Hallo Gast
ONLINEBERATUNG GLÜCKSSPIELSUCHT
Anonym und kompetent
» Deutsche Onlineberatung
» TÜRKÇE ONLINE DANIŞMA
HOTLINE-Glücksspielsucht NRW
Kostenfreie & anonyme Experten-Hotline:
Deutsch 0800 - 0776611
TÜRKÇE: 0800 - 3264762

Angst vor dem Rückfall

  • 4 Antworten
  • 248 Aufrufe
Angst vor dem Rückfall
« am: 01 Juli 2020, 06:51:16 »
Hallo Zusammen,

Der 08.12.2019 war ein bedeutsamer Tag in meinem Leben.
Nach ungefähr 5 Jahren Spielen, war es mein letzter Spieltag.

Ich habe damals viel Gespielt und viele Wetten abgeschlossen.
Doch am 08.12.19 realisierte ich, was ich da getan habe.
Ich verspielte Geld welches für Weihnachtsgeschenke für die Kinder gedacht war.
Da ging ich einen Schritt zu weit und setzte ein Strich unter das Spielen.

Entwickelte Strategien um den Spiel - Impuls auszuweichen und diesen zu verarbeiten.
Ich setzte die Strategien wie z.B Joggen, wenn Impuls und irgendetwas machen wenn Impuls.
Dies klappte sehr gut! Ich gewann neue Lebensfreude und alles ging aufwärts.
Schulden hatte ich nie und so konnte ich nun in knapp einem 3/4 Jahr meiner Spielfreien Zeit viel Geld ersparen.
Der Impuls und Druck kam anfangs immer häufig, mit der Zeit jedoch seltener.

Dann kam heute Nacht. 01.07.
Ich wurde um 4:30 wie aus dem nichts wach und ging an meinen Computer.
In der Zeit heut morgen kam ich mir wie "ferngesteuert" vor.
Mein Kopf schaltete all meine Mechanismen ab und ich MUSSTE SPIELEN!
Ich öffnete eine Seite, tippte Daten ein und wollte gerade auf "Registrieren" klicken........



..... in diesem Moment hat mein Kopf umgeschaltet... :::: DU DUMMKOPF, ERINNERE DICH DOCH MAL AN WEIHNACHTEN..
Ich lief raus, lief 1 Stunde der Impuls war weg.. Es war mittlerweile 6 Uhr morgens, ich ging duschen und fing diesen Text an zu schreiben.

In den 8 Monaten Spielfreier Zeit ist mir sowas nie passiert, dass ich wie von etwas gelenkt war, jedes mal wenn Impulse kamen, konnte ich die gut umgehen und kontrollieren.
Impuls kommt = Gehirn sagt NEIN = Du gehst jetzt Joggen / Malen / Sport / Lesen / TV / Freunde / Sonstiges....

Nur heute hat es mich sehr erschrocken... war es vielleicht so ein finaler Impuls?
Ich bin auf jeden Fall sehr FROH, dass ich nicht gespielt habe.

ZUGLEICH: Ich habe Angst rückfällig zu werden. Auch wenn nach 8 Monaten nun mein Gehirn weiß Spielen = BÖSE...

Lange Zeit habe ich still mitgelesen, doch heute habe ich meine Geschichte erzählt..

MEINE FRAGEN an Leute die mindestens 1 Jahr Spielfrei sind:
  • Hattet ihr in eurem 1. Spielfreien Jahr so eine / Ähnliche Situation?
  • Welche Tipps und Tricks könnt ihr mir noch so auf dem Weg geben für die Zukunft?



*

Offline Olli

  • *****
  • 3.619
Re: Angst vor dem Rückfall
« Antwort #1 am: 01 Juli 2020, 08:25:37 »
Guten Morgen und herzlich willkommen!

Es gibt eine Redewendung, die da grob lautet: Wenn Du Hunger hast, dann lecke Salz und Du bekommst Durst.

