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Mein Tagebuch

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Mein Tagebuch
« am: 18 Oktober 2020, 00:03:06 »
Ein herzliches Hallo an euch alle.

Kurz zu mir. Mein Name ist Helga und ich bin 28 Jahre alt.

Angefangen hat alles vor 8 Jahren durch eine Geburtstagsfeier in einem Casino.
Damals haben sich die Besuche in Casinos aber in Grenzen gehalten und bei 100 verspielten Euros war auch Schluss.
Bis ich vor 6 Jahren die OC entdeckte und immer mehr verspielte. Die eingezahlten Beträge wurden mehr und natürlich auch die Einsätze.

Als Hilfsmittel nehme ich dieses Tagebuch wo ich niederschreiben möchte wie es mir geht und was sich so tut.

Glg
Helga

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #1 am: 18 Oktober 2020, 20:31:54 »
Tag 1 der Abstinenz.

Heute war ein guter Tag. Hatten Familie eingeladen zum essen und einen schönen Tag verbracht.
Keine Gedanken an das Spielen verschwendet (Hatte aber auch viel zu tun und keine Zeit dafür)

Wenn ich jetzt daran denke empfinde ich nur Wut und Scharm und frage mich noch immer wie man so dumm sein kann...so sinnlos Geld in den Sand zu setzten ...

Ich bin motiviert standhaft zu bleiben so war es noch nie...ich hoffe ich schaffe es.

Eine Frage habe ich allerdings...

Wie lange dauert es bis vorerst das größte überstanden ist? Nach 3 Monaten? Oder einen halben Jahr oder sogar 1 Jahr?

Helga

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Offline Wolke

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Re: Mein Tagebuch
« Antwort #2 am: 18 Oktober 2020, 21:09:28 »
Hallo Helga,

Zitat
Wie lange dauert es bis vorerst das größte überstanden ist? Nach 3 Monaten? Oder einen halben Jahr oder sogar 1 Jahr?

Diese Frage kann dir niemand genau beantworten,die Antwort ist so unterschiedlich wie jeder Spieler selbst. Bei mir hat es sehr lange gedauert,bis der Spieldruck in.seiner Stärke und Dauer nachgelassen hat. Ich war zu dieser Zeit auch schon lange in einer Verhaltenstherapie und in einer SHG. Hab von beiden Seiten viel über Skills und Achtsamkeit gelernt und an meinem eigentlichen Problem gearbeitet,welches die Sucht erst ausgelöst hat.

Was machst du ,wenn du Suchtdruck bekommst? Hast du jemanden zum Reden,weiß jemand bescheid? Hast du Gamban oder eine andere Sperrsoftware auf deinen Geräten? Du könntest deine Fixkosten abbuchen und das Online-Banking sperren lassen. Was hast du bisher unternommen ,um spielfrei zu werden?
Nur abwarten,bis das gröbste überstanden ist,funktioniert nicht. Die Sucht ist stark,du musst aktiv an dir arbeiten, musst die ersten Schritte machen.

Erzähl mal ein bisschen mehr von dir.

Herzlich Willkommen hier im Forum.

LG Wolke

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #3 am: 18 Oktober 2020, 22:17:56 »
Hallo Wolke, freue mich über deine Antwort.
Habe mich meinem Mann anvertraut (endlich reden zu können tut so gut)

Er hat für mich das Passwort beim Online Banking geändert somit kann nur er einsteigen wenn wir Überweisungen leisten müssen. Wir haben ein gemeinsames Konto (bis dato war ich für Finanzen zuständig) jz natürlich nicht mehr. Es ist aktuell besser so.
Somit kann er nun alles sehen was vom Konto weg geht.

Weiters habe ich mir Gamban installiert.

Ich hoffe so sehr das ich es schaffe auch mit der Hilfe meines Mannes. Endlich reden zu können tut gut.
Sollte ich einen Rückfall haben gehe ich in Therapie dies ist unsere Abamchung. Fürs Erste versuchen wir es so
Helga

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #4 am: 18 Oktober 2020, 22:27:31 »
Was natürlich auch förderlich ist wenn du dich einem Hobby annimmst was dich auch zeitlich und vor allem geistig voll ausfüllt. Ich hatte mich nach der ganzen Geschichte auf meine damaligen Hobbys die mich persönlich ziemlich fordern fixiert und das mach ich bis heute so, genauso wie ein guter Vorsatz den man ohne wenn und aber einhalten sollte (z.B. das Kochen o. ä. oder bestimmte Rituale).

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #5 am: 18 Oktober 2020, 22:56:51 »
 Hallo Bastian :)
Habe ich auch in den Angriff genommen habe mich wieder bei einer Damenfußballmannschaft angemeldet. Hatte oder habe nämlich ziemlich Talent und wegen Familie und Kinder das Fußballspielen aufgegeben dieses war jedoch meine Leidenschaft. Umso mehr Freude habe ich das ich diesen Sport nun endlich wieder ausführen kann:-)
Helga

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Offline Wolke

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Re: Mein Tagebuch
« Antwort #6 am: 19 Oktober 2020, 01:19:06 »
Hallo Helga,

Zitat
Endlich reden zu können tut gut.


Offen reden kannst du auch in einer SHG sehr gut. Menschen,die dieselben Probleme haben wie du,verstehen.dich,spüren teils schon vor dir,wenn du dich schlecht fühlst und sich ein Rückfall anbahnt. So war das oft bei mir in der Gruppe. Beim Erzählen und direktem Nachfragen,spürt man die Gefühle des anderen.

Die Caritas bietet therapeutisch geleitete SHGs an. Vielleicht ist das was für dich? Sie helfen dir auch dabei,wenn du eine stationäre Therapie machen möchtest,aber vielleicht reichen dir ja die wöchentlichen Gespräche.

LG Wolke

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #7 am: 19 Oktober 2020, 13:52:20 »

Er hat für mich das Passwort beim Online Banking geändert somit kann nur er einsteigen wenn wir Überweisungen leisten müssen. Wir haben ein gemeinsames Konto (bis dato war ich für Finanzen zuständig) jz natürlich nicht mehr. Es ist aktuell besser so.
Somit kann er nun alles sehen was vom Konto weg geht.


Hallo Verrückte;-) ich hoffe es geht dir gut.

Irgendwann in meiner Zockerkarriere habe ich auch das online Banking abgegeben. Doch als der Druck Wochen später wieder kam, habe ich dennoch eine Möglichkeit gefunden an Geld zu kommen. Wir Zocker können ziemlich kreativ werden.

Daher mein Ratschlag: Mach dir, evtl mit deinem Mann, Gedanken was für Hintertürchen noch offen sein könnten. Irgendwo mal schnell eine Guthabenkarte kaufen geht leicht und anonym. Lass dir vielleicht anfangs das Geld einteilen und händige ihm die Kassenzettel aus etc.

Das muss ja nicht ewig gehen. Aber irgendwann kann es passieren, dass man durch das Hintertürchen hindurchgeht.

Was denkst du, was der Grund für deine Sucht ist? Nur aufzuhören ohne den wirklichen Grund zu bearbeiten, geht meist nicht gut.

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #8 am: 19 Oktober 2020, 21:14:34 »
 :)Hallo Somewhere87,

Nehme gerade ein warmes Bad und habe dabei deinen Beitrag gelesen.

Muss sagen finde die Idee toll mit dem Geld einteilen und Kassenzettel aushändigen. Früher spielte ich nämlich hauptsächlich mit Paysafecards...weil ich nicht wollte das man es am Online Banking sieht. Irgendwann war mir das dann jedoch egal. An ein Hintertürchen hatte ich bis jz noch gar nicht gedacht umso dankbarer bin ich das du mich nun auf dieses aufmerksam gemacht hast   ;)
Zurzeit verspür ich nämlich keinen Spieldruck sondern noch immer soviel Wut und den festen Entschluss es zu schaffen  (nur wer weiß wie es in 2 Wochem aussieht). Werde das gleich heute noch mit meinen Mann besprechen.

Ich denke schon das ich weiss warum ich zu spielen begann.

Ich hatte immer ein Hobby. Ich liebte es wie erwähnt Fußball zu spielen. Auch wenn kein Training war machte ich viel Sport um Konditionel gut dabei zu sein. Das heißt ich hatte immer was zu tun und bei Langeweile ging ich eben sporteln.

Durch meinen Kreuzbandriss fiel das Fußball dann damals flach und als ich die OP überstanden hatte und  wieder fit war  wurde ich zum ersten Mal schwanger. Ich war durch die Kinder viel zu Hause und hatte irgendwie Null Ausgleich. Durch Zufall stoß ich aufs OC und es machte mir Spaß und ich hatte plötzlich oft keine Langeweile mehr.

Und ich glaube genau daran liegt oder lag das Problem. Ich sah es wie ein Hobby und als Hobby wurde ernst. Ich habe durchs spielen zwar noch keine Schulden gemacht aber ich merke das es nicht mehr lange dauern würde. Ich nahm mir oft schon vor nichts mehr ein zu zahlen und tat es aber wieder.

Nun bin ich wieder in einer Damenmannschaft hatte heute mein 1 Training und bin soooo glücklich. Vl hab ich es gerade noch so geschafft die Notbremse zu ziehen.

Mal sehen wie es weiter läuft.
Ich halte euch am Laufenden


Helga

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Offline Wolke

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Re: Mein Tagebuch
« Antwort #9 am: 19 Oktober 2020, 21:44:08 »
Hallo Helga,

nach der ersten Euphorie des Aufhören wollens,kommt der Alltag irgendwann zurück,auch wenn er erstmal spielfrei ist und da schleicht sich der Suchtdruck an und darauf musst du achten und vorbereitet sein. Deswegen sind SHGs auch wertvoll.

Zitat
Vl hab ich es gerade noch so geschafft die Notbremse zu ziehen.

2.Tag Spielfrei nach 8 Jahren........ich wünsche es dir,dass du sofort die Notbremse ziehen konntest,aber der Spieldruck,die Gedanken ans Zocken werden kommen.....

Achte auf dich und nimm jede Hilfe an die du bekommen kannst.

LG Wolke

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #10 am: 19 Oktober 2020, 21:54:48 »
Hallo Wolke,

Wie oft sind so Treffen in SHG muss man da immer hingehen oder wie man Lust hat? sind das fixe Zeiten?

Ich habe mich mit SHG noch nie beschäftigt

Glg
Helga

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Offline Wolke

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Re: Mein Tagebuch
« Antwort #11 am: 20 Oktober 2020, 02:27:32 »
Hey Helga,

normalerweise trifft man sich einmal pro Woche,für 1,5 bis 2 Stunden,fester Tag,feste Uhrzeit. Wenn du mal was anderes vor hast,krank oder im Urlaub bist,kannst du da natürlich absagen. Bei der Caritas,die eine therapeutisch geleitete Gruppe ist,meldet man sich dann kurz per Telefon oder Mail ab,wie das bei reinen Spielergruppen ist,weiß ich nicht.
Aber es will eigentlich niemand auch nur einen Termin verpassen und man will jede Woche dabei sein,weil es so gut tut,da zu reden,jeder hilft jedem,man lernt so viel voneinander. Die anderen spüren schon viel früher,wenn was nicht stimmt ,wenn man was erzählt. Man bekommt was gespiegelt von den anderen,einen anderen Blickwinkel gezeigt. Man fühlt sich immer sehr gut nach der Gruppe und setzt viel um ,von dem neu erlernten. Ich kann es dir nur empfehlen.

Durch die Verhaltenstherapie und die SHG bin ich spielfrei geworden !!

LG Wolke

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Offline Olli

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Re: Mein Tagebuch
« Antwort #12 am: 20 Oktober 2020, 06:39:53 »
Hi Helga!

Wie sich die Gruppen treffen ist vollkommen unterschiedlich. Meine Ehemalige triffst sich immer noch einmal wöchentlich.
In diesen Zeiten gibt es jedoch Einschränkungen. Manche Hygienekonzepte erlauben eben nur eine gewisse Anzahl an Personen je Fläche.
Da kann es vorkommen, dass die Gruppe geteilt wird und jeder nur noch alle vierzehn Tage teilnehmen kann.
Daher suche nach einer Gruppe in Deiner Nähe und rufe dann an um Dich zu informieren, wie es dort läuft.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #13 am: 20 Oktober 2020, 18:27:49 »
Schönen guten Abend :-)

Habe mich auf Empfehlungen von euch nun Heute ein bisschen schlau gemacht. SHG gibt es leider nur 20 Autominuten von mir entfernt. Leider habe ich oft kein Auto da mein Mann und ich es uns teilen. Nun habe ich mir einen Psychotherapeuten heraus gesucht, der ist direkt bei uns im Ort und macht sogar Hausbesuche. Werde dort gleich Morgen Früh anrufen.

Wie verlief mein Tag sonst Heute....

Ich habe für uns Mittag gut gekocht:-)
Danach einen ausgiebigen Waldspaziergang mit meinen Jungs gemacht und anschließend noch den Spielplatz unsicher gemacht.
Heute Abend muss ich noch eine Torte backen und dekorieren weil unser Großer  Morgen 5 Jahre alt wird   ;)

Also Tag 3 verlief super, keine Gedanken an das Spielen  und noch immer glücklich und stolz mich offenbart zu haben um ein neues Leben beginnen zu können. (Natürlich weiß ich das es erst 3 Tage sind und noch andere Zeiten kommen werden) aber ich hoffe falls ich mal Suchtdrang verspüre und ich hier lese wie frei ich mich an solchen Tagen fühlte das es mir helfen wird dem Drang zu wiederstehen.

Glg

Helga

Re: Mein Tagebuch
« Antwort #14 am: 20 Oktober 2020, 19:25:08 »
Hallo Helga.

Das freut mich zu hören:-)

Hast du mit deinem Mann die paysafecard Hintertür schließen können ?

Wir alle hier wissen: Die ersten motivierten Tage gehen meist super. Wenn aber der Alltag kommt, braucht man Schutzmechanismen die funktionieren. Geht mir persönlich, der 8 Jahre gezockt hat, auch so.

Alles Gute und viel Erfolg beim Psychotherapeuten.

 

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