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Mein problem ...

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Mein problem ...
« am: 11 März 2019, 01:56:53 »
Hallo,

ich bin der Neue  8)
Ich bin 41 Jahre alt (jung), bin selbsständig, lebe mit meiner Freundin und unseren Beiden gemeinsamen Kindern (1 und 3 Jahre) zusammen auf der wunderschönen Insel Usedom und könnte ein tolles Leben führen, wenn da nicht diese verdammte Sucht nach Wetten/Pokern wäre  :-[
Mit Sportwetten habe ich schon vor 20 Jahren angefangen, spielte damals noch höherklassig Fußball und dachte ich hab mehr Ahnung als die Buchmacher  ::)
Bei verlorenen Wetten waren dann quasie diejenigen Spieler schuld, welche für das jeweilige Ergebniss verantwortlich waren, wenn alles (aus meiner verqueren Sicht) normal gelaufen wäre, dann hätte ich natürlich gewonnen.
Später kam dann das Pokern dazu, ich bin privat bzw. im Freundeskreis bei Pokerturnieren sehr erfolgreich gewesen und dachte, dass klappt dann online auch.
Und sowohl beim Pokern, als auch beim Wetten wurde die typische Rouletteregel angewendet: nach verlorenen Spielen einfach mit doppeltem Einsatz die Verluste wieder ausgleichen. Wie jeder hier weiß, funktioniert die Realität leider nicht so  ;)
Finanziert wurde das ganze über Dispos, Kreditkarten usw.
Ich habe vor geraumer Zeit (ca. 10 Jahre) meinen Führerschein wegen Alkohol verloren und im Zuge der MPU auch eine Selbsthilfegruppe besucht. Dort wurde darauf hingewiesen, dass der Verzicht auf eine Sucht (in dem Fall Alkohol) häufig zu einer verlagerung führt und andere Süchte als Ausgleich erwecken bzw. befriedigt werden wollen. Damals hielt ich das für Quatsch, doch wenn ich Heute zurück blicke, dann lassen sich durchaus Zusammenhänge zwischen dem verzicht auf Alkohol und dem auswachsen meiner Glückspieltätigkleiten erkennen.
Das ich ein Problem habe, wurde mir schon vor Jahren klar, denn in einigen Momenten erkannte ich dann, wieviel Geld ich eigentlich verzocke.
Im Vergleich zu manchen Beispielen im Forum ist das eventuell noch human (habe zusammen aktuell ca. 10000 Verbindlichkeiten, welche ich monatlich abzahle), aber wenn ich mir überlege, was ich mir und meiner Familie mit dem Geld hätte bieten können, dann bedrückt es mich schon, dass ich einfach nicht in der Lage war, alleine aufzuhören.
Ich hatte auch immer mal wieder den Gedanken professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, doch so hoch die Lebensqualität hier auf Usedom ist, so weit weg sind wir von jeglichen (Beratungs)Angeboten:-(
und diese Entfernung, das erklären des Termins gegenüber der Familie usw. haben mich bisher von einer Kontaktaufnahme abgehalten :-(
Außerdem habe ich auch immer wieder den Gedanken, das verlorene Geld ja zurück gewinnen zu können, da ich eigentlich viel besser Bescheid weiß als die Buchmache, oder beim Roulette erkennen kann, wohin die Kugel fällt :-(
Jedoch habe ich nun den Entschluß gefasst, mein problem ernsthaft anzugehen und mir helfen zu lassen. Als ersten Schritt habe ich meine Konten bei den Buchmachern sperren lassen und lese mich aktuell durch viele Foren und Beiträge.
Ich denkeauch eine Beratung bzw. Selbsthilfegruppe bringt eine ganze Menge,da muß ich dann die regionalen gegebenheiten genau erkunden, um eine Lösung trotz der Entfernungen zu finden.
Der für mich wahrscheinlich schwierigste Part wird das beichten meiner Probleme vor meiner Familie. Ich habe eine tolle Freundin, 2 fantastische Kinder und großartige Eltern (welche schon öfter die Vermutung der Spielsucht geäußert haben, jedoch von mir belächelt wurden).
Denn ich führe ein Familienunternehmen nun in 3. Generation und habe Angst, dass meine Eltern enttäuscht sind bzw.Angst um das Unternehmen haben.
Meine finanzielle Situation ist nicht so, dass das Unternehmen belastet oder gefährdet ist, aber natürlich kann ich verstehen, wenn Andere befürchten, dass ein Spielsüchtiger quasi Haus und Hof verspielen würde.
Wobei (ohne ins Detail zu gehen) bei der Übergabe des Unternehmens notariell festgeschriebn wurde, dass das Unternehmen zurück an meine Eltern fällt, wenn 3. Personen/Einrichtungen Forderungen gegen mich geltend machen würden. Somit könnte das Unternehmen also sowieso nicht belastet werden.
Meine Freundin weiß das ich ja Kredite bzw. Dispos ausgleiche, allerdings ist auch Ihr wahrscheinlich nicht klar, dass es sich dabei vor allem um verlorenes Geld vom Wetten und Pokern handelt.
Also wenn sich jemand mit mir austauschen möchte, dann interesasieren mich vor allem die Erfahrungen mit Freunden, Familien, welche Ihr beim "Outing" hattet  :)

