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Trennung kurz vor Therapieberatung

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Trennung kurz vor Therapieberatung
« am: 15 Oktober 2022, 21:27:38 »
Guten Abend zusammen,

ich verfolge schon seit einigen Monaten einige Beiträge hier. Ich habe lange überlegt, ob ich meine Geschichte auch mal von der Seele schreiben sollte. Heute Abend bin ich einfach mal mutig.

Mein Ex-Partner und ich sind seit ca. 6 Wochen getrennt. Wir waren 2 Jahre ein Paar. Kennen tuen wir uns seit 4 Jahren. Wir haben einen gemeinsamen Jungen (15 Monate alt). Alles begann ziemlich romantisch. Er hat über 1 Jahr um meine Gunst geworben. Mein Leben war voller Herausforderungen. Ich hatte ihm damals auch alles erzählt und zunächst eine Beziehung abgelehnt, trotzdem ließ er sich nicht davon beeindrucken und hat mir von Zeit zu Zeit kleine dezente Aufmerksamtkeiten geschenkt. Anrufe, Nachrichten und Blumen - volles Programm. Aber nicht aufdringlich. Das hat gewirkt und ich habe mich in ihn verliebt.

Wir waren uns auch beide einig, dass wir zusammen eine Familie gründen wollen (er hat schon ein Kind, aus einer flüchtigen Geschichte - allerdings war das nie an Problem - Im Gegenteil, der Kleine und ich wurden ziemlich dicke Freunde). Mir hat es gefallen, wie sehr er sich um das Kind gekümmert hat und ich war mir sicher, das ist ein verantwortungsvoller Mann.

Ziemlich zügig wurde ich ungeplant, aber gewollt schwanger (nach 2 Monate Beziehung). Er ist von Beruf Soldat und war ziemlich viel unterwegs, hat aber immer alles menschenmögliche gemacht, um Zeit mit mir zu verbringen. Das erste "Ich liebe dich" kam von ihm. Wir sind dann auch in eine hübsche Wohnung gezogen. Er ist sogar mir zur Liebe in meine Heimatstadt zugezogen (1 Std. Autofahrt von seinem entfernt). Unsere Familien haben uns beide jeweils mehr als gut aufgenommen.

Alles schien in Ordnung - so viel zur Vorgeschichte.

Allerdings bemerkte ich schon in meiner Schwangerschaft, dass das Thema Finanzen für ihn ein Problem darstellt. Offenlegen wollte er irgendwie nicht und jedesmal gab es Streitigkeiten. Ich hatte den typischen "Nestbautrieb" und wollte natürlich finanziell sicher aufgestellt sein (ich bin von Beruf aus dem Steuerfach).

Naja, ich wollte nicht zu viel Druck aufbauen. Unser Baby wurde geboren und dann ist ihm ein Fehler unterlaufen. Er hat sich an der Babykasse vergangen. Es hat nicht lange gedauert und mir ist natürlich der Fehlbetrag aufgefallen. Ich habe ihn konfrontriert und er musste mit der Wahrheit herausrücken - ich zittiere: "Ich habe seit 10 Jahren ein Glücksspielproblem. Ich bin süchtig".

Er war erleichtert, dass es raus war. Er flehte mich an, bei ihm zu bleiben, ihm zu helfen, "ohne mich würde er es nicht schaffen". Ich habe das alles zu dem Zeitpunkt total unterschätzt. Woher sollte ich auch wissen, was diese Sucht für ein Ausmaß für uns hätte einnehmen können. Ohne weiter groß auszuschweifen:

- Das Geld hat er sofort wieder in die Babykasse gelegt
-Ich bot ihm meine Hilfe an. Habe direkt Beratungsstellen aufgesucht und angefangen Termine zu legen - Erstmal für mich.
- Wir sprachen mit seinen Eltern (ich war die ERSTE (unfassbar), die das Dilemma herausgefunden hat. Niemandem vorher ist es aufgefallen)
- nach einem halben Jahr weiteren Lügen und Streit und etlichen Tränen: gab er mir seine Bankkarte, die Bankvollmacht, Onlinebanking Zugangsdaten - mit der Bitte, dass ich alles verwalten solle
- über eine Standort App durfte ich kontrollieren, wo er genau ist
- er hat sich über OASIS Sperren lassen. Wir haben dann mehrere Casinos abgefahren und kontrolliert, ob die Sperre auch wirklich erfolgt ist.

So, er war dann 4 Moante spielfrei (meineswissens), aber unsere Beziehung litt. Keine gemeinsamen Unternehmungen mehr. Er war nur noch beim Fussball und ich hatte das Gefühl, alles andere war wichtiger - ausser ich. Um unseren Sohn hat er sich immer rührend gekümmert - das habe ich in der Zeit nie angezweifelt.
Wir waren zu Besuch bei den Familien, alles super. Wir waren essen mit Kind, spazieren mit Kind, Abends zu Hause mit Kind. Die einzige kinderfreie Unternehmung waren kurze initime Momente - die aber auch immer abgeflachter sind. Der Kuschler, wollte plötzlich nicht mehr kuscheln.

Ich bin sehr kommunikativ - ich habe es immer direkt angesprochen, was ich wie empfinde. Es hat alles so eine Dynamik angenommen, dass ich selbst an mir gezweifelt habe, mein Misstrauen ist in Eifersucht umgeschwenkt und es kamen Probleme dazu, die offensichtlich nicht da waren.

Naja, vor 10 Wochen ist die Bombe erneut geplatzt, wieder eine Lüge, wieder spielen. Dabei wiederholte ich immer, dass ich stolz bin, wie weit er schon gekommen war und das Rückfälle eben kommen werden, er nur mit mir offen sprechen müsse, statt zu lügen. Ich entlarvte ihn so oft, dass er selbst sogar meinte, dass ich total pfiffig sei - und er es jedesmal aufs Neue bereut mich anzulügen. Es war wie ein Spiel.

Naja.. Wir waren was essen und wir haben sachlich darüber gesprochen, ob das alles für uns beide Sinn macht. Ich hatte zu dem Zeitpunkt mich in einer psychosomatischen Tagesklink in einer Eltern-Kind Gruppe angemeldet, weil ich schon krasse Stimmungsveränderungen an mir bemerkt habe. Darauf war er stolz UND MEINTE DANN, er würde sich auch eine Therapie stellen. Sein Vorschlag war es alle zwei Wochen ein Pärchenzeit einzuräumen, damit wir uns wieder annähern. Es schien alles in die richtige Richtung zu laufen. Ich begann die Therapie und bekam so wundervolle Nachrichten von ihm, dass er so dankbar ist, dass wir das alles zusammen meistern und dass er gespannt ist auf seine Therapie und das er hofft, dass zwischen uns alles wieder schöner wird.

3 Tage vor dem Beratungstermin mit der Leiterin der Selbsthilfegruppe, die er bis Dato regelmäßig besucht hat - kam es erneut zu einem kleineren Streit - wirklich nichts wildes. Tja, er nahm dies als Anlass zu flüchten. Er ist zu seinen Eltern, kam nicht zum Termin nach Hause und blieb auch die darauffolgende Woche komplett weg. Auf dem Konto sah ich, dass er Gelder abgehoben hat und ja...

Nach einer Woche kam er dann nach Hause und redete wirres Zeug: er ist sich seiner Gefühle mirgegenüber nicht sicher, er liebt uns, aber auf eine andere Art. Er habe mich die Woche nicht vermisst und das wäre für ihn das Zeichen. Es waren ihm zu viele Sanktionen/Verbote. Er wolle kontrolliert spielen. Er habe alles nur mir zu Liebe gemacht, er selbst sieht kein wirkliches Problem...Bla Bla Bla. Er sagte selbst: ich werde es eh bereuen. Ich werde dich erst schätzen, wenn ich dich nicht mehr habe. So wird es sein, aber dann ist das so… ähmmm.. ok.

Alle weiteren emotionalen Gespräche blockt er ab. Er wohnte noch 2 Wochen bei uns - richtig komisch, weil er unheimlich viel zu Hause war und Nähe gesucht hat. Dann lief der Mietvertrag auf mich und ich bat ihn um die Wohnungsschlüssel. Die gab er auch ab. Seit dem wohnt er bei seinen Eltern. Er spricht mit mir, als wäre ich seine beste Freundin. Er erzählt von Wohnungsbesichtungen usw.. Er will in unserer Nähe bleiben, damit er mich unterstützen kann. Er hat jetzt auch eine Wohnung gefunden und will demnächst seine Kleidung etc rausräumen.

Puhh ziemlich viel geschrieben.

