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mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten

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Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #30 am: 05 Oktober 2018, 13:51:47 »
Hallo zusammen,

danke für eure ganzen Anregungen zu meiner Situation!

@Olli:
Ich wollte nach Absprache mit der Schuldnerberatung diesen Kredit gar nicht mehr wahrnehmen. Die hatten Nachweise zu Schufaeinträgen gefordert, angerufen etc. und ich habe nicht mehr reagiert, sondern es einfach auslaufen lassen wollen. Auf einmal war dann das Geld auf dem Konto (den entsprechenden Antrag hatte ich eben schon vor etlichen Wochen unterschrieben und abgeschickt). Und die Summe war das einzige Angebot, dass ich damals bekommen hatte. Glaube eher nicht, dass ich damals gezielt den "Rückfall" geplant hatte. Wobei ich es eh nicht Rückfall nennen würde, weil ich im Prinzip die ganze Zeit noch drin bin und die abstinente Spielzeit nach wie vor in der Regel leider nur aus Geldmangel zu Stande kommt...

Vorkehrungen für den nächsten Geldeingang habe ich noch nicht wirklich getroffen, ich hatte mein Konto schon monate-, womöglich über 1 Jahr, abgegeben - vermutlich läuft es vorerst wieder darauf hinaus. Es wird sich jetzt so viel ändern, dass es für mich gerade noch nicht so viel Sinn macht und ich noch nicht weiß, an wen ich es am Besten anvertrauen sollte. Wahrscheinlich siehst du darin schon wieder das Offenlassen einer Möglichkeit zum Zocken nach dem nächsten Gehaltseingang und vielleicht ist da auch wieder was dran..
Ich wollte sicher kein schlechtes Wort über meine erkrankte Therapeutin verlieren oder gar Ihr einen Vorwurf machen. Es hat mir nur wieder gezeigt, dass ich ohne externe Kontrolle oder Orte/Einrichtungen/Menschen vor denen ich mich "rechtfertigen" muss, nichts alleine gebacken kriege. Und andererseits bringe ich deswegen auf der Arbeit wohl so viel Leistung wegen direktem Feedback in Form vonTages- und Wochenreportings etc. und nein in meinem gesamten Arbeitsleben (okay sind noch nicht mal 4 Jahre) habe ich noch nicht einen einzigen Tag gefehlt und immer 100% gegeben. Im Gegenteil etliche Male ausgeholfen, 6 Tage Wochen etc. und ohne zu Übertreiben >>100 Stunden schon ausgestempelt unbezahlt noch weitergearbeitet. Machte mir nie was aus, ich arbeite gerne viel und hart und war teilweise von morgens 5:00 bis abends 23:00 im Einsatz, vielleicht auch weil ich eben nur dort Ruhe vor meiner Sucht und vielleicht ja auch vor mir selber und meinen Gedanken etc. hatte. Der einzige Grund, warum ich mal ausfallen könnte, wäre kein Geld für Benzin..
Die Arbeit war das einzige positive die letzten Jahre und deswegen habe ich mich bisher auch so gegen eine längere Auszeit gesträubt... Und wenn ein Mitarbeiter wochenlang ausfällt um sich um seine Gesundheit zu kümmern, ist es langfristig sicher für den Arbeitgeber gut, aber ich glaube man ist eben etwas gebrandmarkt und die Befürchtung, dass derjenige wieder eine längere Zeit lang am Stück ausfallen könnte, liegt nahe. Dazu ist der Umgang mit den Kollegen etc. sicher nach so einer Therapie ein völlig anderer und man wird anders wahrgenommen. Fachlich wäre eine Rückkehr kein Problem. Und konkret ein Spielsuchtouting dem AG gegenüber kann eben branchenabhängig bestimmt auch Folgen haben.

Abstinenzentscheidung finden ist der springende Punkt - ich habe die letzte Jahre im Rahmen der ambulanten Therapie aber auch für mich alleine etliche Male Listen mit für und wider etc. gemacht und es ist so offensichtlich, dass ich mit der Suchtausübung nie ein glückliches Leben führen können werde. Was die Sucht alles zerstört ist klar, aber auch das, was mir irgendwie gibt, könnte ich kompensieren und trotzdem falle ich immer wieder in meine Schemata zurück..

@ Rainer, Taro, Jens
Ihr erkennt in mir und meinen Ausführungen alle die Gefahr, dass ich versuche vor mir selber davonzulaufen und das kann logischerweise nicht klappen. Einen ähnlichen Gedanken dazu habe ich auch gerade. Ich habe nämlich in meinem Leben auch nie eine Freundin gefunden und schon oft gehört, wie soll jemand mit Dir glücklich sein und Dich lieben, wenn du es selbst nicht mal tust? Da ist sicher auch etwas dran.. Aber zum Davonlaufen: ich habe mein Leben lang bisher nur in meinem Elternhaus und dann bis heute bzw. dann jetzt noch bis zum 1.12 für 2 Jahre keine 2km entfernt in der ersten eigenen Wohnung direkt in der Nachbarstadt gewohnt. Ich verstehe euren Punkt, aber da würde ich jetzt bisher noch nicht chronisches Davonlaufen bei mir diagnostizieren. Eher im Gegenteil, ich hatte und habe immer riesige Angst vor Veränderungen und wollte/will am Liebsten immer alles so lassen wie es ist. Nur jetzt keimt langsam in mir so der Wunsch, mal wo völlig neu zu starten. Ohne meine alte Geschichte und alles was zu mir gehört zu verleugnen, sondern damit einfach völlig unbelastet auf eine unvoreingenommen Umgebung ohne bisherige Meinung o.Ä. zu mir zu treffen. Wie gesagt, mich kennt hier alles und auch wenn ich mich sicher im Laufe meines Lebens in vielen Bereichen verändert habe, haftet doch immer weiterhin der "erste Eindruck". Und ich bin gespannt, wie ich mittlerweile auf komplett neues wirke.


