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BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?

  • 129 Antworten
  • 14663 Aufrufe
Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #120 am: 07 Dezember 2020, 17:30:01 »
Zur den Prozessfinanzierern:
Womit spielen diese eigentlich? Mit der Angst der Mandanten.
Warum werden denn Casino Verluste von Prozessfinanzierern aufgekauft? Weil Sie wissen, dass es bereits etliche, positive Vergleiche gibt. Warum sollte also ein armer Bursche, der Geld in Casinos verloren hat, den Prozessfinanzierern noch Geld hinterherwerfen? Wenn man kein Geld hat und es um Casino Verluste geht, würde ich klar eine PKH vorziehen! Ansonsten würde ich die Klage selbst finanzieren. Aber niemals zu Prozessfinanzierern greifen die ja logischerweise nur die Fälle aufkaufen, die schon fast klar positiv entschieden werden. Sonst wären sie ja dumm :)

Da kann man einfach nur den Kopf schütteln.

Neben der Möglichkeit, das Verfahren selbst zu finanzieren oder PKH zu beantragen, gibt es eben diese weitere 3. Möglichkeit der Prozessfinanzierung. Was ist daran so verkehrt?

Außerdem: Nicht jeder ist berechtigt, PKH zu beantragen. Wenn man also genug verdient, muss man das Verfahren sowieso aus eigener Tasche bezahlen. Und übrigens: Im Falle einer Niederlage muss man auch mit PKH die gegnerischen Anwaltskosten selbst übernehmen.








Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #121 am: 07 Dezember 2020, 22:45:24 »
Warum Kopf schütteln?
Die Frage lautet eher: was ist daran richtig?

Diese Prozessfinanzierer gibt es ja nur, weil sie wissen, dass sie gewinnen. Frag mal einen Prozessfinanzierer, ob er den Prozess auch für Sportwetten finanziert. Antwort: NEIN!
Warum nicht? Weil er verliert. Dh, finanziert wird nur bei sehr hoher Aussicht auf Gewinn.

Fazit: warum sollte man diesen Weg gehen?? Aus Angst...warum sonst noch? Weil man verlieren könnte? Das sollte man doch bitte sehr klar mit dem Anwalt besprechen.

Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #122 am: 08 Dezember 2020, 00:29:16 »
Moment mal.

Was ist denn daran verkehrt, Verfahren NICHT zu finanzieren, wenn gar keine Erfolgsaussichten bestehen?

Richtig, Prozessfinanzierer gehen selbstverständlich von einem erfolgreichen Ausgang der Verfahren aus. Aber das heißt noch lange nicht, dass das so auch kommen wird. Wenn ich - egal ob ich mir ein Verfahren leisten kann oder nicht - das Prozessrisiko einfach nicht eingehen will, dann ist das Angebot eines Prozessfinanzierers genau das richtige für mich.

Kein Prozessfinanzierer "spielt mit der Angst" der Mandanten. Es gibt eben Menschen, denen ist ein stress- und risikofreies Verfahren mehr wert als das, was sie im Erfolgsfall an die Prozessfinanzierer abgeben müssen.

Übrigens gibt es Prozessfinanzierungen nicht erst seit den OC-Geschichten und viele Menschen sind froh, dass so etwas angeboten wird.


*

Bastian0307

Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #123 am: 08 Dezember 2020, 08:09:58 »
Ich denke auch das ein Prozessfinanzierer nur dann einsteigt wenn das Geschäft erfolgsversprechend ist. Jedoch ist das für manch Mandanten egal, wie schon erwähnt geht es hier um Faktor Stress/Sicherheit. Und das ist mehr wert als das Geld was am Ende dabei raus kommt.

Ich persönlich habe auch 2 von 5 Fällen an einen Finanzierer abgegeben. Aus den genannten Gründen. Eine PKH wäre nicht möglich da ich zu viel (im Verhältnis zum Selbstbehalt) verdiene. Aber es reicht halt nicht um den Prozess aus eigener Tasche zu finanzieren. Also habe ich die Fälle abgetreten und warte ab was passiert. Wenn mittelfristig die positiven Urteile gegenüber negativen (keins bis jetzt bekannt?) überwiegen werde ich je nach Ausgang den Rest natürlich aus eigener Tasche dann finanzieren.

Aber es gibt einem halt das planbare Gefühl das man hier langfristig einfach sein Leben weiterhin (zumindest aus finanzieller Sicht) aufbauen kann.

Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #124 am: 08 Dezember 2020, 10:49:36 »
Diese Prozessfinanzierer gibt es ja nur, weil sie wissen, dass sie gewinnen. Frag mal einen Prozessfinanzierer, ob er den Prozess auch für Sportwetten finanziert. Antwort: NEIN!

Hier klinke ich mich mal ein und muss dem widersprechen. Ich habe ausschließlich Sportwetten gespielt und nach langem Überlegen mit einer hier oft genannten Kanzlei einen außergerichtlichen Einigungsversuch mit dem Sportwettenanbieter angestrebt. Für zwei Briefe, die beide vom Anwalt der gegnerischen Seite in aller Kürze und ohne auf den Inhalt einzugehen abgeschmettert wurden, habe ich über 1.100 Euro gezahlt, da der Streitwert etwas über 15.000 Euro beträgt. Leider habe ich mich erst im Nachhinein hier im Forum angemeldet und gemerkt, dass mein außergerichtlicher Versuch mit Anwalt im Prinzip ohne Aussicht auf Erfolg war, was mich doch etwas verärgert hat, da 1.100 Euro für mich und meine Familie kein unerheblicher Betrag war.

In der vorletzten Woche habe ich mich an einen Prozessfinanzierer gewandt und (überraschenderweise, wie ich gestehen muss) eine klare Zusage für meinen Fall bekommen. Ich habe daraufhin explizit nochmal nachgefragt, ob denen bewusst ist, dass ich ausschließlich Sportwetten gespielt habe. Auch die folgende Antwort des Prozessfinanzierers fiel positiv aus.

Für mich und meine Familie ist dieser Weg deutlich entspannter als auf eigenes Risiko Klage zu erheben und am Ende nochmal 4.000 bis 6.000 Euro zu verlieren. Dieses Risiko kann ich aktuell gar nicht eingehen und ich denke viele Anbieter spekulieren darauf, dass wir (Ex-)Süchtige nicht mehr die Mittel haben, um es auf eine Klage ankommen zu lassen.

Ich persönlich sehe es für mich so, dass ich durch den Prozessfinanzierer nur gewinnen kann. Mich hat es geärgert, dass ich nicht die Mittel für eine Klage habe. Nun übernimmt der Finanzierer die Kosten und ich habe mit viel weniger Risiko die Möglichkeit, einen Teil des verspielten Geldes zurückzuerlangen. Sollte der Prozess verloren gehen, habe ich mir die o.g. Kosten gespart und obendrein ein reines Gewissen, weil ich es zumindest über den Klageweg versucht habe.

Letztendlich sollte aber jeder für sich bestimmen, welcher Weg der richtige ist.




Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #125 am: 08 Dezember 2020, 22:53:57 »
Moin moin,
Wie heißt denn der Finanzierer, das auch Sportwetten macht?

Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #126 am: 09 Dezember 2020, 21:48:01 »
Also...zur PKH:
Die Einreichung des PKH-Antrages mit den Hinweis darauf, dass der Antrag unabhängig von den Erfolgsaussichten der Gegenseite zugestellt werden muss, hemmt nach der BGH-Rechtsprechung die Verjährung.

Zur den Prozessfinanzierern:
Womit spielen diese eigentlich? Mit der Angst der Mandanten.
Warum werden denn Casino Verluste von Prozessfinanzierern aufgekauft? Weil Sie wissen, dass es bereits etliche, positive Vergleiche gibt. Warum sollte also ein armer Bursche, der Geld in Casinos verloren hat, den Prozessfinanzierern noch Geld hinterherwerfen? Wenn man kein Geld hat und es um Casino Verluste geht, würde ich klar eine PKH vorziehen! Ansonsten würde ich die Klage selbst finanzieren. Aber niemals zu Prozessfinanzierern greifen die ja logischerweise nur die Fälle aufkaufen, die schon fast klar positiv entschieden werden. Sonst wären sie ja dumm :)

Gruss
W

Mal ganz grundsätzlich: Die von dir genannten "Prozessfinanzierer" sind Unternehmen, die in eine "Geschäftsidee" ihr eigenes Kapital investieren mit der Absicht, logischerweise für ein jedes Unternehmen, damit Gewinne zu erzielen. Die spielen also nicht mit irgendeiner Angst, sondern erwecken, falls man moralisch - kritisch das Ganze betrachten möchte, Hoffnungen bei Menschen, die finanziell möglicherweise in einer Schuldenspirale angelangt sind, aus der sie nicht mehr alleine herauskommen. Um, ja, Geld zu erwirtschaften.

Ich halte selber nicht viel davon, damit das vorneweg direkt mal Klar gestellt ist. Das hat aber ganz andere Gründe.

Jedoch stellt dieses Angebot jener Unternehmen ein Angebot dar, welches sowieso schon finanziell ausgezogene Menschen zumindest die Möglichkeit gibt, vor Gericht zu gehen, ohne dabei ihr letztes Hemd zu verlieren. Das Risiko ist demzufolge bei den sogenannten Finanzierer, nicht beim finanziell - zerrütteten Spieler.

Was spricht also am Ende dagegen? Das diese Unternehmen bei Erfolg ihre Dienstleistung, sofern man dies so nennen mag, finanziell honorieren lässt? Wohl kaum, denn sie agieren als gewinnorientiertes Unternehmen. Dem muss man sich natürlich bewusst sein und ist neutral betrachtet auch nicht zu kritisieren.

Das diese Geschäftsidee ohne Risiko wäre, wie du es ja darstellst, ist mir die Nachfrage nach Fakten wert. Kennst du erfolgreiche Vorgänge? Kennst du, noch wichtiger, auch Vorgänge die in der "Warteschleife" sind, bzw nicht zum Erfolg führten oder anders gefragt: Hast du dich jemals auch darüber informiert?

Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #127 am: 29 Januar 2021, 01:29:23 »
Na wenigstens hat mein Beitrag einige Leute erreicht. Spannend, dass alle pro Prozessfinanzierer sind.

Nichts ist ohne Risiko. Mein Anwalt hat mir klar zu verstehen gegeben: Sportwetten werden vom Prozessfinanzierer nicht übernommen. Er kennt auch keinen, der das macht. Wundert mich also, dass es da einen geben soll...

Am Ende ist es doch wie überall: alle wollen nur dein Geld. Unten mal wieder ein wundervolles Beispiel: außergerichtliche Einigung. Welchen Zweck hat das, außer dem Anwalt 1100 Eur einzuspielen? Das wusste der Anwalt auch vorher...die großen Casinos mit Sitz in Malta werden sich niemals!! außergerichtlich einigen - würde ich auch nicht. Weil ein Drohbrief noch lange nicht heißt, dass auch geklagt wird. Und dann kann man sich immernoch einigen.

Richtig der Prozessfinanzierer = eine gewinnorientierte Firma, sucht sich die Fälle raus, wo die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, zu gewinnen...genau wie eine Firma nur da investiert, wo sie einen Return on Investment > 0 erwartet (außer Forschung und Entwicklung)...und wenn der Prozessfinanzierer keine Forschung & Entwicklung mehr betreibt, wird er nur da investieren, wo er sich sehr sehr sicher ist, Geld zu verdienen. Und wenn er sich mit seiner großen Erfahrung sehr sehr sicher ist, dann könnte man sich ja vielleicht auch bestärkt fühlen und das ganze selbst finanzieren? Und jetzt kommt der Faktor Angst: ne, macht man nicht. Weil das andere ist ja sicher. Gerade weil man schon so viel verloren hat, will man nicht noch mehr riskieren (wurde ja hier auch so beschrieben). Und genau das weiß der Prozessfinanzierer auch.

Das war der Gedankengang...klar ist es nicht verwerflich und klar darf es diese Form der Finanzierung geben. Ich habe gerade noch in einem anderen Beitrag ein "Werbeschreiben" eines Prozessfinanzierers gelesen...da hieß es "wir haben massig Power und können einen großen Druck ausüben..." soll heißen: Dir kleinem Wurschtl geht die Puste aus und du wirst verlieren. Wir Prozessfinanzierer geben Vollgas bis zum Ende und haben dadurch eine höhere Chance zu gewinnen. So kann man es auch sehen...

Meine Klage 1 ging übrigens Ende Dez raus. Sportwetten und Casino gemischt.
« Letzte Änderung: 29 Januar 2021, 01:55:37 von wluchten66 »

*

Kläger2019

Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #128 am: 29 Januar 2021, 09:25:09 »
Da hast du sehr recht. Wie ich bereits schon gesagt habe, ist das Geldzurückholen von Casino-Anbieter quasi ein Selbstläufer. Meiner Meinung nach, bräuchte eigentlich auch keinen Anwalt, da man sich vor Gericht selbst verteidigen kann, nur hat dieser die rechtliche Zulassung vor Gericht auftreten zu dürfen.
Zitat
Nichts ist ohne Risiko. Mein Anwalt hat mir klar zu verstehen gegeben: Sportwetten werden vom Prozessfinanzierer nicht übernommen. Er kennt auch keinen, der das macht. Wundert mich also, dass es da einen geben soll...

Sportwetten werden auch vor Gericht von Anbietern erstattet (spreche aus Erfahrung), zumindest Vergleichsabschlüsse erzielt. Da es aber hierzu noch keine höchsricherliche Rechtssprechung, wie bei Casinos existiert, kann man Sportwetten nicht automatisch als Einnahmequelle betrachten, aus Sicht des Prozessfinanziers und deswegen werden diese ausgegrenzt. An sich finde ich es dennoh eine gute Möglichkeit. Es gibt Menschen, die aufgrund der Spielsucht und Zockerei, einen Vorschus für den Anwalt nicht bezahlen können.
« Letzte Änderung: 29 Januar 2021, 09:35:16 von Kläger2019 »

Re: BGH Leitsatzentscheidung - was bedeutet dies nun für Spieler?
« Antwort #129 am: 29 Januar 2021, 13:54:25 »
Ist ja gut  :) :)

Schließlich gibts auch eine erhebliche Belastung durch mehrere Instanzen...ich sag ja schon nichts mehr  8)

 

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