Heute war er den Kleinen besuchen und wir sprachen über Unterhalt usw. (den hat er mir Übrigens gro0zügig gezahlt). Er meinte in einem Nebensatz "dass er auch viele Fixkosten hätte und ich nicht denken brauche, dass er das Geld in irgendwelche Buden trägt"...

Mhh.. ich war jetzt 6 Wochen in Therapie. Ich habe dort viel gelernt, auch über die Verantwortung, die er mir in die Hände gelegt hat und dass ich typisch für Angehörige mich verhalten habe - aus Zuneigung viel mitgemacht habe. Letztendlich hat er mir den Gefallen getan und sich getrennt. So lerne ich gerade wieder mein eigenes Leben für unseren Sohn und mich zu gestalten.

Mein Problem aktuell: Ich kann nicht glauben, dass er von heute auf morgen keine Gefühle für mich hat. Ich sehe das so, dass ich in den Augen seiner Sucht die "Böse" bin, die ihm es verwehrt, seiner Sucht nachzugehen. Dass er den einfachen Weg für sich wählt und alles aufgibt, für seine Sucht. Dass er das Glücksspiel, seiner Familie vorzieht. Ich habe das Gefühl, mir mein eigenes Grab geschaufelt zu haben. Geholfen und trotzdem Schuld - weil ich sein Verhalten letztendlich unbewusst gefördert habe, indem ich ihm so so vieles abgenommen, verziehen habe.

Er ist mir zur Zeit wie fremd, so als würde ihm das nicht Leid tun, was er da gerade abzieht. Er macht immer so einen zufriedenen Eindruck - klar, er kann spielen.

Ich stecke inmitten des Prozesses des Loslassens. Aber es ist verdammt schwer.

Keine Sorge: ich bin finanziell nicht betroffen. Ich habe von Anfang an, alles getrennt und bin derzeit auch total abgesichert. Ich habe auch alles in der Wohnung behalten. Da gibts keinen Rosenkrieg - nichts. Da sprechen wir auch echt vernünftig - wobei mir das auch weh tut, weil ich auch hier keine Emotionen erkennen kann.

Ok, höre erstmal auf.

Ich bedanke mich jetzt schon bei den Leser:innen.

Liebe Grüße
« Letzte Änderung: 15 Oktober 2022, 22:11:07 von fufuliciouss »

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Offline Olli

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Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #1 am: 15 Oktober 2022, 22:41:45 »
Hallo meine Liebe!

Herzlich willkommen!

Nun, Du hast schon viel für Dich aus der Therapie mitgenommen. Ist Dir aufgefallen, wie er Dich auch jetzt noch manipuliert?
Klar, er hat das Recht sein Kind zu sehen, doch mehr Kontakt würde ich an Deiner Stelle gar nicht mit ihm haben wollen.
Wir Spieler können uns wahnsinnig arrangieren mit den Umständen - Hauptsache, wir brauchen das Spielen nicht aufgeben.
Und dann kommt es so weit, dass die Einzige, die keine Schuld an seinen Lügen und Vertrauensbrüchen hat, sich selbst eine Schuld zuweist.

DU BIST NICHT FÜR SEINE ENTSCHEIDUNGEN VERANTWORTLICH!

Aber Du bist für Dich verantwortlich und für Euer Kind. Reduziere die Kontakte auf das absolut Notwendige!

Ich bin Olaf, Spieler und ich frage mich heute, im Nachhinein natürlich: Was wäre gewesen, wenn meine Familie konsequent gewesen wäre? Wäre ich dann vielleicht früher aufgewacht?
Ich weiß nicht, wieso die erste Beziehung von ihm in die Brüche ging ... ist der von ihm angegebene Grund für die Existenz seines ersten Kindes wirklich wahr? So kann ich mir gut vorstellen, dass er hier bei Dir sein Verhalten von damals wiederholt.

Das zeigt aber, wo ihr Beide bei ihm auf seiner Prioritätenliste steht ...

Ich bekomme immer das große Augenrollen, wenn mir jemand von "kontrolliertem Spielen" berichtet. Das gibt es nicht, wenn die Sucht einmal zugeschlagen hat. Es gibt therapeutische und nichttherapeutische Ansätze des kontrollierten Spielens, doch da werden die Klienten begleitet und am Ende des Weges steht die Abstinenz. Das kontrollierte Spielen Deines Freundes ist ein Wunschtraum - so wie ich mir damals gewünscht habe eine eigene Heimspielhalle in meinem damals noch nicht mal existierenden Hobbyraum einzurichten. Das sind Zockerträume und sie verhindern sich mit der Eigenverantwortung auseinander zu setzen.

