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15 Jahre Spielsucht / Selbstsperre / Krise

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15 Jahre Spielsucht / Selbstsperre / Krise
« am: 25 August 2020, 23:46:09 »
Hallo Ihr alle,

ich habe viele - sehr, sehr viele - Jahre gespielt: insgesamt um die 15/17 Jahre... die ersten vier Jahre so mehr oder weniger kontrolliert, dann süchtig, bestimmt über die Zeitspanne von fünf bis sieben Jahren hochsüchtig.

Ich werde bald 50... wie man so schön sagt: die Mitte des Lebens ;)

Ich hatte einen Rückfall, nachdem ich über ein Jahr abstinent war. Jener Rückfall hat sich aufgebaut und ich hätte einige Möglichkeiten gehabt, meinen Absturz zu vermeiden (inklusive der Möglichkeit, vorher im Forum zu schreiben und mir meiner Gefühle bewusst zu werden).

Nach dem Rückfall habe ich endlich einen Schritt getan, den ich vorher nicht machen wollte. Ich konnte einfach keine Selbstsperre einrichten, weil ich die Hintertürchen zu reizvoll waten.
Auszeiten im Online-Casino: ja. Keine Besuche in der Spielbank: ja. Für lange. Aber bitte keine Sperre. Ich habe mir vorgemacht, dass ich es irgendwann "im Griff" haben werde - auch wenn es dann als Oma sein würde ;)
Jetzt ist die Selbstsperre da. Ich bin seit über zwei Monaten spielfrei (zehn Wochen müssten es jetzt sein).

Warum ich mich an euch wende:

Ich habe eine tiefe (tiefste) Traurigkeit, dass es vorbei ist. Ich vermisse es. Ich denke an die Momente, die intensiv waren und könnte heulen.
Ich habe keinen Suchtdruck, das kann ich unterscheiden.
Ich denke an das "Nie mehr" und verliere mich selbst beim Versuch des Loslassens.

Fragen:

Gibt es einen Erfahrungswert, wann die Zeit "Wunden heilt"/ es besser wird?

Leider ist mir die Möglichkeit genommen, wie ich am liebsten verdränge: Während der Corona-Krise mache ich keine Fernreisen.
Ich kann meine Freizeit gut ausfüllen. Aber - wenn ich ehrlich bin - Häkeln als Hobby ist kein Ersatz ;)

Gibt es Tipps, wie ich gerade emotional besser zurecht kommen kann?

Ich bin übrigens auch in Liebesbeziehungen nicht der "Typ", der sich leicht und schnell lösen kann.

Danke für die Aufmerksamkeit :)

Re: 15 Jahre Spielsucht / Selbstsperre / Krise
« Antwort #1 am: 26 August 2020, 09:55:53 »
Hallo Zaungast....deine geschichte kommt mir sehr bekannt vor. Du schreibst dass du nun keine Fernreisen machen kannst zum Verdrängen. Eben, verdrängen. Also ist es nur gut, dass du derzeit nicht einfach so deinen Suchtdruck verdrängen kannst. Stell dich dieser Sucht und bekämpfe die Impulse. Was man verdrängt kommt irgendwann wieder hoch.

Aus deinen Zeilen entnehme ich ein Problem, das meiner Meinung nach vor allem mit Zeitmanagement zu tun hat: Du hast so viele Jahre gespielt, dass es zur Routine geworden ist. Zusammen mit den Suchtmechanismen unseres Hirnes ist es ziemlich heftig, dagegen anzugehen. Was ich bei mir gemacht habe (und auch anderen empfohlen) ist sich eine Tätigkeit zu suchen, die man mit Freude ausführen kann anstelle des Spielens. Für mich war es wichtig etwas zu finden, das ich auch in einem Hotelzimmer auf Geschäftsreisen machen kann (da habe ich immer am intensivsten Geld verloren).

Darauf muss man sich einlassen und natürlich dauert es eine Weile, sich von der "geliebten und bekannten" Tätigkeit des Spielens zu distanzieren und ähnliche Freude an der neuen Tätigkeit zu finden. Aber es liegt auf der Hand, dass es sich lohnt.
Also, das kann Weiterbildung sein, zB Sprachen.
Planung einer Nahreise, auch Deutschland ist gross und fern.
Erlernen einer Tätigkeit, kann auch ein technischer Sport sein wie Golf, Handwerkliches Geschick.
Podcasts, youtube beiträge usw (und dadurch auch erlernen neuer digitalen Tätigkeiten)

Kannst du mit jemandem über den Inneren Tumult sprechen? Hier wird natürlich immer gerne auf die SHGs und allenfalls Therapeuten verwiesen. Beides (oder allenfalls eine sehr gute Freundin) kann helfen, dir über deine Ursachen und Empfindungen klarer zu werden um auch in zukunft besser mit Impulsen umzugehen.

