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Tagebuch einer Blume

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Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #15 am: 14 August 2018, 21:41:32 »
Ich bin da sicher etwas schwer zu verstehen, von außen. Als Borderliner ist man ein Grenzgänger. Immer alles ausreizen. Was wäre denn der Absprung von süchtigem Verhalten, ohne einen Rückfall zu erleiden? Irgendwie muss man doch Mal wieder Grenzen austesten. Straight ist langweilig. Und wenn schon Rückfall, dann doch lieber zu meinen Konditionen. Es geht gar nicht primär um das Spielen, sondern darum, dass ich nicht ich wäre, würde alles reibungslos klappen.
Ich habe schon viele eigentlich Wahnsinnige Dinge gemacht. Ich habe 4!! Monate vor meinem Abitur nicht nur die Schule, sondern gleich das Bundesland gewechselt.
Habe mein Abi dort voll durchgezogen. Habe eine sicher Ausbildung beim Finanzamt im gehobenen Dienst geschmissen. Danach angefangen zu studieren, Studium mit Diplom beendet.
Mein Weg ist nicht der Einfache. Nie gewesen. So bin ich nicht.
Ich bin ein klassischer Trouble Maker oder ich lasse den Trouble mit mir machen.

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Offline Olli

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Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #16 am: 14 August 2018, 22:40:08 »
Hi Strelitzie!

Ich bin gerade etwas überrascht.

Du klingst in Deinen Beiträgen sehr souverän und aufgeklärt.
Nun lese ich, dass Du einen Rückfall hattest und dies mit den neuen Richtlinien für Dich begründest.

Für mich - keine Ahnung ob es stimmt - hört sich das aber an, als hättest Du einen Grund gesucht und auch gefunden, um Dir das Spielen zu erlauben.

Bestätigt finde ich es hierdurch:
Zitat
Typisch für Borderline. Grenzgänger.

Ich mache Dir keinen Vorwurf ... wie könnte ich ...

Die Welt geht nicht von den 100 € Verlust unter.

Allerdings frage ich mich, wie Du das künftig verhindern könntest, wenn Deine Hemmschwelle zu spielen so gering ist?

Hättest Du da eine Idee?
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #17 am: 14 August 2018, 23:31:16 »
@ NW

das ist mir schon klar.....

Ich wollte damit ausdrücken das ich nicht erkennen kann man auch aufhören will und NICHT nur muss.
Mir hat das zocken ja auch Spaß gemacht. (zumindest am Anfang).

Ich plane dieses Jahr noch mit dem rauchen aufzuhören (ist auch fast so teuer wie zocken geworden --))
Solange ich aber nicht 100% will starte ich erst gar keinen Versuch weil es einfach keinen Sinn macht.
Ich schwer zu beschreiben …
Hier ist es genauso ..
es wird mich wahrscheinlich umbringen
es ist teuer
es kotzt mich an das immer Zigaretten im Haus sein müssen
meine Kinder sehen das (ist nicht gut)
die Sachen stinken alle nach Zigarettenrauch....

Aber es hat einfach noch nicht Klick gemacht …. ich hoffe es wird dieses Jahr noch was...…

Halte aber nichts davon zu sagen … heute ist Neujahr ich höre mit dem rauchen auf.
Sollte jetzt aber nur ein Beispiel sein.

Man muss es auch aus freiem willen wollen, weil es einfach Klick gemacht hat und man verstanden hat das diese Sucht einen ansonsten zerstören wird.
Und Klar ist auch das wir bis zu unserem Lebensende eben mit unser Sucht leben müssen.
Aber das Leben sollte sich nicht nur um unsere Sucht drehen.

Aber das ist meine Meinung … ich bin hier um nach Therapieende weiter am Ball zu bleiben.
Ich lese auch noch in einem Spielerforum wo immer mehr Leute sich äußern und Ihre "Spielerkarriere" beschreiben.
Ich finde dies immer Hochinteressant und finde mich in einzelnen Bereichen wieder das wiederum hält mir einen Spiegel vor.
Mittlerweile mit 24 Monaten abstand muss ich sagen das ich nichts vermisse.
Mir geht es sogar richtig gut.



Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #18 am: 15 August 2018, 05:49:21 »
@Olli

Ich merke an deinen Worten, dass mein "System" im Laufe der Jahre sehr gut funktioniert. Es gibt 2 Gesichter von mir. Einerseits die studierte Juristin, überlegt, sehr reflektiert, Lösungsorientiert, immer einen guten Spruch auf den Lippen und andererseits das kleine, chaotische, unkontrollierte Mädchen, bockig, egoistisch.
Ich habe mich mit der Zeit entschieden, dass ich hier beide Seiten von mir zeigen möchte. Mein Chaos zeige ich nicht vielen. Ich habe hier Vertrauen gefasst.

Nun zu deiner Frage. Eine wirkliche Lösung habe ich dafür nicht. Es kann nur die Entscheidung für beide Seiten in mir sein, dass ich einfach nie mehr spielen gehe. Ich denke inzwischen, im Alter von 36, dass meine inneren Dämonen mich mein ganzes Leben begleiten werden. Dafür ist einfach zu viel passiert um sie wirklich los zu werden. Was ich aber weiß ist, dass ich oftmals bewusst die Entscheidung treffe, welche Seite ich gewinnen lasse. Was für ein wording. Ich werde den Fokus darauf setzen, dass ich den Konflikt, der mit der Spielsucht nach außen getreten ist, wieder in mir verschwindet und innerhalb ausgetragen wird.
Das kostet oftmals viel Kraft, aber ich bin bereit diese aufzubringen. Spielen gehen ruiniert einfach alles und es hat sich bei weitem nicht so toll angefühlt die letzten Tage, wie ich gedacht habe.

@Gobo,NW
Irgendwie muss man doch aufhören. Die Tatsache, dass man muss heißt wirklich lange nicht, dass es einfach sein muss

Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #19 am: 15 August 2018, 17:34:15 »
Das es einfach ist oder wird hat keiner gesagt.
Wichtig ist nur das man sein persönliches Ziel nicht aus den Augen verliert.

Ganz wichtig ist es auch das man sehr auf sich achtet ansonsten steckt man sehr schnell wieder in seinen alten Verhaltensmuster drin.
Hatte ich damals und hatte mich sehr darüber erschrocken... schleichender Prozess der aber sehr schnell greift um wieder voll dabei zu sein.

Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #20 am: 19 August 2018, 07:15:56 »
So langsam ist der Rückfall verdaut. Bin seit gestern bei meiner Mama zu Besuch. Ihr habe ich es auch erzählt. Bleibe bis Mittwoch. Habe nicht mehr Urlaub bekommen.
Aus eigener Erfahrung kann ich jetzt sagen, dass es gut ist, darüber zu reden und niemals aufzugeben. Es war nicht gut, was passiert ist, aber kein Grund den Weg der Abstinenz nicht weiter zu gehen

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Offline Olli

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Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #21 am: 20 August 2018, 16:03:51 »
Hi Blümchen!

Aus jeder Erfahrung können wir lernen!

Schönen Urlaub noch ...  :)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #22 am: 21 August 2018, 10:53:30 »
Hi Olli,

Ich danke dir. Es war wirklich der richtige Schritt meinem Umfeld den Rückfall zu berichten. Die gute Nachricht ist, dass ich noch 350 Euro bei meiner Mama auf dem Konto habe und genug netto und Shell Gutscheine. Die getroffenen Sicherungsmaßnahmen haben voll gegriffen.

Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #23 am: 07 Januar 2019, 07:40:47 »
Hallo meine Lieben,

Ich wollte Mal wieder über mich berichten.