Ich wünsche Dir eine geruhsame Nacht und ich darf es noch mal wiederholen: Dich trifft nicht den Hauch einer Schuld!

Gute 24 h
Olaf
(zweitliebstes Trampeltier)

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #2 am: 16 Oktober 2022, 07:33:04 »
Guten Morgen Olli,

lieben Dank für dein Feedback.

Ich gebe dir Recht, habe schon einiges dazu gelernt. Wie gesagt, man wird ja nicht alle Tage mit dem Thema sucht konfrontiert.

Zu deiner Frage, ob die Geschichte mit der Mutter seines ersten Kindes wahr ist: ich denke ja. Ungefragt, wurde mir das immer wieder von seiner Familie und engen Freunden bestätigt.

Auch, dass ich seine erste feste Beziehung war.
Er erwähnte mal bei seiner Mama, dass ich seine große Liebe sei. Ja naja, bei welcher Frau wirkt das nicht, welche fühlt sich da nicht besonders und ich mit meinem überaus ausgeprägtem Retterinnen-Syndrom, konnte da noch weniger loslassen.

Naja, jetzt ist es so wie es ist und ich bin sogar erleichtert. Mein Verstand weiß klar, dass ich so auf Dauer niemals glücklich geworden wäre.

Mein Herz muss nur noch mitziehen. Ich hatte bisher noch nie so einen lieben Mann kennengelernt.

Allerdings weiß ich auch durch die Selbsthilfegruppe für Angehörige, dass „Spieler“ die liebsten Menschen sein können und trotzdem mit ihrer Dämonen zu kämpfen haben.

Ich habe mit seinen Eltern immer sehr offen gesprochen - zu seinem Leidwesen. Wir waren uns jetzt auch nach der Trennung einig, dass er kein Geld bekommen darf. Ja, seine Mama wird ihm wohl helfen, ein paar Möbelstücke zu kaufen.

Seit dem ich das weiß, hardere ich mit mir. Auf der einen Seite ganz klar, geht es mich nichts mehr an.. auf der anderen Seite - wie du dir schon wahrscheinlich oft selbst die Frage gestellt hast - sollten sie konsequent sein. Er wird nicht auf den Boden der Tatsachen ankommen, wenn er wieder geholfen bekommt. Insgeheim wünsche ich mir, dass er richtig fällt, damit er sieht - was er uns damit angetan hat 🫣.

Im Moment ist es noch „viel Kontakt“.. merke ich auch immer wieder.
Aber ich verlasse schon immer das Haus, wenn er kommt, um den Kleinen zu sehen. Wenn er erstmal seine Wohnung hat, darf er seinen Sohn abholen und dann wird sich der Kontakt nur auf den Kleinen regulieren. Derzeit müssen wir halt noch paar organisatorische Sachen besprechen. Da nehmen die Gespräche immer eine Dynamik an.
Ist mir selbst schon aufgefallen.

Ich finde es aber mittlerweile gut, dass ich zwar mitmache, aber bewusster darüber nachdenke. Zumindest versuche ich es 🙂

Es wird mir wahrscheinlich ein Leben lang ein Rätsel bleiben, warum die Sucht immer an erster Stelle stehen bleiben wird.

Schönen Sonntag 🙂

Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #3 am: 16 Oktober 2022, 07:42:41 »
Moin,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Es ist gut ,dass ihr immer getrennte Konten hattet und du finanziell unabhängig bist und du somit dich und dein Kind schützen kannst. 

Dein Freund merkt schon, dass er ein Problem mit dem Spielen hat, sonst hätte er dir das so nicht gesagt . Er hätte das ja nicht zugegeben müssen und hätte eine andere Ausrede suchen können, nachdem dir das fehlende Geld aufgefallen ist.
Er weiß, dass er süchtig ist,vielleicht war es ihm am Anfang auch ernst mit deiner Hilfe zusammen, aufzuhören, aber nur an der Sucht arbeiten reicht nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass man als Berufssoldat viele Dinge sieht, die man nicht so leicht verarbeiten kann und wenn dann noch einige Kameraden mitzocken gehen,ist der Ausstieg sehr sehr schwer.
Finanziell scheint es ihm noch gut zu gehen, sonst hätte er nicht wieder eine eigene Wohnung und er zahlt ja auch Unterhalt.
Wie reagiert denn seine Familie jetzt auf das Suchtproblem? Reden sie mit ihm oder lassen sie das Thema ruhen?

Du hast bisher genau das richtige für dich und dein Kind getan ,alles andere muss dein Ex Freund  in die Hand nehmen. Er muss die Initiative ergreifen, was seine Gesundheit angeht.

Du wirst trotz der Trennung immer mit ihm Kontakt haben,weil ihr ein gemeinsames Kind habt. Und wenn ich da bisher die anderen Beiträge gelesen habe, läuft es bei euch sehr ruhig ab. Keine Gewalt ,kein Schreien, kein Ringen um das Kind ,um Geld oder die Wohnung oder schlecht machen bei Freunden oder dem Arbeitgeber. Viele Partner machen das aus Rache,nimmst du mir das Spielen ,nehme ich dir alles weg oder mache es kaputt. 

Es ist schlimm,was die Spielsucht alles zerstört und es tut mir sehr leid für euch. Ich hoffe ,ihr beide schafft es einen guten Kontakt zu halten, wegen des Kindes.

Eine Trennung ist sehr schmerzhaft ,vor allem wegen so einer blöden Sucht. Du baust dir grad ein neues Leben auf,alles andere ergibt sich mit der Zeit.
Pass auf dich auf,alles gute

LG Wolke


Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #4 am: 16 Oktober 2022, 07:47:19 »
Zitat
Es wird mir wahrscheinlich ein Leben lang ein Rätsel bleiben, warum die Sucht immer an erster Stelle stehen bleiben wird.

Wird sie nicht !!! Ist ein Spieler trocken,hat sich Hilfe gesucht und alles verarbeitet, rückt sie in den Hintergrund.  Man muss sein Leben lang achtsam bleiben,damit man da nicht wieder reinrutscht ,ja,aber sie wird das Leben nicht mehr dominieren.

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Offline Olli

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  • 6.127
Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #5 am: 16 Oktober 2022, 08:32:39 »
Ich stimme dem zu. Gerade wenn die Sucht in jungen Jahren auftritt, bin ich der Überzeugung, dass jeder irgendwann seine Prioritätenliste überdenkt und abändert. Bis dahin kann es aber ein langer Weg sein. Bei mir waren es ja auch 20 Jahre.
Das Schwerste ist immer das Anfangen.
Gute 24 h
Olaf
(zweitliebstes Trampeltier)

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline andreasg

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Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #6 am: 16 Oktober 2022, 12:16:43 »
Hallo ihr Lieben,

die Spielsucht kann nicht gewinnen, sie ist eine dahin siechende tödlich verlaufende Krankheit, die sich nicht kontrollieren lässt!

Ein Partner, eine Partnerin macht sich ja Gedanken um den womöglich kranken Partner. Was ist mit ihm los?
Die Vorgeschichte ist ja klasisch romantisch, die Zuneigung zu den Kindern besttätigt das.
Ich bin hier nicht schwarz/weiß gepolt, ich sehe einen Funken Hoffnung.

Ich bin gerade an dem Themadran: "Warum zieht ein Mensch, der tiefe Traumata erlebt hat, die scheinbare Sicherheit der Einsamkeit vor"? Da denke ich zuerst an meinen Vater, Jahrgang 1922, Soldat im 2. Wetkrieg, ich denke an micht: Heimkind von 1954 - 1955?

Die Flucht in die Einsamkeit habe ich nie stätrker erlebt, als in der Ausübung meiner Spielsucht. Ich habe die Hölle von unten gesehen!

Jetzt denke ich an den Film "Coming Home" die Heimkehr eines Vietnam - Veteranen. Dieser Film beinhaltet die wohl beste Liebesszene, die ich je in einem ordentlichen Kino gesehen habe, (Jane Fonda sei es gedankt) Der Veteran - hat es nicht ausgehalten, ist in das Wasser, in den Suizid gegangen.

Mein Credo lautet: die Angehörigen müssen mehr an sich arbeiten, als die von der Sucht betroffenen. fufuliciouss, Du gehst diesen Weg schon. Das Loslassen bereitet den Weg in die Liebe, das Loslassen bringt die Freiheit zurück, und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Schön, daß Du hier im Forum bist.

Liebe Grüße
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #7 am: 17 Oktober 2022, 20:06:59 »
Guten Abend zusammen,

erstmal vielen Dank für sämtliche Antworten.

Zunächst wollte ich paar Fragen beantworten:

- Er ist kein Berufsoldat, sondern Zeitsoldat. Er ist hauptsächlich in der Verwaltung beschäftigt und ich würde glaube ich nicht zu viel vermuten, wenn er da kein "Trauma" etc erlebt hat.

Er ist 30 Jahre alt geworden und spielt seit seinem 18 Lebensjahr. Das war vorher schon ein Problem.

- Seine Eltern (so mein Eindruck) schweigen eher über das Thema. Das habe ich das ganze letzte Jahr schon bemerkt. Sie waren nie wirklich greifbar. Ganz im Gegenteil, wenn es bei uns Probleme gab, begegneten sie ihm mit starken Vorwürfen und Missachtung. Es kam schon mal so weit, dass sein Vater - aus purer Verzweiflung - weil ich am Telefon bitter weinen musste, ihm das Kindesverhältnis "gekündigt". Da musste ich mit denen mal ein ernstes Wörtchen reden. Die Situation hat sich zwar stabilisiert, aber ein "Es tut mir leid" hat er ihm gegenüber nie ausgesprochen.

Sein älterer Bruder hat auch ziemliche Probleme und wohnt immer wieder bei seinen Eltern. Ich habe den Eindruck, weil dessen Probleme "offensichtlicher" sind, werden sich eher Gedanken und Sorgen um ihn gemacht, als um die unheimlich gut versteckte Spielsuchtproblematik und deren Ausmaß.

Während ich das Schreibe kullern mir die Tränen - will ehrlich sein. Mir tut das einfach weh und ich wünschte, dass ich helfen könnte, aber das kann ich nicht. Ich weiß.

Manchmal ist das alles so sureal für mich. Ich begreife nicht, dass er aus der Spielsucht heraus, gerade ALLES aufgibt. Sich eine neue Wohnung anmietet - wo er erstmal nur auf einer Matratze schlafen will... Er hatte im ganzen letzten Jahr so so so oft versucht das Ruder bei mir rumzureißen, mich angefleht ihn nicht zu verlassen, immer wieder. Jetzt? Soll er keine Gefühle für mich haben..

Ich habe ihn mehrfach angesprochen, ob es eine Andere ist usw.. er verneint es. Keiner schätzt das bei ihm ein, nicht einmal ich - eigentlich - aber mein Kopf spielt verrückt. Selbst, die Jungs in der Selbsthilfegruppe haben mir - aus Ihren persönlichen Erfahrungen heraus - erzählt, dass ihm alles Recht ist, hauptsache er kann in Ruhe spielen gehen, wann und wie oft er möchte.

Ich sitze dann immer da und zweifel an seiner Aufrichtigkeit mirgegenüber. Weine und habe fast jeden Abend die Hoffnung, dass er vor der Tür steht.

Aber auf der anderen Seite, will ich sowieso nicht, dass es so weitergeht. Er müsste schon aktiv den Weg gehen und ich sehen, bevor man überhaupt an einen gemeinsamen denkt. Zumindest ich.

Auch wenn ich nicht Schuld bin, mache ich mir oft den Vorwurf, dass ich im letzten Jahr sehr häufig das Thema Trennung ausgesprochen habe. Das tut mir - im Nachgang - total leid.

Natürlich bin ich dankbar, dass wir bisher vernünftig sprechen können. Ich hoffe, dass bleibt so. Das kostet mich derzeit aber auch echt viel Energie.

Ach Leute, es fühlt sich einfach nicht richtig an. Auch wenn ich weiß, dass ich gerade alles richtig mache, fühle ich mich mehr als beschissen.

Schönen Abend euch und danke für eure Gedanken.


« Letzte Änderung: 17 Oktober 2022, 20:29:51 von fufuliciouss »

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Phoenix_2022

Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #8 am: 17 Oktober 2022, 20:58:02 »
Hi,
ich kann nur von meinen Gefühlen während meiner exzessiven Spielsucht berichten … das soll keineswegs den Ratschlag der Profis/ deinen Weg tangieren.