Viel Erfolg auf deinem Weg, ich hoffe du findest eine für dich passende Tätigkeit die dich ausfüllt.

Re: 15 Jahre Spielsucht / Selbstsperre / Krise
« Antwort #2 am: 26 August 2020, 12:48:26 »
Ich habe eine tiefe (tiefste) Traurigkeit, dass es vorbei ist. Ich vermisse es. Ich denke an die Momente, die intensiv waren und könnte heulen.
Du möchtest also nicht mehr Glücksspielen und empfindest Traurigkeit weil Du mit der Gegebenheit –
also Deine Selbstzerstörung für immer beenden - nicht klar kommst, habe ich das richtig verstanden? 

Gibt es einen Erfahrungswert, wann die Zeit "Wunden heilt"/ es besser wird?
Welche Wunden...
oder meinst Du die Zeit bis sich Dein von der Glücksspielindustrie manipuliertes limbisches System wieder einigermaßen erholt hat? 

Leider ist mir die Möglichkeit genommen, wie ich am liebsten verdränge: Während der Corona-Krise mache ich keine Fernreisen.
Ich kann meine Freizeit gut ausfüllen. Aber - wenn ich ehrlich bin - Häkeln als Hobby ist kein Ersatz ;)

Warum möchtest Du das Spielen bzw. Deine Vergangenheit verdrängen?
Meine Vergangenheit war auch alles andere als schön, allerdings hat Vergangenheit auch immer etwas gutes.
Zum einen kann/habe ich zurückschauend aus meinen Fehlern gelernt (insbesondere was meine Spielsucht betrifft), und zum anderen finde ich die Vergangenheit äußerst wichtig, wenn es z.B. um Fragen geht wie; woran hapert es in der Gegenwart das ich nicht das Leben lebe welches ich gerne leben würde.
(Viele Antworteten auf Fragen findest Du in Deiner Vergangenheit) 

Es gibt wahrscheinlich nichts was Dich in deinem Leben so intensiv vereinnahmt hat wie Deine Sucht.
Diese Sucht also durch „etwas“ zu ersetzten, so wenigstens meine Erfahrung ist vollkommen unmöglich.
Diese Sucht allerdings durch ganz viele andere Sachen/Dinge/Hobbys ersetzten...klaro das geht und das sollte (auf längere Sicht) Dein bestreben sein.
« Letzte Änderung: 26 August 2020, 12:59:52 von Auskuriert1 »

Re: 15 Jahre Spielsucht / Selbstsperre / Krise
« Antwort #3 am: 26 August 2020, 19:26:10 »
Vielen Dank wombelero und Auskuriert1 für eure Antworten :)

Zitat
Warum möchtest Du das Spielen bzw. Deine Vergangenheit verdrängen?

Ich möchte die Spielsucht nicht verdrängen. Ich setze mich sogar mit meiner Vergangenheit recht intensiv auseinander und versuche, sie zu akzeptieren.
An guten Tagen kann ich mir verzeihen, an schlechten Tagen bin ich kurz vor der Verzweiflung, angesichts des Schadens, den ich mir selbst zugefügt habe.

Vielleicht habe ich mich an jenem Punkt nicht deutlich genug ausgedrückt: ich möchte das Gefühl der Traurigkeit loswerden, das mich gerade begleitet.
Und wenn ich es schon nicht loswerden kann, dann wenigstens auf ein anderes Level transformieren.

Lieber Auskuriert1
Zitat
Es gibt wahrscheinlich nichts was Dich in deinem Leben so intensiv vereinnahmt hat wie Deine Sucht.
Diese Sucht also durch „etwas“ zu ersetzten, so wenigstens meine Erfahrung ist vollkommen unmöglich.
Diese Sucht allerdings durch ganz viele andere Sachen/Dinge/Hobbys ersetzten...klaro das geht und das sollte (auf längere Sicht) Dein bestreben sein.
ja, das ist es! vielen Dank dafür!

 

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