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Jakobsweg und Spielsucht

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Mr. Nobody:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich in meinem ganzen Leben insgesamt so eine Distanz zu Fuß zurückgelegt habe😂

Eva54:
Liebe Ilona,

danke für die Infos, sehr interessante Geschichte und viele nützliche Tipps von Ralf.

Der Film von gestern Abend heißt "Der Weg" und wenn das Pilgern bedeutet, dann nehme ich mir am Besten einen Extra-Rucksack Taschentücher mit.

LG
Eva


Lieber Roy

Danke Dir für die lieben Worte!  Ich sehe das Ganze auch eher als Abenteuer und weniger als „Mission“. Ob religiös oder nicht – Hauptsache, wir verlassen ab und zu unsere Komfortzone. Und keine Sorge: Ich nehme Euch gerne mit auf die Reise!

LG
Eva


Hallo Andreas,

Dein Text hat mich wirklich mal wieder beeindruckt. Die Bilder, die Du wählst – vom Oberbayern auf seinem Weg bis hin zur Traumwelt der Kindheit – machen Deine Gedanken sehr greifbar. Besonders die Verbindung von innerer Suche, Demut und Wahrheit kommt stark rüber. Ich mag, wie Du das in so klare und zugleich bildhafte Sprache fasst. Ich wünschte, ich hätte Deinen Schreibstil!

LG
Eva


Moin Christian,

erstmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen und Dich hier angemeldet hast, um so ausführlich zu antworten – nach Deiner Schilderung und Begeisterung könnte ich tatsächlich gleich loswandern! Ich finde es großartig, dass Du Dir aus der Spielsucht eine echte Spielfreiheit und Stillstand erarbeitet hast. Respekt! Wenn Du magst, schreibe doch Deine Geschichte nochmal extra und ausführlich in einem eigenen Beitrag. Ich bin sicher, Du könntest hier viele Mitleser inspirieren!

Auch Deine Entscheidung, nicht einfach ins Flugzeug zu steigen, sondern den Weg nach St. Jean „klassisch“ anzutreten, spricht mich sehr an, für mich passt Fliegen vom Gefühl her auch überhaupt nicht zu so einer Reise. Vor dem Gang in die Pyrenäen habe ich allerdings schon Respekt, das sind ja doch einige Höhenmeter, die man erst einmal bewältigen muss.

Zeitlich wird es bei mir inzwischen leichter, da meine Mädels fast erwachsen sind und ihren eigenen Weg Richtung Studium und Ausbildung einschlagen. Dadurch habe ich immer mehr Freiraum und auch finanziell bin ich gut aufgestellt. Auf die vielen Kontakte, von denen Du schreibst, freue ich mich jetzt schon. Das klingt wirklich nach einer besonderen Gemeinschaft, fast so wie hier im Forum.

Danke auch für den Tipp mit dem Hirschtalk! Den werde ich mir definitiv merken. Und ja, ich glaube auch, dass die Strecke für Frauen sicher ist, besonders wenn sich im Frühjahr viele gleichzeitig auf den Weg machen. Außerdem: morgens, ungeschminkt und mit Kissenabdrücken im Gesicht fühle ich mich ohnehin ziemlich unauffällig. Trotzdem werde ich vorsichtshalber vorher noch einen Selbstverteidigungskurs machen, schaden kann’s ja nicht.

Für Deine Klagen und die Rückerstattung drücke ich Dir ganz fest die Daumen. Und stell Dir mal vor: Du gehst eines Tages wieder den Camino, und neben Dir läuft eine Frau, die sagt: „Übrigens, ich habe damals in einem Forum für Glücksspielsüchtige über meine Reise geschrieben…“ ;D

Liebe Grüße
Eva


Hallo Mr. Nobody,

vielleicht hast du die wirklich schönsten 800 Kilometer einfach noch vor Dir? ;)

LG
Eva



Eva54:
Gestern war es soweit: Meine erste richtige Wanderung. Der nächste größere Ort liegt ungefähr 20 Kilometer entfernt – also nix mit „mal eben rüberlaufen“. Rucksack gepackt mit allem, was dazugehört: Obst und Gemüsesnacks, Wasser, ein Regenponcho (man weiß ja nie) und – ganz wichtig – ein paar Hundesnacks. Man kennt ja die „Der-tut-nix“-Rasse.

Das Wetter war perfekt. Rechts von mir die Elbe, links der Deich mit den Schafen. Ein freundliches „Blöööhk“ von der Schafherde- der offizielle Wander-Gruß. Die ersten zehn Kilometer kannte ich noch vom Joggen, da lief’s easy. Jede Menge Radfahrer sausten vorbei, Spaziergänger grüßten, Hunde waren freundlich. Auf dem Deich weht immer so ein kleiner Wind, das macht das Laufen echt angenehm.

Nach einer Pause wurde der Weg spannender und auch ein bisschen unbequemer. Runter vom Deich, hinein in Wald und Wiesenweg.
Klingt erstmal idyllisch, aber ich merkte plötzlich: Ich fühle mich ein bisschen unwohl, nicht schlimm, aber ungewohnt, ein bisschen kratzig eben.

