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Wss verstehst du unter/ wie erlebst du.........die Zeit beim Spielen?

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Offline Wolke

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Hallo zusammen,

früher machte ich aus Geld Zeit. Ich  wollte mehr Zeit vor dem Automaten verbringen,Kopf leer bekommen und Gefühle wegbeamen war wichtig und das so lange wie möglich. Ich hatte nie genug Zeit für den Automaten,denn ich musste ja notwendigerweise noch Arbeiten und mich so viel mit Familie und Freunden beschäftigen,dass niemand Verdacht schöpft......was für eine Zeitverschwendung dachte ich damals.

Jetzt bereue ich diese Zeit vor dem Automaten,sie nicht mit schönen Erlebnissen mit Familie und Freunden gefüllt und geteilt zu haben. Diese Zeit ist unwiederbringlich weg. Weg von meiner Lebensuhr....tic,tac.....und doch blitzen für Sekunden Bilder von der Spielhölle auf. Angenehme Bilder,von der angenehmen Zeit da und das macht mich verrückt.

Ich wünsche euch eine gute Zeit , in diesen schwierigen Zeiten.

LG Wolke

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Offline andreasg

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Hallo Wolke,

was wäre wenn,  nur eine Minute mein Kalaidoskop ans Auge halten,
wie gerne eürde ich es zurück drehen,
aber es ergibt keinen Sinn für mich.

die nichtgelebte Liebe, wenn die Glassegmente im Durchblick stehen bleiben,  bis die Finger sich wieder bewegen,
dann ist es auch gut,  sich selber anzunehmen, wie ich gemeint bin.
Und wenn ich mich in meinen Träume real wieder finde,
ist es ein Geschenk, sich auf den Weg zu heben,

Das Leben wartet gerade jetzt auf uns

lg Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline Wolke

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Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen ,einige Dinge korrigieren und ohne Spielsucht leben wollen.

Diese blöden Sätze: ohne die Spielsucht wär ich nicht die ,die ich jetzt bin....darauf pfeif ich. Ich könnte wunderbar ohne diese Erfahrung leben ,ich würde sehr viel besser ohne diese Erfahrung leben.

Was gibt es denn hier zu jammern?

Ich lebe in der Gegenwärt und die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern aber dennoch kann ich das Beste daraus machen das sich solche Fehler nicht wiederholen und ich persönlich kann damit sehr gut leben aber nochmal passiert mir ein solcher Fehler nicht und ich werde auch alles dafür tun!
« Letzte Änderung: 28 März 2020, 16:22:13 von Born4Nothing »

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Offline Olli

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Hi!

Gestern beim Videochat erst habe ich erklärt, dass ich damals so erzogen/gepolt/gestrickt war, immer Leistung zu erbringen.
Dies hat zu permanentem Stress geführt. Und obwohl ich immer dachte, dass dieser Stress auf der Arbeit und der Arbeit für meinen Vater durchaus positiv besetzt war, legte das Spielen immer noch einen oben drauf.
Zu meiner Zeit gab es die Multigamer noch nicht. Da waren die Walzengeräte noch in.
Und so bestückte ich nicht nur einen Automaten, sondern direkt 2, 3, 4 oder mehr - je nachdem, was mir an Suchtmittel gerade zur Verfügung stand.
Obwohl die meiste Zeit eigentlich der See still ruhte, so erinnere ich mich doch intensiver an die Tage, an denen ich von einem Automaten zum Nächsten flitzte um die Risikoleiter zu bedienen.
So verging die Zeit wie im Fluge und ich musste oft genug gebeten werden zu gehen, da die Lokalität überraschender Weise schon schloss.
War das Geld knapp, wie eigentlich immer, dann spielte ich auch nur an einem Automaten.
Oft genug gab es auch Bekanntschaften, gerade in Kneipen, mit denen ich dann zusammen spielte.
War ich alleine, dann beschäftigte ich mich mit dem Automaten - "Mist, der ist heute zu" - "Wenn die Kombi aus Geräuschen und Licht in einem bestimmten Muster auf mich wirkten, dann müsste der Automat bald was bringen" usw.
Auch hier verging die Zeit schneller, wenn auch zähflüssiger.
Spielte ich mit Anderen zusammen, dann gab es fast ausschließlich dieses Zockergewäsch, was wohl fast jeder hier kennt.
Der Effekt war der Gleiche ...

Allen Situationen gemein war jedoch, dass ich nun keine Zeit hatte mich mit mir selbst zu beschäftigen.

