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Ehemann Spielsüchtig, Trennung

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Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« am: 15 Januar 2021, 15:30:41 »
Hallo alle zusammen,

ich bin das erste Mal bei solch einem Forum. Ich dachte vielleicht tut es mir gut, mal alles raus zu lassen.

Ich bin seit 8 Jahren mit meinem Ehemann zusammen und davon 3 Jahre verheiratet. Wir haben ein 2 jähriges Kind.
Mein Ehemann ist Spielsüchtig , Automaten und auch Wettbüros.
Es wird immer schlimmer, er sieht es nicht ein und macht weiter. Er sagt immer es sind kleine Beträge, aber es stimmt nicht. Es sind manche Monate mehr als sein Gehalt, da er auch schon 1-3 mal von mir was geklaut hat.
Wir haben getrennte Konten. Ich habe schon so viel versucht, auf ihn eingeredet versucht ihn zu helfen, indem ich ihn 'Taschengeld' gebe pro Woche eine Bestimmte Summe, aber wenn er nicht mehr bekam, da ging das Streiten wieder los.
Ich erkenne ihn gar nicht wieder, wo ist der liebevolle, verständnisvolle ruhige Ehmann hin?
ich sehe nur noch einen schlecht gelaunten aggressiven Kerl.
Wir haben uns auch schon einige Male auf Zeit getrennt, er kam immer wieder mit Entschuldigungen und Versprechungen an. alles würde sich ändern. ich will sich ändern für uns. ABER NEIN jeden Monat das gleiche.
2 mal eine Therapie begonnen, höchstens 2 mal hin gegangen. Er ist der Meinung ich würde es übertreiben und es sei alles nicht so schlimm.

Ich weiß selber, dass ich mich trennen muss, weil er sich nie ändern wird. Ich habe es immer wieder versucht, mit der Hoffnung, dass er sich ändert und wir eine glückliche Familie werden.
Wir haben gar keine anderen Probleme, nur die SPIELSUCHT.  :-\ :-\

Ich dachte wir schaffen es und er würde sich ändern, wenn ich ihm die 'Pistole an die Brust halte' Entweder deine Familie oder die Sucht. dann gingt es mal einige Wochen gut, aber fing wieder an.
Nun ist er gegangen, zu seinen Eltern. er sagt er merkt was er uns mit all dem antut , aber kein anderen Weg mehr sieht. Er merkt, dass es nicht mehr zwischen und funktioniert, dass er auch mich damit kaputt macht.

Nun ist er gegangen.. (wieder einmal) … ich hoffe,
dass ich es schaffe, dass er 'weg' bleibt. Hört sich hart an, wir lieben uns noch, dass weiß ich, aber die Spielsucht hat so vieles kaputt gemacht und ich sehe einfach nicht den Ehrgeiz, dass er für uns damit
aufhören wird.

Ich bin so am Boden, dass unser Sohn mit getrennten Eltern aufwachsen muss.  und all das nur wegen seiner Spielsucht....

*

Offline Olli

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Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #1 am: 15 Januar 2021, 16:37:48 »
Hallo meine Liebe und herzlich willkommen!

Es ist gut, dass Du Dir mal alles von der Seele schreibst. Hast Du denn auch jemanden aus Deinem Umfeld, mit dem Du reden kannst?
Du schreibst, er hat zwei Therapien begonnen. Warst Du involviert? Hast Du selbst einmal die Suchtberatung in Anspruch genommen?
Du merkst ja, wie sehr Dich seine Sucht belastet. Daher sind die Beratungsstellen auch offen für Angehörige. Dabei geht es dann nicht um Deinen Mann, sonder ganz alleine um Dich. Deine Ängste, Deine Sorgen, Dein Schmerz - und wie Du mit all dem und mehr umgehen kannst.

