Unterstützen Sie unsere Arbeit Jetzt spenden!
Hallo Gast
ONLINEBERATUNG GLÜCKSSPIELSUCHT
Anonym und kompetent
» Deutsche Onlineberatung
» TÜRKÇE ONLINE DANIŞMA
HOTLINE-Glücksspielsucht NRW
Kostenfreie & anonyme Experten-Hotline:
Deutsch 0800 - 0776611
TÜRKÇE: 0800 - 3264762

Suche Tipps zum Aufhören

  • 3 Antworten
  • 454 Aufrufe
Suche Tipps zum Aufhören
« am: 17 September 2021, 18:49:02 »
Hallo,

ich hab letztes Jahr hier schonmal um Hilfe gebeten was das Thema Geld angeht und hab meine Zahlungsmittel alle eingeschränkt, sodass ich nicht mehr an mein Geld komme. Das hat auch gut geholfen und ich hab mich finanziell wieder erholt. Trotzdem hab ich festgestellt, dass wenn man mal Geld zur Verfügung hat dann doch oft nochmal Rückfällig wird und wieder ein Sportwetten Schein kauft. Bei einer Beratungsstelle der Diakonie war ich bereits. Das hat aber leider nix gebracht, um das ganze endgültig zu vergessen. Wie helft ihr euch in solchen Situationen?

Viele Grüße

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.621
Re: Suche Tipps zum Aufhören
« Antwort #1 am: 17 September 2021, 23:26:49 »
Hi!

Schön, dass Du Dich mal wieder meldest.

Zitat
Ich möchte jetzt eine ambulante Therapie machen, aber bis ich ein Termin bekomme dauert es noch einige Zeit.

Das hast Du am 01.02.20 geschrieben. Nun, wenn dieses Vorhaben ernst gemeint gewesen wäre, dann hättest Du die Therapie schon hinter Dir oder zumindest den größten Teil davon. Verstehe mich bitte nicht falsch, das war kein Vorwurf. Doch es zeigt auf, dass Du Zeit schindest - das ist leider übliche Praxis.

Wieso war das nichts bei der Beratungsstelle? Lag es wirklich am Berater oder lag es doch an Dir?

Zitat
Trotzdem hab ich festgestellt, dass wenn man mal Geld zur Verfügung hat dann doch oft nochmal Rückfällig wird und wieder ein Sportwetten Schein kauft.

Es klingt für mich selbst schon abgedroschen, doch es stimmt nun mal: Die Suchtausübung ist nur ein Symptom eines tiefer liegenden Defizites. Das geht nicht weg, wenn Du Deine Finanzkontrolle abgibst, das geht erst weg, wenn Du dieses oder diese Defizite angehst. Du hast im Grunde "nichts" gemacht und gehofft, das alles gut wird, wenn Du nur Dein Suchtmittel nicht zur Verfügung hast. Doch so funktioniert das nun mal nicht.
Gehe bitte wieder zur Suchtberatung. Gebe Dir dort selbst eine Chance. Warte nicht darauf, dass man Dir sagt, was zu tun ist, sondern suche selbst nach dem, was eben die Ersatzfunktion in Dir belegt hat.
Traue Dich ruhig. Die Leute dort können Dir nur insoweit helfen, wie Du Dir helfen lassen möchtest.

Die Abgabe der Finanzkontrolle ist nur ein Werkzeug, zudem sollte es eben auch nur so lange befristet sein, bis Du gefestigt genug bist, sie wieder zu übernehmen. Dieses Werkzeug, auch andere, geben Dir die Chance an Dir zu arbeiten.
Du hast Dich doch wieder gemeldet. Du bist mit der derzeitigen Situation immer noch nicht zufrieden. Also ... ändere es!
Du bist der Einzige, der das kann und dabei ist es vollkommen legitim sich helfen zu lassen.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Suche Tipps zum Aufhören
« Antwort #2 am: 23 September 2021, 00:50:39 »
Das Einschränken der Zahlungsfähigkeit ist nicht die Therapie, sondern ein Sicherheitsanker den man präventiv auswerfen kann, um sich kurz- bzw mittelfristig vor weiteren (spontanen situationsbedingten) unüberlegten Spielabsichten zu schützen.

Die Ursache liegt ja nicht in der Verfügbarkeit deines Geldes, sondern die Situation, die dich überhaupt jemals in diese Spieler Aktivität gebracht hat.

Bei mir war es, um mal persönliches zu berichten, die Kompensation der Leere nach der Trennung meiner langjährigen Partnerschaft. Man sucht natürlich Lösungen und Alternativen, um seinen gewohnten Alltag auf einmal alleine gestalten zu können und alles (zumindest kurzfristig) Negative ausblenden zu können. Aktivitäten die natürlich auch Glückshormone erzeugen, am besten jene, in der man die Zeit nicht mehr wahrnimmt. Als wäre man so in seiner eigenen "Happyness Blase". Das hat mich damals in diese Situation gebracht, als ich nach der Autobahnabfahrt aus spontaner Planlosigkeit meiner Zeit nach der Arbeit mal so unvoreingenommen an einem Autohof gehalten habe und ein Spielcasino betreten habe.

