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Erster Schritt in die SHG

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #75 am: 08 März 2019, 21:01:09 »
Ich freu mich auf Morgen.

Morgen geh ich mit meiner Tochter shoppen für Sie, es wird das erste Geld vom CB sein das ich ausgebe, ausser Schulden zahlen und Spende. Ich werde nicht aufs Preisschild schauen, sondern es einfach kaufen, warum, weil ich es kann , da ich mein Geld nicht mehr verspiele. Meine Familie hielt mich , glaub ich immer für nen Sparfuchs und Geizkragen,  aber alles war nur meiner Sucht geschuldet um die Fassade aufrecht zu erhalten.  Da ich eigentlich gut verdiene waren Urlaube und andere Anschaffungen immer drin , auch während der Spielzeit.  Aber für welchen Preis und was musste ich jonglieren um Fassade aufrecht zu erhalten. Ich fühl mich so schlecht, wenn ich ich dran denke,  meiner Frau Vorwürfe gemacht zu haben das sie für irgend einen unnötigen Firlefanz Geld ausgegeben hat und ich am selben Abend 3000 Euro im OC gelassen hab. Was für ein süchtiger Typ war(bin) ich. Zum kotzen was die Sucht aus einem macht.  Zu Zeit kann ich mir einen Rückfall überhaupt nicht vorstellen,  aber ich hab Angst davor das Dr. Jekyll irgendwann kommt und ich nicht Herr der Lage bin. Obwohl es mir wirklich gut geht,  trau ich mir irgendwie selbst nicht.
« Letzte Änderung: 08 März 2019, 21:02:59 von Peter02 »

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #76 am: 08 März 2019, 21:03:12 »
....
Mich heute im Leben zu 'spüren'... mhh... es ist anders... geradliniger, konstanter. Behäbig und beruhigend. Die meiste Zeit jedenfalls. Anfangs war das sogar sehr aufregend, all das, einfach so, und man muß gar nichts tun. Ich habe das zu schätzen gelernt, denn es geht bei mir auch anders - und das sehr schnell.
Vielleicht war es eine Art 'Strafe' für mich selbst, denn ich denke, da muß schon was gewaltig schieflaufen bei einem, wenn man einen Zustand ständigen 'Unter Streß stehens', bei dem Existenzängste auf der Tagesordnung stehen, als erstrebenswert erachtet. Wenn ich heute so darüber nachdenke, erscheint es mir fern und verschwommen. Dennoch kam ich anders ganz einfach nicht klar, habe es jahrelang nicht einmal wirklich versucht. "Ihr könnt mich alle mal." Alles um mich herum wirkte fremdartig und belanglos. Ich wußte es eh besser als diese ziellosen, ferngesteuerten Roboter. Dabei war es eigentlich eine Flucht vor der Realität, vor meinen eigenen zahlreichen Unzulänglichkeiten, meiner persönlichen Unfähigkeit, mit meinem Umfeld zu agieren und selbstbestimmt zu handeln. Was für eine Scharade. 'Die' hatten nämlich einen entscheidenen Vorteil, sie lebten auf dem Planeten Erde, und kannten die Bedingungen.

Ich bin der Meinung, daß die Länge der Abstinenz nicht wirklich von Bedeutung ist, sondern, wie schnell der Lernprozeß und damit das Umdenken vonstattengeht. Nicht jeder braucht gleich lange, und es gibt wohl auch später im Alltag noch unterschiedliche Toleranzgrenzen. Nach einer gewissen Zeit kommt es aber letztlich eigentlich nur noch darauf an, welche Grundeinstellung man vor sich selbst vertritt, ob man einen für sich gangbaren Weg gefunden hat. Ist mein Ansatz längerfristig ausgelegt, oder quäle ich mich durch die Tage, unterbewußt eigentlich einfach nur ständig in dem krampfhaften Bestreben, das Unvermeidbare so weit wie möglich aufzuschieben?
'Freudlos spielfrei'. Damit hast du das in dem anderen Thread gut auf den Punkt gebracht. Wo meine Gedanken sich vorher ums Spielen und das Herbeiführen von Gelegenheiten drehten, war das Mantra nun erstmal für lange Zeit 'Ich darf nicht!'.
Ich kenne beides, 'Quälerei' und Akzeptanz, und der Wandel ist alles andere als einfach. Anfangs ist das noch relativ leicht, aber ich darf das nicht schleifenlassen, mich nicht darauf ausruhen. Der Kobold flüstert mir gelegentlich gern mal ein, ich wäre fertig damit. Ist doch alles super, laß gut sein, was juckt dich der Kram von gestern? War doch vorher auch alles okay, da brauchtest du das auch nicht.
Nein. War es nicht.
Diese für mich selbst gültige Erkenntnis habe ich nicht durch spontane Eingebung gewonnen. Das war (und ist) ein sehr mühsamer Weg. Passe ich nicht auf, wird es schnell wieder zur 'Quälerei' - und damit ungleich gefährlicher. Nicht sofort, aber längerfristig. Schleichend. Er hat auch dazugelernt, und versucht schon lange nicht mehr, mit der Tür ins Haus zu fallen.