Ohne mich festzulegen, wo und wie es privat und beruflich danach weitergehen wird, bin ich mittlerweile doch ziemlich entschlossen für einige Wochen/Monate eine stationäre Therapie anzutreten. Schaden kann es nicht und ich habe richtig Lust darauf, ist unabhängig von der Auseinandersetzung mit der Sucht eben auch im Prinzip mein erster längerer Ausflug in eine völlig neue Umgebung. Habe dazu auch schon wieder gehört, ob ich das jetzt nur mache, weil ich ab 1.12 keine Wohnung mehr habe und nichts finden würde. Hm.. Vielleicht ist das ja wirklich auch ein Mitgrund und eigentlich sollte ich diese stationäre Therapie ja komplett proaktiv zum Zwecke der Suchtbekämpfung antreten und nicht als Notlösung..

Ach und im Rahmen eines Treffens mit Freunden an meinem Geburtstag habe ich mich das erste Mal seit 6 Jahren Sucht Leuten außerhalb der engen Familie anvertraut. Eigentlich auch ein riesiger Schritt vor dem ich mich trotz Empfehlung von Therapeuten etc. Jahre gesträubt habe. Es hatte irgendwie gepasst und kam relativ unverkrampft rüber und wurde offen aufgenommen. Ganz genau Details und Ausmaß habe ich nicht erzählt, aber dass es sehr ernst ist und ich eben schon eine Therapie hinter mir habe und womöglich eine neue, stationäre anstrebe. Es kam nur Zuspruch, Hilfsangebote etc. Mal schauen inwieweit das Freundschaftsverhältnis sich verändert oder ich anders wahrgenommen und behandelt werde z.B. bei zusammen Fußball schauen, Tipico, Casino Werbung etc..

Hatte die Rechnung an meinem Geburtstag komplett übernommen und auch noch geliehenes Geld an alle zurückbezahlt (verhältnismäßig Kleinbeträge), obwohl ich jetzt wegen Verzocken des ganzen letzten Gehalts schon wieder völlig blank bin. Heute Abend sind wir auch zum gemütlich Essen und danach zusammen abhängen verabredet und ich hab nur noch paar Euro, mal schauen wie ich das handhabe.. Mir würde bestimmt wer was leihen und es wissen dort jetzt eh fast alle Bescheid und der Rest kann es auch erfahren.. Bisher habe ich bei sowas dann in Regel lieber abgesagt oder bin ggf. dann nachgekommen, falls was gemacht wird, was kein Geld kostet. Oder ich habe spotan unter Vorwand Geld auslegen lassen, Geldbeutel vergessen o.Ä...


Schönes Wochenende an alle 8)




Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #31 am: 24 Oktober 2018, 15:49:08 »
Und schon wieder sind so viele Tage vorbeigezogen. Obwohl ich mich immerhin in den letzten 3 Wochen an 5,6 wirkliche schöne Aktionen/Momente zurückerinnern kann.

Auch wenn ich die Zeit trotz etwas verfügbarem Geld bewusst spielfrei ohne eigene Einsätze war, habe ich meine täglichen Gewohnheiten Freespin/Freebet Seiten abzuchecken immer noch nicht ablegen können/wollen(?). Und als gestern für kurze Zeit richtiger Suchtdruck kam, sind die letzten 20€ dann ganz schnell in eine Paysafecard und vielleicht 1h "Unterhaltung/Spannung" getauscht worden. Eigentlich wollte ich mir mit 10€ davon nach dem Mannschaftskampf morgen mit den Kollegen eine Pizza+Getränk gönnen.. Es führt mir immer wieder vor Augen, dass ich wohl im tiefsten Innern immer noch nicht ehrlich die komplette Abstinenzentscheidung für mich finden kann. Auch wenn es offensichtlich ist, dass es mich zerstört und es nach Abwägen des für und wider eigentlich nur die Entscheidung gegen das Glücksspiel geben können sollte.. Vielleicht bin ich noch nicht weit unten genug um zu aufzuwachen.

Aber eine Entscheidung habe ich getroffen, und zwar mich für 12 Wochen stationäre Therapie in die MEDIAN Klinik in Wilhelmsheim zu begeben. Vor 2,3 Tagen kam die Bewilligung der Rentenversicherung, Post von der Klinik selber insbesondere mit konkretem möglichen Startdatum ist noch unterwegs. Aber am Telefon wurde ich gefragt, ob ich erst zum neuen Jahr starten möchte oder auch über Weihnachten dort sein in Frage kommt. Und da es von meiner Seite aus (abgesehen von dem immer noch schlechten Gewissen dem AG und den Kollegen gegenüber..) gar nicht schnell genug losgehen kann, werde ich die stationäre Therapie definitiv noch dieses Jahr antreten, vermutlich Anfang/Mitte Dezember.

Vielleicht ist aber auch gerade diese Gewissheit der Grund, warum ich mich jetzt teilweise etwas kampflos habe gehen lassen.. Ich war und bin eigentlich immer noch mit Vollgas ins Verderben unterwegs, aber diese Einrichtung wird mich auffangen. Gläubiger/Inkassos/der Vermieter etc. werden mir da in der Zeit dort nicht viel anhaben können. Ich ertappe mich schon jetzt bei den ganz schlechten (wenn auch für mich in den Momenten dann vermeintlich logischen) Gedanken es mit diesem Monatsgehalt nochmal zu versuchen und zu zocken. Vielleicht klappt es, mehrmals bin ich irgendwie auf 10k+ hochgekommen. Und mit den 1,2k Schulden tilgen wäre eh nur ein heißer Tropfen auf dem nassen Stein. Und verzocke ich jeden Cent - was solls? Die nächsten 4 Wochen zum Dezembergehalt oder 5,6,7 bis zur Therapie überbrücke ich schon irgendwie, habe ich immer irgendwie geschafft.. Dass ich selbst im (zwischenzeitlichen) Gewinnfall am Ende immer alles verloren habe und dass langfristig gedacht Tausend Euro sehr wohl was aus machen und kurzfristig gerade in Momenten wie morgen Abend sogar "nur" 10€ für mich absolut genial und direkt umrechenbar in 1,2 Stunden echte Lebensfreude wären, blendet mein Gehirn in den Momenten aus..

Konkret sollte ich ganz dringend meine Kontogewalt abgeben und mir einen Finanzüberblick verschaffen. Die zurückgebuchten und die nicht überwiesenen Sachen diesen Monat (ADAC,Telefon,Handy,Kreditraten,Miete etc.) sind natürlich schon wieder in ungeöffneten Briefen geendet. Vielleicht sollte ich meine Schuldnerberaterin wieder um einen Termin beten.. Ohne irgendeinen externen Druck schaffe ich es einfach nicht, mich darum zu kümmern. Vor anderen will ich nicht so undankbar und unfähig erscheinen, nicht mal für so einen Termin mir alleine die eine Stunde Zeit zu nehmen, meine Unterlagen vorzubereiten.. Ich selber alleine bis es mir offensichtlich nicht wert.
Ich hätte den ganzen restlichen Tag Zeit, aber ob ich das schaffe bezweifle ich (oder es will(?)). Stattdessen in Selbstmitleid baden :(

Am Montag habe ich in jedem Fall wieder einen Termin bei meiner Suchttherapeutin.. Dann machen wir insbesondere den ganzen Bürokratie Kram für der Rentenversicherung zusammen fertig und hoffentlich kommt bis dahin Post von der Klinik mit weiteren Details. Bis dahin kann ich im Prinzip auch alles so weiter vor sich hin laufen lassen.. Wobei eine wichtige Aufgabe hatte ich mir selber noch auferlegt. Ich kann zwar theoretisch auch erst kurz vor Antritt der Therapie die Unterlagen dem AG vorlegen und mich einfach für 3 Monate verabschieden, aber ich will diese Woche noch ein offenes Gespräch mit dem Chef suchen. Minimal vorgewarnt habe ich ihn schon, aber das genaue Ausmaß von 3 Monaten Fehlzeit und dass ich mir ehrlicherweise noch nicht sicher bin, wie und wo ich danach weitermache, kennt er noch nicht. Geschweige denn Details zur Erkrankung - ob ich das direkt offen ansprechen kann/will und pathologisches Glücksspiel direkt beim Namen nenne weiß ich noch nicht..


Soweit meiner aktueller Stand..

Die anderen Geschichten von anderen Mitgliedern im Forum verfolge ich übrigens auch gespannt, nur will ich entsprechend meiner eigenen Situation nicht meinen Senf dazugeben. Dass ist auch der Grund, warum ich mich bisher in SHGs nie wohl gefühlt habe und aktuell auch keine besuche. Ich sitze dann nur schweigend dabei und fühle mich auch noch unwohl dabei, obwohl ich durchaus gedanklich dabei bin und folge. Aber was könnte ich auch schon hilfreiches beitragen, ich bekomme es ja selber nicht auf die Reihe.

Abgesehen von den teilweise fast reinen Chargebackern, lese ich hier aber sonst nur von Leuten, die es scheinbar irgendwie langsam schaffen/ "geschafft haben"(ist ja meistens eigentlich ein lebenslanger Kampf, auch wenn er vielleicht irgendwann etwas einfacher und nicht mehr alltäglich ist). Bis auf ein Mensch, der sich hier ja mittlerweile verabschiedet hat und sich weiter scheinbar völlig bewusst der Sucht hingibt und sich noch weiter nach unten sacken lassen will.
Für mich ist es aktuell völlig unvorstellbar, mich alleine oder nur mithilfe eines Forums so mit dem Thema zu beschäftigen, dass es mich entscheidend weiterbringt (auch wenn es mir gut tut, hier zu schreiben). Ich hoffe ich werde mich in den 12 Wochen positiv weiterentwickeln können, sonst kommt mir aktuell nicht viel in den Sinn außer dauerhafte Selbstentmündigung zumindest in Bezug die Finanzen. Jedenfalls habe ich mein Leben absolut nicht im Griff - auch wenn ich mir immer wieder mal einrede, "hättest du halt nur einmal diese 20k auf dem Wettkonto ausgezahlt, dann hättest du jetzt keine finanziellen Probleme und die ganze Welt wäre in Ordnung"..

Liebe Grüße

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #32 am: 24 Oktober 2018, 18:06:33 »
Hallo Suchtel,

das hört sich alles nicht wirklich schön an.

Das mit den 12 Wochen ist die richtige Endscheidung.

Aber für mich liest es sich leider auch so das du wie du es selber schon geschrieben hast noch nicht ganz unten angekommen bist.
Du willst dich immer noch nicht von deinem "geliebten" Spiel trennen.
Mit dieser Einstellung wird es aber nichts.

Die Therapie hilft dir zwar auf den Weg aufhören musst du aber selber.

Bitte Handel vor der Therapie nicht nach dem Motto "Feuer frei" jetzt ist es eh egal.

Schlimmer geht immer.
Das mit der Arbeit ist natürlich immer eine schwere Sache. Hoffe das du das packst.

Bitte halte uns auf dem kaufenden.
Darfst du aus der Therapie heraus schreiben ??
Wäre vielleicht ein Ansatz nochmals mit einem Tagebucht ganz von vorne anzufangen.

Liebe Grüße
Marco



*

Rainer

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #33 am: 25 Oktober 2018, 12:59:02 »
Die anderen Geschichten von anderen Mitgliedern im Forum verfolge ich übrigens auch gespannt, nur will ich entsprechend meiner eigenen Situation nicht meinen Senf dazugeben. Dass ist auch der Grund, warum ich mich bisher in SHGs nie wohl gefühlt habe und aktuell auch keine besuche.

Es gibt User die von vorneherein schon SHG's ablehnen, überwiegend mit der Begründung es erstmal alleine versuchen zu wollen.
Bei dir ist das wieder etwas anderes, schließlich hast du schon (wie du geschrieben hast) 1 Jahr eine SHG besucht.
Ähnliches wie du habe ich auch persönlich erfahren, war in einer SHG und hatte kein Bock mehr auf einer SHG...
Ob mir damals mein Suchtgedächtnis einen Streich spielte, keine Ahnung?
Jetzt aber so im Nachhinein betrachtet gab es nur einen Grund warum ich meine SHG mied -ich wollte spielen -
und alles andere waren mir zurechtgelegte fadenscheinige Begründungen um mir das spielen weiterhin zu erlauben.

   

Vielleicht bin ich noch nicht weit unten genug um zu aufzuwachen.

Ich finde diese/deine Erkenntnis richtig gut!
Besagt es doch das du weißt das es noch weiter abwärts gehen könnte/kann und auch wird wenn du weiter spielst!
Wie weit könnte ich dir aus persönlicher Erfahrung berichten, aber eins kannst du mir glauben, dass willst du erst gar nicht wissen.
Wenn dir also Spielen wichtiger ist als dein Leben...dann solltest du unbedingt weiterspielen!
Bedenke aber das aus kein Spielgerät neues Leben herauskommt...du aber mit jedes weitere Spiel etwas von deinem Leben verschenkst bzw. versenkst.

Abgesehen von den teilweise fast reinen Chargebackern, lese ich hier aber sonst nur von Leuten, die es scheinbar irgendwie langsam schaffen/ "geschafft haben"(ist ja meistens eigentlich ein lebenslanger Kampf, auch wenn er vielleicht irgendwann etwas einfacher und nicht mehr alltäglich ist). Bis auf ein Mensch, der sich hier ja mittlerweile verabschiedet hat und sich weiter scheinbar völlig bewusst der Sucht hingibt und sich noch weiter nach unten sacken lassen will.

Na ja @Suchtel,
der Kreis mit Leuten die sich aufn Weg gemacht haben ist halt verdammt klein, dennoch waren es genau diese es, woran ich mich "hochgezogen" habe...alle anderen waren damals für mich keine Vorbilder.

Dein angesprochener Paysafemaster...was unterscheidet euch beiden?
Nicht böse gemeint, aber denk mal drüber nach!

Vielleicht ist aber auch gerade diese Gewissheit der Grund, warum ich mich jetzt teilweise etwas kampflos habe gehen lassen.. Ich war und bin eigentlich immer noch mit Vollgas ins Verderben unterwegs, aber diese Einrichtung wird mich auffangen. Gläubiger/Inkassos/der Vermieter etc. werden mir da in der Zeit dort nicht viel anhaben können.

Unter diesen Voraussetzungen würde ich von einer Therapie abraten, kommt gleich mit dem was du auch durch das spielen kompensiert ..."Flucht" - und das bringt dir bekanntlich natürlich rein gar nix!

Etwas anderes wäre es wenn du den aufrechten Wille hast Spielfrei zu werden...   
 
 
« Letzte Änderung: 25 Oktober 2018, 13:21:41 von Rainer »

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #34 am: 25 Oktober 2018, 13:12:36 »
Hallo Suchtel,
kennst du die gesetzliche Betreuung mit Einwilligungsvorbehalt? Da übernimmt ein Betreuer alle Rechtsgeschäfte z. B . im Bereich Finanzen, der  Antrag wäre beim Gericht zu stellen., Du verlierst deine Kontogewalt und kannst auch keine rechtskräftigen Verträge mehr machen, das Geld zu leben teilt er dir zu.
Viele Grüße

*

Rainer

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #35 am: 25 Oktober 2018, 13:54:11 »
kennst du die gesetzliche Betreuung mit Einwilligungsvorbehalt? Da übernimmt ein Betreuer alle Rechtsgeschäfte z. B . im Bereich Finanzen, der  Antrag wäre beim Gericht zu stellen., Du verlierst deine Kontogewalt und kannst auch keine rechtskräftigen Verträge mehr machen, das Geld zu leben teilt er dir zu.

Ein Spieler der spielen will der spielt und ein gesetzlicher Betreuer mag eventuell als Hindernis eingebaut werden, aber was Hindernissen betrifft, hiermit wissen wir im allgemeinen sehr gut zu verfahren >:(

Deswegen,
so Gradlinig wie wir diese Sucht ausgeübt haben, genauso Gradlinig muss auch der Weg aus der Sucht sein, alles andere ist eh nur Wischiwaschi -Augenwischerei bzw. sind Spielpausen.

(Öhm, meine persönlich Meinung ::)
 
 
« Letzte Änderung: 25 Oktober 2018, 13:57:31 von Rainer »

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #36 am: 25 Oktober 2018, 13:58:53 »
100 % richtig, was du schreibst.
Und ein gesetzlicher Betreuer bringt nullkommnix bzgl. der Spielsucht.
Aber er schützt einen ggf. vor dem Abstellen des Stroms oder vor Obdachlosigkeit.

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #37 am: 28 Oktober 2018, 11:36:12 »
Danke für eure Gedanken, Gobo/Marco, Balduin und Rainer!

Meine "Einstellung" ist definitiv noch nicht durchgehend die richtige :-\ Was ich allerdings verstanden und geschafft habe ist folgendes.. Ich habe meine endgültige Abstinenzentscheidung zwar offensichtlich immer noch nicht gefunden, aber ich muss und vor allen Dingen will sie aus eigenem Antrieb unbedingt finden..

Ein gesetzlicher Vertreter ist eine Idee, auch wenn er nicht die Ursachen bekämpft, sondern nur die schlimmsten (finanziellen) Symptome. Kontogewalt wieder an Familie oder Freunde abgeben ist mir tendenziell lieber, aber ich habe leider nichts in der Richtung unternommen. "Feuer frei" mit dem neuen Gehalt ist nicht mein Plan. und orgen habe ich das Gespräch mit meiner Therapeutin - ich hoffe für die Zeit bis Gehaltseingang den Kopf klar zu halten und die direkt die Mietrückstände und soweit es geht alte und aktuelle Rechnungen zu überweisen. Abzüglich Tanken und 100-200€ Bargeld.. Aber wenn ich schon selbst von "hoffen" rede ist klar - das ist ein Spiel mit dem Feuer.. Ich bin aktuell optimistisch die Überweisungen zu schaffen, aber ob dann das Bargeld wirklich für die richtigen Bedürfnisse und Vergnügungen bleibt und nicht doch früher oder später in die ein oder andere Paysafecard investiert wird, zweifel ich schon jetzt selber ab. Ich will das so gerne schaffe und mir selber vor Therapieantritt noch beweisen, dass ich es wirklich ernst meine..

Dazu passend habe ich hier im Forum von einem Mitglied einen spannenden Beitrag zum Thema "Disziplin" gelesen. Wie oft habe ich mir selber in den > 6 Jahren gesagt: "Reiß dich doch einfach zusammen, lass den Blödsinn und bezahle wie ein verantwortungsvoller, erwachsener Mensch deine Rechnungen". Ich will auch nicht die Krankheit als "Ausrede" dafür vorschieben. Und bis heute mache ich mir noch Selbstvorwürfe, wie ich in diese ganze Sache (oder auch meine komplette Lebensentwicklung der letzten Jahre) hineingeraten bin. Ich habe definitiv ein Problem mit Disziplin, in ganz vielen Lebensbereichen schaffe ich es nämlich nicht immer meinen Verpflichtungen oder selbst auferlegten Aufgaben nachzukommen . Aber ich bin auch definitiv suchtkrank, was mich besonders anfällig macht und das mit Sicherheit begünstigt. Doch am Ende bin ich ein freier Mensch und es sind meine Entscheidungen und Handlungen - die allerdings von ganz vielen Dingen beeinflusst oder teils manipuliert werden. "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach". Ich glaube fast es ist andersrum, das Fleisch wäre willig, aber der Geist zu schwach? Oder ist sogar beides zu schwach, denn mein Körper vollführt rückblickend auf durchzockte/durchwettete Nächte (und Tage) die Aktionen und Mausklicks teilweise aus Gewohnheit/Routine/angelerntem Instinkt wie von alleine (Suchtgedächtnis..)..


Mein Gespräch mit meinem Chef hatte ich, allerdings hatte er nur recht kurz Zeit für mich. Das machte es mir einerseits etwas einfacher, weil ich so ziemlich direkt zum Punkt kommen musste. Dafür blieb ich auch eher oberflächlich - ich falle demnächst aus gesundheitlichen Gründen für einige Zeit aus. Er hat das nach kurzer Überraschung und Geschocktheit gut aufgefasst und mir extrem den Rücken gestärkt und wünscht sich mich danach genesen unbedingt im Team zurück. Abgesehen vom stationären Aufenthalt habe ich nichts über die Erkrankung gesagt und er hat dann am Ende nochmal nachgefragt, ob ich nicht darüber reden möchte. In dem Moment wollte ich das aber vorerst nicht und wir sind verblieben, dass ich mich gerne jederzeit damit bei ihm melden kann. Ich habe es Stand jetzt auch vor Therapieantritt noch vor, aber ich möchte dafür dann etwas mehr Zeit im Gespräch und nicht einfach nur "pathologisches Glücksspiel" hinklatschen, sondern etwas tiefer gehen. Auch weil ich da nach wie vor Sorgen habe, dass sowas (wenn auch zurecht) Bedenken hervorruft und ich mit etwas Details zu den Umständen eher Verständnis erwecken kann. Wenn ich ein konkretes Datum und die ganzen Unterlagen für den AG fertig habe, werde ich das womöglich das tiefere Gespräch suchen. Auch wenn meine Therapeutin (die mich ja auch schon während der der ambulanten Reha betreute) mir meine Entscheidung in der Beratung nicht abnehmen wollte, war Sie der Meinung, dass zu meiner Therapie und dem "Genesungsprozess" sicherlich auch noch gehören wird, noch mehr Offenheit im Umgang mit meiner Krankheit zu lernen. Das stimmt mit Sicherheit und ich habe den Wunsch irgendwann nirgendwo mehr Verschweigungen, Ausweichungen, Ausreden, "Notlügen" und Ähnliches im Leben nötig zu haben. Aber selbst abseits von der Sucht wird das im Leben mit Sicherheit noch ein gaaanz weiter Weg, bei dem ich das Ziel voll umfänglich womöglich nie erreichen werde. Aber zumindest Stück für Stück in die Richtung, vielleicht ist ja dabei der Weg das Ziel..


Auch wenn ich ja schon im letzten Beitrag in Selbstreflektion die Befürchtung hatte, diese stationäre Therapie (Details dazu, ob es da Internet gibt (ich hoffe insgeheim nein) und ob ich in der Zeit dann hier im Forum schreiben kann/mag werden erst noch folgen) vielleicht als Auffangschutz für Eskalation bis dahin nutzen, will ich sie definitiv antreten.
Erstens wäre selbst in diesem Fall die Chance da, mich dann in 3 Monaten intensiver Beschäftigung mit mir und der Sucht mich, mein Mindset und mein Verhalten entscheidend zu verändern zu können.
Und zweitens bin ich gerade sehr optimistisch mich nicht mit dem kommenden Gehaltseingang der Sucht hinzugeben. Entgegen so manch anderem Male in diesen kritischen Phasen bin ich gerade auch nicht schon voll von Gedanken der nächsten laufenden Wetten, sondern bereits fast erfüllt von dem Gefühl der zu meinem eigenen Wohle sinnvoll getätigten Überweisungen. Ich erinnere mich daran, wie zufrieden ich schon war, als ich vor dem PC saß und es mal geschafft habe alles sauber zu überweisen. Auch wenn das Konto dann noch nach dem Abheben von etwas Geld für den Monat auch schon vor dem Monatsersten leer war, saß ich mit bereits 15/100 ausgegebenen Euro unglaublich glücklich mit Freunden bei einer Portion Nachos mit Getränk beim Film im Kino.


Diverse Sachen bedrücken mich zwar aktuell wie z.B. bisher wegen Mietrückstand gemiedener Kontakt mit dem Vermieter&langsam nötiger Vorbereitung der Wohnungsübergabe (aktuell, wo es kalt wird, kommt genau jetzt trotz ordentlichem Lüft- und Heizverhalten wieder ein Problem mit Schimmel..), offene Rechnungen, Kreditratenverzüge u.v.m.. Ich habe aber die Woche Urlaub und es kommen schöne Sachen, wie Treffen mit Familie und Freunden und allgemein bin ich wieder in Aufbruchsstimmung. Wenn ich es jetzt noch endlich mal wieder schaffe meine Post zu öffnen und mir einen Überblick zu verschaffen.. Aber heute finde ich die Disziplin dazu, es muss sein!
Auch wenn es eher um den Therapieantrag geht, ist vielleicht auch der Termin mit der Therapeutin morgen der kleine externe Kick, der es mich schaffen lässt.


Liebe Grüße :)

*

Offline taro

  • *****
  • 508
Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #38 am: 28 Oktober 2018, 15:58:32 »
Moin Suchtel,

der Entschluss spielfrei werden zu wollen mit den Handlungen um das wahr werden zu lassen ist schon eine ganze Menge.

Der Suchtdruck wird kommen, doch ist jeder überstandene Moment ein weiterer Schritt in die Spielfreiheit.

Die Momente des kaum auszuhalten Drucks sind meistens kurz. Mir hat es geholfen in solchen Momenten mit anderen Spielern zu telefonieren, warum ich jetzt spielen gehen muss. Beim Gespräch ist der Druck dann immer verflogen.  Als ich mit dem Rauchen aufhörte habe ich alternativ in einem Forum schreiben wollen, warum ich den Dealer erliege. Ich fing an zu schreiben und fand alles erbärmlich.  Der Schmachter ist dabei verflogen.

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #39 am: 29 Oktober 2018, 11:14:03 »
Hallo Suchtel,

das Drehen der Gedanken ums Geld ist bei mir ein Teil der Sucht. Wie der Magersüchtige sich den ganzen Tag mit Essen beschäftigt, beschäftige ich mich permanent mit meinen finanziellen Mitteln. Das führt bei mir wieder zum Spielen, weil Gewinne ja scheinbar meine Probleme lösen können.

Es sieht bei mir zwar besser aus, als bei dir, denn Miete und Energie waren bei nicht gefährdet, aber ich bin auch an die Grenze gegangen. Ich hab den Strom immer verspätet bezahlt, meine Centstücke zusammengekratzt um trockene Brötchen zu kaufen und meine Bekannten am Ende des Monats um kleinere Summen mit Ausreden angepumpt um noch ein bisschen was zu Leben zu haben.

Ich habe es dann auch immer so gehalten, dass ich anfangs des Monate meine Rechnungen bezahlt habe und dann den Rest verspielt habe.

Da das bei dir jedoch schief gelaufen ist spielst du mit dem Feuer und Obdachlosigkeit. Deshalb mein Rat: Gibt die finanzielle Kontrolle ab, schließ das Hintertürchen, dass du die Einnahmen doch verspielen kannst, mach es heute.
Auch wenn es dir diesen Monat gelingt, die Rechnungen zu bezahlen, mach es trotzdem für die nächste Zeit. Es ist so schwierig, in der heutigen Zeit mit negativer Schufa ein neue Wohnung zu finden.

Der Druck, der dir dann "zwangsweise" genommen wird, darf natürlich trotzdem nicht dazu führen, dass du deinem Weg zu Spielfreiheit nicht fortführst.

Viele Grüße


Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #40 am: 29 Oktober 2018, 19:42:49 »
Ich habe mich tatsächlich noch vor meinem Termin an meine Post gewagt und alles sortiert - es sieht gar nicht soo katastrophal aus.

Mit meiner Therapeutin bin ich vor allem wie geplant die Post der Rentenversicherung mit der Bewilligung durchgegangen und wir haben Papierkram fertig gemacht. Es gibt aber auch noch ein paar Sachen, die mir dann nächste Woche der AG ausfüllen muss. Post von der Klinik kam immer noch nicht, wir haben angerufen und es gibt eben noch keinen konkreten Platz und Termin. Es kam dann aber noch während der Stunde ein Rückruf - nächste Woche wäre spontan ein Platz frei geworden... Gefällt mir nicht... 1. dem AG gegenüber dann doch so kurzfristig auszufallen und 2. weil das mit der Wohnung und rechtzeitigem Leerräumen etc. extrem schwierig werden würde. Punkt 1 haben weder die Dame der Klinik noch meine Therapeutin richtig gelten lassen wollen, Punkt 2 schon eher.  Ich soll nochmal eine Nacht drüber schlafen und morgen Rückmeldung geben. Ansonsten klappt es vielleicht erst die Woche vor Weihnachten. Direkt Anfang Dezember wäre perfekt für mich gewesen, aber dann bin ich lieber 2,3 Wochen bei Freunden oder Familie als so Hals über Kopf... Wenn mich über Nacht kein Sinneswandel überkommt, sage ich den direkten Einstieg ab; die Dame meinte eventuell hat sie morgen dann auch schon noch einen anderen Platz im Dezember, der frei wird.

Heute Nachmittag war dann schon das Gehalt auf dem Konto, ich habe eher geistesabwesend nebenbei am PC mein Online-Banking gechecked und es zufällig bemerkt. Uff, ich war für heute noch nicht so direkt darauf vorbereitet, aber habe mir mich motivierende Mucke angemacht, meine Aufstellungen und Planung von nach der Postöffnung geholt, und die Sachen der Reihe nach überwiesen 8)
Ich habe momentan einige Hürden eingebaut, so dass ich zum Glück nicht ohne weiteres online wo einzahlen könnte, aber sowohl direkt nach Erblicken des Kontostands als auch wieder etwas nach den getätigten Überweisungen kam enormer Suchtdruck auf. Ich hätte es mir ja jetzt verdient.. Und 20,50€ tun machen nicht den Unterschied und wie oft hab ich damit schon einige Hunderte rausholen können.. Ich habe aber meine Vernunft, Disziplin etc. wieder finden und es mir ausreden können. Bargeld abheben, Tanken und Einkaufen alles erstmal verschoben. Überall gibt es diese Paysafecards oder andere Auflademöglichkeiten (CashToCode etc..)..

Taro, das mit dem Anrufen bei Suchtdruck ist so eine Sache. Wenn ich es wirklich schaffen sollte das Telefon/Handy in die Hand zu nehmen, bin ich im Prinzip schon wieder genug bei Sinnen. Ich weiß ja ganz genau, dass dem Suchtdruck nachgeben falsch wäre und mir der Angerufene es "ausreden" bzw. in Gedächtnis rufen würde, dass ich es selber doch eigentlich gar nicht will.. Genauso wie diese Strategien kleine Peperonis in der Hosentasche zu haben und dann draufzubeißen oder wenn man daheim ist einfach in Kleidung unter die Dusche springen und Wasser laufen lassen.. In der Theorie genial und kann einem Helfen diese Minuten des extremen Suchtdrucks zu überstehen und ich finde es super, wenn jemand da für sich was findet, was klappt, wie bei dir Telefonieren  :) Aber mich hat bisher leider nichts davon effektiv vor "Rückfällen" bzw. Unterbrechungen meiner kurzzeitigen Spielpausen bewahren können.. Vielleicht habe ich aber einfach auch noch nicht das gefunden, was für mich funktioniert.
Sorry, ich merke schon selber - ich wirke oder bin mal wieder beratungsresistent und will alles besser wissen und schon probiert haben.. Ich habe zwar schon ein paar Jahre incl. einiger Zeit aktiven Kämpfens gegen die Sucht hinter mir, aber bin trotzdem noch ganz am Anfang meiner Reise in Richtung Spielfreiheit und bin dankbar für jede einzelne Hilfestellung, Idee, Tipp, Anregung etc...

Balduin, ein Glück habe ich es ohne deine empfohlene Abgabe der Kontrolle geschafft, allerdings war es ein riesiges Risiko und ist nur - zumindest vorerst - geradeso gut gegangen und das Schlimmste für den Monat schon mal abgewendet. Aber umso schöner und gut fühlt es sich gerade an, es mal endlich wieder alleine geschafft zu haben.
Ich weiß noch gar nicht, wie ich in der Zeit in der Klinik das ganze mit Wohnsitz, Post etc. handhaben kann, aber zumindest währenddessen werde ich wohl sowieso die Kontrolle über Konto etc. wieder abgeben.
Der Zug mit der Schufa ist bei mir längst abgefahren :-\ Wie ich nach der Therapie eine Wohnung finde, weiß ich noch nicht. Aber da kriegt man sicher Unerstützung, evtl. kommt auch eine gewisse Form des betreuten Wohnens in Frage. Und ansonsten bin ich wohl auf Bürgschaft angewiesen, da würde ich aber auch wen finden können. Nichtsdestotrotz ist die Wohnungssuche allgemein eh immer schwierig, aber soll bis Februar, März erstmal nicht eine meiner primären Baustellen sein.

Ich hoffe ich schaffe die nächsten Tage ohne Spielen, morgen oder spätestens übermorgen muss ich Geld abheben, Tanken und Einkaufen. Ich habe schon oft den Plan gehabt 200€ in einem Briefumschlag zu legen und das Geld nur ganz gezielt den Monat über zu verwenden. Geschafft mich daran den ganzen Monat über zu halten, habe ich bisher noch nie. Zumindest für die nächsten paar Tage bin ich aber gerade optimistisch gestimmt :)

Im Urlaub richtig verreisen können, habe ich schon lange nicht mehr. Aber die nächsten Tage könnten trotzdem ganz schön werden. Vereinsabend, zusammen Fußball DFB Pokal schauen (kein großer Trigger, Fußball war die letzten Jahre schon lange nicht mehr mein Wettgebiet), Halloween mit Freunden, Shishabar, gegen Wochenende Familie besuchen. Alles mit genug Geld und theoretisch vorerst recht frei von größeren Sorgen, hoffentlich bleibt es so und ich verbaue es mir nicht irgendwie..

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #41 am: 30 Oktober 2018, 18:13:41 »
Ich habe mich wie erwartet gegen den quasi direkten Termin in der stationären Klinik entschieden und denen Bescheid gegeben. Ich habe zwar noch keine konkrete Alternative genannt bekommen, aber im Laufe des Dezembers wird es höchstwahrscheinlich schon klappen. Das reicht mir auch und passt mir einfach wesentlich besser.

Ansonsten habe ich weiter im Griff gehabt und nirgendwo auf welche Art auch immer etwas eingezahlt, war aber auch noch nicht einkaufen und tanken. Heute war vom Suchtdruck her aber gar keine ganz heiße Phase dabei. Jetzt gleich auf zum Sport und dann zusammen Pokal gucken und ich kann mir dabei was gönnen 8)

Morgen an der Kasse im Supermarkt und Tankstellenschalter muss ich mich zusammenreißen, aber ich glaube im Moment fest daran, dass ich das hinkriege :)

Ich hoffe nur, ich will mir mit dem Nicht-Antritt kommende Woche nicht selber die Tür offenhalten, die stationäre Therapie doch noch zu canceln, weil es gerade ja vermeintlich wieder läuft.. Aber ich hab's nicht vor, sondern will es unbedingt.

Ansonsten läuft eben gerade tendenziell wirklich alles in eine gute Richtung und ich fühle mich mich so gut wie lange nicht mehr :D

*

nutella

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #42 am: 30 Oktober 2018, 19:50:01 »
@suchtel pass auf Dich auf, die Euphorie ist ein guter Blender..

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #43 am: 30 Oktober 2018, 23:13:01 »
Sehe ich genauso....

Du tanzt auf der Klinke der Schneide..... da kann man sich schneiden...
Es ist wichtig für dich das du deine Sachen regelst um dann relativ entspannt in die Therapie zu gehen.

Die Therapie kannst du wie Urlaub sehen (wenn du es schaffst sie anzutreten) diese ist auch irgendwann wieder vorbei.
Dann ist es auch wichtig das man wieder in das normale Leben rein findet.

Obwohl ich damit nicht meine alles immer nur negativ zu sehen und alles runter zu ziehen.
Man ist schneller wieder in seinen alten Mustern als man denkt und hier spreche ich aus Erfahrung....

Halt uns auf dem laufenden.... schönen Abend noch

Re: mein Weg: Kurve kriegen oder wirklich nach ganz unten
« Antwort #44 am: 01 November 2018, 19:09:35 »
Ja, ich habe mich schon oft durch Euphorie blenden lassen und genauso schnell ging es dann rückblickend auch meistens bergab. Das ist immer gefährlich, da habt ihr völlig Recht, nutella und Gobo.

Meine Stimmung ist besonders schwankend die letzten Tage und Wochen. Generell wahrscheinlich auch schon Monate und Jahre. Nur habe ich mich jetzt kürzlich für ein paar Tage vereinzelt immer mal wieder richtig gut gefühlt, in den letzten ~2500 Tagen waren es wahrscheinlich insgesamt weit unter 50.

Gerade bin ich irgendwie traurig ohne richtig triftigen Grund. Dabei bin ich gerade so noch standhaft oder zumindest ohne Einzahlung geblieben. Ich differenziere da vom Spielen allgemein, weil ich gerade die Woche im Urlaub so viel Zeit hab, sodass ich dann am PC nach wie vor immer wieder nach Freespins/Freebets gucke; das ist definitiv nicht gut und diese Gewohnheit muss ich mir abgewöhnen, weil mich das extrem triggern kann - deswegen verteilen die Wettanbieter und OCs das ja auch, am Ende amortisiert es sich für sie innerhalb von ein paar Tagen oder sogar nur Stunden.. Heute hatte ich zwischenzeitlich dadurch auch wirklich extremen Suchtdruck und war gedanklich schon am loslfahren um mir eine PSC zu holen - einen 50%Bonus auf Sportwetten wollte ich mitnehmen... 50€ schulde ich vom letzten Monat noch einem Freund und weiß noch gar nicht, wann ich ihn überhaupt das nächste Mal sehe und er macht da keinerlei Stress (obwohl auch er mittlerweile von meiner Spielsucht weiß). Ich habe es gestern auch präventiv bar mit abgehoben und den 50er beiseite getan. Der war extrem in Kombination mit dem Angebot extrem verführerisch - es bekommt ja erstmal keiner mit, wenn der fehlt, und ich setze einfach den Bonus schnell mit 3,4 Wetten um und dann zahle ich mindestens die 50 direkt wieder aus...  So wollte ich es mir einreden. Aber es kann eben genausogut schief gehen und dann passieren, dass ich jeden einzelnen verfügbaren Euro umwandle und verliere. Und selbst wenn ich gewinnen sollte, bin ich vermutlich wieder so getriggert und gierig, dass es früher oder später weg ist. Und selbst wenn ich sogar sagen wir 100 auszahlen können sollte, es würde mein Leben nicht entscheidend positiv verändern..

Ich habe mich heute zwar davon abhalten können, aber irgendwie ist in mir immer noch so fest das Denken verankert, dass ich beim Wetten nicht unbedingt verlieren muss, sondern durchaus gewinnen kann. Obwohl ich über Jahre hinweg das Gegenteil erlebt habe.. Eher kann ich es für mich noch begründen, dass ich mir eh nicht so viel Geld aus mache und aktuell alles halbwegs im Lot ist..

Aber auch die Ablenkung, Unterhaltung und Spannung reizt mich extrem. Ohne die Arbeit bleibt trotz vermeintlich viel Freizeibeschäftigungen mit Verein, Freunden, Familien noch so viel Zeit. Schon als Kind und dann auch Jugendlicher habe ich mitunter extrem viel an PC oder Konsole gezockt. Im Nachhinein vergleichsweise harmlos zum Glücksspiel. Mittlerweile reizen mich Videospiele aber nicht mehr so wirklich, ich habe teilweise mit Serien und so angefangen, aber irgendwie langweilt mich dann am Ende fast alles.. Heute wollte ich zwischenzeitlich einfach eine Runde raus mal spazieren (ohne Geldbeutel), aber am Ende ist es auf einen sehr ausgiebigen Mittagsschlaf bei etwas Musik hinausgelaufen.. Das kann vereinzelt schön und erholend sein, aber mich frustriert das mitunter eher. Ich glaube nicht, dass ich eine "richtige" Depression habe, aber über die letzten Jahre habe ich mitunter schon Phasen extremer Lethargie durchgemacht, wo ich mich zu fast gar nichts motivieren konnte. Meine wichtigsten Stützen incl. Arbeit, Verein, Unternehmungen mit Freunde habe ich zum Glück aber immer, wenn auch teilweise dann nicht mehr so regelmäßig, beibehalten.

Einfach mal so raus an frische Luft spazieren täte mir an Tagen, an denen ich sonst keine festen Termine oder Vorhaben, glaube ich richtig gut. Zum Teil hemmt mich wahrscheinlich auch mein teilweise soziale Unbeholfenheit. Einfach so ohne Grund draußen rumlaufen, das ist doch komisch (nein ist es natürlich nicht und selbst wenn jemand sogar denken sollte, was soll's..). Ich fühle mich manchmal schon unwohl, wenn am Fenster ein Nachbar vorbeiläuft..

Ich merke und weiß eigentlich auch schon, dass unglaublich viele Themen habe, in denen ich mich persönlich weiterentwickeln kann und auch muss um ein richtig glückliches Leben führen zu können. Die 3 Monate mit Profis sind ja jede Menge Zeit und ich hoffe, dass ich da auch abgesehen von der Sucht an meinen ganzen anderen Baustellen arbeiten kann.

Seit gestern in der Shishabar weiß mein wahrscheinlich bester Freund, dass ich für 3 Monate in die Klinik gehen werde. Er hat mich natürlich darin bestärkt und mir großen Respekt gezollt. Jenachdem wohin, warum und wofür es mich nach dieser Zeit dann verschlägt, erwägen wir sogar zusammen in eine WG zu ziehen.

Morgen besuche ich am Nachmittag meine älteste Schwester+Schwager mit den Kids, das wird schön. Am Samstag sehe ich dann auch noch einen weiteren Großteil der Familie, weil wir Opa (meine Perspektive) anlässlich seines Geburtstags in seinem Pflegeheim besuchen. Er leidet seit 2,3 Jahren an sehr starker Demenz und es ist für mich immer noch komisch, wenn er mich - tagesformabhängig - teilweise gar nicht mehr erkennt oder es von der einen auf die andere Sekunde vergisst..

Und nicht zuletzt hat sich heute Mittag ein Ex-Chef von mir, den ich extrem schätze (genauso wie er ich) und mit dem ich deshalb auch in Kontakt geblieben bin, bei mir gemeldet. Faszinierend wie er (Groß-)Familie mit eigenen Kids, Arbeit, Hobbies und dazu außergewöhnlich viel Engagement in Nachbarschaft, Politik uvm von außen betrachtet alles auf die Reihe kriegt- und dabei noch so viel Zeit und Empathie für Mitmenschen incl. mir aufbringt. Er wollte sich wohl einfach mal wieder nett melden (unser letztes Treffen ist wahrscheinlich schon wieder knapp 2,3 Monate her) und als ich ehrlich antworte, dass es mir nicht so gut geht, hat er sich direkt für Montag mit mir verabredet. Ich wollte mich ihm schon vor vermutlich mehr als einem Jahr als erstem außerhalb der engsten Familie anvertrauen, aber es ging mir dann bisher doch nie über die Lippen. Diesmal will ich es auf jeden Fall rauslassen. Zumal er einer der wenigen Menschen ist, bei dem ich mir absolut sicher bin, dass er wirklich von tiefem Herzen ohne Gedanken an sich selbst nur das Beste für mich möchte.

Ich weiß, ich schweife ziemlich vom Thema Sucht ab, aber ist ja schließlich mein Tagebuch und irgendwo hängt doch alles mit Defiziten und allgemeiner Unzufriedenheit im Leben zusammen, warum man sich mal in den Bann des Glücksspiels hat ziehen lassen oder ihm nach wie vor verfallen ist.. Außerdem tut mir das von der Seele schreiben gut, ist bestimmt etwas durcheinander, aber geradeheraus und befreit..

Liebe Grüße :)

 

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