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Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze

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Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« am: 08 Februar 2021, 10:57:11 »
Hallo liebe Online-Gemeinde,

ich bin schon seit längerem stiller Mitleser und wollte mich schon ein paar Mal hier bemerkbar machen. Leider habe ich bis jetzt keine Notwendigkeit gesehen und es immer wieder abgetan.
Nun habe ich aber einen Entschluss gefasst und das Erste, was ich tun will, ist die Spielsucht (oder zumindest das problematische Spielverhalten) zu manifestieren und niederzuschreiben.
Ich denke, das wird mir auch sehr helfen, das alles zu reflektieren. Seit knapp über 10 Jahren geht das schon bei mir.

Kurz zu mir: Ich bin 40 Jahre alt, stehe fest im beruflichen Leben, verheiratet, keine Schulden.

Meine Spielerkarriere: Ich habe, als ich jünger war, mit einem Kumpel immer am Wochenende in einem Döner-Imbiss Bier getrunken und da abgehangen, weil in dieser Kleinstadt nichts anderes los war. Die hatten dort 3-4 Automaten stehen. Damals noch die Novoline. Er hatte damals immer sehr viel gespielt (heute ist er komplett weg davon). Dann habe ich auch mal was in den Automaten geworfen und irgendwann war es eine Art Tradition. Wir haben immer nur zu zweit gespielt, meistens nur am Wochenende. Es ging nie um viel Geld bei mir, war also alles im Rahmen.
Das ging ein paar Jahre so. Dann hat mein Freund aufgehört, weil es beim ihm problematisch wurde. Ich allerdings nicht.

Ich habe irgendwann Online-Casinos entdeckt. In Spielhallen oder Dönerläden war ich eh schon lange nicht mehr und da konnte man ja irgendwann durch die ganzen Pausenregeln und Einsatzregeln, ganz zu schweigen von den Auszahlungsquoten, nicht wirklich mehr Spass haben.

Ich habe zwar nie wegen dem Spielen Schulden gemacht, aber ich habe sehr oft mit Geld gespielt, dass ich eigentlich sparen wollte oder aufrgund des Spielens nur noch sehr wenig Geld für den Monat übrige gehabt. Ich hatte auch immer Glück und kam gefühlt so bei "Null" raus.

Ich wollte schon sehr oft aufhören und habe eigentlich auch jedes Mal, wenn ich spiele (bzw. erst danach) massive Schuldgefühle und fühle mich miserabel und als Loser. Ich bin ein studierter Mensch und bin trotzdem jedes Mal so dumm und spiele weiter, obwohl ich weiss, dass es Glücksspiel ist. Während Corona und den Lockdowns habe ich dann noch mehr gespielt. Immer heimlich, meine Frau weiss von Nichts. Ende Dezember habe ich dann auf einen 0,50 Cent Einsatz bei Tombstone 2750€ gewonnen. Das war mein größter Gewinn ever. Mit dem Geld hab ich meine Kreditkarte ausgeglichen und vom Rest meiner Frau und mir Klamotten und Möbel etc. gekauft. Ich dachte an dem Punkt, jetzt kann ich einfach aufhören. Aber es wurde noch wilder...

Ich habe natürlich weiter gespielt und viel verloren. Nicht viel, aber teilweise mal 5 Tage lang jeden Tag 100€ - 200€. Zwar gab es zwischendurch Gewinne, aber ihr kennt das, man verliert immer. Von 4000€ die ich auf dem Sparkonto hatte und die meine Frau und ich für eine Renovierung im Frühling nutzen wollten, habe ich 3000€ verspielt. Ich hab mich bei Sofort und Trustly sperren lassen (IBAN Ban).
Anstatt hier aufzuhören, habe ich teils aus Langeweile in anderen Casinos, wo man mit Kreditkarte zahlen konnte, weitergespielt und mich dort wieder ins Minus manövriert. Wie blind. Richtig bescheuert! Ich könnte mich selbst schlagen.

Ich bin zwar nicht arm, verdiene gut und habe keine Schulden und kann das wegstecken, aber es tut schon weh: Ich ärgere mich über meine Gier und Dummheit und meinen Egoismus. Ich bin eigentlich ein schlauer Mensch, aber beim Thema OC da bin ich zu naiv.

Erst vor zwei Wochen habe ich mal angefangen, im Online-Banking alle Ausgaben und Einnahmen entsprechend zu kategorisieren. Letztes Jahr habe ich ca. 12.000€ bei Online Casinos versenkt und nur 8.000 gewonnen.

Kurzum, ich möchte jetzt wirklich einfach gar nicht mehr spielen. Ich denke, ich gehöre zu einer Personengruppe, die zwar nie komplett in eine Sucht abrutscht, aber immer gefährlich nah an einem Abgrund steht.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht warum ich spiele: Bei mir ist das aus Langeweile, Ablenkung und der Nervenkitzel. Und dann natürlich noch den Gewinnen hinterher jagen. Ihr kennt das sicher alle.

Jedenfalls möchte ich hiermit einen Anfang setzen und mir selbst vornehmen, nie wieder zu spielen. Auch nicht ein wenig.

Wenn man mal sachlich darüber nachdenkt ist das dumm und gefährlich. Auch wenn man das Geld hat.

Und ich möchte allen, die hier ihre Geschichten geteilt haben, danken. Das hat mir auch teils sehr geholfen, dass man mit der Spielsucht nicht allein dasteht. Ich habe das jetzt erstmal nur heruntergeschrieben. Falls ihr Fragen habt, fragt gerne nach. Ich werde hier regelmäßig reinschauen.

LG

Anthrazit

Nachtrag: Alleine durch das ehrlich niederschreiben meiner Gedanke fühle ich mich schon deutlich besser und reflektierter. Ich habe sonst nie wirklich mit jemanden darüber gesprochen und es tut gut, sich das mal von der Seele zu schreiben!
« Letzte Änderung: 08 Februar 2021, 11:08:28 von Anthrazit80 »

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #1 am: 08 Februar 2021, 11:05:57 »
Übrigens: Ich habe mir das all die Jahre immer selber schön geredet. Das ich kein Problem habe und alles im Griff. Ich hatte auch mal lange Zeiten, wo ich monatelang nicht gespielt habe. Einfach, weil ich besseres zu tun hatte und wenn ich irgendwo in Projekten stecke und was zu tun habe, dann denke ich auch garnicht ans Spielen. Das hat sich mit Corona und den Lockdowns aber geändert. Ich dachte teils auch wirklich, dass man mit Zocken mehr Geld verdienen kann und das man "heute sicher Glück hat". Das Gegenteil ist der Fall und ich fühle mich schuldig und reudig....vor allem gegenüber meiner Frau, die von Nichts weiss.

Ich stelle mir immer vor, wenn ich ihr das erklären müsste. Eine Schande ist das!

*

Somewhere87

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #2 am: 08 Februar 2021, 11:43:12 »
Hallo Anthrazit!

Darf ich fragen, wie man sich bei Trustly sperrt? Mir wurde gesagt, dass das nicht gehen würde!

Danke dir!

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #3 am: 08 Februar 2021, 11:47:40 »
Hallo Anthrazit!

Darf ich fragen, wie man sich bei Trustly sperrt? Mir wurde gesagt, dass das nicht gehen würde!

Danke dir!

Hey Somewhere!

Doch, das geht. Ich dachte auch erst, dass es nicht geht. Habe zuvor viel darüber gelesen.

Ich habe mich aber einfach freundlich, direkt und ehrlich an Trustly und SOFORT gewendet. Trustly hat mir sofort geantwortet, dass sie das aus Kulanz machen und mich in meinem Vorhaben unterstützen möchten. Das ging relativ flott.

Bei SOFORT kam die Antwort nach ein paar Tagen und auch dort wurde meine IBAN gesperrt.

Alles in allem waren die sehr freundlich und kooperativ.

LG

*

Somewhere87

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #4 am: 08 Februar 2021, 11:52:40 »
Danke dir :-)

Dass mit Klarna/Sofort war mir bekannt und dort bin ich auch gesperrt. Trustly hatte mir damals geantwortet, dass sie das nicht machen. Dann probiere ich es dort nochmal!
An welche Adresse hast du denn geschrieben?

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #5 am: 08 Februar 2021, 11:54:23 »
Danke dir :-)

Dass mit Klarna/Sofort war mir bekannt und dort bin ich auch gesperrt. Trustly hatte mir damals geantwortet, dass sie das nicht machen. Dann probiere ich es dort nochmal!
An welche Adresse hast du denn geschrieben?

Ich habe einfach an den Support geschrieben. Ich würde dir empfehlen, denen auch sehr ehrlich und direkt zu schreiben, warum du dich sperren möchtest. Ich habe gesagt zur Spielsuchtprävention und Einschränkung meiner Online-Zahlmöglichkeiten. Ich war auch sehr freundlich und habe um Mithilfe gebeten.

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.426
Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #6 am: 08 Februar 2021, 12:17:32 »
Hi Anthrazit!

Herzlich willkommen! Schön, dass Du den Mut gefasst hast, Dir das Alles mal von der Seele zu schreiben.

Zitat
Übrigens: Ich habe mir das all die Jahre immer selber schön geredet.

Ich denke, dass Du dies zu einem großen Teil noch immer machst. Aber ... auch dies ist ein Grund, wieso wir uns austauschen ... in Foren ... in SHGs oder in der sonstigen Suchthilfe! Es geht darum sich selbst besser verstehen zu lernen.

Jetzt fragst Du Dich sicher, inwiefern Du Dir noch etwas schön redest? Nun, fangen wir einmal an mit dem verspielten Geld. Da gibt es Aussagen von Dir in Richtung "Glück gehabt ... unterm Strich bei Null" , aber auch "4.000 € Verlust". Strehen hier Deine Wahrnehmung und die tatsächliche Gegenrechnung nicht in Konflikt?
Immer wieder kommt es vor, dass ich in Nostalgie verfalle. mir die "schönen Zeiten" zurück wünsche. Das sind nur ganz kurze Momentaufnahmen - genau wie meine Wahrnehmung der Vergangenheit dann nur aus sich auf ganz kurze Segmente der damaligen Realität bezieht.
Unser Oberstübchen sucht sich die Sahneschnittchen heraus und suggeriert dies als einstigen Dauerzustand. Doch dem ist nicht so. Ich habe gelitten, obwohl ich es damals gar nicht wusste. Für mich war es eine Ersatzhandlung - genau wie für Dich. Wofür? Nun, das heraus zu finden, das liegt an Dir.
Dann schreibst Du, dass Du keine Schulden hast. Und was ist mit denen auf der Kreditkarte? Selbst wenn Du diese mittlerweile wieder ausgeglichen haben solltest, so ändert das nichts an der Tatsache, dass Du hier mit fremden Geld gespielt - also sehr wohl Schulden hattest, wenn eben auch nur kurzzeitig.
Sind diese Beispiele jetzt unangenehm? Das braucht es nicht sein. Unsere Gedanken werden nun mal durch das Glückspiel infiltriert. Und wenn Du schon 10 Jahre spielst, egal ob mit Pausen oder nicht, dann ist da im Oberstübchen schon so einiges durcheinander gekommen. ;)
Wenn Du Dir diese kleinen Punkte aber bewusst machst und Dir eingestehen kannst, Dann hast Du schon einen Lerneffekt erfahren, der sich auch in der Zukunft nutzen lässt.

Nun kommen wir mal zu "dumm", "naiv" und den sonstigen negativen Eigenschaften, die Du Dir hier zuschreibst.
Glückspieler sind zumeist das genaue Gegenteil! Es geht bei der Sucht nämlich nicht um Intelligenz - es geht um Emotionen.
Tja, und wenn die einmal aufwallen, dann hilft eben keine Logik.
Den Umgang mit der riesigen Palette an Emotionen hat man gelernt in seinem Leben - oder eben nicht. Was aber nicht heisst, dass das, was Hänschen nicht gelernt hat, der Hans nicht doch noch lernen kann.

Zitat
und ich fühle mich schuldig und reudig....vor allem gegenüber meiner Frau, die von Nichts weiss.
Scham und Schuld! Das ewige leidige Thema. Weisst Du, was sie sind? Sie sind Blocker! Sie hindern Dich daran das Richtige zu tun. Damit unterstützen sie Dein Suchtverhalten und hemmen Veränderungen.
Hier unter uns sind Scham und Schuld daher nicht angebracht. Wenn ich Dir hier schreibe, dass der Griff in die gemeinsame Renovierungskasse ein Vertrauensbruch war, dann dient dies nur der Bewusstmachung einer Tatsache. Es dient dazu der suchtbedingten Verharmlosung ein Schnippchen zu schlagen. Wird es Dir bewusst, dann fällst Du sicher die Entscheidung es nicht wieder zu tun.
Es arbeitet in Dir, nicht wahr? Dass Deine Frau von Dir im Unklaren gelassen wird ... Auch hier nutze ich gerne klare Worte: Du belügst sie.
Zeigt Dein schlechtes Gewissen aber nicht auch, dass Dir nun bewusst ist, was Du da angestellt hast? Dass es nicht richtig war? Dass Du hier eine Grenze ... naja, eigentlich mehrere, überschritten hast?
Hilft Dir hier das Grübeln? Die Geißelung des eigenen Selbstbildes?
Du weisst doch was nun zu tun ist. Klar, es wird nicht einfach. Doch überlege Dir mal, was es für Auswirkungen haben könnte, wenn Du es ihr nicht sagst? Wird sie es vielleicht selbst herausfinden? Wäre es dann nicht besser gewesen, Du hättest es ihr gesagt?
Welche Konsequenzen ihrerseits befürchtest Du? Sind diese Gedanken realistisch? Oder übertreibt hier die Angst immens?
Mache Dir hierzu mal Gedanken und wäge das Für und das Wieder ab. Das bedeutet natürlich, dass Du gegen Deine inneren Wiederstände vorgehen musst.

Zitat
warum ich spiele: Bei mir ist das aus Langeweile, Ablenkung und der Nervenkitzel.
Das sind Symptome, aber nicht die Ursachen.
"Langeweile" kann davon zeugen, dass Du Dich schwer selbst aushalten kannst.
"Ablenkung" kann dies unterstützen. Es kann aber auch sein, dass hier ein Leistungsgedanke in Dir steckt, der Stress verlangt.
"Nervenkitzel" wäre solch ein Stress. Der Körper braucht aber auch stressfreie Phasen. Werden diese nicht erzielt, dann ergeben sich Mangelerscheinungen, die noch mehr Stress auslösen, um dies kompensieren zu wollen.

Zum Schluss noch: Sage niemals nie! Du weisst nicht, wie es Dir Mogen, Übermorgen oder im nächsten Monat oder Jahr geht.
Nimm Dir lieber ein kleines Ziel für Deine Abstinenz: das Heute!
« Letzte Änderung: 08 Februar 2021, 12:21:06 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #7 am: 08 Februar 2021, 12:31:58 »
Hi Olli,

danke für deinen ehrlichen und offenen Worte!

Du hast Recht, ich versuche mir sicherlich die "fast Nullrechnung" noch irgendwie schön zu reden. Die Wahrheit ist, dass das Geld verloren ist. Ob ich es hatte oder nicht, spielt keine Rolle.

Und ja, vor allem die Erinnerungen mit meinem Kumpel im dem Döner...das war eine coole Zeit und wir hatten viel Spaß. Das lag aber nicht an den Automaten, das lag daran, dass wir Zeit gemeinsam verbracht haben. Und genau diese Erinnerung ist falsch getrübt. Da hast du Recht.

Heute treffen wir uns übrigens auch ab und zu noch, aber nicht in einem Döner, sondern bei ihm oder mir zu Hause. Und wir haben auch Bier und spielen gemeinsam Konsole oder VR-Brille. Das macht genau so Spaß!

Ich weiß noch, wie ich mich damals im Döner immer über die Alkoholiker-Hardcore-Spieler lustig gemacht habe, die jeden Tag ihr ganzes Geld verspielt haben und mit 5 Cent Einsätzen die ganze Nacht da saßen und am nächsten Tag wieder. Ich bin genauso einer von denen gewesen! Ich dachte halt, ich bin schlauer als die Maschine oder schlauer oder anders als die anderen. Aber ich bin auch nur ein Spieler.

Und ja, ich habe bereist überlegt, ob ich es meiner Frau sage, obwohl sie es nie bemerken würde, da es mein Geld ist. Aber es ist eine Lüge - auch da hast du Recht - und ich will nicht mit einer Lüge leben.

LG



*

Somewhere87

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #8 am: 17 Februar 2021, 09:22:14 »
Das mit Trustly hat wirklich geklappt. Super, danke, dass du das hier angesprochen hast :-)

*

Offline Olli

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Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #9 am: 17 Februar 2021, 15:58:02 »
Hi Anthrazit!

Hast Du Dir schon ein Herz genommen und es Deiner Frau gesagt?
Melde Dich mal ...
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #10 am: 18 Februar 2021, 10:11:18 »
Hi Olli,

nein, ich habe es noch nicht meiner Frau gesagt. Ich kann das nicht. Das würde womöglich alles zerstören, was sie in mir sieht. Obwohl sie weiß, dass ich zu Suchtverhalten neige.

Ich habe natürlich auch wieder gespielt. Naiv von mir, dass ich geglaubt habe, man kann das irgendwie alleine schaffen.

Mir tut nichtmal das Geld weh, vielmehr diese Selbstlügen und diese dumme Überheblichkeit, die mich denken lassen, dass ich das kontrollieren kann.

Ich kann gar nichts kontrollieren. Und ich kann auch den Spielverlauf nicht schätzen. Ich habe beim Spielen nichtmal mehr Spaß, es ist Stress.

Es war ein Irrglaube zu denken, dass man da alleine wieder raus kommt. Ich werde mir professionelle Hilfe holen. Das kann man nicht alleine schaffen, weil man immer wieder auf sich selbst reinfällt.

*

Somewhere87

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #11 am: 18 Februar 2021, 10:17:00 »
Hi Anthrazit,

dieses "Ich kann es meiner Frau nicht sagen, weil..." zieht sich durch viele Posts hier.

Viele denken, dass es ein Zeichen von Schwäche ist, von "Kein Mann sein" etc.
Aber das ist einfach komplett falsch. Es ist ein Zeichen von Reife, von Stärke und von Vertrauen, wenn man das seinem Partner sagt.

Viel schlimmer wäre es doch, wenn sie es irgendwann von selbst raus findet und dann sich, berechtigterweise, fragt "Warum lügt er mich an? Wer ist dieser Mann eigentlich?"

Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #12 am: 18 Februar 2021, 10:29:29 »
Hi Somewhere,

da hast du Recht! Und genau wegen diesem Konflikt zermürbt es mich noch mehr. Ich glaube ich brauche einfach etwas Zeit dafür.

Ich beginne gerade erst selbst so richtig zu verstehen, was da eigentlich mit mir passiert.

Bei mir wurde das auch erst seit dem ersten Corona Lockdown letztes Jahr so richtig schlimm, meinen Höhepunkt hatte ich dann dieses Jahr im Januar / Februar. Mir tut ja nichtmal das Geld weh (klar, das schmerzt auch). Viel schlimmer ist diese Selbstlüge und das Handeln entgegen jeder Vernunft. Mir macht das Spielen auch gar keinen Spaß, man drückt nur noch. Manchmal ist es sogar Stress.

Es wurde immer mehr, es gab auch keine Limits mehr und kein Nachdenken. Dabei bin ich ein gebildeter Mann.

Dann - so wie heute - wache ich morgens auf und frage mich "Warum machst du den Scheiss überhaupt? Was hat das für einen Sinn? Was ist das Ziel?"

Am liebsten würde ich all das wieder rückgängig machen. Ich wünschte, ich hätte mich nie an einen Automaten gesetzt.

Ich kann mich noch an einen Kinderfreund von mir errinnern, mit dem hab ich mit 12 die erste Kippe geraucht. Er hat gekotzt und hat sein Leben lang nie wieder auch nur eine Zigarette angefasst. Wünschte, das wäre bei mir auch so.

Aber ich habe grundsätzlich ein Suchtverhalten und ich bin glaube ich auch wirklich süchtig.

Ich hab mir immer eingeredet, dass ich zwar ein Suchtverhalten habe (siehe Eingangspost) aber nie in den Abgrund rausche. Ich glaube ich bin auf dem besten Weg dahin.

*

Offline Olli

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Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #13 am: 18 Februar 2021, 11:17:39 »
Hi Anthrazit!

Es ist prima, dass Du Dich wieder meldest. Danke auch für Deine Anwort!

Ja, Somewhere hat da Recht, das Thema Scham und Schuld findest Du zu Hauf hier im Forum. Aber Du findest auch noch mehr ... nämlich die wahnsinnige Erleichterung, wenn sich die Personen denn doch geoutet haben.

Zitat
nein, ich habe es noch nicht meiner Frau gesagt. Ich kann das nicht. Das würde womöglich alles zerstören, was sie in mir sieht. Obwohl sie weiß, dass ich zu Suchtverhalten neige.

Einmal tief durchatmen ...

Was springt Dir in dem Zitat spichwörtlich ins Auge? Da ist einmal der Konjunktiv und dieses Wörtchen "womöglich".
Dieser Satz ist aus Angst geboren. Angst arbeitet immer nur mit Vermutungen und übertreibt maßlos. Um ihr zu begegnen benötigst Du Beweise.
Doch wo stecken sie? Es gibt keine! Ja ganz im Gegenteil hast Du da eine Frau an Deiner Seite, die von Deiner "Neigung zum Suchtverhalten" (eine scheußliche Umschreibung! :) ) weiss. Sie sieht also weit mehr in Dir, als Du es derzeit selbst wohl kannst.

Was würde also realistisch passieren, wenn Du es ihr sagst? Könnte sie Verständnis zeigen? Würde sie deinen Vertrauensbeweis in sie erkennen? Würde sie Dich unterstützen wollen?

Ganz klassisch verhindert gerade die Angst Veränderungen - egal, wie sie aussehen sollen oder werden. Damit fördert sie aber auch die Suchtausübung. Die mit Ausreden arbeitende Angst wird selbst zur Ausrede.

Welche Folgen hat dies bei Dir? Du zermarterst Dir den Kopf, wie Du nur so handeln konntest. Du schläfst schlecht und wachst mit Gedanken auf, vor denen man am Besten weglaufen möchte, wenn man könnte. Zum Teil machst Du das auch - indem Du wieder spielst. Es ist eine Flucht.

Und dennoch sagst Du:
Zitat
Ich glaube ich brauche einfach etwas Zeit dafür.

Was ändert denn Deine Gedankengänge, wenn Du wartest? Werden sie nicht eher immer nur schlechter, weil Du Dein Weiterspielen versuchst zu ergründen und keine Antworten findest?

Wen oder was siehst DU denn in Dir? Möchtest Du so sein? Wie möchtest Du sein!

Der richtige Zeitpunkt sich zu outen ist immer genau jetzt! Da beisst die Maus keinen Faden dran ab ... Je länger Du wartest, desdo schwerer wird es nur. Und in dieser Zeit schaffst Du gerade die Tatsachen, die dazu führen, dass die Angst bewiesen wird.

Mache es ... heute ... Du schaffst das schon!

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

Offline Olli

  • *****
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Re: Schluss damit | Meine Geschichte & Vorsätze
« Antwort #14 am: 18 Februar 2021, 15:26:05 »
Angst-Trilogie:

https://www.youtube.com/watch?v=y7TujONjrNY

https://www.youtube.com/watch?v=Dykxf4yUyoc

https://www.youtube.com/watch?v=EEXadfyWsP8#

Das war wohl nix mit Trilogie: :)

https://www.youtube.com/watch?v=Bz9pNN_uGeI

Kannst Du für Dich ausmachen, wo Du Dich wieder erkennst? Schaffst Du es für Dich die 6 Fragen zu beantworten?
« Letzte Änderung: 18 Februar 2021, 15:47:24 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

 

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