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Mein Tagebuch 18.06.21

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #15 am: 28 Juni 2021, 19:01:40 »
Tag 10 spielfrei

Heute war die Therapie nicht so spannend. Es begann mit der üblichen Blitzlichtrunde gefolgt von 1 Stunde Prellball spielen. Danach Rückblick Wochenende und Wochenziele setzen dann ging es schon zum Mittag. Leider wurde ein Teilnehmer zunächst mit 0,05 und dann 0,00 beim Pusten gecheckt hierauf folgte ein Urintest. Im Nachmittagsgespräch beteuerte er trocken geblieben zu sein. Die Therapeutin gab zu verstehen das der Urintest nicht grenzwertig sondern eindeutig war. Das Thema wird wohl morgen dann nochmal besprochen. Es könnte sein das seine Therapie damit beendet ist. Ich weiss nicht recht ob ich ihm glauben kann. In der Runde hat er uns allen beteuert nicht getrunken zu haben sich das nicht erklären zu können. Am Wochenende war er gwar bis 3h auf einer Pinkelparty hätte aber keinen Schluck zu sich genommen. Naja das Them hat den Nachmittag durchzogen. Insgesamt hatte ich heute überwiegend Kopfschmerzen und war etwas lustlos also habe eher nur zugehört. Suchtdruck ist heute nicht da obwohl Zahltag ist👍.

Wünsche allen einen schönen Abend

Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #16 am: 28 Juni 2021, 20:21:37 »
Hallo Catia,
vielen Dank für deinen heutigen Bericht. Besonders interessant fand ich den Verweis auf den "abstinenten" Teilnehmer. Hier kenne ich mich zwangsläufig etwas aus ;)

Die gemessene AAK von 0,05 mg/l hat für Fahranfänger keine Konsequenzen, weil zu niedrig.
Diese AAK von 0,05 mg/l entspricht einer BAK von 0,1 Promille. Mittels Teststreifen ist je nach Konzentration ein zurückliegender Zeitraum von 12-48 Std. nachweisbar. Der Abstinenz-Marker EtG (Ethylglucuronid) wird in der Leber gebildet und ist unbestechlich ;)
Insofern ist dieser Wert zwar noch gut für Fahranfänger, aber für den Teilnehmer eher schlecht.

Weiterhin viel Erfolg

Wolfgang
« Letzte Änderung: 29 Juni 2021, 20:13:11 von Wolfgang »
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #17 am: 29 Juni 2021, 19:32:47 »
Tag 11 Spielfrei

Nun sind es schon 11 Tage freuen kann ich mich darüber aber irgendwie nicht... Heute ging es direkt mit der Sportstunde und erneut Prellball lis. Diesmal war ich voll drinne wollte den Ball im Spielverlauf irgendwann unbedingt kriegen bin gestolpert zeck und voll auf meine linke Seite geknallt. Hab dann erstmal auf der Bank vor Schmerzen gesessen. Danach hatten wir eine medizinische Gruppe Thema Medikamente zur Behandlung von Suchtdruck bei Alkohol. Hierauf folgte die Visite und als ich dran war fragte ich nach einer Schmerztablette da mein Rücken doch sehr weh tat. Der Arzt gab mir leider keine statt dessen sollte ich dann mit einem Zettel von ihm ins nächste Krankenhaus. Das tat ich dann auch es war bereits 12h. Diagnose Rücken geprellt, Schulter und Hüfte geprellt... Iboprofen Novalgin Ortoton... Soll ich mir in der Tagesklinik morgen geben lassen... Also heute nur Ibo was ich hier rumfliegen hab. Also mir gehts scheisse und hab schmerzen. Naja........ Morgen geht es wieder hin zur Therapie und Sport  und schwimmen fällt erstmal für mich aus.
@Wolfgang also der Teilnehmer ist nicht aus der TherPie geflogen lt. URIN 0,5 Promille und er hat weiterhin darauf bestanden nix getrunken zu haben. Hat sogar beim Bundesgesundheitsamt angerufen sich bestätigen lassen das es sein Parfum oder seine Nahrungsergänzungstabletten sein könnten die er zum Muskelaufbau nutzt... Die zweite Urinabgabe hat er heute verschwitzt als wir beim Sport waren😉 nach dem Sport war es wohl nicht mehr möglich da zu spät laut der Pflegehelferin.

Wünsche euch einen schönen Abend.

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #18 am: 30 Juni 2021, 19:28:52 »
Tag 12 spielfrei

Die Prellungen machen mir zu schaffen habe gleich morgens bei der Therapie einen Sack Schmerzmittel für 6 Tage bekommen. Trotz Schmerzmittel schmerzen den ganzen Tag... Blöd... Heite begann der Tag mit der Blitzlichtrunde sodann haben wir einen Film "morgen hör ich auf" geschaut. In der Leben lernen Gruppe ging es sodann überwiegend um den Teilnehmer der wohl getrunken habem soll mit einem Wert von 585 bla... Ca. 1.6 Promille... Er bestritt nach wie vor und die Therapeutin verdeutlichte ihm ihre Erfahrung und was sie so dazu sagen kann also das er getrunken haben muss. Er wird nicht aus der Therapie fliegen aber ist nun unter strengerer Kontrolle. In der Infogruppe ging es um Mittel gegen Suchtdruck:fühlen/hören und sehen... Mit zahlreichen Tips für Konsumenten also z. Beispiel den Raum wo man getrunken hat umzugestalten... Hintergrund das Gehirn verbindet diesen Raum immer mit dem Trinken rauchen etc. Oder andere Gläser oder wenn man beum Puzzlen konsumiert hat dann halt anfangs nicht puzzlen... Nach dem mittagessen hatten wir Ergotherapie dort mussten wir bildlich farblich unsere Ziele für die nächsten 12 Monate und die begleitenden Behandlungen die dies unterstützen bzw. Wir nutzen wollen darstellen. Hier nach hatte ich meine erste Gruppenstunde Achtsamkeit von der ich etwas enttäuscht war. Ich dachte es werden Gespräche Tips und Tricks genannt jedoch wurde die Stunde wie eine Entspannungsstunde geführt Musik an es wird vogelesen... Manch einer schnarchte bereits rum... Das fand ich blöd. Naja und das wars dann auch schon. Mir geht es ähnlich wie Wolfgang mein wenn auch noch kurzer Erfolg bereitet mir keine Freude. Irgendwas fehlt mir ich weiss nicht was... Ach ja und die schmerzen setzen mir zu... Alles in allem gerade nicht so gut drauf aber zumindest erfolgreich👍

Bis morgen und einen schönen Abend allen.

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Offline Olli

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #19 am: 30 Juni 2021, 20:52:46 »
Hi Catia!

Dann gebe ich mal in Bruchstücken weiter, was ich eben bei Jörg, Ilonas Mann, im Webmeeting gelernt habe.

Viele Spieler haben Probleme mit negativen Gefühlen. Sie brauchen gar nicht extrem sein. Jeder hat ja schon mal so kleine Schwankungen. Diese Gefühle werden ausgeblendet, zumeist mit Spielen. Dies führt zu einer Gefühlsblindheit. Man nimmt diese Schwankungen gar nicht mehr wahr.
Jetzt, wo Du aber spielfrei bist, nimmst Du sie wieder wahr. Vielleicht sogar stärker als sie eigentlich sind. Hier ist die Gefahr eines Rückfalls sehr hoch.
Was kannst Du machen? Hinterfrage diese Gefühle. Darfst Du sie haben? Wo kommen sie her? Was kannst Du ihnen entgegen setzen?
Anstatt ihnen auszuweichen, was auch Du sicher bisher immer gemacht hast, gilt es sich mit ihnen ein wenig zu konfrontieren.
Während Du dies tust, hälst Du diese negativen Gefühle aus und lernst wieder mit ihnen umzugehen. Sie pegeln sich in ihrer Intensität in den "Normalzustand" zurück - mit der Zeit.