Das innere Gefühl der Ausgeglichenheit und 'Zufriedenheit' mit mir selbst spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Auf dem Weg dorthin gab es bei mir sehr viele Sackgassen. Gelegentlich finde ich mich nach wie vor in einer wieder, nur ängstigt es mich nicht mehr so wie früher, denn so ist es nunmal.

Ja. Ich habe so einige Baustellen. So vieles ist nach wie vor ein großes Rätsel für mich. Anderes wiederum macht heute Sinn. Aber ich muß ja nicht alles wissen, solange es mir gutgeht.

Mutig bin ich sicher nicht, soviel steht fest, aber so lebt es sich den Umständen entsprechend ganz gut, auch wenn es bessere Wege gibt. Vorbei ist das aber noch lange nicht, und wird es wohl auch nie sein.

Moin  TAL,

die Geschwindigkeit beim Lernprozess ist stark unterschiedlich und das auch noch von Fall zu Fall, das ist so.
Auch die Tiefe und die Offenheit ist stark unterschiedlich. Je tiefer unten ich war umso tiefer muss ich beim Weg raus auch nachforschen.
Es fällt auf, das Du tief und gründlich nachsiehst und das mit einer Leichtigkeit die ich faszinierend finde. Ich kann kaum glauben, daß Du das alles alleine ohne Gespräche mit anderen offen legen konntest.
Mut ist so eine Sache. Ich habe heutzutage tatsächlich Angst vom 3 Meter Brett zu springen. Eine Kletterwand 5 Meter hochzukrabbeln und rückwärts ins Wasser zu stürzen ist kein Problem. Als ich mit meiner Frau unser Haus gekauft habe, war ein Punkt, ob ich in dieses Haus einbrechen würde. Selbst wenn ich am verhungern wäre würde ich es nicht machen, es fehlt der Fluchtweg.
Vor einigen Jahren habe ich mich mit meiner Frau im Urlaub verlaufen, aufeinander spürte ich, das ich uns beide von der anderen Seite als perfektes Opfer sehen würde, ich bekam Panik.  Meine Frau dachte ich mach Spass, und ich war voll am hyperventlieren, Sie kann es bis heute nicht verstehen. Ist sie Mutig, bin ich feige?
Mich anzusehen habe ich keine Angst, war aber auch überlebens wichtig.
Warum hören einige nicht auf zu spielen, obwohl Sie wissen das alles andere nur besser sein kann?
Warum werden einige nur freudlos spielfrei, obwohl Sie wissen das es nur besser werden kann, wenn Sie etwas genauer hinschauen?
Warum werden bestimmte Dinge nicht geändert obwohl klar ist, das dort ein Stolpersteinchen ist?
Und das nur bei denen die es sehen können, dann gibt es ja noch das nicht sehen können....

Mut ist nur ein Baustein.

Taro

<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #77 am: 11 März 2019, 19:36:13 »
Guten Abend,

Ich habe sehr lange Zeit gebraucht, mir über meine eigene Situation wenigstens ansatzweise klarzuwerden. Ich denke oft darüber nach in letzter Zeit, aber so richtig in meinen Kopf rein will das ehrlich gesagt immernoch nicht. Da sind so viele Widersprüche. Wie der Versuch, den eckigen Bauklotz in das runde Loch zu stopfen. Immer wieder. Weil er da halt nunmal reinmuß. Das kann ich nur langsam ablegen. Andere brauchen dafür wohl nur ein paar Wochen, vielleicht Monate. Nicht ich, denn der einzige Gesprächspartner war ich selbst, und ich hab das Thema verdrängt, habe es gemieden wie die Pest. Ewiger Stillstand... und die quälende Frage "Was mache ich nur falsch?"
Ja, ich bin ein Blitzmerker... Schneckentempo im Rückwärtsgang.

Ich habe aus Fehlern gelernt, mal mehr, mal weniger, das konnte sehr frustrierend und entmutigend sein. Aber ich kenne meine Gedanken, wie sich etwas wann anfühlt, meine Reaktionen... weiß, was funktioniert, und wie... für mich selbst. In mir drin. Was ich nicht kenne, sind die passenden Worte dafür, das auch halbwegs verständlich auszudrücken. Bis vor Kurzem fand jegliche Konversation ausschließlich in meinem Kopf statt. Wenn überhaupt. Wie erklärt man anderen, was man sich nichtmal selbst erklären kann, obwohl man genau weiß, wie es sich anfühlt?

Ein Altenpfleger aus Birmingham mußte mir erst unbewußt zeigen, daß ich absolut nicht vom Mars komme. Gerade seine trockenen Phasen waren am schlimmsten zu lesen, an einer Stelle kamen mir sogar die Tränen. Echt jetzt? Wie lächerlich... den kennste doch nichtmal. Aber warum mochte ich nicht weiterlesen? Weil es kommen mußte...
Woher weiß ich das, wenn ich doch gaaanz anders bin als er?
Ich bin ihm trotzdem dankbar für die brutale Ehrlichkeit, denn es hat ein langsames Umdenken bei mir in Gang gesetzt.
Er ist krank... und ich bin es auch.

