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Andre - 26 - Keine Lust mehr.

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Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #45 am: 20 April 2021, 23:18:48 »
Danke für deine Worte,
Diese geben mir viel zu denken.

Oft denke ich an diese Eisenbahnfahrt die man hat, sobald ein Impuls eintritt und einem sagt "zahle ein".

1. Zahle ein - ist schon nichts dabei
2. Eingezahlt - Gefühl gut
3. Wette ausgesucht, Schein sehr selbstsicher und gefühlsvoll voller Euphorie abgeschickt.
4. Wette entwickelt sich gegen dich, unsicherheit über die Entscheidung eingezahlt zu haben macht sich bemerkbar.
5. 2 Minuten vor Spielende - einem Fehlen 2 Tore/Schein ist nun tot - WUT über sich selbst!
6. Spiel zu Ende, man realisiert, dass man nachschießen musst um weiter zu Spielen. - Enttäuschung


Das Spielen ist eine Plage und es hat jedes mal das gleiche Manoskript.

Impuls - Vorfreude - Motivation - Euphorie - Unsicherheit - WUT - Enttäuschung

Problematisch bei der Geschichte ist, wenn man manchmal etwas gewinnt.
Dann ändert es sich auf:

Impuls - Vorfreude - Motivation - Euphorie - Euphorie - Euphorie - Impuls - Vorfreude - Euphorie - Unsicherheit - WUT - Enttäuschung.

Alles in einem verliert man auf lange Sicht, die Quoten sind halt so kalkuliert und da sitzen sicherlich Psychologen dahinter.

Ich würde gerne bis zu mein nächsten Beitrag von euch wissen, ob es bei euch die selbe "Achterbahnfahrt" war als ihr gespielt habt?
Oder hab ich da gerade in der Schnelligkeit beim Schreiben etwas vergessen?

Gelernt habe ich immer und immer wieder, die Spielfreie Zeit dafür zu nutzen an sich selbst zu Arbeiten.
Rückfälle zu analysieren und während oder kurz nach einem "Rückfall / Konsum" sich Notizen zu machen was man selbst Empfindet während es passiert.

Nur so kann man langfristig erfolgreich sein und an sich arbeiten.

*

Offline andreasg

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Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #46 am: 22 April 2021, 18:26:39 »
Hallo André,

ich habe mich in letzter Zeit öfters gefragt, wie es wäre, Sportwetten auf Mein' Lieblingsverein zu setzten. Eines wüßte ich: niemals -  um nichts in der Welt würde ich eine Wette gegen die Jungs setzten, das gebietet einfach der Stolz, das Understatement, zwar Fan keines Eliteclubs zu sein, eher etwas bodenständig, aber mit Herzen. Sonntag hieß das Ergebnis: 3:1, 'mal wieder gewonnen, mal wieder Geld zurück - gewinnen, und dann bin ich in der, in meiner Spielsucht. Mit "Geld zurück zu gewinnen", habe ich morgens so manche Arbeitsstunde geschwänzt, (der Zug hatte leider Verspätung) - so die Ausrede. Hast du schon einmal deine Arbeit versäumt, um Spielen gehen zu können; eine von 20 Fragen der Anonymen - Spieler (GA) zu jeder Frage habe ich eine Geschichte aus meinem Leben. Ja, ich wollte natürlich auch verlorenes Geld schnellstmöglich zurück gewinnen. Die Antwort, im Tunnel des Lebens betrachtet, und wieder an das Licht gebracht sagt mir deutlich: Ich stehe nicht alleine da, weil ich es niemals geschafft habe, verlorenes Geld zurück zu gewinnen.

