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Trading-Sucht / ca. 100.000 € Verlust / 07.05.2026 - day of no return

Begonnen von trading500, Gestern um 13:30:20

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Hallo zusammen,

ich möchte heute ein paar Gedanken mit euch teilen, die mich aktuell sehr beschäftigen.
Mental befinde ich mich momentan an einem der tiefsten Punkte meines Lebens (ca. 100.000 € Verlust im Day-Trading)

Kurz ein paar Worte zu mir, bevor ich meine Geschichte erzähle:
Ich bin mittlerweile 31 Jahre alt, hatte eine wunderschöne Kindheit und es hat mir an nichts gefehlt.
Mit 16 habe ich eine Ausbildung begonnen, danach noch eine Weiterbildung in Vollzeit absolviert und arbeite seit meiner Ausbildung in derselben Firma.

Nun zu meiner Geschichte und meiner Sucht:
Die ersten Berührungspunkte mit Glücksspiel hatte ich 2015. Damals machte man mit Freunden kleine Sportwetten – einfach just4fun beim Fußballschauen, mal 5 oder 10 Euro. Dieser Dopamin-Kick war allerdings rückblickend der Anfang vom Ende.
Relativ schnell wurden die Einsätze höher. Irgendwann habe ich auf sämtliche Sportarten gewettet, von denen ich teilweise überhaupt keine Ahnung hatte. Es ging nur noch um die Quote. Solange ich mein geregeltes Einkommen hatte, ließ sich das alles irgendwie finanzieren.

Von 2017 bis 2019 war ich dann Vollzeit auf der Schule und hatte in dieser Zeit kein geregeltes Einkommen mehr. Genau dort bin ich 2017 das erste Mal richtig auf die Schnauze gefallen. Ich hatte mein komplettes Erspartes von rund 17.000 € verzockt – Geld, das eigentlich als Rücklage für die zwei Jahre Vollzeitschule gedacht war. Zum ersten Mal musste ich meinen Eltern davon erzählen.
Diese Beichte war alles andere als leicht. Trotzdem haben mir meine Eltern damals mit einem Vorschuss von 10.000 € geholfen, damit ich meinen Alltag wieder bewältigen konnte. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich mit Sportwetten komplett aufgehört habe. Seitdem habe ich mich nie wieder in ein Sportwetten-Portal eingeloggt.

2019 begann ich wieder zu arbeiten und habe die 10.000 €, die ich von meinen Eltern bekommen hatte, nach und nach vollständig zurückbezahlt.Bis Anfang 2020 führte ich wieder ein völlig normales und geregeltes Leben und konnte auch wieder viel sparen.

Anfang Januar 2020 kam ich dann über eine Network-Marketing-Firma mit Day-Trading in Berührung. Seit diesem Zeitpunkt habe ich mich bis zum 07.05.2026 nahezu täglich mit Day-Trading beschäftigt.
Ich sah darin die Möglichkeit zur finanziellen Freiheit – etwas, das tief in meinem Inneren schon immer ein Traum war. Charts wurden zu einer echten Leidenschaft für mich. Ich analysierte stundenlang Märkte und eignete mir sehr schnell viel Wissen an.

2022 kam dann der Punkt, an dem ich ein Gewerbe gründete und Day-Trading über eine Fremdkapitalfirma (auf Provisions-Basis) betrieb, da privates CFD-Trading in Deutschland aufgrund der damaligen 20k-Verlustregel steuerlich sehr unattraktiv war. Trader wissen vermutlich, was ich meine.
Mit dem Prop-Trading habe ich dann zum ersten Mal richtig viel Geld verdient. Insgesamt waren es etwa 130.000 € vor Steuern. Im ersten Jahr hatte ich dadurch auch direkt fünfstellige Steuerzahlungen, was aber kein Problem war, da ich Einnahmen, Steuerrücklagen usw. sauber getrennt hatte.

