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Weitere Hürden aufbauen?

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Weitere Hürden aufbauen?
« am: 14 Oktober 2021, 21:45:01 »
Hey zusammen!

Mein Name ist Lukas, ich bin 24 Jahre jung und seit 4 Jahren spielsüchtig. Gespielt habe ich mit Kryptowährungen in OCs. Ich schreibe hier meine Gedanken nieder, weil es mir gerade absolut nicht gut geht. Ich bin bereits in Therapie, seit Mai. Hatte aber im September einen Rückfall und vor ein paar Stündchen schon wieder. Ich habe momentan einfach das Gefühl, als würde es eher rückwärts anstatt vorwärts gehen. Momentan ist auch echt viel in meinem Leben los - meinem Opa geht es absolut nicht gut, meine Freundin hat sich nach einem Jahr und acht Monaten von mir getrennt und sonst hab ich auch das Gefühl, relativ einsam zu sein. Ich konnte mir den letzten Rückfall relativ gut erklären, habe diesen auch direkt angesprochen und es jedem (den es zu interessieren hat) mitgeteilt. Bei diesem Rückfall mache ich mir jedoch ein wenig Sorgen, da ich keine Ahnung habe, wie und vor allem warum er sich aufgebaut haben könnte. Dennoch habe ich es auch wieder sofort meiner Therapeutin mitgeteilt und werde es in der Gruppentherapie auch ansprechen. Gerade denke ich aber, ich sei relativ hilflos. Die kurze verstrichene Zeit zwischen den Rückfällen drückt umso mehr auf das Gemüt. Dazu muss man vielleicht sagen, dass meine Ex-Partnerin meine Finanzen verwaltete, sie mir diese aber wieder übertrug. Ich wollte diese schnellstmöglich an eine meine Mutter weitergeben. Ich habe das Konto deswegen sperren lassen. Es gab dabei jedoch eine "Visa-Debit-Karte", von der ich dachte, sie benötige einen Pin und sei während der Sperre ebenfalls gesperrt. Das war nicht der Fall, weswegen ich mit dieser spielte - das sogenannte Schlupfloch also. Ich hatte die Bedenken seitens des neuen Rückfalls diese Woche bereits in der Gruppe angesprochen und wir haben meinen Plan abgesegnet. Gerade deswegen ist die Scham um ein Vielfaches größer, es vor versammelter Gruppe einzugestehen. Dazu muss ich sagen, dass ich es anscheinend nicht hinbekomme, jemanden anzurufen oder mich abzulenken und somit aus der Situation zu treten. Ich denke gerade deshalb wäre es besser, mir weitere Hürden aufzubauen. Hättet ihr da ein paar Ideen? :)
One day at a time.

*

Offline Olli

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Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #1 am: 15 Oktober 2021, 06:44:02 »
Hi Lukas!

Zitat
Ich finde es hat tatsächlich sehr viel mit der Perspektive zu tun. Ein Rückfall mag natürlich erst einmal erschüttern. Allerdings nehme ich, wie von Olaf schon angetragen, das Ganze eher als ein Feedback oder auch Chance wahr. Eines, welches wachrütteln und auf die richtige Bahn zurückschieben soll. Wenn es zu einem Rückfall kommt, hat man sich zwar nicht genügend mit sich beschäftigt. Es eröffnet einem aber auch die Klarheit, genau das zu machen. Man könnte es fast wie eine Rüge der eigenen Person betrachten.

Das waren einst Deine Worte. Was denkst Du jetzt darüber?
Du machst und tust, hast vor Dir Hürden einzubauen - und doch kommt es zu zwei Rückfällen. Du lieferst auch direkt "Gründe" dafür ... oder sind es nicht doch Ausreden?
Was werden Dir also weitere Hürden (z.B. Sperre in OASIS) bringen, wenn Du die Ausreden nicht ablegst? Wenn Du Dir doch immer wieder erlaubst rückfällig zu werden?
Ist das nicht des Pudels Kern?

Wie hast Du Dich gefühlt, als Du zuletzt spieltest? Als Du Deinen vorbereiteten Plan in die Tat umgesetzt hast? Wie war es direkt danach? Und wie ist es jetzt?

Hat das Spielen irgend etwas an Deinen negativen Gefühlen Deiner Gründe geändert?

Viele haben ja das Vorurteil, dass wir Spieler willensschwach wären. Dem ist bei Weitem nicht so. Doch wir nutzen unseren Willen zum Spielen! Was könnte es also für Dich geben, was Deinen Willen kanalisiert auf die Abstinenz?

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #2 am: 15 Oktober 2021, 12:20:47 »
Hi Olli!
Danke Dir erst einmal für die schnelle Antwort. :)

Ich denke noch genauso, wie ich es damals geschrieben habe. Ich möchte auf keinen Fall Entschuldigungen oder Ausreden für die zwei Rückfälle ergründen.
Vielmehr möchte ich daraus lernen - weshalb es für mich wichtig ist, wie es zu Rückfällen kam.
Natürlich arbeite ich daran bereits in der Therapie, aber außerhalb der Therapie gilt es ja, das Ganze umzusetzen.

Mit dem Plan war eigentlich die spielfreie Übergabe des Kontos gemeint, nicht das geplante Spielen. Aber wie wir wissen, sind Rückfälle immer geplant, meist sogar unterbewusst.
Wie es mir während des Spielens ging? Furchtbar, ich habe mir von der ersten Sekunde an Vorwürfe gemacht. Das Spielen nutze ich zur Flucht, wenn ich in unangenehmen Situationen stecke. Natürlich war das Spielen zu der Zeit im Vordergrund, weswegen ich dahingehend die eigentliche Situation "beiseite" schieben konnte.
Nach dem Spielen überkam mich eine Welle der Scham, welche ich aber schnell wieder ablegen konnte. Gleich danach habe ich es meiner Therapeutin geschrieben.
In diesem Zeitpunkt habe ich das Geld als Lehrgeld verbucht und versuche nicht an dem finanziellen Aspekt zu denken, sondern vielmehr an den Genesungsweg. Ich habe einen Motivations-boost und mir geht es komischerweise nicht schlecht. Ich weiß nur nicht, was ich davon halten soll.

Und natürlich ändert das Spielen nichts an meiner blöden Situation, denn am Ende kommt diese um ein Vielfaches konzentriert zurück.

Ich habe wirklich das Gefühl, als machte ich nicht genug für meine Genesung. Ich habe die Abstinenzentscheidung getroffen, bekomme aber immer öfter das Gefühl, als würde ich mir etwas vormachen. Ich sollte meine Willensstärke verwenden, um mein Studium abzuschließen und im Leben voranzukommen, entsprechend meiner Werte und Ziele.

Edit: Mir geht es nun doch schlecht. Ich fühl mich ein wenig verloren und hilflos, wahrscheinlich wegen der Schuldgefühle. Das wird wohl wieder ein bisschen Zeit benötigen, bis ich wieder bessere Laune hab.
« Letzte Änderung: 15 Oktober 2021, 14:57:28 von Determination »
One day at a time.

Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #3 am: 16 Oktober 2021, 17:47:48 »
Zitat
Und natürlich ändert das Spielen nichts an meiner blöden Situation, denn am Ende kommt diese um ein Vielfaches konzentriert zurück.

Hallo Lukas,

dieser Satz trifft genau auf Spieler zu,die vor was flüchten.  Ein paar Minuten, Stunden hilft es vielleicht, lenkt wunderbar ab und dann kommt es Knüppeldick zurück.

Die größte und beste Hürde ist der OASIS Sperrvertrag. Zusätzlich noch Sperrsoftware auf PC ,Laptop und Handy.
Danach wirst du wieder zur Ruhe kommen. Du kannst dich weiterhin auf deine Therapie ,dein Studium konzentrieren und das Leben kommt nach und nach alleine zurück.
Innerer Frieden,Genesung,mehr Geld für Unternehmungen, mit Freunden unterwegs sein,neue Frauen kennenlernen......kein Druck ,einfach Spaß am Leben haben.

Ich hoffe,deinem Opa geht es was besser und du wirst noch ein paar schöne Jahre mit ihm verbringen können.
Ich hatte leider schon mit 8 Jahren keine Großeltern mehr. Genieß jede Minute mit ihm. Fahr ihn oft besuchen.

LG Wolke

 

Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #4 am: 16 Oktober 2021, 18:58:00 »
Hi Wolke!

Gamban hab ich auf allen meinen Geräten installiert, Handy sowie PC. Zusätzlich hab ich meine Passwörter erst einmal abgegeben. OASIS bringt mir leider relativ wenig, da ich noch nie in einem regulierten Casino angemeldet war und ich auch kein Automaten- oder Sportwettenspieler bin. Meine Intention dahinter ist nicht, mir das Spielen unmöglich zu machen, sondern einfach wieder ein bisschen mehr Abstand zu gewinnen. Dabei aber ganz gezielt zu erlernen, mit bescheidenen Situationen umzugehen und diese auch auszuhalten.

"Ein paar Minuten, Stunden hilft es vielleicht, lenkt wunderbar ab und dann kommt es Knüppeldick zurück."

Du sprichst mir aus der Seele. Der Donnerstag war dann natürlich komplett gelaufen. Auch der Freitag ließ mich ein wenig ratlos zurück. Ich habe dann bestmöglich versucht, ein bisschen produktiv zu sein - Stundenplan organisieren, Ordner anlegen und sogar die Literatur zusammenzusuchen. Ein anderer Punkt der mir sehr schwer fällt, ist zu akzeptieren, dass das Ganze Zeit braucht. Ich bin der Sucht ganze 4 Jahre nachgegangen - habe aber die Erwartungshaltung, das Ganze in einem halben Jahr glattzubügeln.

"Ich hoffe,deinem Opa geht es was besser und du wirst noch ein paar schöne Jahre mit ihm verbringen können."

Das ist lieb. Ich war ihn heute im Krankenhaus besuchen! Aber es ist jetzt ziemlich sicher, dass er keine Jahre mehr hat. Und schon bin ich wieder in einer Situation, in der es ums Aushalten geht. Solchen Situationen entkommt man aber im Leben nicht, sie können jederzeit auftreten.

Ich hab noch einiges an Arbeit vor mir, los geht's!

Edit: Ich habe noch nicht so rausbekommen, wie man zitiert. Sorry.
« Letzte Änderung: 16 Oktober 2021, 18:59:31 von Determination »
One day at a time.

Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #5 am: 16 Oktober 2021, 20:25:43 »
Hey,

über den Smileys ist eine Sprechblase,da drauf tippen und in die Mitte den kopierten Text setzen......ich schreibe mit dem Handy,weiß nicht ,ob das Bild am PC anders aussieht......

Ich habe den OASIS Sperrantrag auch noch nicht ausgefüllt......der Gedanke daran,löste in mir starken Suchtdruck aus. Ich möchte nie wieder spielen,also warum den Antrag nicht ausfüllen?! Er liegt in der Schublade,sehr ihn öfters und ich fülle ihn hoffentlich auch noch aus.

Den Tod von geliebten Menschen können wir leider nicht verhindern. Aber wir können mit ihnen viel Zeit verbringen, Spaß haben, schöne Dinge unternehmen, gute Gespräche führen . Unsere Zeit mit anderen zu teilen,ihnen unsere Zeit schenken, ist das wertvollste, was wir geben können. Wir sollten sie mit geliebten Menschen verbringen, mit der Familie ,mit Freunden und nicht dem Zocken.

Man kann Suchtdruck Situationen nicht immer tatenlos aushalten......ich habe anfangs viele Skills einsetzen müssen. Sowas hast du in deiner Therapie und in der Gruppe ja bestimmt auch schon gelernt. Welche einem am Besten helfen,muss  man durchprobieren.

LG Wolke

*

Offline Olli

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Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #6 am: 17 Oktober 2021, 07:45:40 »
Guten Morgen!

Zitat
Ich bin der Sucht ganze 4 Jahre nachgegangen - habe aber die Erwartungshaltung, das Ganze in einem halben Jahr glattzubügeln.

Zitat
Ich habe wirklich das Gefühl, als machte ich nicht genug für meine Genesung.

Ungeduld hilft nur der Sucht.

Wenn ich auf Deine Antworten schaue, dann bist Du schon ein schlaues Kerlchen ... :) Es ist aber das Eine etwas zu wissen und das Andere es auch umzusetzen. Das braucht nun mal seine Zeit.
Ich behaupte mal, dass Du zwar die 4 Jahre Suchtausübung hattest, die psychologischen Gründe aber weiter zurück gehen.
Deshalb sei geduldig mit Dir. Das wird schon ...

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #7 am: 17 Oktober 2021, 18:00:53 »
Heyo zusammen!

Zitat
über den Smileys ist eine Sprechblase,da drauf tippen und in die Mitte den kopierten Text setzen

Wow, ich kann's jetzt, danke! :)

Zitat
Aber wir können mit ihnen viel Zeit verbringen, Spaß haben, schöne Dinge unternehmen, gute Gespräche führen . Unsere Zeit mit anderen zu teilen,ihnen unsere Zeit schenken, ist das wertvollste, was wir geben können. Wir sollten sie mit geliebten Menschen verbringen, mit der Familie ,mit Freunden und nicht dem Zocken.