Mein Leben hat eine 180 Grad Wendung erfahren. Im September wurde bei meiner Mama Krebs diagnostiziert. Im Oktober bin ich wieder nach Hause gezogen. Meine Mama hat ein Reihenhaus und ich oben meine eigene Etage. Die alte Wohnung in Vogtland ist zu Ende Januar gekündigt. Ich hatte Anfang November noch einen Rückfall, seit dem bin ich abstinent. Das neue Leben ist sehr anstrengend. Meine Mama ist aktuell wieder in KKH. Meine Tante unterstützt mich sehr. Habe vollen Zugriff auf das Vermögen meiner Mama. Kann die EC Karte zu jeder Zeit meiner Tante übergeben. Anfangs war es für mich sehr schlimm. Zu wissen, dass ich jederzeit tausende von Euro verzocken könnte. Ich gebe, freiwillig, Rechenschaft über jeden Euro ab, den ich ausgebe. Man wächst wirklich an seinen Aufgaben. Ich bin sehr achtsam, lese viel in diversen Suchtforen. Sobald die alte Wohnung abgewickelt ist, gehe ich hier in eine Selbsthilfegruppe. Kontakte sind bereits geknüpft. Ich habe eines gelernt: das Umfeld macht für mich alles aus. Meinem Vater habe ich Weihnachten reinen Wein eingeschenkt. Hätte solche Angst davor, aber er hat toll reagiert. Seine Frau war geschockt, Bänkerin. Ich hatte Suchtdruck, habe dann aber zum Telefon gegriffen und mit einer Vertrauensperson geredet. Meiner Tante oder meiner Partnerin. Ich gehe diesen Weg jetzt weiter. Ich möchte mich nie wieder so schlecht fühlen wie noch letztes Jahr.

Eure Streli

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Offline taro

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Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #24 am: 07 Januar 2019, 07:48:57 »
Moin Strelitzie,

beim Seillauf ohne Netz ist man bedeutend achtsamer, da jeder Fehltritt tödlich sein kann.
Was das Vermöge  Deiner Mama anbelangt gibt es schon Möglichkeiten sie vor Deinem unkontrollierten Zugriff zu schützen, Du mußte es nur wollen.
Ich wünsche Die Viel Erfolg auf Deinem eingeschlagenen Weg!

Taro

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Offline Olli

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Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #25 am: 07 Januar 2019, 10:03:52 »
Guten Morgen Streli!

Vielen Dank für Dein Update.

Ich muss gestehen, dass ich es aber nicht so recht einzuordnen weiss.

Daher frage ich einfach mal gerade heraus: Wie fühlst Du Dich?
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #26 am: 07 Januar 2019, 10:07:18 »
Hallo Strelitze,

da bist Du ja in einer völlig neuen Lebenssituation. So empfinde ich das. Du schreibst von Verantwortlichkeit, von Beziehungsklärungen, von Finanzverhalten.
Wenn die Mutter schwer Krank wird, ist auf einmal vieles anders. Das mußte ich auch begreifen, lernen und es auch in meiner Kompetenz händeln.
Damals habe ich die Vorsorgevollmacht für meine Mutter bei der Krankenkasse übernommen, und z.B. den Heimverfrag abgeschlossen. Meine jüngere Schwester hat die Kontovollmacht übernommen. Das war mir nur allzu Recht, und hat mich entlastet.

Ich wünsche Dir und Deiner Mutter alles erdenklich Gute, Genesung und Zuversicht..

Liebe Grüße und schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #27 am: 07 Januar 2019, 15:14:29 »
@Olli:
Ich denke, dass ich stabiler bin, als ich es mir zustehen will und kann. Diesen Post heute früh empfinde ich als eine Erweiterung meines Sicherungsnetzes. In dem ich meine Situation schildere, mache ich sie mir selbst erneut Bewusst und fühle mich irgendwie hier von euch ebenfalls mitgetragen. Weiß nicht so Recht, wie ich das ausdrücken soll. An der Stelle fehlen mir tatsächlich Mal die Worte.

Re: Tagebuch einer Blume
« Antwort #28 am: 07 Januar 2019, 15:17:31 »
Ich möchte die finanzielle Verantwortung nicht abgeben. Irgendwann Erbe ich sie sowieso. Hoffe, dass dieser Tag weit weit in der Zukunft liegt. Vor diesem Tag habe ich seit dem ich mit dem Spielen angefangen habe, Angst gehabt. Jetzt trainiere ich für den Ernstfall in der Zukunft.

 

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