Das war aber nur die Zeit während des Spielens, nach der hier gefragt wurde.
Die Zeit vor und nach dem Spielen war aber auch ziemlich häufig mit der Sucht ausgefüllt.
Da meine ich also die Geldbeschaffung durch Nebenjobs. Die Vorfreude, wenn es das Geld für den Nebenjob bar auf die Hand gab.
Die Vorfreude, wenn ich mich mit diesem Geld auf den Weg machte in irgendeine Spielhalle.

Auch hier lenkte ich mich permanent von mir selbst ab.

Ich gehöre zu der Fraktion, die behauptet, dass ich ohne das Glückspiel nicht der wäre, der ich nun bin.
Natürlich wäre es mir auch lieber gewesen diese Erfahrungen wären an mir vorüber gegangen.
Doch das ist Vergangenheit und lässt sich nicht mehr ändern.
Wahrscheinlich, wenn sich die Zeit zurückdrehen ließe und ich stünde mit dem gleichen Wissen, wie damals, wieder vor der Entscheidung zu spielen oder eben nicht - würde ich mich wohl wieder für das Spielen entscheiden.
So erinnere ich mich gerade an die 11. Klasse zurück, als ich meine Fächer wählen musste.
Psychologie stand dort auf dem Plan. Ich weiss noch, als wäre es erst gestern gewesen, dieses Fach habe ich angewiedert sofort für mich ausgeschlossen.
Vielleicht hatte ich ja da schon Angst davor, was mich erwarten würde, wenn ich über "mich" sprechen müsste im Unterricht?

So ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe, die, das Glückspiel komplett an den Nagel zu hängen.
Es war ein langer Prozess, bis ich diese Entscheidung getroffen habe. Dazu hatte ich ja keine Zeit - so vorm Automaten sitzend ... über 20 Jahre ...

Für mich gehört es zum Genesungsprozess dazu die Suchtausübungszeit als das anzunehmen, was sie ist.
Sie ist vorbei - sie ist Geschichte - aber eben auch meine Geschichte. Sie ist unveränderbar mit mir verbunden.
Wenn ich sie verleugnen würde, dann würde ich mich selbst verleugnen.

Egal, ob es damals anfänglich in der SHG, in meiner Familie war oder wie ich es heute auch bei vielen Anderen erlebe - das Thema Sucht ist extrem schambesetzt.
Scham ist ein Gefühl, welches mir deutlich macht, dass ich etwas entgegen einer Norm gemacht habe.
Ich habe etwas "falsch" gemacht, was vor Allem Andere jetzt mitbekommen haben.
Doch die Scham existiert immer nur in meinem Kopf verbundem mit dem, was Andere über mich denken würden.
Wird aber darüber gesprochen mit diesen Anderen, dann stellt sich oft genug heraus, dass alles reine Fiktion war.

Heute spreche ich ohne Scham über meine Zeit vor den Automaten.
Dies nicht nur hier, sondern auch im Real-Life, wenn der Gegenüber darüber reden möchte.

Ich wäre wahrscheinlich in meinen Strukturen gefangen geblieben, ohne es selbst zu merken, hätte ich meine Abstinenzentscheidung nicht getroffen.
So wären mir viele Freuden verwehrt geblieben. Nicht die wenigen Großen, die man so im Leben hat.
Nein - die Kleinen, die alltäglich auf uns einprasseln.
Das morgentliche Vogelgezwitscher, welches mich bei geöffnetem Fenster aus dem Schlaf begleitet.
Der Autofahrer, der mir zuwinkt abzubiegen, obwohl es Vorfahrt hat.
Das Lachen von Kindern, die draussen spielen.
Das Lächeln, welches sich bis zu den Augenwinkeln fortsetzt.
Ein Dankeschön - ein Lob, welches von Herzen kommt.
Reale Begegnungen, wie auch die gestern im Videochat - vis à vis.
Gleiche Ziele, die unterschiedliche Menschen vereinigen.
...

« Letzte Änderung: 28 März 2020, 16:47:33 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline Wolke

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Hätte die Überschrift in Zeit beim Spielen und nach der Sucht  benennen sollen.

Ja, es stimmt schon,die Vergangenheit kann ich leider nicht ändern,ich kann es jetzt nur besser machen und meine bisherigen Fehler nie wiederholen. Das ist auch mein Bestreben,mein Lebensziel in das ich jetzt meine Zeit und meine Kraft investiere.