Zitat
Wir haben gar keine anderen Probleme, nur die SPIELSUCHT.  :-\
Verharmlose bitte nicht seine Sucht. Alleine aus Deinen Schilderungen gehen ja schon massenhaft negative Aspekte der Sucht hervor, die die Persönlichkeit Deines Mannes verändert haben und Auswirkungen auf Eure Dreisamkeit haben.

Du kannst ihn nicht zu seinem Glück zwingen. Negative Erfahrungen in diese Richtung kannst Du sicherlich zu Hauf aufzählen. Ist dies aber auch jetzt in Deinem Oberstübchen angekommen?
Ich rede hier von Kapitulation. Du kannst ihm nicht helfen - Punkt! Er entscheidet, ob er sich ändern möchte oder eben, wie jetzt gerade, nicht.

Was wäre denn, wenn seine Eltern ihn hinauswerfen und er wieder zu Dir zurück kommen möchte? Würdest Du ihn wieder aufnehmen?

Wer kapituliert, der beginnt gleichzeitig etwas Neues. Würdest Du ihn wieder aufnehmen, ohne dass er sich geändert hätte, würde alles wie gewohnt weiter gehen.
Wenn Du hier davon sprichst, dass Du ihn liebst, dann muss ich Dir nun leider entgegnen, dass er Dich nicht liebt - zumindest nicht in dem Maße, wie Du und der kleine Wurm es verdient haben. Mit seinem Auszug hat er eine Entscheidung getroffen. Er zieht das Glückspiel Euch vor!

Zitat
Ich bin so am Boden, dass unser Sohn mit getrennten Eltern aufwachsen muss.
Ist das aber denn nicht besser, als wenn er mitbekommen würde, wie Ihr Euch streitet? Er sich immer zwischen den Stühlen vorfinden wird - ewig bemüht den Streit zu schlichten und auch dabei zu scheitern?
Dein Mann ist nicht aus dem Leben Deines Sohnes verschwunden. Euer Sohn wird ein Teil von Euch beiden sein.
Vielleicht wird aber ja auch doch noch der Groschen fallen ... wer weiss das schon ...

Egal wie auch immer Du Dich entscheiden wirst, mache Dir bewusst, was Du möchtest. Hast Du Ziele, Wünsche, Hoffnungen ... kannst Du sie erreichen, wenn er zurück kommt? Kannst Du sie erreichen, wenn er nicht zurück kommt? Was wäre das Beste für Dich und das Kind?

Zum Schluss möchte ich noch einmal ein Zitat einer Psychologin nieder schreiben, welches, wie ich finde, essentiell ist:
Für einen Angehörigen ist es nicht zu viel verlangt, wenn er/sie sich trennt!

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #2 am: 16 Januar 2021, 22:10:46 »
Hallo, ich kann es dir nachfühlen, mein Ehemann ist ebenfalls spielsüchtig. Das sehe aber nur ich so. Er würde sich eher trennen und ich soll mich um meine Angelegenheiten kümmern.  Zur Zeit wäre es mir am liebsten wenn er geht. Macht er aber nicht. Ich soll doch gehen wenn es mir nicht passt.
So lebe ich tagein tagaus. Gut ich muss sagen es gibt auch gute Tage ( wohl die an denen er kein Geld zu zocken hat und mich für die Alltagsbewältigung braucht).

Ich kann dich absolut verstehen dass du ihn rausgeschmissen hast, das würde ich zur Zeit am liebsten auch tun.

Deine Reaktion finde ich absolut richtig und ich wünschte ich hätte auch dem Mut so konsequent zu sein.

Wie geht es dir jetzt?

*

Offline Olli

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Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #3 am: 17 Januar 2021, 06:46:25 »
Hi Blümchen!