Bei Suchtausübungen ist es vergleichbar. Irgend ein Mangel lässt uns Spielen. Das Spielen lindert die Symptome und verdeckt so die eigentliche Ursache für das Spielen.
Alles scheint OK, doch nichts ist OK, denn die Ursache bleibt bestehen und meldet sich immer wieder zu Wort.

Also gilt es dieses Gefühl erst einmal zu durchleuchten. Woher stammt es? Welches Bedürfnis soll befriedigt werden?
Wenn ich das Gefühl als Hunger identifizieren, dann weiss ich - mein Körper meldet sich, weil er Nahrung benötigt.

Bei einer Sucht gestaltet sich die Suche nach dem Grund etwas schwieriger. Es gibt meistens nicht nur einen Grund. Viele Faktoren, einzeln betrachtet vielleicht harmlos, vermischen sich.
Es braucht Zeit und Arbeit an sich selbst herauszufinden, was mich bewegt zu spielen. Dabei ist der Weg das Ziel.

Meine Liebe ... auch Du, wie so viele Andere vor und nach Dir, hast die letzten Monate versucht Deine Sucht alleine in den Griff zu bekommen. Das hat auch bisher scheinbar gut funktioniert.
Doch letzte Nacht hast Du gemerkt, dass Du an eine Grenze gestoßen bist, an der Du nicht weiter kommst.
Du hast Steinsalz (die Suchtausübung) gegen Meersalz (Versuch der Impulskontrolle) eingetauscht. Der Hunger blieb jedoch ungestillt und unentdeckt.

Da Du ja schon mitgelesen hast, weisst Du, dass ich Dir nun eine SHG und/oder eine Beratungsstelle ans Herz legen werde.
Hier wird über solche Gefühle gesprochen und es wird sicherlich jemanden geben, der es schon für sich identifiziert hat und seine Erfahrungen mit Dir teilt.

Zitat
MEINE FRAGEN an Leute die mindestens 1 Jahr Spielfrei sind:
Hattet ihr in eurem 1. Spielfreien Jahr so eine / Ähnliche Situation?

Sicher. Jede Menge sogar. Da ich zu der Zeit noch eine SHG besucht hatte, waren meine Abstinenzentscheidungen jedoch gut fundiert.
Ich wusste, dass ich die Gedanken ans Spielen haben darf. Ich muss mich ihrer nicht schämen, denn sie gehören nun mal zu mir.
Ich betrachte sie dann aber wie einen Freund, der Blödsinn redet. Ich lasse ihn ausreden - muss mich dem Gedankengang und daraus resultierenden Handlungen nicht anschließen.
Und so brabbelt er mich voll und bekommt mit, dass ich meinen eigenen Weg gehe. Schließlich verstummt er, wie er es immer macht.

Solche Situationen haben mich noch über Jahre begleitet. Sie wurden weniger und ich kann Dir gar nicht sagen wann, doch irgendwann verstummte diese Stimme in mir ganz.
Sie ist aber noch da und wartet geduldig. Davon gehe ich zumindest aus. Es schadet ja nicht vorsichtig zu sein und zu bleiben.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Angst vor dem Rückfall
« Antwort #2 am: 01 Juli 2020, 13:46:16 »
Hi. Olli hat eigentlich das wesentlich gesagt. Es wäre wichtig zu erkunden für dich, was sich in den letzten Tagen/Wochen geändert hat. Streit zuhause, sorgen im Geschäft, Zukunft, Ausbildungsplöatz der Kinder usw. Das Gedanken und Träume ums spielen kreisen scheint mir normal, aber gleich so ein auslöser wie bei dir ist schon heftig.

Bei mir ist es knapp etwas mehr als ein Jahr da ich aufgehört habe. Bin gerade am Limit (beruf, partnersachen, seufz) und merke wie meine Gedanken um das spielen kreisen. Wichtig ist, dass ich mir Hürden eingebaut habe. Ich kann zwar über Geld verfügen, merkwürdige Bezüge und Abbuchungen würden aber gemerkt werden. Und natürlich sperrungen auf dem PC.
Aber eben, wichtig scheint mir die Erkenntnis über den Auslöser zu sein. Vielleicht helfen dir Gespräche um dein Inneres zu erkunden?
Viel Kraft und Erfolg auf deinem weiterhin spielfreien weg

Re: Angst vor dem Rückfall
« Antwort #3 am: 05 Juli 2020, 21:16:37 »
Hallo Zusammen,

Der 08.12.2019 war ein bedeutsamer Tag in meinem Leben.
Nach ungefähr 5 Jahren Spielen, war es mein letzter Spieltag.

