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Es reicht dann auch mal

  • 8 Antworten
  • 501 Aufrufe
Es reicht dann auch mal
« am: 27 Oktober 2021, 19:53:50 »
Tag 0 - Eine Bilanz

Vielleicht hilft es mir, wenn ich meine Gedanken hier aufschreibe. Und einfach versuche Tag für Tag mich zum Besseren zu ändern.
Eine Bilanz.
Ich habe gerade mal genau geschaut, was ich verspielt habe seit dem 19.10., denn da hatte ich einen krassen Rückfall. Davor habe ich seit Mai nicht mehr in OCs gespielt.
Insgesamt habe ich 2.991,88 EUR in 55 Einzahlungen verspielt. Das Geld habe ich über Paysafecards gekauft.
Ich habe in meinem ersten Post von 2,5k geredet, aber tatsächlich waren es ganze 2.991,88 EUR. Soweit bin ich schon, dass ich 491,88 EUR mal eben unterschlage, als wäre das nichts. Ich habe noch nie so viel Geld verspielt und werde es hoffentlich auch nie mehr tun.
 
Jetzt diese Zahl zu lesen tut weh, das muss ich erstmal verdauen.

Scham und Ärger wirren in meinem Kopf, mein Kontoauszug, reine Katastrophe.
Das Geld hatte ich auf dem Konto und es hat mir nicht gereicht. Ich hätte kein weiteres Geld benötigt, also habe ich nur um den Spielen Willens gespielt.
Ich werde mich in den nächsten Tagen und Wochen mit dem Warum auseinander setzen.
Denn ehrlich, zwar habe ich in den letzten Monaten nicht in OCs gespielt, dafür aber fast wöchentlich Lotto und Bingo, nur da es sich hier um kleinere Beträge handelt, spiele ich die gerne herunter. Bis auf ein Lotterie Los für 10 EUR im Monat, welches ich nur mit Aufwand kündigen kann, möchte ich die nächsten 30 Tage kein Geld mehr verspielen. Mein erstes Ziel. Eine Baustelle nach der anderen.

So ein Scheiss aber auch... hätte, hätte, hätte ich mal

Obwohl ich 1.900,00€ bereits als Auszahlung angefordert hatte, habe ich dieses Geld verspielt, in weniger als drei Stunden!
Und dann habe ich tatsächlich noch Geld wieder eingezahlt, weil ich dachte, das kann ich wieder erreichen...
... weil das Aufhören dafür Sorgen würde, dass mein Verlust Realität wird. Solange noch ein Euro zum Drehen über bleibt, bleibt diese illusionäre Hoffnung auf den bekannten Big Win. Ein komischer Zeitgenosse, der sich so vertraut anfühlt, aber nie kommt. Es gibt ihn nämlich nicht, denn im Spiel gibt es kein Genug.

Hart aufgeschlagen, in der Realität angekommen. So ein Mist! So ein mistiger Mist!! Verdammte Kacke nochmal!

Morgen wird definitiv besser!

Re: Es reicht dann auch mal
« Antwort #1 am: 28 Oktober 2021, 19:58:32 »
Tag 1

Ich habe heute nicht gespielt. Es fühlt sich nicht besonders an, da ich auch schon früher wochenlange Abstinenz durchgestanden habe.
Das ganze Nachdenken hat mich echt geschafft. Dabei habe ich heute deutlich mehr erledigt, als die Tage zuvor. Angefangen vom Hausputz bis Spazieren gehen. Immer wieder Frage ich mich, ob ich wirklich spielsüchtig bin oder nur einen dummen Fehler begangen habe. Gefährlich, das als einfaches Lehrgeld abzutun. Deswegen schreibe ich erstmal hier, um mich aktiv damit auseinander zu setzen.
Was habe ich getan?
Mein Paysafecard Konto gesperrt und auch mein Lottokonto. Mein PayPal-Konto, das ich seit 2014 habe und damals nur wegen OC Einzahlungen eröffnet hatte, wie mir gerade einfällt, werde ich auch erledigen. Aktuell werden noch zwei Zahlungen verarbeitet.
Meine OC Accounts habe ich bereits gestern geschlossen. Ich habe mich quer durchs Forum gelesen. Ich bin immer noch angepisst und muss aufpassen, meine Wut nicht an meinen Freund wegen Nichtigkeiten auszulassen. Ich habe mir die App Scoobe geholt, eine App zum Bücher lesen und schaue Mal ob ich nützliches Input finde.

