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Das große Problem angehen

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Das große Problem angehen
« am: 22 Juni 2020, 22:21:14 »
Hallo zusammen!

Ich habe die letzten Stunden sehr aufmerksam gelesen und möchte mich auch heute öffnen. Kurz zu mir. Ich bin Ende 20 und habe wie die meisten hier eine lange Spielervergangenheit.
Alles begann mit kleineren Pokerrunden, dann Onlinepoker, ein wenig Casino mit Freunden und später auch mal Spielhallen (für den "Thrill") tatsächlich hat mich das schnelle Geld aber immer sehr gereizt.

Ich komme aus einem wohlbehütetem Elternhaus und es fehlte mir an nichts. Ich war sportlich sehr aktiv, ging auch arbeiten, aber bekam auch Taschengeld. Ich habe studiert (Bachelor und Master) und bin seit letztem Jahr im August auch mit dem Studium fertig. Ich bezog Bafög und hatte einen Haufen Nebenjobs, wobei mich vorallem der soziale Kontakt der Arbeit sehr reizte. Ich habe nie groß über meine Verhältnisse gelebt, aber hatte bzw habe überhaupt keinen Plan von Sparen/Geld Anlegen.

Irgendwann reizten mich Online-Casinos und dann war aufeinmal mein Monatsbafög futsch. Dann hieß es, mehr arbeiten um die Miete wieder reinzhuholen. Irgendwie reizte mich der Verlust auch, denn es trieb mich irgendwie an "Jetzt irgendwas zu machen" um Geld ranzuschaffen. Dieses Verhalten habe ich in den letzten Jahren wirklich perfektioniert. Während meines Studiums arbeitete ich freiberuflich und zog vorallem gegen Ende lukrative Jobs an Land. Die Honorare, die für damalige Studentenverhältnisse wirklich gut waren landete in diversen Online-Casinos. Das ist rückblickend gesehen schon krass. Ich sah das Geld auf dem Konto - überlegte kurz das ich ja auch Bafögschulden und einen KFw-Kredit laufen hatte und dachte mir. "Moment mal. Aus den 5000 Euro kannst du doch locker 20.000 Euro machen, dann bist du all deine Schulden los UND hast noch Geld über. Wie die Story weitergeht wisst ihr. Geld futsch. Frustration. Schlechte Laune. Nach einer Woche ging es dann wieder und nach drei Wochen setzte das Suchtgehirn wieder ein und der Verlust war vergessen.

Ich bin ein relativ emotionaler Mensch, was meine Freunde sehr an mir schätzen. °Ich bin offen und nett und herzlich und spreche Dinge an die mich stören. Zumindest dachte ich das immer. Aber in Wahrheit ist es so, dass ich meinen Unmut oder Frust an der Slotmaschin auslasse und mich selber durch Geldverlust runterziehe um mich dann zu bemitleiden. Meine erste Freundin bekam mit das ich ein Problem mit Spielen habe. Ich habe das natürlich heruntergespielt und ihr gesagt ich hätte das unter Kontrolle - aber am Ende der Beziehung spielte ich auf meinem Handy Onlinecasino während wir im selben Raum waren. So wichtig war mir der Kick beim Blackjack und so egal war mir ihre Zuneigung und Nähe.

Meinen Eltern und meinen Geschwistern habe ich dieses Problem auch einmal beschrieben. Ich wollte ihnen damit aber nicht zur Last fallen, schrieb eine E-mail (!!!) dazu und das Problem versackte.  Das ist jetzt alles schon mehrere Jahre her. Mittlerweile ist Zeit vergangen aber das Problem ist schlimmer geworden. Ich spiele jetzt seltener aber wenn dann richtig. 2000 Euro gingen letzte Woche über den Jordan. Dann nochmal 4000 die Woche davor. ein komplettes Honorar für ein Langzeitprojekt.