Als Judendlicher bin ich in die Frittenbude gegangen: 1,20 DM für die Bratwurst, 1,50 DM hingelegt, die 3 Groschen, Stück für Stück in den Automaten geworfen. Wenn 4 oder 8 Groschen rauskamen, hat es Spaß gemacht, wenn es 10 Groschen, also 1 Mark war, habe ich mich wie der King gefühlt. auch daß ich als 15 jähriger schon über 1,85 groß und stabil gebaut war, also als 18 jähriger durchging, hat mich angetörnt. Das Spielen wurde zu meinem Lebensinhalt, ich ging so oft wie möglich in die Spielhalle, später auch in Kneipen, nur beim Saufen haben wir Fußballfans lieber geknobelt und geflippert, immer um Bier und Schnaps.

Ich weiß nicht mehr, wie meine Erwartungen waren, wenn ich die Spielhalle betrat. Ich habe in Erinnerung, daß nach einem sehr stressigen Arbeitstag im Hochsommer, von 8:00 - 20: 00 ohne Pause, ich eine Taxe zur Firma bestellte, damit zum Rotlichtviertel fuhr,  unbeachtet der hohen Taxikosten, die lächerlich in der Position zum Spielverlust waren, und später das Zocken als anstrengender empfunden habe, als das Getriebe im Büro war.
Mein letzer Traum an das Spielen, den ich in Erinnerung habe, handelte davon, vom Spielen ausgebrannt, müde, verletzt vom hohen Geldverlust, es endlich geschafft habe, die Halle zu verlassen, lediglich 20 DM hatte ich noch übrig gelassen. Vor der Spielhalle war ein riesiger gepflasteter Platz, und weit gegenüber auf der anderen Seite befand sich eine Spielhalle. Ich fing an zu laufen, um dahin zu kommen, dann wachte ich auf, schweißgebadet.

Irgendwann kommt im Fernsehen ein Spielautomat ins Bild, oft auf Videos in der Präventionsarbeit, schon ist der Trigger bei mir. Ich habe Heute noch das Zucken , den Rhythmus im rechten Daumen, wenn ich die Risikotaste drückte, 30 Jahre später. Und wenn die Leiter nach oben stieg, war dieses Glücksgefühl so mächtig, wahrscheinlich der Erfolg, etwas geschafft zu haben, was ich im Beruf nicht bekommen habe, von der Liebe einmal völlig zu schweigen.

Liebe Grüße
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #47 am: 12 Mai 2021, 23:20:17 »
Ich glaub ich schaff es aktuell nicht allein sauber zu bleiben.

Bin OASIS gesperrt bei Tipico. Nun konnt ich mich vor c.a 2 Wochen bei einem anderen Anbieter anmelden.
Dort habe ich nun auch OASIS sperre eingeleitet.
Offenbar funktioniert deren System nicht, denn ich kann mich trotzdem überall anmelden.
Aber das ist ein anderes Thema. Trotzdem schade, wie der Spielerschutz hierzulande greift.

Nun hab es wieder geschafft. Alle Schutzmechanismen ausgesetzt und Fußballwetten gemacht.
100 Plus 100 Minus 100 Plus 200 Minus usw usw... am Ende war ich laut Bank nun bei -500€ bevor mein Kopf sich eingeschaltet hat.

Er sagte mir, zahle nochmal etwas ein, die nächste Wette klappt bestimmt.
Auf einmal so ein Klick Moment: - Du Hund, was machst du da eigentlich wieder?
Willst du wieder bei paar Tausend € im Minus und unvorstellbaren Depressionen landen?
LASS ES BLEIBEN, sagte mein Gehirn!
Ich klickte wie schon vor vielen Wochen auf diese OASIS Sperre.

Nun das ich éin pathologischer Spieler bin war mir schon vorher klar.
Man kann über die vergossene Milch nun weinen oder Aufwischen und den kack nun mal lassen.

Morgen Früh werde ich bei der Drogenberatung bei uns in der Stadt anrufen.
Wie ich im ersten Satz schon schrieb:

Ich schaffe es nicht allein!

Meine Ideen und Ansätze mögen zwar richtig sein, aber ich glaub ich brauch doch etwas Hilfe von außen.


*

Offline Olli

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Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #48 am: 13 Mai 2021, 08:47:07 »
Hi Andrè!