Kurz vor Mitternacht verließ ich gut gelaunt das Casino. Taschen voll mit Geld, die Leere nach der Trennung war zeitlich mehr als nur getilgt und ab dem Zeitpunkt war das meine ultima ratio Freizeitbeschäftigung. Mit entsprechenden finanziellen und vor allem sozialen Folgen.

Erst als ich den Denkfehler erkannte, meine Handlungen und dessen finanziell- bzw noch wichtiger, sozialen Entwicklungen reflektiert habe, hat sich in meinem Denkmuster endlich was bewegt.

Mit dem Wissen von Heute hätte ich lieber diese Erkenntnis als Erstes gehabt, bevor ich diese juristisch aufwendigen Verfahren geführt hätte. Denn am Ende habe ich alles an Schadensersatz wieder genau in die gleiche Tonne geworfen, aus der ich sie zuvor zivilrechtlich zurück erstritten hatte.

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.621
Re: Suche Tipps zum Aufhören
« Antwort #3 am: 23 September 2021, 06:33:01 »
Hi Sorrow!

Dennis spricht hier einen wichtigen Punkt am Rande an: Es braucht eine Erkenntnis - eine grundlegende Abstinenzentscheidung.
Doch leider kommt sie nicht als gebratene Taube in den Mund geflogen. Es braucht entweder die Bereitschaft sich auszutauschen - oder aber viel erfahrenes Leid. Dieses Leid tun wir uns selber an.
Ich bin wie Du, zwar nicht zur Beratungsstelle, sondern in eine SHG gegangen. Ach, was konnte ich doch schön sagen: Ich mache doch was ... und dann bin ich teilweise anschließend in die Halle oder bin sogar stattdessen dorthin.
Bei mir hat es dann noch geschlagene 6 Jahre gebraucht um zu erkennen, dass das Spielen den Hass, die Wut, die Scham und vieles weitere mehr gar nicht aufwiegt. Ein letztes Mal floss mein gerade erhaltenes Gehalt innerhalb eines Tages in die Automaten.
Dann hatte ich genug. Es war mir egal ob ich Suchtdruck verspüren werde. Es war mir schnuppe, dass mir etwas fehlen könnte.
Die Angst vor dem Aufhören war weg. Die Ambivalenz, die vorher immer Richtung Glücksspiel ausschlug, wurde schwächer und schwächer. Die Motivation weiter spielfrei zu bleiben stieg mit dem Erfolg.
Letztlich habe ich den Punkt des Aufhörens immer nur vor mir her geschoben. Heute bedaure ich das, denn ich habe dadurch viel Zeit und Geld verloren. Dabei ist die Zeit das wichtigere Kriterium, denn ist sie einmal verstrichen, dann kommt sie nie wieder.

Was hier vielleicht auch von Dennis noch ergänzt werden mag: Wie sieht denn die Perspektive aus, wenn ich meine Erkenntnis habe und dadurch auch spielfrei sein kann?
Rein finanziell bin ich nun gut aufgestellt. Ich habe mir ein Häuschen gebaut. Noch ca. 5 Jahre und es ist abbezahlt.
Früher habe ich mich eingeschränkt, um mein Suchtmittel einzusetzen. Heute schränke ich mich ein, um mit mein Häuschen so zu gestalten, wie ich es für richtig halte. Es ist mein Ruhepol - mein sicherer Ort, in dem ich mich wohl fühle.
Mein Selbstvertrauen ist gestiegen. Meine einstige Jagt nach Anerkennung ist verpufft. Mein Gefühlschaos von damals, als ich nur die Extreme gesucht habe, hat sich auf ein normales Niveaux begeben. Dadurch kann ich auch die kleinen Dinge genießen und davon zehren. Hier und da nehme ich Dinge noch extrem persönlich. Da kommt dann noch mal die alte o.g. Jagt zum Vorschein.
Bevor ich aber handele, rede ich. Und so arbeite ich daran das Richtige zu tun. Vielleicht geht diese Schwachstelle in mir niemals weg - es ist mir egal. Ich arbeite aber ja daran.
Es gibt keine Selbstzerfleischung mehr. Auch wenn das Schicksal - oder nennt es Leben, es mal nicht so gut meint mit mir, gab es seit meiner Abstinenzentscheidung nicht ein einziges Mal auch nur den Hauch eines Gedankens wieder zu spielen.
Klar lockt der süchtige Teil in mir immer wieder mal und zeigt mir vor meinem geistigen Auge nostalgische Bilder. Die Absurdität ist mir aber bewusst und meiner damaligen Erkenntnis sind noch ein paar weitere hinzu gekommen. Mein Bollwerk steht.
Kurzum ... mir geht es phantastisch ... naja, bis auf einen Zahn, der sich gerade bemerkbar macht ... Mist ... ich muss zum Zahnarzt.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

 

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums