bedingungen verändert. Was tun? Ich kann ja schlecht sagen, daß ich das nicht will oder kann, ich hatte es ja vorher auch schon getan, und es war ja für einen guten Zweck...
Ich war wohl die einzige Person in dem Raum, die krampfhaft versuchte, nicht gewinnen zu wollen. Das war sowas von abstrus, der Film in meinem Kopf war sicher drehbuchreif. Mehr Unsicherheit und der Wunsch, woanders zu sein, aber trotzdem sehr unangenehm. Konzentrieren konnte ich mich nicht, ich wollte es auch gar nicht. Als würde ich meinen Fuß für ein paar Stunden verdrehen, und mit aller Macht versuchen, dabei keinen Krampf zu bekommen.
Zwischenzeitlich geriet ich in sogar in einen Disput mit einem Taxifahrer. "Spielst du mit mir oder gegen mich?"
Woraufhin ich kurz in Erwägung zog, einen Streit vom Zaun zu brechen, um das Ganze frühzeitig für mich (aber wohl auch für ihn) zu beenden. Er konnte aber nichts dafür, und die Veranstalter ebensowenig. Von meinem Haussegen da mal ganz zu schweigen...
Heute frag ich mich natürlich: War das rein technisch gesehen ein Rückfall? Zu gewinnen gab es das Übliche - Kasseler und Grünkohl (ich esse gar kein Fleisch). Startgeld hatte ich auch nicht bezahlt.
Ich wollte ja überhaupt gar nicht dort sein - aber ich war nunmal da.

Ich hatte wirklich Angst, ohne eigentlich genau zu wissen, wovor.
Es hat einige Zeit gedauert, mich anschließend wieder einzupendeln, meinen Kopf wieder einigermaßen geradezurücken. Eine äußerst unangenehme Rückblende für mich.

Soetwas, das sind die Dinge, durch die es durchzukommen gilt - und das sind nur die offensichtlichen, die einfach erklärbaren, die sich einigermaßen verständlich in Worte fassen lassen. Sie sind aber beileibe nicht das Einzige.
Ich kann etwas nur ausprobieren - oder es lassen. Heute kenne ich die Grenzen recht gut, ich habe sie aber komplett selber abstecken müssen, und mußte dabei gelegentlich ziemlich knapp navigieren. Niemand bringt mich bewußt in eine solche Lage, aber es passiert, wenn auch eher selten.

Und ich muß da irgendwie durch - so oder so.




Das letzte Mal, als mich meine Vergangenheit eingeholt hatte, war der Anblick des auf einem Stuhl im Amtsgericht zusammengesackten Häufchen Elends, das morgens von Polizeibeamten zu Hause aus dem Bett geholt worden war, weil er zum ersten Termin gar nicht erst erschienen war. Ich hatte den ganzen Morgen schon gekämpft, dort überhaupt hinzugehen, aber das ließ mir dann endgültig den riesigen Kloß im Hals steckenbleiben.

Draußen mußte ich erstmal tief durchatmen...

Er war zum Zeitpunkt der Verhandlung gerade 19 Jahre alt und schon hochverschuldet. Ob ein Warnschuß da noch sinnvoll gewesen wäre, weiß natürlich niemand, ich wäre aber ohnehin nicht in der Lage gewesen, das zu beeinflussen.
Ich weiß ehrlicherweise auch nicht einmal, wie das für ihn ausgegangen ist. Ich wollte einfach überhaupt gar nichts mehr davon wissen. Mit 15 ist es aber wahrscheinlich tatsächlich noch sinnvoll, sowas zu vermeiden. Ob er es auch kapiert ist leider eine andere Frage. Eine Chance hat meiner Meinung nach hingegen jeder verdient.
Das ist in deinem Fall sicher keine leichte Entscheidung.


Lachen ist okay - weinen nicht so. Sicher, auch das hat es schon gegeben, ich tat mir da teilweise selbst schon sehr leid, aber das ist wohl eine persönliche Sache, über die ich heute sogar lachen kann. Gottchen, ja... die Welt ist so ungerecht!
Tja, um mich mit mir selbst zu vergleichen, bräuchte es erstmal eine merkliche Veränderung...
Nicht unbedingt sportlich, dazu war ich immer schon zu faul, sondern generell... grundsätzlich.
Da wäre sicher einiges möglich, aber meine Komfortzone ist ein geborgenes Refugium, was ich ungern verlasse, nicht einmal, wenn der Alarm losgeht.
Für mich ist vieles unvorstellbar - aber das ist okay so.

Ja... rein geographisch gesehen werde ich zu Hause gerne mit meiner Herkunft aufgezogen, wenn ich mal fluche. Kommt aber selten vor, vielleicht isses deshalb so erwähnenswert.
Vergleiche mit anderen gehen bei mir weniger in die Richtung "Der hat davon mehr als ich", oder "Er kann das besser", sondern eher nach dem Motto "Wenn ich es so mache wie er, ist das wohl die Norm, der sozialkonforme Mittelweg. Wieso fällt das anderen leicht, aber mir nicht?"
Wenn ich mal daran denke, dann eigentlich nur in Bezug darauf, daß ich Dinge zu schätzen weiß, die eben nicht selbstverständlich sind. Eins der wenigen positiven Dinge, die mich diese Zeit gelehrt hat.
An einem Grinsen würde ich mich vermutlich verschlucken, ich bin nur froh, daß eben niemand weiß, wo ich 'herkomme'. Ich denke nicht, daß sich darin irgendetwas Anerkennenswertes finden ließe.


Mhh, NW... klar, anfangs war es kein Kompensieren... oder doch? Fakt ist, finanziell ging es mir eher nicht so gut... auch nicht wirklich schlecht, aber die meisten standen eben deutlich besser da. Man war jung, wollte viel unternehmen... und oft konnte ich da einfach nicht mithalten.
Mein erster Gewinn war nicht einmal viel, etwa 40DM.
Dennoch hat es gereicht, um mich mal nicht den ganzen Abend an einem Getränk festhalten zu müssen... und es war so einfach...
Der Rest ist Geschichte.
Komischerweise erinnert sich sogar meine bessere Hälfte an diesen Tag, eine lustige Anekdote. "Wißt ihr noch...?"
Tja, wie könnte ich das vergessen...
Zum tatsächlichen Kompensieren-Wollen war der Weg dann ziemlich kurz.

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #104 am: 04 April 2019, 13:31:32 »
Moin zusammen,

kurzes Update, mein Sohn hat gemeinsam mit uns beschlossen keine Anzeige zu machen.  Einer von seinen Freunden hat jedoch Anzeige erstattet, dann jedoch auch noch halb, weil er die Begleiter vom Täter nicht erwähnt hat, weil auch hier ein persönliches Verhältnis besteht. Die Polizei hat bei uns angerufen, wir haben den Polizisten mitgeteilt das mein Sohn keine Aussage dazu macht.

@TAL,

tolle Beschreibung von Deinen Brettspielen. So ergeht es mir auch, darum unterlasse ich es fast immer.

Ich habe mal für mich beschlossen nicht mehr zu spielen. In der Fachoberschule und im Studium scheinen alle Lehrkräfte es zu lieben Entscheidungen auszuspielen.  Es ist mir meistens gelungen nicht aktiv ins Geschehen eingreifen zu müssen.

Einmal war es arg eng. Wir waren auf Klassenfahrt in Prag. Wir waren nur Jungs. Unser Lehrer sagte am letzten Abend, das noch einiges Geld in der Klassenkasse ist, wir jetzt ins Casino gehen und das ganze Geld auf Rot setzen. Ich sagte, ich gehe nicht ins Casino, geht ihr mal. Einige meiner Freunde sagten das Sie auch nicht gehen, wenn ich nicht gehe. Dann wollte unser Lehrer auch nicht. Als Ersatz schlug er vor,  das für einen von uns eine Prostituierte spendiert wird (natürlich war das nur Spass, sollte sich aber verselbstständigen ).
Er schlug vor Streichhölzer zu ziehen, eines war kürzer. Wir bestanden darauf, das er auch mitspielt. Er sagte, wenn er als letztes das kurze Holz in der Hand hält, dann geht er. Ich erklärte, ich ziehe nie Streichhölzer.
Geschichten die das Leben schreibt, es sind noch 3 Hölzer vorhanden, das kurze ist noch im Spiel. Der Lehrer, der Aussenseiter der Klasse und ich hatten noch kein Hölzchen.
Der Aussenseiter wollte auch nicht ziehen. Ich überlegte wie ich nur aus der Nummer raus komme, ich war ja schon beim Casinobesuch der Spielverderber. Mit einmal zieht der Aussenseiter ganz schnell ein Hölzchen, natürlich das kurze und fängt sofort am zu weinen.
Ich fragte den Lehrer was er gemacht hätte, hätte er verloren. Er lachte und sagte er ist auch schon ins Grübeln gekommen. Ich sagte ich wäre auf jeden Fall mitgegangen wenn er bezahlt hätte, hätte aber mit der Braut nur ne Cola getrunken. Das Problem ich hätte auf keinen Fall gezogen. Der Lehrer hatte ja die Hölzchen in der Hand. So ist das noch mal an uns vorbeigegangen.

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

 

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