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Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen

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Offline TAL

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Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #45 am: 16 Februar 2019, 02:43:36 »
Du reißt keine Abgründe auf. Es setzt nur meiner Meinung nach an der falschen Stelle an.
Recht ist etwas, was aus gutem Grund irgendwo geschrieben steht. Ich kann bei meiner Steuererklärung (vor der ich mich übrigens seit Tagen drücke) einige Kniffe anwenden, um etwas für mich 'rauszuholen'. Ist das moralisch richtig? Kaum. Ist es legal? Absolut. Ich fühle mich deshalb nicht schlecht. Ich kann es machen, weil diese Gesetze pauschal für alle gelten. Jeder, der davon weiß, tut es, man kann es überall nachlesen. Ich bin auf meinen eigenen Vorteil bedacht, das ist natürlich und absolut normal - ich brauche für mich selbst keine Rechtfertigung dafür.
Führe ich ein CB durch, dann tue ich das, weil es die Möglichkeit gibt... und nicht, weil das ruchlose OC oder die Abscheulichkeit namens PayPal mich böswillig ausgenutzt haben (das haben sie zweifelsfrei, das ist ihr Geschäft, aber grenzwertige Methoden zur 'Kundenbindung' sind da kein Alleinstellungsmerkmal und eingezahlt habe ich selbst). Dieses Denken ist kontraproduktiv und erzeugt per se eine Opferposition. Und mit diesem 'Mindset' ist es deutlich schwerer, etwas in mir selbst zu bewegen. Denn da ist ja dann immer diese praktische Ausrede im Hinterkopf... 'Ich kann ja nichts dafür... die haben mich dazu gebracht...'

Glücksspiel ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Es gab schon immer Leute, denen das bewußt war, und die ihren Vorteil aus Leuten wie dir und mir gezogen haben. Diese 'Wut' auf die 'Gegenseite' ist also auch nichts Neues. Nur hilft sie mir persönlich nicht weiter.
Eine Position der Stärke, die Gewißheit, es selbst komplett in der Hand zu haben, funktioniert für mich deutlich besser.
Die für einen persönlich wichtigere Frage beim CB ist meiner Meinung nach also nicht, ob ich es mache, sondern zuallererst, wie ich da rangehen kann. Kann ich es als Zusatzmöglichkeit beim Ausstieg betrachten, und nicht als notwendige Bedingung, nicht als Teil des Weges, nicht als Voraussetzung, nicht als letzten Ausweg oder gar Verzweiflungstat, sondern als etwas, was ganz gut wäre wenn es klappt... und wenn nicht... weiter im Text? Ein Nebenschauplatz eben, und nicht die 'eine Karte'. Sowas ist ja nunmal bekanntlich keine gute Idee. Hat nie gut funktioniert.

Man sollte auch nicht außer Acht lassen, daß jegliche Gedanken an Geld und seine 'Beschaffung' immer ein sehr hoher Streßfaktor sind (ganz zu schweigen von der Erleichterung, wenn es dann endlich da ist und man mal wieder 'davongekommen' ist). Ein Auf und Ab, was man eigentlich künftig vermeiden wollte. Ich stimme Balduin da zu. Die panische und 'kopflose' Art und Weise, wie einige darüber sprechen... der letzte Ausweg... das klingt ziemlich ähnlich wie meine Gedanken, nachdem ich mal wieder meine Miete versenkt hatte. Gesund ist was anderes.

Es gibt eben zwei Seiten. Jeder sollte sich an bestehende Gesetze halten müssen. Dummerweise geht es nicht, ohne daß sich Spieler damit auseinandersetzen müssen. Das ist aber unvermeidlich, wenn man etwas bewegen will. Nur kann nicht jeder das gleichgut wegstecken. Ich hätte es definitiv nicht gekonnt.

Nun zu deiner Frage.
Zitat
Bzgl. von der Gesellschaft aufgedrückte Geschlechterrolle und nichts dagegen unternehmen können - naja, dann muss ich aber auch akzeptieren, dass sich nichts ändern wird. Oder ich verlasse die mir aufgedrückte Rolle... möglichst ohne mich zu verleugnen.

Eben. Das ist der Unterschied. Diese Rolle zu verlassen ist 'im kleinen Stil', also wenn es nur um dich geht und kein anderer involviert ist, besser zu bewerkstelligen. Die einzige, die 'umgestimmt' werden muß, bist du, du kannst den Pfad unäbhängig von anderen Personen verändern. Es gibt sonst keine äußeren Umstände.

Unreflektiert und roh kenne ich. Ich schreibe auch manchmal schneller als ich denke. Das hat nichts mit Rausreden oder Sich-Drücken zu tun. Jedenfalls nicht bewußt... es gibt natürlich immer die innere Stimme, die gerne mal mitschwingt, aber das ist Teil eines Prozeßes. Wenn man es einfach mal aufschreibt hilft es schon, sich damit auseinanderzusetzen. Nur so kommt man voran. Ich finde es gut, daß du das machst.


Zitat
Wütende Verzweiflung - das hat mich noch tiefer rein rutschen lassen. Mit Eigenverantwortung zu argumentieren kommt mir in meinem Fall falsch vor. Meine Schwäche im damaligen Moment wurde ausgenutzt und dahingehend getriggert, dass ich nicht so leicht rausgekommen bin. Ich habe es nicht selber herausgefordert.
Dieser Text hätte auch von mir stammen können.
Das ist natürlich für diesen Moment richtig. An dem Punkt war ich schon hilflos.
Mehr noch... an diesem Punkt wäre ich wohl heute noch machtlos, wenn es wieder soweit käme.
Und ja, 'die' wissen das nur zu genau...
Meine Eigenverantwortung besteht darin, es gar nicht erst wieder soweit kommen zu lassen. Heute wie damals. Das habe ich natürlich nicht gewußt, bzw. eingesehen. Dadurch ist es aber nicht weniger wahr.

Vom Gefühl her... wie konnte mir das nur passieren? Mir! Ich bin doch sonst gar nicht der Suchttyp... Also muß es ja irgendwie perfide äußere Umstände gegeben haben. Glauben würde das bei mir auch keiner.

Aber wir sind hier, weil wir wissen, daß wir Mist gebaut haben. Und wir fragen uns unter anderem auch, wie es dazu kam. Wären nur die anderen Schuld, wäre das doch gar nicht nötig. Alles wäre sonnenklar.

Was die Reglementierung angeht bin ich ganz auf deiner Seite. Das ist ein unverantwortliches Chaos momentan.

Und Taro... das sehe ich persönlich anders. Du gehörst definitiv zu den Leuten, denen ich nicht genug danken kann für ihre Hilfe und Geduld.

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Offline Skip

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Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #46 am: 16 Februar 2019, 11:36:09 »
Tal, danke, ich finde, du kannst dich sehr gut ausdrücken. Schriftlich zumindest. Du hast mir da ein paar Dinge sehr verständlich erläutert.

Ich setze deiner Meinung nach an der falschen Stelle an, das ist richtig, für dich ist es die falsche Baustelle. wir scheinen Moral unterschiedlich zu interpretieren. Ich sehe 'Tricks' und etwas zu seinem eigenen Vorteil ausnutzen nicht als etwas amoralisches, solange es sich an bestimmte Grenzen hält. Moral hat für mich nicht etwas Absolutes, sondern ist durchaus flexibel zu interpretieren. Deshalb gibt es ja Gesetze, welche meist mehrere Unterabsätze enthalten, die gewisse Spezialbedingungen und -einschränkungen enthalten. Menschen sind eben nicht einfach alle gleich, obwohl sie gleichberechtigt sein sollten. Letzteres zu bewerkstelligen, ist eben das Komplizierte.