Re: Es reicht dann auch mal
« Antwort #2 am: 29 Oktober 2021, 08:15:25 »
Tag 2

08.10 Uhr
Ja, ich bin spielsüchtig. Ansonsten würde ich jetzt nicht darüber nachdenken nochmal 50 EUR einzuzahlen. Ich habe heute morgen bemerkt, dass ich mich um 100 EUR verrechnet habe und weniger eingezahlt habe.
Komm schon, du könntest alles wieder wett machen, sagt mir die innere Stimme. Nur ein paar Klicks, neues Konto etc., tut doch nicht weh.
Oh, man, doch tut es.
Gute 24 Stunden? Habe ich hier im Forum jetzt schon öfters gelesen und der Zeitraum gefällt mir. Erscheint machbar.
Ich glaube, dass ist ein Problem, wenn man noch in einem Stadium ist, in dem alles machbar erscheint.


Re: Es reicht dann auch mal
« Antwort #3 am: 29 Oktober 2021, 08:27:13 »
Es fühlt sich nicht besonders an, da ich auch schon früher wochenlange Abstinenz durchgestanden habe.

Ich habe damals einen Kalender mir in den Flur gehängt...und habe für jeden Tag, den ich nicht gespielt habe, ein Herzchen hinter den Tag gemalt. Dann wenn ich immer an dem Kalender vorbei gelaufen bin, habe ich das Ding voll gefeiert.
Mich hat das immer gepusht, die Herzchen zu sehen, die immer mehr wurden. Ich habe mich selbst gefeiert... Man kann in Allem was man tut etwas Negatives bzw Gleichgültiges sehen, oder eben halt auch was Positives.
Ich habe quasi mein Gehirn positiv trainiert. Und es hat Spaß gemacht.

Ach und ne App und Buchempfehlung hätte ich da auch noch. Kostet nix.

 Sirus - Der Spielverderber
https://www.readfy.com/de/ebooks/310756/
Kostenlos bei readfy

Re: Es reicht dann auch mal
« Antwort #4 am: 29 Oktober 2021, 19:44:30 »
Tag 2
Danke für den Buchtipp. Die ersten 60 Seiten habe ich gelesen, Mal schauen, was ich daraus nehmen kann.
Ich habe mir heute ein Notizbuch gekauft, um meine Gedanken und Erkenntnisse aufzuschreiben.
Ich habe heute nicht gespielt, obwohl mein Geld gekommen ist. Nicht weil ich einen eisernen Willen hatte, sondern weil ich schlicht weg durch die Sperrungen von gestern nicht konnte. Habe mich neu in zwei OCs angemeldet, versucht mein Paysafekonto neu einzurichten, ging nicht. Keine Einzahlung möglich. Konten wieder gesperrt. Was für ein auf und ab.
Der Verlust lässt mich nicht los. Ich möchte ihn wieder gut machen, es ungeschehen machen. Gut, dass der Tag jetzt bald vorbei ist.

*

Offline Olli

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Re: Es reicht dann auch mal
« Antwort #5 am: 30 Oktober 2021, 06:21:36 »
Gestern hatten wir wieder eine Sitzung mit Jörg zur Raucherentwöhnung. Wieso habe ich eigentlich geraucht? Nun, es gab mehrere Gründe. Z.B. herrschte durchaus so eine Art Gruppendynamik damals. Dann war es eine Form der Rebellion, wenigstens am Anfang.
Das Rauchen gab mir aber immer ein Gefühl der Freiheit.
Als dieser Punkt gestern angesprochen wurde, da fiel mit auf, dass sich dieses Gefühl nun wandelt - in die Freiheit nicht rauchen zu müssen. Doch wenn ich auf der einen Seite von Freiheit rede, dann gibt es dazu auch einen Gegenpart - hier nämlich Zwänge.
Ich hatte immer genug zu rauchen zu Hause. Wenn nicht, dann habe ich mich an der Tankstelle eingedeckt. Überall habe ich Feuerzeuge deponiert. In der Küche, im Schlafzimmer, im Büro, im Auto ... Da es zu jeder gekauften Stange ein Feuerzeug "umsonst" gab, habe ich bestimmt noch um die 100 in einer Schublade hier. Werde sie gleich mal entsorgen ...
Doch die Zwänge gehen ja weiter ... wenn ich mich wie jetzt gerade morgens nach dem Aufwachen an den Laptop flegele, holte ich mir immer zuerst einen frischen Abschenbecher aus dem Küchenbereich. Gestern machte ein Freund beim Ligaspiel etwas, was ich auch immer gemacht habe, wenn es nicht lief ... ich zündete mir eine an. Zack ... das Klingeln begann ...
Hätte es aber nicht einfach auch gereicht, einmal tief durchzuatmen? Sich zu recken und zu strecken? Sich wohl "in seiner Haut" zu fühlen?
Sind nicht eigentlich alle bisher von mir genannten Rituale Zwänge?