Da Du nicht reagiert hast, habe ich die letzten Tage nachgesehen, ob Du im Forum warst, oder Dich zurückgezogen hast.
Nun, Du warst hier ... mehrfach ...
Was hält Dich also vom Schreiben ab? Was hindert Dich daran über Deinen Schmerz zu reden?
Du siehst an Marieclaire, dass Du mit Deinen Problemen nicht alleine bist. Teile Deinen Schmerz ruhig.
War ich zu brutal mit der Passage, dass er Euch nicht genug liebt? Sei Dir gewiss, er liebt sich selbst auch nicht genug.
Wie oft habe ich schon erlebt, dass Spieler erst nach Erreichen der Abstinenz und der Arbeit an sich selbst die Liebe entdeckten. Auch zu der eigenen Familie.
Doch an diesem Punkt ist Dein Mann noch nicht.
Du kannst dies nicht ändern - weder sanft, noch mit Gewalt. Du kannst nur auf Dich schauen - und in Liebe loslassen.

Rede über das, was Dich bewegt. Vielleicht rufst Du ja mal die kostenlose Hotline an? Oder gehst in den Chat der LK-Glück und lässt Dich beraten?
Die Kontaktdaten sind oben auf der Seite verlinkt.
Denke daran, wie es Dir geht ist wichtig - Du bist wichtig! Für Dich selbst und auch für Euren Sohn!

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #4 am: 17 Januar 2021, 10:27:16 »
Hallo Kleineblume,

auch ich bin Partnerin eines Spielsüchtigen. Da wir kein Kind haben möchte ich nicht sagen, dass ich in der gleichen Lage bin wie du, aber ich würde mal behaupten, dass ich einiges verstehen kann, was du gerade empfindest. Ich habe mittlerweile sehr viele Geschichten gehört und gelesen (nicht nur hier). Vieles ist ähnlich, vieles nicht, aber eins teilen glaube ich alle Angehörigen: Die Wut, die Hilflosigkeit, das Gefühl absolut zu verzweifeln. Dazu kommt natürlich vor allem auch die finanzielle Belastung bzw. die Angst vor dieser. Die Gefühle fressen einen auf. Daher schließe ich mich Olli an und rate dir, darüber zu sprechen, damit du nicht daran kaputt gehst. Hast du jemanden, dem du dich anvertrauen kannst? Mir hat es wahnsinnig geholfen meiner Mutter alles zu erzählen. Außerdem möchte ich dir die Caritas ans Herz legen, die sind auch für Angehörige da! Mir hat der Termin dort wirklich sehr geholfen. Du kannst da echt alles rauslassen und bekommst gute Ratschläge, individuell zu deiner Situation.

"Ich dachte wir schaffen es und er würde sich ändern, wenn ich ihm die 'Pistole an die Brust halte' Entweder deine Familie oder die Sucht. dann gingt es mal einige Wochen gut, aber fing wieder an.
Nun ist er gegangen, zu seinen Eltern. er sagt er merkt was er uns mit all dem antut , aber kein anderen Weg mehr sieht. Er merkt, dass es nicht mehr zwischen und funktioniert, dass er auch mich damit kaputt macht."

Hierzu: Wissen seine Eltern, aus welchem Grund er bei ihnen auf der Matte stand? Wenn er dich beklaut hat, wird er das bei ihnen ja bei Gelegenheit vermutlich auch tun... unabhängig davon vermute ich, so hart das jetzt auch klingt, dass er nicht tatsächlich (oder zumindest nicht nur) gegangen ist, weil er da an dein Wohl denkt, sondern (zumindest auch) weil er in Ruhe weiter seiner Sucht nachgehen möchte, was er ja zu Hause nicht kann. Das zeigt aber ja auch deutlich, dass er das Problem momentan nicht angehen möchte, er ist noch nicht so weit und daher ist der Abstand wohl auch für euch gerade erstmal gut.

"Ich bin so am Boden, dass unser Sohn mit getrennten Eltern aufwachsen muss.  und all das nur wegen seiner Spielsucht...."
Was das angeht: Ich selbst hatte eine suchtkranke Mutter. Mein Vater hat sich nach jahrelangen vergeblichen Versuchen ihr zu helfen getrennt, ich lebte bei ihm und durfte meine Mutter zeitweise gar nicht mehr sehen. Erst daraus konnte sie die Motivation schöpfen, ernsthaft einen Entzug durchzuziehen. Jetzt ist sie seit 15 Jahren trocken und wir haben ein sehr enges Verhältnis. Ja, die Trennung damals war nicht schön, aber die Sucht meiner Mutter mitzuerleben war für mich schlimmer und prägt mich bis heute! Was ich damit sagen will: natürlich wünscht du deinem Sohn, dass er beide Elternteile um sich hat, aber das Miterleben der Sucht deines Mannes und ständiger daraus resultierender Streit sind für ihn vermutlich (erst recht auf Dauer) schlimmer, als wenn ein Elternteil woanders lebt. Das schließt ja nicht aus, dass eine Beziehung zwischen den beiden aufrechterhalten wird.

Ich hoffe es hilft dir zu wissen, dass du mit dieser Situation nicht alleine bist.
Bleibe weiterhin stark und achte auf dich!
Ganz liebe Grüße, Levi

Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #5 am: 17 Januar 2021, 11:32:57 »
Hallo Olaf, Levi und Marieclaire,

mir geht es den Umständen entsprechend gut.
Ich lenke mich viel mit Haushalt , der Arbeit und Betreuung meines Kindes ab. Da habe ich nicht viel Zeit mir Gedanken zu machen, wie es mir wirklich geht.
Mein Mann und ich haben nein Kontakt seitdem er weg ist (glaube 4 Tage jetzt). Ich möchte es auch nicht, habe ihn auf dem Handy blockiert. Er hat wohl bei meiner Schwester nach uns gefragt telefonisch.

Kurz zu seinen bzw. meinen Eltern:
Ja unsere Eltern wissen davon, eine Zeit habe ich es versucht geheim zu halten, aber auf Dauer ging es nicht mehr. Ja alle haben auf ihn eingeredet auch denen hat er versprochen damit aufzuhören. Immer diese leeren Versprechungen ....
Seine Familie weiß auch weshalb er wieder einmal dort ist.
Wir hatten diese Trennungen sehr oft, aber dieses Mal muss ich stark bleiben, auch wenn es schwer ist. Ich kann ihn so nicht mehr an meiner Seite haben, er hat mich sehr verletzt und etwas in mir kaputt gemacht.

Ich habe so viel Mühe und Geduld in diese Beziehung gesteckt nie große Erwartungen gehabt. Aber trotz allem fällt es mir nicht leicht, den Gedanken zu haben nun allein zu sein, ohne ihn. Aber ich weiß, dass es sich so wie er jetzt drauf ist keine Zukunft für uns gibt.
Es ist alles so schwer... die ganzen Erinnerungen. Ich weiß ja, dass er nicht so war. Wieso kann er sich nicht wieder ändern und damit aufhören??!
So viel verlange ich doch gar nicht, ja es werden auch wieder Rückschläge geben aber wenn ich merken würde, dass er es wirklich ändern und damit aufhören will, dann wäre ich an seiner Seite .

Er ist auch gegangen, weil ich finanziell ihm nichts mehr gebe. Deshalb war er auch aggressiv und schlecht drauf, tja das Geld war weg und Frau gibt auch nichts.
Und schon ging das gestreiterei los. Er ist nicht immer so, aber wenn die Sucht in ihm zu stark ist dreht er ab.

@marieclaire ja auch er wollte oft nicht gehen oder war nur für ein Tag weg. Manchmal kamen Sprüche wie: geh du doch! Oder: gib mir Geld , dann gehe ich.

Aber er wusste, ich rede viel aber letztendlich kann er wieder zurück kommen, wenn paar the Ruhe sind. Es stimmt, so war es auch immer.

Aber dieses Mal nicht!!! Ich hoffe es. Ich möchte diesen Druck ihm Geld geben zu müssen, damit es kein Streit mehr gibt oder er nicht rum schreit  einfach nicht mehr. Ich möchte einfach ein „normales“ Leben. Aber mit ihm klappt es nicht.

Ja auch ich bin mir bewusst, dass die Trennung das beste in diesem Fall ist, aber es fällt mir auch nicht leicht. Er war meine erste Beziehung all die Jahre einfach wegschmeißen? Aber er kann es doch auch so leicht, wieso ich nicht?

Ich denke eine Person, die so viele Chancen hatte und trotzdem sich nicht ändert muss man gehen lassen.
Ich denke mit der Zeit wird es mir besser gehen, aber dafür müssen wir auf Abstand bleiben.
Ich möchte auch momentan nicht, dass er den kleinen sieht. Wir müssen uns auch auf unser neues Leben gewöhnen und ich ich hoffe sehr dass ich es schaffe, dass es alle schaffen die in der selben Situation sind.

Ich habe eine Mutter Kind Kur beantragt gehabt, leider wegen Corona abgesagt worden.
Ich wollte einfach mit dem kleinen mal raus hier , raus aus dem Alltag, raus aus den 4 Wänden. Auch nach Wohnungen schaue ich, da ich nicht in der gemeinsamen Wohnung bleiben möchte, die Erinnerungen sind nicht zu ertragen. Vielleicht wird es mir ja helfen, dieses Mal neu anzufangen ohne ihn.

Ich danke euch sehr für eure Nachrichten. Ich bin momentan bisschen überfordert mit allem alleine und muss selber erst ankommen... es ist schön alles mal frei lassen zu können. 


Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #6 am: 17 Januar 2021, 13:16:51 »
Ist es normal, dass ich mir trotz allem Gedanken/ sorgen um ihn mache?
Ich weiß, dass er ohne mein halt total in ein schwarzes Loch fallen wird sogar eventuell seine Arbeit verlieren wird.

Bei seinen Eltern gehts ihn auch nicht gut, die haben kein gutes Verhältnis. Aber ich kann ihm doch auch nicht helfen. Ich habe so viel versucht und bin gescheitert. Aber wie soll ich mit diesen Gedanken weiter machen? Wie schaffe ich es ihn auch aus meinen Gedanken fern zu halten? Es ist einfach alles doch viel schwerer als ich dachte. Ich möchte mir keine Sorgen um ihn machen, aber mache es doch.

Habe ich ihn fallen lassen? Habe ich vielleicht etwas falsch gemacht? Wieso musste es so weit kommen? Wir hatten gar keine Probleme, vll war es finanziell mal eng, aber auch weil er so viel Sportwetten getätigt hat und dann hat er angefangen in spielhallen zu gehen...


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Offline Olli

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Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #7 am: 17 Januar 2021, 15:15:50 »
Hi Blümchen!

Zitat
Ich weiß, dass er ohne mein halt total in ein schwarzes Loch fallen wird sogar eventuell seine Arbeit verlieren wird.

Glückspielsucht ist eine fortschreitende Erkrankung. Wird sie nicht angegangen, dann steigert sie sich immer mehr.
Hier verweise ich auf Dein Erleben ... erst kamen die Sportwetten, dann die Spielhallen.
Er ist also bereits auf dem Weg in das schwarze Loch zu fallen - unaufhaltsam. Auch Du kannst daran nichts ändern.
Vielleicht könntest Du das Ganze noch hinauszögern. Doch was bringt das? Einen längeren Leidensweg für ihn und einen für Dich.
Zudem ist ja bereits Deine Erfahrung, dass Du tun und lassen kannst, was Du möchtest - er spielt weiter - er spielt exzessiver.
Möchtest Du also mit in das schwarze Loch gezogen werden? Möchtest Du an allererster Front miterleben, wie er sich quält und Dich auch?

Es ist doch ganz klar, dass Du ihm durch Deine Liebe immer noch helfen möchtest - ein Teil in Dir zumindest.
Darfst Du Dir hier Vorwürfe machen, dass Du diese Gedanken hast? Ich denke nicht. Du kannst nun mal nicht einen Schalter in Dir umstellen und schwups sind die Gefühle abgestellt und die Erfahrungen der letzten Jahre - auch die Guten - ausgeknipst. Dies können wir Spieler übrigens in der Suchtphase sehr gut.
Du wirst also da an Dir arbeiten dürfen um Dir Deinen Seelenfrieden zurück zu erobern. Rede, rede, rede ... hole Dir auch Sichtweisen aus Deiner näheren Umgebung ein.
Damit stellst Du Deine Werte auf den Prüfstand. Und wer prüft, der findet Dinge, die er so belassen kann und dann wieder Dinge, die ihm nicht schmecken. Die können dann verändert werden.
Setze Dich jetzt bitte nicht selbst unter Druck, dieser unschönen Situation entfliehen zu wollen. Dies kommt nun mal erst mit der Zeit.



Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #8 am: 17 Januar 2021, 15:42:59 »
Danke Olli, für deinen Zuspruch.
Ich werde versuchen mit der Zeit wieder mich selbst zu finden.

Ich habe heute erfahren durch eine dritte Person, dass er morgen zunächst in eine Pension einzieht, weil er es bei seinen Eltern nicht aushält. Schlagartig ging es mir wieder schlecht, weil ich weiß wie es ihm geht.
Aber trotzdem versuche ich nicht einzuknicken, er hat auch nicht an mich oder unseren Sohn gedacht, wenn er die Spielhallen betreten hat oder mich ständig belogen hat.

Aber wie du schon sagst, ich kann die Gefühle nicht einfach ausknipsen :(

Meint ihr, er wird es in diesem Zustand schaffen mit Hilfe? Gibt es da Chancen?
Ich glaube, wenn ihn niemand auffängt, wird er so weiter leben ohne Sinn und irgendwann auf der Straße landen.


Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #9 am: 17 Januar 2021, 16:36:04 »
Zitat
Meint ihr, er wird es in diesem Zustand schaffen mit Hilfe? Gibt es da Chancen?

Was wir meinen ist irrelevant - er und nur er muss es auch wollen!

Wenn diese Voraussetzung gegeben ist dann spricht nichts dagegen das auch er es schaffen kann.
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Offline Olli

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Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #10 am: 17 Januar 2021, 21:28:55 »
Hi Blümchen!

Ist Dir eigentlich bewusst, dass Du ihm gerade hilfst? Gerade durch das Loslassen?

Ich kann von mir behaupten, dass ich in meiner Suchtphase alle negativen Gefühle, oder solche, die ich nie gelernt hatte zu handhaben, einfach weggedrückt habe.
So konnte ich mich arrangieren und musste meine "Komfortzone" nicht verlassen. Klar war diese oft nicht schön, doch es wirkte einfacher darin zu verweilen, als die Risiken einugehen bei neuartigen Veränderungen. Übrigens tat ich dies nur, wenn es meine Gefühlswelt betraf. Im beruflichen, wie privaten Leben, versuchte ich hingegen immer neue Wege zu gehen. Fußballverein, Tauchschein, Tambourcorps, Vorstandsposten, Auslandsreisen, Programmiersprachen und Datenbanken, terrestrisches Laserscanning, Ausgleichung im Liegenschaftskataster (bin Vermessungstechniker) ... die Liste ist lang.
Ich bin bestimmt ein dutzend Male rausgeworfen worden aus meinem Elternhaus. Habe die Nächte entweder bei meiner Schwester in der Wohnung verbracht, da diese im Urlaub war, oder ich habe mitten im Winter im Auto geschlafen - 2 Wochen lang. Damals hatten wir noch andere Winter als heute ...
Heute denke ich mir manchmal mit Bedauern, aber auch ohne Vorwürfe, dass meine Eltern wohl besser einmal standhaft gewesen wären.
Leider machte ich nämlich schnell die Erfahrung, dass meine Eltern einknickten. Die Folge - ich brauchte nur abwarten, bis sie sich meldeten.
Doch hätten sie es nicht getan ... ich denke, ich hätte irgendwann darüber nachgedacht, was mir wirklich wichtig war im Leben und hätte dies auf die Waagschale meiner Prioritäten gelegt. Na ja ... der Konjunktiv ... Es ist nun mal anders gekommen.
Ein Spieler muss an seinen persönlichen Tiefpunkt gelangen. Dies kann, muss aber nicht der finanzielle Ruin sein. Es wird Deinen Mann schmerzen von Dir getrennt zu sein - von seinem Sohn - und auch der Streit mit seinen Eltern wird nicht spurlos an ihm vorbei gehen.
Mit dieser momentanen Trennung, das kann ich nur noch mal wiederholen, kannst Du ihm eine echte Hilfe sein für sich wichtige Entscheidungen zu treffen.
Was daraus wird, das wird sich erst zeigen.
Um ihm auch weiter zu helfen, würde ich ihn in der jetzigen Situation auch nicht sofort wieder aufnehmen, wenn er umdenkt.
Zuerst müssen Resultate her.  Die Zeit des im Sande verlaufen lassens dürfte bei Dir abgelaufen sein.

Wie Born schon schrieb - er muss Initiative zeigen, dass er etwas verändern möchte. Nach Deinen Schilderungen sieht es momentan nicht danach aus.
Aber - wir können ihm ja nicht hinter die Stirn schauen.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #11 am: 18 Januar 2021, 08:42:35 »
Hallo Olli,

ohje du hast aber auch viel durchgemacht. Wie geht es dir jetzt?

@Born4nothing, ich wünsche mir es sehr, dass er es endlich checkt und sich helfen lässt.

Ich habe die letzten Tage nicht viel an ihn denken müssen, aber seit ich weiß, dass er ab heute  in einer Pension sein wird, tut er mir doch irgendwie leid.
Aber ich kann ihn nicht wieder auffangen, dafür fehlt mir die Kraft.
Ich weiß nicht wovor ich solche angst habe, ihn für immer zu verlieren? Was ist, wenn er gar nicht mehr wieder zurück kommt?
Ich gehe davon aus, dass er sobald er sein Gehalt bekommt, wieder Sportwetten oder online spielen wird. Wenn ich es doch schon weiß, wieso kann ich nicht einfach drauf sch*** was mit ihm passiert?

Ich werde mal eine Beratungsstelle anrufen, ich denke ich habe doch sehr viel negatives durch seine Spielsucht abbekommen und muss vieles noch verarbeiten.

Ich wünsche mir einfach, es wäre nie so weit gekommen... seine Spielsucht hat wirklich alles kaputt gemacht.

*

Offline Olli

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Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #12 am: 18 Januar 2021, 09:37:14 »
Hi Blümchen!

Danke der Nachfrage! Mir geht es heute gut. Lebe alleine, habe ein Häuschen für mich gebaut und sitze gerade im Homeoffice ... ;)
Bei mir hat es 20 Jahre gedauert, bis ich meinen emotionalen Tiefpunkt erreicht hatte und habe nun fast 3/4 dieser Zeit im Anschluss abstinent verbracht. Leider und auch Gott sei Dank habe ich seit 7 Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern.
https://www.youtube.com/watch?v=oOln3D80i3k&t=180s&ab_channel=BETTERCALLCASY
Ersetze hier Tochter durch Sohn, Mutter durch Vater und 40 zu damals 46 und Du hast einen groben Abriss meines Lebens.
Als ich endlich "erwachsen" wurde, wie meine ältere Schwester einmal abfällig urteilte, also "nein" sagte, für mich einstand, wurde ich nur noch mit Ablehnung, Ausschluss und sogar Enterbung bedacht.
Da aber nun der Erwartungsdruck weggefallen war, konnte und kann ich mich nun auf meine eigenen Ziele und Wünsche konzentrieren.
Ich habe mich damals in das Glückspiel gestürzt, weil es mir zum Einen (in geregelten Bahnen) vorgelebt wurde, ich also nacheiferte, zum Anderen, weil ich es als Ersatzhandlung benötigte, unwissend, was ich sonst hätte machen sollen.