Ich finde, das ist eine gute Idee ...
Wo es Dich hinführt, das wirst Du sehen. Doch es ist bestimmt immer noch besser, als dieses Hin und Her.
Es ist schon komisch, wie immer Eines zum Anderen führt, bis der Leidensdruck zu stark wird.
Dabei nicht gerade hilfreich in dieser Historie sind die Gedanken: Einen Versuch starte ich noch alleine ...
Das ist nicht nötig. Und es zeugt auch nicht von Stärke. Die zeigt man, wenn man sich Hilfe sucht - frühzeitig.
Wir Menschen sind nun mal nicht "perfekt". Es gibt dort draussen nicht einen, der sich dies zuschreiben könnte.
Wir haben Fehler - wir machen Fehler ... was soll´s?
Wir haben die Fähigkeit zu lernen - um Fehler nicht zu wiederholen.

Mir wurde eingetrichtert: Wenn Du handwerklich etwas nicht kannst, dann stelle Fragen.
Was unterscheidet denn ein Handwerk von der Psyche? Wieso sollte ich, wenn ich dort nicht weiter komme, nicht auch Fragen stellen?
In den Workshops, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe, stelllte sich immer Eines heraus: Alles, was Du brauchst, das steckt bereits in Dir!
Mit den Antworten auf meine Fragen werden diese Sachen aber erst greifbar - begreifbar. Sie bekommen ein Gewand.

Rufe an, mache einen Termin und sei stolz auf Dich und diese Entscheidung!

Der Suchtdruck und die dazu gehörenden Gedanken werden nicht gleich ausgemerzt sein. Sie werden Dich noch eine ganze Weile begleiten.
Aber weisst Du, was da hilft? Reden! Rede in Deinem Umfeld, schreibe im Forum, rufe die Hotline an ... mache was in dem Moment, wo der Suchtdruck beginnt. Du hast, wenn ich das mal interpretieren darf, bei Beginn des Suchtdrucks nichts gemacht. Was passiert, ist klassisch. Du hast ihnen freien Lauf gelassen. Das Ende ist dann vorprogrammiert - Du hast keine Chance mehr.
Stimmst Du mir hier zu? Es ist aber falsch - Du hast immer eine Chance zu intervenieren - jederzeit! Im Grunde hast Du es ja selbst gemacht.
Nun geht es nur darum achtsamer zu werden, um eben so früh es eben geht, dem Ganzen einen Riegel vorzuschieben. Je eher, desdo "einfacher".

Du bekommst das auch hin ... mit ein wenig Anleitung ...
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #49 am: 08 Juni 2021, 02:19:07 »
Nun ist schon fast 1 Monat seit mein letzten "Vorfall" vergangen.
Ich selbst habe diese Zeit genutzt um mich etwas mehr um mich zu kümmern.
Nach so langer Zeit im Lockdown sah ich sie "die Chance".

Ich erlaubte mir eine Woche Urlaub. Weit weg von zuhause. Um genau zu sein im Ausland.
Zunächst dachte ich es ist eine schlechte Idee, aber dann entschied ich einfach zu Buchen..
In der Woche ging mir meist durch den Kopf, schau mal wie viel Sonne, schau mal wie viele Menschen.
Wieso spielst du eigentlich, dein Leben ist doch PERFEKT!

Ich bin Sohn einer Alkoholikerin, mir ist oft aufgefallen, dass Kinder von Alkoholikern nie selbst Alkoholiker werden.
Mir schmeckt das Zeug einfach nicht. Wenn ich an die Abstürze von ihr denke, wird mir bei jedem Schluck Alkohol einfach unangenehm.
 Zwischendurch mal ein Bier zum Fußball geht jedoch schon.
Oft denke ich mir, dass mir die Veranlagung zur Sucht irgendwo mitgegeben wurde in meiner Kindheit.
Das es die Spielsucht wurde, hätte ich niemals gedacht.