Auch das Glücksspiel besteht aus Zwängen. Hier wieder schön zu sehen ... der vermeindliche Zwang verlorenes Geld wieder einzuspielen. Dabei ist das doch nur ein "Suchtgrund". Man kann mit Glücksspiel kein Geld "verdienen", wenn wir auf dieser Seite stehen, der des Glücksspielers. Wir machen uns was vor. Suchen und finden einen "Grund" weshalb wir die Suchtausübung planen und tätigen. Wer Glücksspiel betreibt, der verliert - so ist das System. Wer Glücksspiel exzessiv betreibt, der verliert auch exzessiv.
Es gibt so etwas wie "gleich muss der Automat doch mal ´was schmeißen", "Bald ist er fällig!" oder dergleichen nicht.
Es gibt keine typischen "Bilder", die suggerieren, dass der Automat gleich "offen" ist. Diese Gedanken suggerieren mir lediglich eine Kontrolle innerhalb der Zwänge.

Geld ist niemals "weg". Es hat nur ein Anderer. Wenn ich meinem regulären Job nachgehe, dann kommt es auch wieder zu mir zurück.

Ich bin frei vom selbstzerstörerischen Glücksspiel und ich bin auf einem guten Wege frei vom selbstzerstörerischen Rauchen zu werden. So viel Freiheit möchte genossen werden.
« Letzte Änderung: 30 Oktober 2021, 06:26:35 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Es reicht dann auch mal
« Antwort #6 am: 30 Oktober 2021, 20:56:12 »
Tag 3

Spielfrei..

Ich habe über nichts großartig nachgedacht.

Lieber Olli, alles was du schreibst, ist logisch und ich verstehe, was du meinst, aber der Sinn erreicht mich nicht.

Ich muss an den Matheunterricht von damals denken, komischer Vergleich...
Ich weiss den Lösungsweg und komme auf das richtige Ergebnis, aber verstanden habe ich es oft nicht, bis es Klick gemacht hat.

Mein Ziel ist es dieses Klick zu erreichen.

*

Offline Olli

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Re: Es reicht dann auch mal
« Antwort #7 am: 31 Oktober 2021, 06:58:19 »
Ich weiss, ich weiss ... :)

Guten Morgen!

In der Mathematik muss ich nicht alles verstehen. Ich muss die Regeln wissen und ich muss sie anwenden können.
Das richtige Ergebnis ist das Ziel und nicht das Verständnis, wie ich die Regeln beweise, mit denen ich ans Ergebnis gekommen bin.

Der Klick kommt irgendwann ... habe Geduld mit Dir und bleibe am Ball ...
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Es reicht dann auch mal
« Antwort #8 am: 31 Oktober 2021, 17:16:00 »
Hallo liebe Ladylost

Willkommen im Forum. Wie geht es dir heute?
Ich kann Deine Gedanken nachvollziehen. Es ist ein schwerer langer Weg.... aber auch du schaffst das. Den ersten Schritt hast Du gemacht, indem Du Dir die Möglichkeiten entzogen hast zum spielen.
Ich kann dir noch die App gamban empfehlen.

Ich habe heute Tag 149 Abstinenz. Und es wird immer einfacher. Ich habe auch viele Rettungsanker mittlerweile. Ich habe Menschen eingeweiht,  die mir Sicherheit geben, wenn schlimme Gedanken kommen. Und gehe in eine Therapie Gruppe. Ausserdem habe ich meine Autonomie abgegeben über mein Konto an meinen Mann.

Hast Du Dir schon weitere Rettungsanker überlegt?

Alles Liebe
Devilslady

 

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