OK, das waren auch ein paar Interpretationen meinerseits dabei, weil ich es so empfinde es erlebt zu haben.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #20 am: 30 Juni 2021, 21:13:07 »
Hallo Catia!

Zunächst wünsche ich dir baldige Besserung hinsichtlich deiner Schmerzen.
Des weiteren lese ich, du hast ähnliche Empfindungen wie ich sie derzeit auch habe. Also sehen wir es mal positiv und schieben es auf die noch recht kurze Phase der Abstinenz. Die neuen Verhaltensmuster sind noch ungewohnt. Geduld ist nicht meine große Stärke, aber genau die brauchen wir wohl. Wahrscheinlich müssen wir auch erst wieder lernen, uns über Erfolge freuen zu können.
Dein letzter Satz zeigt das Dilemma. Wir stellen das negative zu sehr in den Vordergrund und "vergessen" dabei die große Leistung, welche wir gerade vollbringen.
Irgendwann wird die Freude über das geleistete da sein. Wenn auch von uns selbst wenig honoriert, entwickelt es sich doch stetig in die richtige Richtung. Und bringt Stück für Stück unsere Selbstachtung zurück.
Uns und andere zu belügen, hat Kraft gekostet. Jetzt investieren wir diese Kraft in etwas positives.
Und wenn der Sack Schmerzmittel leer ist, dann sind es 6 weitere erfolgreiche Tage.
In diesem Sinne, mach weiter so!!!

Wolfgang
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #21 am: 01 Juli 2021, 05:32:16 »
Vielen Dank euch beiden.

Ich stimme vollkommen zu. In der Therapie habe ich dies in der Leben lernen Gruppe angesprochen. Es war stets die Reds davon, dass man etwas an seinem Leben ändern muss also Struktur Arbeit Hobby haste nicht gesehen. Da der überwiegende Teil der Teilnehmer arbeitslos oder in Rente ist. Ich habe vorgebracht, dass es sich bei mir mehr um die emotionale Ebene handelt. Ich muss am Tag mit zig Gefühlen umgehen egal welcher Natur positiv neutral negativ extrem abgeschwächt etc pp. An sich ist mein Leben komplett durchstrukturiert. Die Zeit die ich für das Spielen aufgewendet hab da ist halt eben vieles Haushalt Zeit mit meinem Sohn oder Mann oder Familie liegen geblieben. Die hole ich jetzt nach oder besser gesagt nachholen nicht sondern erlebe sie wieder. Ich brächte meiner Meinung nach keine Veränderung sondern wie Ihr beiden schon sagt man muss wieder erlernen mit Gefühlen umzugehen und nicht vor Ihnen zu flüchten. Warum sind sie da sind sie berechtigt usw.

Geduld war bei mir auch schon immer ein knappes Gut. Das ich mich im Moment und sicher auch noch länger über nix freuen kann also so richtig... Liegt sicher in der Natur das mein Belohnungssystem geschädigt oder falsch gepolt ist. Wir haben einen abstinenten Teilnehmer der 65 Jahre alt ist und mich jeden Tag zum schmunzeln bringt über seine Dankbarkeit zu den kleinen Dingen des Lebens👍😂 ich finde das Bemerkenswert wie er sich an seiner Ernte im Garten am Wetter oder einfach daran erfreut ein vierblättriges Kleeblatt gefunden zu haben. Ich nehme mir täglich vir mir eine Scheibe davon abzuschneiden denn ich finde ich bin ziemlich undankbar. Ich habe mir unabhängig von der Therapie mal selbst überlegt 1 mal wöchentlich zu notieren wofür ich dankbar bin damit es mir besser bewusst wird und auch klar wird was wirklich Wichtig ist in meinem Leben.

Heute war die Nacht sehr sehr kurz jetzt bin ich seit 3.30 auf den Beinen habe alles mögliche hier verrichtet und warte das mein Sohn wach wird damit es ab in die Kita und zur Therapie los geht👍

Ich wünsche Euch einen schönen Tag und berichte weiter

Lg

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #22 am: 01 Juli 2021, 21:58:11 »
Tag 13 spielfrei

Heute war der Tag emotional will ich mal sagen.. In der Blitzlichtrunde ging es um den Vorabend in der Leben lernen Grupps gab es dann Rollenspiele. In meinem Rollenspiel in dem ich jemandem mein Suchtproblem erstmalig mitteilen musste hatte ich einen kleinen emotionalen Zusammenbruch und musste den Raum weinend verlassen. Ich hab dann erstmal zwei geraucht und mich gefangen. Nach und nach kamen auch die Teilnehmer raus die mich alle getröstet und verstanden haben. Gleich danach hatte ich bei der Therapeutin mein Einzelgespräch worin wir das aufgearbeitet haben. Nach dem Mittag essen hatten wir Schwimmen (ich nicht) und danach Gruppenstunde da haben wir gepuzzelt.

Mir hat es zugesetzt im Rollenspiel ich habe überlegt warum... Es ist mir peinlich unangenehm diese Sucht die ich habe diese nicht stoffgebundende und von der Gesellschaft noch lange nicht richtig anerkannte Suchterkrankung Glückspiel. Warum ich wieso musste mir das passieren usw. Zusätzluch ist mein Nervenkostüm sehr dünn Entzugserscheinungen Suchtdruck und Schmerzen von den Prellungen. Die Problematik mit meinem Vater und vieles mehr. Nun ja heute wieder erfolgreich aber umglücklich. Morgen gehts auf zum Wochenabschluss und Strategieplanung fürs Wochenende.

Schlaft gut

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Offline Olli

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #23 am: 02 Juli 2021, 06:09:56 »
Hi Catia!

Mir gefällt es Dich da ein Stück weit begleiten zu dürfen.

Das gestrige Thema lautete also Scham und Schuld. Und Du stellst Dir die Frage, warum gerade Du dieser Sucht verfallen musstest. Nun, gerade an den Gruppensitzungen und hier im Forum siehst Du, dass Du eben nicht die Ausnahme bist, als die Du Dich innerlich wohl siehst.
Ich denke, dass niemand süchtig werden möchte. Es passiert einfach. Daher finde ich es für die Gesellschaft ungemein gefährlich, was da gerade durch den neuen GlüStV in die Wege geleitet wird.
Deine Frage ist wichtig, um sich mit den Ursachen zu beschäftigen, für die Du das Spielen als Kompensation benötigt hast. Die Frage ist aber obsolet, wenn sie dazu dient, Dir eine Schuld zuzuweisen.
Du ignorierst dadurch eine ungemein wichtige Tatsache - eine gesunde Tatsache: Du hast Dein Problem erkannt und Du handelst, um es zu lösen.
Stichwort Problem ... weisst Du, was es eigentlich bedeutet? Es ist die Diskrepanz zwischen dem Erlebten und der eigenen Erwartungshaltung.
Die Erwartungshaltung entsteht aber ausschließlich aus der Summe Deiner Erfahrungen.
Meistens wird das Glückspiel aber genutzt, um eine Mangelerfahrung zu kompensieren.
Trägst Du dafür eine Schuld? Ist das ein Grund Dich Deiner zu schämen?
Wohl eher nicht! Schämen müsstest Du Dich nur, wenn Dein Problem erkannt ist, aber von Dir nicht angegangen würde.
Zudem heisst es doch so schön: Wir sind mehr als unsere Sucht. Dieses Mehr aus jeder Menge anderer Erfahrungen und auch Kompetenzen wird im Oberstübchen dann in den Hintergrund gedrängt.
Die brauchen wir aber unbedingt, wenn wir genesen wollen.
Versuche die Scham und die Schuld abzulegen und fange an Dir selbst zu verzeihen.
Ich weiss, das ist scher schwer, doch es ist das, was ich Dir heute mit auf Deinen Weg geben möchte.
« Letzte Änderung: 02 Juli 2021, 21:34:49 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #24 am: 02 Juli 2021, 18:43:35 »
Vielen Dank Olli für deinen Beitrag. Ich musste ihn dreimal lesen da er inhaltlich sehr wertvoll ist.

Eine Professorin hebt im Saal einen 50ig Euroschein wer möchte diesen haben? Der Großteil meldet sich. Sie bedankt sich und zerknüllt den Schein fragt erneut wer diesen haben will wieder melden sich fast alle. Erneut bedankt sie sich wirft ihn auf den Boden und tritt mit ihren schmutzigen Schuhen auf ihn und fragt erneut auch diesmal wollen ihn alle haben. Die Moral von der Geschicht auch wenn wir schmutzig und am Boden liegen haben wir unseren Wert nie verloren.

Heute hatten wir zunächst Blitzlicht also Befindlichkeit. Sodann wurde auf den Boden ein Sammelsorium an Gegenständen ausgebreitet und wir mussten ein Stück Papier ziehen mit dem Namen eines Teilnehmers und uns ein passendes Teil für diesen aussuchen. Ich wählte für den Kollegen eine Parfumflasche als Symbol für seinen Selbstwert da er mehrfach in den Gesprächsrunden betont hatte kein Selbstbewusstsein zu haben. Ich gab ihm liebe positive Worte mit auf den Weg. Weiter folgte die Vorstellungsrunde der erreichten oder eben nicht erreichten Wochenziele. In der Infogruppe ging es dann darum welche Sozialkompetenzen die Sucht beschneidet Arbeit Familie Freunde Haustiere Hobbys Wohnraum tägliche Struktur usw. Nach der Sitzung bat meine Therapeutin mich um 1 Minute sie wollte fragen, ob sie den Antrag für die ambulante Therapie an die RV faxen kann da sie den Sozialbericht etc fertig hat hierzu erteilte ich ihr die Zustimmung. Ferner wollte sie wissen, ob ich die Tagesklinik um 2 Wochen verlängern möchte. Ich habe ihr mitgeteilt, dass ich ihr hierzu am Montag eine Rückmeldung gebe. Nach dem Mittagessen hatten wir Wochenbilanz da ging es darum das jeder mitteilt was er von der Woche so an Eindrücken etc. mitgenommen hat. Dann war schon Feierabend.

Ich habe meinen Vater sodann bei meiner Schwester besucht und bin sehr traurig binnen 2 Wochen hat er stark abgebaut und nässt bereits einfach ein und kommt nicht mehr weit das heisst raus aus dem Bett oder Sessel. Er hat Fieber und nimmt nun Antibiotiker. Der Arzt hat gesagt wir können nur noch akute Schmerzen lindern und palliativ begleiten. Ich hatte es 2 Wochen verdrängt das er nur noch eine kurze Lebenserwartung hat und war einfach geschockt und mir ist bewusst geworden das er mich bzw. uns genau jetzt braucht. Im Homeoffice konnte ich ihn mehr sehen und meine Zeit flexibel einteilen nun mit der Tagesklinik ist es nicht möglich. Dies ist ein Grund weswegen ich dazu neige keine 2 Wochen zu verlängern also insgesMt noch 3 Wochen teilzunehmen auch wenn es nicht schaden würde und mir sehr gut tun würde. Ich hänge jetzt durch und bin wirklich ergriffen. Morgen werde ich von 10h bis 14h ihm Gesellschaft leisten da meine Schwester und Schwager arbeiten sind. Hier wird am Wochenende einiges liegen bleiben aufgrund meines Gemütszustandes und fehlender Zeit  aber das ist mir egal. Dies wäre genau eine Situation in der ich in die Halle gerannt werde. Nun versuche ich mit meinen Trauergedanken und Emotionen hier zu hUse mit kleinem Kind das leider noch nicht versteht das die Mama nix zu lachen hat klar zu kommen.

Ich wünsche euch einen schönen Abend und Wochenende

Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #25 am: 02 Juli 2021, 19:35:54 »
Hallo Catia!

Daumen hoch wie du alles meisterst. Deine Einträge ins Tagebuch finde ich Klasse. Man kann dein Befinden förmlich spüren und fühlt sich mittendrin im Geschehen. Das mit deinem Vater erinnert mich an eigene Erfahrungen. Ich hatte zu meinem Vater immer ein eher distanziertes Verhältnis. Keine Ahnung warum, aber ich konnte mich ihm nie so richtig anvertrauen. Selbst als es zu Ende ging, schaffte ich es nicht, ihm meine Liebe und Dankbarkeit für alles zu zeigen. Das hängt mir bis zum heutigen Tage an. Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht nachholen.
Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Geduld auf deinem Weg!


Wolfgang
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #26 am: 02 Juli 2021, 20:01:04 »
Danke Wolfgamg auch deine beiträge lese ich immer sehr gerne und freue mich über geteiltes Leid und Erfahrungsaustausch. Auch dir ein spielfreies WE. Alles Liebe👍

Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #27 am: 02 Juli 2021, 20:44:50 »
Hallo catia

Deine Berichte sind so intensiv. Es ist ergreifend sie zu lesen, weil ich bei manchen  deiner Gedanken ganz bei dir bin.
Gute Besserung an Dich und auch alles gute für deinen Papa.

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #28 am: 05 Juli 2021, 21:07:54 »
Das Wochenende ist "überstanden" 👍 Es war nicht leicht. Nach dem ich meinen Vater am Samstag betreut habe und gesehen habe wie schnell es nun bergab geht war ich ziemlich zerstört. Ich hatte dem Suchtteufel nach langem hin und her nachgegeben und wollte spielen... Unbedingt... Aber da das Konto bereits vorsorglich leer geräumt war... das Haushaltsgeld in der Dose liegt und wird ja dafür nicht verwendet und unser gespartes mittlerweile gemeinsam unter Verschluss meines LG ist war kein Geld frei verfügbar. Ich bin auf meinen LG zu hab gejammert und gebettelt etwas aus der Ersparnis rauszugeben aber er gab nicht nach. Nach langem hin und her wurde ich wütend und beleidigend auch da gab er nicht nach. Aus Frust hab ich mich ins Büro verzogen und erstmal geschmollt und durchgeatmet nochmal nachgedacht und letztlich 1 Stunde gepuzzelt... Dann ging es wieder mit mir... Hatte mich wieder gefangen und hab dann praktisch ganz "normal" den Abend verbracht. Am Sonntag hatte ich erneut die selben Gedanken diese hab ich dann aber souveräner weggesteckt also gar nicht nach außen an meinen LG herangetragen sondern einfach laut Nein im Kopp und ständig was anderes gemacht😂 Situation gewechselt etc. dann vergingen die Gedanken auch wieder. Warum das alles so passiert ist konnte ich heute teils in der Therapie besprechen. Jedoch war heute jedoch eine Teilnehmerin die Rückfällig geworden ist Hauptthema. Sie hat sich am Wochenende Mut angetrunken um ihrem Mann nach 40 Jahren Ehe mitzuteilen, dass sie jemand neues kennen gelernt hat. Ohne Alkohol den "vermeintlichen Schutzmantel" hätte sie dies nicjt geschafft. Auch hatten wohl weitere andere Teilnehmer kein so schönes Wochenende viele waren umruhig gereizt und hatten Diskussionen mit ihrem Partnerinnen. Am Ende hat mir das heute wieder viel geholfen den Rückfall der einen Dame zu besprechen und mich mit den anderen verbunden zu fühlen als sie von ihrem negativen WE berichteten. Meine Therapeutin hältdie Situation mit meinem Vater gerade für akut gefährlich bei mir also Rückfallfördernd.. am Donnerstag werden wir im Einzelgespräch versuchen Maßnahmen zu erörtern. Insgesamt fand ich den Tag gut wir hatten Sport und konnten entweder Tischtennis ider Badminton spielen. Da ich auch sehr gut Tischtennis spielen kann hatte ich ein hervorragendes Match mit einem Teilnehmer. Bei der Ergotherapie konnten wir zu entspannter Musik ein Mandala ausmalen. Nach dem ich meinen Sohn um 16h dann von der Kita geholt habe ist er um 17.45 auf dem Sofa eingeschlafen sodass ich jetzt auch 3 Stunden für mich hatte und ich habe zufrieden einmal nix gemacht außer ein paar Youtube Videos zu gucken und etwas zu essen. Also es war ein guter lehreicher Tag und ich bin auf morgen gespannt.

Ich wünsche allen einen guten Start in die Woche

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Offline Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #29 am: 09 Juli 2021, 21:10:40 »
Es war eine anstrengende Woche und sie ist endlich überstanden. Was die Therapie betrifft waren die Abläufe wie die Wochen zuvor Sport Befindlichkeitsgruppen, Infogruppen, medizinische Gruppen, Achtsamkeit und Entspannung, freie Gruppenstunde und mein Einzelgespräch. Ich habe viele Dinge mitgenommen sei es das ich meinem Kind beibringen muss und werde wie ich trauere und wie ich meine Trauer bewältige damit er von mir lernt mit dieser Emotion umzugehen. Ich habe einiges über Impulskontrollstörungen, Emotionsregulierung und Frustrationstoleranz gelernt. Ich habe gesehen und gehört wie es anderen ergeht und das nicht rosiger wie mir. Eine Teilnehmerin die bereits einen Rückfall hatte hat abgebrochen. Ein anderer steht aufgrund von Beziehungsproblemen und emotionalem Stress kurz davor. Es ist super wichtig meine Gefühle genau zu erkennen und die negativen zu regulieren mit den erlenten Dingen den das birgt mein größtes Rückfallrisiko. Am Montag habe ich meinen letzten Tag in der Klinik und ab Dienstag befinde ich mich wieder im Homeoffice bzw. Mobile Office bei meinem Vater den ich parallel zur Arbeit dann betreue. Privat ging es diese Woche auch nur um ihn und meine Schwester hatte ihre Überforderung in negativer weise bei mir rausgelassen. Ich konnte lediglich helfen indem ich einen Termin mit einer Seniorenassistentin sowie einem ambulanten Pflegedienst organisiert habe. Für die Zukunft helfe ich nun nachdem ich mein Kind weg gebracht habe im Mobile Office wieder... Und eine Haushaltshilfe wird ihr gestellt sowie 1x tgl. ein Pflegedienst der für 1 Std in der Früh kommt zum waschen umziehen etc.

Weiter habe ich mich über eine Trauerbewältigungsgruppe informiert der mich zu gegebener Zeit vorsorglich anschließen werde. Für die Zukunft steht noch eine Intervallbehandlung von 2 Wochen in der Tagesklinik an sowie die ambulante Reha sobald die Kostenzusage von der RV vorliegt und die SHG die ich dann denke ich ab übernächste Woche aufsuchen werde.

Jetzt ist erst einmal Wochenende mirgen wird der Wocheneinkauf erledigt und Haushalt verrichtet sodann werde ich meinen Vater besuchen und ggf dann zuhause noch einen Kuchen für Sonntag meinem Geburtstag backen. Suchtdruck habe ich diese Woche minimal verspührt und bin sehr froh drum.

Ich wünsche alle ein schönes WE

 

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