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spielsüchtiger Partner - verzweifelt

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Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #30 am: 27 Dezember 2020, 19:17:01 »
Liebe Community,
hier nochmal die FS. Erst einmal danke für eure zahlreichen Antworten. Nun habe ich Zeit, hier auch mal  ein update zu geben.  "Verpisst" habe ich mich weiß Gott nicht. Vor den Feiertagen standen noch einige Prüfungen an, die dank Corona kurzfristig verschoben werden mussten. Ein riesiges Chaos und viel Stress, um den ich allerdings gerade froh bin. So gibt es im Urlaub etwas, auf das ich mich konzentrieren kann. Gefühlt kreisen meine Gedanken seit Wochen um nichts anderes als meinen Partner und das Spielen.

Ich hatte inzwischen meinen Caritas-Termin, der für den Anfang sehr aufschlussreich war. Insbesondere in Bezug auf meine Schuldgefühle, was das alles angeht. Das Gespräch hat mir geholfen, mich dahingehend mehr abzugrenzen und meinem Partner das auch zu zeigen. Sollte also ein Angehöriger diesen Thread lesen: So ein Gespräch lohnt sich, auch für Angehörige!

Natürlich löst das nicht das Problem meines Partners. Ich habe ihm erzählt, dass ich das Gespräch bei der Caritas sehr positiv fand und ihn nochmal gebeten doch einfach beim nächsten Mal mitzukommen oder einen eigenen Termin zu vereinbaren. Mir wurde auch seitens der Caritas dringend geraten ihm zu sagen, wie wichtig das für mich ist. Daraufhin schnautzte er mich erstmal an, dass es für ihn nichts zu beraten gibt, da sein Problem ja nicht mehr existieren würde. Das wäre vielleicht bei anderen so, aber er sei da anders. Ich weiß, das sagen sooo viele in dieser Situation. Letztendlich hat er dann aber eine Mail an die Caritas geschickt die er mir auch zeigte, und um einen Termin gebeten, wenn auch nach dem Motto "ich spiele zwar nicht mehr, aber meine Freundin will das unbedingt."
Das ist natürlich nicht die Motivation die es sein sollte, ich hoffe aber trotzdem, dass er hingeht und es etwas bewirkt, wenn da ein Profi sitzt und nicht die Freundin, die ihn in dem Moment nur nervt. Nach dem Abschicken der Mail sagte er dann, dass er Angst hat da verurteilt zu werden, was die wohl sagen werden wenn er seine Geschichte erzählt. Ich habe versucht ihm da Mut zuzusprechen und ihm die Angst zu nehmen verurteilt zu werden und hoffe, dass er es sich nicht aus Scham anders überlegt. Angeblich will sich die beratende Dame nach den Feiertagen wegen einem Termin melden, weil momentan so viel los ist (ich weiß nicht ob das stimmt).

Ob er nochmal gespielt hat weiß ich nicht. Er weiß dass ich an seinen Sachen war und da nicht mehr rangehen werde. Vertrauen tue ich ihm was seine Aussagen zum Spielen angeht nicht. Es ist quasi eine permanente Achtung-Haltung, insbesondere, da die "Aktivität" bisher nur von mir aus ging und nicht von ihm. Olli schrieb etwas von einer Kluft, die dadurch immer größer wird. So fühlt es sich an, nur würde ich es eher als Mauer beschreiben. Mit jeder Lüge und leeren Versprechungen kommen Steine dazu und mit jedem Gespräch, in dem er offen mit mir spricht purzeln ein paar Steine. Ganz einreißen wird sie aber wohl nie. Ich bin noch nicht bereit, das alles zu beenden, weiß aber auch, dass es so nicht bleiben kann. Ich werde also abwarten, ob er nach den Feiertagen einen Termin vereinbart und wenn nicht, mich zumindest räumlich trennen, allein schon um mich davor zu schützen, plötzlich doch für alles Gemeinsame alleine aufkommen zu müssen weil er sein Geld verspielt hat.
Tja, so der aktuelle Stand.