Wieso erzähle ich dies ... Weil Dein Mann sicherlich ebenso das Glückspiel als Ersatzhandlung ausführt.
Da schlummert etwas in ihm, was er nicht greifen kann und an das er sich nicht herantraut.
Die jetzige Trennung kann ihn nun motivieren, wie bereits oben beschrieben, umzudenken und seine Ängste anzugehen, anstatt ihnen auszuweichen.

Zitat
Ich gehe davon aus, dass er sobald er sein Gehalt bekommt, wieder Sportwetten oder online spielen wird. Wenn ich es doch schon weiß, wieso kann ich nicht einfach drauf sch*** was mit ihm passiert?

Weil Deine Liebe stärker ist als Enttäuschung, Verletzung und Vertrauensverlust.
Gerade darum ist es aber auch wichtig, dass Du Dich auf Deine Ziele und Wünsche konzentrierst, sonst rutschst Du vielleicht noch selbst in eine Abhängigkeit - der Co-Abhängigkeit.
Auch wenn es jetzt gerade so dermaßen schmerzt - Dein Denken und Dein Handeln sind "gesund" für Dich!

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #13 am: 18 Januar 2021, 10:13:43 »
Guten Morgen Olli,

es freut mich sehr, dass du es geschafft hast  :)


Weil Deine Liebe stärker ist als Enttäuschung, Verletzung und Vertrauensverlust.
Gerade darum ist es aber auch wichtig, dass Du Dich auf Deine Ziele und Wünsche konzentrierst, sonst rutschst Du vielleicht noch selbst in eine Abhängigkeit - der Co-Abhängigkeit.
Auch wenn es jetzt gerade so dermaßen schmerzt - Dein Denken und Dein Handeln sind "gesund" für Dich!


Danke für deine unterstützenden Worte, du hast ja recht. Ich muss an meine Ziele und Wünsche denken und da passt er nicht mehr rein. :(

Ich habe heute ein Artikel über toxische Beziehungen gelesen und mich im Text selber wieder gefunden.
Es war so, als würde dieser Artikel meinen Mann beschreiben. Unfassbar was er mit mir alles abgezogen hat.
Ich hatte ständig Mitleid, wenn er kein Geld mehr hatte ums ich Zigaretten oder sonst was zu kaufen und er hat das alles ausgenutzt, meine Gutgläubigkeit, mein Mitgefühl...er hat mit mir gespielt, nur um an Geld zu kommen.
Egal ob durch Streit oder durch geschleime und Komplimente...

Kann man sowas bemerken? Also die Sucht an einer Person? Wann hat das bei ihm angefangen bzw wieso? was hat ihm gefehlt?
Ich meine das alles nicht Böse, aber ich werde es nie verstehen können, wieso man es riskiert sein zuhause, seine Familie zu verlieren für Spielhallen?! Bitte nicht falsch verstehen, möchte niemanden angreifen.
Ich bin einfach so durcheiander und kann es nicht verstehen wieso er uns das angetan hat... es war alles doch in Ordnung...

Re: Ehemann Spielsüchtig, Trennung
« Antwort #14 am: 18 Januar 2021, 10:14:33 »


Ich werde mal eine Beratungsstelle anrufen, ich denke ich habe doch sehr viel negatives durch seine Spielsucht abbekommen und muss vieles noch verarbeiten.

Ich wünsche mir einfach, es wäre nie so weit gekommen... seine Spielsucht hat wirklich alles kaputt gemacht.

Kann ich dir sehr empfehlen.
Ich habe hier auch Hilfe bekommen und ärgere mich das ich es nicht früher gemacht habe.

Die Angehörigen Beratung vor Ort hier ist echt gut und ich habe das Gefühl ernst genommen zu werden.

Von Freunden wurden mir so Sachen gesagt wie sei froh das es nur Spielen ist.

 

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