Interessanterweise habe ich jetzt wieder angefangen wie früher zu denken. Nämlich zu rechnen. "Ah okay. Ich habe XY verspielt. Klar. ABER in zwei Wochen, wenn der neue Auftrag da ist und ich noch nebenher jobbe, ist das wieder drin. KEIN PROBLEM!"

Aber es geht so nicht weiter. Ich habe mir mal angeschaut was ich dieses Jahr verdient habe und wieviel davon da ist. Nämlich viel. Und davon übrig ist: Nichts. Ich habe zwei Kredite abzubezahlen  laufende Kosten.  Ich bin nicht angestellt sondern freiberuflich und mache als Freiberufler wirklich alles falsch was man hinsichtlich Finanzen machen kann. Ich habe einen Schufaeintrag (50 Euro) von vor 2 Jahren (SKRILL) und einen miesen Score. Ich habe mich neu verliebt und wirklich keinen Bock dieser coolen Frau so einen Scherbenhaufen zu präsentieren. Es reicht. Wirklich. Ich habe krasses Potenzial und habe (wie ich jetzt weiß TROTZ nicht WEGEN meiner Sucht) so viele kreative geile Sachen auf die Reihe gestellt - ich habe echt viel auf das ich stolz sein kann und dann kommt die Spielsucht und ruiniert das alles. Ich habe da keine Lust mehr drauf. Und ich weiß und spüre auch, dass das nicht eine "Phase" ist, sondern das ich ernsthaft krank bin. Ich habe mir so unglaublichen Stress gemacht wegen Geld. Geld besorgen. Irgendwo arbeiten. Hier nochmal die Eltern anpumpen. Nur so eine Scheiße. Und dabei habe ich kaum einen Überblick über meine Kredite (ein kaputtgefahrenes Auto muss ich auch abbezahlen) und wie das Jahr weitergehen soll. Aber es ist wirklich genug. Momentan muss ich noch ein Projekt zuende machen (Bis Montag nächste Woche) aber habe mir auch gesagt ich schaffe die Selbstständigkeit nicht mehr. Deshalb habe ich jetzt (das erste Mal nach meinem Abschluss im August letzten Jahres) Bewerbungen für "normale" Jobs in meinem Bereich geschrieben und bin (Auch wenn bei der einen Bewerbung mein lebenslauf um eine Zeile verrutscht ist) zuversichtlich, dass ich mich irgendwo vorstellen kann und nicht mehr soviel Tagesfreizeit habe. Das klingt seltsam aber es war auch oft die Tagesfreizeit, die Langweile und Gier die dazu geführt hat, dass ich Onlinecasinos oder irgendeinen Scheiß gespielt habe.


Sorry für meine Wortwahl aber das wühlt mich alles sehr auf. Ich habe letzte Woche bereits bei der Diakonie angerufen aber außerhalb der Geschäftszeiten. Morgen rufe ich wieder an und mache einen Termin klar. Ich möchte auch in eine SHG gehen. Ich habe das früher ignoriert und war mir auch sicher ich sei "etwas besseres" wisst ihr wie ich das meine? Süchtig sind die anderen. Ne. Ich hab ein Problem und das nehme ich nicht mehr mit in meine Zukunft. Dafür hab ich zuviel auf dem Kasten. Ich will dem ganzen offensiv begegnen und werde auch mein Online-Banking sperren lassen. Bei den letzten Transaktionen war ich angetrunken und hab einfach wahllos Geld via Directbanking eingezahlt.  Das soll nicht mehr so sein. Ich möchte mein Leben auf die Reihe kriegen, einen Finanzplan machen, EIn und Ausgaben protokollieren, meine Schulden sortieren und einen Plan machen wie ich diese am schnellsten loswerde. Vielleicht kann die Caritas mir da unter die Arme greifen. Das wäre toll. Ich schäme mich zwar sehr für die Vergangenheit aber ich muss das hinter mir lassen. Ich will nicht mehr spielen. Nie wieder. Ich habe keine positiven Gedanken daran, sondern will weitergehen, weil ich weiß was ich alles verpassen kann -bzw vielleicht verpasst habe.

Wenn ihr mögt schreibe ich morgen wie der Anruf war und wann ich einen Termin habe. Ich will mich nach einem ersten Gespräch auch meinen Geschwistern und meinen Eltern öffnen und die Situation erklären. Und auf GAR keinen Fall will ich das meine Eltern mir Geld geben (Was sie sofort machen werden) Das ist dasselbe wie einem Alki ein Bier hinstellen. Ich muss selber klarkommen und das alleine ausbaden. Mir reicht das GEFÜHL das sie da sind. Und das sind sie. Das weiß ich. Aber ich kriege das auf die Reihe. Ich bin mir sehr sicher.

VIelen Dank das ihr bis hierhin gelesen habt. Ich bin froh, dass es dieses Forum gibt. Und ich muss nochmal sagen das es eine Sauerei ist wieviel Werbung für Zocken gemacht wird. Zwar ist mein Freundeskreis eh nicht angetan von GLücksspielen aber ich habe mir vorgenommen, wenn das Gespräch darauf kommt zu sagen, dass Glücksspiel kein Spaß ist, sondern Existenzen gefährdet. Zum Beispiel meine eigene. Jetzt konkret in diesem Moment. Und das ist wirklich nicht in Ordnung.

Das klingt jetzt alles noch sehr euphorisch aber das ist denke ich am Anfang normal. Ich habe mich darauf eingestellt, das die Sucht zurückkommen wird. Das hat sie in den letzten jahren auch getan. Ich muss damit leben aber gebe mein bestes und will vorbereitet sein. Ich muss mich einfach dazu hin erziehen meinen Umgang mit Geld zu kontrollieren. Step by Step.

Ganz liebe Grüße

Re: Das große Problem angehen
« Antwort #1 am: 22 Juni 2020, 22:24:36 »
Vorallem möchte ich mir eine Liste meiner Schulden machen und diese abarbeiten. Außerdem habe ich gemerkt das meine z.t anhaltende Trägheit und "inaktivität" oder zuviel Alkohol zum Spielen führte. Ich habe mich jetzt auch wieder mehr bewegt und wieder zu meinem Verein gegangen. Das Geld, die Schulden (Insgesamt vielleicht 20.000 Euro, zwei Kredite, Privat) zurückzahlen und mal genau klarstellen was meine Fixkosten eigentlich sind und wieviel im Monat bei mir rumkommt um mich zu orientieren. Bisher hieß es: drei bis vier Aufträge im jahr, die Miete it drin und der Rest wird verlebt/verzockt. Und da hab ich echt keinen Bock mehr drauf.

Hoffe der Doppelpost ist ok :)

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Offline andreasg

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Re: Das große Problem angehen
« Antwort #2 am: 22 Juni 2020, 23:20:12 »
Hallo Twister,

Herzlich Willkommen. Danke gür Deine Geschichte.  Ja, da ist viel Stoff drin, und der will in einen Plot gepacht werden, damit ein festes Buch dabei heraus kommt, natürlich mit Happyend.

Über eine Willenserklärung mit dem Vorsatz : "nie wieder" freut sich das Suchtteufelchen und  utiert zum mächtigen Dämonen.

Es reicht aus, nur für Heute nicht zu spielen, das bkeibt überschaubar.  Du bist Ende 20, da steht eine wunderschöne Frau jenseits Deiber Mauern,  diese einzureissen, geht auch nur Stein für Stein .

Ich erinnere mich,  als ich vor meinen 30. Geburtstag ins Krankenhaus musste,  und Zeit zum Nachdenken hatte... Die Folge waren Depressionen.  Diese brachte ich - in die Spielstätte, und als ich Jahre später dort wieder raus fand, und später metkte, spürte, daß ich noch lebe, eurden die Depressionen bedrohlich, also wieder Krankenhaus,  aber nicht wegen Knochenbruch,  sondetn Lebensbrüche.

Ich bin von adipöser Gestalt,  und das ist nicht nur die Lust auf Essen, da ist z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion. Trotzdem der Scham üver das Dicksein, und die Verzweiflung
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Das große Problem angehen
« Antwort #3 am: 22 Juni 2020, 23:25:58 »
Hallo,

Vielen Dank für die netten Worte. Ja, mit dem "Nie wieder" ist es so eine Sache. Ich will mir jetzt auch keine große "Zukunft" ausmalen, aber will den Neuanfang wagen. Und das Tag für Tag. Ich bin nur..irgendwie erleichtert mir das jetzt auch einmal einzugestehen. Dafür war ich immer viel zu stolz bzw. habe andere für meine Probleme schuldig gemacht. Aber es liegt an mir etwas zu ändern.

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Offline andreasg

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Re: Das große Problem angehen
« Antwort #4 am: 22 Juni 2020, 23:33:06 »
zwingt ein krankhaftes Essverhslten hervor. Deshslb gehe ich in zwri Selbsthilfegruppen, für die Genesung beidrr Süchte und gür Geist Körper und Seele.

Du hat eine Soziale Ausrichtung,  das pasdt sich gut,  und in das Portfolio der Dpielsucht ein. Diese Fähigkeit konstruktiv einzusetzen bracht ein inneres Umdenken, und einen Blick in eine gangbate Zukunf4, Madter!

Nun hab ich such zwei Beiträge  (mit Tippfehler ) geschrieben,  Korrekturen wereen vorgenommen,  denn Perfektion ist fernab des Genesungsweges. Mir hat Dein Beitrag geholfen,, mich eieder einmsl von Innen zu betrachten, und durchs Schreiben Ruhe für die Nacht zu finden, und diese wünsche ich auch Dir.

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline Olli

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Re: Das große Problem angehen
« Antwort #5 am: 23 Juni 2020, 07:02:47 »
Hi Andreas!

Hat Dir eigentlich schon mal jemand hesagt, dass Du gar nicht dick - Verzeihung - "von adipöser Gestalt" bist?
Vielleicht warst Du es ja mal, weiss nicht ... umso imposanter ist, was Du dann mit Deinem Körper (und Geist) gemacht hast.
Daher sei stolz auf das Erreichte - und auch auf Deinen Körper!

Hi Twister!

Herzlich willkommen!

Zitat
Das klingt seltsam aber es war auch oft die Tagesfreizeit, die Langweile und Gier die dazu geführt hat, dass ich Onlinecasinos oder irgendeinen Scheiß gespielt habe.

Begehe bitte nicht den Fehler und knalle Dir Deine Freizeit nun mit allem Möglichen voll. Dies wäre kontraproduktiv und wäre dem Zocken gleich zu stellen.
Wenn Du ein Problem mit zu viel Freizeit und der daraus resultierenden Langeweile hast, dann gilt es genau diese aushalten zu lernen.
Da ist es gut, dass Du Dir professionelle Hilfe gönnen möchtest, denn dann kannst Du immer recht zeitnah eruieren, was da gerade in Dir abläuft.
Daraus lässt sich dann eventuell schließen, wieso Du Probleme hast Dich "auszuhalten".

Die "Gier" - immer wieder mit voller Inbrunst von Spielern geäußert, ist dabei nur eine Ablenkung vom eigentlichen Problem. Sie bietet Stoff für eine "rationele" Erklärung, vielleicht sogar an sich selbst gerichtete Entschuldigung - und in der aktiven Spielzeit sogar eine Erlaubnis zum Spiel.

Wer aber wirklich gierig ist, der hätte in Deinem Falle z.B. längst die Schulden getilgt um Zinsen zu sparen.
Doch da gab es immer Wichtigeres - was den Geldeinsatz zur Investition machte und der "Gewinn" ein rein emotionaler war.
Dazu gehört auch die Selbstkasteiung nach dem Spiel - tage- bis wochenlang. Das Spiel geht weiter - ohne ein OC oder sonst etwas betreten zu haben.
Der Oberbegriff Glückspiel nimmt so stetig mehr und mehr Raum in unserem Leben ein - vereinnahmt es Stück für Stück.

Um so schöner ist es zu lesen, dass Du hier ausbrechen möchtest. Du bist an dem Punkt angelangt, an dem Du mehr Wert auf Dich legst.
Dafür bist Du auch bereit Dich um Unterstützung zu kümmern.
Kannst Du Dir vorstellen, auch mit Deinen Eltern nun ein Gespräch zu führen?
Nicht dass sie Dich etwa finanziell dopen sollen - das bekommst Du alleine auf die Reihe.
Ich meine zu lesen, dass Du Dich ekelst (?) vor den bisherigen Lügen und Halbwahrheiten Deinen Eltern gegenüber.
Deine Eltern werden schockiert sein und aber auch erleichtert. Sie ahnen ja längst, dass da etwas nicht stimmt und sind bisher auf Abwehrreaktionen getroffen.
Nun jedoch werden sie wahr nehmen, dass Du selbst auf den Trichter gekommen bist etwas zu verändern um Dein Leben zu verbessern.
Sie werden Dich unterstützen - weil Du ihr Sohn bist und weil sie Dich lieben.

Gehe nun bitte schrittweise vor. Du musst Rom nicht an einem Tag erbauen. Achte auf Dich!
« Letzte Änderung: 23 Juni 2020, 07:05:31 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Das große Problem angehen
« Antwort #6 am: 23 Juni 2020, 07:51:37 »
Hi Oli,

Danke für deinen Text. Du sprichst interessante Punkte an. Ich bin nämlich auch von "Natur aus" kein gieriger Mensch oder jemandem den Oberflächlichkeiten/Reichtum/Status sonderlich interessieren. Eine zeitlang habe ich auch gedacht, dieses "Geld verbrennen" "müsste" ich halt tun einfach weil "Geld" "nicht so meins" ist. Dabei sprechen die " für sich. Ich habe einfach immer eine rationale Erklärung gesucht. Vielleicht auch für den Tag, das mich jemand mal darauf anspricht und ich sagen kann "Ich wollte schnell Geld verdienen im OC" Aber das stimmt ja auch nicht. Es ist schon seltsam, mein Hab und Gut ist wirklich überschaubar (wirklich) und wenn ich da mal gegenrechne mit was für Geldsummen ich hantiert habe.. Wahnsinn.


Ich kann mir sehr gut vorstellen mit meinen Eltern zu sprechen. Leider ist die Psyche meiner Mutter etwas angeschlagen und ich werde denke ich zuerst mit meinen Geschwistern sprechen und mich ihnen öffnen. Meine Schwester ist sogar Psychologin...
Ich möchte allerdings erst bei der Diakonie anrufen und einen Termin machen. ich will mir, so seltsam das klingt, das Problem selbst noch einmal gewahr werden lassnen. Ich will mich selbst dabei sehen wie ich mit einem fremden Menschen rede um dann zu verstehen. Ah. Das bin ja wirklich Ich. Und erst dann meinen Liebsten Bescheid geben. Ich würde es glaube ich im Moment nicht so gut verkraften und die Frage meiner Eltern "Ah okay, brauchst du Geld??" würde mich auch überfordern. Denn natürlich würde ein Teil von mir denken. Ja klar. Und dann gibt es ein Gespräch, sie überweisen mir Geld und alle denken das wäre vom Tisch. Also alle ausser Ich.

Deshalb will ich wirklich das sie auch sehen. Der Junge geht zu einer Einrichtung, weil ihn das überfordert. Sonst würden sie mich auf ihre "Alles ist doch gut"- Seite ziehen. Aber das geht nicht. Das ist so ein kleines Dilemma - deshalb will ich quasi mit nunja vollendeten Tatsachen vor ihnen stehen.

Wegen der Tagesfreizeit: Ja, vielen Dank. Das stimmt auch. Ich habe nur festgestellt das ich feste Strukturen und ein geregeltes Einkommen brauche. Wenn du freelancest und zwei große Rechnungen bezahlt bekommst die eigentlich ein halbes Jahr Miete zahlen sollte.. Naja. Ihr könnt euch ja ausmalen was mit soviel Geld passiert. Deshalb habe ich ja auch zum ersten Mal seit meinem Abschluss "Normale" Bewerbungen für "normale" Jobs in meinem Bereich (Medien u.ä) geschrieben. Wäre schön wenn es mit einem der Jobs klappt.

Auch interessant. Früher dachte ich, ich wäre zu "cool" für eine Festanstellung. Habe quasi damit angegeben, wie gut ich ohne klarkomme, weil ich so selbstbestimmt bin. Dabei war ich der unbestimmteste Mensch der Welt. Das OC hat mich bestimmt.
Schon verrückt.

Heute rufe ich bei der Diakonie an und frage nach einem Beratungsgespräch.

Alles gute °Euch

EDIT.

Ich habe mir gestern noch das Programm "Gamban" für PC und Handy geholt und installiert. Ich glaube das war die sinnvollste Investition seit langem
« Letzte Änderung: 23 Juni 2020, 07:54:51 von Twister29 »

*

Offline Olli

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Re: Das große Problem angehen
« Antwort #7 am: 23 Juni 2020, 09:58:10 »
Hi Twister!

Ja, ja ... die Frage nach dem "Warum?" ... Sie kann uns in der Sucht blockieren, oder wie jetzt antreiben. Es sind zwei Seiten einer Medaille.
Natürlich kann ich mich noch an die Zeit zurück erinnern, als ich darauf noch keine Antwort hatte. Es hatte auch eine ganze Zeit gebraucht, bis ich dahinter kam.
Was soll man einem Menschen sagen, in so einem Moment des Outings, wenn ich selbst keine Antwort auf die eingangs gestellte Frage habe?
Dabei ist es so einfach ... nämlich die Wahrheit: "Ich weiss es nicht!".
Das ist kein Weltuntergang. Gerne sehen wir darin ein Versagen der eigenen Person. Doch wir sind als Menschen auf die Welt gekommen und nicht als allwissende Götter.
In unserer Erziehung werden auch schon mal ein paar Punkte nicht beigebracht, weil die Eltern es vielleicht auch nie gelernt haben.
Lehrt uns dann auch das Leben nicht in diesen Dingen, dann bleiben essentielle Fragen offen, wobei wir die Fragen selbst erst einmal gar nicht kennen.
"Wir gaben zu, dass wir dem Spielen gegenüber machtlos sind." - beinhaltet die angesprochene Unwissenheit.
Durch das Zugeben lösen wir die o.g. Blockade, so wie Du es bereits in großen Teilen machst.
Du musst niemanden etwas beweisen. Der Einzige, der das verlangt, der bist "nur" Du selbst.

Ja, spreche ruhig mal mit Deiner Schwester. Sie kann Dir einen Weg weisen, wie Du am Besten vorgehen kannst.
Sie als Profi wird Dir aber auch vermitteln, dass sie Dich nicht therapieren kann (nicht, dass Du das geschrieben hättest, möchte es nur mal anmerken).
Sie als Deine Angehörige ist emotional "kontaminiert" ;) durch Eure familiäre Bindung.

Heute ist ein schöner Tag um bei der Diakonie anzurufen ... ;)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
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