Vielleicht sollte ich mich einer Pilgergruppe anschließen? Die laufen gemeinsam los, jeder geht in seinem eigenen Tempo, und abends trifft man sich an einem festen Punkt. Erst wirkte die Idee auf mich fremd , aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr gefiel mir das. Ein bisschen Sicherheit, ein bisschen Struktur. Und am Ende: warum sollte man sich Hilfe nicht gönnen? Ich nehme ja auch Hilfe in anderen Bereichen an – zum Beispiel mit Gamban auf meinem Handy. Dank der App hab ich keine Chance mehr, mal eben im Online-Casino zu landen. Das ist inzwischen eine große Erleichterung, weil ich mein Smartphone wieder entspannt benutzen kann, ohne Suchtgedanken.

Der Weg wurde dann richtig nett: Schmetterlinge flatterten, Vögel sangen und ich hab die größte Schnecke meines Lebens getroffen!

Und meine Gedanken wanderten mit mir. Ich erinnerte mich an das Sportfest, als meine älteste Tochter vier Jahre alt war. Sie startete beim Wettlauf mit ihren drei Freunden, rannte allen davon und war die Erste, doch direkt vor der Ziellinie blieb sie stehen. Mein Mann rief ihr zu, sie solle die Linie überqueren, aber sie rief zurück: „Ich gewinne doch nicht ohne meine Freunde!“ Am Ende liefen sie alle zusammen über die Linie – und ich wünsche mir so sehr, dass sie diesen Charakterzug ein Leben lang behält.

Natürlich gingen mir auch die typischen Alltagssachen durch den Kopf (Was koche ich? Welche Arzttermine stehen an? Hallo Steuerunterlagen, jaaa, ich weiß, ihr wartet …). Und dann wieder die Gedanken zur Spielsucht.

 Das letzte Mal habe ich am 20. Januar gespielt – fühlt sich inzwischen wie eine Ewigkeit an. Der Spieldruck, der am Anfang so krass war, ist fast weg. Ich hätte das nie geglaubt! Heute besuche ich mehrere Meetings, eine sehr liebe Mitstreiterin hat angefragt, ob ich Interesse an einer Vormittags Gruppe habe, es gibt Ideen für ein Buchprojekt (Arbeitstitel: Dostojewskis Erben) und sogar einen Podcast. Aber langsam sollte ich wohl irgendwas davon streichen, unser Haus sieht aus, wie...., naja, aber wichtiger sind Sport, Spielfreiheit , und Freunde. Der Staub kann warten, was er wohl auch tun wird.

Die letzten fünf Kilometer musste ich an einer Straße lang,  nicht ganz so schön, aber okay. Zurück ging’s dann ganz entspannt mit der Bahn.

Zu Hause: Eine heiße Dusche, ein Glas alkoholfreier Weißwein, eine große Schachtel Schokolade. Fernseher an, Füße hoch, Seele runterfahren.

Und da lag ich, müde, glücklich, satt und zufrieden.

So soll's sein. So darf es bleiben!


mutze:
Hallo Eva

Ich habe schon von diesem Jacobs Weg gehört , aber nie so einen weiten Weg hinter mich gelassen.

Ich seh nur immer die Pilger im Fernseh und was die alle auf sich nehmen um so einen weiten Weg zu gehen. Und dieses Jahr war dafür sogar das Wetter zu heiß. Also sei ein bisschen vorsichtig wenn Du diesen Weg gehst.

Ich finde es spannend würde es aber wohl nicht schaffen aus gesundheitlichen Gründen. Mir würden die Füße qualmen  ;D




Früher waren wir im Urlaub immer schön im Wald spazieren, so wie Du jetzt. Am Deich gehen wir schon lange nicht mehr, weil man mit dem Hund nicht mehr da lang laufen darf.  Ich finde es schade, das man mit dem Vierbeiner noch nicht mal mehr am Wasser gehen kann. Überall Security. Habens selbst erlebt. Aber egal.

Ich hoffe und wünsche Dir einen schönen entspannten Pilger Weg wenn Du ihn beginnst. Mach auch genügend Pausen und zieh richtiges Schuhwerk an.

Wünsche Dir ein schönes Wochenende

LG Mutze

Eva54:
Danke Dir für die lieben Worte!  Ja, der Jakobsweg ist wirklich spannend, dennoch wird es wohl noch ein paar Monate dauern. Ich möchte auf jeden Fall noch sicherer in meiner Spielfreiheit stehen (am Allerwichtigsten!)  und die Vorbereitungen ernst nehmen.

Es gibt in Deutschland den Köln- Trier- Jakobsweg. Er ist "nur" 240 Kilometer lang und verbindet zwei bedeutende Kathedralen miteinander – den Kölner Dom als Startpunkt und den Trierer Dom als Ziel. Ich war letztes Jahr zum ersten Mal in Köln, der Dom ist so beeindruckend, ich finde den Startpunkt sehr stimmig, den Trierer Dom kenne ich noch nicht.

Von Köln aus geht es zunächst am linken Rheinufer entlang, bevor der Weg durch das Rheinland und weiter in die Nordeifel führt. Unterwegs kommt man durch Orte wie Brühl, Euskirchen, Bad Münstereifel und Blankenheim. Geplant ist, im Herbst diese Strecke mal zu testen.

Schade mit dem Deich, das hätte ich auch schön gefunden mit dem Hund. Bei uns ist Leinenpflicht, solange die Schafe da sind, natürlich. Danach sieht man es nicht mehr so streng, wenn die Hunde frei rumlaufen.

Ich wünsche Dir auch ein wunderbares Wochenende!

Herzlichst
Eva

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