Nun berichte ich seit knapp 7 Monaten hier über mein Leben, ich denke der eine oder andere liest gerne mit.
Ich bin so dankbar, dass ich hier meine Gedanken niederschreiben kann.

Aktuell bin ich in einer "Angst - Stimmung".
In wenigen Tagen beginnt die EM und meine Finger jucken schon nach den Quoten zu schauen.
Genau das dachte ich mir vor wenigen Minuten, schau mal die Quoten, vielleicht ist etwas dabei... sagte mein Gehirn.
Ich sagte: NEIN, das machst du jetzt nicht, schreib lieber deine Gedanken ins Forum und leg dich danach etwas schlafen, morgen ist ein arbeitsreicher Tag.

Ich wünschte nur, es würde eine Tablette geben. Die man sich einschmeißt und der Glücksspielteufel verschwindet aus dem Gehirn.
Nun bleibt uns nur die  harte Arbeit an uns selbst... Rückfälle vermeiden.... und stark sein...


*

Offline Olli

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Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #50 am: 08 Juni 2021, 09:12:13 »
Hi Andre!

Genau so soll es sein ... Suchtgedanken tauchen auf ... alles nieder schreiben - sofort!

Zitat
Ich wünschte nur, es würde eine Tablette geben. Die man sich einschmeißt und der Glücksspielteufel verschwindet aus dem Gehirn.

Und wo bleibt da der Spaß? Der, von dem Du da gerade berichtet hast?
Die Wahrnehmung verändert sich mit zunehmender Spielfreiheit und der Arbeit an sich selbst.
Wann hast Du das letzte Mal die Sonnenstrahlen auf Deinem Körper bewusst wahr genommen und sie genossen? Den blauen Himmel, den Strand, das Meer?
Hast Du die Wellen beobachtet? Wie sie auf den Strand treffen und wie sie sich wieder ins Meer zurück ziehen, um von der nächsten Welle überspült zu werden?
Wie war das mit den Menschen? Hast Du sie beobachtet? Was sie machten, wie sie sich eventuell fühlten?
Was hast Du dabei gefühlt?

Ja klar, Deine Angst ist berechtigt. Die Versuchung steht schon Gewehr bei Fuß. Doch Du hast Dir nun etwas geschaffen, an dem Du Dich geistig festhalten kannst.
Nimmt das nicht auch ein wenig die Angst? Du weisst, dass Du spielfrei sein kannst. Also vertraue dieser Fähigkeit.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

Offline andreasg

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Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #51 am: 08 Juni 2021, 09:45:51 »
Hallo André,

ich freue mich schon auf: Dänemark - Finnland, das Eröffnungsspiel der EM! Im Ausland war ich in zwei Stadien: dem Hivodovre - Stadion in Kopenhagen, und an der Ainsfield - Road in London, hier im Lande habe ich so manches Stadion von innen gesehen, allerdings nur in den "alten Bundesländern" und West - Berlin.

Neulich dachte ich: ich muß an die Docklands, natürlich in London, die Familie meiner Schwester lebt in Nor - Ost - England, im Reich der Herzogin .. Meine Sehnsucht liegt weiter höher, mal mit der Eisenbahn über die Firth of Forth Bridge fahren , und später an einem See - oder Meeresenge baden gehen, na ja, eben etwas skurril .

Wichtig ist es, sich Ziele zu setzen, und sich zu engagieren, sie auch zu erreichen. Das wird vielleicht nicht auf Anhieb funktionieren, aber in kleinen Schritten, fernab von der Begierde des Perfektionismus.

Ja, sollte ich Schottland je erreichen, darf ein Glas Malt - Whisky nicht fehlen, aber eben ein Glas, nicht mehr! Meinen letzten Vollrausch vom Alkohol hatte ich 1984? Ich weiß nur noch: Knobelrunde in der Kneipe, dann besoffen in die Spielhalle, zuerst haben die Automaten gekotzt, später dann ich selber. Der Kater hat mich vom Saufen ferngehalten, aber maßgeblich die Spielsucht angetrieben.