Der eigentliche Albtraum begann 2025, als die 20k-Verlustregel aufgehoben wurde und privates Trading wieder attraktiv wurde. Der Unterschied war enorm: privates Trading mit ca. 25 % Kapitalertragssteuer statt gewerblichem Trading mit rund 42 % Einkommensteuer. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mein Gewerbe beendet habe und mich wieder voll auf den Eigenkapitalhandel konzentrierte. Ein großer Teil der Gewerbegewinne flossen entweder direkt in die gewerbliche Tätigkeit, oder nach Gewerbe-Beendigung in das private Trading.

In den letzten 1,5 Jahren habe ich völlig den Bezug zu meinem ersparten Geld verloren. Ich habe immer wieder Tausende Euro eingezahlt, verzockt und erneut Geld nachgeschossen, um Verluste zurückzuholen. Anfang Dezember 2025 habe ich dann gesagt: ,,Jetzt ist Schluss für dieses Jahr", weil ich wirklich kein Geld mehr hatte. Anfang 2026, als wieder neuer Lohn kam, habe ich direkt wieder 1.000 € eingezahlt – und natürlich ebenfalls verloren.
Dann begann 2026 mein absoluter Tiefpunkt:
Ich hatte einen Bausparvertrag mit 17.000 € aufgelöst, eigentlich mit dem Gedanken, etwas finanziellen Puffer für den Alltag und die anstehende Steuerzahlung zu haben. Auch dieses Geld habe ich komplett verzockt – inklusive meiner monatlichen Gehälter. Letzten Monat hatte ich nur noch 100 € auf dem Konto.

Diese Woche kam dann der absolute Tiefpunkt:
Ich habe im Goldhandel einen Großteil meines letzten Lohns verloren. Anfangs sah der Trade gut aus – ich war short auf Gold. Doch durch die aktuelle Weltpolitik mit Trump, den Spannungen im Nahen Osten usw. lief der Kurs komplett gegen mich und ich wurde ausgestoppt.
Daraufhin habe ich kurzfristig einen Privatkredit über 10.000 € aufgenommen – das erste Mal in meinem Leben überhaupt einen Kredit.
Der Plan war:5.000 € für einen Gold-Short und die restlichen 5.000 € als Puffer für den Alltag.
Die ersten 5.000 € waren sehr schnell weg. Danach habe ich sogar die restlichen 5.000 € ebenfalls verzockt – wieder mit einem Gold-Short, weil ich felsenfest davon überzeugt war, dass der Kurs irgendwann fallen MUSS.
Als dieses Geld dann innerhalb von nicht einmal 24 Stunden ebenfalls weg war, war mein Dopamin-Level so extrem hoch, dass ich im völligen Eifer des Gefechts noch weitere 15.000 € Kredit aufnehmen wollte.
Mein Gedanke war: 5.000 € für Trading – und wenn das schiefgeht, endgültig Schluss. Die restlichen 10.000 € als privater Puffer.
Als die Bank mir diesen Kredit trotz guter Bonität abgelehnt hat (neue Kreditanfrage innerhalb 24h), war das im Nachhinein mein ,,Day of no return" – der Moment, in dem ich endgültig erkannt habe: "ES MUSS JETZT FÜR IMMER AUFHÖREN: SO KANN ES NICHT WEITERGEHEN".
Ein paar Stunden bzw. Tage später bin ich mittlerweile froh darüber, dass die Bank den Kredit abgelehnt hat. Während dieses Dopamin-Kicks hätte ich mich sonst vermutlich noch viel tiefer in diese Spirale hineingeritten. Kurzfristig hätte mir das vielleicht etwas Luft verschafft, langfristig wäre alles nur noch schlimmer geworden.

