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Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen

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Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« am: 13 Februar 2019, 14:07:31 »
Ich verfolge das Forum seit Oktober 2018 intensiv und konnte dadurch vier spielfreie Monate genießen.

Es werden immer mehr User, die sich, ausgelöst durch die guten Informationen zum Thema Chargeback hier anmelden. Ich freue mich über jeden, der sich auf den Weg in die Spielfreiheit macht, mit oder ohne Chargeback.

Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, stört es mich allerdings, wenn sich Jemand keine Mühe macht, sondern eine reine Konsumhaltung an den Tag legt. Noch mehr ärgern mich die User die offen oder durch die Blume schreiben, man möge sie bloß mit Fragen zum Suchtverhalten in Ruhe lassen. Einer schrieb, dass wären Abschweifungen, einer schrieb, es gäbe schließlich genug Foren, wo man seine seelischen Probleme loswerden könne.
Warum stört mich das? Kann mir doch eigentlich egal sein.

Nun: Sie nehmen Raum ein, manchmal ohne selbst irgendetwas konstruktives beizutragen. Sie saugen Ressourcen der anwaltlichen Beratung ab, ohne etwas zurückzuspenden. So etwas trägt nicht zu Genesung bei.

Es gibt auch viele Ausnahmen, die von sich schreiben und die ich als Bereicherung empfinde,

Allerdings stört mich die Sprache der OCSpieler:

Ich empfinde es als Verharmlosung wenn Jemand von 30 K Verlust schreibt, anstatt 30.000 zu schreiben. Vielleicht bin ich da aus der Zeit gefallen.

Einige schreiben von Cashback - da schüttelt es mich. (Cashback steht u. a. eine Rückerstattung der Casinos, man bekommt z. B. 10 % seiner Verluste zurück,  um dann weiterzuspielen). Ist hier die Sprache verräterisch?

Dann beginnen einige ihr Threads mit: "Ich hab in den letzten vier Monate 50 k verspielt, hauptsächlich bei Lappovegas, Sunnydummy und Strunzisino - mich interessiert das nicht nur nicht, sondern es regt mich auf. Wahrscheinlich Zeit, meine Pillen zu nehmen ;), aber hinausschreiben kann ja auch helfen.

Ergänzung: Mich interessieren die Casinos nicht.
« Letzte Änderung: 13 Februar 2019, 14:14:36 von Balduin »

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #1 am: 13 Februar 2019, 14:27:03 »
Mein lieber Balduin,

ich weiß nicht wie alt du bist, aber die Zeiten ändern sich und dazu gehören auch die Aussprache verschiedener Begriffe.

Das man 50k statt 50.000€ schreibt/ sagt ist mitlerweile normal.

Vielleicht solltest du einfach etwas offener für Veränderungen sein.

Viele Grüße

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #2 am: 13 Februar 2019, 14:38:04 »
Ich verfolge das Forum seit Oktober 2018 intensiv und konnte dadurch vier spielfreie Monate genießen.

Es werden immer mehr User, die sich, ausgelöst durch die guten Informationen zum Thema Chargeback hier anmelden. Ich freue mich über jeden, der sich auf den Weg in die Spielfreiheit macht, mit oder ohne Chargeback.

Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, stört es mich allerdings, wenn sich Jemand keine Mühe macht, sondern eine reine Konsumhaltung an den Tag legt. Noch mehr ärgern mich die User die offen oder durch die Blume schreiben, man möge sie bloß mit Fragen zum Suchtverhalten in Ruhe lassen. Einer schrieb, dass wären Abschweifungen, einer schrieb, es gäbe schließlich genug Foren, wo man seine seelischen Probleme loswerden könne.
Warum stört mich das? Kann mir doch eigentlich egal sein.

Nun: Sie nehmen Raum ein, manchmal ohne selbst irgendetwas konstruktives beizutragen. Sie saugen Ressourcen der anwaltlichen Beratung ab, ohne etwas zurückzuspenden. So etwas trägt nicht zu Genesung bei.