Ich hoffe, ihr habt schöne Weihnachten gehabt und kommt gut ins neue Jahr.

Levi



*

Wolke

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #31 am: 27 Dezember 2020, 19:59:10 »
Hallo Levi,

niemand wird deinen Freund bei der Caritas oder bei einer anderen Organisation, verurteilen oder auslachen oder sonst etwas.
Spielsucht ist eine Krankheit, die hat nichts mit Willensstärke oder so zu tun. Jeder Spielsüchtige und jeder Angehörige wird da vollkommen ernst genommen. Es wird sich alles angehört und danach wird besprochen wie man weiter vorgeht und was für weitere Hilfsmaßnahmen einem helfen. Die Angestellten der Caritas haben meistens auch eine  therapeutische Fortbildung gemacht und es geht auch viel über die Gefühlsebene.

Er muss sich für nichts schämen, was er da erzählt, das sind Profis, die helfen einem und nehmen jeden Satz ernst, den er da sagt. Außerdem haben sie eine Schweigepflicht. Auch wenn ich ihn plötzlich da die Gefühle überkommen und er vielleicht mal weinen muss, muss er sich für nichts schämen. Er soll das rauslassen, was ihn gerade belastet.

Es ist erstmal egal, dass er sagt, dass er nur wegen dir einen Termin da macht, wenn es ihm gut tut, dann wird er weitere Termine wegen sich selbst dort machen.

Wenn er da gewesen ist, würde ich dir raten, ihn nicht zu bedrängen. Solche Einzelgespräche machen was mit einem und das braucht Zeit zum Verarbeiten. Wenn er soweit ist, wird er mit dir reden.
Manchmal waren Gruppen oder Einzelgespräche für mich so aufreibend, dass ich danach heulend im Auto saß.

Deswegen gib ihm Zeit !!

LG Wolke




*

Somewhere87

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #32 am: 27 Dezember 2020, 20:28:58 »
Hi Levi. Danke für das Update.

Ich finde, dass du als Angehörige einen guten und realistischen Weg einschlägst.

Zu deinem Partner: Dieses "Ich bin nicht so wie die Anderen (Süchtigen, Loser...)" ist in einer gewissen Phase völlig normal. Ich bin der Meinung, dass dein Freund kein Problem wahr haben will und darum auch noch nicht soweit ist Hilfe anzunehmen.

Wie ist dein Partner denn allgemein so? Der coole Starke, der alles alleine regelt?
Der ruhige, der seine Emotionen für sich behält?

Viele Grüße und du machst das toll!

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #33 am: 27 Dezember 2020, 20:58:31 »
. Daraufhin schnautzte er mich erstmal an, dass es für ihn nichts zu beraten gibt, da sein Problem ja nicht mehr existieren würde. Das wäre vielleicht bei anderen so, aber er sei da anders.
Das mache ich gerne durch, ich könnte nur Weinen. Nur das ich es nicht geschafft habe. Er gibt nicht mal zu was er sngerichtet hat. Das einzige was er sagt ist das mich seine Sachen nichts angehen. :-(
« Letzte Änderung: 27 Dezember 2020, 21:00:27 von Marieclaire »

*

Wolke

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #34 am: 27 Dezember 2020, 21:54:31 »
Hallo Marieclaire,

du hattest deinen Mann beim Zocken erwischt,er hat sich nicht freiwillig geoutet. Er will noch nicht aufhören,da bist du machtlos.

Hast du schon mal über eine Trennung auf Zeit nachgedacht? Die würde dir sehr gut tun und ihn vielleicht wachrütteln. Dann wird ihm bewußt ,was er wirklich verliert und dieses mal ist es kein Geld.

LG Wolke

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #35 am: 27 Dezember 2020, 23:35:14 »
Liebe Wolke,
dein Beitrag liest sich sehr ermutigend. Ich habe die Dame, mit der ich gesprochen habe, auch als absoluten Profi wahrgenommen. Sollte das Thema Angst vor Verurteilung bei meinem Partner nochmal aufkommen, werde ich ihm mal deinen Beitrag zeigen. Vielleicht macht ihm das Mut.

Hallo Somewhere87, vielen Dank. "Der coole Starke, der alles alleine regelt" trifft es wohl ganz gut. Er ist extrem unruhig (generell und schon immer), sehr impulsiv, vor seinen Freunden der coole Draufgänger, der sich beweisen muss und kommt noch dazu aus einer (ich sags mal böse) prolligen Familie, in der ein Mann quasi kein Mann mehr ist, wenn er Hilfe braucht. Er wurde regelrecht panisch, als ich ihm vorschlug sich seinen Eltern anzuvertrauen. Das macht es natürlich nicht einfacher.

Liebe Marieclaire
was genau meinst du hast du nicht geschafft? Ich würde dir so gerne einen Rat geben... ich weiß, dass man sich einfach machtlos fühlt. Man will helfen, aber zerbricht gleichzeitig daran. Wie du siehst, bin ich selber absolut überfordert und verzweifelt, daher kann ich dir nichts raten... Wir können uns gerne austauschen wenn dir das hilft? Ich kenne auch deine Geschichte nicht, werde aber gleich mal nach deinem Thread suchen. Mir hilft es schon, hier zu schreiben. Einfach alles von der Seele zu schreiben und Antworten zu bekommen von Leuten, die selber Erfahrung haben.

Vielen Dank euch

Levi

*

Wolke

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #36 am: 28 Dezember 2020, 09:44:23 »
Vielleicht könnten die Moderatoren  etwas für Angehörige öffnen? Dann ist es für Angehörige vielleicht auch was übersichtlicher hier,denn ich finde,es melden sich hier immer mehr.

LG Wolke

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #37 am: 28 Dezember 2020, 09:46:51 »
Vielleicht könnten die Moderatoren  etwas für Angehörige öffnen? Dann ist es für Angehörige vielleicht auch was übersichtlicher hier,denn ich finde,es melden sich hier immer mehr.

LG Wolke

Das wäre echt gut, es gibt ja immer wieder Beiträge von Angehörigen.

Was ich nicht geschafft habe? Meinen Mann dazu zu bewegen wenigstens zu einem Gespräch zu gehen.

Die letzten beiden Tage ist es echt eskaliert, er hat mir gesagt ich soll gehen. Und ich soll mich ändern
« Letzte Änderung: 28 Dezember 2020, 09:50:18 von Marieclaire »

*

Wolke

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #38 am: 28 Dezember 2020, 10:11:40 »
Zitat
Die letzten beiden Tage ist es echt eskaliert, er hat mir gesagt ich soll gehen. Und ich soll mich ändern

Lass dir das nicht einreden......du machst nix falsch.
Du sollst gehen,damit er weiter zocken kann,ohne schlechtes Gewissen. Und inwiefern sollst du dich ändern? Keine Fragen stellen?

Er will nicht aufhören,du kannst da nichts dran ändern. Er muss es wollen. Du musst an dich selbst denken,dich selbst schützen. Auch wenn du ihn liebst,eine Trennung tut dir gut. Denn der Spieler ist nicht mehr der Mann,den du lieben gelernt hast. Diesen Mann gibt es zur Zeit nicht mehr. Zieh aus oder lass ihn ausziehen und geh du weiter zur Caritas,dass tut dir gut.

LG Wolke

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #39 am: 28 Dezember 2020, 13:01:21 »
Zitat
Die letzten beiden Tage ist es echt eskaliert, er hat mir gesagt ich soll gehen. Und ich soll mich ändern

Lass dir das nicht einreden......du machst nix falsch.
Du sollst gehen,damit er weiter zocken kann,ohne schlechtes Gewissen. Und inwiefern sollst du dich ändern? Keine Fragen stellen?

Er will nicht aufhören,du kannst da nichts dran ändern. Er muss es wollen. Du musst an dich selbst denken,dich selbst schützen. Auch wenn du ihn liebst,eine Trennung tut dir gut. Denn der Spieler ist nicht mehr der Mann,den du lieben gelernt hast. Diesen Mann gibt es zur Zeit nicht mehr. Zieh aus oder lass ihn ausziehen und geh du weiter zur Caritas,dass tut dir gut.

LG Wolke

Er selbst möchte nicht ausziehen, gut es ist unsere gemeinsame Wohnung . Da wir aber Kinder haben sehe ich auch nicht ein das ich und die Kinder gehen, ich wüsste auch nicht wohin. Auch in der Beratungsstelle haben sie mir zur Trennung geraten, gut, aber was wenn ich niemanden habe wo ich hin könnte ( zu weit weg / nicht vorhanden)

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.140
Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #40 am: 28 Dezember 2020, 14:40:29 »
Hi!

Zitat
Auch in der Beratungsstelle haben sie mir zur Trennung geraten, gut, aber was wenn ich niemanden habe wo ich hin könnte ( zu weit weg / nicht vorhanden)

Was sagt denn die Beratungsstelle dazu?

Wie wäre es mal mit einem Anruf beim Sozialamt? Dies ist doch garantiert kein Einzelfall, weshalb es da doch Erfahrungswerte geben müsste.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #41 am: 28 Dezember 2020, 15:19:25 »
Gemeinsame Mietverträge kann man nur gemeinsam kündigen. Der Vertrag müsste von beiden gekündigt werden und mit dem Vermieter dann neu mit einer Person gemacht werden
Verweigert einer die Zustimmung, muss vor Gericht geklagt werden.
Beratungshilfeschein holen und anwaltlichen Rat einholen.

*

Offline Ilona

  • *****
  • 2.778
    • Fachverband Glücksspielsucht e.V.
Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #42 am: 28 Dezember 2020, 17:25:48 »
Liebe Marieclaire,

überstürz nichts. Versuch in Ruhe mit ihm zu reden und eine gute Lösung für die Kinder zu suchen. Es sei denn, er wird aggressiv, dann musst du natürlich dich und die Kinder schützen. Wenn man als Paar nicht mehr klar kommt - warum auch immer- sollten die Kinder so wenig wie möglich drunter leiden. Ein Umzug ist immer Stress für Kinder, daher sollten sie möglichst wohnen bleiben und der Elternteil mit ihnen, der die Kinder hauptsächlich versorgt. Bist du das? Meinst du, du kannst das ganz in Ruhe und ohne Vorwürfe mit ihm besprechen? Ansonsten kann man das auch mit dem Jugendamt oder einer Anwältin klären. Oder mit der Konfliktberatung (Mediation) unserer Onlineberatung.
Alles Gute für dich!

LG Ilona
« Letzte Änderung: 29 Dezember 2020, 10:14:36 von Ilona »
Juristische Beratung: Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen / Bielefeld http://www.kguk.de/
Ansprechpartnerinn: Dr. Iris Ober und Juliane Brauckmann  (Fachanwältinnen für Bankenrecht)  Terminanfragen: 0521-529930
Weitere Infos  hier: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3737.0

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #43 am: 28 Dezember 2020, 19:08:48 »
Wir sind in einer Eigentumswohnung, welche noch abbezahlt wird. Wie gesagt er sagt mir dauernd ich soll gehen, er geht nicht. Ich bin ja bei der Suchtberatungsstelle der Stadt, so einfach ist das nicht mit einer Wohnung, zumal er nicht körperlich gewalttätig ist. Da gibt es andere Härtefälle die vorrang haben. Wie gesagt ich will nicht weg weil dadurch zuerst die Kinder gestraft wären.
Ich muss auch sagen das er sehr launisch ist, oft auch depressiv.

Re: spielsüchtiger Partner - verzweifelt
« Antwort #44 am: 28 Dezember 2020, 19:16:41 »
@ilona:
Ja ich bin die Hauptbezugsperson der Kinder.
Jetzt zu Corona Zeiten soll man ja nicht andere besuchen, die meisten Ämter bis zum 11.01. geschlossen.  In der Sozialberatung habe ich am 04.01 einen Termin.

 

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