Ich habe damals viel Gespielt und viele Wetten abgeschlossen.
Doch am 08.12.19 realisierte ich, was ich da getan habe.
Ich verspielte Geld welches für Weihnachtsgeschenke für die Kinder gedacht war.
Da ging ich einen Schritt zu weit und setzte ein Strich unter das Spielen.

Entwickelte Strategien um den Spiel - Impuls auszuweichen und diesen zu verarbeiten.
Ich setzte die Strategien wie z.B Joggen, wenn Impuls und irgendetwas machen wenn Impuls.
Dies klappte sehr gut! Ich gewann neue Lebensfreude und alles ging aufwärts.
Schulden hatte ich nie und so konnte ich nun in knapp einem 3/4 Jahr meiner Spielfreien Zeit viel Geld ersparen.
Der Impuls und Druck kam anfangs immer häufig, mit der Zeit jedoch seltener.

Dann kam heute Nacht. 01.07.
Ich wurde um 4:30 wie aus dem nichts wach und ging an meinen Computer.
In der Zeit heut morgen kam ich mir wie "ferngesteuert" vor.
Mein Kopf schaltete all meine Mechanismen ab und ich MUSSTE SPIELEN!
Ich öffnete eine Seite, tippte Daten ein und wollte gerade auf "Registrieren" klicken........



..... in diesem Moment hat mein Kopf umgeschaltet... :::: DU DUMMKOPF, ERINNERE DICH DOCH MAL AN WEIHNACHTEN..
Ich lief raus, lief 1 Stunde der Impuls war weg.. Es war mittlerweile 6 Uhr morgens, ich ging duschen und fing diesen Text an zu schreiben.

In den 8 Monaten Spielfreier Zeit ist mir sowas nie passiert, dass ich wie von etwas gelenkt war, jedes mal wenn Impulse kamen, konnte ich die gut umgehen und kontrollieren.
Impuls kommt = Gehirn sagt NEIN = Du gehst jetzt Joggen / Malen / Sport / Lesen / TV / Freunde / Sonstiges....

Nur heute hat es mich sehr erschrocken... war es vielleicht so ein finaler Impuls?
Ich bin auf jeden Fall sehr FROH, dass ich nicht gespielt habe.

ZUGLEICH: Ich habe Angst rückfällig zu werden. Auch wenn nach 8 Monaten nun mein Gehirn weiß Spielen = BÖSE...

Lange Zeit habe ich still mitgelesen, doch heute habe ich meine Geschichte erzählt..

MEINE FRAGEN an Leute die mindestens 1 Jahr Spielfrei sind:
  • Hattet ihr in eurem 1. Spielfreien Jahr so eine / Ähnliche Situation?
  • Welche Tipps und Tricks könnt ihr mir noch so auf dem Weg geben für die Zukunft?

Mein größten Respekt, dass du es geschafft hast, dem Impuls zu widerstehen. Das war sehr wichtig. Solch ein "automatischer" Impuls zeigt allerdings, dass du deine Spielsucht tief in deinem Inneren noch nicht ganz überwunden hast. Hier würde ich mir überlegen, vielleicht professionelle Hilfe zu holen. Therapeuten wissen, wie man am besten mit solchen Impulsen umgeht und was man machen und sich antrainieren kann, dass sowas nicht mehr kommt.
Weiterhin ganz viel Kraft, dass du spielfrei bleibst.

Re: Angst vor dem Rückfall
« Antwort #4 am: 05 Juli 2020, 21:46:38 »
Hallo 081219,

ich kann dir zwar keine richtigen Tipps geben, aber ich finde es toll das du standhaft geblieben bist.
Mach weiter so  :)

 

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums