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Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen

  • 15 Antworten
  • 692 Aufrufe
Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« am: 27 Mai 2021, 08:10:55 »
Hallo liebe Community,

auch ich möchte heute mein Tagebuch starten und hoffe, dass ich dabei begleitet werde.

Zu mir:

- Männlich
- 42 Jahre
- studiert

Zu meiner Geschichte:

Meine Geschichte begann, als ich 18 war. Damals...wie es halt bei einer Spielsucht immer beginnt....hatte ich in einer Disco mit 2€ Einsatz den Jackpot geknackt und 300 € gewonnen...ich fühlte mich unsterblich..
Die Tage danach konnte ich es kaum abwarten, bis wieder der Freitag kam und ich in der Disco wieder spielen kann...da war das Spielen schon wichtiger als das Tanzen....
Ich verlor 10 € und war fix und fertig. Danach ging ich mit einem Freund auch unter der Woche in eine Spielo. Damals was das "modern" und irgendwie cool. Meine Verluste hielten sich in Grenzen...ging auch nicht anders, denn als Student hast du keinen Dispo...und es sollte auch niemand erfahren...
Während des Studiums ging ich dann immer öfters in die Spielo...auch ging mein ganzes Geld aus der Ferienarbeit drauf...aber egal...hauptsache ich konnte spielen. Während des Studiums lernte ich dann meine Frau kennen. Auch sie konnte ich zunächst für die Casinos begeistern...aber nur so 2-3 mal im Jahr. Für mich war das aber der Grund mir zu sagen: Ist doch nicht schlimm, die SPielerei...deine Frau mag das auch gerne machen.
Nach dem Studium war ich zunächst heimatnah eingesetzt und ich kam jeden Tag nachhause...ich konnte "nur" heimlich kurz nach Feierabend spielen...Ausreden waren an der Tagesordnung.
So richtig schlimm wurde es bei mir, als ich öfters ins Ausland musste. Ich entdeckte , so allein abends im Hotel, die OCs. Zunächst "nur" Verluste von 100 €...später jedoch waren Einzahlungen von 1000 € und mehr an der Tagesordnung. Bald näherte sich der Dispo der Grenze...ich bekam Panik...alles wird auffliegen...was tun??? Tja...ein online Antrag bei den Kredithaien...10.000€ reicher (ärmer)...und ich konnte wieder spielen. SO gings dann die letzten 5 Jahre...immer wieder ein neuer Kredit. Als dann Der Zeitpunkt kam, dass ich keinen Kredit mehr bekomme, habe ich mich meiner Frau geöffnet. Sie war völlig fertig....klar. Ich ging dann öfters zur Suchtberatung, Hypnose etc....aber irgendwie packte es mich immer wieder....
Seit dem 10.05. bin ich nun spielfrei und habe folgende "Hürden" aufgebaut:

- GAMBAN auf allen Geräten installiert --> ein Spielen ist unmöglich
- meiner Frau die Zugangsdaten fürs online banking gegeben....ojaaaa...sie ist jeden Tag drinnen...das tut mir gut....
- Finanzplan erstellt: ab 2025 sind alle Kredit abbezahlt! in der Zwischenzeit bleibt aber auch noch genügend Geld für die "normalen" Sachen.

Ich brauche dieses Tagebuch , damit ich hier meine Erfolge posten kann. Ich hoffe, ihr unterstützt mich dabei!

P.s.: SHG kommt für mich nicht in Frage. Hat jemand doch ne Idee für eine ONLINE SHG (immer nachmittags bestenfalls),,,dann wäre ich dankbar!


Bleibt mir noch zu sagen:    17 TAGE SPIELFREI!!! :) :) :) :)

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.194
Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #1 am: 27 Mai 2021, 16:06:31 »
Hi!

24 Jaher Suchtausübung sind eine seeeeeeehr lange Zeit! Da passiert viel mit einem, ohne dass man es merkt.
Und selbst wenn dem doch so ist, so sind die Grenzüberschreitungen immer so klein, dass man sie vernachlässigen kann.
Das ist aber, wie der berümte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Bis dahin konnte man dem Fass nicht ansehen, dass es voller und voller wurde.
"Es sollte auch niemand erfahren" schreibst Du anfangs. Aber wieso eigentlich nicht? - Weil Du Deine Sucht beschützt hast. Zu diesem Zeitpunkt hast Du begonnen zu lügen. Klar, das ist ein hartes Wort. Doch wir sind ja nicht hier um uns Vorwürfe zu machen, sondern um Tacheles zu reden - andere Sichtweisen als die eigenen präsentiert zu bekommen.
Dann ging es aber weiter, als Du Deine Frau kennen gelernt hast. Auch hier konntest Du nur heimlich nach Feierabend, und das auch nur kurz, spielen. Doch Tatsache ist, Du hast das Lügen ausgeweitet. Du hast es zum Ritual gemacht. natürlich auch hier wieder nur, um Deine Sucht zu beschützen.
Erst als nichts mehr ging, da hast Du Dich Deiner Frau offenbart. Es brauchte von Deiner Seite einen erheblichen Leidensdruck.

Wohin hat Dich also das Lügen gebracht? Wem hat es tatsächlich geholfen?
Sicher hast Du auch Angst verletzt zu werden - Dir Vorwürfe gemacht werden. Eine solche Angst kann durchaus mit der Sucht auch steigen. Sie selbst ist ja auch progressiv, wie Du gemerkt hast.

Das A und das O einer Genesung ist die absolute Aufrichtigkeit nach Innen und nach Aussen! Keine Ahnung, wie oft ich das schon im Laufe der Jahre geschrieben habe ... ;)

Ich weiss jetzt nicht, was "ich ging dann öfters zur Suchtberatung" bedeutet. Irgendwie klingt es nach Zwang. Nach "Na gut, dann ist mein Umfeld eben beruhigt! Ich MACHE ja was ..."
Aber, wenn Du heute in Dich gehst, warst Du da aufrichtig nach Innen? Warst Du da genau so gewillt das Spielen sein zu lassen, wie heute? (Das unterstelle ich Dir mal! ;) )
Waren die Hypnosesitzungen vielleicht auch nur fake von Dir?
Dafür spricht, dass Du keine Therapie begonnen hast. Keinerlei Nachsorge nach der Suchtberatung gemacht hast. Nichts ... nada ...

Stattdessen ging es wie weiter? ... Mit Spielen ...
Welchen positiven Effekt bringt das Lügen überhaupt mit sich? Die kurzfristige Abwehr von Konfliktsituationen - ohne dass an der Ursache etwas geändert werden muss!

Jetzt hast Du wieder Angst Dich zu offenbaren. Du möchtest weiter lügen. Um die Lügen aufrecht erhalten zu können, lehnst Du sogar Hilfsangebote ab.
Wem ist damit geholfen? Dir? Deiner Frau?
Sind Dir die Lügen und Ängste dermaßen in Fleisch und Blut über gegangen, dass Du Dich lieber mit ihnen arrangierst?

Du weisst ganz genau, was richtig ist und was falsch. Andernfalls hättest Du keine Ängste und müsstest auch nicht lügen.
Wieso agierst Du also dann nicht so, wie Du es eigentlich für richtig hälst?

Mein Gott, wie automatisiert bei ´mir damals die Lügen heraus kamen. Ohne nachzudenken ... Selbst als ich spielfrei war und längst nicht mehr lügen brauchte.
"Wo kommst Du her?" "Ich war bei einem Freund". Da habe ich mich dann sofort korrigiert und die Wahrheit gesagt. Ich war im Rahmen eines Nebenjobs bei Kunden gewesen. Als ich noch spielte, da habe ich mir damit oftmals das Glückspiel finanziert. Jetzt brauchte ich aber weder meine Sucht noch mein Suchtmittel beschützen.
Wieso sollte ich also weiter lügen? Das war doch einer der Gründe weswegen ich abstinent geworden war.

Du hast den Beitrag der Angehörigen im anderen Thread ignoriert. Lese ihn bitte noch einmal und lasse die Inhalte auch an Dich heran. Konfrontiere Dich gedanklich mit Deinen Ängsten. Nur so gehen sie weg.

Zudem stehe ich auf dem Standpunkt, dass Du die zeitliche Reihenfolge betrachten musst und nicht nur den Zeitpunkt des Eintritts möglicher Konsequenzen.
Als Du erneut gespielt hast, da hast Du bewusst gegen die Grenzen Deiner Frau gehandelt. Du wusstest, dass ihr das sehr nahe geht und eine Trennung in den Bereich des Möglichen kommt. Dir war es, wenn wir absolut aufrichtig sind :) "Sch... egal". Du hast Dich entschieden und Du hast gespielt.
So what? Jetzt stehe auch zu dieser Entscheidung. Du darfst sie ja bedauern, bereuen oder sogar betrauern. Du musst aber auch zu ihr stehen!
Egal was dann passiert - an dieser Handlung wächst Du. Du setzt Dir selbst ein Mahnmal, welches Dich in Zukunft daran erinnert, was richtig ist. So wirst Du dann auch handeln.

Dann weisst Du auch gar nicht, ob Deine Frau sich wirklich trennen wird. Doch ihr diese Entscheidung abzunehmen, steht Dir nun mal nicht zu.
Die Reaktion Deiner Frau erscheint mir so, dass sie sich "für sich" nicht informiert hat, wie sie mit einem Glückspielsüchtigen umzugehen hat.
Damit meine ich nicht primär Dich, sondern den Umgang mit ihren eigenen Gefühlen.
So kann sie verletzt sein und die Ehe an die Wand klatschen, weil sie den Vertrauensverlust persönlich nimmt. Sie kann aber auch erkennen, dass das Lügen ein Symptom der Sucht ist und absolut gar nichts mit ihr zu tun hat!
Wir sind doch viel mehr als unsere Sucht. Wenn Du weiter lügst, dann definierst Du Dich über sie.
Schau ... Du hast studiert ... hast was auf dem Kasten. Dann hast Du es geschafft, dass dieses für Dich wunderbare Wesen sich in Dich verliebt hat. Es braucht doch schon was um liebenswert zu sein - oder? Mensch .. Du hast bestimmt noch viele viele weitere Vorzüge.
Und Du stempelst Dich gerade bewusst zum permanenten Lügner ab? Willst Du Dich so definieren?

Ängste sind nichts, was Du greifen kannst. Selbst wenn Du Angst vor Spinnen hast, dann bleibt die Spinne trotzdem nur eine Spinne. Die Angst vor einem Biss - und das in unseren Breiten - existiert nur in Deinem Kopf.
Du kannst den Ängsten nicht ausweichen. Sie sind da und sie bleiben auch da, wenn Du ihnen nicht entgegen trittst und Dich mit ihnen konfrontierst.
Wenn Du etwas "vorweisen" möchtest im Gespräch, dann muss das schon etwas konkretes sein, damit Deine Frau ein wenig beruhigt wird.
Also mache erneut einen Termin bei der Suchtberatung aus und strebe dort eine Therapie an. Bei 24 Jahren Suchtausübung ist dies durchaus empfehlenswert.
Ob die dann stationär oder ambulant durchgeführt wird, entscheidest Du nach Erörterung mit dem Berater.

Und nun ... tieeeef durchatmen ,,, ;)


Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #2 am: 01 Juni 2021, 06:51:46 »
Hi Olli,

vielen Dank für deine Worte!
 
Ich werde mich in Zukunft online Gruppen anschließen...du gabst mir ja bereits die Tipps. Ich will das jedoch im Verborgenen machen....und DAS sind keine Lügen , sondern nur die Schonung meiner Frau! Für sie ist die Sache erledigt....
Ich werde das schaffen und bin jeden Tag einen TAKKEN glücklicher :-)

Heute ist zudem mein 22. spielfreier Tag! Habe mir heute neue Salomon Schuhe für 139 € bestellt und kurz drüber nachgedacht, dass die Schuhe 3 Jahre halten...139 € im Casino hätten nur 10 Minuten gehalten....DAS gab mir wieder eine TIEFE Motivation :-) Das Leben kann sooo schön sein, wenn sich alles wieder normalisiert. Ich bleib hart und danke euch allen!!!!

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.194
Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #3 am: 01 Juni 2021, 09:22:19 »
Hi!

Ich wünsche Dir natürlich alles, was Du Dir wünschst, um zufrieden, wenn nicht gar glücklich, Deinen Lebensweg zu beschreiten.

Doch das hier:
Zitat
und DAS sind keine Lügen , sondern nur die Schonung meiner Frau!
... ist eine Lüge! Und was für eine ...
Wenn dieses Thema nicht so ernst wäre, würde ich jetzt schmunzeln. Denn Du bist ja nicht der Erste, der sich sein Handeln derart vor sich selbst rechtfertigt.
Das, was Du hier machst, das nennt sich Vermeidung!

Ich möchte aber nicht noch einmal darauf eingehen und Dich so unter Druck setzen. Belese Dich einfach im Angehörigenbereich.
Da siehst Du nämlich mal die andere Seite - mit ihren Wünschen - mit ihren Hoffnungen und mit ihrem Schmerz.

Auf weitere spielfreie 24 h ...
« Letzte Änderung: 01 Juni 2021, 11:19:12 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #4 am: 07 Juni 2021, 14:42:20 »
26 Tage Spielfrei :-)...und die Nachricht, dass wir ein dritten Kinde bekommen! Diese Nachricht hat mich nun endgültig für ein spielfreies Leben eingepolt! Ich werde aber weiterhin hier meine Erfolge posten!

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #5 am: 07 Juni 2021, 17:30:22 »
Hallöchen und Glückwunsch zu den spielfreien Tagen seit Beginn.
Ich finde es super, dass du deine Frau eingeweiht hast und sie dir hilft.
Bei meinem Mann und mir ist das auch so, inkl. Kontrolle des online banking.
Auch meine Kredite werden 2025 abgezahlt sein. Ich habe mir eine Liste gemacht mit 30 Punkten, was passieren wird, wenn ich clean bleibe und auch dann die Schulden weg sind. Lauter motiviere Wünsche, wie eine stabile liebevolle Ehe weiterhin oder auch in naher Zukunft unsere Silberhochzeit groß zu feiern (bin so alt wie Du).
Und dann habe ich auch die Böse Liste erstellt mit 30 Punkten,  was passiert,  wenn ich nicht aufhöre zu zocken. Diese Liste ist schlimm. Das will ich nie erleben.
Ich lese sie seit dem Wochenende jeden Tag  durch (bin noch ein Frischling nach einem Rückfall).
Das app gegen  zocken habe ich auch aufm Handy.

Wir schaffen das, auch mit Hilfe unserer Lieben, denn das lohnt sich :)

Alles liebe
Devilslady

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #6 am: 07 Juni 2021, 17:32:30 »
Und herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft Deiner Frau und alles Gute für sie. Wir haben auch 3 Kinder.

*

Offline Olli

  • *****
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Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #7 am: 07 Juni 2021, 18:35:53 »
Hi!

Zitat
Ich finde es super, dass du deine Frau eingeweiht hast und sie dir hilft.

Davon hat er leider kein Wort geschrieben.

Zitat
26 Tage Spielfrei :-)...und die Nachricht, dass wir ein dritten Kinde bekommen! Diese Nachricht hat mich nun endgültig für ein spielfreies Leben eingepolt! Ich werde aber weiterhin hier meine Erfolge posten!

Auch Dir ein "Hi!" und herzlichen Glückwunsch.
Was genau hat Dich denn da gepolt? Wo ist der Unterschied? Zwei Kinder haben Dich nicht abgehalten zu spielen. Wieso sollte es das Dritte tun?
Hast Du online schon was in die Wege geleitet?
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #8 am: 09 Juni 2021, 06:14:40 »
Hi Olli,

die Sache mit dem "eingepolt" liegt ganz einfach darin, dass mein seit 3 Jahren geführter Finanzplan ganz einfach sagt: Du hast keine Chance zum Spielen, denn dafür reicht das Geld einfach nicht mehr (meine Frau wird ja die nächsten Jahre nicht mehr arbeiten und das finde ich auch super!). Mir stellts schon bei dem Gedanken zum Spielen die Haar zu berge! Ich werde es schaffen und freue mich schon soooo sehr auf die Zukunft!!!

30 Tage Spielfrei!

*

Offline Olli

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Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #9 am: 09 Juni 2021, 08:32:14 »
Guten Morgen!

Hmmmm ...
Du machst nun also immer noch nichts für Deine Genesung. Stattdessen stellst Du Deinen eisernen Willen in den Vordergrund. Wie hast Du den denn bisher genutzt? Zum Glückspiel ... oder? Wovon hängt Deine Willensentscheidung ab? Sie ist geprägt von Deinen Emotionen. Gut, Du fühlst Dich gerade super nach der erfreulichen Nachricht. Dann hast Du jetzt 30 erfolgreiche Tage hinter Dich gebracht ... das motiviert - keine Frage.
Doch bleiben wir bei dem Beispiel Geld. Du sagst, dass da nichts mehr geht. Oha ... Spieler sind so etwas von einfallsreich, wenn der Suchtdruck sie quält. Da geht noch was ... und wenn die Suchtmittelbeschaffung eben auf kriminelle Weise erfolgt. Jetzt denkst Du sicher: Hat der sie noch alle? Ich war noch nie kriminell und werde es garantiert nie werden.
Nun, dann hast Du die Größe der Not hinter dem Suchtdruck noch nicht verspürt, die dazu führen kann.
Das Gehalt der Frau fällt weg, Dein Einkommen ist bis zum Limit ausgereizt. Was, wenn jetzt irgend etwas kostenintensives und dringend Benötigtes auftaucht?
Nehmen wir als Beispiel einen Motorschaden und Du brauchst dringend einen standesgemäßen PKW, um Deinem Job nachgehen zu können.
Zack ... der alte Druck ist wieder da. Wie komme ich an Geld? Vorbei ist es mit den jetzigen positiven Emotionen.
Dein Suchthirn sagt Dir, dass es da eine einfach Möglichkeit gibt, um an Geld zu kommen. Da rücken dann auch 40 oder 50 Tag Spielfreiheit schnell in ihrer Priorisierung in den Hintergrund. Und sind wir mal ehrlich ... Dein Defizit, welches Dich dem Glückspiel hat verfallen lassen, ist ja auch noch unentdeckt, geschweige denn angegangen.
Deine Frau weiss von Nichts und sie macht Dir Druck in die Puschen zu kommen. Sie stellt Dir ein Ultimatum bis zu einem fixen Zeitpunkt endlich ein neues Auto anzuschaffen.
Was macht das mit Deiner Willensentscheidung? - Sie löst sich in Nichts auf ...

Nein, ich kann mich gerade nicht über Deine 30 Tage freuen und auch nicht über den neuen Erdenbürger. Ich habe es ja oft erlebt, solches Verhalten, wie Deines. Und es hat nie gut geendet. Die Kinder werden unter dem falschen Stolz, der Stagnation durch Ängste des Vaters irgendwann zu leiden haben. Nein, ich behaupte nicht, dass Du ein schlechter Vater wärest. Das kann ich gar nicht beurteilen, weder in die eine, noch in die andere Richtung und das will ich auch gar nicht.
Du wertschätzt Dich aber nicht. Dich und Deine Gesundheit. Du gehst das Risiko ein abzustürzen und alles zu verlieren, was Du meinst zu besitzen.
Du stellst Deine Angst über das eigene und über das Wohl Deiner Frau und Deiner Kinder.

Doch wovor hast Du eigentlich Angst? Hast Du Angst man könnte etwas Schockierendes entdecken und Dich in eine Schublade packen, die Du selbst am Liebsten niemals öffnen würdest? Welche Erwartungen in Dich selbst könnten da nur enttäuscht werden?
Kokolores! Wir sind mehr als unsere Sucht - weitaus mehr! Du hast eine Frau, die Dich liebt. Sie hat Dir gezeigt, dass sie Dir Deine "Fehler" verzeihen kann. Sie wünscht sich ein Leben mit Dir - und nur mit Dir! Und ihr zwei habt Kinder in die Welt gesetzt. Sie traut Dir zu, dass Du für sie sorgen kannst. Sie vertraut Dir!

Ich sehe hier nicht, wie Du mit Deiner Angst in Diskussion gehst, wie es so schön heisst. Ängste, wie wir hier sehen, blockieren. Ängste übertreiben maßlos. Sie erstellen eine imaginäre Realität, die mit der tatsächlichen nichts am Hut hat! Die Ängste kannst Du nur los werden, wenn Du Dich mit ihnen beschäftigst. Angst ist eine immens starke Emotion, der Du mit Ruhe und Gelassenheit nur begegnen kannst. Also stelle Dir Fragen: Wovor genau hast Du Angst? Ist die Angst lebensbedrohlich? Wenn die Situation, vor der Du Angst hast, eintreten würde, wie realistisch wären die Konsequenzen, die die Angst Dir einredet?
Wenn Du Dir diese und ähnliche Fragen stellst und sie abarbeitest, dann bleibt am Ende nur noch die natürliche Unsicherheit über eine neue und damit ungewohnte Situation übrig. Doch die haben wir doch ständig. Das ist nichts Neues und Du bewältigst so etwas tagtäglich.
Rufe in einer Beratungsstelle an und mache einen Termin. Im Ersten wird sich sowieso erst einmal hauptsächlich nur kennen gelernt. Du kannst ja immer noch entscheiden, ob Du dann einen weiteren Termin vereinbarst oder nicht. Doch es wäre ein Anfang und eine der schwierigsten Hürden erst einmal überwunden.

"Zocke" bitte nicht weiter mit dem Leben Deiner Liebsten - vor Allem aber mit dem Eigenen. Du bist eine wertvolle Persönlichkeit! Behandele Dich aus so ...
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #10 am: 09 Juni 2021, 09:13:19 »
Guten Morgen Ichwillweg!

Ich beglückwünsche dich zu diesem Schritt und wünsche dir viel Kraft, Selbstreflektion und Durchhaltevermögen auf deinem Weg!

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #11 am: 10 Juni 2021, 07:21:45 »
Hi Olli,

ich kann dich ja verstehen...du bist hier der Profi! Aber nochmals zur Zusammenfassung:

- Meine Frau weis alles...sie hat nun auch die Vollmacht über unser Konto
- Mein Hirn sagt schon seit längerem: Nein....das Spielen macht überhaupt keinen Spass mehr!!! Schon allein der Gedanke, dass ich 10 € noch irgendwo verspiele könnte bringt mich zur Weißglut!

Ich habe nun einen neue Lebensaufgabe und ich kann und ich WILL das meiner Familie nicht antun, dass je wieder anfange zu spiele! Ich sehen nun das Leben neben den OC´s und das ist genial!

Zu einer Therapie will und werde ich nicht gehen....ich will den Weg der absoluten finanziellen Kontrolle gehen! Wie schon oben erwähnt, könnte ich aktuell keinen CENT irgendwo einzahlen! Gamban läuft auf Jahreslizenz!

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.194
Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #12 am: 10 Juni 2021, 11:48:18 »
Hi!

Mensch, ich lese meinen Beitrag gerade noch mal und in Teilen klingt er für mich doch ziemlich gepfeffert. So sollte es gar nicht sein ...

Wenn Dein Weg heute so aussehen soll, dann ist er für Dich auch erst mal richtig - Punkt.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #13 am: 10 Juni 2021, 19:14:53 »
Hallo Olli,
Ich wünsche mir jemand würde mit meinem Mann so sprechen wie du hier schreibst.
Hart ist es vielleicht, aber auch ehrlich.

Ich könnte echt weinen wenn jemand den Spieler noch unterstützt mit Aussagen, das ist sein Geld und er kann damit selber machen was er möchte. Und es immer verharmlost wird....

Re: Mein Tagebuch nach 24 Jahren Spielen
« Antwort #14 am: 11 Juni 2021, 07:05:01 »
Marie,

genau so denke ich auch :-) Olli wäre echt super für uns alle hier!!
Ich sehe gerade alles als Schicksal! Hätte meine Frau vor 2 Monaten gesagt, dass sie schwanger ist, dann wäre es für mich eine Katastrophe gewesen! Wie gesagt, dass Kind war nicht geplant. Die Nachricht der Schwangerschaft während meiner spielfreien Zeit löst aber nun solche Verantwortungsgefühle und Glückgefühle aus, dass ich irgendwie an eine göttliche Eingebung denke :-)....hört sich blöd an...is aber so. JETZT kann ich endlich wieder Sachen finanziell einplanen für unsere Kids und muss nicht ständig drandenken, ob ich einen Kredit wieder nehme oder einen unserer Bausparpläne kündigen muss. Diese Freiheit tut soooo gut...

32 TAGE SPIELFREI!

 

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