Ich frage mich seit dem Zeitpunkt ständig:
• "Wie konntest du nur so dumm sein?"
• "Wie konntest du knapp 100.000 € an der Börse verlieren und nicht vorher schon aufhören? (100.000 € reines Eigenkapital, gewerbliche Gewinne bereits rausgerechnet)

Durch diese ,,Dummheit" fühle ich mich aktuell sehr depremiert, auch wenn ich weiß, dass es letztendlich eine Sucht ist bzw. war. Man wird in solchen Momenten komplett von Dopamin und dem Drang gesteuert.

Außenstehende Personen würden mir das vermutlich niemals ansehen. Im Privatleben und im Berufsalltag bin ich ein sehr sehr disziplinierter Mensch. Genau diese Disziplin hat auch dazu geführt, dass mein beruflicher Weg inkl. Weiterbildung so ,,gut" gelaufen ist.

Noch ein paar wichtige Punkte zur Gesamtsituation:
• Ich habe noch drei weitere Bausparverträge mit insgesamt knapp 120.000 € Guthaben. Da dieses Geld aktuell noch vertraglich gebunden ist, ist dieser sechsstellige Betrag – zum Glück – momentan geschützt.
• Den 10.000-€-Kredit habe ich nur aufgenommen, weil ich nicht an das Geld aus den Bausparverträgen gekommen bin (zum Glück !!!)
• Aktuell habe ich für diesen Monat noch etwa 1.000 € zur Verfügung, die bis Monatsende reichen müssen.
• Ich bin Single und habe keine Verpflichtungen wie Hauskredit oder Kinder. Das war auch einer der Gründe, warum immer so viel Geld fürs Trading verfügbar war.
• Aktuell wohne ich in einem eigenen Bereich im Elternhaus ohne Mietkosten, möchte mir aber trotzdem bald etwas Eigenes aufbauen (Wohnung kaufen, Wohnung mieten, evtl. etwas umbauen, ..)
• Bis zum 31.07. muss ich die Steuererklärung für 2025 abgeben. Dort kommen noch ca. 4.000–5.000 € Nachzahlung auf mich zu aufgrund des Gewerbegewinns aus dem letzten Jahr.

Das Einzige, was mir aktuell Hoffnung macht:
• Ich habe einen Job, der mir wirklich Spaß macht und mit 3.800–3.900 € netto gut bezahlt ist (im Vergleich zum Durchschnitt in DE). Mit 31 Jahren habe ich dadurch hoffentlich noch viele Möglichkeiten.
• Mein erstes Ziel: Mit den nächsten 2-3 Monatslöhne etwas Grundstabilität in der finanziellen Lage wieder schaffen & dann schnellstmöglich den Privatkredit mit Sondertilgungen abbezahlen.
• Die Erkenntnis, dass ich jetzt wirklich aufhören möchte und dieser Tiefpunkt im Nachhinein der wichtigste Wendepunkt meines Lebens sein könnte
• Wieder mehr Freude an den einfachen Dingen im Leben zu finden: einfacher Spaziergang an der frischen Luft mit Vogelgezwitscher, Zeit mit Freunden, ein normales und ruhiges Leben, Musikinstrument spielen, schwimmen gehen, ..

Allein diese Zeilen aufzuschreiben hat mir gerade unglaublich gut getan. Einfach mal die Gedanken rauslassen – in einem Forum mit Menschen, die mental vielleicht Ähnliches oder sogar Schlimmeres erlebt haben.

Ich würde mich über ein paar Gedanken von euch freuen.

_____

PS: Diese Geschichte möchte und werde ich meinen Eltern nicht erzählen. Sie wären maßlos enttäuscht, nachdem sie mir bereits 2017 wegen meiner Spielsucht geholfen haben. Sie wissen zwar, dass ich an der Börse aktiv (bin) war, aber sie kennen nur die guten Zeiten, in denen ich viel Geld verdient habe. Dass es mittlerweile so schlecht lief, wissen sie nicht – und ich möchte sie damit auch nicht belasten, da diese andere Sorgen haben.


Hi und herzlich willkommen!