Ich selbst bin das wichtigste Puzzleteil. Ohne einen Plan, ohne Perspektive, ohne einen Blick in die Vergangenheit zuzulassen, geht es mir irgendwann so wie ihm. Nicht heute, nicht morgen, aber der jetzige Zustand ist dann endlich.

Okay. Verstanden. Macht Sinn. Schön und gut. Die Frage ist nur... wie geht das?

Denn die Erkenntnis ist wie ein Eingeständnis von Schwäche, und etwas in mir sträubte sich dagegen, weigerte sich auch weiterhin, zu akzeptieren, daß das etwas ist, was nicht von allein verschwinden wird, so sehr ich es mir auch wünsche.
"Ich konnte nicht anders."... Klar... was für eine bequeme und billige Ausrede.
Und nun? Ein Verband hilft hier wohl kaum. Das ist doch lächerlich...
Aber es hat die Perspektive dennoch komplett verändert. Ich habe zum ersten Mal zugelassen, darüber nachzudenken - aus dem Blickwinkel der Akzeptanz, und nicht des Verdrängens.

Leichtigkeit? Schön wär's. Nein. Für mich macht das alles nach wie vor nur bedingt Sinn. Das einzige, was ich offenlegen kann, ist mein eigenes Gefühl der Verwirrtheit. Ich sitze hier und denke "Was rede ich für einen Quatsch?" und "Das macht keinen Sinn." Ich schreib's trotzdem einfach runter. Manchmal sind meine Finger auch nicht schnell genug, dann entfällt mir wieder was. Egal. Ist eh nicht wichtig. Manches fällt mir auch erst während des Schreibens auf. Das ist seltsam. Warum erinnert mich Peter's geplante Shoppingtour daran, wie mein Mitbewohner und ich bei einem fruchtlosen Reperaturversuch die Trommel aus der Waschmaschine gehoben hatten?
Wir lachten und spaßten über unsere eigene Blödheit, obwohl mich die Aussicht auf noch mehr Ausgaben damals innerlich fast aus der Bahn geworfen hätte. Die Nacht danach war schlimm. Warum jetzt? Es ging doch grad einigermaßen. Hört das denn nie auf?
Und weil meine Waschmaschine, die ich damals irgendwie doch bezahlt bekommen hatte, gestern klang wie ein Güterzug bei einer Vollbremsung. Ich würde mir dennoch heute keine zwei Waschmaschinen kaufen, nur weil ich es könnte... und noch läuft sie. Der nächste Waschgang verzeichnete keine erhöhten Lärmwerte.

Meine Offenheit ist der Anonymität geschuldet. Ich würde das definitiv nie jemandem ins Gesicht sagen, auch keinem Fremden, da würde ich im Boden versinken. Das bin nicht ich. Davon mal ganz abgesehen... mehr als unartikuliertes Gestotter würde ich eh nicht rausbringen. Das ist dann noch beschämender.
Tja... Angst und Mut... ist es besser, wenn man wenigstens genau benennen kann, warum man Angst vor etwas hat? Ich habe schon Angst davor, an manchen Stellen zu genau hinzusehen.

Ich habe weitergemacht, weil ich nicht aufhören wollte. Was dann? Ich hatte Angst vor dem Unbekannten, ein Leben ohne Fluchtweg war für mich einfach nicht vorstellbar.
Die freudlose Spielfreiheit hängt damit wohl unmittelbar zusammen. Es war irgendwie ein Warten auf ein Ende der Durststrecke. Klack. Plötzlich wäre alles wieder gut. Aber was genau war eigentlich falsch? Was ist 'normal'? Worauf warte ich denn genau? Was stimmt nicht mit mir... und warum?
Ich könnte heute eine Menge Schaden anrichten, ohne daß es jemand merken würde. Auch das ist ein schickes Hintertürchen. Ich habe also noch genug Stolpersteinchen rumliegen, kann sie aber nicht alle wegräumen. Zumindest nicht, wenn ich den Status Quo aufrechterhalte.
Das habe ich auch nie so gesehen, oder besser gesagt nicht sehen wollen - und die Aussicht gefällt mir nach wie vor nicht so wirklich.

Warum kann ich nicht einfach die Hände heben und sagen "Okay. Was soll's? Es ist wie es ist!"?

Wie man's auch dreht und wendet - so bleiben Ausreden Ausreden.
« Letzte Änderung: 11 März 2019, 19:43:48 von TAL »

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Offline Olli

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #78 am: 11 März 2019, 20:35:13 »
Hi TAL!

Zitat
Ich habe weitergemacht, weil ich nicht aufhören wollte. Was dann? Ich hatte Angst vor dem Unbekannten, ein Leben ohne Fluchtweg war für mich einfach nicht vorstellbar.
Die freudlose Spielfreiheit hängt damit wohl unmittelbar zusammen. Es war irgendwie ein Warten auf ein Ende der Durststrecke. Klack. Plötzlich wäre alles wieder gut. Aber was genau war eigentlich falsch? Was ist 'normal'? Worauf warte ich denn genau? Was stimmt nicht mit mir... und warum?