Ich bin vom Kopf her in der Vergangenheit stecken geblieben,weil es da noch mehr gibt,was ich gerne ändern würde. Die Wut ist größer als die Dankbarkeit für eine Zeit,die nichts mit der Spielsucht zu tun hat,aber ich hoffe,dass ändert sich noch. Die Dankbarkeit für die Menschen,die mir da rausgeholfen haben ,ist dafür umso größer.

JETZT wird es ZEIT nicht mehr zu jammern und Zeit zu kochen,denn ich habe Hunger.

Wünsche euch noch einen schönen Abend

LG Wolke

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Offline NW

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,ich würde sehr viel besser ohne diese Erfahrung leben.

Warum bist du dir da so sicher ?

Ich denke alles hat irgendwo seine Gründe und nur starke Menschen bekommen schwere Wege  ???

Mich hat der ganze Spaß nen Haufen kohle gekostet, denke auch das es schon an nen 6 stelligen Betrag rankommen wird, aber auch eine Menge gelehrt, nämlich zb dass alles materielle und das lechzen danach wie es fast alle tun, einfach nix für mich ist und andere Dinge einfach 1000 mal wichtiger für mich sind wie Geld und Statussymbole..

Mir wäre es zwar auch lieber ich hätte das auch vorher schon erkannt, kann aber nun auch gut damit leben so wie es jetzt eben ist...

Wer nichts falsch macht, der macht wahrscheinlich auch sonst nix !  ;)

« Letzte Änderung: 28 März 2020, 17:52:06 von NW »

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Offline andreasg

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Hallo ihr Lieben,

als die Ehe meiner Eltern 1963 geschieden wurde, blieben wir drei Kinder bei der Mutter im Bauernhaus. Meine beiden Schwestern fanden noch Beachtung bei unserem Vater, ich wurde, bis auf minimale Begegnungen , von ihm abgehängt, und nicht mehr beachtet. Dafür hat meine Mutter mich zu ihrem Ersatzehemann dressiert, also mit körperlich schwerem Einsatz, während meine Schwestern vom Vater verwöhnt wurden. Später bin ich in die Rolle des "Ersatzvaters" für meine Mutter eingestiegen, --- ich hatte keine Chance, der Spielsucht zu entgehen. Manchmal denke ich, ohne Spielen, hätte ich das alles nicht überlebt,
und als das Spielen letztendlich mein Leben forderte, habe ich mir, wie auch immer, Hilfe gesucht. Wenn ich mich Heute im Kreis von gleichfalls Betroffenen begegne, und ausspreche, daß ich ohne Euch nicht mehr Leben würde, sage ich das nahezu emotionslos, aber die Kaldeira dahinter, wenn die meine Gefühlswelt zum Überkochen bringt....

Ich bin gerade froh, daß es Telefonmeetings und nun auch Videokonferenzen gibt, um einfach Mittel und Wege zu finden, auf dem Genesungsweg weiter zu gehen, um weiter zu kommen. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse ist, es gibt viele Menschen, die sich für ihr Leben gerne engagieren, auch für Menschen, die in Not geraten sind. Beißt sich da die Katze in den Schwanz?

Vorgestern habe ich eine kleine Überweisung an die Straßenzeitung getätigt. Natürlich klopft mein Zockergewissen dagegen, aber laß den Schweinehund bellen, und ich weiß, wer da nicht mehr vorm REWE steht, und die Zeitung hochhält, weil die Pandemie dagegen stürmt. Aber ich spreche eben mit all' den Gescheiterten, und denen die einen gangbaren Weg für sich gefunden haben, vielleicht ist das mein Job, nach all' dem blechernen Schweigen in der Spielhölle, oder der Weg, den ich ohne die Prüfung "des Spielen gehen müssens" nicht bestreiten könnte.

Liebe Grüße
Andreas

Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline Wolke

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“Warum bist du dir da so sicher ?

Ich denke alles hat irgendwo seine Gründe und nur starke Menschen bekommen schwere Wege  ???


Der schwere Weg macht viele Menschen stark,aber gewisse Dinge wünscht man noch nicht mal seinem ärgsten Feind,denn es gibt Menschen,die zerbrechen daran.



Natürlich formen Schicksale einen Menschen und verändern den Lebensweg und dadurch helfen auch  Menschen,die  schlimmes  erlebt haben ,anderen Menschen mit gleichen oder ähnlichen Schicksalen,die nicht so stark sind und das ist auch gut so.


......und jetzt komm ich aus alledem nicht mehr raus.......,dass Schlechtes auch was Gutes haben kann......








 

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