Kontrolle ... darum dreht sich bei uns Menschen so viel. Es ist ein menschliches Bedürfnis, sich und sein Umfeld zu kontrollieren, Letzteres zumindest in einem gewissen Rahmen.

Scham ... ein Gefühl, welches 2 Dinge regelt: Jemand hat gegen Werte und Normen einer sozialen Gruppe verstoßen und ist sich dessen bewusst. Die anderen der sozialen Gruppe erkennen z.B. an einem geröteten Gesicht, dass der andere sich seines Vergehens bewusst ist und mildert seine eigene Reaktion, um die soziale Gruppe nicht weiter zu belasten.

Nun, bei einem Verlust der Kontrolle ist das Festhalten an der Kontrolle immer mit Scheitern verbunden. Scham ist bei einer Sucht sehr häufig ein Blocker, um sich aufrichtig Hilfe zu organiseren. Die Scham schützt so die Sucht. Dabei ist es doch eine Kompetenz, sich Hilfe zu organisieren. Wer weiß, welche Widrigkeiten bei einer Offenbarung von einem Süchtigen überwunden werden muss, der weiß auch, dass diese Person dann mit Recht stolz auf sich sein kann.

Und nun vergesse mal ganz schnell all Deine Kontrollversuche, die Du da in Planung hast und auch den Kontrollversuch die Gruppe sofort zu lenken in eine Richtung, die Dir zumindest in Deiner Vorstellung nicht gut tut.

Dabei zeigt doch der Absatz mit eingeleitetem PS so viel ... Du weisst, was richtig ist! Du hast Angst davor, was Deine Eltern sagen und vor allen Dingen über Dich denken werden. Dabei vergisst Du aber, dass das, was passieren könnte, alles nur in Deiner Vorstellung geschieht. Lasse Dich überraschen von Deinen Eltern. Du vertraust ihnen - nur Dir selbst nicht! Du wirst das Outing schon meistern. Und nun, da Du Dich der Selbsthilfe angeschlossen hast, musst Du nicht erst alles selbst ausprobieren, was Dir helfen und dabei auch noch gefallen könnte. Du darfst Dich aus einem Pool aus Erfahrungen bedienen. Deine Eltern lieben Dich und sie wollen wissen, wie es Dir geht. Natürlich vertrauen sie Dir und fragen deshalb auch nicht nach. Sie möchten Dir nicht zu nahe treten. Oder denkst Du wirklich, dass Deine Schilderungen nicht auch erkennbare Veränderungen bei Dir hinterlassen hätten? Sie haben natürlich auch Wünsche und Ziele für Dich und wollen selbst unbewusst manchmal die Augen verschließen, um aus dieser imaginären Welt nicht heraustreten zu müssen. Doch sie kennen Dich und sie sehen auch, wenn es Dir nicht gut geht.

Komme heute abend ins Meeting ... oben einfach auf "online" klicken um kurz vor 19 Uhr. Installiere Dir den kostenlosen Zoom-Client, damit Micro und ggf. Kamera funktionieren. Du kannst ja mal im Vorfeld testen, ob es klappt. Auch wenn es eigentlich unwichtig ist, wir haben auch Trader in der Gruppe.

Oh ja, den Kontrollverlust, wie bei dem 2. Kredit innerhalb 24 h, den kenne ich auch. Etliche male bin ich da durch gegangen ... einmal kam am Ende ein Betrug dabei heraus. Viele Male reichte es aber auch schon aus noch vor dem 1. alles Geld verzockt zu haben.

Es ist absolut richtig, dass Du einen Schlussstrich ziehen möchtest. Aber denke dabei bitte immer klein, indem Du nur für heute spielfrei sein möchtest. Das reicht vollkommen. Wieso ein solch riesiges Ungetüm erschaffen, "nie wieder" zu spielen? Es wird Dich auffressen ...
Heute ist genug! Heute hat ein kleines Ziel und am Ende des Tages, so Gott will, auch einen Erfolg!

Komme vorbei heute abend ... wir beißen nicht ... :)
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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