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Mein Daddelbuch

  • 3 Antworten
  • 324 Aufrufe
Mein Daddelbuch
« am: 21 Juni 2021, 17:55:20 »
Hallo zusammen,

Kurz zu mir, ich bin 28 Jahre alt und komme aus Hamburg.

Meine Spielsucht begann vor ca. 15 Monaten. Ich habe schon mit früher mal gespielt, allerdings war es so wie es sein sollte: Vor dem Feiern mal 5€ in den Automaten geschoben und gehofft. Wenn nichts kam war es auch okay.

Ich habe einen Freund der schon lange Süchtig nach dem Automatenspielen ist. Wir waren öfters mal in Kneipen und er hat gezockt ohne das es mich groß interessiert hat. Irgendwann habe ich dann auch mal mit gespielt, wir haben jeder 10€ eingezahlt und zusammen gespielt. Auch da war ich noch weit von der Sucht entfernt, ich habe nur selten selbst gespielt und auch dann waren es kleine Beträge. Irgendwann kam dann der dumme Tag an dem ich mit in eine Spielhalle gegangen bin, und auch mal "richtig" spielen wollte. Wir haben ordentlich was verzockt ( ich ca. 100€, er deutlich mehr) und haben uns gesagt : Nächste Woche sind unsere Freundinnen beide 14 Tage weg, da zocken wir  und danach lassen wir es sein....

Zusammen haben wir in der Woche in der wir 2 mal da waren locker 1500 verdaddelt und seitdem bin auch ich gefangen.
Wir reden ständig darüber wie dumm unser Handeln ist und das wir aufhören müssen, sobald wir aber ein paar Bier getrunken haben gehen wir los und Spielen. Auch wenn es wahrscheinlich keiner von uns zugeben würde, ich glaube nach dem ersten Bier geht es uns nur noch darum ob der andere auch Spielen will.

Ich kann auch nicht sagen was der Grund dafür ist, ich weiß das ich mit meinen 30 cent Drehungen nichts erreichen kann und mein Kumpel hat in den letzten 15 Jahren locker 70.000€ verspielt, trotzdem gehen wir immer wieder in die "Spielhöllen".

Ich möchte auf jeden Fall nicht mehr spielen und hoffe das ich es mit diesem Forum schaffe.

Lg

Re: Mein Daddelbuch
« Antwort #1 am: 21 Juni 2021, 18:36:18 »
Hallo Swappa,

zunächst Willkommen. Wie ich sehe hast du für dich erkannt das sich was ändern sollte.

Ich empfehle dir dringend mit deiner Freundin oder Familie zu sprechen, eine Beratungsstelle und SHG in deiner Nähe zu suchen. Gerade das öffnen zu wichtigen Personen ist wichtig und hier auch unter Umständen die finanzielle Hoheit abzugeben.

Du stehst noch am Anfang der Abhängigkeit was dir helfen kannst.

Leider muss ich auch sagen das ich die Freundschaft zu deinem Kollegen kritisch sehe. Ihr pusht euch gegenseitig und zieht euch dort in einen Strudel nach unten. Das musst du kritisch hinterfragen ob er bei einer Abstinenz mitzieht. Wenn nicht wirst du den Kontakt aufgeben müssen da er dich immer triggern wird.
aliena vitia in oculis habeamus, a tergo nostra

Re: Mein Daddelbuch
« Antwort #2 am: 21 Juni 2021, 19:40:34 »
Hallo Swappa

Ich kann mich meinem Vorredner (Schreiber) nur anschließen. Du hast Dein Problem erkannt und bist hier. Das sind 2 wichtige Punkte. Aber damit ist es nicht getan. Der Weg ist lang und Unterstützung zu haben sehr wichtig.

Alles Gute
Devilslady

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.620
Re: Mein Daddelbuch
« Antwort #3 am: 21 Juni 2021, 20:22:58 »
Hi und willkommen!

Zitat
Auch wenn es wahrscheinlich keiner von uns zugeben würde, ich glaube nach dem ersten Bier geht es uns nur noch darum ob der andere auch Spielen will.

Die Erkenntnis ist schon nicht schlecht, doch ich denke, dass dies bereits nur eine Show vor Euch selbst ist.
Dafür spricht auch Euer Gerede über Eure Dummheit und Euer Aufhörenwollen. Der Einzige, der sich gerade um sich kümmert, der bist Du. Und selbst das hat ja schon eine Weile gedauert.
Diese Schow hatte bisher nur einen Sinn: Ach komm ... nur einmal noch ...
Jetzt frage ich Dich, ob Du aufrichtig zu Dir selbst sagen kannst: Ich möchte mein Leben zurück haben und dafür bin ich bereit auch etwas zu tun!
Tja, doch was soll dieses Etwas nur sein? Hier hilft kein Gerede, sondern nur Taten. So kurz Deine Inkubationszeit auch war, sie hat bereits Spuren in Dir hinterlassen, die Du selbst oft gar nicht erkennst.
Wie sagte ein Psychologe auf einer Schulung gleich: Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Realität. Für ihn ist sie wahr! Sie wird geformt aus eigenem Erleben, Fühlen und Handeln.
Doch was ist, wenn diese Realität verformt wird? Da ist es sehr nützlich andere Welten zu erfahren. So kann ich abgleichen, wo ich Veränderungen versuchen kann. Das kann kein Anderer für Dich tun. Da musst Du schon selbst ran.
Das bedeutet aber auch, dass Du bereits alles in Dir hast, was Du dafür brauchst.
Also ist eines der "Etwas" Dich in eine SHG zu begeben. In Hamburg gibt es da so einige. Höre dort gut zu und beteilige Dich auch selbst an den Gruppengesprächen.
"Geld" ist Dein Suchtmittel geworden. Klar, es hat immer noch einen kleinen Stellenwert als das gesetzliche Zahlungsmittel. Doch der Sucht in Dir ist das egal, sie möchte befriedigt werden. Du hast eine Freundin ... vereinbare mit ihr ein befristetes Geldmanagement. Lasse Dir ein Taschengeld geben und quittiere Deine Ausgaben mit Belegen. Ein oder zwei Mal im Monat setzt ihr Euch zusammen und besprecht, was nötig war, was hätte nicht sein brauchen, plant Ausgaben für Aktivitäten oder Anschaffungen, und und und ... Ein Haushaltsbuch wird Euch da gute Dienste leisten.
So lernst Du wieder mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel umzugehen.
Tja ... Dein Freund ... Hast Du Dich mal gefragt, ob er ein richtiger Freund ist? Oder war er erst eher ein Saufkumpan und nun der Glückspieldompteur? Was einem nicht gut tut, das schiebt man beiseite - lässt es nicht an sich heran. Viel zu oft ist es schon vorgekommen, dass solche Freunde dann Druck ausüben. "Ach komm´ doch mit ... brauchst ja selbst nicht spielen ... trinke einfach einen Kaffee oder ne Cola!"
Das muss nicht direkt sein, wenn Du mit ihm sprichst. Doch wird sich so etwas einschleichen. Und wenn ihr in eine Kneipe geht, dann wird auf einmal über das Glückspiel geredet. Die Verluste sind vergessen und die Nostalgie der guten alten Zeit nimmt Einzug.
Doch das ist triggern hoch drei und Du wirst dem auf Dauer nichts entgegen zu setzen haben.
Also spreche mit Deinem Freund, dass Du den Kontakt abbrechen musst, weil Du dem Glückspiel den Rücken kehren möchtest.
Es gibt natürlich noch so einige andere "Etwas", doch das soll an dieser Stelle erst einmal reichen.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

 

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