Jetzt? Soll er keine Gefühle für mich haben..

Während meiner exzessiven Spielsucht habe ich meine Selbstliebe komplett verloren… Ich konnte gar keinen anderen mehr lieben, unterbewusst habe ich mich selbst für mein Verhalten verachtet… Ich habe mich  total „eklig“ und kalt verhalten…

Mein Doppelleben aufrecht zu erhalten, hat unheimlich viel Kraft gekostet. Nach außen smart … nach innen total krank/gefährlich krank. (Gegenüber Dritten)

Häufig war ich sehr abweisend, gereizt und impulsiv …

Für eine Änderung muss die Gewohnheit gebrochen werden … der Anfang ist sehr schwierig. Hinter meiner Glücksspielsucht habe ich Probleme (im Nachhinein Herausforderungen), toxischen Stress (durch die Glücksspielsucht) und toxische Beziehungen (unmoralische Aktivitäten bei einem Arbeitgeber / Rechtsstreitigkeiten mit unmoralischen Menschen) versteckt. (Der Weg da raus tut so weh - Es ist aber möglich.)

Inzwischen kann ich wieder Liebe empfinden…

Ich wünsche Euch alles Gute und hoffe, dass dein Partner deinen Impuls (für das Brechen der toxischen Gewohnheit -Glücksspiel-) nutzt!
« Letzte Änderung: 17 Oktober 2022, 21:17:32 von Phoenix_2022 »

Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #9 am: 17 Oktober 2022, 21:12:13 »
Hey,

es gibt natürlich  auch andere Gründe in eine Spielsucht zu geraten,es müssen keine Traumatas sein. Den Grund zu wissen, tut sehr gut und hilft ungemein bei der Bekämpfung der Sucht.
Aber das sind jetzt alles Spekulationen.  Er muss bereit sein,sich Hilfe zu suchen. Er muss die ersten ernsthaften Schritte machen,dann kann man ihn weiter unterstützen, wenn er Hilfe möchte.

Ja,es tut weh ,einen Menschen so zu sehen ,den man liebt. Aber ich glaube nicht,dass er eine andere hat. Er hat grad ständig mit sich selbst zu kämpfen.

Leb dein Leben und wenn er sich irgendwann Hilfe sucht und spielfrei wird und ihr seid beide Single.....wer weiß, was dann passiert. .....ich wünsche es euch so sehr.

LG Wolke





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Wirbelwind

Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #10 am: 18 Oktober 2022, 06:54:32 »
entgegen meines Naturels kann ich Dir ein wenig Hoffnung machen :D

Es ist durchaus realisierbar der Beziehung eine weitere Hoffnung zu geben, ABER erstens kostet das den "gesunden" unwahrscheinlich viel Kraft und zweitens der "eigentlich" wichtigere Part "der kranke" MUSS das SELBST wollen, OHNE jedweden Einfluß von aussen sonst rafft das das Gehirn nicht...
Sicherlich ist es für Dich die Hölle bei dem gedanken daran das er auf ner läppigen Matratze pennen will, aber das brauch er nunmal sonst kapiert er das nicht, lass Ihn fallen und lebe weiter.

Wie Wolke schon sagt, wer weiß, eines Tages,...

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Offline andreasg

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Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #11 am: 18 Oktober 2022, 09:25:17 »
Guten Morgen,

das mit dem Traumata war lediglich eine Projektion von mir, keine Behauptung, denn das steht mir nicht zu. Wenn ich allerdings bedenke: ich habe als 16 jähriger angefangen, und ich weiß, wo ich meinen 18. Geburtstag gefeiert habe. Damals bin ich abends in das Catch - Zelt zu einem Wrestling Turnier gegangen, alleine, und so dachte ich. daß ich mich dort finden könnte, und ein wenig Lebensfreude zu empfinden.

LOSLASSEN zeigt sich manuell in der Geste: die Hände nach vorne richten, die Handinnenflächen zeigen nach oben = ich gebe dem Anderen den Weg frei, ich lasse ihn nicht falle, ich verdamm ihn nicht. Aber ich wähle für mich eine sichere Zukunft mit Weitblich auf eine Sorgsame Zukunft..

Liebe Grüße s24h Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline Olli

  • *****
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Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #12 am: 18 Oktober 2022, 14:11:54 »
Hallo meine Liebe!

Zitat
Auch wenn ich nicht Schuld bin, mache ich mir oft den Vorwurf, dass ich im letzten Jahr sehr häufig das Thema Trennung ausgesprochen habe. Das tut mir - im Nachgang - total leid.

Also weist Du Dir wider besseren Wissens denn doch über Deine Emotionen eine Schuld zu. Nein ... dass Du das Thema Trennung ausgesprochen hast, war absolut richtig. Das gehört nun mal dazu sich selbst zu positionieren. Du siehst ja - selbst die Trennung nun hält ihn nicht ab.
Und ob die Art der Kommunikation ausbaufähig war oder nicht, dass spielt doch keine Rolle. Wer hat denn bitteschän Übung darin einen Süchtigen in seine Schranken zu weisen? Würdest Du von jemandem Anderen erwarten wollen PERFEKT zu sein? Nie und nimmer ... oder? Wieso stellst Du diese Erwartung dann Dir selbst? Wieso bist Du so hart und zum Teil auch unerbittlich zu Dir?

DU TRÄGST KEINE SCHULD!

Flammte da schon wieder das große "ABER" auf im Oberstübchen? Dann lese den Satz so lange, bis dieses verwundete Etwas in Dir still ist.
Und in dem Moment, in dem es still ist, sagst Du Dir selbst: ICH TRAGE TATSÄCHLICH KEINE SCHULD!

Gute 24 h
Olaf
(zweitliebstes Trampeltier)

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Wirbelwind

Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #13 am: 18 Oktober 2022, 15:49:21 »
"Bestes" Beispiel meine Frau...

Ich bin hier derjenige der sehr sehr viel Scheisse gebaut hat, mit hinzu -allerdings OHNE Absicht- meine Frau in eine Co-abhängigkeit zu ZIEHEN.

Wenn ICH heutzutage mal n Deprie schiebe weil es mich so elendig nervt wie es uns -bzw meiner frau manchmal geht- und ICH über MICH selbst schimpfe, dann sitzt meine Frau hier und sagt jedesmal

WIR haben Scheisse gebaut und J E D E S M A L "falte ich sie dann freundlich zurecht" das das SO nicht stimmt...

ICH bin der Zocker SCHLUSS aus ENDE !!

Da stecken allerdings über 10 Jahre arbeit hinter die ICH SELBST ausgelöst habe, und nach nun -wiedermal- HUI 5 Monate und 2 Wochen TOTALER Automatenabstinenz is noch lange kein ende in Sicht.... Allerdings muss ich dazu sagen das ichso 1,2 40 Tonner an Paketen mit mir durch die gegend fahre *lach ...

Re: Trennung kurz vor Therapieberatung
« Antwort #14 am: 20 Oktober 2022, 20:32:14 »
Guten Abend ihr alle,

vielen Dank für Eure Antworten. Ich weiß auch, dass das mit der Bundeswehr keine Annahme war oder so. Ich wollte es lediglich nochmal erklären.

Ich hoffe ich nerve nicht, aber bin heute wieder voll im Gedankenkarusell. Er hat die Woche einfach so geschrieben. Einfach mal nach dem Kleinen gefragt, wie unsere Tage so verlaufen. Ich habe natürlich kurz und knapp, das wichtigste beantwortet und trotzdem hat er nochmal nachgehackt wie es mir gehen würde usw.. habe nicht darauf reagiert. Die Wahrheit erträgt er nicht, lügen will ich nicht. Obwohl ich mir vorgenommen habe, es NICHT zu bewerten, bin ich heute voll drin.

Er verhält sich total zwiegespältig. Ob er den Kleinen am Wochenende sehen will, musste ich allerdings heute erfragen. Da kam eine entschuldigung und dass er "Stress" bzgl. der neuen Wohnung gehabt hätte.
Er versprach, dass er sich bessert, was diese Kommunikation wegen unserem Sohn betrifft. Damit habe ich nicht mal ein Problem. Sondern mit allem anderen. Dass er mich so involviert, dass er weiter an der Trennung festhält. Insgeheim stört mich das am meisten, AUCH wenn es für mich ebenfalls keinen anderen Weg (vorerst) gibt.

Heute Abend habe ich das Gefühl, ich werde das Ganze niemals überwinden. Das ist mehr als "nur normaler" Liebeskummer. So empfinde ich es zumindest.

Danke fürs Lesen und gute Nacht zusammen.

 

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