Meine Mutter stammt aus einer Familie, in der  Größenwahn obligatorisch war. Sie wurde in einem "goldenen Käfig" gehalten, und sie bekam Essstörungen, die ich auch habe, und sie wurde nach meiner Einschätzung Romanzensüchtig. Nach der Scheidung meiner Eltern, ich war 11 Jahre alt, mußte ich den Ersatzehemann spielen, und später den Guten Papa für meine Mutter. Mein Vater hat mich in der Zeit meiner psychischen Probleme verstoßen. Bitte entschuldige, ich bin seit 1991 in Therapien, für die lange Ausführung.

Ich hatte keine andere Wahl, als spielsüchtig zu werden, das habe ich in der Therapiestunde gehört. Es hat mir nicht wehgetan, nur als der Doc. sagte, ich soll froh sein, keine eigenen Kinder zu haben, aufgrund der Gen - Belastung, da wurde ich sehr traurig.

Den Bogen zu spannen, daß es rund wird, - ich bin sowohl in der Spielsucht - Selbsthilfe wie auch in der Esssucht - Selbsthilfe in ungeleiteten (Anonymen Gemeinschaften) unterwegs und das gibt mir, auch wenn manches beschwerlich ist, weiter Hoffnung für ein zufriedenes Leben.

So hoffe ich, daß noch weitere Monate Spielfreiheit, immer einen Tag zur Zeit - Dich begleiten mögen.

Liebe Grüße und schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #52 am: 11 Juni 2021, 05:03:40 »
Heute mal vielleicht etwas anderes, ich möchte einen meiner Gedankengänge eingehen (während eines Rückfalls).
Nachdem ich im Dezember 2020 beschlossen habe 2021 nicht mehr zu spielen, fand offenbar eine "Suchtverlagerung" statt.
Ich habe gearbeitet wie ein Berserker, teilweise 80 - 100 Stunden die Woche.
In den ersten Monaten des Jahres 2021 konnte ich meine Restschulden zurückzahlen und mir eine nette 5 stellige Summe zur Seite packen.
Nun brach die Auftragslage etwas ein, sodass ich wieder viel mehr Zeit für mich hatte.

_________ Es folgt ein Auszug aus meinen Gedankengängen während einen meiner Rückfälle: ________________

Wie spät haben wir es? 14 Uhr, super Feierabend.
Irgendwie ist mir Langeweilig, normalerweise bin ich doch meist bis 20 oder 22 Uhr am arbeiten.
Nun was solls, wir haben Mittwoch, das Wetter ist Super. Ich schau mal was in der Zeitung so steht.
Wie bitte? Wir haben schon wieder Champions League Halbfinale?
Echt schon lange her, dass ich Fußball geschaut habe.
Wow, wie wohl die Quote auf Chealsea ist.
Nein, das Interessiert dich doch nicht. Lass den Gedanken sein.
Schau lieber etwas Fernsehen. Du hast so hart gearbeitet in den letzten Monaten, entspann dich etwas.
Im Fernsehen reden die auch von diesen Fußballspiel, ah komm, ich schau jetzt mal nach der Quote.
Chealsea kommt ins Finale? hmmm interessant, davon gehe ich auch aus.
Nun muss ich nur noch ein Buchmacher finden bei den ich nicht gesperrt bin.
STOP AUFHÖREN! Du hast dir in den letzten Monaten so viel Rücklagen aufgebaut, willst du alles verlieren?
Ja, die paar € tun dir nicht weh.
MIST! ich kann mich kaum wo anmelden, diese OASIS scheint zu funktionieren.
Bei Google sollte ich doch ein Buchmacher finden.
Ah siehe da, hier klappt die Anmeldung. Super. Nun Einzahlen und Schein wegschicken und das Abendspiel genießen.

.....Stunden vergehen.....
Junge, was hast du da gemacht. All diese Versprechungen mit dir selbst und trotzdem ignorierst du diese.
Egal, immerhin hat Chealsea gewonnen und ich hatte Spaß beim Fußballgucken.
Ou schau an, in wenigen Minuten beginnt Basketball, vielleicht auch hier ein Schein machen, immerhin habe ich gut abgeräumt beim Chealsea Spiel.
MIST! ich wusste es, wieder verloren. Immerhin bleibt es jetzt bei den 50€.

.... nächster Morgen .... (zur Arbeit verschlafen)
Meine Güte, was habe ich da gestern angestellt!
Ich bin auf den besten weg wieder ins alte Muster zu rutschen.
Meine Strategie war doch perfekt, warum bekam ich diesen Rückfall.
Naja immerhin blieb es bei den 50€.
WAS REDEST DU DA EIGENTLICH? Der Betrag ist hier irrelevant!
Ob 50, 500 oder 5000... Rückfall ist Rückfall....
Ich hoffe das verankert sich nicht in mein Gehirn, immerhin hab ich ihm wieder Futter gegeben nach so langer Abstinenz.
Sollte ich mir vielleicht doch wieder Hilfe holen? Den Rückfall selbst analysieren oder lieber es ignorieren?
Nein auf keinen Fall ignorieren, denn dann wird es noch schlimmer.
Was ist denn das? Ouh meine Rückfallkarte.
Scheiße, hätte ich die gestern nur zur Hand gehabt. Regel 1: Gehe aus der Situation.
Aber ich ging doch aus der Situation. Ich klappte die Zeitung zu und ging zum Fernseher.
Offenbar wurde ich in der neuen Situation wieder mit Fußball konfrontiert.
Ach Mensch, was machst du da nur.
Ich schau mal in das Forum. Vielleicht gibt es wieder was neues von den Mitgliedern oder Angehörigen.
Anschließend gehe ich meine Strategie nochmals durch, ja so mach ich es.

_________ ENDE DES GEDANKENGANGS ______________

Nun, viele hier haben Sicherlich gleiches / ähnliches während ihrer Abstinenz erlebt.
Man besiegt Probleme, baut sich wieder etwas auf... und aus dem nichts schleicht sich das Glücksspiel an ein ran.
Heute wollte ich euch an einem meiner Gedankengänge während meines letzten Rückfalls teilhaben.
Das meiste ich sehr detailliert, da ich diesen Rückfall mehrmals analysiert habe und vieles zu Papier niedergeschrieben habe.
Oft sind es die kleinen Fallen im Leben, die einen Rückfall hervorrufen.
Dank diesen Rückfall habe ich gelernt, dass ich viel mehr auf meine Freizeit eingehen muss.
Sinnvolle Beschäftigung ist hier das Stichwort.


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Offline Olli

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Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #53 am: 11 Juni 2021, 05:34:42 »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #54 am: 11 Juni 2021, 23:37:22 »
Moin!

Schau mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=L0jgctCFI7I

Sehr inspirierend, regt zum Nachdenken an.... vielen Dank.

Ich hab gelesen, dass im ARD am Montag Abend eine Doku über Fußballwetten kommt (Staatsvertrag usw).
In dieser sollen die Gefahren erläutert werden.

Bin gespannt.

Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #55 am: 12 Juni 2021, 04:40:42 »
Moin!

Schau mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=L0jgctCFI7I

Sehr inspirierend, regt zum Nachdenken an.... vielen Dank.

Ich hab gelesen, dass im ARD am Montag Abend eine Doku über Fußballwetten kommt (Staatsvertrag usw).
In dieser sollen die Gefahren erläutert werden.

Bin gespannt.

Doku hin, Doku her, der Staatsvertrag zum Glücksspiel ist ohnehin im digitalen Zeitalter wirkungslos geworden. Man hat zwar noch Kontrolle über die nationalen physisch besuchbaren Casinos, aber alles was online aus Malta (geringfügig auch aus Gibraltar u.a.) verfügbar ist, wird so oder so im Zuge der nationalen Regulierungsversuche keinen sinnlich ursprünglich gewünschten Effekt haben.
Zumindest was den Schutzgedanken angeht, vielleicht geht es im neuen Staatsvertrag auch nur um finanzielle steuerrechtlichen Interessen.