Es gibt auch viele Ausnahmen, die von sich schreiben und die ich als Bereicherung empfinde,

Allerdings stört mich die Sprache der OCSpieler:

Ich empfinde es als Verharmlosung wenn Jemand von 30 K Verlust schreibt, anstatt 30.000 zu schreiben. Vielleicht bin ich da aus der Zeit gefallen.

Einige schreiben von Cashback - da schüttelt es mich. (Cashback steht u. a. eine Rückerstattung der Casinos, man bekommt z. B. 10 % seiner Verluste zurück,  um dann weiterzuspielen). Ist hier die Sprache verräterisch?

Dann beginnen einige ihr Threads mit: "Ich hab in den letzten vier Monate 50 k verspielt, hauptsächlich bei Lappovegas, Sunnydummy und Strunzisino - mich interessiert das nicht nur nicht, sondern es regt mich auf. Wahrscheinlich Zeit, meine Pillen zu nehmen ;), aber hinausschreiben kann ja auch helfen.

Ergänzung: Mich interessieren die Casinos nicht.

Ich empfinde das Gleiche wie du. Es ärgert mich zu sehr und deshalb habe ich mich damit abgefunden, dass ich diesen noch stark gefangenen Personen(in alten Suchtmustern) wenn überhaupt nur abgespeckt antworte. Ein Abbild der Gesellschaft ist auf jeden Fall oft zu erkennen. Nehmen nehmen bloß nicht geben. Meistens sind solche Leute nach den ersten 2 Beiträgen sowieso wieder verschwunden. Warum auch immer.
ist spielfrei

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #3 am: 13 Februar 2019, 14:42:06 »
Das mit den 30k kann ich so nicht bestätigen und heiße es ebenfalls nicht gut, wie Balduin auch. Es wird hier die gleiche Wertlosigkeit in der "Aussprache" verwendet welche viele selbst im Glücksspiel an den Tag gelegt haben.

Achso und was mich ganz besonders beschäftigt hat in den letzten Wochen ist, dass sich viele (oft Neue) hier gemeldet haben und erstmal richtig auf die Kacke gehauen habe wieviel sie verloren haben und was hätte alles gekauft werden können. Leute ihr braucht euch nichts mehr vormachen und mitteilen was ihr hättet mit dem Geld machen können.Das wissen wir auch alle. Ihr seid jetzt in der Realität und da interessiert es keinen wie gut es euch einmal ging. Es zähl das Hier und Jetzt und da muss eben auch einmal ein Cut gemacht werden um an sich arbeiten zu können. Das wird mit Träumereien nur schwer funktionieren.
« Letzte Änderung: 13 Februar 2019, 14:47:24 von Loichte »
ist spielfrei

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #4 am: 13 Februar 2019, 14:55:51 »
Mein lieber Balduin,

ich weiß nicht wie alt du bist, aber die Zeiten ändern sich und dazu gehören auch die Aussprache verschiedener Begriffe.

Das man 50k statt 50.000€ schreibt/ sagt ist mitlerweile normal.

Vielleicht solltest du einfach etwas offener für Veränderungen sein.

Viele Grüße

interessant. Schreibt man so heute auch in der Schule?
Ich bin über 50 und habe beruflich viel mit Zahlen zu tun. Das K für Tausend ist mir tatsächlich das erste Mal durch die OCSpieler aufgefallen. Und mich stört es, wenn diese Sprache hier Einzug hält.

In meiner Jugend sagte man, wenn man cool sein wollte, 50 Mille - auch diese Umschreibung für lebenszerstörende Verluste würde mich stören.

Grüße zurück

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #5 am: 13 Februar 2019, 15:02:22 »
Zitat
Ich bin über 50 und habe beruflich viel mit Zahlen zu tun. Das K für Tausend ist mir tatsächlich das erste Mal durch die OCSpieler aufgefallen. Und mich stört es, wenn diese Sprache hier Einzug hält.

-->

Zitat
Laut Holger Klatte vom Verein Deutsche Sprache ist die Abkürzung „10k“ so ungewöhnlich nicht mehr. „Allerdings vor allem auf bestimmte Themenbereiche beschränkt: Internet (in Bezug auf große Datenmengen, viele Likes etc.) oder im Bankwesen (große Geldsummen)“, sagte der Experte. „Die Abkürzung ‚k‘ hat außerdem den Vorteil, dass große Zahlen im internationalen Kontext besser verständlich werden“, erklärte er.