Sind denn das nicht genau die Fragen, die uns alle quälen? <mal in die Runde schau>
Wozu werden wir eigentlich spielfrei? Damit die Schulden entschwinden und keine neuen gemacht werden?
Damit wir aufhören unseren Liebsten Sorgen zu bereiten?
Oder steckt da noch mehr dahinter, was wir weder geistig greifen, geschweige denn begreifen können?
Was denken die Anderen von mir? Machen sie sich eigentlich genauso einen Kopp über sich wie ich über mich?
Wie fühlt es sich an ohne Sorgen zu sein? Ohne Unzufriedenheit? Ohne das ständige Grübeln?
Welchen Sinn hat mein Leben?

Was für Ziele hast Du Dir denn gesetzt?
Welche hast Du bereits umgesetzt und welche stehen an?
Welche Erfolgserlebnisse hast Du außerhalb der Abstinenz?
Kannst Du diese genießen und die innere stetig fragende Stimme wenigstens für eine Zeit lang zum Schweigen bringen?
Wann bist Du mal für eine Zeit einfach zufrieden mit Dir?

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #79 am: 11 März 2019, 23:11:55 »
Hallo Tal, Ich erkenn mich in so vielen Details wieder die du schreibst,  z.b. das geschriebene nie über die Lippen zu bekommen.  Ich schreibe hier gerne meine Gedanken nieder, obwohl ich mich am Tag danach gerne selbst anzweifel und teilweise am liebsten noch was zufügen oder weg lassen würde. Mach ich aber nie ausser Rechtschreibfehler (Wenn ich sie sehe ;-)  )  eigentlich lass ich ja nur meine Gedanken und meinen geistigen Müll hier um meinen Kopf zu entlasten,  anfangs war es mir wichtig das ich ne Antwort oder gehör bekomme, aber eigentlich brauch ich weder das eine noch das andere ... das schreiben entlastet mich, ich schreibe so gerne positive Gedanken auf weil ich die gerne verfestigen will und ich damit nach vorne schaue.... Wer mich persönlich kennt , keiner würde , wirklich keiner würde mein Geschreibsel mir zuordnen. Ich war aber noch nie so weit im Kopf wie ich es jetzt bin, da ich mir eigentlich nur selbst verboten hab zu spielen, was ich früher auch schon ständig gemacht habe , ist es diesmal ganz anders. Ich nehm mich zum ersten mal wirklich ernst und sehe viel mehr das positive nicht zu zocken... als dem verlorenen Geld nach zu Trauern oder was gewinnen zu wollen.  Mein Shopping Tag war übrigens super , Tochter glücklich, Ich glücklich und eigentlich waren es nur Peanuts,  zu übelsten Zeiten eigentlich nur 2x die Maus klicken. Das Leben hat soviel zu bieten,  und wir alle haben unser Geld einfach nur verzockt um die Synapsen im Gehirn zu befriedigen.... Ich will und werde das nicht mehr machen.

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #80 am: 11 März 2019, 23:54:08 »
Allein nicht mehr Lügen und oder Ausreden erfinden zu müssen, ist für mich schon so viel wert und Lebensqualität,  die ich nicht mehr missen möchte. .... Ich bin Raucher,  leider, zoll jedem Respekt der es geschafft hat aufzuhören, hut ab. Aber was ich garnicht mag sind die militanten Ex Raucher die schlimmer sind als die die nie geraucht haben, Ich werde das Spiel an sich nie verteufeln es wird bestimmt ganz viele, wie bei mir auf der Arbeit,  die Spielen ihren Spaß gönnen,  leider oder Gott sei dank geht das bei mir nicht mehr, da ich quasi übertrieben habe und mit kontrollverlust... bestraft bzw. Krank wurde .... so isses halt..... ich möchte gerne noch den Olli zitieren, keine Ahnung mehr wann und in welchem Thread ich es gelesen habe , aber dieser Satz hat mich zum komplett aufhören ohne hintertür bewegt. Sinngemäß " ich habe 20 Jahre versucht kontrolliert zu spielen aber jedes mal endete es im Fiasko ".... eigentlich wusste ich es schon , aber da ich mich das erste mal in 25 Jahren ernsthaft mit meiner Sucht, allein durch das Forum hier,  auseinander gesetzt habe, war es mir auf einmal so bewusst wie recht er hat und das es nur mit garnicht spielen funktioniert.... Danke dafür
... 100%spielfrei seit 28.12.2018

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #81 am: 13 März 2019, 11:07:00 »
Hallo Skip, bin 45 Jahre , hat halt was länger gedauert das ich mich meinem Problem bzw. der Sucht gestellt habe.  Ich habe mit ca. 18 Jahren angefangen mal hier mal da nen Automaten zu füttern,  das war im Nachhinein betrachtet der Anfang vom Ende. Nen paar Jahre später kamen Pferdewetten dazu Wo ich dann meinen ersten großen Gewinn machte und ich mich für unglaublich Schlau hielt und mir selbst vorgaukelte Ahnung zu haben und mit Taktik ,Halbwissen und nur nen bisschen Glück mir ne finanzielle Einnahmequelle zu erschaffen,  den selben Gedanken hatte ich dann während der Poker und Sportwettenzeit.Verloren hab ich eigentlich immer, fiel mir aber nie auf bzw. wollte ich es nicht wahrhaben.  Hab nur die Gewinne gesehen , nie die Verluste , konnte aber irgendwie,  mehr oder weniger , finanziell alles kompensieren. Bis ich vor ca. 10 Jahren das spielen im Internet entdeckt habe, zahlen per Mausklick , ab da ging es nur noch Bergab,  die Umsätze stiegen kontinuierlich,  da es ja nur noch Zahlen am PC waren , und kein Geld für mich im eigentlichen Sinne , Gewinne waren nur noch da um sie mal kurz auf meinem Konto zu parken um sie dann mit noch mehr Geld zurück zu überweisen. Durch Verkauf von Sparverträgen ,Lebensversicherungen und abbezahlen Krediten  im Laufe der Zeit bin ich Gott sei Dank Schuldenfrei. Mir persönlich hat der CB sehr geholfen, sonst hätte sich die Spirale wohl weiter gedreht. Hab mich zum ersten mal wirklich mit meiner Sucht und auch rechtlichen Sachen und der ganzen Glücksspiel Industrie beschäftigt. Gesund und brav lebe ich übrigens auch nicht , nur Spielfrei halt und das ist ein Super Gefühl zumindest da das richtige zu tun

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #82 am: 13 März 2019, 13:07:38 »
Moin Peter,

vielleicht schaust Du mal in eine SHG, sagen brauchst Du nichts.
Dein Glücksgefühl wird nicht ewig anhalten...

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #83 am: 13 März 2019, 21:38:46 »
Hallo Taro, deshalb schreib ich ja im richtigen Thread.... Erster Schritt in die SHG.... Ich weiss es und bin mir eigentlich  bewusst darüber , das es die logische Konsequenz ist um meinen weg weiter zu gehen . Ich weiss auch das Dir und vielen anderen die SHG sehr geholfen hat. Mein Zustand ist zu Zeit so , Ich geh ja auch nicht zum Arzt wenn ich mich nicht krank fühle und es mir gut geht. Ich denk aber jeden Tag daran den Schritt zu gehen... Ich hab 25 Jahre gebraucht mich selbst zu reflektieren.... fahre mit der SHG irgendwie genau den selben Film,  wie zu Spielzeiten aufhören wollen zu spielen und sich dann selbst zu betrügen, kriege den Dreh irgendwie nicht hin. Kannst du das verstehen?
« Letzte Änderung: 13 März 2019, 21:49:53 von Peter02 »

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #84 am: 13 März 2019, 21:48:21 »
Hallo Skip, meine ersatzbefriedigung ist es, mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Ist nen fulltime Job .... um nix schön zu reden muss ich sagen das mein Alkohol Konsum  in die Höhe geschossen ist..... nächste Baustelle.... das Leben ist nicht einfach..

Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #85 am: 13 März 2019, 21:55:51 »
@Skip.... den Grund wird mir wohl nur nen Psychologe erklären können , find den aber nicht wichtig , wieso weshalb warum,  wichtig ist mir nur nach vorne zu schauen.  Die Vergangenheit kann ich nicht ändern , auf das was kommt hab ich Einfluss.

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #86 am: 13 März 2019, 23:37:13 »
Moin Peter,

ja, Du bist im richtigen Thread.
Ich kann Dich gut verstehen, ich hatte die Nummer von GA schon 1 Jahr in der Tasche. Ich bin erst hingegangen, als es keinen Ausweg mehr für mich gab. Mein Selbstmord war beschlossen,  ich dachte mir, da kann ich mir das ja vorher noch einmal anschauen, eine gute Entscheidung. ...

Du hast ja nun auch schon Deine Erfahrung mit der Sucht gemacht. Sie ist noch da, auch wenn Du sie gerade nicht spürst. Um Dein Vergleich mit dem Arzt zu nehmen. Du kannst die Krankheit die in Dir schlummert zum Stillstand bringen, wenn Du Deine Medizin, die SHG, nimmst. Nimmst Du Sie nicht, bricht Sie wieder aus.

Ganz nebenbei ist so ein SHG Besuch auch eine tolle Erfahrung.

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

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Offline TAL

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #87 am: 14 März 2019, 00:34:13 »
Hallo Peter,

Ich kenne niemanden (mehr), der spielt (außer Lotto). Zumindest nicht, daß ich wüßte. Das ist wohl ein großer Vorteil für mich. Ich wurde nur sehr selten damit konfrontiert oder auch nur daran erinnert. Kommt das Thema doch mal auf, habe ich einfach keine erkennbare Meinung. Das bleibt von meiner Seite rein sachlich, wenn überhaupt. Meistens sage ich gar nichts, was bei mir nicht weiter auffällt. Einmal fiel mir das allerdings echt schwer, als jemand es lustig fand, eines Abends nach ein paar Bier wilde Spekulationen über einen Bekannten in den Raum zu werfen (er hatte eine Reportage über OCs gesehen und meinte, das würde ja auf nesagte Person passen, er sei ja ein ziemlich schräger Vogel und ständig knapp bei Kasse, worauf auch von den anderen eine Reihe von abenteuerlichen Theorien über ihn geäußert wurde). Was für ein Schwachsinn. Und selbst wenn... was geht euch das überhaupt an? Naja. Jedem das Seine.

Taro's Beitrag ist übrigens meiner Erfahrung nach absolut zutreffend. Man sollte sich besser schon im Voraus darauf einstellen, daß es auch mal weniger rund läuft. Weitsicht ist ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, die Oberhand zu behalten. Der Zufall war noch nie mein Freund, das habe ich ja inzwischen zur Genüge erfahren dürfen. Euphorie und das 'Die-Schnauze-Vollhaben' halten leider nicht ewig, und das selektive Gedächtnis kann dann sehr heimtückisch sein. Die Sucht ist geduldig - ich bin es nicht.
Es war ziemlich schwer für mich, eine derartige Stimmung wieder zu kippen, die Zweifel zu verscheuchen, aus dem Loch, was ja eigentlich gar nicht da sein dürfte, wieder rauszukommen.
Spätestens an dem Punkt sollte einem klarwerden, daß das Ganze nicht von allein verschwindet - ich hab trotzdem immer die Scheuklappen vorgezogen.




Ja, wozu eigentlich aufhören...? Zumindest dieses Ziel habe ich ja bisher irgendwie umgesetzt bekommen. Ich muß nicht mehr in einem Luftschloß leben. Keine Zeit und Energie mehr aufwenden, mich und andere zu betrügen. Nicht mehr Jonglieren, muß mich nicht mehr ständig fühlen wie ein Häufchen Elend (Gottchen, wo sind die Taschentücher? -.-). Ich habe den Kopf weitestgehend frei. Das an sich ist es schon allemal wert.
Das Seltsame ist aber... ich hatte (und habe) gar keine wirklichen Ziele. Wie das 'Besser' für mich eigentlich längerfristig aussehen sollte - keine Ahnung. Habe mir keine Gedanken darüber gemacht, noch nie. Mir fehlt nämlich jeglicher persönlicher Ehrgeiz, und das total, schon immer, nicht nur bezogen auf die Abstinenz und die 'Zeit danach'. Ich habe einfach überhaupt keine Ambitionen.
Solange ich klarkomme, und man mich in Ruhe läßt, bin ich zufrieden (nicht zu verwechseln mit 'selbstzufrieden').

Der Klassiker. "Wo sehen Sie sich in fünf / zehn / wasauchimmer Jahren?"
Ich weiß es nicht. Darüber denke ich einfach nicht nach. Ich habe schon immer nur für das Hier und Jetzt gelebt. Ist einfacher. Man wird auch nicht enttäuscht, weder von anderen, und noch weniger von sich selbst. Was, wenn ich etwas nicht schaffe? Kleinere Dimensionen sind weniger einschüchternd und abschreckend, und das war in gewisser Weise schon immer so. Langfristige Planung war selten von Erfolg gekrönt. Klappt eh nie.

Im normalen Leben sind mir Dinge wie Zielstrebigkeit, Entschlossenheit oder Verbissenheit also eigentlich eher fremd. 'Etwas zu erreichen' war mir noch nie wichtig. Auch fehlt mir die kleine Portion gesunder Egoismus. Das ist an sich schon irgendwie ein Widerspruch. Was wollte ich dann überhaupt?

Ich habe nur Abitur gemacht, weil ich keinen Bock hatte, zu arbeiten. Arbeit war immer schon nur Mittel zum Zweck. Heute habe ich den langweiligsten Bürojob auf dem ganzen Planeten, trotzdem ist das mehr als okay für mich. Meine Kollegen sind in Ordnung. Das ist gut. Schichtarbeit war nerviger, besonders bei mehr als einem Job war das oft anstrengend, alles abzustimmen. Könnte ich mehr erreichen? Keine Ahnung, aber wohl eher nicht. Außerdem wäre das vielleicht mit Verantwortung verbunden. Das kann und will ich ja gar nicht.

Anfangs dachte ich, je mehr ich zu tun habe, desto besser, da kommt man dann nicht auf dumme Gedanken... und es gab da ja noch das finanzielle Desaster zu wuppen. Das habe ich dann aber auch darüberhinaus noch länger so beibehalten. Never change a running system... ich hasse Veränderung und Umgewöhnung. Die dann schlußendlich dazugewonnene Freizeit war mir anfangs doch deutlich zuviel. Ich gewöhn mich immernoch nur langsam dran. Was nun? Wie geht das?
Ich habe Jobs gehabt, die würde kaum ein anderer machen... und das schon vor Einführung des Mindestlohns. Das war eben so für mich, ich habe nie etwas anderes erwartet oder angestrebt.

Das geht mir aber nicht nur im Berufsleben so. Viel wichtiger ist ja das Private. Da ist es genauso,  auch da brauch ich keine Aufmerksamkeit. Mir egal, wer recht hat, ich bin's sowieso nicht. Familie? Kinder? Ein Haus? Lieber nicht. Was soll ich dann machen, wenn ich's doch nicht packe? Ich bin nicht zuverlässig, kann gar nicht für andere 'da sein', oder einer Verantwortung nachkommen.
Das klingt aber negativer, als es ist. Dort sehe ich meine persönliche Komfortzone, die 'Grenze des für mich Machbaren', das sind daher bewußte Entscheidungen. Ich weiß mein heutiges Leben trotzdem sehr zu schätzen, ich brauche keine großen Ziele für mich. Ich kann tun, was ich möchte, und habe jemanden an meiner Seite, der mich mag, wie ich bin. Das allein erfordert sicherlich ein ordentliches Maß an Toleranz.
Sorgen habe ich keine. Ich bin eigentlich immer zufrieden und ausgeglichen, war mir so sicher, zu mir selbst gefunden zu haben. Meistens ist das ja auch so. Meistens. Solange ich nicht zuviel auf mich selbst schaue und mich dadurch selbst verunsichere.

Ich will gar keine Perfektion, ich möchte nur Durchschnitt. Eigentlich ist das doch ein eher niedriggestecktes Ziel. Für mich scheint das aber manchmal unsagbar anstrengend... und einfach unerreichbar.


Gute Nacht allerseits. :)

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Offline taro

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #88 am: 14 März 2019, 21:52:03 »

Das Seltsame ist aber... ich hatte (und habe) gar keine wirklichen Ziele. Wie das 'Besser' für mich eigentlich längerfristig aussehen sollte - keine Ahnung. Habe mir keine Gedanken darüber gemacht, noch nie. Mir fehlt nämlich jeglicher persönlicher Ehrgeiz, und das total, schon immer, nicht nur bezogen auf die Abstinenz und die 'Zeit danach'. Ich habe einfach überhaupt keine Ambitionen.
Solange ich klarkomme, und man mich in Ruhe läßt, bin ich zufrieden (nicht zu verwechseln mit 'selbstzufrieden').

Der Klassiker. "Wo sehen Sie sich in fünf / zehn / wasauchimmer Jahren?"
Ich weiß es nicht. Darüber denke ich einfach nicht nach. Ich habe schon immer nur für das Hier und Jetzt gelebt. Ist einfacher. Man wird auch nicht enttäuscht, weder von anderen, und noch weniger von sich selbst. Was, wenn ich etwas nicht schaffe? Kleinere Dimensionen sind weniger einschüchternd und abschreckend, und das war in gewisser Weise schon immer so. Langfristige Planung war selten von Erfolg gekrönt. Klappt eh nie...

Das geht mir aber nicht nur im Berufsleben so. Viel wichtiger ist ja das Private. Da ist es genauso,  auch da brauch ich keine Aufmerksamkeit. Mir egal, wer recht hat, ich bin's sowieso nicht. Familie? Kinder? Ein Haus? Lieber nicht. Was soll ich dann machen, wenn ich's doch nicht packe? Ich bin nicht zuverlässig, kann gar nicht für andere 'da sein', oder einer Verantwortung nachkommen...

Moin TAL,

als ich mit dem Spielen aufhörte gab ich mir das versprechen keine Angst mehr zu haben meine  Leben zu wagen.  Hätte ja sonst auch kein Sinn ergeben.
Wenn ich mich auf meinen Weg mache und nicht weiß wo ich hin will darf ich mich nicht wundern, wenn ich eines Tages irgendwo stehe, wo ich nie hin wollte. Diesen Satz hörte ich am Anfang im Meeting. Ich setzte mir Ziele, Fachabi machen und studieren, einen Job in dem Bereich in den ich heute arbeite wollte ich. Da von hatte ich schon als Kind geträumt. Als ich das meiner Mutter sagte, sagte Sie mir das ich das ja sowieso nicht schaffe weil ich zu dumm und faul sei. Das war wirklich ein ganz schöner Schlag für mich. Natürlich habe ich mir auch Gedanken gemacht, was ich den mache wenn Sie recht hat. Ich beschloss dann wieder auf den Bau zu arbeiten, dann aber mit der Gewissheit das es für mehr nicht reicht. Es kam anders, alleine das ist schon ein fettes Ding in meinem Leben.

Es gab auf dem Weg viele Stolpersteinchen,  Spielen war nie wieder Thema weil ich immer mein Ziel im Fokus behielt.

Ich weiss heute ich kann absolut alles erreichen, wenn ich es den wirklich will. Mit meinen Kindern bin ich gerade dabei eine Firma zu gründen. Eine spannende Geschichte, ich lasse die Entscheidungen und das Tempo bei den Kindern. Das tolle daran ist, das wir alle zusammen an ein Projekt arbeiten. Ansonsten ist fast immer einer der keine Lust zu was auch immer hat, das ist hier noch anders. Wenn das so bleibt, dann bin ich sicher das wird ein Erfolg. Wenn nicht ist es eine tolle kreative Zeit mit den Kindern.

Verantwortung übernehme ich heute und kann es auch. Ziele setzen, Verantwortung übernehmen, scheitern wagen, das alles habe ich in der SHG nach und nach gelernt und durchlebt. Das ist das Gegenteil von freudlos spielfrei. Wenn ich gut auf mich achte sind die Depressionen auch nicht da, auch wenn ich davon ab und an besucht werde. Aber auch meine Depressionen sehe ich nicht mehr als Feind sondern als Hilfe genau hinzusehen.

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

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Offline Olli

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Re: Erster Schritt in die SHG
« Antwort #89 am: 15 März 2019, 06:38:23 »
Hi Tal!

