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Name ist Programm

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Re: Name ist Programm
« Antwort #105 am: 02 Mai 2021, 18:02:47 »
Hi =)

Nein das habe ich nicht. Ich war nie bei einem Psychologen oder dergleichen. Ich will jetzt einfach nur nicht zu weit ausholen aber ich denke schon irgendetwas stimmt nicht.

Ich kenne das Gefühl schon lange. Es ist als wenn eine große dunkle Wolke über einem schwebt und man kann nicht weg, egal was man tut.

Manchmal verschwindet sie einfach, manchmal bleibt sie etwas länger. Vielleicht auch nur ein scheiß Tag, sowas kann ja mal passieren.

Hauptsache ich spiele weiterhin nicht, das macht alles schlimmer.

Re: Name ist Programm
« Antwort #106 am: 09 Mai 2021, 16:03:22 »
Heute müsste Tag 79 sein. Ich behalte alles mal so bei wie es ist, einfach weil es ja scheinbar funktioniert. Ich habe eher viel Geld hier aber ich habe ehrlich und aufrichtig keine Lust damit zu spielen bzw. es zu verspielen.

2 Szenarien gibt es wenn ich mich jetzt entscheide wieder zu spielen:

Ich gewinne. Das wäre nicht gut weil mich dem spielen nur wieder annähern würde.

Ich verliere. Dann hab ich verloren, wer will das schon. Vielleicht Gewicht aber kein Geld =)

Ich hab jetzt seit langem mal wieder eine 5-Stellige Summe angespart. Als ich viel gespielt habe ging es eher schnell von 10 000 auf 0 zu kommen. Ohne zu spielen von 0 auf 10 000 ist schon etwas anderes. Aber:

Auch das ist nicht so wichtig, es ist nur Geld.

Ich habe ein Loch in meinem Schuh und meine Couch hab ich auch geschrottet, da renne ich jetzt nicht los und gucke Bildchen sondern verhalte mich mal wie ein ganz normaler Mensch und ersetze kaputte Dinge die auch wirklich nötig sind.

Langsam schleicht sich in mein Verhalten Gewohnheit ein. Ich habe keine Lust zu zocken. Ich gucke mir auch keine Videos von zockern oder so mehr an.

2 Regeln habe ich mir aufgestellt:

Ich spiele nicht mehr.
Ich bleibe vorsichtig.

So weit wie jetzt war ich schon oft. Zeit mal in eine Liga aufzusteigen in der ich noch nicht war.

Ich spaziere mal entspannt bis Tag 100 und gucke dann was ich mache. Es gibt aber keine Lockerungen und auch kein Onlinebanking und nichts, warum auch. Im Zweifel hab ich nie wieder Onlinebanking, was solls. Wenn es mir nur ohne besser geht würde ich das sogar begrüßen.....

Ich führe außerdem ein Haushaltsbuch, aber erst seit gut 1 Woche.....

Edit:
Heute ist dann Tag 89. Ich spiele nicht, gucke mir keine Zockervideos an etc. Ich habe nichts verändert und eigentlich läuft es gut. Mein "Privatvermögen" steigt weiter an, ich führe weiterhin ein Haushaltsbuch und bin eher überrascht, wieviel Geld ich zur Verfügung habe. Der Spieler in mir hat diese Strukturen wahrscheinlich so aufgebaut und die sind halt noch da, ich verspiele das Geld nur nicht mehr. Ich habe mich nach vielen möglichen Projekten umgesehen um mein Geld, wie ich finde, sinnvoll zu verwenden und ich werde wohl langsam anfangen hier Geld zu investieren, einfach weil das im Gegensatz zum Spielen etwas sinnvoller zu sein scheint.

Ich vermute am meisten hilft mir, dass ich einfach nicht  spielen kann. Ich habe alles zugebaut und das Geld, dass hier nach wie vor rumliegt triggert mich nicht (mehr). Ich sehe zu, dass keine zu dicke Matte hier rumliegt und dann passt das, ich hab einfach keine Lust zu spielen. Genaugenommen hätte ich das vielleicht, mir sind aber einfach die Konsequenzen zunehmend bewusst und ich will einfach nicht mehr =)

Ich halte mich an meine 2 Regeln und schreibe ab und zu hier rein, dieses Tagebuch ist ja quasi mein einziger roter Faden. =)

Dann habe ich mir gerade mein ganzes Tagebuch ein weiteres Mal durchgelesen und fasse zusammen:

Ich mache das Richtige. Jeden Tag 1 Tag nicht spielen ist das Richtige.

