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Mein Tagebuch Frust

  • 15 Antworten
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Mein Tagebuch Frust
« am: 21 Juli 2021, 11:09:34 »
Hallo,

vor ab mir geht es gut was das Spielen angeht.

Meine außergerichtliche Frist ist heute abgelaufen und es hat sich natürlich keines der beiden Casinos gemeldet. Das heißt wieder Geld für nix in den Wind geblasen. Irgendwie macht man sich ja doch Hoffnung, dass da was geht, wobei man eigentlich auch weiß das außergerichtlich nichts mehr geht. Warum auch sollten die Casinos so dämlich sein.

Was mich grade an misten nervt ist der Geld Frust. Eigentlich bin ich gut Verdiener aber die nächsten Monate sind halt knapp bis zum geht nicht mehr, weil man es ja vor dem Aufhören auch noch extrem übertreiben musste und jegliche Mittel (Kleinkredite) ausgeschöpft hat.

Ich hatte ja schon in einem anderem Thread gefragt, ob es überhaupt Betroffene gibt die jemals von einem Casino Geld gesehen haben  oder läuft man nur einem Mythos hinterher. Sicherlich gab es erfolgreiches Chargeback bei Paypal aber das ist rechtlich auch ganz was anderes als ein Casino zu verklagen. Außerdem wird mir schon etwas komisch wenn ich sehe welches Kanzlei wohl mein Casino vertritt und ob im Gegenzug die von mir beauftragte Kanzlei dem gewachsen ist. Kämpfe ich am Schluß gegen Windmühlen ohne die Chance tatsächlich einen Cent zu sehen?

Was seltsam ist, dass man zum Spielen irgendwie immer Geld zusammen bekommen hat es jetzt aber tatsächlich eng aussieht für den Monat und ich null € verspielt habe im Juli. das frustriert schon extrem.

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.290
Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #1 am: 21 Juli 2021, 11:38:28 »
Hi Alex!

Das Saldo auf dem Kontoauszug ist ja nicht das Ende der Fahnenstange. Nur diese Zahl zu betrachten macht mürbe und Du fragst Dich dann sicherlich, wieso Du überhaupt spielfrei sein möchtest.
Lege Dir, wenn Du magst, eine Excel-Tabelle an und schreibe Dir monatlich dort hinein, wieviel Du an Krediten getilgt hast und was an Schulden noch übrig bleiben.
Hier siehst Du Zahlen, die immer kleiner werden. Es ist Bewegung in den Zahlen ... es gibt ein Vorwärtskommen. Dies sollte Dich aus dem Frust heraus holen.

Ich schaue mir auf meinem Kontoauszug immer die Buchung für meinen Hausbaukredit an. Dort bin ich jetzt unter 42.000 € Restschuld gefallen.
Wenn ich mir jetzt nur anschaue, wie viele Jahre ich noch abbezahlen muss, dann scheint es kein Ende zu nehmen. Bei der Restschuld jedoch purzeln die Zahlen regelrecht und die Tilgungsdauer wird zur Nebensache.

Du kennst diesen Thread? : https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php/topic,5084.0.html#new
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #2 am: 21 Juli 2021, 13:57:52 »
Hi Olli,

ja ich kenne den Thread. Ich stelle die Frage noch einmal. Gibt es nur die Urteile oder ist dort danach tatsächlich Geld geflossen?

Hat jemals ein Casino dann auch bezahlt? Oder sind alle in Revision? Gibt es so etwas überhaupt? Wie gesagt ich stelle mir die Frage, ob ich an dieser Front weiter kämpfen soll.

Sorry aber wenn ich auf einen Hausbaukredit gucken könnte wäre es aber mal ganz was anderes als so. Du hast einen Wert und im Alter ein Sorgenfreies Leben. Ich bin bald Mitte 50. und habe nix außer die bis zum Ende des Jahres knappe Kasse.

*

Offline Alex86

  • ****
  • 182
Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #3 am: 21 Juli 2021, 15:01:36 »
ich selber keine Erfahrung aber ich denke es wird schon ein Akt das Geld zubekommen. Aber sobald man eine Deutsche Bankverbindung von dem OC hat sollte es kein Problem zu pfänden wenn die nicht zahlen. Ansonsten internationale Inkasso beauftragen

Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #4 am: 21 Juli 2021, 15:11:35 »
Hey Alexander,
Ich kenne niemanden, dem von einem Casino Geld erstattet wurde
Wenn es für dich ein Kampf ist, dann hör auf damit. Schreib das Geld ab.