Das kann ich bestätigen und ich selber verwende die Bezeichnung schon seit mehr als 15 Jahren. Ist einfacher und geht schneller vor allem wenn man mit großen Summen hantiert. Das kommt aber sicher nicht von den OC.

Zitat
Es gibt auch viele Ausnahmen, die von sich schreiben und die ich als Bereicherung empfinde,

Na ich bin mal so frei und sage: DANKE! :)

« Letzte Änderung: 13 Februar 2019, 15:07:23 von Born4Nothing »

*

Online Olli

  • *****
  • 2.558
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #6 am: 13 Februar 2019, 16:27:05 »
Hi Balduin!

Auch ich bin Ü50 und habe einst 1/1000-el 20 KJahre gespielt. :)

Ich stimme Dir absolut zu in dem, was Du hier anmeckerst/anregst.

Zunächst einmal denke ich aber an meine eigene aktive Zeit zurück.
Selbst da hatten wir schon unsere eigene Sprache.
Wenn ich heute zurück denke ... es schaudert mich ...
Da habe ich mich doch tatsächlich selbst als "Zocker" betitelt.
Auch der "Heiermann" war in meinen Kreisen im Vokabular und mit Spielen verknüpft.

Was früher eher dem Hochspannungsmast (110 KV) oder der Physik (KPasc) als Beispiel vorbehalten war, hat sich im Computerzeitalter in die verschiedensten Bereiche ausgeweitet.

Wenn wir hier von 30 K lesen, dann wissen wir, dass 30.000 € gemeint sind.
Doch der Betrag vor der Einheit dient auch der Verharmlosung.

Wie oft habe ich mir immer gesagt - und auch meinen Angehörigen : "Das ist doch nichts Schlimmes, was ich da mache.",
"Wenn Andere das dürfen, dann darf ich das doch auch.", "Es geht nur mich etwas an - ich schädige doch niemanden" und dergleichen.
Hatte ich Recht? - Nein - im Nachhinein betrachtet.
Aber die Änderung meiner Einstellung kam nicht von Jetzt auf Gleich - es erforderte einen Entwicklungsprozess, der teilweise auch bei mir auf Widerstand traf.

Gönnen wir uns also den Genuss der Abkürzungen im Wissen, dass die Personen ihren Entwicklungsprozess zumindestens mal angestoßen haben.

Das Gleiche gilt für die Nennung der OC-Namen.
Ich überfliege die immer ohne sie zu realisieren.
Doch für den Schreiber haben sie ihre Wichtigkeit.
Es gibt einen Grund, weshalb sie sie nennen - und der ist noch größer als der Gedanke an die Gefahr andere triggern zu können.
Gerade hier wird dann deutlich, wie sehr die Gedanken sich um das Spielen drehen.
Also habe auch hier bitte ein wenig Verständnis und zeige etwas Geduld.
Der Schreiber wird durch die Antworten ganz schnell und vollkommen automatisch von den Namensnennungen weggeführt.
Es wird sich auf wichtigere Themen konzentriert.

Zitat
Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, stört es mich allerdings, wenn sich Jemand keine Mühe macht, sondern eine reine Konsumhaltung an den Tag legt

Auch das kann ein Indiz sein, dass die betreffende Person sehr tief in der Sucht steckt.
Nehmen - aber bloß nicht geben ...
Haben wollen - aber selbst nicht aktiv werden ...
Jetzt und sofort - damit ich mich bloß nicht länger damit beschäftigen muss ...

Deshalb schreibe ich neuerdings auch sehr häufig: Belese Dich erst mal im Forum ...

Wann war es ... gestern? vorgestern?
Da stellt jemand kurz und bündig eine Frage - die schon tausend Mal beantwortet wurde.
Ich schrieb : Belese Dich ...
Keine fünf Minuten später kam von der Person die nächste Frage ... ohne im Forum gelesen zu haben - ohne auf meine Antwort einzugehen.