Ich meine auch, eine Lüge von mir selbst aufgedeckt zu haben. Ich schrieb folgendes öfter und habe es auch so gemeint:

Ich will nicht spielen. Ich glaube "leider" das ist Blödsinn. Ich will spielen, ich bin Spieler, natürlich will ich spielen. Interessanter ist vielleicht:

Was ist dir noch wichtig und warum bist du bereit, auf gezocke zu verzichten, obwohl du eigentlich Lust drauf hast? Was gibt dir zocken? Hilft es dir andere Dinge zu realisieren oder hält es dich davon ab? Wovon lenkt es dich ab? Was willst du eigentlich wirklich wenn du spielst? Warum machst du das?

Ich hab auch öfter mal Lust auf ein Steak aber esse nur manchmal eines. Wenn das Tier aber ohne Ende gequält wird, wäre es dann nicht richtig kein Steak mehr zu essen obwohl ich ab und zu Bock auf eines hätte? Ist es mir das wert, dass das Tier auf widerliche Weise geschlachtet wird damit ich mein "Steakbedürfnis" stillen kann oder sollte ich einfach meine Steakvorliebe überdenken?

Ich spiele gern. Das wird auch mindestens vorerst so bleiben, ich mache mir besser nichts vor. Ich kann aber nicht damit umgehen und es schadet mir. Das sieht man an den 8 Seiten meines Tagebuchs über 2 Jahre mehr als gut.

Kann ich heute also darauf verzichten?

Ja, gerne sogar.



« Letzte Änderung: 19 Mai 2021, 15:19:26 von Peter Schmidt »

Re: Name ist Programm
« Antwort #107 am: 24 Mai 2021, 10:48:46 »
Heute ist also der 94. spielfreie Tag.

Ich war jetzt 2 Tage sehr krank und habe viel hier im Forum gelesen.

Ich möchte gerne auch weiterhin nicht spielen. Darum schreibe ich jetzt doch wieder ab und zu hier rein.

Warum?

Es fällt mir nicht schwer mal einen Monat nicht zu spielen. Auch diese 3 Monate waren voll ok. Aber:

Irgendwann (das passiert gefühlt bei vielen hier) wird man lockerer oder verliert das Ziel aus den Augen und zack:

Geld verspielt

Dabei scheint die Summe nicht so wichtig zu sein. Es geht darum, dass viele dann die Entscheidung treffen, es wieder zu versuchen. Durchaus unbewusst aber es zeichnet sich ab, dass etwas passieren könnte und bei vielen tut es das auch. Bei mir tat es das auch. Ich habe jetzt in den 2 letzten Jahren im Vergleich zu vorher wenig gespielt/verspielt aber ich habe gespielt. Ich hätte es aber auch gepackt garnicht zu spielen. Man denkt an einem (sinnbildlich) besonders sonnigem oder besonders regnerischem Tag:

Ach komm versuchst du es nochmal. Du hast X Monate nicht gespielt, hast ein paar 100 oder ein paar 1000 gespart, es tut dir also nicht weh. Außerdem kannst du ja gewinnen. Du hörst dann wieder auf und hast noch mehr Geld und du hast "den Automaten geschlagen". Da kommt man sich dann als Spieler besonders toll vor finde ich.

Es tut aber dann danach immer weh, sehr sogar, aber halt erst danach.....

Dann geht der ganze Müll wieder von vorne los. Ich habe da wirklich keine Lust drauf.

"Auch ein Dummkopf pflegt manchmal nachzudenken, aber immer erst nach der Dummheit!"

Ich packe die 100 Tage. Dann würde ich gerne ganz vorsichtig und entspannt gucken wie ich weiter verfahre.  Ich möchte erstmal:

Eine 4 stellte Anzahl spielfreier Tage erreichen. Das entspricht ca. 3 Jahren.

Das kann ich schaffen. Ich muss ja immer nur heute nicht spielen.

Ich hab weiterhin kein Onlinebanking und ganz ehrlich:

Mir egal, brauche ich nicht.

Ich hatte die ganze Zeit Geld hier und ich arbeite auch beruflich mit Geld. Ich hab also sowieso den ganzen Tag Geld um mich herum, das kann ich erstmal nicht vermeiden.

Das beste ist eigentlich:

Ich kann ehrlich und aufrichtig behaupten, dass ich nicht zocken möchte. Ich hab Geld, ich hab genug frei, ich bin auch clever und spiele sowieso wenn ich will, ich drücke eine Taste bei der Arbeit und hab 500 in der Hand die ich verdrücken kann und keine Sau merkt es aber ich will es nicht.

Es scheint das wichtigste zu sein:

Ich will nicht spielen. Niemand kann mich zwingen. Mir egal ob ich Geld habe, Streit mit jemandem, an einer Spielhalle vorbeilaufe, Werbung im Fernsehen mit Automaten sehe, meine Kollegin mir erzählt wieviel sie gewonnen hat (auf dem Weg zum Chef um sich einen Vorschuss zu holen ::)) oder was auch immer.

Ich bleibe bei meinen 2 Regeln und lasse von mir hören aber ich will das nicht mehr und ich muss es auch nicht tun.

Zunehmend beginne ich mir auch Fragen zu stellen die mich vorher nicht interessiert haben. Sie sind aber interessant, das doofe gezocke die ganze Zeit war es einfach nicht.

Sorry für die Tapete aber ich spiele nicht und mein Tagebuch scheint mir ja zu helfen also schreibe ich lieber als Geld zu verbrennen, dürfte ja das richtige sein =)

« Letzte Änderung: 24 Mai 2021, 10:54:09 von Peter Schmidt »

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.180
Re: Name ist Programm
« Antwort #108 am: 24 Mai 2021, 17:36:47 »
Hi!

Das ist es ... :)

Und? Sind die Fragen oder die Antworten unangenehm? Oder wirken sie eher interessant? Nach mehr? :)

Ach ja ... noch ne Kleinigkeit:

Zitat
Ich möchte gerne auch weiterhin nicht spielen.

Ich möchte gerne auch weiterhin abstinent bleiben! - klingt das nicht besser? So rein ohne Negation? :)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Name ist Programm
« Antwort #109 am: 24 Mai 2021, 19:45:56 »
Ja das klingt es. 8)

Ich habe viel über deine Worte nachdenken müssen:

Du hast von einer "Abstinenzentscheidung" gesprochen. Das hat sich bei mir schon verfestigt. Ich hab es jetzt nicht so formuliert aber so habe ich es gemeint:

Ich möchte gerne abstinent bleiben. Nicht für immer, aber wenigstens für heute =)

Besagte Fragen sind nicht unangenehm. Sie spiegeln vermutlich einfach das normale Leben wieder und ich kann versuchen sie zu beantworten und an ihnen wachsen oder ich kann mich vor einen Automaten setzen und lasse das Portemonnaie eines anderen wachsen.

Viele dieser Fragen zeigen mir, dass ich mich in meinem Leben schon sehr früh für Zahlen und auch für Glücksspiel interessiert habe. Ich hab schon als kleiner Junge um 50 Cent gewürfelt, war auf Klassenfahrt der beste im Pokern und ich kam mir echt cool vor als ich mit 18 zur Bank ging und meine aus dem Ausland zugesandten Bargeldchecks bei der Bank eintauschte. Ich wusste auch was "martingale" ist bevor ich gespielt habe. Ich habe mich bewusst entschieden zu spielen und jetzt nach vielen Jahren stelle ich fest:

Ok das ist kacke, mach mal was anderes und probiere den Mist bitte nicht nochmal, hatten wir schon  minimum 500x. Das ist Wahnsinn, das geht nicht.

Eines meiner Vorbilder hat auch (vermulich süchtig) gespielt. Mit diesem kann ich leider nicht mehr darüber reden, er ist letztes Jahr verstorben.

Abstinenz dürfte erstmal die Grundlage für alles sein. Wenn ich nie wieder spiele, mich aber auch nicht weiterentwickle wäre das wohl eher schade aber 100% besser als da so ein Kopfkino wegen XYZ Geld/bunte Lampen/was auch immer zu veranstalten.

Ich dachte immer so:

Wenn du 10k gewinnst ist das schon gut.

Jetzt habe ich die 10k auch so. Ich tue also mal einfach so als hätte ich sie gerade gewonnen und weißt du was ich feststelle?

Es ändert nichts.

Also geht es nicht um Geld und ich brauche auch nicht spielen. Außerdem hab ich die 10k nur weil ich nicht spiele....

Bleibt also die Frage was ich jetzt mache.....jedenfalls nicht zocken =)

Ach noch etwas:
Ich führe weiterhin Haushaltsbuch. Hat echt geklappt. Ich will da wirklich keinen Eintrag über zocken sehen. Nichtmal ein Plus, garnichts. Klingt doof aber ich würde sagen jeder Grund nicht zu spielen ist ein guter Grund, auch wenn es eine solche Winzigkeit ist.
« Letzte Änderung: 24 Mai 2021, 20:18:29 von Peter Schmidt »

 

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