Re: Mein problem ...
« Antwort #1 am: 11 März 2019, 09:11:45 »
Guten Morgen :-)
Ja es stimmt, es fällt mir schwer, Schwäche(n) einzugestehen  :-[
Ich möchte mich meiner Freundin, meinen Eltern und ggf. meinem Bruder outen.
Die größte Angst ist wie beschrieben, dass Sie sich Sorgen um das Familienunternehmen machen, welches ich seit letztem Jahr leite und welches die Altersvorsorge für meine Eltern und irgendwann hoffentlich auch für die nächsten Generationen unserer Familien darstellt.
Natürlich ist es nachvollziehbar, da ja schon viele Haus und Hof verspielt haben  ::)
Allerding ist notariell festgelegt, dass ich ohne Zustimmung meiner Eltern weder Land/Gebäude als Sicherheit für Kredite oder ähnliches angeben kann und der Vertrag erhält auch einen extra Passus, dass bei Forderungen Dritter an mich der gesamte Vorgang rückabgewickelt wird. Aber trotzdem habe ich Angst, ob meine Eltern mir dann weiterhin zutrauen würden, dass Unternehmen zu führen?!
Man liest ja oftvon der "Befreiung" und auch ich habe zeitweise schlaflose Nächte in denen ich grübel, nachdenke, mich ärgere, nach Lösungen suche usw.. Das ist zusätzlich zum Unternehmen und 2 kleinen kindern teilweise eine Belastung, durch die ich erkannt habe, dass mein Verhalten schon problematisch ist!
Auch deshalb möchte ich eben nun den Weg gehen, mich von dieser Last und den damit verbundenen Auswirkungen zu befreien.
Der finanzielle Aspekt kommt natürlich auch hinzu, spielt bei mir momentan allerdings eine untergeordnete Rolle, da ich es irgendwie immer hinbekomme, die jeweiligen Forderungen zu begleichen.
Aber wie Du geschrieben hast, wenn ich überlege, wieviel Spaß und Freude ich mit dem verlorenen Geld mit meiner Familie erleben könnte, dann habe ich lange genug die falschen Entscheidungen getroffen :-)
Die Vorstellung mit den Gewinnen noch mehr bieten zu können ist ja Quatsch, denn wenn ich sehe, welche Verluste mir diese Einstellung bescherrt hat, dann hätte diese Summe ausgereicht um vieleschöne Dinge zu erleben.
Ich habe mal den Satz gehört "ich gewinne jede Woche beim Lotto, ich spiele nämlich gar nicht" und dieses Motto soll mich zukünftig durchs Leben begleiten :-)

Re: Mein problem ...
« Antwort #2 am: 11 März 2019, 09:26:33 »
Hallo  :)

ich glaube schon, dass es zunächst ein Schock für deine Eltern und Familie sein wird. Allerdings mit dem Vorsatz, dass du dich Ändern möchtest und daran arbeitest kann dieser Schock gering ausfallen.
Sorgen machen sich Eltern immer. Ich denke trotz der Altersvorsorge aber das deine Eltern sich eher Sorgen um dich machen als das Finanzielle.

Du kannst mir aber glauben, dass sobald du dich jemanden anvertraut hast, fällt wirklich eine riesen Last ab. Man muss allerdings auch klar formulieren, wie man mit der Situation umgehen möchte.
Ich musste meiner Mutter erst erklären, dass es mir nichts bringt, wenn man mich alle 2 Tage fragt ob ich wieder spielen war etc.

Es ist für außenstehende allerdings extrem schwierig bis unmöglich in deine Situation hinein zu versetzen. Alle wissen, dass Spielen/zocken das dümmste ist was man mit seinem Geld machen kann. Nur du als Spieler verstehst, warum du dies gemacht hast. Ich versuche es meinen Eltern immer noch zu erklären warum und wieso ich spielen gegangen bin.

Ich wünsche dir viel Glück und viel Kraft für dein Outing.

Mit offenen Karten spielen  8) und dann klappt das.
Deine Familie wird zu dir halten da bin ich mir ganz sicher.

 


Re: Mein problem ...
« Antwort #3 am: 11 März 2019, 12:47:35 »
Vielen Dank für Deine Antwort  :)
Ich bin gerade dabei meine Transaktionen aufzulisten und muss gestehen, dass ich schockiert bin, in welchen Größenordnungen sich das ganze bewegt  :o
Hab ja gestern meine Accounts sperren lassen und muß gestehen, dass es schon in den Fingern juckt.
Was ich allerdings zweifelhaft finde, ist dass ich ja jede Sperre ganz einfach alleine wieder aufheben könnte  :-[
Aber zum Glück kann ich mich mit recherchieren und arbeiten ein wenig ablenken  :D

 

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