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Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen

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Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« am: 13 Februar 2019, 14:07:31 »
Ich verfolge das Forum seit Oktober 2018 intensiv und konnte dadurch vier spielfreie Monate genießen.

Es werden immer mehr User, die sich, ausgelöst durch die guten Informationen zum Thema Chargeback hier anmelden. Ich freue mich über jeden, der sich auf den Weg in die Spielfreiheit macht, mit oder ohne Chargeback.

Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, stört es mich allerdings, wenn sich Jemand keine Mühe macht, sondern eine reine Konsumhaltung an den Tag legt. Noch mehr ärgern mich die User die offen oder durch die Blume schreiben, man möge sie bloß mit Fragen zum Suchtverhalten in Ruhe lassen. Einer schrieb, dass wären Abschweifungen, einer schrieb, es gäbe schließlich genug Foren, wo man seine seelischen Probleme loswerden könne.
Warum stört mich das? Kann mir doch eigentlich egal sein.

Nun: Sie nehmen Raum ein, manchmal ohne selbst irgendetwas konstruktives beizutragen. Sie saugen Ressourcen der anwaltlichen Beratung ab, ohne etwas zurückzuspenden. So etwas trägt nicht zu Genesung bei.

Es gibt auch viele Ausnahmen, die von sich schreiben und die ich als Bereicherung empfinde,

Allerdings stört mich die Sprache der OCSpieler:

Ich empfinde es als Verharmlosung wenn Jemand von 30 K Verlust schreibt, anstatt 30.000 zu schreiben. Vielleicht bin ich da aus der Zeit gefallen.

Einige schreiben von Cashback - da schüttelt es mich. (Cashback steht u. a. eine Rückerstattung der Casinos, man bekommt z. B. 10 % seiner Verluste zurück,  um dann weiterzuspielen). Ist hier die Sprache verräterisch?

Dann beginnen einige ihr Threads mit: "Ich hab in den letzten vier Monate 50 k verspielt, hauptsächlich bei Lappovegas, Sunnydummy und Strunzisino - mich interessiert das nicht nur nicht, sondern es regt mich auf. Wahrscheinlich Zeit, meine Pillen zu nehmen ;), aber hinausschreiben kann ja auch helfen.

Ergänzung: Mich interessieren die Casinos nicht.
« Letzte Änderung: 13 Februar 2019, 14:14:36 von Balduin »

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #1 am: 13 Februar 2019, 14:27:03 »
Mein lieber Balduin,

ich weiß nicht wie alt du bist, aber die Zeiten ändern sich und dazu gehören auch die Aussprache verschiedener Begriffe.

Das man 50k statt 50.000€ schreibt/ sagt ist mitlerweile normal.

Vielleicht solltest du einfach etwas offener für Veränderungen sein.

Viele Grüße

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #2 am: 13 Februar 2019, 14:38:04 »
Ich verfolge das Forum seit Oktober 2018 intensiv und konnte dadurch vier spielfreie Monate genießen.

Es werden immer mehr User, die sich, ausgelöst durch die guten Informationen zum Thema Chargeback hier anmelden. Ich freue mich über jeden, der sich auf den Weg in die Spielfreiheit macht, mit oder ohne Chargeback.

Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, stört es mich allerdings, wenn sich Jemand keine Mühe macht, sondern eine reine Konsumhaltung an den Tag legt. Noch mehr ärgern mich die User die offen oder durch die Blume schreiben, man möge sie bloß mit Fragen zum Suchtverhalten in Ruhe lassen. Einer schrieb, dass wären Abschweifungen, einer schrieb, es gäbe schließlich genug Foren, wo man seine seelischen Probleme loswerden könne.
Warum stört mich das? Kann mir doch eigentlich egal sein.

Nun: Sie nehmen Raum ein, manchmal ohne selbst irgendetwas konstruktives beizutragen. Sie saugen Ressourcen der anwaltlichen Beratung ab, ohne etwas zurückzuspenden. So etwas trägt nicht zu Genesung bei.