Warum ist es für dich so schlimm noch eine gewisse Zeit mit wenig Geld zu leben?
Frust?
Was bedeutet deine absiinenzentscheidung für dich?

Wut, Frust und Aggression sind die Begleiter der Spielsucht. Diese Begleiter musst du zurücklassen und herausfinden, was dazu nötig ist.

Viele Grüße

Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #5 am: 21 Juli 2021, 15:13:46 »
Hallo Alex,
wie Olli richtig schreibt, es ist frustrierend nur den Saldo des aktuellen Kontoauszugs zu betrachten. Das geht mir und vielen anderen auch so. Ich habe Lohn für Mai und Juni erstmals nicht ins Spiel investiert und konnte mir eine Autoreparatur + eine neue Brille leisten. Jetzt hole ich gestern den Kontoauszug und bin wieder leicht im Dispo, weil ich die GEZ nicht auf dem Schirm hatte. Kreditabzahlung dauert auch noch über 5 Jahre. Das kann schon frustrieren.  Man fragt sich, haust du jetzt alles in die Kreditabzahlung, dann ist das in 2 Jahren erledigt. Dann schwenkt man wieder um und versucht was zu sparen. Geht hin und her, aber am Ende des Monats sieht man den Unterschied zum Vormonat. Hier hat mal jemand geschrieben, "wenn du alles auf einen Schlag willst, musst du Boxer werden". Fand ich gut, weil richtig.
Zum Thema Chargeback wurde hier schon viel geschrieben. Da hat man entweder einen langen Atem, oder man lässt es besser.

Gruß

Wolfgang
« Letzte Änderung: 21 Juli 2021, 15:15:43 von Wolfgang »
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #6 am: 21 Juli 2021, 15:33:51 »
Was daran schlimm ist mit wenig Geld zu Leben?

1. Habe ich eine Familie, die gerne den Kühlschrank voll hat und
2. ist mit wenig Geld leben scheiße hoch zehn. 

Ich weiß, selber eingebrockt aber trotzdem Mist.

Was meine Abtinenzentscheidung für mich bedeutet? Ich könnte jetzt weichgespült rumheulen, wie viel Zeit weg ist und ich nicht mehr vom Spieler bestimmt sein will blabla. Für mich bedeutet kein Spielern mehr perspektivisch: Porsche fahren, Falten und Speckbauch weg machen lassen, eventuell noch mal ein Eigenheim kaufen und vor allem meinen Kindern etwas hinterlassen und meine junge Frau verwöhnen.

Ich glaube jeder hat da andere Vorsätze und man sollte keine Bewertung vornehmen. Ich war trotz spielen in den 37 Jahren kein schlechter Mensch, Vater, Partner oder Arbeitnehmer.

Hey Alexander,
Ich kenne niemanden, dem von einem Casino Geld erstattet wurde
Wenn es für dich ein Kampf ist, dann hör auf damit. Schreib das Geld ab.

Warum ist es für dich so schlimm noch eine gewisse Zeit mit wenig Geld zu leben?
Frust?
Was bedeutet deine absiinenzentscheidung für dich?

Wut, Frust und Aggression sind die Begleiter der Spielsucht. Diese Begleiter musst du zurücklassen und herausfinden, was dazu nötig ist.

Viele Grüße
« Letzte Änderung: 21 Juli 2021, 16:07:17 von Olli »

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.290
Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #7 am: 21 Juli 2021, 16:54:43 »
Hi Alex!

Hier schreibt gerade der Spieler in Dir mit, denke ich ...
1. Keiner hat hier behauptet, dass Du ein schlechter Mensch wärest. Wie sage ich immer: Ich bin weitaus mehr als meine Sucht! Das gilt logischwerweise auch für Dich!
2. Mit wenig Geld leben ist scheiße hoch zehn und doch gibt es viele Menschen, die damit klar kommen müssen und es auch tun. Geld ... Reichtum ... macht nicht glücklich.
Du wirst nicht zu einem "besseren Menschen", wenn Du Geld besitzt - Du wirst nicht glücklicher dadurch. Das gilt auch für den Porsche, den Du so gut wie gar nicht mehr ausfahren kannst auf unseren Autobahnen. Mein Vater hat sich damals immer einen BMW gewünscht. 2 Mal hat er sich einen direkt vom Band geholt. Er hat die Vehikel genossen, doch auch den Wertverfall gesehen, der einfach gigantisch ist. Da muss eine alte Frau lange für stricken ...
Klar, solch ein Geschoss ist ein Traum ... doch er wird nicht zum Alptraum, wenn Du ihn Dir nicht erfüllen kannst. Er bleibt dann eben ein nicht verwirklichter Traum.
3. "Speckbauch weg machen lassen" ... echt jetzt? Die einfachste und schnellste Methode? Es gibt auch noch einen anderen Weg ... dafür brauchst Du kein Geld ...
4. Wieso wollen Eltern eigentlich immer etwas so Banales wie Materielles hinterlassen? Du hinterlässt doch schon etwas, was viel mehr aufwiegt. Du hinterlässt Werte, die Du Deinen Kindern vorgelebt hast und die sie zu einem großen Teil übernommen haben. Du hinterlässt Deine Liebe zu ihnen, die sie geprägt hat. Du hinterlässt Erinnerungen.
Ich habe meinem Vater schon früh gesagt, dass ich gar nichts erben möchte. Ich wünsche mir, dass er sich das erarbeitete Geld nimmt und es sich gut gehen lässt. Ich kann für mich selbst sorgen. Ich kann mir selbst Eigentum anschaffen, wenn ich es denn möchte. Ich kenne einige Personen, die die Nase ziemlich hoch halten, weil sie geerbtes Eigentum besitzen, selbst aber nichts auf die Kette bekommen haben ... hä???
Andererseits kenne ich aber auch viele Leute, die kein Eigentum besitzen und trotzdem glücklich sind.
Kleine Anekdote: Als ich noch Zeitungen ausgetragen habe in jungen Jahren, da fing mich schon mal eine Freundin meiner Oma ab. Sie war Rentnerin und man sah schon, dass sie nicht viel Geld hatte. Doch sie gab mir dann immer eine DM mit den Worten: "Hole Dir eine Schachtel Zigaretten dafür". Gut, die kosteten damals schon 4 DM je Schachtel, doch das war mir egal. Sie gab gerne von dem Wenigen, was sie hatte und es machte sie glücklich - was mich wieder freute.
5. "Falten" weg machen lassen? Jede Falte ist der Beweis, dass ich gelebt habe. Altern gehört zum Leben dazu. Außerdem weisst Du doch ... Frauen werden alt, Männer werden interessanter ... #duck und wegrenn´# ;) Schon in jungen Jahren bekam ich meine ersten grauen Haare. "Da gibt es so ein Schampoo ..." - "Ich würde die mir färben ..." - bekam ich zu hören. Ich ließ sie "natur" - weil die Haare nun mal zu mir gehören. Wenn ich meine Haare färben würde ... wenn ich die Falten wegoperieren ließe ... ich bliebe immer noch ich, der immer noch im gleichen Alter ist und weiter älter wird.
6. "Selbst eingebrockt" ... Lasse den Scheiss sein, Dich runter zu buttern. Mal rein logisch betrachtet: Es ist nun mal so, wie es ist! Und die Frage kann nur in die Zukunft gerichtet lauten: Wie geht es weiter? Deine Frage nach der Auszahlung des erstrittenen Geldes, verbunden mit den vorzulegenden Mitteln für den Prozess, incl. ungewissem Ausgang - ist Bestandteil davon.
Wirst Du Recht zugesprochen bekommen? Wirst Du das Geld erhalten? Wirst Du Kredite auslösen können, Dir und Deiner Familie wieder etwas leisten können?
Die Fragen sind bestimmt nicht unwichtig ... doch wichtiger sind doch die Fragen: Wie gehst Du mit jeder einzelnen Situation um?
Nehmen wir als Beispiel mal an, Du gewinnst den Prozess ... und dann geht es in die nächste Instanz. Da ist himmelhoch jauchzend und abgrundtief betrübt dicht beieinander.

Bespreche das alles mit Deiner Familie. Sie kennen Dich am Besten. Sie können Dir Auskunft darüber geben, was sie sich wünschen.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

Offline andreasg

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Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #8 am: 21 Juli 2021, 17:15:51 »
Hallo Alex,

da kannst Du wie Arnie & Triple-H rumlaufen, Prol - Karren fahren, nach Belieben, vielleicht laufen Dir auch Frauen hinterher, denn alle wollen nur dein bestes. Richtig: es geht nur ums Geld.
Wir Spielsüchtigen bewegen uns gerne einmal in einer Traumwelt. "Wenn ich nur noch Heute gewinne, dann habe ich alles was ich im Leben erwägenswert bin"!
Meistens wird da nicht viel draus, denn ein Spieler ist ein Cooler, der (unbewusst) verlieren will, weil er sich in dieser Welt verloren und einsam fühlt.

Deine Verluste sind real einschätzbar denke ich mir. Schalte nur den Fernseher an, dann weißt Du, wie schnell unvorhersehbare Verluste entstehen. Jene sind der Höheren Gewalt geschuldet.
Der Kontrollverlust eines Spielers erwächst aus seiner Krankheit, der Spielsucht.

Wenn Du Dich von der Fessel der Spielsucht befreien willst, dann fange einfach Heute neu an. Vielleicht verliebst Du Dich dabei in Deine Frau, das wäre ein Zeichen für eine Neue Lebensphilosophie.
Sich an Alte Kamellen hängen, heißt (verspieltes Geld zurückgewinnen, der "never ending" Bauchklatscher. des Spielers.

Ich wünsche Dir ein Gutes Gelingen
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

*

Offline Ilona

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    • Fachverband Glücksspielsucht e.V.
Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #9 am: 21 Juli 2021, 17:52:02 »
@Alexander
Die Jungs haben recht. Da kann ich mich nur anschließen.

Zu deiner ursprünglichen Frage: Ich habe ja selbst ein paar Vergleiche ausgehandelt und da ist auch Geld geflossen. Bevor wieder jemand fragt>: Ich kann das jetzt nicht mehr machen. es sit sehr zeitaufwändig. Ich frage aber auch nochmal die Anwälte nach ihren bisherigen Erfahrungen.

Apropos Anwälte. Vielleicht wäre es bei dir besser, wenn du deinen Fall an einen Anwalt oder Prozessfinanzierer abgibst. Die Frage "Kommt das Geld zurück?" darf auf keinem Fall zentral werden. Dann kommst du in sowas wie eine Zockerphase. Das wäre ungut. Die Erfahrung verlorenes Geld durch weiterspielen wieder einspielen zu wollen und dadurch immer tiefer reinzurutschen kennen hier wahrscheinlich alle. Die Ähnlichkeit wäre zu groß. Schreib das Geld erstmal ab und plane ohne die Erstattung. Wenn du dann doch Erfolg haben solltest, freu dich!

Alles Gute

Ilona
Juristische Beratung: Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen / Bielefeld http://www.kguk.de/
Ansprechpartnerinn: Dr. Iris Ober und Juliane Brauckmann  (Fachanwältinnen für Bankenrecht)  Terminanfragen: 0521-529930
Weitere Infos  hier: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3737.0

Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #10 am: 21 Juli 2021, 19:11:49 »
Hallo Alex,

wie glücklich sind JETZT deine Kinder,deine Frau mit dir? Geld macht dieses Glück nicht aus. Gesundheit, Liebe,zusammen was unternehmen, einen Spieleabend machen,zusammen lachen und Spaß haben......viele,viele Kleinigkeiten bedeuten Glück.

Frag deine Familie mal,was Glück für sie ausmacht,wann sie Glück empfinden.

LG Wolke

Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #11 am: 22 Juli 2021, 09:49:22 »
Hi Wolke,

meine Familie habe ich gefragt und die sind glücklich. Waren sie vorher und sind sie jetzt.

Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #12 am: 22 Juli 2021, 10:13:07 »
Schade das auch hier andere Meinungen nicht akzeptiert werden und alles der gleiche Brei sein muss.

Zu 2. und 3. Lieber Olli frage mal 100 Leute mit keinem Geld, ob sie wenn alles andere gleich bleibt. (Familiensituation, Freunde usw.), ob sie lieber weiter kein Geld hätten oder doch gerne mehr Geld hätten. Danach fragst du 100 dicke Menschen, ob sie wenn alles gleich bleiben würde, sie aber normal gewichtig wäre tauschen würden. Aus meiner beruflichen und privaten Erfahrung sagen 99 ich tausche! Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass man mit wenig Geld oder wenn man übergewichtig ist nicht glücklich und zufrieden sein kann aber, wenn es auch anders geht, würde jeder tauschen. Alles andere ist für mich pseudopädagogisches Geseier.

Zu 3. Leider kann ich aufgrund meiner chronischen Erkrankung keinen Sport machen. Ich versuche mit schon gesund zu ernähren aber wenig Bewegung während der Corona Zeit und hormonelle Veränderungen beim Mann haben zu einem bisschen Speckbauch geführt. Bin ich dadurch total unglücklich? nein! Sieht es mit weniger Speck besser aus? Ganz klares Ja!

Zu 4. Natürlich hinterlasse ich bei meinen Kindern auch Werte und mehr. Ich habe schon große Kinder und die sind nicht mehr auf Geld von mir angewiesen weil sie selber sehr gut verdienen. Aber ich habe noch einen Nachzügler und den möchte ich auch gut versorgt haben. Bis der groß ist bin ich im Rentenalter und das er guten Möglichkeiten erhält liegt mir am Herzen.

Zu 5. Ich finde Falten sehen scheiße aus. Aber da darf jeder seine Meinung haben.

Zu 6. Klar habe ich mir das selbst eingebrockt. Ich habe eine irre lange Suchtgeschichte von fast 40 Jahren und hunderttausenden Euros. Ich hatte x Möglichkeiten und habe nie aufgehört. Nochmal uns als Familie geht es eigentlich gut. Wir fahren nächste Woche in Urlaub haben zwei Autos. Zum Glück getrennte Konten. Bei mir ist es wenn ich es hoffentlich diesmal schaffe bis Ende des Jahres knapp. Danach sieht es wieder deutlich besser aus, wobei ich im Moment auch 2k monatlich abzahle, was leider grade anders nicht machbar ist. Klar mache ich mir Gedanken wie ich weiter gegen die Casinos vorgehe. Mir liegt schon etwas daran zum einen das Geld wieder zu bekommen, wobei meine Hoffnung da weiterhin sehr gering ist. Bis auf Ilona kennt ja niemand irgendwen der jemals von einem Casino Geld gesehen hat und das waren Vergleiche. Laut Aussage von meinem Anwalt gibt es eigentlich keine Vergleiche mehr.

Ich weiß halt grade nicht wie ich damit umgehen soll. Wichtig ist und bleibt spielfrei zu bleiben. Wie gesagt ab Januar habe ich nur noch einen Kredit mit 350€ Rate, wenn man dann einfach das Geld was mich sonst verzockt hätte sparen würde, wären die 35k auch in 2-3 Jahren zusammen ohne einen nervigen Prozess mit ungewissen Ausgang.

Hi Alex!

Hier schreibt gerade der Spieler in Dir mit, denke ich ...
1. Keiner hat hier behauptet, dass Du ein schlechter Mensch wärest. Wie sage ich immer: Ich bin weitaus mehr als meine Sucht! Das gilt logischwerweise auch für Dich!
2. Mit wenig Geld leben ist scheiße hoch zehn und doch gibt es viele Menschen, die damit klar kommen müssen und es auch tun. Geld ... Reichtum ... macht nicht glücklich.
Du wirst nicht zu einem "besseren Menschen", wenn Du Geld besitzt - Du wirst nicht glücklicher dadurch. Das gilt auch für den Porsche, den Du so gut wie gar nicht mehr ausfahren kannst auf unseren Autobahnen. Mein Vater hat sich damals immer einen BMW gewünscht. 2 Mal hat er sich einen direkt vom Band geholt. Er hat die Vehikel genossen, doch auch den Wertverfall gesehen, der einfach gigantisch ist. Da muss eine alte Frau lange für stricken ...
Klar, solch ein Geschoss ist ein Traum ... doch er wird nicht zum Alptraum, wenn Du ihn Dir nicht erfüllen kannst. Er bleibt dann eben ein nicht verwirklichter Traum.
3. "Speckbauch weg machen lassen" ... echt jetzt? Die einfachste und schnellste Methode? Es gibt auch noch einen anderen Weg ... dafür brauchst Du kein Geld ...
4. Wieso wollen Eltern eigentlich immer etwas so Banales wie Materielles hinterlassen? Du hinterlässt doch schon etwas, was viel mehr aufwiegt. Du hinterlässt Werte, die Du Deinen Kindern vorgelebt hast und die sie zu einem großen Teil übernommen haben. Du hinterlässt Deine Liebe zu ihnen, die sie geprägt hat. Du hinterlässt Erinnerungen.
Ich habe meinem Vater schon früh gesagt, dass ich gar nichts erben möchte. Ich wünsche mir, dass er sich das erarbeitete Geld nimmt und es sich gut gehen lässt. Ich kann für mich selbst sorgen. Ich kann mir selbst Eigentum anschaffen, wenn ich es denn möchte. Ich kenne einige Personen, die die Nase ziemlich hoch halten, weil sie geerbtes Eigentum besitzen, selbst aber nichts auf die Kette bekommen haben ... hä???
Andererseits kenne ich aber auch viele Leute, die kein Eigentum besitzen und trotzdem glücklich sind.
Kleine Anekdote: Als ich noch Zeitungen ausgetragen habe in jungen Jahren, da fing mich schon mal eine Freundin meiner Oma ab. Sie war Rentnerin und man sah schon, dass sie nicht viel Geld hatte. Doch sie gab mir dann immer eine DM mit den Worten: "Hole Dir eine Schachtel Zigaretten dafür". Gut, die kosteten damals schon 4 DM je Schachtel, doch das war mir egal. Sie gab gerne von dem Wenigen, was sie hatte und es machte sie glücklich - was mich wieder freute.
5. "Falten" weg machen lassen? Jede Falte ist der Beweis, dass ich gelebt habe. Altern gehört zum Leben dazu. Außerdem weisst Du doch ... Frauen werden alt, Männer werden interessanter ... #duck und wegrenn´# ;) Schon in jungen Jahren bekam ich meine ersten grauen Haare. "Da gibt es so ein Schampoo ..." - "Ich würde die mir färben ..." - bekam ich zu hören. Ich ließ sie "natur" - weil die Haare nun mal zu mir gehören. Wenn ich meine Haare färben würde ... wenn ich die Falten wegoperieren ließe ... ich bliebe immer noch ich, der immer noch im gleichen Alter ist und weiter älter wird.
6. "Selbst eingebrockt" ... Lasse den Scheiss sein, Dich runter zu buttern. Mal rein logisch betrachtet: Es ist nun mal so, wie es ist! Und die Frage kann nur in die Zukunft gerichtet lauten: Wie geht es weiter? Deine Frage nach der Auszahlung des erstrittenen Geldes, verbunden mit den vorzulegenden Mitteln für den Prozess, incl. ungewissem Ausgang - ist Bestandteil davon.
Wirst Du Recht zugesprochen bekommen? Wirst Du das Geld erhalten? Wirst Du Kredite auslösen können, Dir und Deiner Familie wieder etwas leisten können?
Die Fragen sind bestimmt nicht unwichtig ... doch wichtiger sind doch die Fragen: Wie gehst Du mit jeder einzelnen Situation um?
Nehmen wir als Beispiel mal an, Du gewinnst den Prozess ... und dann geht es in die nächste Instanz. Da ist himmelhoch jauchzend und abgrundtief betrübt dicht beieinander.

Bespreche das alles mit Deiner Familie. Sie kennen Dich am Besten. Sie können Dir Auskunft darüber geben, was sie sich wünschen.

Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #13 am: 22 Juli 2021, 13:57:07 »
Hallo Alexander,
offensichtlich ist deine hier vorgetragene Meinung für dich die einzig richtige. Wenn du andere Denkmuster als "pseudopädagogisches Geseier" abtust, dann sitzt du auf einem zu hohen Ross.
Du definierst deine Wertigkeit über Geld, Porsche und Makellosigkeit. Das Selbstbewusstsein kannst du aber nicht kaufen. Das fehlt dir aber offensichtlich am meisten.
Das war mein Senf zum Brei...

Wolfgang
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

*

Offline Ilona

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    • Fachverband Glücksspielsucht e.V.
Re: Mein Tagebuch Frust
« Antwort #14 am: 22 Juli 2021, 14:43:12 »
Bis auf Ilona kennt ja niemand irgendwen der jemals von einem Casino Geld gesehen hat und das waren Vergleiche. Laut Aussage von meinem Anwalt gibt es eigentlich keine Vergleiche mehr.

Lieber Alexander,

wir kennen die Details deines Falles nicht. Dein Anwalt kann das viel besser einschätzen. In dieser Frage würde ich seinen Rat einholen. Er hat ja jetzt auch ein paar Prozesse gewonnen. Frag ihn doch mal, ob die Kohle fließt. An deiner Stelle würde ich ihm dann das Juristische überlassen und mich vorrangig um die Genesung kümmern.

LG Ilona
« Letzte Änderung: 22 Juli 2021, 14:53:07 von Ilona »
Juristische Beratung: Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen / Bielefeld http://www.kguk.de/
Ansprechpartnerinn: Dr. Iris Ober und Juliane Brauckmann  (Fachanwältinnen für Bankenrecht)  Terminanfragen: 0521-529930
Weitere Infos  hier: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3737.0

 

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