Nun ... ich bin ja freiwillig hier und ich entscheide, wem ich antworte oder nicht.
Also lasse ich es künftig sein der Person zu antworten.
Wenn jemand soweit ist endlich aktiv an sich zu arbeiten, kann ich mich ja wieder einklinken in das Thema.

Tja ...

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
[/i]


Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #7 am: 13 Februar 2019, 19:38:22 »
Sehr schön auf den Punkt gebracht, Oli!
Auch ich habe früher den Begriff Zocker benutzt. Mittlerweile stößt er mir sauer auf.

Für mich gehört zur Abkehr vom Spiel auch die Abkehr von der Sprache und dem Denken der Spieler. Ich habe auch in Spielerforen gelesen  und erkenne die Sprache hier wieder. Jeder der kommt hat erst einmal Höflichkeit und Respekt verdient. Deshalb habe ich auch nicht in den Threads der Eintagsfliegen geschrieben, sondern einen eigenen eröffnet. Aber was nützt Höflichkeit und Geduld, wenn sie sofort wieder verschwunden?

Wahrscheinlich bin ich selbst noch zu nah am Spiel um gelassen zu sein.

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #8 am: 14 Februar 2019, 10:20:33 »
Hallo Skip,

es fällt mir etwas schwer, auf deine Fragen zu antworten, weil ich für die Gefühle die ich zum Beispiel beim Wort "zocken" habe nicht so leicht die richtigen Worte finde.

Zunächst kann es sein, dass die Abkürzung k bei verschiedenen Menschen, verschiedene Assoziationen auslöst. Mir ist dieses Kürzel zuerst in Spielerforen aufgefallen. Dort benutzen es ausnahmslos alle. Das es schon Einzug in die deutsche Schriftsprache gehalten hat, war mir nicht klar.  Ich finde es verkürzend, genau an dem Punkt, wo die Verluste beschrieben werden. Es ist kein Aufwand, da drei Nullen hinzusetzen. Als Spieler habe ich den Bezug zu Geld verloren. Welchen Wert hat schon 0,01 k? Von 10 Euro lebe ich aber einen ganzen Tag. Das ist eine Summe, die mit einem Klick verschwindet. In fünf Sekunden weg.
Ich möchte da aber nicht drauf rumreiten, sondern beschreibe lediglich das, was es bei mir auslöst.

Der Begriff "zocken" hat für mich verschiedene Dimensionen.

Das ist das coole, männliche (wenn ich mich mit Kumpels zum nächtelangen Pokern getroffen habe, waren das coole Zockerabende. Das ist natürlich als Teil der Suchtaufarbeitung zu hinterfragen.

Das ist aber auch das Abwertende, wie du es für dich empfindest (Zockerin). Da stecken auch wieder verschiedene Bedeutungen drin:
Von Innen: "Ich bin halt ein Zocker, bin so veranlagt, da kann man nichts machen".
Von Außen: "Der Typ kriegt nix gebacken, ist halt ein armseeliger Zocker" der muss sich schämen.

Ich, für mich, möchte weg von diesem Sprachgebrauch, weil es mir und meinen Handlungen nicht gerecht wird. Ich war und bin kein Zocker, sondern spielsüchtig. Diese Sichtweise öffnet mir Optionen - die Sucht kann gestoppt werden.

Man stelle sich doch mal vor, dieses Forum würde nicht Forum Glücksspielsucht, sondern Zockerforum oder "ForumfürZockerdieaufhörenwollen" heißen.
Die anonymen Alkoholikern nennen sich nicht ExSäufer
Die heroinabhängigen gründen kein Fixxerforum.

Bzgl. Anstand und Sitte von manchen Erstbeiträgen geht es mir nicht so sehr um fehlende Höflichkeit, sondern um fehlende Mühe.
Ich kann die Sucht nur mit eigener Anstrengung zu Stoppen bringen.
Der Spieler sucht oftmals die Schuld bei anderen: "Keiner hilft mir - die Banken und die Casinos sind so böse - die Sportwettenanbieter hätten doch nie zulassen dürfen, dass ich in drei Monaten 15 K verspiele, wenn mein Partner oder meine Beziehung anders wäre, wäre mir das nie passiert"
Da kann was dran sein,  das ist aber immer nur ein Teil der Medaille: Ich muss die Verantwortung für mein Leben übernehmen und meine Kraft für meine Suchtbewältigung einsetzen.

Viele Grüße

*

Offline taro

  • *****
  • 508
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #9 am: 14 Februar 2019, 10:44:53 »
Moin Balduin,

Ein Alkoholiker hat es mir mal so erklärt, Alkoholiker sind krank geworden vom Alkohol, sie haben die Kontrolle verloren und können diese auch nicht wiedererlangen.

Anders ein Säufer, der Säufer hat vielleicht einen Schicksalsschlag erlitten, säuft den Zeitraum x danach kümmert er sich wieder zum sein Leben und kann den Alkoholkonsum kontrollieren. Es ist zu vermuten das es bei Spielern so was auch gibt, nur ist Spielen bei den Normalos als Mittel der Beteubung nicht so bekannt.

Taro
<editiert wegen wiederholter Provokation; Olli>

*

Online Olli

  • *****
  • 2.558
Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #10 am: 15 Februar 2019, 09:11:07 »
Guten Morgen!

Sehr schön geschrieben, Skip!

Zwei Dinge:

Was willst Du in einem Casino?
Dort dreht sich alles ums Zocken. Dies ist der Sinn eines Casinos für den Nutzer.
Wenn Du ein entsprechendes Embiente mit Deiner Kleidung, Frisur, Schminke, Begleiter :) zelebrieren möchtest - wäre dann die Oper oder ein Ball nicht die bessere Wahl?
Wieso also muss es in Gedanken gerade ein Casino sein?

Zweitens:
Zitat
Denn der Mensch hat einen natürlichen Spieltrieb

In den Zielen des Glückspielstaatsvertrages heisst es in § 1 Satz 2:

Zitat
Ziele des Staatsvertrages sind ... 2. das Glücksspielangebot zu begrenzen und den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in
geordnete und überwachte Bahnen zu lenken ...

Hier bereits hat mich der "natürliche Spieltrieb" schon gestört.
Im Englischen wird deutlich unterschieden zwischen dem natürlichen "Spielen" mit dem Wort "to play" und dem Zocken mit dem Wort "to gamble".
Hier habe ich das im kleinen Rahmen mal ausgeführt:
https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3480.0
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #11 am: 15 Februar 2019, 09:17:23 »
@Olli

Als Frau muss man nicht zwingend in ein Casino zum spielen gehen. Das Beuteschema dieser Frauen zielt nicht auf das spielen ab sondern auf die Männer die etwas gewonnen haben; den Rest kannst du dir denken^^


Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #12 am: 15 Februar 2019, 10:39:15 »
Hallo Skip,

du regst an, bei mir noch einmal genau zu schauen, was mich an der Sprache der OCSpieler so triggert..

Zunächst: Ich bezeichne mich selbst als Süchtigen. Ich habe gelogen, ich habe gestohlen, ich habe verheimlicht, ich habe all mein Geld verspielt und ich habe mich verschuldet.
Ich betrachte mich aber dennoch nicht als Opfer. Diese Sichtweise führt mich nicht weiter. Es gab sicher Ursachen und es ist für mich wichtig diese zu betrachten und zu verarbeiten.

Was mich am meisten in der Spielsucht gehalten hat waren aber abstruse Gedankengänge: "Ich spiele gerne" "Ich bin nicht so schlimm, wie viele andere in den Hallen, weil ich nur ein Gerät spiele" "ich kann es mir doch leisten, ich kann die Schulden doch zahlen".
Als dann die Einsicht kam, dass ich abhängig bin, kam der schlimmste Gedanke: "Ich bin hilflos, ein armes Opfer der Sucht und ich kann sowieso nicht aufhören" - und Schuld ist die falsche Erziehung und der fehlende Opferschutz und Herr Gauselmann.
Das ist aber für mein zukünftiges Leben nebensächlich.

Ich bin spielsüchtig, ich kann nie mehr kontrolliert spielen und ich muss die Macht über mein Leben zurückgewinnen. Ich muss die Geschichte meiner Spielsucht aufarbeiten und mir die Hilfe holen, die für mich nötig ist.

Und jetzt zu den OCSpielern. Ich habe auch in einem Forum gelesen, wo sich die aktiven Spieler versammeln um über Boni zu diskutieren  und Geschichten von ihren Gewinnen zu verbreiten und auch um über ihre Verluste zu jammern. Ich erkenne die Leute wieder, wenn sie sich hier anmelden. Und ich finde es gut, dass sie sich anmelden. Sie sind, wie Oli schrieb, aber noch ganz nah an der Sucht.

Ich habe da ein Bild im Kopf: Junge Leute von 25 Jahren, die nervös in der Wohnung auf und ablaufen, weil ihnen die Suchtmittel ausgegangen sind. Sie brauchen ganz schnell Geld, um ihre Verluste wieder reinzuholen, warten sehnsüchtig auf den nächsten Gehaltseingang oder eine Kreditzusage um wieder zu spielen. Dann wird der Chargeback entdeckt und alles muss schnell gehen. Sie wollen alle ihre Fragen beantwortet haben und erwarten Hilfe, viele ohne auch nur einen Ansatz von Eigeninitiative
Warum mich das so triggert: Ich war selbst so, habe mich vor allem gedrückt, was unangenehm war, wollte einfach nur Spielen und in Ruhe gelassen werden. Die Tür zum Spielen sollte weit geöffnet bleiben.
Nun denn: Ich übe mich zukünftig in Gelassenheit und freue mich über die, die es schaffen.

Zu deinem ehrlichen Wunsch mal in ein Casino zu gehen und die Atmosphäre zu schnuppern. Schöne Klamotten tragen toll essen gehen. Das erinnert mich an James Bond. Es gab auch mal einen Spielautomaten der hieß so. Der hat das Musikthema gespielt und wenn man Geld einwarf ertönte die Syncronstimme von Piers Brosnan und sagte: "Wie es aussieht, teilen wir die selben Leidenschaften" Stundenlang habe ich Münze um Münze eingeworfen.
Ich kann nicht in Casinos gehen, ich bin süchtig und kann nie mehr kontrolliert spielen.

Ich freue mich über das Geld, welches mir seit einigen Monaten mehr zur Verfügung steht und wenn ich etwas Glanz erleben will, gehe ich gut Essen und danach in die Oper.

Liebe Grüße

Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #13 am: 15 Februar 2019, 10:52:53 »
Ach ja, die letzten drei Beiträge nicht gelesen, diese entstanden während ich schrieb.

Ich verstehe, was du meinst, Skip.

Risikobereitschaft löst tolle Gefühle aus.

Mir fällt dazu die Geschichte von einen Freund ein, der Motoradfahrer ist und die Geschichte von Casanova.
Beide waren sehr erfolgreich bei Frauen.
Beiden sahen gut auf und haben Frauen zu wilden, riskanten Fahrten eingeladen (Mit der Motorrad bzw. mit der Kutsche). Mein Freund erzählte, dass es oft anschließend wild weitergegangen wäre.

Ein anderer Freund von mir sitzt nach einem Motoradunfall im Rollstuhl.


Re: Die Sprache der Onlinecasinosüchtigen
« Antwort #14 am: 15 Februar 2019, 11:01:39 »
Dankeschön Balduin, ich werde dir später ausführlicher Antworten, könnte jetzt nicht so konzentriert lesen. Mir kam aber ein Gedanke, den ich dir schnell mitteilen wollte:

Kann es sein, dass dein ‚nächster Schritt‘ in deiner Heilung es wäre, dich eben mal auch als Opfer zu begreifen? Du wurdest in eine Falle geführt und ausgenutzt. Natürlich war es blöd von dir, überhaupt in diese Falle zu tappen.

Hm? Kannst du meinem Gedankengang folgen?

Ich sehe das tatsächlich anders. Mich auch als Opfer zu sehen wäre vielleicht hilfreich, wenn ich mich als blöd und schuldig sehen würde. Dann hilft die Erkenntnis, dass man nicht blöd ist und auch nicht alleine schuldig.

Ich sehe aber keine Schuld und auch keine Blödheit bei mir. Ich muss Verantwortung für die Vergangenheit und die Gegenwart übernehmen.

 

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