Es gibt auch viele Ausnahmen, die von sich schreiben und die ich als Bereicherung empfinde,

Allerdings stört mich die Sprache der OCSpieler:

Ich empfinde es als Verharmlosung wenn Jemand von 30 K Verlust schreibt, anstatt 30.000 zu schreiben. Vielleicht bin ich da aus der Zeit gefallen.

Einige schreiben von Cashback - da schüttelt es mich. (Cashback steht u. a. eine Rückerstattung der Casinos, man bekommt z. B. 10 % seiner Verluste zurück,  um dann weiterzuspielen). Ist hier die Sprache verräterisch?

Dann beginnen einige ihr Threads mit: "Ich hab in den letzten vier Monate 50 k verspielt, hauptsächlich bei Lappovegas, Sunnydummy und Strunzisino - mich interessiert das nicht nur nicht, sondern es regt mich auf. Wahrscheinlich Zeit, meine Pillen zu nehmen ;), aber hinausschreiben kann ja auch helfen.

Ergänzung: Mich interessieren die Casinos nicht.

Ich empfinde das Gleiche wie du. Es ärgert mich zu sehr und deshalb habe ich mich damit abgefunden, dass ich diesen noch stark gefangenen Personen(in alten Suchtmustern) wenn überhaupt nur abgespeckt antworte. Ein Abbild der Gesellschaft ist auf jeden Fall oft zu erkennen. Nehmen nehmen bloß nicht geben. Meistens sind solche Leute nach den ersten 2 Beiträgen sowieso wieder verschwunden. Warum auch immer.
ist spielfrei

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #3 am: 13 Februar 2019, 14:42:06 »
Das mit den 30k kann ich so nicht bestätigen und heiße es ebenfalls nicht gut, wie Balduin auch. Es wird hier die gleiche Wertlosigkeit in der "Aussprache" verwendet welche viele selbst im Glücksspiel an den Tag gelegt haben.

Achso und was mich ganz besonders beschäftigt hat in den letzten Wochen ist, dass sich viele (oft Neue) hier gemeldet haben und erstmal richtig auf die Kacke gehauen habe wieviel sie verloren haben und was hätte alles gekauft werden können. Leute ihr braucht euch nichts mehr vormachen und mitteilen was ihr hättet mit dem Geld machen können.Das wissen wir auch alle. Ihr seid jetzt in der Realität und da interessiert es keinen wie gut es euch einmal ging. Es zähl das Hier und Jetzt und da muss eben auch einmal ein Cut gemacht werden um an sich arbeiten zu können. Das wird mit Träumereien nur schwer funktionieren.
« Letzte Änderung: 13 Februar 2019, 14:47:24 von Loichte »
ist spielfrei

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #4 am: 13 Februar 2019, 14:55:51 »
Mein lieber Balduin,

ich weiß nicht wie alt du bist, aber die Zeiten ändern sich und dazu gehören auch die Aussprache verschiedener Begriffe.

Das man 50k statt 50.000€ schreibt/ sagt ist mitlerweile normal.

Vielleicht solltest du einfach etwas offener für Veränderungen sein.

Viele Grüße

interessant. Schreibt man so heute auch in der Schule?
Ich bin über 50 und habe beruflich viel mit Zahlen zu tun. Das K für Tausend ist mir tatsächlich das erste Mal durch die OCSpieler aufgefallen. Und mich stört es, wenn diese Sprache hier Einzug hält.

In meiner Jugend sagte man, wenn man cool sein wollte, 50 Mille - auch diese Umschreibung für lebenszerstörende Verluste würde mich stören.

Grüße zurück

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #5 am: 13 Februar 2019, 15:02:22 »
Zitat
Ich bin über 50 und habe beruflich viel mit Zahlen zu tun. Das K für Tausend ist mir tatsächlich das erste Mal durch die OCSpieler aufgefallen. Und mich stört es, wenn diese Sprache hier Einzug hält.

-->

Zitat
Laut Holger Klatte vom Verein Deutsche Sprache ist die Abkürzung „10k“ so ungewöhnlich nicht mehr. „Allerdings vor allem auf bestimmte Themenbereiche beschränkt: Internet (in Bezug auf große Datenmengen, viele Likes etc.) oder im Bankwesen (große Geldsummen)“, sagte der Experte. „Die Abkürzung ‚k‘ hat außerdem den Vorteil, dass große Zahlen im internationalen Kontext besser verständlich werden“, erklärte er.

Das kann ich bestätigen und ich selber verwende die Bezeichnung schon seit mehr als 15 Jahren. Ist einfacher und geht schneller vor allem wenn man mit großen Summen hantiert. Das kommt aber sicher nicht von den OC.

Zitat
Es gibt auch viele Ausnahmen, die von sich schreiben und die ich als Bereicherung empfinde,

Na ich bin mal so frei und sage: DANKE! :)

« Letzte Änderung: 13 Februar 2019, 15:07:23 von Born4Nothing »

*

Offline Olli

  • *****
  • 2.323
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #6 am: 13 Februar 2019, 16:27:05 »
Hi Balduin!

Auch ich bin Ü50 und habe einst 1/1000-el 20 KJahre gespielt. :)

Ich stimme Dir absolut zu in dem, was Du hier anmeckerst/anregst.

Zunächst einmal denke ich aber an meine eigene aktive Zeit zurück.
Selbst da hatten wir schon unsere eigene Sprache.
Wenn ich heute zurück denke ... es schaudert mich ...
Da habe ich mich doch tatsächlich selbst als "Zocker" betitelt.
Auch der "Heiermann" war in meinen Kreisen im Vokabular und mit Spielen verknüpft.

Was früher eher dem Hochspannungsmast (110 KV) oder der Physik (KPasc) als Beispiel vorbehalten war, hat sich im Computerzeitalter in die verschiedensten Bereiche ausgeweitet.

Wenn wir hier von 30 K lesen, dann wissen wir, dass 30.000 € gemeint sind.
Doch der Betrag vor der Einheit dient auch der Verharmlosung.

Wie oft habe ich mir immer gesagt - und auch meinen Angehörigen : "Das ist doch nichts Schlimmes, was ich da mache.",
"Wenn Andere das dürfen, dann darf ich das doch auch.", "Es geht nur mich etwas an - ich schädige doch niemanden" und dergleichen.
Hatte ich Recht? - Nein - im Nachhinein betrachtet.
Aber die Änderung meiner Einstellung kam nicht von Jetzt auf Gleich - es erforderte einen Entwicklungsprozess, der teilweise auch bei mir auf Widerstand traf.

Gönnen wir uns also den Genuss der Abkürzungen im Wissen, dass die Personen ihren Entwicklungsprozess zumindestens mal angestoßen haben.

Das Gleiche gilt für die Nennung der OC-Namen.
Ich überfliege die immer ohne sie zu realisieren.
Doch für den Schreiber haben sie ihre Wichtigkeit.
Es gibt einen Grund, weshalb sie sie nennen - und der ist noch größer als der Gedanke an die Gefahr andere triggern zu können.
Gerade hier wird dann deutlich, wie sehr die Gedanken sich um das Spielen drehen.
Also habe auch hier bitte ein wenig Verständnis und zeige etwas Geduld.
Der Schreiber wird durch die Antworten ganz schnell und vollkommen automatisch von den Namensnennungen weggeführt.
Es wird sich auf wichtigere Themen konzentriert.

Zitat
Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, stört es mich allerdings, wenn sich Jemand keine Mühe macht, sondern eine reine Konsumhaltung an den Tag legt

Auch das kann ein Indiz sein, dass die betreffende Person sehr tief in der Sucht steckt.
Nehmen - aber bloß nicht geben ...
Haben wollen - aber selbst nicht aktiv werden ...
Jetzt und sofort - damit ich mich bloß nicht länger damit beschäftigen muss ...

Deshalb schreibe ich neuerdings auch sehr häufig: Belese Dich erst mal im Forum ...

Wann war es ... gestern? vorgestern?
Da stellt jemand kurz und bündig eine Frage - die schon tausend Mal beantwortet wurde.
Ich schrieb : Belese Dich ...
Keine fünf Minuten später kam von der Person die nächste Frage ... ohne im Forum gelesen zu haben - ohne auf meine Antwort einzugehen.

Nun ... ich bin ja freiwillig hier und ich entscheide, wem ich antworte oder nicht.
Also lasse ich es künftig sein der Person zu antworten.
Wenn jemand soweit ist endlich aktiv an sich zu arbeiten, kann ich mich ja wieder einklinken in das Thema.

Tja ...

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
[/i]


Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #7 am: 13 Februar 2019, 19:38:22 »
Sehr schön auf den Punkt gebracht, Oli!
Auch ich habe früher den Begriff Zocker benutzt. Mittlerweile stößt er mir sauer auf.

Für mich gehört zur Abkehr vom Spiel auch die Abkehr von der Sprache und dem Denken der Spieler. Ich habe auch in Spielerforen gelesen  und erkenne die Sprache hier wieder. Jeder der kommt hat erst einmal Höflichkeit und Respekt verdient. Deshalb habe ich auch nicht in den Threads der Eintagsfliegen geschrieben, sondern einen eigenen eröffnet. Aber was nützt Höflichkeit und Geduld, wenn sie sofort wieder verschwunden?

Wahrscheinlich bin ich selbst noch zu nah am Spiel um gelassen zu sein.

*

Offline Skip

  • ****
  • 132
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #8 am: 13 Februar 2019, 20:05:05 »
Hi Balduin,

da ich auch ‚k‘ verwendet habe, wollte ich auch kurz meinen Senf dazugeben. Ich hab über dein Argument nachgedacht, aber in meinem Fall war es reine Faulheit/Gewohnheit statt 5.000€ 5k€ zu schreiben. Mich erschreckt das ‚k‘ persönlich sogar mehr, weil ich das innerlich automatisch mit einer großen Zahl verbinde. Bin es aus dem naturw./techn. Bereich auch gewohnt mit dieser Abkürzung zu arbeiten.

Darf ich nochmal nachbohren, was du eigentlich genau meinst, was sich hinter dieser Sprache verbirgt? Meinst du, dass das ein Hinweis ist, dass man sich das Spielen schönredet und die Sucht verneint? Ist das ev. unter Männern auch was anderes? Weil wenn ich mich als ‚Zockerin‘ bezeichnen würde, fühle ich mich nicht unbedingt cool dabei, eher verantwortungslos. Aber Risikobereitschaft wird ja eher bei Männern als eine positive Eigenschaft gesehen, oder lieg ich da falsch?

Dass oft so kurze, zum Teil auch unhöfliche Beiträge kommen, hängt möglicherweise auch mit einer gewissen Unsicherheit zusammen? Und dass sich viele in einer absoluten Notlage/Verzweiflung bis regelrecht Panik befinden und hier plötzlich über eine mögliche Lösungsmöglichkeit ihrer Probleme stolpern und in diesem Zustand sich ungeschickt verhalten und ausdrücken. So habe ich mich auch erlebt in der akuten Spielphase, ich hatte einen Tunnelblick und war gar nicht fähig, zu reflektieren, wie ich zB anderen gegenüber wirke. Man ist da so verzweifelt und auch geschockt über das was man getan hat, wie sehr man sein Umfeld, seine Lieben enttäuscht hat. Das beherrscht einen so, dass man die guten Sitten und den Anstand gerne mal verliert. Was meinst du?

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #9 am: 14 Februar 2019, 10:20:33 »
Hallo Skip,

es fällt mir etwas schwer, auf deine Fragen zu antworten, weil ich für die Gefühle die ich zum Beispiel beim Wort "zocken" habe nicht so leicht die richtigen Worte finde.