Das sehe ich auch so. Nur ist meine Familie ein wenig eigen - jeder hat so seine Problemchen. Gerade meine Oma hat ziemliche Probleme damit, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Selbst wenn es meinem Opa verdammt schlecht geht, hat sie Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass es gerade mal nicht um sie geht. Das machte mir am Anfang ziemlich zu schaffen, gerade weil ich mir vorstellte wie es meinem Opa damit ging. Aber da habe ich gelernt, dass ich mich dort abgrenzen muss. Seitdem versuche ich für MICH mit ihm Zeit zu verbringen, ganz gleich, was meine Oma da für Anstalten macht. :)

Zitat
Man kann Suchtdruck Situationen nicht immer tatenlos aushalten......ich habe anfangs viele Skills einsetzen müssen.

Diese Skills habe ich bis dato nur teils erlernt. Zum Einen versuche ich nicht, gegen die Suchtgedanken anzukämpfen. Ich akzeptiere sie, lasse mich jedoch nicht auf eine Diskussion mit ihnen ein. Meine aktiven Skills habe ich aber noch nicht gefunden. Es gibt ja die kalte Dusche oder den Spaziergang. Letzteres könnte ich mir besser vorstellen, denn ich bin ein kleiner Warmduscher. (So nannte mich mein Opa immer)  ;D



Zitat
Ungeduld hilft nur der Sucht.

Das ist definitiv etwas Erlerntes. Die Ursprünge konnte ich leider noch nicht ergründen.

Zitat
Ich behaupte mal, dass Du zwar die 4 Jahre Suchtausübung hattest, die psychologischen Gründe aber weiter zurück gehen.

Da liegst Du sehr richtig! Das Glücksspiel als solches war nicht meine "Einstiegsdroge" - es war das Videospielen, das bei mir ab 13 problematisch wurde. Das unterliegende Problem ist mein Selbstbewusstsein. Es wurmt mich zutiefst, dass ich nicht offen auf Menschen zugehen kann und mit ihnen etwas unternehmen kann. Aufgrund dessen hatte ich auch nie Freunde, außer eben die altbekannten Zockerfreunde, welche aber auch allesamt dem Spielen verfallen waren/sind. Daran gilt es zu arbeiten! Fortschritte konnte ich aber schon einige machen. Ich weiß nicht, ob das vielen so geht - aber ich schaue oftmals auf die Arbeit die noch vor mir liegt, als auf das, was ich bereits erreicht habe. ;) Daran darf ich auch noch arbeiten. :D

Der heutige Tag war suchtmittelfrei, ich darf die Gruppe morgen über meinen Rückfall unterrichten. Mir wird man nicht den Kopf abreißen, aber ein paar verbale Schellen geben. Ich habe aber keineswegs Angst davor. Eher bin ich motiviert, aus der Gruppe morgen etwas mitzunehmen. :)
One day at a time.

Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #8 am: 19 Oktober 2021, 09:52:43 »
Hello!

Gestern habe ich meinen Rückfall in der Gruppe thematisiert. Die Quintessenz des Ganzen war, dass ich mir zwar Hürden aufbaue, aber SELBST nicht genug dafür mache. Ich nehme zwar aktiv an den Einzel- und Gruppensitzungen teil. Auch Hürden kann ich mir unendlich viele aufbauen. Nur helfen diese nicht, wenn ich die Abstinenzentscheidung nicht verinnerlicht habe. Auch habe ich für mich noch einmal begriffen, dass ich mich Situationen aussetzen darf (teilweise auch muss), die nicht so einfach sind.

Zudem habe ich Probleme mit der Trennung umzugehen. Dabei ist diese nicht im Wesentlichen gemeint, sondern eher möchte ich meinen Stellenwert bei meiner Ex-Partnerin erfahren. Dass wir innerhalb der Beziehung nie etwas geklärt haben, eine Klärung der Trennung deshalb quasi ausgeschlossen ist, hatte ich bis gestern gar nicht auf dem Schirm. Ich wollte diese Woche mein Fahrrad bei ihr abholen, werde das aber lieber vertagen, bis ich gelernt habe, für mich damit abzuschließen.

Es soll aber nicht nur beim Negativen bleiben. Ich habe auch schon viele Fortschritte feststellen können. Ich hatte anfangs wirklich ein Riesenproblem innerhalb der Gruppe zu sprechen - zittrige Stimme, verhaspeln und ohne jeglichen roten Faden zu erzählen gehörten dabei immer dazu. Inzwischen konnte ich mich gestern gewählt und organisiert ausdrücken, fernab vom Verhaspeln und einer leisen Stimme. Das Problem bestand schon in den Gruppenarbeiten in der Schulzeit. Ich habe für mich damals aber immer entschieden, mich dieser Herausforderung nicht zu stellen. Das zeigt mir, dass ich diese Probleme bewältigen kann - Die Gruppe macht mir inzwischen richtig Spaß. Ich habe keine Bauchschmerzen mehr - und schon gar keine Angst mehr davor.

Für mich gilt es nunmehr, die Abstinenzentscheidung zu leben: "Ich spiele nicht mehr." Kein: "ich probiere, ich versuche, ich glaube". Oder wie Olli es ausdrücken würde: "Ich erlaube mir, heute nicht zu spielen." Es ist ein einfacher Satz, ohne irgendwelche Interpretationsmöglichkeiten. Wichtig für mich ist es dabei, es nicht wie eine Pflicht zu verstehen, sondern eher wie eine Befreiung - ein Privileg.

Ich habe angefangen ein Tagebuch zu führen, in dem ich meine Tage rekapituliere. Ganz offen gesagt, habe ich dieses Tagebuch schon mehrmals angefangen, aber nach Tag X wieder eingestellt. Das lag aber daran, dass ich besagte Abstinenzentscheidung nur sporadisch verfolgte. Als ich meine früheren Einträge las, habe ich mich ein wenig für mein früheres Ich geschämt. Passagen wie: "Du musst nur aufhören zu spielen, dann kommt das Geld von allein." waren fernab von den unterliegenden Problemen. Das zeigt mir aber zunehmend, dass es in der Sichtweise große Veränderungen gab. Unter anderem habe ich nach Einträgen nicht etwa eine Abstinenz, sondern eher eine Pause angestrebt.

Die festgestellten Veränderungen bieten mir gerade eine große Menge an Kraft - sie motivieren mich zusätzlich. :)
One day at a time.

*

Offline Olli

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Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #9 am: 19 Oktober 2021, 12:51:17 »
Hallihallo!

Du hast da eine echt super Gruppe! :)

Zitat
Wichtig für mich ist es dabei, es nicht wie eine Pflicht zu verstehen, sondern eher wie eine Befreiung - ein Privileg.

Absolut richtig!

Da macht die Entdeckungsreise ins Ich doch mal so richtig Spaß ... oder nicht?
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #10 am: 22 Oktober 2021, 12:21:56 »
Hey Hey!

Ja, meine Gruppe ist echt super!

Ich melde mich nach einigen Tagen mal wieder. Momentan hab ich echt viel zu tun, Suchtdruck hab ich keinen. Ich entrümpel  gerade mein Zimmer, überlege auch umzuziehen. Meine Wohnsituation hat mich zwar schon seit Anbeginn der Studienzeit gestört. Ich konnte diese jedoch mit meiner Suchtausübung weit beiseite schieben. Ich merke aber zunehmend, dass ich mich in meinem zu Hause einfach nicht wohlfühle. Ich führe weiterhin mein Tagebuch und werde mich weiterhin sozialisieren. Gerade letztgenanntes ist etwas, was mir seit der Schulzeit ziemlich schwerfällt, folglich auch bedrückt.

Bestimmt 70% der Klamotten sind rausgeflogen, da ich sie ewig nicht mehr anhatte. Es war ein komisches Gefühl. Es kamen Gedanken auf wie: "Aber was, wenn ich diese Sachen noch einmal tragen möchte?" Gedanken diesbezüglich habe ich schnell wieder in den Griff bekommen können. Das ist aber notwendig, um mir mehr Platz in meinem Zimmer zu schaffen und vielleicht sogar den Umzug vorzubereiten. Angestrebt ist eine WG mit einer besseren Lage zur Innenstadt, da mir sehr viel Zeit flöten geht, jeden Tag dahinzufahren.

Unter anderem habe ich angefangen meine Suchtgedanken zu personifizieren. Es fällt mir umso leichter, sie mir damit vorzustellen und sie auch im Sinne der Abstinenzentscheidung zu behandeln. Das Aussehen ist dabei solch eine komische Zusammensetzung, dass ich fast immer grinsen muss. 

Es geht vorwärts! :)
One day at a time.

Re: Weitere Hürden aufbauen?
« Antwort #11 am: Gestern um 22:40:43 »
Hey zusammen!

Ich bin weiterhin spielfrei, Spieldruck verspüre ich keinen. Wie auch in der letzten Woche, habe ich sehr viel auf dem Plan stehen. Die Uni fängt nun endlich wieder an und es gibt allerlei zu tun.

Dazu habe ich nun den Entschluss gefasst, tatsächlich umzuziehen. Momentan bin ich auf Wohnungssuche, es verspricht spannend zu werden. Mein Tagebuch führe ich weiterhin brav.
Ansonsten gibt es nichts zu berichten. :)

One day at a time.

 

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