Als ich auf dem Gymnasium war, da hatte ich auch keine Ambitionen.
Fremdsprachen - am Anfang waren sie ja noch schön und gut. Aber irgendwann wurden sie dann auch zu anstrengend.
Deutsch - herrjeh - wen interessiert es, was da jemand beim Schreiben eines mich nicht ansprechenden Gedichtes oder sonstigen Textes gedacht hat.
Und so ging ich vorsichtshalber von der Schule und musste mir eine Lehrstelle suchen.
Doch was sollte ich mein Leben lang machen? Woran hatte ich Spaß?
Also auf zum Arbeitsamt - ein Test nach dem anderen absolvierte ich.
Was wurde mir vorgeschlagen? Koch - dabei bin ich doch froh, wenn ich eine Kartoffel auf dem Teller erkenne ...
Automechaniker - Einzelhandelskaufmann - und viele weitere Berufszweige, die mich kein bißchen ansprachen wurden mir vorgeschlagen.

Meine Tante war Immobilienmaklerin und hatte des öfteren mit einem Vermessungsbüro zu tun.
Dort gab es eine Lehrstelle zu vergeben. "Du rechnest und zeichnest ja gerne ...".
Moment - rechnen ja - aber zeichnen? Dafür habe ich nun überhaupt kein Talent.
Egal - was soll´s ... und so war dies meine erste Bewerbung.
Zwischenzeitlich bewarb ich mich bei den vom Arbeitsamt genannten Berufen - und wen wundert es - ich wurde zwar zu Tests eingeladen, erhielt aber überall Absagen.
Einer frug mich, wie viele Bewerbungen ich bis dato geschrieben hatte - 25, antwortete ich.
"Meine Tochter hat 200 bisher geschrieben ..." - Tja, das wurde nichts ...
Ziemlich kurz vor Schluss - immer noch hatte ich keine Lehrstelle, wurde ich von dem Vermessungsbüro zu einem Einstellungstest eingeladen.
Also bin ich einen Tag vor dem Termin zum BIZ nach Köln gefahren und habe mich erst einmal ein wenig über den Beruf erkundigt.
Nun ja ... ich bekam den Vertrag, obwohl den Chefs ein Abiturient lieber gewesen wäre.

Einer der Chefs war einmal Amtsleiter bei der Kommune, bei der ich heute arbeite. Da er noch Kontakt hatte, schlug er mich dort am Ende meiner Lehre vor für einen Zeitvertrag.
Nach ein wenig hin und her bekam ich ihn auch.
Dann den 2. Vertrag ... den dritten ... die Festeinstellung.

Schon in der Lehre lernte ich - je mehr ich mich mit etwas auskenne, umso mehr Spaß macht es mir auch.
Das habe ich durch mein gesamtes Berufsleben gezogen.
Ich brauche den Anreiz - ich brauche es mich in etwas hinein zu arbeiten - Neues zu erleben.
So habe ich mich irgendwann mit Datenbankprogrammierung beschäftigt - habe mir auch gegen den Willen meines Chefs in der Freizeit Tools geschrieben, die mir die Arbeit erleichterten.
Und als er mir wieder eine Standpauke halten wollte, unterbrach ich ihn und bat ihn sich das Ganze mal anzuschauen.
Es gab keine Standpauke - zwei Wochen später durfte ich offiziell Datenbanken programmieren.
Wir suchen einen Vertreter in Sachen Vorkaufsrechte - klar ... her damit ...
Ich schrieb einen Workflow, der auch heute noch Gültigkeit hat.
Neue Softwareprodukte ... cool ... was können die denn so? Wo sind die Grenzen? Also betreue ich heute mehrere Softwareprodukte und werde auch von anderen Abteilungen konsultiert.

Nächsten Monat bekommen wir einen 3D-Scanner - und wer wird die Auswertung machen? - Na ich natürlich.

Momentan arbeite ich mich in das Thema Ausgleichung ein - Holla die Waldfee ...
Es ist Inhalt eines Studiums - und ich habe nicht studiert ... und trotzdem nähere ich mich dem Punkt es langsam zu verstehen.

Alles was ich tue, muss mir Spaß machen - sonst verliere ich die Lust und bin unmotiviert.
Dann wird für mich die Arbeit zur Qual. Ein Herunterreißen der Arbeitsstunden. Zäh, wie Teer - kein Ende nehmen wollend.

Dabei ist es unerheblich, ob ich es schaffe - wie bei dem Thema Ausgleichung.
Ich habe den Entschluss gefasst mich damit zu beschäftigen. Ich kniee mich gerade hinein - sehe Fortschritte.

Kurz - ich muss es "tun".

Selbst wenn ich mal unmotiviert bin, so tue ich es trotzdem. Der Spaß kommt dann irgendwann von alleine.
Und wenn es nicht heute ist, dann ist es eben morgen oder übermorgen.

Ich muss es nur "tun".

Je mehr ich mich mit der Unlust beschäftige, um so mehr verspüre ich davon.

Das wird auch bei Dir nicht anders sein.
Du beschäftigst Dich mit Deinen Ängsten - also verspürst Du auch Angst.
Du beschäftigst Dich mit Deinem geringen Selbstwert - also wertschätzt Du Dich auch gering.

Tu es ...

Lege das Altbewährte ab und mache mal was Neues.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

 

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