Es gibt da ein Bild, dass das verdeutlich. Da ist ein Mann, eine Frau und ein Kind abgebildet, der Größe nach, so wie es durchschnittlich ist. Also der Mann am größten. Sie versuchen über einen Zaun zu sehen, was nur dem Mann gelingt. Bei dem 'alle sind gleich'-Denken, bekommen nun alle einen gleich hohen Hocker zum draufstellen. Jetzt sehen zwar alle drüber, aber der Mann ist noch immer am größten und hat den verhältnismäßig besten Ausblick. Gleichberechtigung wäre aber, dem Mann keinen Hocker zu geben, der Frau einen kleineren und dem Kind einen größeren. Dann sehen alle in gleicher Höhe über den Zaun. Und falls diese Mann/Frau Sache schon nervt, kann man auch einen Wettlauf nehmen zu Demonstrationszwecken. Hier starten nicht alle am gleichen Platz. Je nach gesellschaftlichem Status, nach gesundheitlichen Kriterien usw. strhen manche sehr weit vorne und andere sehr weit hinten. So ist es ein sehr ungleicher Wettlauf. Und es bringt dem Gedanken der Gleichberechtigung gar nichts, wenn Gleichmacherei betrieben wird. Weil man dann die Augen verschließt vor gewissen realen Ungerechtigkeiten.

Nun kann man natürlich auch, hm, nehmen wir das mit den Hockern, man kann auch die Gleichberechtigung übertreiben und der Frau einen Hochsitz hinstellen und das Kind, was weiß ich, auch irgendwie übervorteilen. Dann würde sich der Mann zurecht aufregen und die Frau und erst recht das Kind einen Größenwahn kriegen. Gleichberechtigung umzusetzen, ohne Opfer-Täter-Rollen zu zementieren oder gar umzudrehen, ist höchst schwierig -aber durch harte Nachdenkarbeit durchaus lösbar.

Ähnlich meine ich hier im Zusammenhang mit der Glücksspielsucht eine bedenkliche Gleichmacherei zu
beobachten. Man kann nicht jeden als tragischen Spielsüchtigen behandeln. Ich habe einige Beiträge hier gelesen, wo ich eindeutig etwas anderes erkenne, etwas, worin ich mich mehr wieder finde. Irgendwo hat glaube ich Torsten (?) sich Gedanken gemacht, ob er ein zweites CB durchführen kann. zunächst habe ich auch in die Richtung gedacht, hm, kann blöd ausgehen, geht in Richtung vorsätzlicher Betrug. Aber e hat gut argumentiert, war offensichtlich drei Jahre nicht rückfällig wegen der Verjährungsfrist und ist dann wieder eingeknickt - und mir kommt sehr vor, dass das mit diesem 'ihr sch*** Abzocker, ich drück euch jetzt noch einen rein, ich versuch nochmal hoch zu gewinnen und zahls euch heim' Gefühl zusammenhängt, das ich erwähnt habe. Und ja, er ist wieder reingeschlittert und das hat ihn erst Recht geärgert. Und nun hat er überlegt, ob es rechtens ist, nochmal CB zu machen. Das ist keine einfache Frage und ich würde zu nein tendieren, weil es trotz der Argumentation, dass er sich vom OC ausgenutzt fühlt, halt so ist, dass er eh schon mal einiges zurück bekommen hat. Aber eben vielleicht nicht alles und dieser Gedanke, verarscht worden zu sein, nagt an ihm....

Ich will damit sagen, dass es hier unterschiedliche Motive und Gründe gab, die zur Spielsucht geführt haben. Vielleicht könnte man diese in Gruppen fassen und in SHGs präsentieren. Die Leute sollen sich die Kategorien anschaurn und versuchen, sich einzuordnen.