Zunächst kann es sein, dass die Abkürzung k bei verschiedenen Menschen, verschiedene Assoziationen auslöst. Mir ist dieses Kürzel zuerst in Spielerforen aufgefallen. Dort benutzen es ausnahmslos alle. Das es schon Einzug in die deutsche Schriftsprache gehalten hat, war mir nicht klar.  Ich finde es verkürzend, genau an dem Punkt, wo die Verluste beschrieben werden. Es ist kein Aufwand, da drei Nullen hinzusetzen. Als Spieler habe ich den Bezug zu Geld verloren. Welchen Wert hat schon 0,01 k? Von 10 Euro lebe ich aber einen ganzen Tag. Das ist eine Summe, die mit einem Klick verschwindet. In fünf Sekunden weg.
Ich möchte da aber nicht drauf rumreiten, sondern beschreibe lediglich das, was es bei mir auslöst.

Der Begriff "zocken" hat für mich verschiedene Dimensionen.

Das ist das coole, männliche (wenn ich mich mit Kumpels zum nächtelangen Pokern getroffen habe, waren das coole Zockerabende. Das ist natürlich als Teil der Suchtaufarbeitung zu hinterfragen.

Das ist aber auch das Abwertende, wie du es für dich empfindest (Zockerin). Da stecken auch wieder verschiedene Bedeutungen drin:
Von Innen: "Ich bin halt ein Zocker, bin so veranlagt, da kann man nichts machen".
Von Außen: "Der Typ kriegt nix gebacken, ist halt ein armseeliger Zocker" der muss sich schämen.

Ich, für mich, möchte weg von diesem Sprachgebrauch, weil es mir und meinen Handlungen nicht gerecht wird. Ich war und bin kein Zocker, sondern spielsüchtig. Diese Sichtweise öffnet mir Optionen - die Sucht kann gestoppt werden.

Man stelle sich doch mal vor, dieses Forum würde nicht Forum Glücksspielsucht, sondern Zockerforum oder "ForumfürZockerdieaufhörenwollen" heißen.
Die anonymen Alkoholikern nennen sich nicht ExSäufer
Die heroinabhängigen gründen kein Fixxerforum.

Bzgl. Anstand und Sitte von manchen Erstbeiträgen geht es mir nicht so sehr um fehlende Höflichkeit, sondern um fehlende Mühe.
Ich kann die Sucht nur mit eigener Anstrengung zu Stoppen bringen.
Der Spieler sucht oftmals die Schuld bei anderen: "Keiner hilft mir - die Banken und die Casinos sind so böse - die Sportwettenanbieter hätten doch nie zulassen dürfen, dass ich in drei Monaten 15 K verspiele, wenn mein Partner oder meine Beziehung anders wäre, wäre mir das nie passiert"
Da kann was dran sein,  das ist aber immer nur ein Teil der Medaille: Ich muss die Verantwortung für mein Leben übernehmen und meine Kraft für meine Suchtbewältigung einsetzen.

Viele Grüße

*

Offline taro

  • *****
  • 421
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #10 am: 14 Februar 2019, 10:44:53 »
Moin Balduin,

Ein Alkoholiker hat es mir mal so erklärt, Alkoholiker sind krank geworden vom Alkohol, sie haben die Kontrolle verloren und können diese auch nicht wiedererlangen.

Anders ein Säufer, der Säufer hat vielleicht einen Schicksalsschlag erlitten, säuft den Zeitraum x danach kümmert er sich wieder zum sein Leben und kann den Alkoholkonsum kontrollieren. Es ist zu vermuten das es bei Spielern so was auch gibt, nur ist Spielen bei den Normalos als Mittel der Beteubung nicht so bekannt.

Taro
#niemehrcdu
#artikel13

*

Offline Skip

  • ****
  • 132
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #11 am: 14 Februar 2019, 18:03:18 »
Hallo Balduin,

vielen Dank, du hast das wirklich sehr gut erklärt. Das ‚k‘ ist im naturw./techn. Bereich auch im deutschen Sprachraum sehr oft im Gebrauch, zumindest im österreichischen findet sich oft auch die Abkürzung ‚T‘ für Tausend. Es stimmt, dass der Aufwand die drei Nullen auszuschreiben als kein gültiges Argument erscheint, aber man verschreibt sich mit Nullen sehr schnell, das passiert mit ‚k‘ viel weniger. 0,01 k würde ich aber nie schreiben.

Dass man völlig den Bezug zu Geld verliert und zum Wert vor allem kann ich dir sofort unterschreiben. Das hat mich auch sehr frustriert. Und darum verstehe ich jetzt deine Genervtheit. Es kann auf eine Verharmlosung der Verluste bzw. überhaupt der Umsätze hindeuten. Wie viele andere war ich auch erstmal schockiert, als ich überrissen habe, dass ich plötzlich Umsätze von 11.000 € am Konto hatte, zwar eben Gewinne und Verluste und ‚nur ein Minus von etwa 2.000€ zunächst noch, aber ich habe mich echt geschämt und ich hatte Angst davor, was sich wohl die Bankmitarbeiter denken... Und die vielen kleinen Abbuchungen in kurzen Abständen nacheinander und dann wieder einzelne große Eingänge... völlig verrückt!

Das hat mich aber leider nicht zum Aufhören bewegt, bei mir war es wirklich die Erkenntnis der Illegalität. Und des Weiteren die Beichte gegenüber meinen Angehörigen, also das Eingeständnis der Spielsucht. Aber wie bereits erwähnt, habe ich trotz der Beichte noch eine Weile weitere Aurutscher gehabt. Die Strafbarkeit war am Wirksamsten, da hat es Klick gemacht.

Ich finde Taros Einwand bzgl. Alkoholiker/Säufer faszinierend. Ich glaube auch, dass man kein 0815-Schema für die Spielsucht anwenden kann. Das (gleiche) Suchtverhalten kann ganz unterschiedliche Wurzeln haben. Deswegen wäre es so interessant, wenn du genauer nachspüren könntest, was diese Spielersprache denn so genau bei dir triggert. Weil dadurch findet man eventuell zu deiner persönlichen Wurzel der Spielsucht. Ich sehe durchaus eine Gefahr bei zu lehrbuchmässiger Beschreibung von Suchtverhalten, das geht ja zum Teil soweit, dass man es auf Gene/Biologie/Hirnchemie schiebt und die Menschen in potentiell Suchtgefährdete und Resistente unterteilt. Das mag eine Komponente sein, aber es könnte wieder zu einer gewissen Ohnmacht/Abhängigkeit führen á la ‚Ich bin halt suchtgefährdet, ich darf nie mehr getriggert werden, weil es eben so gefährlich für mich ist‘. Wie bei Alkoholikern, die niemals mehr einen Tropfen anrühren dürfen. Wenn ich ehrlich bin, und Icherzähler mich jetzt mal, das zu sagen, dann bin ich mit dieser Sichtweise nicht glücklich und auch nicht zufrieden zu stellen.

Ich will auch mal wieder ins Casino gehen, wenn’s mich freut (obwohl ich noch nie in einem war). Aber dann halt schön anziehen, gut essen und in Maßen, es also zelebrieren. Deshalb bin ich sehr für strenge Spielerschutzbestimmungen und nicht für ein generelles Verbot.

Was du bzgl. der Opferrolle von Spielern beschreibst (‚alle anderen sind schuld‘) stimmt, aber - und nochmals sorry, wenn ich da wieder mit einer eigenen Sichtweise antanze, ich will dich nicht herausfordern oder widerlegen, sondern diskutiere gerne und finde deine Punkte sehr interessant - ähnlich, also ich denke, dass Spieler die Schuld bei anderen suchen, weil es in gewisser Weise so ist. Du hast das ja auch so gesehen und dann, was ich auch sehr wichtig finde, betont, dass eine Heilung nur erfolgen kann, wenn man die Verantwortung übernimmt und sich aktiv aus dieser Opferrolle herausbeuget. Genau aus diesem Grund war ich sehr positiv überrascht über den Ton und die Haltung in diesem Forum. Statt Spieler weiter zu entmachten und sie nur zum Einsehen ihrer Sucht zu drängen, so Art zum ‚Buße tun‘, zum reinen Eingestehen (was natürlich ein wichtiger Bestandteil der Heilung ist, aber eben nur eine Seite der Medaille), werden hier die Spieler durch Erläuterungen der rechtlichen Seite und dem Mut Chargeback und ähnliches offen zu diskutieren motiviert, die Opferrolle zu verlassen und die ‚Täter’ oder ‚Mittäter‘ zu konfrontieren. Denn der Mensch hat einen natürlichen Spieltrieb, das ‚Zocken‘ kann auch als (positive) Risikobereitschaft und Mut gesehen werden (unter bestimmten Umständen), das Blinken und die bunten Bildchen sowie die Spielgestaltung wirken auf unterbewusste psychologische Trigger und ähnlich wie bei der Werbung werden diese Eigenschaften bewusst von Glücksspielbetreibern ‚(aus)genutzt‘. Besonders anfällig sind Menschen, die in irgendeiner Form gerade belastet sind oder Schwierigkeiten haben. Und wie auch schon irgendjemand bemerkt hat, scheint es Spieler vor allem ums Geld zu gehen. Also um Wert? Oder dem Fehlen von Wert?

Ich bin kein Fan von Selbstgeißelung und sich selbst als ‚Süchtiger‘ zu beschreiben bewirkt bei mir auch das Bimmeln von Warnglocken. Natürlich muss man seine Spielsucht wahrnehmen und anerkennen und bewusst Schritte dagegen unternehmen. Aber wenn man tiefer gräbt, findet man irgendwann Verständnis für das eigene Verhalten. Man versteht, was einen so anfällig hat werden lassen. Und das ist dann keine Schuldzuweisung an andere mehr, sondern das nüchterne Erkennen, welche Umstände die Situation eigentlich hervorgerufen haben.

Wenn ich schreibe, dass ich Stress durch Ausbildung und Beruf hatte und insbesondere durch meinen Mann belastet und frustriert war, dann mag das danach klingen, als würde ich die Schuld abgeben. Natürlich muss ich lernen, in solch einer Situation zukünftig ein anderes Ventil zu finden, aber es ist auch ok, dass ich diesmal dummerweise in eine Spielsucht gerutscht bin. Mit ‚ok‘ meine ich ‚nachvollziehbar‘ und das Gegenteil von ‚schändlich/sündig‘. Somit kann ich mir selbst vergeben und die ganze Situation viel nüchterner analysieren und mir sinnvolle und vor allem angemessene Vorsichtsmaßnahmen einfallen lassen, damit mir das nicht nochmals passiert.

Als Heilung würde ich es empfinden, wenn ich potentiell triggernden Situationen gegenüber neutral bleibe und es mich einfach nicht mehr berührt. Das würde dann vermutlich zeigen, dass ich die Situation aufgearbeitet und gemeistert habe und dadurch eine gewisse Imunität erlangt habe. Aber wie gesagt, das ist nur meine Meinung und ich will damit niemandem zu Nahe treten, möglicherweise ist das, was ich da andeute auch völliger Blödsinn und nicht realisierbar und es stimmt, dass ‚einmal süchtig immer süchtig‘...

Ich wünsche dir sehr, dass sich dein Krafteinsatz auszahlt und du deine Sucht bewältigst, so wie du es in deinem letzten Satz beschrieben hast.

Glg und herzlichen Dank für deine Antwort! Hat mich sehr gefreut.



*

Offline Olli

  • *****
  • 2.323
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #12 am: 15 Februar 2019, 09:11:07 »
Guten Morgen!

Sehr schön geschrieben, Skip!

Zwei Dinge:

Was willst Du in einem Casino?
Dort dreht sich alles ums Zocken. Dies ist der Sinn eines Casinos für den Nutzer.
Wenn Du ein entsprechendes Embiente mit Deiner Kleidung, Frisur, Schminke, Begleiter :) zelebrieren möchtest - wäre dann die Oper oder ein Ball nicht die bessere Wahl?
Wieso also muss es in Gedanken gerade ein Casino sein?

Zweitens:
Zitat
Denn der Mensch hat einen natürlichen Spieltrieb

In den Zielen des Glückspielstaatsvertrages heisst es in § 1 Satz 2:

Zitat
Ziele des Staatsvertrages sind ... 2. das Glücksspielangebot zu begrenzen und den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in
geordnete und überwachte Bahnen zu lenken ...

Hier bereits hat mich der "natürliche Spieltrieb" schon gestört.
Im Englischen wird deutlich unterschieden zwischen dem natürlichen "Spielen" mit dem Wort "to play" und dem Zocken mit dem Wort "to gamble".
Hier habe ich das im kleinen Rahmen mal ausgeführt:
https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3480.0
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #13 am: 15 Februar 2019, 09:17:23 »
@Olli

Als Frau muss man nicht zwingend in ein Casino zum spielen gehen. Das Beuteschema dieser Frauen zielt nicht auf das spielen ab sondern auf die Männer die etwas gewonnen haben; den Rest kannst du dir denken^^


*

Offline Skip

  • ****
  • 132
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #14 am: 15 Februar 2019, 09:37:20 »
Ich hab grad eigentlich nicht die Zeit, ausführlicher zu antworten, aber ich werd mir den von dir angeführten Thread gerne anschauen.

Zu dem von dir angesprochenen: ich muss dir ehrlich gestehen, dass ich halt leider auch eine Schwäche für das mit ‚Zocken‘ assoziierte Verhalten habe. Irgendwie bringt mich sowas wie ‚schnelle Autos, kurz aber intensiv leben, es kostet die Welt, lets fetz‘ durchaus zum Grinsen. Und das, obwohl ich grundsätzlich eine sehr vernünftige und verantwortungsvolle Person bin. Aber ich habe auch dieses Feuer in mir und will es auch hin und wieder ausleben. Natürlich gibt es wesentlich bessere Kanäle als das Glücksspiel, wie zB Sport oder auch das Lösen von komplexen, komplizierten Aufgaben, wie oft beim Programmieren und danach ein Feierabendbier.

Oper, Theater, hm, mag ich auch uU, aber es wäre kein Ventil für dieses innere Brennen, das halt auch zu mir gehört. Riskantes Benehmen, es ist nicht nur negativ, aber es gehört eben gut reguliert. Feuer im Ofen ist gut, einen Hausbrand zu verursachen ist blöd.

‚To play‘ ist mir zu lieb und zu harmlos. Ich hab auch das Bedürfnis ‚to gamble‘ in mir. Das möchte ich auch mal ausleben, aber eben in gemäßigtem Rahmen. Mit allem was dazu gehört, auch dem Verlieren. Bzw. der Angst, der Gefahr (allgemein bei risikoreichen Dingen). Ich glaube, dass auch die Risikobereitschaft etwas positives sein kann, wenn man sie raffiniert und in Bahnen leitet (wie Feuer zum Kochen und Heizen benutzen). Wenn die Menschen seinerzeit das Feuer ob seiner Gefahren gescheut hätten, dann hätte keine Weiterentwicklung stattgefunden. Und ein paar haben sich mit Sicherheit ordentlich die Finger verbrannt...

Dh ich sehe Casinos, wenn reguliert, durchaus als gute Trainingscenter zum Umgang mit risikoreichem Verhalten. Und ich glaube, dass der frühere Zwang zu anständiger Kleidung und Gentleman-Verhalten plus den strengen Regeln im traditionellen Casino genau der notwendige Gegenpol zu der eigentlich gefährlichen Energie des ‚gambeln‘ ist. Deswegen find ich Spielerhöllen sch*** und OCs auch. Da fehlen alle diese Absicherungen und es führt dazu, dass man voll in die Falle dieser gefährlichen Zockerei rutscht und zum Süchtigen wird und sich dreckig und Verantwortungslos fühlt...

Was meinst du dazu?

 

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