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Glücksspiel und dazugehörige Gedanken

  • 82 Antworten
  • 6503 Aufrufe
Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #75 am: 22 Oktober 2021, 17:10:49 »
Danke Olli für deine Worte und gratuliere zu deiner Rauchfreiheit. Hab diese auch schon öfters angestrebt aber immer nach einer Zeit aufgegeben. Nikotinfrei war ich sowieso die letzten 15 Jahre nicht und nichts fällt mir schwerer als das Rauchen sein zu lassen. Das ist aber zZ nicht mein Hauptproblem.

Ich hab wieder viel über mein Spielverhalten nachgedacht. Hat es mich jemals glücklich gemacht? Nein! Es hat mich nur in einer Traumwelt leben lassen, fernab von allen irdischen Problemen, wobei das ganze dazu geführt hat noch mehr Probleme herbeizuschaffen. Meine Baustelle wurde also nach jedem Spielen größer.

Vielleicht habe ich das aber auch mal gebracht um mir meine Sucht so richtig einzugestehen. Einmal groß gewinnen um dann alles und noch mehr zu verlieren. Ich kann es einfach nicht, kontrolliert spielen. Ich machte mir vor, dass ich es kann. Schließlich hatte ich über Wochen nur gewonnen. Der Suchtteufel hat mich getäuscht und mich glauben lassen, dass ich über mich selbst hinausgewachsen bin und Kontrolle habe.

Doch in dem Moment wo das Verlieren angefangen hat gab es kein Halt mehr. Ich konnte nicht aufhören, ich wollte nicht aufhören. Ich wollte noch mehr von diesen berauschenden Gefühlen. Immer den Verlusten hinterher jagend.

Mit den letzten zwei Einzahlungen, die enorm hoch waren, hatte ich wieder so viel gewonnen, dass gefühlt nichts passiert ist. Aber ich wollte mehr, mehr und noch mehr!
Noch eine Hand hab ich mir gesagt, nach jeder Hand die ich gespielt hab. Bis am Ende nur mehr ein dickes Minus über geblieben ist. Alle Einzahlungsmöglichkeiten waren ausgeschöpft und ich fing an auszunüchtern. Mehr konnte ich nicht ertragen. Warum hat es bloß so lange gedauert es zu akzeptieren...

Schon in den Wochen zuvor versuchte ich immer wieder aufzuhören, mit beträchtlichen "plus" aber der Reiz einfach weiterzumachen, nur noch ein letztes Mal, hat mich nicht aufhören lassen. Ich war wie besessen und werde es immer sein wenn ich spiele. Sobald ich anfang zu verlieren dreh ich komplett durch, kann keine Limits halten und verliere komplett das Gefühl für den Wert des Geldes.

Ich ändere das aber jetzt, ein für alle mal!
Die Last die ich heimlich mit mir herumtrage, seit Jahren, wird mir zu schwer und ich möchte das ganz einfach nicht mehr. Die Schuld, die Selbstvorwürfe und die Scham sind mittlerweile zu groß geworden. Ich möchte wieder glücklich sein und das Spielen würde mich nur noch mehr in das Loch, in dem ich mich zur Zeit befinde, hineinfallen lassen. Das Spielen hat mir noch nie gut getan und wird es auch niemals können.

« Letzte Änderung: 22 Oktober 2021, 19:03:35 von P-Toni »

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #76 am: 24 Oktober 2021, 12:21:01 »
Der Anstoß hat geholfen, zwar nicht sofort aber mit einem Tag Verzögerung. Vielleicht lag es aber auch daran, dass das Suchtmittel ausgegangen ist. Beschaffen könnt ich es jederzeit, werde aber versuchen das zu meiden um wieder etwas klarer im Kopf zu werden und die Gereiztheit zu verlieren. Heute fühle ich mich schon viel besser, frisch und aktiv.

Ich ärgere mich gar nicht so sehr über das Geld, das ich verspielt habe. Es ist mehr die Zeit, die ich verloren habe. Zeit in der ich arbeiten gewesen bin um dieses Geld zu verdienen. Ich hätte genauso gut auch zuhause bei meiner Familie bleiben können und hätte mehr davon gehabt. Es sind nicht nur Stunden sondern Tage, wenn nicht sogar Wochen die ich dadurch verloren habe.
Diese Zeit bekomm ich nicht mehr zurück und das schmerzt, denn das hat meine Familie nicht verdient.

In der letzten Spielphase war ich geistig den ganzen Tag beim selbstzerstörerischen Glücksspiel. Entweder aktiv als Spieler, passiv als Beobachter oder einfach nur in Gedanken an das nächste Spiel. Ich habe Zuhause, in der Arbeit, auf der Toilette, sogar mit meinem Baby am Arm gespielt. Ich konnte einfach nicht nicht spielen. Ich schäme mich dafür. Vorallem wegen dem letzten Punkt.
Da ist ein kleines Wesen, dass ganz viel Liebe und Aufmerksamkeit braucht und ich spiele. Ich kann nur meinen Kopf darüber schütteln. Das darf einfach nicht sein. Kann ich noch tiefer sinken und warum kommt die Erkenntnis darüber so spät?
Ich hoffe, dass meine Kids diese Veranlagung nicht von mir mitbekommen. Das bereitet mir Sorgen.

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #77 am: 24 Oktober 2021, 13:48:06 »
Dazu kann ich nur sagen, halte dir das immer wieder vor Augen. Ich glaub auch, dass ich da irgendwie genetisch vorbelastet bin aber zudem hatte ich echt eine bescheidene Kindheit mit frühen Verlusten und wenig Selbstwertgefühl.
Wir können jetzt noch Einfluss nehmen auf unsere Kinder... wenn wir weiter spielen, wirkt sich das unweigerlich negativ auf unsere Beziehungen zu Partnerin und Kindern aus.
Deshalb kann ich für meinen Teil nur sagen, dass ich nicht mehr spielen werde und die Zeit mit meinem Kind aktiv erleben will, der Papa sein will, den ich selbst gerne gehabt hätte. Ich verbringe die Zeit die letzten Wochen mit meinem Sohn viel intensiver.
Ich kenne das zum Großteil von mir selbst, dass ich egal wann gespielt habe, auch wenn ich mit meinem Sohn gespielt habe. Auf dem Spielplatz wenn er geschaukelt hat oder selbst beim Uno spielen und dergleichen. Ich komme mir deshalb auch extrem schäbig vor. Aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen, aber jetzt und in Zukunft habe ich es in der Hand.
Lass uns unsere Zeit nicht mehr verschenken. Machen wir die Augen auf und sehen, was das Leben uns schönes gegeben hat und versuchen wir das Beste daraus zu machen. Und wenn es herausfordernd und anstrengend ist, sprechen wir darüber oder schreien mal im Auto ganz laut wenn es niemand hört oder laufen einfach bis die Lunge brennt... oder oder oder.
Ich wünsche Dir viel Kraft!
« Letzte Änderung: 24 Oktober 2021, 13:56:47 von Einervonvielen »

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Offline Olli

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Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #78 am: 24 Oktober 2021, 15:24:52 »
Ich möchte hier nur mal betonen: Es reicht für diese Ziele nicht einfach nur das Spielen einzustellen!
Das Glücksspiel als Handlung ist nur ein Symptom eines tiefer liegenden Defizites!
Wer hier nur das Spielen einstellt, überträgt trotzdem mangelnde Erfahrungen an seine Kinder!
Daher ist es wichtig für uns Spieler diese Erfahrungen aufzuholen über SHG, Therapeut und was auch immer.
Erst dann sind wir die Vorbilder, die wie doch eigentlich sein möchten.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #79 am: 31 Oktober 2021, 08:47:19 »
Vorgestern hatte ich meinen ersten Termin beim neuen Psychologen. Das Erstgespräch lief gut und ich fühle mich wohl bei ihm.
Ich sehe diese Therapie als vielleicht letzte Chance meine Defizite zu ergründen und an ihnen zu arbeiten.

Als erste Aufgabe soll ich eine Sehnsuchts-Collage erstellen, mit Bildern, Wünschen oder Sprüchen. Ich werde mir dazu noch etwas überlegen. In knapp zwei Wochen ist der nächste Termin und in diesem Abstand werde ich auch die Therapie fortführen.
Es tut jedenfalls gut, dass ich mir wieder viele Dinge von der Seele sprechen kann.

Gestern habe ich dann auch noch auf meinem alten Handy einen Screenshot von einer Hand BJ gesehen, die ich einmal gespielt hatte. Eine Unsumme die ich da gesetzt hatte und mir wurde richtig schlecht, auch wenn diese Hand "gewonnen" hatte. Mit der Realität hatte das nichts mehr zu tun. Das Gefühl für den Wert des Geldes hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon längst verloren.

Nach knapp einem Monat schmerzt es noch immer. Aber gar nicht so sehr der Verlust des Geldes sondern mehr der Verlust der Kontrolle über mich selbst. Doch ich bin guter Dinge, dass ich meine Probleme und Defizite überwinden bzw an ihnen Arbeiten kann, auch wenn der Weg dorthin nicht immer einfach ist und bestimmt auch schwierige Situationen noch auf mich zukommen werden. Ich möchte spielfrei sein und das auch bleiben!

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #80 am: 06 November 2021, 14:13:41 »
Weiterhin spielfrei und das im besten Fall bis zum Schluss. Zumindest wünsche ich mir das und arbeite auch daran.
Tage möchte ich nicht mehr zählen. Mein Entschluss abstinent zu sein ist für mich wichtiger als spielfrei Tage zu zählen. In ein paar Jahren möchte ich nur mehr wissen, dass ich 2021 zum Spielen aufgehört habe. Das reicht mir. Da ist es dann egal wie viele Tage es genau sind. Die Entscheidung, spielfrei zu leben, getroffen zu haben werde ich jedoch nicht vergessen.
Jemand anderes motiviert es vielleicht doch mich nicht.

Ich habe auch beschlossen meine Einzahlungen nicht zurückzufordern. Die ständigen Gedanken an das Geld würden mich in meiner Entwicklung zu einem glücklichen, spielfreien Menschen nur zurückwerfen und das möchte ich nicht. Vielleicht brauche ich aber auch das Gefühl des Verlierens, tief eingebrannt in meinem Hirn, um zukünftig nicht erneut in die Suchtfalle zu tappen.

Aus einem Allen Car Seminar hab ich noch folgenden Antwort auf die Frage "Geht es dir besser wenn du deine Sucht ausübst?" aufgeschnappt:

"Nein es geht dir nicht besser, es geht dir nur weniger schlecht"

Ich finde es liegt viel Wahrheit in dieser Antwort. Denn besser ging es mir eigentlich nie bei bzw.  nach der Suchtausübung, egal ob es nun Drogen oder das Glücksspiel waren.

Ich versuche mich ein wenig daran zu orientieren und nutze diese Worte als Motivation.

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #81 am: 07 November 2021, 06:55:44 »
Zitat
Aus einem Allen Car Seminar hab ich noch folgenden Antwort auf die Frage "Geht es dir besser wenn du deine Sucht ausübst?" aufgeschnappt:

"Nein es geht dir nicht besser, es geht dir nur weniger schlecht"

.....und nach dem Spielen noch schlechter als vorher....

Hallo P-Toni,

ich zähle meine Tage auch nicht,ich hatte anfangs soviele Rückfälle, das ich mir wenigstens den Beginnermonat merken wollte,aber auch da bin ich mir nicht mehr so ganz sicher. Auch wenn ich jetzt einen Monat weniger spielfrei sein sollte,ändert das nichts an meinem guten Gefühl.

Hauptsache Spielfrei,man fühlt sich gut und ausgeglichen,man ist wieder glücklich.

Auf die Rückforderungen zu verzichten,weil der Suchtdruck dann wieder steigt,finde ich sehr gut. Das zeigt,dass dir deine Spielfreiheit sehr wichtig ist und diese Rückforderung und der Stress und die Gedanken daran ,einen Rückfall auslösen können. Respekt  !!

Alles Gute weiterhin für dich.

LG Wolke

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #82 am: 27 November 2021, 10:49:05 »
War ein paar Wochen nicht hier. Mir geht's jedenfalls gut. Hab zz viel Stress in der Arbeit gehabt doch jz knapp zwei Wochen frei. Endlich, obwohl ich meiner Arbeit sehr gerne nachgehe. Gedanken ans Spielen hab ich keine, jedoch weiß ich, dass das schnell umschlagen kann.
Bin nach wie vor bei der Therapie und merke, dass es mir gut tut. Nur das Gras hat wieder etwas Überhand bekommen. Ich denke, es ist für mich der Ausgleich zum enormen Arbeitsstress den ich momentan hab.. daran muss ich auch arbeiten

 

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