Ich kann deine Aussagen gut nachvollziehen, manchmal ist man einfach irrational: Ich selber habe u.a. damals über 12 Monate juristisch gekämpft, soviel Energie und Zeit investiert; - jedoch am Ende den zugesprochenen schadensersatzpflichtigen Erfolg(das eingezahlte Geld) wiederholt in jene Glücksspielbranche versemmelt, wo Ich ihn zuvor über entsprechende Zahlungsdienstleister zurück erkämpft habe.

Lass dich für Online Banking sperren. Keine Zahlungen mehr über Klarna, Trustly oder Skrill ermöglichen ist eines der Schlüssel, die mir zumindest erfahrungsgemäß geholfen haben

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Offline andreasg

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Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #56 am: 12 Juni 2021, 09:58:54 »
Ach ja, "the rabbish blues"!, mein Schwager ist kein Fan von Chelsea, und "the rabbish Sky-blues" klingt auch nicht viel besser! Vielleicht ist ihm "the blue Army" eher Sympatisch, aber er ist Fan der " red devils" .
Was aber "the blues" und the "red daviels" vereint ist, daß beide in einem Eropapokal - rs Champions - Leage - Finale auf spektakuläre Art und Wese, meine "Lieblings - Hass - Mannschaft" von "fröhlich Urständ feiern" auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht haben. Und dort in der "Lieblings - Hass - Mannschaft" hat einmal einer der bekanntesten Zocker unseres Landes mitgewirkt, unter anderem hat er einen Werbeboten für einen Sportwettanbieter großgemacht, so läuft eben das Geschäft.
Und ob in Leichester sich Scheichs und Oligarchen die Tür in die Hand drücken, ich hoffe nicht!
Bei meim Lieblingsverein sitzt der Stifter der Hartz IV Gesetzgebung im Vorstand. Merke: man kann auch aus politischer Doktrin bettelarm werden, und muß vorher nicht das Geld in den Gully schmeißen! Nun habe ich durch Häusliche Pflege ein wenig Verwöhnaroma bekommen, lese mich durch die Paragragrafen, spreche mit der Pflegeleitung, nur weil ich Angst habe,  Geld in die Hand zu bekommen. In Sachen "geld wegschmeißen" habe ich ja auch meine Karriere durchlebt, und genau diese Gedanken, lieber Andr'e sind mir durch den Kopf geschossen, als ich vor 11 Jahren mit einem 2 DM Stück in der Hand in der Kaffeestube stand, und den nicht - besetzten - Automaten ansah. Was sind zwei DM = 1E, dafür kriegst nicht mal 'nen Becher Kaffee mehr, also, wozu aufregen. Aber ich weiß, und habe es leider wieder gehört: nur das erste Spiel bietet den Kick, die nachfolgenden bieten nur noch Frustration. .

Ich weiß, ich brauche jetzt(!) Hilfe, um meine Lebenssituation umzudenken und daran zu arbeiten, und da müssen auch alte Ressertiments weggeräumt werden, um Beziehungen neu zu definieren. Das kann diese geschilderten Kopfkinos zum Stillstand bringen. Ja, ich werde mir Spiele der EM anschauen, im Fernsehen, natürlich.
Die Botschaft aber ist und bleibt: "Ich will nur bei meinen Roten Jungs sein - und das nächste Saison auch in Bremen wieder. Vielleicht sehe ich dort den Kai, es würde mich freuen.

In Alter Liebe
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Andre - 26 - Keine Lust mehr.
« Antwort #57 am: 13 Juni 2021, 21:02:42 »
das ist wohl wahr, leider merkt man beim Zocken nicht wie viel Geld man gerade verspielt. ???

 

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