Was mir auffällt bei den schwer süchtig bzw. chronisch süchtig gewesenen, die hier schreiben, ist dieses immanente Schuldgefühl. Alles dreht sich um Schuld und Schuldannahme. Nun, mir hilft das nicht. Ich fühle mich nicht schuldig im Zusammenhang mit meiner temporären Spielsucht, sondern blöd und ausgenutzt. Ich bin in eine Falle getappt und ich war auch noch so blöd, dagegen ankämpfen zu wollen. Wie wenn man in einen Sumpf tritt und dann auch noch alleine rauskommen versucht, anstatt nach Hilfe zu rufen. Dadurch versinkt man sehr schnell sehr tief. Ich bin aber nicht bewusst in den Sumpf reingelatscht, weil ich einen geringen Selbstwert habe und denke, ich verdiene eh nix Besseres als in einem Sumpf langsam vor mich hinzuverrecken. Entschuldigung für meine 'rohe' Ausdrucksweise.

Ich hatte sehr viele Schwierigkeiten im Leben, aber ich war immer eine Kämpferin. Und bzgl. des Beispiels mit der Gesellschaft und der gesellschaftlichen Rollenzuweisung - das klingt für mich nach Abschwächung meiner Leistung, wie du es formulierst, sorry. Nimm du es mal mit der gesamten Gesellschaft auf und etabliere dir eine neue Rolle. Das ist harte Arbeit! Insofern ist es nicht nur so, dass ich eine gute Fassade habe, weswegen man mich nicht als Suchttyp einschätzt, sondern umgekehrt, vom Kern her bin ich kein Suchttyp, ich helfe mir normalerweise selbst, kämpfe mich raus und habe mir deshalb einen sehr starken Selbstwert erarbeitet, der felsenfest ist, weil ich einfach stolz auf mich sein kann. Aber wie im Beispiel mit dem Sumpf erläutert, bringt mir das alles da gar nichts. Im Gegenteil, Dinge, die mir sonst zugute kommen - eine gewisse (zumeist gut durchdachte) Risikobereitschaft, Mut, Kampfgeist - hat mich hier zum tiefer Versinken gebracht. Im Sumpf MUSS man sich helfen lassen, alleine kommt man da nicht raus. Das ist aber eben sehr etwas anderes, als in SHGs für Spielsucht gepredigt wird. Mir hilft das verlangte Schuldeingeständnis nicht. Ich würde nie ein zweites Mal in einen Sumpf latschen, außer, wie Torsten, wenn ich noch nicht erkannt habe, dass es ein Sumpf ist und mir stattdessen erklärt wurde, dass es eine verlockende Blumenwiese ist, wo man sich selbst zügeln muss, um nicht zuviele schöne Blumen zu pflücken... Tut mir leid, mir fallen keine besseren Vergleiche ein. Und zudem wird noch behauptet, dass ich zu jener Gruppe von Menschen gehören soll, die eben anfällig fürs übermäßige Blumenpflüclen sind, während andere da gelassen und mit gesunder Selbstdisziplin vorbeischreiten können...

Alter, da würd ich aber auch nochmal zurück schauen gehen, warum ich diese Blumenwiese als Sumpf wahrgenommen habe und wenn es eine Blumenwiese war und ich mich eigentlich als in hohem Maße selbstdisziplinierten, überlegten Menschen begreife, warum ich da nicht auch gelassen drüberschreiten können sollte. Und zack, lande ich wieder in dem elendigen Sumpf.

Kann damit jemand was anfangen? Oder krieg ich eine Sechs für Themenverfehlung und fehlende Krankheitseinsicht?

Lg, schönes WE

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #47 am: 16 Februar 2019, 12:04:49 »
Doppelpost
« Letzte Änderung: 16 Februar 2019, 12:17:52 von Torsten »

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #48 am: 16 Februar 2019, 12:17:28 »
Da ich deine Texte nur überfliege (sind mit einfach zu lang)😂 - habe ich dennoch meinen Namen gelesen.

Wenn ich könnte, würde ich mir mein Geld per CB zurück holen. Dazu stehe ich und es kann jeder denken über mich was er möchte.

Grüße an alle

Ergänzend noch: Nicht weil ich mich an dem Geld bereichern möchte (lieber würde ich es spenden), sondern weil ich schon genug in OC’ versenkt habe und das ganze System wie die Banken usw. alle mitverdienen und nicht einwenig die Spieler schützen.

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Offline TAL

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Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #49 am: 18 Februar 2019, 00:35:50 »
Ist irgendwie immer etwas Kauderwelsch bei mir. Da denkt man schneller, als man schreiben kann - oder umgekehrt. Aber ich könnte das mündlich auch nicht wirklich besser.

Moral ist wohl das letzte, worüber man sich OCs und Zahlungsdienstleistern gegenüber Gedanken machen müßte. Sie kennen da auch kaum Skrupel. Ich bin absolut dafür, die Politik quasi zu 'zwingen', endlich für klare Verhältnisse zu sorgen.
Das ist also keine moralische Frage, jemandem sowas vorzuhalten würde mir wohl auch kaum zustehen. Es ist eine Frage, wieviel ich mir selbst zumuten kann. Will und kann ich diesen 'Kampf' führen? Gerade jetzt mit den neuen 'Kniffen' ist es ja nochmal stressiger geworden. Auch hier kann ich nur von mir selbst sprechen, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß ich das nicht gepackt hätte.

Ja. Was du beschreibst ist das, was Ilona ja auch immer sagt. Nicht jeder, dem einmal ein solcher Kontrollverlust passiert ist, ist gleich, wie du es nennst, 'tragisch spielsüchtig'. Da kann Schadensbegrenzung den Neuanfang enorm erleichtern, und hilft eventuell sogar, einen Schneeballeffekt zu vermeiden. Er ist aber dennoch potentiell gefährdet, denn dem Durchschittsbürger passiert sowas gar nicht erst. Das ist halt das, was einen dann etwas besorgt macht. Wo reicht Prävention und Aufklärung? Wo war es eine Lektion fürs Leben? Und wo spielt einer sein Problem runter? Wenn man es mit etwas zu tun hat, was tendenziell davon lebt, die Auswirkungen zu verschweigen und zu verharmlosen, um weitermachen zu können, ist das schwer zu sagen.

Trotzdem gilt: gleiches Recht für alle. Ausnahmslos. Darum sollte einem auch niemand die Entscheidung abnehmen (dürfen).

Was die Schuldgefühle angeht, sind diese in meinem Fall absolut nicht finanzieller Natur. Das verlorene Geld ist abgehakt. Komplett und absolut. Und das schon lange, das Weiterkommen war mir anders auch gar nicht möglich gewesen. Es geht dabei eher um die verlorene Zeit, das zugefügte Unrecht, die eingerissenen Brücken. Das ist teilweise schwer bis unmöglich zu kitten. Diese Schuld empfinde ich nicht mir selbst gegenüber, sondern in Zusammenhang mit meinem Umfeld. Oft denke ich mir, wenn ich mein Leben heute betrachte 'Ich habe das gar nicht verdient'.
Aber das ist ein anderes Thema. Ein Opfer bin ich auch da in gar keinem Fall.

Ich wage mal zu behaupten, daß keiner in den Sumpf bewußt reingelatscht ist. Naivität? 'Abenteuer'? Ein Gefühl von Verruchtheit oder Überlegenheit? Das schnelle Geld? Ich freue mich über jeden, der sein Handeln reflektiert und umdreht, bevor ihm die Brühe bis zum Hals steht und man anfangen muß, im Morast zu schwimmen.

Das Beispiel mit der Gesellschaft stammte ursprünglich von dir. Du hast es herangezogen, um deine eigene Haltung gegenüber OCs zu verdeutlichen. Ich habe lediglich gesagt, daß die Gesellschaft auf dein persönliches Handeln in Bezug auf Eigenverantwortung keinen Einfluß hat. Ich sagte, der Vergleich hinkt. Aufgestellt habe ich ihn nicht.
Im Gegenteil. Ich weiß sehr gut, was du meinst. Es sind nur zwei verschiedene Sachen.

Ohne die gute Fassade hätte ich es nicht so weit treiben können. Mein Kartenhaus wäre zusammengefallen. Der Gedanke daran, aufzufliegen und der Enttäuschung, den Vorurteilen und Wertungen ausgesetzt zu sein, war für mich absolut nicht tragbar. Ich wollte mich nicht rechtfertigen, verteidigen und erklären müssen. Normal legten sich solche Gedanken aber, sobald ich wieder etwas Luft hatte. Kurzzeitig.
Eine funktionierende Fassade haben wohl die meisten hier. Sie ist nicht immer etwas Gutes.
Sich selbst rauskämpfen ohne die Hilfe anderer... ja. Den Weg bevorzuge ich auch. Mein Verständnis davon war (und ist) nur immer etwas paradox...

'Verlangt'? Wir beide können da wohl kaum mitreden, aber ich denke, du interpretierst da zuviel rein. Müssen tust du gar nichts, aber was ist falsch daran, sich einzugestehen, daß man letztlich aus eigenem Antrieb gehandelt hat? Nichts anderes heißt das doch. Wie gesagt... Dinge, die ich selbst in der Hand habe, lassen sich besser beinflussen und 'kontrollieren'.

Ich will heute nicht spielen und bin mir auch ziemlich sicher, daß ich das hinbekomme. 'Niemals' ist allerdings ein ziemlich endgültiges Wort. Meine Vergangenheit hat mich gelehrt, daß es ein Versprechen ist, das ich einfach nicht geben kann. Nichtmal mir selbst. Wer weiß, was kommt?
Ich denke nicht oft daran, ich sage mir das auch nicht beim Aufstehen oder so. Aber ich würde niemals mehr nie sagen. So meine ich das. Damit würde ich mich in einer trüglichen Sicherheit wähnen, die ganz einfach nicht gegeben ist... und übermäßig geduldig bin ich auch nicht. Für immer ist eine lange Zeit...

Anfällig hin oder her... möchtest du das mit der 'Blumenwiese' wirklich riskieren? Oder dein anderes Beispiel mit dem Casino (Was willst du da wirklich, besonders die Geräuschkulisse ist eher nervig)? Mußt du dir etwas beweisen? Warum? Weil es dich wurmt, da du eigentlich 'nicht der Typ bist'?
Bin ich auch nicht, trotzdem kann es manchmal eben Grenzen geben.
Wie war das noch mit der Herdplatte...? ;)

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Offline Skip

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Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #50 am: 04 März 2019, 10:18:55 »
Hi Tal,

Sorry für die lange Zeit.Ohne Antwort. Bin leider auch krank geworden und muss jetzt viel auf/nacharbeiten im Job. Bin noch nicht dazu gekommen, alle ausstehenden Posts zu lesen,auch deinen.obrigen nicht. Bitte nicht persönlich nehmen, dass ich auf Deine Fragen und Anregungen noch nicht eingehen hab können.Kommt noch,sobald ich ein Zeitfenster gefunden habe. GLG

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Offline Skip

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Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #51 am: 10 März 2019, 20:17:27 »
Lieber Tal,

du hast so gut geschrieben und argumentiert in deinem letzten Beitrag - mir fehlen schlicht die Worte und 'Antworten'. Aber bzgl. der Betonung auf 'Selbstverantwortung' - naja, aber diese Spiele in den OCs sind speziell so entwickelt und programmiert, dass man als SpielerIn die Kontrolle zunehmend verliert. Kombiniert mit der sorglos gestalteten Werbung und diversen Werbeseiten mit entsprechenden Videos und Gewinnbildern, handelt es sich meines Erachtens nach um gezielten Betrug. Was meinst du dazu? Da kann man nicht mit Selbstkontrolle argumentieren...

Liebe Grüße
Skip

 

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